Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1937-06-22 · Heft 49 (22.6.1937) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 49 (22.6.1937)
Date
1937-06-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653625-2653672--30885-2685461
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

537ז.ß ׳ ’׳ ף (fr. 49 / Jahrgang 42 im frei« 25 Rpt RUNDSCHAU ld1rlltldln1;,V«l■( a. Anzclganvcrwaltnnffi BerlinW IS, Msinakeatr.10 Farn ruf! 919031, Telegramm •Adrcue 1 Orghlp. — Benigtpreis emschlicSlidi Bwtellffeld je Monat KM 2,—, jo Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM lj88 br.w. RM 5,39. — Postscheck - Konten der Vertriebs ״ Abteilung: Berlin 71573 (für Groß - Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. — Erscheint jeden Dienstag and Freit*g. BERLIN י״ג תמוז תרצ״ז DIENSTAG, 22. JUNI 1937 GttltSg! AnzelgenpreisUste Nr. 5, Die 12 gespaltene mm ־ Zeile 20 Rpf., fü! Familien ■ Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Fiatzen wird keine Gewahr geleistet. Gelegenhetta« anseiger» nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. Annahmeschluß für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die F rettag « Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien״Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt fdr das Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) den asiatischen Pakt «V «1 י! יי Cie mH Der ״jüdische Staat Weitere Gerächte über den Kommissionsbericbt Zur Bagdad-Reise von Dr. Rüschdü Aras hat anzwecks Unterzeichvon dem seit zwei Der türkische Außenminister Dr. Rüschdü Aras am 18. Juni die Reise nach Bagdad und Teheran getreten, um die letzten Verabredungen nung des ״asiatischen Paktes“, Jahren die Rede ist, zu treffen. Die Verhandlungen über ein Bündnis oder eine engere Kooperation der vier islamischcn Mächte: Türkei, Irak, Iran (Persien) und Afghanistan, wurden bereits wiederholt als abgeschlossen erklärt, dann aber wieder dementiert. Bekanntlich wird in Zusammenhang mit diesem Vertragssystem, das ein ungeheures Gebiet in Vordcrasien von den Dardanellen bis zur ehr csischen Grenze umfassen würde, auch an einer anderen Querverbindung gearbeitet, die zwischen Irak und den südlichen arabischen Staaten Saudia und Yemcn zustande kommen soll. Sollten diese Verträge sich realisieren, so würde das Bündnissystem die ganze vorderasiatische moslemische Welt, vorläufig mit Ausnahme der bisherigen Mandatsländer Syrien und P a I ä s t i n a, umfassen. Die jetzt über einen Bündnisvertrag verhandelnden Mächte standen jahrzehntelang untereinander in schärfster Feindschaft und ihre Annäherung würde eine ganz neue Lage in Asien schaffen. Durch die Reise des türkischen Außenministers wird klar angezeigt, daß die Türkei die führende Macht des neuen Staatensystems ist, und da jetzt sehr enge Beziehungen zwischen der Türkei England bestehen, so ist anzunehmen, daß die Reise Dr. Aras auch den englischen Intentionen spricht. England liat in der letzten Zeit bekanntlich zugunsten der Türkei auch gegen die arabische Welt Stellung genommen, indem unter englischem Einfluß die französischen Widerstände gegen die türkischen Wünsche bezüglich des nordsyrischen Sandschaks Alexandrette überwunden wurden. Die Reise von Dr. Aras nach Bagdad und Teheran hat aber noch eine andere Bedeutung, da die Türkei, worauf wir schon kürzlich hinwiesen, auf der Suche nach Deckung ihres Petroleum bedarfs ist, der jetzt fast ausschlicßlieh von Sowjetrußland gedeckt wird. Es wurde schon früher die Vermutung ausgesprochen, daß die Türkei den Hafen von Alexandrette allmählich unter ihre Kontrolle bringen will, weil dieser Hafen geographisch der gegebene Ort für die Mündung einer Pipeline (Petro I eu m rö h r c n - L ei tun