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Jüdische Rundschau · 1937-06-22 · Heft 49 (22.6.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 49 (22.6.1937)
Date
1937-06-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 49, 22. VI, 1937 Palästina-Problem gerichtet hat. Der Vorsitzende des Regent• schaftsrates behauptet, daß England nur die den Juden gegebenen Versprechungen in weitem Umfang erfüllt habe, während die Versprechungen gegenüber den Arabern nicht gehalten worden seien. Infolgedessen drohen jetzt für Palästina Gefahren, und das liege nicht im Interesse der britischen Politik. Zur Anwendung dieser Gefahren schlägt Machamad Ali folgenden Plan vor: Da Palästina ebenso wie das benachbarte Syrien unter Mandatsregime stehe, sollen sieh beide Länder über eine Vereinigung auf der Grundläge eines föderativen Systems nach Schweizer Muster verständigen. Eine solche Losung würde sowohl für die Araber als auch für England und Frankreich, die damit die arabischen Sympathien gewinnen würden, von Vorteil sein. ״El Mokaftam“ will erfahren haben, daß der englische Außenminister dem Vorsitzenden des ägyptischen Regentschaftsrates versichert habe, die Regierung werde diesen Vorschlag bei der Lösung des Palästina-Problems mithin Bet rächt ziehen. Eine ähnliche Antwort soll auch Sir Arthur .Wauchope erteilt haben._ Jüdisches aus England Von unserem Berichterstatter J. K. London, 16. Juni Vom Board of Deputies Der Board of Deputies, die repräsentative Organisation!der englischen Juden, ist in dieser Woche in seine neue Legislaturperiode 1037— 1940 cingetrcten. Die Arbeit, die diese Körperschaft zu leisten hat, wird von Jahr zu Jahr umfangreicher und verantwortungsvoller. Vor dem Kriege waren die am ersten Sonntag jeden Monats stattfindenden Tagungen kaum mehr als ein gesellschaftliches Ereignis, an dem teilzunehmen sich die Elite des englischer! Judentums zur Ehre aiirechnete. Die eigentliche Arbeit wurde vom Präsident e n unter wohlweislicher Ausschaltung der Mitglieder geleistet. Seit den lagen der Balfnur-Deklaration und der Friedenskonfereuz, auf der sich die Vertreter des Board für jüdische Mimlerheitsrechte in Osteuropa einsetzten, hat sich der Arbeit'.ra11ius des Verbandes ständig weiter vergrößert, ln den letzten Jahren fielen dem Rechts- und Pariam e!11 s a t! s s c h u ß besonders wichtige Aufgaben zur Wahruehmung englisch-jüdischer Interessen zu. Die Arbeit, die in diesem Rahmen im Vorbercitimgsstadiuin des Sonntagsruhegeset/es und des Gesetzes zur Aufrechterlialtung der öffentliehen Ordnung geleistet wurde, verdient besondere Erwähnung. Nach wie vor ruht die Hauptlast der Arbeit aut den Schultern des Präsidenten. Die neue Amtsperiode begann mit der Wiederwahl des bisherigen Präsidenten L a s k i. Laski, ein Sohn des Luhrers der Jüdischen Gemeinde Manchester und Schwiegersohn des sephardischen Oberrabbiners Chacham Ga st er, steht noch am Anlang seiner jüdisch-politischen Karriere und es ist bemerkenswert, daß seine Wahl ein- Stint in ig ohne Gegenkandidaten erfolgte. Der Ablauf der alten Amtsperiode wurde von einer Gruppe zum Anlaß genommen, eine Reform in der Zusammeiisetzung ries Joint Foreign Committee z.u beantragen. Dieser Ausschuß für auswärtige jüdische Angelegenheitcn beobachtet regelmäßig die Lage der Juden in anderen Ländern. Obwohl aus neunzehn Mitgliedern bestehend, wird die Arbeit faktisch von den beiden Präsidenten des Ausschusses allein dnrchgeführt. Die Mitglieder haben weder das Recht, ihre