Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 46 (11.6.1937)
- Date
- 1937-06-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46,11. VI. 1937 JOD ISCHE RUNDSCHAU Seite 13 Bücher aus Palästina Der Autounfall der ״Habimah“ Tod des Schauspielers Avltal Die bei dem Autounfall der ״Habimah“ ums Leben ge* kor.nmene Frau war Frau Reisberg, Inhaberin eines Hotels in Tiberias. Folgende Schauspieler der ״Habimah“ wurden verletzt: Mosche A v i t a 1, Schädelbruch; Nathan Jaspi, Rippenbruch; Aaron Mesk i n, Michael K1 a t z k i n, Menachem B e n j a m i n i, Asher Katznelson, weni* ger schwere Verletzungen; Hanna Rowina, Fania Lu• bitt und Schoschanna Deo u e r konnten nach Verbandauflegung aus dem Kranken-!׳ י> entlassen werden. Der Chauffeur, 0 o I d z w e i g, kam mit leichten Verletzungen davon. Der Schauspieler Mosche A v i t a 1 ist seinen Verletzungen erlegen. Die Leiche; wurde nach Tel Aviv gebracht und im Theater der Habi-!nah aufgebahrt. Große Menschenmcngen zogen an der Bahre vorbei. Zahlreiche Kränze und Beileidstelegramme, darunter eines von der Exekutive der Jewish Agency, sind eingetroffen. Eine Aufführung des ״Ohel“, sowie ein Konzert des Symphonie-Orchesters sind verschoben worden. Freiheit als Selbsferziehung. Auf Einladung der Hitachduth Olej Germania hielt Ernst Simon einen Vortrag über die kulturpolitische Situation der Alijah aus Deutschland in Palästina. Freiheit, so führte Dr. Simon aus, kann nur dann zu schöpferischer Selbsterziehung produktiviert werden, wenn eine freiwillige Beschränkung der gegebenen Freiheit, erfolgt. Wir dürfen in Erez Israel nicht in den Fehler verfallen und uns der Freiheit ohne Selbstbegrenzung um der Selbsterziehung willen hingeben. Drei Gebiete sind es vor allem, in die sich der Jude aus Deutschland in Palästina mühselig hineinarbeiten muß: die hebräische Sprache, ihre Literatur (von der Genesis bis Tschernichowsky und Brenner) und die jüdische Lebensform. Simon wies auf, wie untrennbar diese Gebiete innerlich miteinander Zusammenhängen. Selbstverständlich kann man nicht die hebräische Literatur kennen lernen, ohne erst die hebräische Sprache zu beherrschen, aber man kann auch nicht die hebräische Sprache beherrschen ohne intime Kenntnis ihrer Literatur (das ist nur in diesem besonderen Falle zutreffend, da das Hebräische nur als Literatursprache jahrhundertelang lebte). Die moderne hebräischc Literatur aber, die durchwegs und ausnahmslos zum Problem der jüdischen religiös-nationalen Tradition und Lebensform Stellung nimmt (ablehnend oder bejahend) kann nur von dem verstanden werden, der diese Lebensformen zutiefst erlebt hat. Leider ist es so, daß religiöse Ideen, in Palästina, von reaktionären Kreisen vertreten werden, die dem Aufbauvvillcn des jüdischen Volkes oft verständnislos gegenüberstellen. Aber es kann auch eine religiöse Haltung geben, die von dem Bibelwort ausgeht: ״Meine Knechte sind die Kinder Israels und nicht die Knechte von Knechten!“ Gerade die Alijah aus Deutschland, die viel positive religiöse Kräfte ins Land brachte, kann hier zum Gemeinwohl des Jischuw arbeiten, indem sie neue Kreise dem religiösen Leben erschließt. — In der Diskussion sprach Kurt Blumenfeld, der im wesentlichen Simons Konzeption unterstrich, jedoch in der religiösen Frage sich sehr skeptisch zeigte, da er nicht an die werbende Kraft der gemäßigten religiösen Kreise aus Deutschland glaubt. Sch. Ben*Chorin Ein Tel Aviver Bilderbuch Tel Aviv. Tmunoth Erez Israel. Von