g) von Mossul (bzw. Kirkuk) wäre. Bei der Teilung der Mossulleitung zwischen englischem und französischem Mandatsgebiet haben die Franzosen cs vorgezogen, ihren Anteil nicht nach dem Hafen von Alexandrette, sondern nach dem viel südlicheren Tripoii zu leiten, wahrmm und von entscheinlich aus strategischen Gründen, weil Alexandrette zu sehr in Reichweite der Türkei ist. In verschiedenen Zeitungen sind in den letzten Wochen im Anschluß an den Alexandrette-Konflikt immer wieder Nachrichten aufgetaucht, wonach die Türkei beabsichtige, ihre Ansprüche auf das Mossulgebiet wieder geltend zu machen und sich dadurch selbst in den Besitz der Petroleumquellen zu setzen. Dieses Gebiet verlangte die Türkei nach dem Krieg für sich, und der zwischen der Türkei und Irak (d. h. England) deswegen entstandene Konflikt wurde 1025 durch eine Völkerbunds-Kommission zugunsten von Irak entschieden. Die Reise von Dr. Aras nach Bagdad deutet darauf hin, daß die Türkei, wahrscheinlich mit englischer Unterstützung, eine gütliche Vereinbarung, die zweifellos auch die Petroleumfrage betreffen würde, mit Irak anstrebt. Dafür könnte auch die jetzt in Angriff genommene Fertig- Stellung der Bahnlinie zwischen Mossul und Ankara von größter Bedeutung sein. (S. auch S. 4) Klärung in Italien Regierung bestätigt den Gemeindeverband — Ende der innerfüdischen Krise Rom, 20. Juni. (JTA.) Die Krise, die fn der Leitung Hes Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens vor zwei Monaten infolge von Meinungsverschiedenheiten zwischen Zionisten und Nichtzionisten ausbrach, ist überwunden worden. Die dem Innenministerium am 6. April mitgeteilte D emission der Verbandsleitung ist von der Regierung liebt angenommen worden. Die Einsetzung eines Regierungskommissars wurde abgelehnt, und dem bisherigen Vorstand das Vertrauen der Regierung dadurch bekündet, daß er aufgefordert wurde, bis zur Beendigung der Amtsperiode, d. h. bis 1938, im Amt zu verbleiben. Die Entscheidung der Regierung ist bemerkenswert im Hinblick auf die Polemik eines Teiles der italienischen Presse gegen den Zionismus, Auch eine Reihe italienischer Juden, sogar einzelne Gemeindevorsitzende, haben sich an dieser Polemik durch Einsendung von Zustimmungskundgebungen beteiligt. Der Rat des Verbandes der jüdischen Gemeinden hat nunmehr beschlossen, der Aufforderung der Regierung Folge zu leisten. An die Gemeinden wurde ein Aufruf erlassen, der Führung des Verbandes zu folgen, eine Zerbrockelung der jüdischen Kräfte in Italien zu vermeiden und die jüdische Einigkeit zu wahren. Zum Vorsitzenden des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens wurde als Nachfolger des verstorbenen Rechtsanwalts Felice Ravenna der Vorsitzende der jüdischen Gemeinden in Mailand, Coinmodore Federigo Jarach, gewählt. Der neue Verbandsvorsitzende ist eine der angesehensteu jüdischen Persönlichkeiten Italiens und Inhaber der höchsten italienischen Auszeichnungen. Der Eigentümer der großen italienischen Zeitungen New Yorks, Gencroso Pope, eine der einflußreichsten amerikanischen Persönlichkeiten italienischer Abstammung, der von Ministerpräsident Mussolini und Außenminister Graf C i a n o in längerer Audienz empfangen wurde, schilderte den beiden Staatsmännern den ungünstigen Eindruck, den die von einem Teil der italienischen Presse in letzter Zeit gegen die Juden veröffentlichten Angriffe in der Ocffentlichkeit Amerikas hervorgehoben habe. Pope betonte besonders, daß diese Angriffe geeignet seien, eine Trübung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem jüdischen und dem italienischen Element in den Vereinigten Staaten herbeiznfiihren. Dem JTA.