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Jüdische Rundschau · 1937-06-11 · Heft 46 (11.6.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 46 (11.6.1937)
Date
1937-06-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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5eite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU, Nr. 46, TI. VI, 1937 Rudolf Bordiardt Zu seinem 60. Geburtstage Der Dichter Rudolf Borchardt feierte am 9. Juni seinen 60. Geburtstag, falls auch er seine Lebensjahre sich nachrecluien sollte. Demi er gehört zu den Dichtern, die zeitlos sein wollen, nicht anders als sein ehemaliger Meister Stefan George, die von der gleichzeitigen Mitwelt kein zeitliebes Gebot annehincn, um ihre Schatzung und ihr literarisches Sciiicksal der Nachwelt zu überlassen. Wenn man den jüdischen Geistern gern naehsagt, daß sie sich nur vom Augenblick und auf der Oberflüche tragen lassen, so hat der heute Gefeierte oder zu Feiernde das genaue Gegenteil bewiesen wie der sehr anders geartete, aber ebenso zeitferne Alfred Motu• bert, der ihm vor kurzem mit seinem 60. Geburtstag voranging. Mögen sic beide mit ihrem Vertrauen zur Nachwelt recht behalten! Borchardt wurde als Abkömmling einer Kaufinannsfamilie in Königsberg geboren; er studierte an der Heimatsuniversität, dann in Berlin, Bonn, Göttingen, und er trieb alles, was nicht rach Fachwissenschaft und Versorgung aussah. Das ging von Althochdeutsch und Mittelhochdeutsch, in dem er später nachschöpferisch und mit dem Schein der Echtheit schrieb, bis zum Arabischen und zum Sanskrit. Wann cs nicht ein Kunstwerk wurde, so hat Borchardt das Kunststück fertig gebracht, Dantes Göttliche Komödie in die Sprache von Wolfram Von Uschenbacli zu übersetzen. Bei seinen Irrfahrten durch mannigfaltige Sprachwissen- Schaft fand er die erste Erleuchtung und Uebersicht durch Herder, der über den Geist der hebräischen Poesie und die älteste Urkunde des .Mensdiengeschlechts gehandelt hat. Der Philologe wurde Dichter, besonders Nachdichter, wie cs Herders direkte Nachkommen, die Romantiker, gewesen waren, und mit einem stolzen Protest gegen der! Zeitgeist hat er sicli selbst einen Alexandriner genannt. Sein Widerstand gegen die Epoche des Pcsitrt imiius und Naturalismus trieb ihn in die Auch während Ihres Urlaubs können Sie unsere Zeitung pünktlich erhalten, wenn Sie bei Ihrem zuständigem Postamt Nachsende• Antrag stellen Gefolgschaft von Stefan George, dem er dann feierlich auf gesagt hat. Für George hat Borchardt seinen Altersgenossen Hugo von H o f m .1 n n s t 11 a 1 eingesetzt; er wurde ihm, voll von edler Tradition, mit dem Kulturgehalt von Jahrhunderten, das Idealbild des Dichters, wenn ein solcher in einer entgötterten Zeit noch möglich war. Fs war da viel Einseitigkeit und Ueberschätzung, aber Begeisterung von solcher Selbstlosigkeit ist immer eine menschlich schöne Erscheinung. Rudolf Bordiardt hat sich mit seiner schroffen ״Unzeitgemaßheit“ durch manche literarische Polemiken hindurchgeschlagen, deren Wichtigkeit er wohl überschätzt hat. Von seinen Dichtungen, besonders denen irn Geist und in der Sprache des Mittelalters, ist nicht leicht zu sagen, ob sie mehr einem Porten oder einem Philologen gehören. Die sicherste Anwartschaft auf Nachdauer haben wohl einige seiner Prosa- Schriften, so der «lenkwürdige Essay ״Villa“, eine Dar- Stellung der toskanischen Landschaft und eins der großartigsten Kulturbilder, die seit Jakob Burckhardt geschaffen worden