Dr. E. Mechner. Künstlerische Ausführung von Otte Wallisch. — Tozereth Maon, Tel Aviv. Nachlath Benjamin 57, Preis: 25 Piaster plus Porto. Diese Veröffentlichung gehört zu den erfreulichsten, die in Erez Israel in der letzten Zeit erschienen sind. Es geschieht noch verhältnismäßig sehr selten, daß aus den palästinensisehen Druckpressen Bücher hervorgehen, bei denen Form und Inhalt in gleich vollendeter Weise dem Zweck entsprechen, dem das Druckwerk dienen soll. Um so angenehmer ist es, feststellen zu dürfen, daß dieses Bilderalbum in seiner Art ein kleines Meisterwerk ist. Es zeigt Tel Aviv nicht nur, wie es heute ist, sondern auch, wie es in verschiedenen früheren Stadien seiner Ent- Wicklung ausgcschen hat, und erzielt durch die Gegen- Überstellung des Gegensätzlichen eine sehr starke Wirkung. Hier liegt auch der dokumentarische Wert dieser Veröffentlichung, Sie enthält eine Reihe höchst interessanter Aufnahmen aus den frühesten Anfängen der Stadt, heginnend mit einem Bild der ״Griindcrversammlung“, die 1908 in den Sanddünen bei Jaffa stattfand. Und indem dieser erfreulich reichen Sammlung von Bildern aus dem ״alten“ Tel Aviv eine große Zahl hervorragend schöner und charakteristischcr Photos aus dem Tel Aviv der Gegenwart gegenübergestellt werden, ergibt sich für den Beschauer ein Eindruck der großen jüdischen Leistung, die im Aufbau dieser Stadt liegt, der aus den Dingen selbst entspringt. Ein kurzes, instruktives Vorwort und prägnante Bild- Unterschriften — beide sowohl in Hebräisch wie in Englisch — fassen zusammen, was die Bilder selbst nicht zum Ausdruck zu bringen vermögen: in der Hauptsache historische und statistische Daten. _Höchstes Lob verdient die Ausstattung dieses Bilderberichtes. der sich neben ähnlichen Werken der besten europäischen Verlage sehen lassen kann. Auf ausge/eichnetem Papier gedruckt, gelangen die Bilder zu vortrefflieber Wiedergabe. Die typographische Anordnung, durch die Doppelsprachigkcit der texte besonders schwierig, ist hervorragend schön. Druck und Bindearbeit der Palestine Publishing Co. Ltd. stehen auf der Flöhe der besten europäischen Leistungen dieser Art. Für den Einwanderer aus Deutschland ist cs ein angenehmes Gefühl zu wissen, daß dieses schöne Werk fast ausschließlich der Zusammenarbeit von Menschen zu danken ist, die zu dieser Leistung durch viele Jahre der Arbeit in Deutschland befähigt worden sind. Vom Titelblatt des Albums blickt den Leser das überaus lebendige und ausdrucksvolle Antlitz M e i r D i z e n g o f f s an. Man kann vielleicht nichts Besseres zum Lobe dieses Buches über ״Tel Aviv“ sagen, als daß Dizengoff seine Freude daran gehabt hätte. C. Z. K. Fröhliche Wissenschaft ג• ה• מ(רטשינר׳ הממזא העליז• הרצאות בדדי( ירושלים לתקון המבטא העברי• Daß es in den Büchern des Professors Harry Torczyner, ■des Sprachwissenschaftlers an der Universität Jerusalem, zwar sehr streng wissenschaftlich und manchmal sehr kühn und verwegen, aber dabei immer sehr lebendig und fröhlich zugeht, das wird den nicht wundern, der sich noch aus seiner Berliner Zeit an die lebendige und gar nicht bücherverstaubte Art dieses Forschers erinnert. Darum paßt es gut zu dem Manne, daß er die zehn Radio-Vorträge über die Probleme der hebräischen Aussprache, die־ er am Sender von Jerusalem hielt, nun unter dem Titel ״Fröhliche Ausspräche“ 1 המבטא העליז) Veröffentlicht hat. Mit diesem Buche wird er Lehrenden und Lernenden eine Freude hereiten. Den Lehrenden: die Torczyners Ansichten über die Entstehung der