Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 49 (22.6.1937)
- Date
- 1937-06-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49, 22. VI 37? ו JÜDISCHE RUNDSCHAU Settel Die polnische Evakuierung^ -Theorie Forderungen des Generals Zieligowski Eine Kulturdebatte Unruhen in Czenstochau Zionisten aus Deutschland im Vorkriegs-Palästina Von Dr. Elias Auerbach, Haifa Dieser Artikel ergänzt auf einem sehr wichtigen Gebiet 'die Rückschau auf 40 Jahre Zionismus in Deutschland. — Red. Das Kennzeichen des Zionismus in Deutschland vor dem Weltkriege liegt darin, daß er nicht von der Judennot direkt angetricben wurde. Auf der einen Seite wurde er dadurch vielfach zu einer philanthropischen Bewegung ״für die leidenden Brüder“; auf der anderen Seite formte er sich in einer Reihe von Menschen, nicht abgelenkt durch den Zwang der Not, zur reinen nationalen Idee mit dem Drang zur Verwirklichung. Von diesen Zionisten aus Deutschland, die in dieser frühen Zeit schon ihr Leben mit Palästina verbunden haben, will ich heute einige Erinnerungen festhalten. Ihr Nestor ist Louis B r i s c h, der 1007 nach Palästina ging und hier zunächst als Gärtner des Keren Kajcmeth in Hulda arbeitete. Er lebt jetzt in Haifa und feiert in diesen Tagen den dreißigsten Jahrestag seiner Uebersicdlung, als Mann von 85 Jahren in erstaunlicher Rüstigkeit und geistiger Frische. In dieser ganzen Zeit, auch während des Krieges, hat er Palästina nicht ein einziges Mal verlassen. Im Jahre 1008 kam im Aufträge der Zionistischen Organisation Dr. Arthur Ru pp in und begründete das Palästina- Amt, mit dem eine neue Epoche der Kolonisation anhub. Ueber Ruppin, eine der geschichtlichen Persönlichkeiten des Zionismus, braucht hier nichts gesagt zu werden. Aber nicht vergessen sei seine früh verstorbene Frau, die in dem eben entstehenden Tel Aviv die erste Musikschule schuf. Als ich selbst 1909 als Arzt nach Haifa ging, fand ich hier noch ein völlig arabisches Städtchen von etwa 18 000 Einwohnern vor. Außer den einheimischen sephardisclieri Juden, die fast durchweg Arabisch sprachen (einige auch Spaniolisch), waren in der Stadt nur etwa 150 Familien des neuen Jischuw. Meine Praxis war zum größeren Teile eine arabische, meine nächsten Freunde russische Juden — eine gute Schule zum Einlehen in die Verhältnisse Palästinas. Das äußere Leben war noch ganz primitiv. Aber es war eine schöne Zeit des Wachsens und frischer Arbeit. Im folgenden Jahre wurde die erste moderne jüdische Schule in Haifa begründet, wurden die ersten jüdischen Häuser der ״Herzüah“ gebaut, wurden die Terrains des späteren Hadar Hakarmel gekauft. In Haifa fand ich nur einen Juden aus Deutschland vor, den verstorbenen Ingenieur und Landmesser Joseph Trcid e I, bereits seit 1904. im Lande, aber erst in diesen Jahren der zionistischen Bewegung eingegliedert. Mit ihm verband mich bald herzliche Freundschaft. Er war ein aufrechter, ritterlicher Mann, eine echte Pioniernatur. Bald kamen zwei seiner Brüder. Dr. Oskar Treidel als Chemiker der Aaronsonschcn Versuchsstation, der noch heute in Palästina lebt, und Alfred Treidel, der entschlossen zur Landwirtschaft überging, sich in schwerer Arbeit in Kinereth eine Farm schuf und als Held der Arbeit kurz nach dem Kriege gestorben ist. Neben ihm ruht auch die alte Mutter, die den Söhnen ins Land folgte. Anfang 1910 kam aus Berlin nach Haifa eine ganze Familie Herr mann, Mutter, zwei Söhne, zwei Töchter. Der eine Sohn, Ernst H., ein alter Bar Kochbaner, lebt jetzt in Tel Aviv, seine Kinder sind in die Landwirtschaft gegangen, auch die beiden Schwestern sind im Lande. Langsam kam weiterer Zuzug, ln Chederah ließ sich Dr. Wilhelm Br ii 11 n als Arzt nieder, wurde dann Leiter des Nathan Straußschcn-Malaria-Instituts und arbeitete