Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 46 (11.6.1937)
- Date
- 1937-06-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 46,וו. v!.93 ז? JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 5 Zum Tode Ignaz Jastrows Von Dr. Ludwig Grünbaunij Jerusalem Ein ״Kleiner Dubnow“ Wir haben in Nr. 35 das Ableben des 81jährigen Celehrten Ignaz Jastrow gemeldet. Wir erhallen nun von einem Schüler des Verewigten, Dr. Ludwig Grünbaum, der gegenwärtig Mitarbeiter an dem Ruppinschen Institut für Wirtschajisforschung in Jerusalem ist, noch eine aus führ• liehe Würdigung, der wir nachstehende Absätze entnehmen, ln Palästina lebt, wie uns geschrieben wird, heute eine ganze Anzahl von Schülern Jastrows, die ihrem Lehrer ein dankbares Andenken bewahren. (Red.) Jastrow war tirsprünglich Historiker, Assistent Rankes und Mitarbeiter an dessen Weltgeschichte. Dieses seines wissenschaftlichen Ursprungs ist er stets eingedenk geblie• ben. Noch Ende 1932, nach ISjähriger Arbeit, legte er eine ״Weltgeschichte in einem Bande“ von mir einigen 40!) Text- Seiten Umfang vor, — ein Meisterwerk an Klarheit des Stils und Atifbatis und an Beherrschung des ungeheuren Stoffs. Dieses Buch bildet weder eine bloße Summierung von her* vorstechenden Epochen der Entwicklung einzelner Völker, noch vergewaltigt es den Gedanken der Menschheits-Ge* schichte, — d. 11. der Stoff wird nicht von einem subjektiv gewählten und daher einseitigen Gesichtspunkt aus gesehen, wie etwa bei Wells, sondern jastrow entnimmt den Leitgcdanken dem Begriff der Weltgeschichte selbst: in sie geht die Entwicklung der einreinen Völker, Kulturen usw. insoweit ein, wie dadurch der Zusammenschluß zu einer einheitlichen Menschheit, zur humanftas, gefördert, oder auch gehemmt, jedenfalls beeinflußt wird. Jastrow glaubte an eine solche fortschreitende, fortschrittliche Entwicklung und war darin ganz Sohn des 19. Jahrhunderts, dem die größere Hälfte seines Lebens angehörte. Weiteren Kreisen bekannt geworden ist Jastrow, als er sich den Sozialwissenschaften zuvvandte. Er war auf dem Gebiete der Sozialpolitik bahnbrechend, fn der von ihm 1897 begründeten Zeitschrift ״Der Arbeite markt“ berechnete er als erster einen Index der Lehenskosten der Arbeiterschaft. Aber seine Forschungen erstreckten sich auf nahezu alle Zweige der Wirtschaftswissenschaften; er hat Bücher und Abhandlungen über finanzwissenschaflliche, handelspolitische, dogmengeschichtliche und viele andere Themen veröffentlicht. Als erster hat er die Verwalhingslehrc, zum Unterschied vom Verwaltungsrecht, als selbständige Wissenschaft in Vorlesun* gen gepflegt und ihr ein Lehrbuch gewidmet, von dem leider nur der erste Band: Sozialpolitik und Vcrwaitungswissenschaff, erschienen ist. Mit besonderer Liebe vertiefte er sich in die dogmengeschichtliche Herleitung der Lehren des englischen Nationalökonomen Adam Smith aus dem .Naturrecht. Die Vielseitigkeit seiner Arbeiten ist vielleicht schuld daran, daß Jastrow als Forscher doch wohl nicht die Anerkennung gefunden hat, die er verdient. Denn wie viele Soziahvissenschafllcr gibt es, deren Interessen ähnlich weit verzweigt sind? Dagegen herrscht nur eine