Präsidenten zu wählen noch waren sie bisher in der Lage, deren Tätigkeit im einzelnen zu kontrollieren. Seit 50 Jahren besteht ein Abkommen, wonach der Präsident des Board of Deputies und der Vorsitzende der Anglo-Jt wish Association automatisch Co-Präsidenten des Auswärtigen Ausschusses sind. Im Zuge der Demokratisierung des englisch-jüdischen Lebens begann sich nun vor allem Widerstand gegen die Aufoktroyierung des Vorsitzenden einer Organisation zu wenden, deren Bedeutung im Laufe der Zeit immer mehr zurückgegangen ist, während der Board sich gleichzeitig zu der repräsentativen Organisation der englischen Juden entwickelt hat. Die auf eine Reform!linatislaufemlen Anträge wurden besonders von den zionistischen und osfjüdischen Vertretern sowie von der gesamten jüdi-chcn Presse unterstützt. Aber der Einsatz der Autorität des Präsidenten L a s k i und Rücktrittsdrohungen des Vizepräsidenten Sir Robert Wale y Cohen und seiner Freunde von der Ancdo-Jevvish Association führten zu einer Ahle 11 n 11 11 g <1 e r R e f o r u! Vorschläge mit einer Mehrbeit von 12(! gegen 74 Stimmen. Mr. Leonhard Montefiore, der in diesem Amt wertvolle Erfahrungen gesammelt hat, wird daher weder neben Neville Laski dem Joint Foreign Committee präsidiert 11. Hingegen kam man den Wünschen der Minderheit soweit entgegen, als für größere Aktionsfähig- Reit des Ausschusses gesorgt wurde und die Präsidenten sich zur eingehenden B c r 1 c h t e r s t a־t 11! n g und größeren Rücksiehtnahme auf die Wünsche der Ausschußmitglieder verpflichteten. Mr. Neville I.ה s k i, der Präsident des Board of Depufies, hielt kürzlich im Bonar Lnw-Lehrhaus im Rahmen der 711111 Andenken an den verstorbenen Staatsmann gegründeten staats wissenschaftlich en Kurse eine Vorlesung über Palästina. Mr. laski wies auf die große Bedeutung Paläsfinas für das Britische Empire hin. Eine Teilung Palästinas würde dem englischen Prestige im Orient sehr schaden und sei mit den den Juden gegebenen Versprechungen unvereinbar. Zionistische Jugendarbeit in Leeds fand die dritte Jahreskonferenz des Z10nlsti sehen J u g c 11 d v e r b an d e s statt. Der Verband hatte an den Board of Deputies den Antrag gestellt, als Einheit in den Board aufgenommen zu werden. Der Konferenz lag nun eine Ablehnung dieses Antrages von seiten des Board vor. Dieser überraschende Beschluß bedeutet, daß die wichtigste Gruppe der englisch - jüdischen Jugend in Opposition' zu der offiziellen Körperschaft gedrängt werde. Ohne auf die Gründe eiimigehen, wird man bedauern müssen, daß der Board hier eine Gelegenheit vorüberließ, seinen Anspruch, alle Kreise des englischen Judentums zu repräsentieren, in die Tat umzusetzen. Um seine eigenen Reihen zu verstärken, beschloß der zionistische Jugendverband, alle jüdischen Jugendvereine in sich aufzunehmen, die das Baseler Programm anerkennen, selbst wenn nicht alle Mitglieder Zionisten sind. Für die Hebräische Universität Da die Hebräische Universität bisher in England nur wenig Unterstützung fand, haben die Londoner Freunde der Universität beschlossen, in diesem Jahre besondere Anstrengungen zu unternehmen, um ein jährliches Einkommen von 10 000 Pfund in England und den englischen Dominien sicherzustellen. Die erste Veranstaltung fand im April unter Tcilnahme Dr. W e i z rn a n n s und Sir Herbert Samuels statt. Weitert• Veranstaltungen sind in jeder englischen Universit.iisstadt geplant und fanden zum 1 eil schon statt. Kürzlieh wurde eine Ortsgruppe der Freunde der Hebräischen