Hauptschwierigkeiten, die in der hebräischen Schrift durch die Wiedergabe der Laute entstanden sind, in sehr ideenreichen und lebendigen Ausführungen kennen lernen. Den Lernenden: die jene alte crux der hebräischen Orthographie, die sich daraus ergab, daß in unserer heutigen Ausspräche scheinbar gleichlautende Worte ganz, verschieden geschrieben werden, nicht nur durch wissenschaftliche Darlegungen vermeiden lassen, sondern auch durch ganz reizend einprägsame Reime ein Hilfsmittel erhalten, das an die vielgeliebten und ganz unvergeßlichen Genus-Regeln aus dem alten Üstermann unserer Schulzeit erinnert. Da man im Laufe der Jahrhunderte die hebräische Sprache nur aus der Schrift und nicht aus dem gehörten Laut lernte, verwischten sielt allmählich die Unterschiede in der Aussprache zwischen Aleph und Ajin, Chct und Chaw, Tet und Taw, Kof und Kaf; es gilt mm nach Torczyners Ansicht, $i<^1 diese Unterschiede neu einzuprägen und sie auch durch deutliche A 11 s s ין r a c h e kundzutun.!diese Ansicht des Sprachforschers begleiten die Buchstaben selbst, zum Leben erwacht, mit b;1<*ha ften Reimen — erst traurig ob des bösen ״Scherf“, der so verzaubert hat, daß niemand sie mehr erkennen kann -~V111d dann froh oh ihrer allmählichen Erlösung. ״Das Ajin ist*Aleph mit dem Schlucker — das Chct ist Hc mit einem Rücker!“ so enthüllen sie sich weiter, bis zuletzt das Dagesch Chasak allen Lehrern und Schülern die tröstliche Botschaft bringt: Wcnitchasak! ״In unserem Waltlc . . .“ ביער שלנו• שילחג החורשה מחברת הילדים במשמר העמק לקרן ה קימת ולילדי ישראל בגולה• Wer jemals das Glück hatte, an einem hellen Frühlings״ tage in M i s c h ni a r H a e m e k eiir/ukehren. der kennt die beiden Dinge, die den Siedlern zum höchsten Stolz: gereichen! Das ist das prachtvolle Kinder 11 a 11 s mit dem begeisterten Lehrer und den frohen Kindern: mul - der Wald, der einer der schönsten in diesem Lande ist. Diese beiden Dinge, die Kinder und der Wald, vereinen sich in einem schmalen Bändchen, das die Leitung des Haschomcr lla/air und der Keren Kajcmeth herausgegeben haben. Fs ist als ein Geschenk an die Kinder in der Golali zum ״Feste des Waldes“ zum 15. Schewat, gedacht ״ist das Buch und redet nicht in großen Worten“ wie die Einleitung sagt. Aber das kleine Buch hat einen besonderen Reiz: kein Dichter schrieb es und kein Meister des Wortes — Kinder sei bst, die in den verschiedenen Kwuzoth leben, haben es geschrieben wie die Schulkinder liier ihre Aufsätze über ״der! schönste!! Ferientag‘• oder ähnliche Dinge schreiben. Das Alter der Verfasser dieses Büchleins schwankt zwischen acht und fünfzehn Jahren; und das Thema ist fast immer das gleiche ... der Wald, dessen Schönheit und Schatten, dessen Blumen und Pilze sie in Ruhe und Frieden genossen und dessen Not und Brand sie schaudernd und erschüttert mit erlebten. Gewiß, das Buchlein enthält keine Kunstwerke — obwohl manchmal in den einfachen Worten in Vers oder Prosa ein überraschend tiefes Gefühl sich zum Ausdruck hindurchriiigt. Aber jedes Wort in den kleinen Aufsätzen oder Versen — an denen die Lehrer nichts änderten oder besserten -- ist uns lieb und nahe. B. B. St, Eine neue hebräische Zeitschrift סיני׳ ירחון דתי לאמי׳ לתורה למדע ולספרות בעברית בעריכת הרב יהודה ליב פישמן Raw Fischmann •שנה ראשונה׳ חוברת א,׳ ירושלים תרצ״ז redigiert eine neue hebräische Zeitschrift in Jerusalem, deren erstes Heft vor kurzem erschienen ist. Sie will vielen Zwecken dienen, wie das Titelblatt zeigt, und liefert schon in