Stimme hinsichtlich seiner Bedeutung als Pädagoge. Das Geheimnis seiner ungewöhnlichen Wirkung ist nicht auf eine runde Formel zu bringen. Für Jastrow kam es in erster Linie darauf an, den Schüler überhaupt erst einmal Lernen zu lehren. Jastrow setzte nicht fertige Theorien vor, sondern brachte bei, wie man sich an fremde Theorien heranarbeitet,' zu ihnen kritisch Steifung nimmt und schließlich zu eigenen Ansichten gelangen kann, — kurz, er lehrte, selbständig und sauber zu denken. Wenn Jastrow etwa bei Dissertationen noch so gering erscheinende Unebenheiten in Stil, Gcdankenführung oder Aufbau unerbittlich rügte, so folgte er nicht etwa einem Zug zur Pedanterie, sondern er erzog den Studenten damit zu letztem Durchdenken der Materie und zu ״intellektueller Rechtschaffenheit“ (Max Weber), d. h. er suchte dessen Gewissen empfindlich zu machen gegen jede wissenschaftliche ״Vernebelung“. Er pflegte zu sagen: ״Es genügt nicht, daß der Autor richtig verstanden werden kann, er hat sich so auszudrücken, daß er richtig verstanden werden m 11 ß.“ Er legte auch großen Wert darauf, seine Schüler zu gutem mündlichen Vortrag zu erziehen. Jastrows pädagogische Eigenart mag noch an zwei Vorlesungen gezeigt werden, die er in den letzten Jahren seiner Lehrtätigkeit an der Berliner Universität zu halten pflegte. Die eine hieß: Enzyklopädie der Staatswissenschaften. Sie schildert die Entstehung der Universitäten, die Ent- Wicklung der einzelnen Fakultäten, die Herausbildung der einzelnen Sozialwissenschaften und ihrer Lehrmeinungen, alles auf zeitgeschichtlichem Hintergrund. Kann es eine bessere Methode geben, den Anfänger etwa für die inerkan- Zam Erscheinen des ersten Bandes der dreibändigen ״Weltgesdifdite des jüdischen Volkes“ ln den letzten Jahren hat sich das große Gesehichfswerk von Simon Dubnow bei den Juden fast aller Länder eingebürgert. Dubnow« Lebensarbeit besteht in diesem Werke, das er ״Weltgeschichte des jüdischen Volkes“ benannt hat, dem Versuch einer umfassenden Darstellung der jüdischen Geschichte und des jüdischen Schicksals in allen Ländern, die den Namen ״Weltgeschichte“ verdient, weil sie, obwohl lediglieh dem jüdischen Volke gewidmet, räumlich die ganze Welt umfaßt. Dubnow ist ein Mann von ausgeprägter Eigenart, Sohn seines Zeitalters, Aufklärer und Rationalist, dazu ein Politiker mit einer ganz bestimmten Auffassung von der wimschbarcn idealen Lebensform des jüdischen .Volkes, die er in der Theorie von der ״nationalen Autonomie“ zusammengefaßt hat: ein Volksleben, das nicht in territorialer Konzentration besteht, sondern seine geistig-kulturelle Autonomie 1md damit sein Volkstum in dem wechselnden Schicksal der Diaspora aufreehterhält. Wie jedes Geschichtswerk einen Leitgedanken hat und die Darstellung des Gewesenen umvillkürlieh — oder oft auch bewußt — mit dem als Ideal gesetzten Zustand gemessen wird, so ist dies auch bei Dubnow der Fall, und es ist daher naheliegend, daß seine Geschichlsdar- Stellung von solchen Personen, die seine grundsätzliche Ein- Stellung nicht teilen, Kritik erfahren hat. Trotzdem hat niemand bestritten, daß wir es hier mit einer einzigartigen Wissenschaftliehen und