Universität in Oxford gegründet. Die erste Tagung fand 1m Hause des Oxforder Professors für Hebräisch, Canon Danby, Statt. Canon Danby, der zum Vorsitzenden der Ortsgruppe gewählt wurde, lebte bis vor kurzem als Gelehrter und Korrespondent der ״Times“ in Jerusalem und beobachtete Italien und der Islam Die ״Berliner Börsenzeitung" veröffentlicht einen Bericht ihres römischen Korrespondenten über die Betrachtungsweise, die in Italien heute gegenüber den Verhältnissen im Orient Platz greift. Darin heißt es: ,,Zwei Entwirklungsrcihcn sind dort nach italienischer Auffassung, zu beobachten: eine Eigenbewegung i m p a n i 3 1 a in i l i - s e 11 c 11 und darin ein geschlossen i m p .1 n a r a b i s r 11 c 11 Sinn, — und eine von außen beeinflußte Entwicklung, welche diese Figenenlwicklung ,regulieren‘ möchte. Die panislamitische Linie: das wäre der mittelasiatische Block Afghanistan, Persien, Irak, Türken dem sich in weiterer Zukunft das saudische Arabien, der Jemen, Syrien und .sehließüeh auch Aegvpten angliedern würden. Demgegenüber die von außen kommende Beeinflussung (Englands und Frankreichs), die beiden Gruppen auscinandcrzuhalten. Welche ist nun clic italienische Auffassung? Es ist zunächst bemerkenswert, daß die italienische Publizistik sich nicht: ditekt, gegen Panislamilismus und I'anarahismus ausspricht. Das ge- Schicht indirekt in der Form, «laß man sagt: ,diejenigen curopii• ischon Kabinette, die leichtfertig die panislamiiische Bewegung nicht sehen wollen...“ Italien sicht die Bewegung also! Nicht nur in der gegebenen politischen Skizze, sondern auch in ihren propagandistischen Acußerongen: muselmanischer Kongreß auf der Pariser Weltausstcllung, Stuilcntcnkongrcß in Kairo (geplant für den September), nationalist i-ehe Bewegung in Marokko, Algier, Aegypten, Trans- Jordanien usw. Es selbst erklärt, dem Islam loyal geg<snübcr1uste!!en, auch liir den Arabismus ,konkretes Verständnis hinsichtlich seiner geistigen und weltlichen Bedürfnisse zu haben.‘ Aber es lehnt den politischen Pan arabismus ab, besonders wohl, seit seine Bemühungen mit dem saudischen Arabien, und dem Jemen (Konzcssiottswünsche) in engere Fühlung zu kommen, als ge sc heitert anzusehen sind.“ Der Berichterstatter kennzeichnet dann unter Zugrundelegttng von italienischen Zcitschriftcnäußerungcn das lateresse Italiens an den arabischen Ländern, besonders am Roten Meer, Dieses Interesse sei durch Eroberung Abessiniens noch gestiegen. ״Andererseits ist auch nicht zu übersehen, daß die alvesslnisehe Eroberung auf dem anderen Llfer in Arabien starke Reserven gegenüber Italien ausgelöst hat. Ein italienischer Imperiali'imis ist hier mehr gefürchtet als der englische, der sich an den Wasserstraßen (die den Arabern relativ gleichgültig sind), ת!clit aber im Hinterland festsetzt. Begründet oder nicht begründet, diese Reserven bc.-tehen und haben Ausdruck gefunden in der A b - 1 e h n u 11 g italienischer K o n zess i ons w ii nsc lie im Jemen und dessen Annäherung an den Irak. Jedenfalls aber «lenkt das fasch:,tische Italien gar nicht daran, den Franzosen und eien Engländern (Palästina und Syrien) das Feld einfach zu überlassen. .Nicht zuletzt ist das der Grund, weshalb sich Italien nicht völlig vom Völkerbund zurückgezogen hat.