der ersten Nummer Beispiele für diese Vielfältigkeit. Bekannte Namen, wie der Redakteur, Professor Raw Assaf, Raw Scwin u. a. sind die ersten Mitarbeiter. Es werden Proben von Neuausgaben, z. K, R. Jeliuda ben Kalonymos aus Speyer (Fischmann), Briefe aus Saloniki (Assaf), über die Grundlage des Streites der Schulen Sciiammaj und Hille! vorgelegt. Als Einleitung dient ein aus dem Nachlaß des Raw Kuk gebrachter Aufruf an die jüdische Bevölkerung von Erez Israel, ln kurzer Art wird Bericht über die wich■ tigsten Geschehnisse im Lande erstattet und Neucrschei- ״ungen erwähnt Der Inhalt des Heftes ist vielversprechend. Rabbiner Dr. A. Pos n er, Jerusalem Der Schauspieler Avilal als Schnecrsohn in ״Schwer zu sein ein Jud" Foto: Au« der Zeitschrift ,,Bamah“, Tel Aviv Im Park von Haifa Man hat mit Recht die Parks der großen Städte ״Lungen“ genannt. Ueberall, wo Menschen in enge Straßen und steinige Häuser gebannt sind, brauchen sie das freiere Atemholen in den Gärten und Anlagen, in denen man für eine Weile sein Städterdasein abstreift. Was wäre Berlin ohne seinen Tiergarten, London ohne den Hyde Park, Paris ohne den Bois de Boulogne! Auch erfüllen die Parks eine soziale Funktion; denn sie absorbieren die vielen Menschen, die tagsüber nicht oder wenig arbeitpn: Mütter und Kinder, die ihren Ort brauchen, an dem sie ungefährdet vom Straßenverkehr und gleichzeitig in der Illusion, im Freien zu sein, sich aufhalten können. So betrachtet, ist in den palästinensischen Städten noch allerlei nachzuholen. Jerusalem besitzt überhaupt noch keinen Park, lind die karstige Umgebung erschwert das Hinauskommen aus der Stadt zu Fuß (vor allem am Schabbat) außerordentlich. Tel Aviv hat ebenfalls noch keinen richtigen Park; als Ersatz dienen einerseits die schönen Anlagen des Roth- Schild-Boulevards und andererseits der Strand. Haifa aber ist am fortgeschrittensten: es ist schon von Natur aus, besonders auf dem Karmel, ein Park, und es ist außerdem in der glücklichen Lage, zwei besonders schöne Gärten zu besitzen, die wirkliche Juwelen in der Krone Palästinas sind. Fährt man auf dem alten Autowege (über die Templerkolonie) nach dem Karmel, so kommt man am Persischen Garten vorüber, der eine der wunderschönsten Anlagen ist, Der neue Pevsner-Park auf dem Hadar. Haearmel Foto•; Loa Londoner die man in dieser von der Natur so reich ausgestatteten Gegend trifft. Dieser Garten wurde angelegt von den Behai, einer aus Persien stammenden moslemischen Sekte, und enthält eine solche Fülle von Blumen, daß man sich zuweilen in den unvergleichlichen Nouzha-Park in Alexandria zurückversetzt fühlt, der wohl das gewaltigste ist, was an Gartenkunst im Vorderen Orient anzutreffen ist. Man geht vorüber an den seltsamen Gräbern des Persischen Gartens, die ohne Grabsteine sind und nur vo!1 kostbaren Teppichen überdeckt werden. Es duftet und blüht in diesem Garten, von dem ein orientalischer Zauber auszuströmen scheint. Für die jüdische Bevölkerung der Stadt aber ist von größerer Bedeutung der Gau Benjamin im Stadtviertel rladar Hakarinel. Dieser Park trägt den Namen Benjamin Pevsners, der einer der Mitbegründer dieses Stadtviertels war und sich um die Entwicklung Haifas große Verdienste erworben hat. Der Gan Benjamin wird umschlossen von der Nordau-Straße und der Pevsncrstraßc, der Blick aufs Meer ist inzwischen leider verbaut worden. Aus den heißen und schattenlosen Straßen von Hadar Hakarinel flüchtet man sich gerne für einige Zeit in diese paradiesische Stille, in der die Blumen blühen, junge Bäume leicht im Winde schaukeln, Wasserstreuer verschwenderisch Kühlung austeilcn und Bänke zum Sitzen ei »laden. Nachmittags wird es hier lebendig. Gegen drei Uhr erscheinen die Mütter mit ihren Kindern, die im Sande spielen, durcheinanderschreien, sich prügeln, sieh vertragen, um die Wette laufen und schließlich hungrig zur Mutter zurückkehren. ״Ani rozeh ...