schriftstellerischen Leistung zu tun haben, die ihren Platz in der jüdischen Literatur behauptet, weil sie seit dem in Sprache und Einstellung heute vielfach veralteten Graetz die einzige umfassende jüdische Geschichte ist; lind, das Bedürfnis des jüdischen Volkes nach Geschichfskunde ist heute besonders groß. Dies gilt vor allem für die Juden in Deutschland, die sich mit der jüdischen Geschichte neu vertraut machen müssen. Die Herausgabe der zehnhändigen ״Weltgeschichte des jiidisehen Volkes“ war daher eine überaus verdienstvolle Tat des Jüdischen Verlages (Berlin), und man kann wohl ohne.liebertreilning sagen, daß dieses Werk eine große Popularität erlangt hat. Trotzdem konnte man sich der Einsicht nicht vorschließen, daß viele diese zehn Bände erworben und in den Bücherschrank gestellt haben mögen, aber nicht jeder Er- Werber wird diese Geschichtsdarstelhing auch wirklich durchgelesen haben. Es machte sich das Bedürfnis merkbar, die ״Jüdische Geschichte“ in einer kürzeren Fassung zu besitzen, die leichter übersichtlich ist und wirklich durchgelese» werden kann. Es war daher ein guter und fruchtbarer Ge* danke, nach der zehnhiindigen Ausgabe eine gekürzte dreibändige Ausgabe der nubnow-״Oescl1ichte“' zu veranstalten. Der erste Band dieser gekürzten Ausgabe ist soeben im Jiidisehen Verlag Berlin erschienen. Schon heim ersten Einblick kann gesagt”werden, daß das redaktionelle Prinzip der Auswähl und Kürzung richtig ist. Nichts Wesentliches fehlt, auch die Eigenart der Darstellung ist gewahrt, doch muß natürlich auf viele Einzelheiten, die den Fortgang des Gesamtberichtes verzögern, sowie auf den wissenschaftlichen Apparat (Finzelexkurse, qiiellenkritische Untersuchungen, bibliographische Angaben und dgl.) verzichtet werden. Der erste Band umfaßt die orientalische Periode der jüdischen Geschichte und entspricht den ersten drei Bänden der /ehnbäiuügen Ausgabe. LONDON L. B. BEN DH EIN Vomehmö deutsch-englische Famillttnpönsio■ 11 Adamson Road Der Band reicht von der Entstehung des jüdischen Volkes und der ersten Eroberung Palästinas über die Geschichte der Blütezeit des jüdischen Volkes in Palästina hinweg, enthält das Babylonische Exil und die Rückkehr, die Zeit, der griechisehen Herrschaft und der Hasmrniaer, das römische Protekiorat und die römische Herrschaft bis zum Untergang des jüdischen Staates und schließlich die geistige Geschichte des jüdischen Volkes, begonnen von der Zeit des Judaismus und 1 lelienismtis über die jiidiseli-geistigen Institutionen in Palästina und Üabvlon, die Zeit der Entstehung des Talmuds bis zu dem Vordringen des Arabertiims und des Islams. Das letzte Kapitel ist noch der jüdisch-arabischen Renaissance ge* widmet, so daß das Buch im eilten Jahrhundert 11. dir. abschließt. Wie in der Einleitung niifgoteilt, wird der zweite Band den Bänden 1׳.7 und der dritte Band den Banden 8 —10 der großen Ausgabe entsprechen. Die l'ebcrset/iing und Bearbeitung ist wieder von Dr. A, SI einher g in der bewährten Form besorgt. Abschließend Kann man sagen, daß der ״Kleine Dubnow“ sieh vielleicht noch besser liest als der ״Grolie“ und auch stilistisch 11ml sprachlich noch eine gewisse Durclifeilung erfahren hat. I s ist kein Zweifel, daß das Erscheinen dieser kleinen Aus״, ,.,1■״.