außerdem als Landwirt. Er ist nach dem Kriege ganz zur Landwirt- Schaft übergegangen (die ״Umschichtung“ ist keine Erfindung der letzten Jahre) und wurde einer der ersten Pioniere des Orangenbaues. Die Gesundung Chederahs verdankt seiner Arbeit viel. Etwa um die gleiche Zeit gründete Ludwig Mayer die erste moderne jüdische Buchhandlung in Jerusalem. Auch er ist seiner Arbeit und Palästina treu geblieben. Mit der Begründung der ersten Siedlung im Emck, Merchawiah, richtete dort Hugo K a m i n s k i zusammen mit seinem Schwager Salomon eine Wirtschaft ein. Er blieb nach dem Kriege jahrelang in Deutschland, dann zog «s ihn wieder hierher. In dieser frühen Zeit kamen nach Tel Aviv noch zwei alte Zionisten, Dr. Weinberg aus Dortmund, der noch jetzt als Anwalt in Tel Aviv tätig ist, und Joseph Loewy, der damals die Ballgesellschaft ״Kedem“ gründete, nach dem Kriege dann und bis heute eine bedeutende Wirksamkeit in Haifa entfaltete. Seine größte Leistung ist Plan und Er- Werbung der Haifa-Bay. Eine ganze Gruppe von Zionisten aus Deutschland ist fm Zusammenhang• mit dem Technikum in Haifa ins Land gekommen. An erster Stelle ist hier der unvergeßliche Alex Baerwaid zu nennen, der Erbauer des Technikums, den ein früher Tod aus fruchtbarster Arbeit dem Lande entrissen hat. Er kam bereits 1909 zu Vorstudien hierher und seitdem Jahr für Jahr, um das große Werk zu leiten, bis er nach dem Kriege ganz als Lehrer der Architektur am Technikum hierher übersiedelte. Außer durch seine bezaubernde Personlichkcit hat er sich durch seine Bauten im Lande, zumal in Haifa, ein dauerndes Denkmal gesetzt. Noch jetzt sind in Jerusalem die beiden Brüder Wilheim und Max Hecker, von denen der erste als Berater beim Ban des Technikums, der zweite als Lehrer und Leiter des Technikums gewirkt hat. Beider Haus war auch immer ein Mittelpunkt zionistischen Lehens für die nach ihnen gekommenen Zionisten aus Deutschland. Als Vorschule zum Technikum war die Realschule in Haifa geplant worden. Sie ist dann durch den Kampf um die hebräische Unterrichtssprache ein selbständiges und wichtiges Zentrum geworden. An ihr arbeitete als Mathematiker David T a c 11 a 11 e r, der jetzt in Tel Aviv lebt. Der Begründer dieser Schule und ihr Leiter bis heute ist Dr. Arthur Biram, der aus ihr in zäher Arbeit und impanierender Organisationsleistling ein vorbildliches und in sich gefestigtes Institut geschaffen hat, das heute durch seine zahlreichen Abzweigungen schon zu einem ganzen Schulkonzern emporgevvachsen ist Meine Liste ist gewiß nicht vollständig, und ich werde den und jenen vergessen haben. Aber die Namen dieser Zionisten, die vor dem Kriege aus Deutschland nach Palästina kamen, haben alle hier einen guten Klang. Es ist bezcichnend für ihre Geistesart und die Stärke ihres Zionismus, daß sic alle ohne Ausnahme, soweit sie nicht schon der Tod hinweggerafft hat, noch heute in Palästina leben und arbeiten. PALÄSTINA IN LICHTBILDERN Die aktuellsten Bilder der letzten Monate mit ausführlichem Begleitvortrag von Dr. E. Mechner, Tel Aviv Feste — Hafenbau — Städtebau — Architekten — Musik und Theater — Auf dem Land Kibbusch Awodah — Neue Siedlung (HULE) Bildbericht 5697 Nr. 4 ...... 50 Bilder RM 4,— Zu beziehen gegen Voreinsendung des Betrages durch den KEREN KAJEMETH LEJISRAEL Berlin W15, Meinekestr. 