“ so beginnt fast immer der Satz eines zurückkehrenden Kindes: ich möchte ... Man hört von den Müttern vielerlei Sprachen: neben sehr viel Hebräisch auch viel Deutsch und Jiddisch. Und mancherlei Abwechslung durchbricht die träumerische Stille dieses Blumengarteus. Da kommt der Pfannkuchenverkäufer, ein alter Jude aus Polen, er ist im Nu umringt von den Kindern, die für ״chazi Grüsch“ sich den süßen Leckerbissen nicht entgehen lassen (und die Mütter schauen nicht nur zu). Kaum ist er fort, lockt der ״Eisfritze“ mit seinem ״Eskimo“ (das die arabischen Jungen so merkwürdig aussprechen, etwa: Eschk’mooo), und wieder stürzt sich die Meute der abwechslungshungrigen Kinder, bewaffnet mit ihrem halben Piaster, auf ihn, um dann selig lutschend an das unterbrochene Spiel zu gehen. Hier in diesem Park kann man die vielgeschmähte palästinensische Jugend studieren, die ja so ungezogen und so undiszipliniert sein soll. Wer im Gan Benjamin die Kinder unter sien und im Verhältnis zu ihren Müttern beobachte« konnte, der konnte feststcllen, daß diese Jugend nicht im geringsten undisziplinierter ist als irgendeine andere Jugend. Die Charaktere sind verschieden; aber die Grundhaftung dieser Jugend war nach meinen aufmerksamen Beobachtungen eine durchaus friedliche. Neben dem natürlichen Drang des Kindes, sich auszutoben, war immer wieder festzusteflen, daß sich die Autorität der Eltern durchsetzte. (Beobachtungen beim Schulunterricht haben dies vollauf bestätigt.) Zwischen vier und fünf Uhr spürt man, daß sich irgendeine Veränderung an bahnt. Die Spiele der Kinder lassen an Intensität nach, irgend etwas Erwartungsvolles scheint die Gesichter der Aeltercn wie der Jungen zu erhellen. Und in der Tat, sehr bald merkt man den Szenenwechsel. Die Väter kehren von der Arbeit zurück, und nun beginnt ein herzliches Konditorei und Restaurant Frank auf dem Carmel, ein Gründung von Alfred und Hennv Frank aus Berlin ן .••:■'׳׳•**»5:3 Familienleben. Hunderte von Kindern fallen ihren Vätern um den Hals, und diese, noch in Arbeitskleidung, noch nicht ganz frei von den Sorgen des Tages, noch nicht erfrischt nach der anstrengenden Hitze, fühlen plötzlich — und der aufmerksame Zuschauer erlebt es mit — die Atmosphäre einer anderen Welt; schwer und müde, aber froh ihren Kindern ztilächelnd, setzen sie sich zu ihren Frauen, entspannen die Glieder, genießen die Kühlung der schattenspendenden Bäume und der Wasserstreuer. Man erlebt, wie die Welt der Arbeit hier sichtbar versinkt und eine neue Welt, die Welt der Familie, in ihrer ganzen Schönheit aufgeht und wie das Glück sich auf den Gesichtern aller Menschen malt. Wahrlich, um diese Nachmittagszeit sieht man im Gan Benjamin keine unzufriedenen Menschen. Man sitzt und plaudert, die Kinder gehen bald wieder nach' der Begrüßurigssz.ene an ihre Spiele; aber nicht lange mehr, dann rückt der Zeiger der Abendbrotzeit näher, man beginnt aufzubrcchcn. Die kleinen Kinder werden in ihre Wagen verstaut, und lächelnd schiebt der Vater den Wagen vor sich her. Das ist sein Privileg in Palästina G. Neumann (Schluß des Palästina-Teils)