Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 46 (11.6.1937)
- Date
- 1937-06-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 46, 11. JUNI 1937 Der sefardlsche «lüde Das Jüdische Lehrhaus begann am letzten Montag einen ־ Vortragszyklus über ״Jüdische Kulturgeschichte“, der mit einem Vortrag von Hermann Sinsheimer über ״Die Kulturgeschichte des sefardischen Judentums im 17. und 18. Jahrhundert“ eingelcitet wurde. Zwei Persönlichkeiten symboüsieren ihm den Beginn dieses Zeitabschnitts: Spinoza und S a b b a t a i Zwi, die beide durch das Band des Messianismus lose zu verknüpfen sind; und am Ende der Epoche nennt Sinsheimer merkwürdigerweise zwei Aschkenasun: Moses Mendelssohn und der Baal Schern Tow, in denen er das ״sefardische“ Element darin sieht, daß sie sich gegen den Zwang des Talmud und gegen die Einschnürung des jüdisehen Lebens durch Gesetze wenden. Die Abwendung vom talmudischen Geist sieht Sinsheimer überhaupt als das Charakteristikum des sefardischen Judentums an. Es ist ein weitoffenes J uden tu m, das auch äußerlich durch seine vielen ruhelosen Wanderungen von Land zu Land etwas von seinem innersten Wesen verrät. Vor allem aber entfaltet das sefardische Judentum das I n d i v i d u u m. An zahlreichen Beispielen zeigte der Redner die Bedeutung dieser Tatsache auf. Montaigne ist der S01111 einer jüdischen Mutter und ist nach Sinsheimers Ansicht in jeder Zeile durch und durch scfardischer Jude. Das seltsame Schicksal Leon da Modenas ist ein Prototyp sefardischen Lebens. Ebenso ist das Wanderleben von Josef Salomo del Medigo nicht nur individuell Interessant, sondern etwas Schicksalhaft-Scfardisches. Auch Männer wie Mosche Cliaim Luzzatto, der grolle iiebräische Dichter, und Manasse ben Israel, dessen Bedeutung von seinen Zeitgenossen sehr überschätzt wurde, repräsentieren das Sefardentum in seiner menschlichen Ausgeprägtheit und zugleich auch schon in seiner Dekadenz: dem Abglciten ins Merkantilistische. Als das Ergebnis dieser Epoche bleibt übrig ein gewaltiger Verweltlichungsprozeß des Judentums, dem auch spätere Epochen keinen Halt mehr entgegenzusetzen vermochten. N. Liederabend lebender jüdischer Komponisten. Mit einem Liederabend lebender jüdischer Komponisten schloß die dies■ jährige Saison der ״Katninermusikalischen Veranstaltungen“ bei Weil. Susanne L o e w e!1 s t e i n und Wilhelm Guttmann, zwei Sänger, die mit Leo Taubmann am Flügel Niveau versprachen, hatten ein großes Publikum angezogen, das den Darbietungen mit viel Anteilnahme und Beifall folgte. James Simon und Paul Frankfurter, die Komponisten einer Reihe aufgeführter Lieder, gehören in ihren Ausdrucksmitteln einer vergangenen Epoche an, die bei Frankfurter geläufigste Konvention zeitigen, bei Simon mit mehr Noblesse angewendet werden. Trotzdem besteht kein Zweifel darüber, daß einige der Kompositionen durch intensive Ausdeutung Eindruck machten. Die Auswahl der Simonsehen Lieder, von Guttinann stark auf Wirkung projiziert, traf nicht das Beste seiner Kompositionen. Der ״Vorfrühling“, die ״Venus Phantasia“ tragen immerhin den Stempel Hebenswürdiger Begabung. In ähnliche Regionen weist — in den aufgeführten Chinesischen Liedern nicht von der