“ Schließlich erwähn! der Berichterstatter einen Artikel des ״Corriere Padano“, des Blattes des Marschalls Balbo, des Generalgouverneurs von Libyen, über die Frage der Levante. Dieser Artikel beschäftigt sich vorwiegend mit den Gerüchten über die geplante Teilung Palästinas und charakterisiert die negative Haltung der Araber und der uden gegenüber diesen Plänen. Schließlich wird die Haltung taliens gegenüber dem Panislamismus und Palästina aus folgendem Absatz des Berichtes klar: ״Auch der Patriarch von A n t i o c 11 i a hat, womit sich die Materie auf Syrien ausdehnt, bei einem kiirzlichen Besuch in Rom der ,Tribuna‘ erklärt: .Der in seiner Mehrheit von katholischen und griechischen Oiiistcn bewohnte Groß-Libanon bedarf (wenn auch keines Protektorats), so doch׳ eines Schutzes gegen den P a n i s 1 a m i s m u s 11 n d V a n a r a h i s m 11 s. Diesen Schutz kann Frankreich, kann aber auch Italien geben.‘ Wie eine Reaktion darauf klingt, was Balbos Blatt sagt: ,Ein De-üntercsse der europäischen und besonders der katholisclien Staaten an den 11 eiligen Stätten wäre nicht zu rechtlertigen. Unter ihnen aber steht Italien an erster Stelle.‘ Kompliziert liegen diese Probleme natürlich. Katholische und lateinische Interessen auf der einen —, islamitische auf der anderen Seite stellen auch Italien vor delikate Fragen,“ Dieser Bericht aus Rom gewinnt besonders an Interesse, wenn man sich erinnert, daß kürzlich Mussolini gelcgentlich seines Besuches in Libyen sich als Schutzherr des Islams proklamiert hat. Italienische Kulturpropaganda v im Mittelmeergebiet Der von einer Reise nach dem Nahen Osten nach London zurückgekehrte Lord Lloyd (der frühere Ober- Kommissar von Aegypten) hielt vor dem Unterausschuß für auswärtige Angelegenheiten einen Vortrag über die italienische Kultur Propaganda in den Ländern am Mittel me er. Der Redner legte dar, daß die italienische Propaganda im Mittelmeergebiet — und zwar auch in den von Großbritannien beherrschten Ländern wie Malta, Zypern und Palästina — für Englands Stellung gefährlich werden könnte, wenn sich nicht auch die britische Regierung zu einer energischen Propagandatätigkeit׳ entschlösse. Die Völker, um die es gehe, würden, so meinte Lord Lloyd, der britischen Kultur den Vorzug geben; zur Zeit aber fehle es an geeigneten Maßnahmen, um der ausländischen Beeinflussung entgegenzutreten. Dies könne am besten mit Hilfe des Unterrichts wese ns geschehen. So empfahl Lord Lloyd unter anderem die Gründung einer englischen Universität auf Zypern. viele Jahre hindurch den Aufbau der Universität aus der Nähe. Gegenstand der Diskussion bildete die Frage der akademischen Zusammenarbeit zwischen Oxford und der Universität Jerusalem. An einen einleitenden Vortrag Professor Bentwichs schloß sich eine Aussprache, an der u. a. die Professoren Sir Alfred Zimmern, D. C. Simpson und H. Whceler-Robinson sowie Dr. Marschak und Dr. B e r e n b I u m teilriahmen. Sir Michael S a d 1 e r und Professor Gilbert Murray sagten schriftlich ihre Unter- Stützung zu. Professor B ent wich sprach ebenfalls auf einer Veranstaltimg der Londoner Reformgemeinde über die Hebräische Universität. Den Vorsitz bei dieser Veranstaltung führte der jüdische Abgeordnete Mr. L. H. Gluckstein. Eine Ansprache Lord Rutherford■ London, 17. Juni. (JTA.) Im Savoy Boiei in London gab Sir Robert Mond anläßlich des 12jährigen Bestehens der Hebräischen Universität in Jerusalem ein Bankett, das der Propaganda für die Aktion der Freunde der Hebräischen Universität in England gewidmet war. Von den 10000 Pfund, die in England jährlich für die Universität zur Verfügung gestellt werden sollen, sind 7000 Pfund bereits aufgebracht worden. Für die nächsten sechs Jahre liegen Zeichnungen in