׳p großer Genugtuung begrüßt werden wird. tilistischen oder physiokrafischen Doktrinen zu interessieren, als dadurch, daß man ihm die politischen und sozialen Znstiindc des 17. und 18. Jahrhunderts nahebringt? Gleichzeitig bot die Vorlesung auch eine geistesgeschichtliche Ableitung lind Einordnung der Haupt-Autoren und erleichterte dadurch dem Anfänger den Aufbau seiner dogmengeschichtliehen Studien. Die andere Vorlesung nannte sich: Plülosophisclie Grundlagen der Nationalökonomie. Vor der Erörtertmg der Haupt-Theorien resümierte Jastrow hier wichtige Lehren der formalen Logik und zeigte an Hand sozialwissenschaftlicher Dogmen die Verstöße wider bestimmte logische Regeln auf. Über jüdische Künstler Die unter der Redaktion von Adolph Donath in Prag erscheinende Monatsschrift ״Internationale Kunstrevue“ berichtet über eine Ausstellung des Malers Friedrich Fei gl, der aus der Zeit seiner Berliner Wirksamkeit auch in Deutschland bekannt ist. Es handelt sich um Bilder, Aquarelle und Federzeichnungen aus der Zeit 1935'37. In der von D. (Donath) gezeichneten Besprechung heißt es: ״Feig! beweist, daß er nicht allein schöpferisch, d. h. mit Geist und Phantasie an die Natur herangeht, sondern daß er auch, an der Hand der Naturdarstellung, Bilder inalt, die nachdenklich stimmen. Diesen Vorzug haben in erster Linie seine palästinensischen Landschaften, und hier ist es besonders das Bild ״Auffindung Mosis“, das in seiner Perspektive und den Farbenlichterii, die um Wasser und Ufer schwirren, wie eine Vision in Silbergrau wirkt. Helle Farbön sind im ״Tal Kidron“, viel Bewegtheit ist in dem Bild ״In der Wüste“. Doch auch die Ansichten von Prag und Umgehung verraten die Vor- Wärtsentwicklung des Künstlers im Malerischen. Vortrefflich sind schließlich Fcigls Porte,äisstmlien. und impressionistischen Schmiß haben seine Federzeichnungen.“ 111 derselben Zeitschrift wird der erste Teil eines 11mfassenden Artikels von Max üsborn über ״Das J iidi sc he Museum in Livorno“ venöifentlicht. Dieser Teil enthalt zunächst eine überaus interessante histotische Einleitung, in der die Entwicklung der Jüdischen Gemeinde Livorno dargestellt wird. Das Zentrum des jüdischen Livorno ist die ״Piazza Elia Benamozegh“, Benannt nach einem großen jüdischen Gelehrten des 19. Jahrhunderts. Das monumentale Bauwerk auf diesem Platz ist die berühmte Synagoge von Livorno, einer der schönsten Tempel, die für den jüdischen Kult auf europäischem Boden errichtet wurde, 1581 gebaut, 1603 erneuert, im 18. Jahrhundert erweitert. Eine Gedenktafel der Synagoge beriefitet von dem Besuch Franz von L.othringens mit seiner jungen Gattin Maria Theresia im Jahre 1739. Ein weiterer Beitrag feiert den 50. Todestag von . Hans von Mare es, des Malers, der der Sohn eines preußischen Aristokraten und einer jüdischen Mutter (geh. Sußmaun) war. lieber japanische Kunst berichtet eine Wiener Zeichnerin, Clara Epstein. Weiter wäre noch zu erwähnen ein Aufsata von Adolph Donath zum 70, Geburtstag von Max J. Fried״ länder und die Wiedergabe einer in der Pariser Weitaus״ Stellung gezeigten