sonst bei ihm gewohnten Delikatesse — Kowalski. Ueberkommenes wird mit Esprit und einem Schuß Mondänität gereicht, die jeweiligen Einfälle, elegant mit sicherem Gefühl für Placierung den Texten vorgespannt. Wilhelm Groß, an Jahren jünger, daher mehr ein Kind seiner Zeit, ist ihrem Rhythmus und Taktschritt verschrieben. Daß die Kinderlieder unerhört einschlugen, ist der Intelligenz der Auffassung Wilhelm Guttmanns zu danken. Ueberhaupt entwickelten sich seine gesanglichen wie darstellerischen Leistungen an diesem Abend mehr und mehr zu Höhepunkten. Aehnhches läßt sich von Susanne Loewenstein sagen. Wir kennen das schöne Timbre dieser Altistin, den Geschmack ihres Vortrages. Von Unebenheiten sich lösend, strebte sie gesanglich das Gleichgewicht einer geschlossenen Leistung an, Register unmerkhch zu überbrücken, in der Resonanz das Schwebende zu erhalten. Ein straff rhythmisierter Marsch auf chassidischein Text von Groß verdient nicht unerwähnt zu bleiben. Nicht zum Schluß sei noch das Begleitspiel Leo Taubinan 11s hervorgehoben. Dr. Jakob Schönberg BZV KUNDGEBUNGEN Westen Dienstag, den 15. Juni, 20.30 Uhr pünktlich, im Brüdervereinshaus, Kurfürsteustr, 115-116 Zentrum-Nord Donnerstag, den 17. Juni, 20.30 Uhr pünktlich, im Musiker-Vereinshaug, Kaiser-Wilhelm-Str. 31 DR. MICHAEL TRAUB VOR DER ENTSCHEIDUNG Ein jüdisches Weißbuch — London und Genf — Bilanz einer Politik —- Ist das Mandat verwirklichbar? — Die doppelte Verpflichtung — Krise des Panarabismus? — Teilungs- Projekte — Judenstaat als politische Realität — Politik und Aufbau — Von Emek zu Emek — Die Antwort des Volkes Vorher der Schekel-Kurzfilm ״Bekennt Euch" Berll nerZIonlstls che Vereinigung Dr. Ludwig Misch begeht in diesen Tagen seinen 50. Geburtstag. Er kann auf ein ausgedehntes Wirken auf dem Gebiete der Musik zurückblickeil. In den ersten Jahren seiner musikalischen Laufbahn war er erster Kapellmeister in Aachen, Essen, Straßburg, später in Berlin u. a. am Theater den Westens und zuletzt Leiter der Berliner Kammeroper. Neben seiner zehnjährigen Rcdakteurtätigkeit in Berlin war er Mitarbeiter bedeutender Tages- und Fach/eitungen. Bekannt wurde er als Verfasser eines Volksbuches über ״Brahms“, durch Erläuterungen in den Programmheften u. a. für Furtwängler- und Bruno-Walter-Konzerte. Heute übt er neben seiner musikschriftstellerischcn Arbeit eine Lchrtätigkeit an jüdischen Schulen aus. Auf dem Gebiet der Chormusik tat er sich durch die Gründung des Konservatoriumschors am Sternschen Konservatorium hervor. Seine chorleiterische Befähigung konnte er auch in einigen Konzerten der von ihm gegründeten ״Neuen Madrigalvereinigung“ beweisen. Wir haben ausgezeichnete Mendelssohn- und Selmmannaufführungen unter seiner Leitung noch in lebhafter Erinnerung. In jüngster Zeit konnte er wertvolle Beiträge zur Betrachtung klassischer Musik liefern. Dr. Jakob Schönberg Sterbefall. Vor wenigen Wochen verstarb in seiner Grünewald-Villa der in jüdischen Kreisen bekannte Bankier Emil M. D a m m a n n. Er war jahrelang Mitglied der Gesellschalt der Freunde der Jerusalem-Bibliothek e. V. und dessen Schatzmeister, in welcher Eigenschaft er 11. a. mit Prof. Heinrich Loewe und mit dem verstorbenen