sind. Seit Jahrzehnten fast lebt Borchardt in Italien, abseits von allem literarischen Markttreiben; es ist auch ihm und fast nach dem Beispiel Stefan Georges gedungen, sein privates Lehen im Verborgenen zu halten. Sollte aber die Literaturgeschichte in ihrer Porträtgalerie eine persönliche Vorstellung von ihm erhalten, so wäre es wohl die von einem Don Quixote, der sich mit einiger Verspätung noch einmal für ein romantisches Rittertum der zerbrochenen Wappenschilder eingesetzt und besonders eine Passion für Rassentheorien hc/eugt hat, die seiner Herkunft widersprach und die er deshalb um so anspruchsvoller und herrischer vertreten mußte. Arthur Eloesser Zum Thema: Moritz Heimann Man kann heute kaum ein bewegenderes, erinnerungs- und ahnungsvolleres Buch lesen als den Auswahlband aus Moritz Hei man ns gesammeltem oder nachgelassenem Werk, den der Bcrmann-Fischer Verlag (Wien) unter dem Titel ״D i e Spindel“ verlegt. Dieses Titel, um dies vorwegztinchmen, gehört einer Konfuzius-Parabel an, in der der Weise seinen Schülern eine Lehre verkündet, die er ״Die Spindel“ benennt oder ״Die Schraube“ — denn ״er allein wußte, daß er zweimal hatte drehen müssen, bis der Gedanke fest und richtig saß“. Dieses ganze Buch aber ist voll von ״festen und richtigen“ Gedanken, denen man kaum noch anmerkt, wie oft Moritz Heimann an ihnen gedreht hat, bis sie das Maß an Festigkeit und Richtigkeit bekommen haben, das nun dieser Auslese ihren philosophisehen und dichterischen Rang sichert. Das Buch gibt einen Querschnitt durch Moritz Heimanns Schaffen: Novellen, Autobiographisches und Essayistisches, Gleichnisse, Kritisches, Betrachtungen und Bekenntnisse, Gedichte und ein paar dramatische Szenen. Die Auswahl, sehr glücklich getroffen, konzentriert den Blick des Lesers auf die Persönlichkeit, auf das innere Leben eines Menschen, der nicht so sehr ein Dichter als vielmehr ein dichterischer, ein musischer Mensch war, voll von gedanklicher Phantasie und von denkerischem Gefühl, vermöge deren er die bewußte ״Schraube“ immer an der richtigen Stelle und mit der dem Gegenstand gemäßen Kraft angesetz.t hat. So kommt aus diesem Buch als der Repräsentanz des Gesamtschaffens Heimanns das Bild eines Mannes zustande, der die zarten und starken Schwingungen seines Wesens in den Zustand einer fast vollkommenen Harmonie versetzt, verdichtet, gedichtet hat. Diese Harmonie ist Dichtung an sich, und ihre Hauptfigur heißt... Moritz Heimann. Wie lebendig das ist, was er als Kunst geschaffen hat. so kunstvoll erscheint uns heute sein Leben und Wesen, so figürlich und in edlen Maßstäben rückbezogen auf eine Zeit und Welt, auf das Doppelmilieu von Stadt und Land, als deren Zeuge Moritz Heimann heute unter uns tritt —■ Moritz Heimann, der Jude. Die Stille, die in ihm und um ihn ist, diese klingende und manchmal auch klirrende Stille, erinnert an die Atmo- Sphäre des zugleich Gedanken und Gläser schleifenden Baruch Spinoza. Auch bei Heimann meldet sich aus dem Milieu, das ihn hält, etwas Unzeitliches und Ueberzeitliches als der Ausdruck der souveränen Freiheit eines (wenn auch diesmal nicht schöpferischen, so doch reich schöpfenden) Geistes, etwas aus langer Ahnen- und Generationen- und Erfahrungsreihe Gewordenes, worin das Denken zum Gewerbe, dieses Gewerbe aber zur Kunst erhöht ist. Von der fin de siecle-Stimmung und von dem ihr folgenden juste milieu ist in den Gedanken- und Gefiihlsgängcn des 1868 geborenen und 1925 gestorbenen Denkers Moritz Heimann nicht