der Höhe von 5000 Pfund jährlich vor. Bei dem Bankett selbst wurden 2100 Pfund gespendet. Den Toast aut die Universität brachte der berühmte englische Physiker Lord Rutherford aus. Er hob die Leistungen Weizmanns hervor. Man könne schwer sagen, daß eine Nation einer anderen überlegen sei, aber alle müßten bei unleidenschaftlicher Betrachtung darin übereinstimmen, daß die Angehörigen des jüdischen Stammes überall, wohin sie zerstreut wurden, bedeutende Beiträge zu dem geistigen Leben geliefert haben. Im Verhältnis zu ihrer Zahl hätten die Juden eine große Rolle bei dein geistigen Ansporn in der Kulturweit gespielt. Der Gedanke der Hebräischen Universität, fuhr der Redner fort, sei ein großer Gedanke. Es sei herrlich, daß eine vorwiegend jüdische Universität an der Stätte der alten jüdischen Kultur stehen soll. Im Namen der Universität dankte Dr. Chaim Weizmann dem Vorredner. Zwölf Jahre seien ein sehr kurzer Zeitraum in dem Leben eines Volkes, das seine Geschichte nach Jahrtausenden mißt. Mit dem Nationalheim sei auch die Universität gewachsen. Obwohl die junge jüdische Gemeinschaft in Palästina stürmische Zeiten durchzumachen hatte, haben sich die Lehr- und Forschungseinrichtungen der Universität auf geästes- und naturwissenschaftlichem Gebiet ständig entwickelt. Es sind aber Forderungen von innen und außen zu erfüllen. Einerseits müssen die Arbeitsmöglichkeiten verbessert werden, andererseits pochen Lernbegierige in großer Zahl an die Tore der Universität. Dieser Zustand, fuhr Weidmann fort, sei symbolisch für die Lage Palästinas überhaupt. Mindestens sechs Millionen Juden sind heute künftige Anwärter auf Einwanderung nach Palästina. Wären alle Straßen und Wege frei, dann gäbe es heute eine Auswanderung, die alles Bisherige in den Schatten stellen würde. Aber alle Straßen sind verrammelt, mit Ausnahme des schmalen Weges nach Palästina. Die englische Judenheit, die in den letzten Jahren so viel getan habe, werde sicher der großen Sache der Hebräischen Universität aufs neue ihre mächtige Förderung angedeihen lassen. Nachdem der ehemalige Gouverneur von Jerusalem, Sir RonaldS to rrs, betont hatte, daß die geistigen Bande zwischen England und Palästina heute fester seien als zur Zeit, da Viscount Samuel High Commission er war, und seiner Sympathic für die Hebräische Universität und dem Glauben an ihre Zukunft Ausdruck gegeben hatte, sprach Viscount Samuel. In Palästina, so führte er aus, seien die Juden an einem großen Werk tätig, das häufig die Augen der Wdt auf sich zieht. Bei einem jüdischen Nationalheim handele es sich nicht nur um eine Angelegenheit von Orangenpflanzungen und ähnlichem, sondern um geistige Dinge. Man strebe nach einem Lande, das nicht nur von Milch und Honte, sondern auch van Gedanken und Strebungen fließt, die der ganzen Menschheit nützen. Weitere Ansprachen hielten Sir Philip Hartog, Domherr Herbert Danby, Sir Allen Mawer und Mr William R 01 h e מ s t e i a. Assimilation in der Türkei In der türkischen Nationalversammlung sprach während der Budgetdebatte ein griechisch-orthodoxer Abgeordneter der Regierung den Dank dafür aus, daß sie die Kontrolle der Minderheitenschulen übernommen habe. Er schloß mit dem Wunsche, daß das Wort ״Minderheit“ aus dem juristischen Sprachschatz der Türkei verschwinden möge. Die in Istambul erscheinende Tageszeitung ״Tan“ bemerkt zu dieser Debatte, daß das Minderheitenroblem auch in der Türkei wie in der ganzen Welt eseitigt werden müsse. Die Juden, Tscherkessen und sonstigen