Sanitätsrat Bradt zusammenarbeitete. In einem von Prof. Loewe abgefaßten Bericht in der ,,Jüdischen Rundschau“ von 1926, S. 114 (Nr. TG, 24. Febr.), heißt es: ,,Wenn nicht Herr Emil Dammann, wie in früheren Jahren, das ganze sehr erhebliche Defizit persönlich gedeckt hätte, so wäre das im Interesse der palästinensischen Kultur und der Wissenschaft so wichtige Werk nicht fortzuführen gewesen und die Gesellschaft der Auflösung verfallen." — Emil Dammann!unterläßt drei Söhne, von denen die zwei ältesten Bankprokuristen sind. Der eine dieser beiden, Günther Dammann, besitzt auf dem wenig erforschten Gebiet der Zauberkunst internationalen wissenschaftlichen Ruf. Ankündigungen BZV., Bezirk Siidost. Am 12. Juni, 21.30 Uhr, BZV.-Heim, Brücken- Straße 0, Trauerfeier für den verstorbenen Btzirkslciter Dr. Günter Leivy. Gedenlcan.,j)/a<:hcn und musikalische Umrahmung. Die hebräischen Kurse der BZV. beginnen am 15. Juni wieder. Genaue Auskünfte über die Kurse erteilt die Kulturabteilung der BZV״ \V 15, Meiuekcntr. 10. Hebräische Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde. Spreclwit: Montags und Mittwochs 17.30—18.30 Uhr, Gr. Hamburger Str. 27; Dienstags und Donnerstags 17.30—18.30 Uhr, Klopstockstr. 58. — Sehr!:!liehe Anfragen an den Leiter der Schule N. Berggrün, Churlbg. 5, Kai.erdämm 101 ('Lei. 93 14 90J. Jüd. Religlonsverein der nördlichen Vororte, Hermsdorf. Ordentticha Generalversammlung am 19. Juni, 20 Uhr, in der Synagoge Albrechtstralle 10. Vortrag Kudoli Melitz: ״Meine l’ahr.-.üiuiicLt:‘', Dr. Borodianski, der sich um die Förderung der hebrä• ischert Sprache und um den hebräischen Unterricht in Deutschland große Verdienste erworben hat, verläßt dieser Tage Deutschland. Borodianski ist ein Lehrer, den die Begeisterung für den Gegenstand und für die Lehrtätigkeit zugleich niemals verläßt. Seit Anfang 1933 gehörte er zu dem allerengsten Kreis der Menschen, die sich innerhalb der BZV. der hebräischen Sache als wichtigstem Bestandteil der zionistischen Erziehung widmeten, und hat diese Arbeit mit größter Hingabe und in selbstlosester Weise Ins auf den heutigen Tag durchgeführt. Neben seiner Lehrtätigkeit für Erwachsene und der aktiven Anteilnahme an den hebräischen Ssichoth, Neschafim usw. hat sich ür. B. auch durch die Sorge für die hebräische Ausbildung der jüdischen Jugend verdient gemacht. Er gehörte zu den Initiatoren, die den Beth Hassefer Lanoar ins (.eben riefen, in dem Hunderte von Jugendlichen in Berlin eine Stätte für ihre hebräische und allgemein-indische Ausbildung fanden. Ein Mann von großer allgemeiner Bildung, der zu dem Kreis der Schüler des verstorbenen Professor David Koigen gehörte, lind zugleich genauer Kenner jüdischer und hebräischer Wissenschaft, vermochte er seinen Schülern aus dem Born seines Wissens reich zu spenden und verstand es, die Menschen zu fesseln und ihnen die Liebe zur hebräischen Sprache ins Herz zu pflanzen. Die hebräische Arbeit in Deutschland erleidet durch den Abgang von Dr. Borodianski einen schweren Verlust. Alle Freunde aber wünschen ihm auch an seiner künftigen Wirkungsstätte in Erez Israel fruchtbare Tätigkeit und besten Erfolg. Persönliches. Prof. Dr. Joseph Unna ist am 9. Juni 60 Jahre