-Vertreter in Rom teilte Gencroso Pope mit, «r habe die Versicherung erhalten, daß die antijüdische Kampagne eingestellt und die vollständige Gleichberechtigung der Juden Italiens auch in Zukunft respektiert werden wird. Der amerikanische Zeitungsmann erwähnte weiter, daß er auch anläßlich seiner Audienz beim König die judenfeindlichen Angriffe der italienischen Presse zur Sprache gebracht hat. Seine Ausführungen hätten bei König Viktor Emanuel volles Verständnis gefunden. Der König habe seine uneingeschränkte Anerkennung für den Patriotismus und den Wert der Juden Italiens ausgesprochen. Die Beilegung der innerjiidischen Krise in Italien wird in der ganzen jüdischen Welt mit größter Befried!- guiig begrüßt werden. Die im Zusammenhang mit der italienischen Mittelmccrpolitik und mit der italienischenglischen Spannung in einigen italienischen Zeitungen gegen den Zionismus als ״Verbündeten Englands im Mittclmeer“ gerichtete Polemik hatte in italienisch-jüdischen Kreisen eine gewisse Nervosität hervorgerufen, und es hatte sich eine Auseinandersetzung zwischen Nichtzionisten und Zionisten entwickelt, in deren Verlauf es zum Rücktritt der Leitung des Gcnicindevcrbandes kam. Besondere Unruhe war dadurch entstanden, daß aus manchen privaten Aeußerungen in italienischen Zeitungen der Schluß gezogen wurde, als ob die offizielle italienische Auffassung sich nicht mehr so ablehnend wie früher gegenüber dein Antiscmitismus verhalte. Von den maßgebenden italienischen Stellen war freilich stets betont worden, daß an der Gleichberechtigung der Juden in Italien nicht gerüttelt wird. Es war aber unklar, ob die Kampagne gegen die jüdische Palästina- Politik offiziell unterstützt wird, zumal da sich Italien auch um die Sympathie der Araber bemüht. Nachdem kürzlich Außenminister Graf C i a n o bereits dem Vertreter der Jewish Agency beruhigende Erklärungen gegeben hat, wird durch die vorstehende Mitteilung die Atmosphäre noch weiter geklärt _ Der Londoner arbeiterparteiliche ״Daily Hera Id“, dei bereits Anfang April Mitteilungen über die Teilungspläne veröffentlichte, macht jetzt, wie schon in der vorigen Nummer kurz gemeldet, konkrete Mitteilungen über den vora u s s i c h 11 i c 11 c n Inhalt des P c c I - B e r i c h t c s. Palästina soll danach in einen jüdischen Staat und einen arabischen Staat geteilt werden. Der jüdische Staat werde aus einem Küstenstreifen bestehen, der von Syrien bis nach Gaza reichen, im Norden aber auch den größten Teil von Galiläa umfassen solle. Der arabische Staat werde ein breites Dreieck bilden, das sich zunächst in einem schmalen Streifen vom See Gcnezareth bis hinunter nach Beersheba und bis zunt jenseitigen Ufer des Toten Meeres erstrecke. Jerusalem und Bethlehem würden zu einer britischen Mandats7.one gemacht werden. Der Hafen von Haifa werde unter britische ״Kontrolle“ gestellt werden, doch seien den Juden in der Stadt Haifa besondere Rechte zugedacht. In Jaffa würden die Araber besondere Rechte erhalten. Zwei ״freie Korridore“ seien zur Verbindüng von Haifa mit der im Araberstaat gelegenen Stadt Beisan einerseits und Jaffa mit Jerusalem und dem Nordufer des Toten Meeres andererseits vorgesehen. Der Araber- Staat werde somit zwei Zugänge zur See erhalten. Der jüdische Staat werde zu einem Dominion der britischen Commonwealth gemacht werden. Der Araber. Staat solle Selbstverwaltung unter der Souveränität des Emirs von Transjordanien erhalten. Der Teilungsprozeß werde nicht nur den Aufbau einer komplizierten Maschinerie, sondern auch schwerwiegende d i p 1 o m a t i - sehe Verhandlungen nötig machen, denn es müsse sowohl die Zustimmung des Völkerbundes erlangt werden, wie auch das Einverständnis der Vereinigten Staaten, die mit Großbritannien einen besonderen Vertrag über Palästina abgeschlossen haben. In einer U