das Mindeste zu entdecken. Er, der als Lektor auch der Mentor des Verlages S. Fischer war, ist dein Geist der Zeiten, die in ihm nachlcbten, treu gebliehen — auch gegen den Zeitgeist, der ihm, dem im märkischen Dorf Geborenen und rasch in Berlin Angckomnicnen, mit allen seinen Säuren zugesetzt hat. Er hat sich davor gehütet und, als sein eigener getreuer Ekkehard, sich davor bewahrt, ein Arrivierter zu werden. Er hat es vorgezogen, am Rand der Zeit seine Gedanken und Gedichte anzusiedeln, an der untrennbaren Naht, in der Vergangenes in Zukünftiges übergeht. Das war Heimanns bewegter Traditionalismus, das war sein ... J ü d i s c h e s. Man darf nochmals, unbeschadet des Niveau-Unterschiedes, an Spinoza erinnern: dieser hat das Judentum verlassen, er hat es seiner eigenen neuen Sicht, aber nicht dem Christentum geopfert. Er hat sich über das Kontessionelle erhoben. Aehnliches läßt sich von Heimann sagen, der zwar Jude gehlieben ist, aber die nährendsten seiner geistigen Wurzeln ins Abendländische gesenkt und erstreckt hat. Er sagt darüber mit einem anderen Bild: ,,Es ist nichts Unnatürliches darin, seine Bahn mit zwei Mittelpunkten 7.1t laufen; einige Kometen tun es, und die Planeten alle.“ Wir freilich wissen, durch neue Erlebnisse zu neuen Erkenntnissen gekommen, daß man das jüdische Problem, um nochmals Spinozas zu gedenken, nicht ״more geometrico oder astronomico“ erfassen und lösen kann. Aber hören und sehen wir genau hin, wie Heimann seinem jüdischen Erlebnis Laut und Raum gibt, so finden wir seinen ״astralen“ Zusammenhang mit dem Jüdischen (wenn auch nicht mit dem Judentum) sehr eindeutig und eindrucksvoll gewahrt: ״Es ging streng nach dem Gesetz in unserem Hause zu; und wie wir an den Festen der Kirche nicht teilnahmen, so hatten wir unsere jüdischen Feiertage für uns, nach ihrem abweichenden Kalender. Es gehört zu meinen unzerstörbaren Erinnerungen, daß das Schabbatende und also das Lichtanziinden nach der Sichtbarkeit der ersten Sterne bestimmt wurde; daß der Neumond nicht ohne Gebetsaus- Zeichnung blieb; vor allem aber, daß über den großen Fest- Zeiten des Jahres immer derselbe Mond .,. bestätigend leuchtete, immer über dem Abend des Vcrsölinungstages die schon ins 7.weite Viertel hinüberschwellende, immer über dem Peßachabend die volle Scheibe — ich habe davon bis in die härteren Jahre des Gemütes immer eine romantische Erregung gehabt...“ Hier ist einer der Punkte markiert, in denen das Jüdische als Substanz und Stimmung den ״Euro- EIS- U. KÜHLSCHRÄNKE alfred schaeffer M.d.j.G, Berlin, Mauere fr. 68, an der Leipziger Str paer" fcsthält. Freilich: Heimann ist im Dorf aufgewachsen. Die Stadt ist vom Himmel und dem Lauf seiner Gestirne entfernter. In der Stadt verdrängt daher das Golus-Gefühl leichter das Gefühl der Heimat... Moritz Heimann hat, im Einklang mit der in ihm wachen Erinnerung an das Jüdische, auch jüdische Stoffe behandelt, einige in seinen Gedichten auf Heines Spuren, aut der eigenen Spur aber ist er mit seinem (episch verlagerten) Drama ״Das Weib des Akiba“, von dem eine Szene in den Auswahlband aufgenonimen ist. Diese mehr hintersinnige als tiefe Dichtung behandelt die Ehe und das Leben des großen Rabbi Akiba, aber sie greift über ihre Fabel hinaus in das atmosphärisch Jüdische, das sie in der Entsagungs- und Leidenskraft der beiden Titelfiguren mit oft erschütternden Zeichen verwirklicht. Aber gerade dieses aus der jüdischen Geschichte gewonnene Stück zeigt am deutlichsten die tragische