alt geworden. Väterlicher- sowie mütterlicherseits aus süddeutschen Rabbinerfamilien stammend, hat er, der eigentlieh Neusprachler ist, sich die Vertiefung in die Lehre des Judentums als vornehmstes Studiengebiet erwählt. Neben seiner Amtstätigkeit an verschiedenen Untcrriehtsanstalten in Hamburg, Kattowitz, Nürnberg und Berlin hat der Jubilar stets selbstlos philanthropische jüdische Gemeindearbeit geleistet. Verschiedene Werke aus seiner Feder, insbesondere seine Würdigungen des ,,Maiinonides“ und des ״Gaon Saadin“ zeugen von seiner tief religiösen Einstellung. — Seit drei Jahren leitet er — im Aufträge der Jüdischen Gemeinde Berlin — die Erwachsenenkurse in der Fasanenstraße und vermittelt seinen Hörern das Verständnis der gottesdienstlichen Gebete und der Thora. Seine Schüler haben Prof. Dr. Unna zum 60. Geburtstage im Rahmen einer kleinen Feier ein Ehrengeschenk ״Die Gabe der Getreuen“ überreicht. Diese Sammlung von 30 wissenschaftlichen und dichterischen Beiträgen enthält neben Arbeiten von Kursteilnehmern auch einige Abhandlungen von Freunden und ehemaligen Schülern, die dem Jubilar alles Oute wünschen. E. Ba mbe rger Für die tfioratreue Volksschule. Von sämtlichen konservativen Kanzeln der Berliner Jüdischen Gemeinde wurde im Gottesdienst am 5. Juni das Thema der konservativen Schulen in den Predigten der Rabbiner behandelt. Es wurde einmittig der Forderung und der Erwartung Ausdruck gegeben, daß seitens der Schulverwaltung der Jüdischen Gemeinde die Gründung konservativer Volksschulen in Angriff genommen werde. «y ׳ - Land der Verheißung Der erste Palästina-Tonfilm dar Urlm Polesllna Film Co. Lid. Joimaalant (Hergestellt im Auftr. des Keren Hajesjod) NEUAUFFÜHRUN G Sonnabend, den 12, Juni 1937, 21.30 Uhr Brüdervereinshaus, Kurfürstenstr. 115-116 Ansprache: Dr. David Schlossberg Vorprogramm: Kurzfilm ״Bekennt Euch“ Karten xu RM 0,80, 1,—, t,50 bei: Jödlscht Rundschau, MifnetaetraSe tOl Cafd Leon, Kurfürstendamm 155; Buchh. Maas, Pestaiozzlstraßelßj Konditorei Schneider, Kleiststraße t3; Drog. Läufer, TrautenaustraSe 9! Hansa-Konditorei, Flensburger Straße 19; Buchhand>ung Salles, Grenadierttraße30! Buchhtndlung Gonzsr, Oranienburger Straße 26; Zigarren-Epsteln, Jerusalemer Straße 9 Eintritt nur für Mitglieder der Jüdischen Gemeinschaft PALASTINA-FILMSTELLE DER EVfD Räume für jüd. Vereine frei Im BZV - Helm Rosenthaler Straße 44 Gell. Anfragen an LOCKER, SchttnebergjAkazIenstr. 88 .- —...■■■ Fernruf: 71 396« .— — Anzeigen - Annahme - Stellen w»»1«" •־ MeinekestraRe 10 in unserem Verlagshause Maiensee! Joachlm-Friedrich-Str. 49 bei B. D. Magnus, Ru« 97 IS SO Zentrum• Neue Friadrlchstraße 89 Buchhandlung M. Hoppelauer Hör1*■"! Neue KQnlgstr. 79>.A1«..p!atr bei Erich Lublin, Ruf: 5a 04*3 Heuköim 1 NeukOlln, Sanderstr. 24 am Kottb. Damm bal M. Badaach JÜDISCHE RUNDSCHAU &Ueil's כשר mittagoim ADeiKtlisch KurMiretendamiTi 22, Nähe Zoo Auarlehtung von Festlichkeit•«!. / Ruf > 91 22 45 Aufsicht Kaichr.-Komrn. Jüdische Gemeinde Berlin l 1 11 ti / 1 0b spät Charly «*!«•011 erwartet Sie ln •einer neueingerichteten Bar J Inh.! Alfred ScherUnskl (M.d.j.G.) RIOtZStrsB• 34 |(1 Min.v. d. 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