Plastik von Anna Mahler, der Tochter, Gustav Mahlers. Ladislav G 1־ i n s k v, ein in Beograd lebender Junget jüdischer Komponist, der durch seine Werke auch in nicht« jüdischen Kreisen Anerkennung fand, verfaßte ein großes musikalisches Werk ״Die Makkabäer“, ein Oratorium für Orchester, Chor und Solisten. Das Werk wurde vom Wiener jüdischen musikalischen Institut warm aufgciiommen, konnte aber wegen Mangels an Mitteln bis jetzt nicht aufgeführf werden. Sämtliche Rechte, auch das 'der Aufführung, vorbeiiahen Die Frau von Endor Aus einem dramatischen Versuch ״Sdiaul“ Von Leopold Marx VORBEMERKUNG Die Tragödie des Menschen, in dessen junges Leben der Strahl der göttlichen Gnade — der Begnadung — einbricht und dessen reifendes Leben unter dem Huch der Vermessung, der Uebermanming langsam zerbricht, um schließlich im Brand eines großen Unterganges noch einmal aufzustrahlen, — dies ist das Thema wie so vieler Sehauldrarnen, 80 auch des dramatischen Versuchs von Leopold Marx, dem die beiden folgenden Szenen — dramaturgisch der fünfte Akt — entnommen sind. Marx bindet die biblisehe Figur an einen Konflikt, der zugleich in der Veran״ lagung und in der Sendung Schauls sich ausdrückt, nämlich an den Konflikt zwischen Großtat und Gewalttat, zwischen göttlicher Auserwiihltheit und menschlichem Exzeß. Schon im bäuerlichen Sehaul liegen — hei Marx — alle Elemente der Tragik, der Ungefaßtheit, der Getriebenheit und der Uebertriebenheit begründet, die dem königlichen Sehaul zum Verhängnis werden. Darum ist dem Dichter eine Gestalt aus einem Guß gelungen. Alles Erleben Sehauls wird ihm zum Streit mit der Gottheit, in dem er, der immer wieder Versagende, Unterliegende, nur Haß und Strafe zu erkennen vermag. So kämpft er seinen vergeblichen Kampf bis zur Sinnesverwirrung, um endlich durch die Frau von Endor den Sinn seines Lebens zu erfahren. Denn Marx hat dem Sehaul eine weibliche Figur beiegeben, Thirzo, die ihn durch alle tragischen Stationen indurch begleitet, innerlich und Bußerlich, in der Bewegtheit und Bewegung. Der junge Sehaul rettet die junge Thirza aus dem schändlichen Asehera-Dienst, lieht sie mehr als die Mutter seiner Kinder, vergißt sich in seiner Sinnlichkeit zu ihr und treibt sie dadurch aus dem Haus. Eine freiwillig stumme Bettlerin, Pilgerin, Seherin wird aus ihr, eine Figur am Rand des Dramas, eine Statue der Deutung und Warnung. Aber noch einmal tritt Thirza tätig fn Schauls Leben ein — am Ende. Denn sie ist die ״Hexe“ von Endor. Sie holt den königlichen Mann, bevor er zerbricht, zu sich. Dies ist ein ausgezeichneter dichterischer Einfall. Wie er vollstreckt wird, das zeigen die beiden folgenden Schluß- Szenen des Dramas. Sie geben auch den bestell Begriff davon, wie Leopold Marx bemüht ist, seine Auffassung von Sehaul mit großer Treue in der biblischen Vision von ihm beruhen und aus ihr herauswachsen zu lassen. Auch dies andere zeigen die zwei Szenen, wie in dem Drama zwischen psychologischer Begründung lind Vortiefung und, man möchte sagen, festspiclhafter Aus- Schmückung und Erhöhung eine literarische Mitte gesucht wird, VIERZEHNTES BILD Inneres von Schauls 7c lt, in ein Vorgemach (links) und