e b e r - gangszeit von 3 bis 5 Jahren solle der staatliche Umbau vorgenommen werden. Wenn auch mit starkem jüdischen Widerstand zu rechnen ist, so meint der ״Daily Herald“ doch, daß ein großer Teil des Judentums dein Plan zu st im me 11 werde, da er der jüdischen Zielsetzung weitgehend entgegenkomme. Die arabische Opposition gründet sich nach der Meinung des Labour-Blattcs auf der Auffassung, daß Palästina ein einziger unteilbarer arabischer Staat sein müsse. Ir! dem ursprünglichen Plan sind, dem Blatt zufolge, einige Aender un gen vorgeiionunen worden. Galiläa soll danach jetzt dem jüdischen Staat zugeteilt werden, weil die christliche L i b a n o 11 ־ R e p ti b 1 i k;Großbritannien durch Frankreich, das die Mandatarmacht für Syrien ist, habe wissen lassen, daß sie nicht eine gemeinsame Grenze mit dem mohammedanischen Araberstaat haben wolle. Viel Streit könnte es voraussichtlich auch geben, weil das Gebiet zwischen Beersheba und A k a b a, das zum Königreich Salomons gehörte (der ״Ncgcw“ — Red.), nach diesen Nachrichten britisch werden soll. Der ״Daily Herald“ bemerkt, daß die Kommission den Bericht einstimmig gefaßt habe. Er sei bereits unterschrieben worden und befinde sich zur Zeit in der Regierungsdruekerci, so daß mit seiner Veröffentlichung bis Anfang Juli bestimmt gerechnet werden könne. Hierzu erfährt die Jüdische Telegraphen-Agentur aut eine Anfrage im O o I o 11 i a I - O f f i c e, daß die Meldungen des ״Daily Herald“ den Tatsachen nicht entsprechen. Der Bericht der Kgl. Kommission sei vorläufig noch nicht unterschrieben. Auf Grund sicherer Informationen teilt die ״Sunda j Times“ mit, daß der Bericht der Kgl. Kommission in den nächsten Tagen unterschrieben und vielleicht schon am Dienstag der Regierung vorgelegt werden wird. Die Veröffentlichung des Berichtes wird für Anfang Juli erwartet. Die Vorschläge der Kgl. Kommission sehen laut ״Sundav Times“ drastische politische Maßnahmen vor, deren Zweck es sei, die britischen Reichsintcrcssen in Palästina zu schützen. Sie empfehlen ferner die Bildung eines• ״völkisch geschlossenen“ jüdischen Siedlung in Palästina. Syrische Kombinationen Die Zeitung ״Alif Ba“ in Damaskus behandelt die Palästina« Frage im Zusammenhang mit der des Sandschaks von Alexandrette. Sie behauptet, daß eine gemeinsame Lösung der syrischen und palästinensischen Pro« b 1 e in e erfolgen wird und die Verhandlungen über Alexara• drette dabei eine wichtige Rolle spielen werden. Unter Bo• rufung auf ״sichere Quellen“ erklärt das Blatt, es sei bereits zu einer Verständigung zwischen England und Frankreich über folgende Lösung der Probleme Palästinas, Syriens, Transjordaniens und des Irak gekommen: 1. Im Libanon wird der Status quo aufrecht erhalten׳; 2. in Nord Syrien wird ein eigener Staat geschaffen, der den Sandschak Alexandrette und die Wilajcts Aldjazira und Aleppo umfassen und in ein Vertragsverhäitnis zu .Frankreich treten soll; 3. Transjordanien wird mit Damaskus, Homs und anderen benachbarten Gebieten vereinigt werden und in einem Vertragsverhältnis zu England stehen; zu diesem soll auch der arabische Teil Palästinas gehören; 4. der syrisehe Staat wird sich, falls der Irak zustimmt, an diesen anschließen, so daß ein von Basra bis an die Grenzen Acgyp* tens reichendes arabisches Sfaatswesen entsteht. Ein ägyptischer Vorschlag Die ägyptische Tageszeitung ״Ei M o k a t i a m“ berichtet, daß der Vorsitzende des ägyptischen Regentschaftsrates, der bis zur Großjährigkeit und Salbung des minderjährigen Königs Faroukh die Regierungsgeschäfte leitet, Mac harn ad Ali, von London aus ein Schreiben aii Außenminister Eden und High Commissioner Sir Arthur Wauchope über das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.