und bisweilen sogar tragikomische Grenze, auf der sich Heimann in seinem Verhältnis zum Judentum bewegt: das Erlebnis des Jüdischen ist ihm zur Betrachtung geworden. Was zwischen Erlebnis und Betrachtung liegt, das bezeichnet, haargenau, die Distanz des Dichters zum Judentum, es bezeichnet auch den Abstand zwischen dem Wollen und der Erfüllung der Dichtung. Die bewußte Rückkehr vernebelt sich zu einem Dranvorbeifahren und Darüberhinwegsehen! Aber doch ergeben sich ein paar Licht- und Durchblicke auf die jüdische Substanz von edelster Sicht. Heimann ist, vom Judentum aus gesehen, eine Figur zwischen den Zeiten. Er ist, ohne in der Tendenz assimilatorisch zu sein, in der Tat assimiliert. Die Kulturassimilation hat sich an ihm vollstreckt und ilm zu einer Leistung lind Haltung von hohen Graden ermächtigt. Heute wahrscheinlich würde ihn eine weitere Drehung der ״Spindel‘‘ oder ״Schraube“ ins Jüdische zurückführen... Hertnajin Sinsheimer Palas4ima-Am4 IMin »Eft. 3KWISN AfrlNCV *Oft PALE ft TINE Berlin W15, Meinekestraße 10. Telefon: Sammel-Nummer 91 90 31. Die Sprechstunden des Palästina-Amtes sind für alle Abteilungen mit Ausnahme der Passage-Abteilung wie folgt festgesetzt: Montag, Mittwoch, Donnerstag vormittags von 9.30 uhr bis 12 Uhr. Die Passage-Abteilung hat Ihre Sprechstunden von Montag bis Freitag einschließlich in der Zeit von 9.3Q bis 12 Uhr. Wir bitten alle Sprechstundenbesucher, diese Zeiten strikt innezuhalten; auch auswärtige Besucher können ohne vorherige Vereinbarung in keinem Fall außerhalb der vor• gesehenen Sprechstunden empfangen werden. Botin (krj'ct vetzwi•:öl!, vor ־oir.em Lager). Jehonathan (,.:in iro V< 1׳xc10,i■'ö, hört den Schrei, :-1o:z\ in Hcn Solö.i (r 11111־ ur;d ti.ö'.ki in einer beici; ׳.!eilenden Sei ule ein Tuch mit Schaul (in tielö.rcr Er-chöpfung): Schemue! — Gort — Sohemue! — Gott ,.. (seine S timrne ge’.t in £0q1 ultes ■Stöhne n über, wahrend) Jehonathan fda, Tue er,׳! h ü seine Sörn < Breitet, wird er a' llmii blich ruhiger. r-'U ein p,\ ar Mal auf und srhiäit eririli eh ohne neu׳' S:; ■ ni:!;: vt :*er. . Hion; und d 1e Boi in ziehen s ich leise zurück i! ,öS Yorjwinrsc h): Was schrie er — nach Sehemuel? Botin (ו׳ת fh hrbend): Seinen Sc!1 ilnf durchjagte Sohreckgesicht um Sclrreekgesicht, ein toller Wirbeltanz des Todes. Rühr' nicht dran! tehonalhan: So ist ihm alle Ruhe denn vergiftet, alle.r Friede ihm versagt? Doch dies war mehr als Traum. Es war ein Wink aus andern Welten. Botin (nickt bejahend). Jehonathan: War die Antwort dies, um die er schrie zu Ihm, dann — weh uns l Nie reift uns mehr Gnade ... Botin (stark): Sohn Schauls, sie reift! Jehonathan (erstaunt): Traust du so stark auf sie, die dich gesandt? Botin (nach oben zeigend): Sie traut auf Ihn, der hilft. Jehonathan: Uns allen sei ER gnädig. Botin: Laß in Schlafes Hut ihn jetzt, nicht neuen Anfall fürchtend! Eile heischt mein Rückweg. Jehonathan: Melde denn des Königs Nah’n der Frau und geh beruhigt! Ich bürge dir, er kommt. Botin: Doch heute! Jehonathan: Heute Nacht! Mit dir Sein Friede! Botin (abgehend): Gottes Friede sei mit dir! Jehonathan (allein): Glückloser König! — Ein versehrend Gift muß an der Krone kleben, daß sie so che Seele siech macht und den Geist verwirrt! Seit dieser Reif sein Haupt drückt, wehrt die Welt sich seinen Händen: Gutes sät sein Sinn — und Wahn-Sinn ist die Ernte. Großer Gott, was hast Du mit ihm vor, daß Du so schwer ihn an der Last des Lehens tragen läßt, so schwer, daß er uns mit