10. Postscheckkonto Berlin 282 47 Warschau, 17. Juni. (JTA.) Jn der letzten Sitzung des Sejm führte der Eroberer Wilnas, der greise General Zieligowski, anläßlich einer Debatte über die grundsätzliche Verwendungsart der Mittel des Pilsudski-Kulturfonds eine Aussprache über die Juden-Evakuierungspolitik herbei. Der Senat hatte die Bestimmungen des Fonds dahin abgeändert, daß er nur der polnischen Kulturarbeit, nicht aber auch derjenigen der in Polen lebenden nationalen Minderheiten zugute kommen soll. Um Bestätigung oder Ablehnung der vom Senat vorgenotnmenen Aenderungen ging die Debatte im Sejm. Sie wurde eingeleitet von der Wilnaer Abgeordneten, Frau P e 1 c z y n s k a, d e sich gegen die vom Senat vorgenomniene Streichung von Artikel 4 des Fonds- Statuts wandte, welcher bestimmt, daß der Fonds auch die kulturellen Fragen der nationalen Minderheiten Polens berücksichtigen soll. Sie betonte, daß es nicht im Interesse des polnischen Staate# liege, die Minderheiten von der Förderung durch diesen Fonds auszuschließen. Gegen diese Auffassung warf der Abgeordnete General Zieligowski das Gewicht seines Ansehens in die Waagschale. Er würde, so führte er aus, die Ansichten seiner Vorrednerin vielleicht noch tc 'cn können, wenn es sich nur um die Weißrussen oder die Ukrainer handelte. Eine ganz andere Sache aber sei es mit den Juden. Die Forderung, auch die Kultur der Juden zu fördern, löse in ihm Protest aus; nicht darum, weil das jüdische Volk schon eine hohe Kultur besitzt, vielleicht eine viel höhere als die polnische Bcvölkerung im Dorf, lind auch nicht darum, weil die Juden die größten Kapitalien der Welt in Händen hätten, auch nicht wegen der nationalen Einigkeit, die sie in höherem Maße besitzen als jedes andere Volk der Welt, sondern bloß Sonnabend, den 26. Juni 1937, 21.30 Uhr, BrOderverelnshaus, Kurfürstenstr. 115-116 Abschied von Joachim Prinz Ee sprechen zu Joachim Prinz R.-A. Benno Cohn Dr. Franz Meyer Dr. Michael Traub Dr. Robert Weitsch «JOACHIM PRINZ Abschiedsrede ZIONISTISCHE VEREINIGUNG FÜR DEUTSCHLAND BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG darum, weil die Juden allen anderen Völkern ihre Kultur aufgepfropft hätten. Die Juden hätten eine ganz andere seelische Struktur, eine höhere vielleicht, aber eine andere. Der nationale Kulturfonds dürfe Juden nicht unterstützen. Der Redner behauptete weiter, das ganze Staats- und Kulturleben Polens werde von den Juden beherrscht. Während eine großzügige Politik gegenüber den slawischen Minderheiten der Zukunft Polens weite Horizonte eröffne, dürfe die Judenpolitik nur in einer Richtung geführt werden; die Juden müßten Polen verlassen. Das liege im fnteresse beider Völker. Man müsse ein besonderes E m igrationsanit und für dieses einen speziellen Fonds schaffen, ja sogar besondere Steuern dazu einführen; denn die ungesunde Atmosphäre, die um die Judenfrage entstanden sei, müsse mit Hilfe eines großzügigen Plans, der beider Völker würdig ist, bereinigt werden. General Zieligowsky schloß mit der Aufforderung, den Antrag der Abgeordneten Pelczynska abzulehnen. Der ukrainische Abgeordnete Kurzmowicz sagte, er hielte nichts von den Freundschaftsbeteuerungen gegenüber den slawischen Minderheiten. Die Ukrainer würden gegen das vom Senat beschlossene Amendement stimmen. Würde man auf die einseitige Begünstigung der slawischen Minderheiten jetzt eingehen, so hieße dies, ein gefährliches Präzedenz zu schaffen: ein nächstes Mal würde dann für keine Minderheit mehr eine Ausnahme gemacht werden. Im weiteren Verlauf der Debatte ergriff auch der Vorsitzende des Jüdischen Parlamentsklubs, Abg. Dr. Emil Sommerstein, das Wort. Er wolle mit General Zieligowski nicht polemisieren. Man könne gern dem zustimmen, daß die jüdische Kultur groß und uralt ist, Hier ergreife er aber das Wort, uni gegen die Unterschcidüng von Bürgern nach Religion und Nationalität zu protestieren. Der Grundsatz ״teile und herrsche“, kann weder vom Parlament, noch vom Staat akzeptiert werden. Ueberall wo er angewendet wurde, hat dieser Grundsatz zu den schlimmsten Ergebnissen geführt. Wenn General Zieligowski sagt, die einzige Lösung der Judenfrage sei Aus wänderung, so sage ich, daß dies in gewaltigem Widerspruch