in der Türkei lebenden Bevölkerungselemente körihten nicht als Minderheiten betrachtet werden. Man dürfe keine Genehmigungen mehr zur Eröffnung von Minderheitenschulen erteilen, damit die junge Generation vollkommen assimiliert werde. Sir James Barrie, der eben verstorbene englische Dichter, der vor allein durch die von ihm geschaffene Figur ״Peter Pan“ populär geworden ist, hatte sieh in seinem letzten Lebensjahr als dramatischer Dichter mit dem Stück ״The Boy David“ (Der Knabe David) versucht, in dem Elisabeth Bergner die Titelrolle kreierte. Wir haben über die Uraufführung des Stückes in Edinbotirgh und über die Aufführurig in London ausführlich berichtet. Dem Stück war ein Dauererfolg nicht beschieden. L>och zeugt es von der liebevollen Versenkung des Dichters in den jüdischen Stoff. Der erste Antisemit im Reichstag. Die ״Hessische Landeszeitung“ Darmstadt und andere hessische Zeitungen veröffentlichen einen Bericht aus Marburg, worin es heißt: ״Am 19. und 20. Juni veranstaltet die Kreisleitung Marburg der NSDAP, eine Gedenkfeier anläßlich der 50jährigen Wiederkehr der Wahl des ersten antisemitischen Reichstagsabgeordneten. 1887 hielt als erster Antisemit Dr, Otto Bö ekel, der Vertreter des Wahlkreises Marburg— Kirchhain—Frankenberg, seinen Einzug in den Deutschen Reichstag. ... Die antisemitische Bewegung, die Anfang der achtziger Jahre im ganzen Reiche zum Durchbruch kam, hatte in Hessen und besonders auch in Marburg einen günstigen Boden gefunden. Obwohl durch die kurhessische Verfassung von 1833 den Juden die volle Gleichberechtigung zugestanden war und ihnen alle Berufe offen standen, blieben sie auch weiterhin als Viehhändler und Geldverleiher eine Plage für das hessische Landvolk. Als Student in Gießen und später als Hilfsbibliothekar in Marburg hatte der junge Dr, Buckel diese Not kennetigelemt. Er nahm in Wort und Schrift den Kampf gegen das Judentum auf. Mit 7400 Stimmen gewann er im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Für die antisemitische Bewegung bedeutete dieser Wahlsieg einen mächtigen Antrieb. Dr. Böckel brachte nunmehr im Reichstag rücksichtslos die von den anderen Parteien ängstlich gemiedene Judengefahr zur Sprache.“ Gegen die Libanon-Christen. Wir lesen iri einer palästinensischen Zeitung: Gewisse arabische Kreise in Palästina, die über die zionistenfreundliche Erklärung des maronitischen Bischofs von Beirut aufgebracht sind, versuchen die Christen im Libanon durch Boykottdroh ungen einzuschüchtern. Wie wir aus sicherer Quelle erfahren, wurde eine Resolution gefaßt, wonach die palästinensischen Araber die Sommerfrischen im Libanon meiden sollen. Abschriften dieser Resolutionen wurden den Hotel- und Pensionsbesitzern im Libanon zugestellt, um sie einzuschüchtem, damit sie auf den maronitischen Bischof einen Druck dahin ausüben, seine Erklärung zurückzuziehen. Wie berichtet wird, machte jedoch dieses Rundschreiben im Libanon keinen großen Eindruck, da es ohnedies nur sehr wenige arabische Sommerfrischler aus Palästina im Libanon gibt. Hauptschriftleiter: Dr. Robert W c 11 8 c h, Berlin - Chartottenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin VV 15. Anzeigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann Finn, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1938. Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Mcinelcestr. 10. D.A 1/1937 33 818. —- Druck! Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg•

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