zu Boden zieht, uns alle, die ihm folgen? Im Gebirg’ bricht so ein Fels, reißt alles mit sich fort, was ihm im Weg, bis, fürchterlich geschwellt, der Bergsturz Hütten, Herden, Wald und Flur und alles Leben unter sich begräbt. Ist Hoffnung? Hat schon vor sich her der Tod dir Boten in den Traum gesandt, was soll da jene helfen, die dich ruft? Die Kunst der Aerzte ward an dir zuschanden — weiß sie mehr, ein fremdes Weib? — Wohl flößt Vertrau’n die Botin, die sie sandle, seltsam ein: Ihr Wesen, ihre Stimme, w i e sie sprach, weckt ein Erinnern — manchmal rührt uns 80 ein nie gehörtes Lied ans Herz: verwandt erscheint’s und nrvertraut — ein Ruf, ein Gruß aus einer lichtem Welt, wo Friede herrscht. (tritt an den Eingang des Sohlafgcmachs): Friede-— du Gottgejagter! Wer als Er kann dir ihn schenken? (hebt den Vorhang und betrachtet den Schlafenden): Seltsam trägt dein Schlaf nach solchem Traum des Friedens Züge. Er sei gnädig deinem Schlummer und dem Ritt nach Eridor, Vater , . . gnädig auch — für uns! FUENFZEHNTES BILD Inneres eines Hauses in Endor (Einfacher Lehmbau, durch aufgespannte Tierfelle und Teppiche wohnlich gemacht; Fcuergestelie in der linken Ecke, Kohlenpfanne, Blasebalg, Feuergeräte, Rauchabzug. Das Ilerdfeuer wirft in den sonst ganz dunklen Raum ein schwaches, unbestimmtes Licht. Uebcr und auf dem Herd verschiedene irdene Ktiige, Töpfe, Phiolen. Tiir- Öffnungen links ins Freie, rechts ins Nebengemach, beide durch bunte Matten verhängt. Fußboden mit Rohrmatten belegt; außer einem oder zwei Hockern und einem mit Fellen belegten, erhöhten Ruhelager keine weitere Einrichtung.) Uri (Schauls Waffenträger, Fackel in der Hand, hebt den Tür- Vorhang links und läßt) Schaul (eintreten. Ihm folgt Uri in Kriegsrüstung mit Schauls Schild und Speer; Schaul in Panzer und Helm mit iimgchängtem Schwert), Schaul: Geh jetzt, laß mich allein! Im Herberghof erwarte mich! Wir reiten kurz vor Tag zurück. Uri: Ich warte hier, Schaul (ungeduldig): Was soll das? Geh! Uri (zögernd): Mir bangt um dich, Herr. Schau, fernab der Stadt einsam, unheimlich, düster ist dies Haus. Voll fremdem Zierat steckt’s — ein Hexenort! Wie, wenn Verrat hier lauert? Warnten nicht viel böse Zeichen? Des Pelischti Hand reicht weit. Drum — laß mich hier! Schaul: Bist du so treu, mein Junge? Geh! Furcht ziert den Kriegsmann schlecht, und (innerlich schaudernd): wendet nicht, was uns verhängt. (Zwingt sich zum Lächeln(: Noch schäumt für dich ein voller Becher, blüht vielleicht ein Mädchenmund. Nimm deine Stunde wahr, der Tod — kommt früh genug .. , Uri (zögernd mit der Fackel nach links ab), Schaul (vom Herdfeuer schwach beleuchtet, setrt sich nieder): Der Tod Wozu kam ich hierher? Verfluchter Hexenwahn! Die Frau (ist, von Schaul ungesehen, von rechts hereingetreten, bleibt unter der Tür, im Halbdunkel kaum sichtbar, stehen ■nd hört schweigend zu), Schaul: Ich bann’ ihn — such’ihn — weil Er schwieg. Er schwelgt? Wie? ״Morgen — bei Schemuel ..." das sprach ER! Der Tod bringt Heilung ... Heilung? Und danach? Was ist der Tod? — ein Sklave Deinem Wink. Darf der noch hoffen, den Du hassend jagst aus Trübsal — in Verzweiflung? .... Die Frau (spricht, wie zuvor mit absichtlich verdunkelter Stimme)! Herr, was sonst als Hoffnung, Heilung fändest du hei mir? Schaul (überrascht aufsehend): Bei dir? Wer bist du? hab ich dich gesucht? Sie drängten mich — Die Frau: Wohl suchst du mich, Schaul. (Fortsetzung folgt)

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