zur Kultur steht. Man kann nicht gleichzeitig sich zu den höchsten Kulturträgern zählen und die Auswanderung von dreieinhalb Millionen Bürgern fordern. Zum Schluß erklärte der Abgeordnete, er lehne die Kommentierung ab, die General Zieligowski zu der Verfassung gegeben habe. Es gehe hier nicht um das Geld, das dem polnischen Kulturfonds zufließen wird; die Juden würden davon nur sehr wenig oder nichts erhalten. Aber wir fragen, ob in Polen die Verfassung oder nationale Unterdriiekung gilt und ob Auswanderung die einzige Lösung der Judenfrage ist. Bei der Abstimmung wurde der bereits vom Senat beschlossene Ausschluß der Minderheiten von der Förderung durch den Kulturfonds bestätigt. Der Sejmabgeordnete Graf Hutten-Czapski, Mitglied der konservativen Partei, organisierte auf dem Boden des Sejm eine neue parlamentarische Gruppe, die sich die Propaganda der Kol on i a 1 f o r d e r u n g e n Polens zum Ziele setzt. Die neue parlamentarische Gruppe vertritt den Standpunkt, daß die Lösung des Emigrationsproblems, insbesondere die Auswanderung der Juden, den Besitz von Kolonien für Polen notwendig macht. An den Beratungen hatten etwa fünfzig Mitglieder des Sejm und des Senats teilgenommen. Es wurde ein Komitee eingesetzt, das sich mit den Auswanderungsproblemen befassen soll. Ein Zwischenfall führte am Sonnabend in Czenstochau zu Unruhen. In einer persönlichen Auseinandersetzung hat der jüdische Schlächter Josef Pendrak den Baluitriigcr Stephan Baran erschossen. Dunkle Elemente nahmen diesen Vorfall sofort zum Anlaß zu einer wüsten Judcnhetze. Mehrfach wurden Juden überfallen, doch stellte die Polizei die Ruhe schnell wieder her. Der erschossene Baran war wegen verschiedener Verbrechen wiederholt verurteilt worden. ׳* In einem halbamtlichen Coimminique wurde festgestellt, daß es sich um einen rein persönlichen Streit zwischen Pendrak lind Baran gehandelt hat. Pendrak hatte sich geweigert, Baran Geld zum Kauf von Branntwein zu geben. Der dadurch entstandene Wortwechsel artete in eine Schlägerei aus. Pendrak feuerte zweimal aus einem Revolver und brachte Baran schwere Verletzungen bei, denen er bald erlegen ist. Der Täter wurde verhaftet und die Untersuchung gegen ihn eingeleitet. Am Abend flammte die antijüdische Propaganda im Zu« sammenhang mit der Tat wieder auf. Agitatoren wollten die Bevölkerung zu einem Pogrom atifreizcn. In sehr vielen jüdischen Häusern wurden die Fenster zertrümmert. Auch die Fenster der Alten und der Neuen Synagoge sind eingeschlagen worden. In einigen Hauptstraßen haben die Exzedenten jüdische Geschäfte in Brand gesteckt und gepliin« dert. Jüdische Passanten wurden überfallen und mißhandelt. Der jüdische Gymnasiallehrer Dr. Ignatz Schreiber wurde schwer verwundet. Die christlichen Kaiifietite haben Heiligenbilder in die Schaufenster gestellt. Die Polizei be* miilite sich, die Exzedenten aiiseinander/utreibcn. Die jüdischen Parlamentarier haben wegen der Vorfälle in Czenstochau bei den Zentralbehörden interveliiert. Es wurde ihnen versichert, daß energische Maßnahmen getroffen wurden und die Polizei die Lage beherrscht. Um Mitternacht war die Ruhe in Czenstochau vollständig wie« dcrhcrgestellt. ln der Nacht hat eine Bande unter der Führung des Nationaldcmokratcn Bogdan Zablonski einen Ucbcrfall auf die jüdischen Einwohner des Dorfes Mulac/yce (Kreis Sarni) unternommen. Zahlreiche Juden wurden schwer mißhandelt, ln allen jüdischen Häusern wurden die Fenster• scheiben Ungeschlagen. Schließlich zwangen die Exzedenten die in Mulaczycc lebenden sechzig jüdischen Familien, das Dorf zu verlassen. Zablonski und seine Mithelfer wurden später von der Polizei verhaftet. Urteile in Bre st-Litowsk Das Kreisgericht von Brest-Litowsk hat drei Teil* nehmer an den Ausschreitungen