Hauptgemach (rechts) abgelebt. Zwischen beiden ein Vorhang. Rechts ein Rtihelager von Ticrfellen. darauf Sehaul schlafend; vom Vorgemach aus Ausgang ins Freie, mit einem Teppich verhängt. Jehonathan und die Botin (treten ins Vorgemach). Jehonathan (den Vorhang lüttend und wieder fallen lassend): Er schläft! Wie Sommerglut das Weißgewölk, wenn alle Flur nach Regen lechzt, verzehrt, fraß Seclenpein den Tröster ihm, den Schlaf. \\ ie ein Gewitterschauer fiel er jetzt auf die gequälten Sinne. Ach, e i n Strahl, der sengt und zündet — ein unsel’gcr Traum zerstört den Segen dieser Flut von Schlaf. Sic sei uns heilig! Botin (bejaht durch Neigen des Kopfes). Jehonathan.• Deines Auftrags Sinn und Inhalt ist mir deutlich. Treuem Mund hast du ihn anvertraut: die dich gesandt, verspricht dem König Heilung. Willst du selbst ihn zu ihr laden — hier im Vorgemach verweile, bis er wach ist. Botin: Hüten wird wie eine Mutter still ihr krankes Kind mein Schweigen diesen teuren Schlaf. Jehonathan (sicht sie einen Augenblick erstaunt an, dann verläßt er das Zelt). Sehaul (bewegt sicht im Schlaf, stöhnt auf und spricht im Traum)! Laß los, Verhülltes! winkst du? (froh überrascht); Achinoam du? Liebe! — du kühlst die Fieberstirn, wie ehl (richtet iich halb auf, streckt die Arme au»): Ich komme! ■— (schreckt zurück): Weh! wo bist du? - Da? (erschrickt von neuem): Du weinst? Du bist ja — Michail Ja, ich lat dir weh — Wie eine Lote warst du mir. Du zürnst, v erhüllst dich, wendest dich — (er-l.umi 1: nicht Michael bist du . . . (,iuljnbi .’ml/: Thirza! Thirza! Botin (die mit \v,1,!!■wilder Bewegung am Vorhang gelauscht htt, stützt, immer vcr-1 111( krt, hei ein, beugt •■ich über den Schlaf«!, den und näl;e!t die Keehtc .-einer vim. I)a sank Sehaul sie mit einer jähem Bewegung -einer wie 2um Empfang ausgebreiteten Anne zurück und -direil, den!b'ieic in .'־!.irrem Schrecken an dit Wand gerichtet, in die Hülse fahrend, v.i'.d auf.) Sehaul: ... — Spottgesicht! David ■— Botin (fährt er-ilimik.cn zuiiiek. Sie bleibt von nun an im Schlaf« gemach, an Schauls Traum mit inaer-ter Bewegung teilnehmend). Schani: Du I.ächlcr! — Throndieb! Diesmal fehlt mein Speer (Gebärde des Lanzemvcrfcns): dich nicht! Du, meiner Ruhe Mörder! — Wie? (cm-ftzt, lang gezogen. zum-k unkend): Mörder? ... — bist du mein Echo? — Lebst du ftoclii Wer ist ein Mörder? Ich? (mit allen Gebärden des Entsetzens, abwehrend)! Fort, Priester, fort! Du starbst nach Recht und Urteil — (ge-teigcries Entsetzen): Hinter dir — Wo habt ihr eure Köpfe? — Ab?! wer schlug sie ab? Mein Kriecht! Wie? ich? Nein — das Gesetz! s Ihr seid Verräter! Recht; geschah euch, Recht! Erneutes Auffahren, neuer Verzwcifhingsschrei): Wer winkt? Wer bist du? — Hülle vom Gesicht! Ich will dich seh’n, du Alb — —;höchstes Entsetzen, anfbvülhnd): SeheimieR — Komm, tot schlag mich wie den Agag! Nimm mich mit ins Schattenreich! Nur starr mich nicht so an! — (er sinkt zurück, hält aber die Augen starr auf die Erscheinung) gerichtet): Was nickst du? Stimme Schemueis: Morgen wirst du bei mir sein! Sehaul: Morgen . , . Die Stimme: Morgen, bei mif Sehaul (sein Kopf fällt zurück): Ich — kann nicht mehr . . Laß ab!