vom 13. Mai zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt. Die Verurteilten hatten in einem jüdischen Bcthaus sechzig Fenster zertrümmert, die Türen zerbrochen und die Thoraladc vernichtet. In der Urteilsbegründung wird die besondere Böswilligkeit hervorgehoben, mit der die Täter bei der Zerstörung des Betliauses vorgegangen sind. In einem zweiten Prozeß waren sieben Personen angeklagt, darunter zwei Frauen, die sich unter der Anführung eines früheren Gendarmen und jetzigen ln« hebers eines Lebensmittelgeschäftes an der Zerstörung und Plünderung eiries jüdischen Lebensmittelgeschäftes beteiligt haben. Nur der Hauptangeklagte hat eine Volksschule absortiert, alle übrigen sind Analphabeten. Der Hauptangeklagte erhielt 8 Monate Gefängnis, vier weitere Personen 6 Monate, jedoch mit unbegrenztem Strafaufschub, eine Person eine Woche Gefängnis und ein Angeklagter wurde freigesprochen. Gesamt ־Vertretung der *Juden Polens Warschau, 18. Juni. (JTA.) Bei einer am 16. Juni abgehaltenen Beratung, an der alle Parteien und Gruppen teilgenommen haben, durch die die provisorische Repräsentanz des polnischen Judentums gebildet wird, wurden nach eingehender Aussprache die Richtlinien für die Tätigkeit der Repräsentanz in nächster Zeit aufgestellt. Nach der Aussprache über die programmatischen Fragen wurde die personelle. Zusammensetzung der provisorischen Repräsentanz des polnischen Judentums festgelegt. Auf der in Warschau unter dem Vorsitz von Ing. M. Seid en mann abgrhaltenen Generalversammlung des jiidischcn Wirtschaftskomitees berichtete der Ge« ncralsekretiir, Red. Wo I ko wie/, über die Ergebnisse der Arbeit des Komitees auf dem Gebiet der Arbeitsbeschaffung für jüdische physische und geistige Arbeiter und der Be« kämpfung des Ro^otts jüdischer Arbeit. Der Aerzteverhand und die Vereinigung der Resfaura« teure haben bei der polnischen Vercinsbeliörde eine Statutenänderung im Sinne der Einführung des Aricrpara• graphen beantragt. Die Verwaltungsbehörden haben den Antrag zurückgewiesen. * Die Jahrcstagung des Verbandes der polnischen Juden Amerikas hat beschlossen, an die Regierung der Vereinigten Staaten den Appeil zu richten, die Tore Amerikas für die Einwanderung verfolgter Juden aus Polen zu öffnen. An die polnische Botschaft soll eine Denkschrift über die Judenverfolgungen in Polen gesandt werden. Die ff. Weltkonferenz der polnischen Juden im Ausland wird in der zweiten Hälfte August in Paris stattfinden. Das Begräbnis eines jüdischen Arztes. Die Zeitung ״Flammenzeichen“ (Leoiiberg-Stuttgart) veröffentlicht ein Bild, das einen Zug trauernder Dorfbevölkerung (besonders viele Frauen) zeigt, und schreibt dazu 11. a.: . Was haben deutsche Volksgenossen bei einem Judenbegräbnis zu suchen? Wie kürzlich in Pfolzgrafensveiler, wo sich so und so viele, arische Einwohner (siehe unser Bild) verpflichtet fühlten, dem jüdischen Arzt Dr. Levi das letzte Geleit zu geben? War es Neugierde, also bloß Dummheit oder gar die Ab« sicht zu demonstrieren? Wir wollen darüber nicht entscheiden. Wir wollen nur feststellen, daß das Mitlauten auf jeden Fall unangebracht war, weil Deutsche und Juden heute nichts mehr, aber auch gar nichts mehr gemein haben sollen. Nun wird uns aber auch berichtet, daß während des Begräbnisses, d. h. während die Leiche des jüdischen Arztes, die an einem anderen Ort bestattet wurde, an die Ortsgrenze ge« bracht wurde, die Glocken der evangelischen Kirche läuteten. Das kann doch nur Zufall gewesen sein. Denn wenn wir auch von Bekennfnisseite gerade in der Judenfrage manche starke Entgleisung erlebt haben, so können wir doch nicht annehmen, daß die bekennende Kirche, die .,Deutschen Christen“ das Glockengeläute verweigert, so ״großzügig“ wäre, verstorbenen Juden zu Grabe zu läuten.“