Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 46 (11.6.1937)
- Date
- 1937-06-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 H VI 1937 JÖD ISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Die Eröffnung der Ludwig -Tietz - Schule Die Eröffnungs-Zeremonie. Am Tisch von rechts nach links: Dr. Georg Landauer, Dr. Ru pp in, Dislriktskommissar Keith- Roach bei seiner Ansprache, Dr. Georg Lubinski. Ganz links am Tisch: Hermann Struck, daneben der arabische stellvertretende Distrikts-Gouverneur und Dr, Siegfried Moses. ÄliMi Bei mildem Sommerwetter fand, wie bereits kurz ge*!meldet, die feierliehe Eröffnung der Ludwig-Tietz-!Handwerks-Schule in Jagur statt. Vor den Gästen, die im weiten Hof des einfachen und schönen Schulgebäudes saßen, sprachen Dr. Ru pp in Ein Teil des Publikums vor Beginn der Eröffnungsfeier. Das Bild zeigt gleichzeitig die herrliche landschaftliche Lage der Schule. über die Entstehung der Schule und ihren Zweck, das handwerkliche Niveau des Landes zu heben, Mr. Keith Roach, der Distriktskommissar, über den Wert der Handarbeit und wünschte der Schule besten Erfolg. Dr. Lubinski sprach Der Chor der Schüler unter Leitung von Jehuda Schertok. als Vertreter der Organisationen in Deutschland, insbesondere der Reichsvertretung, die für die Gründung der Schule tätig waren, und entwarf ein Bild des verstorbenen Ludwig Tietz. Ideisohn als Vertreter des Meschek Jagur erklärte die Bereitwilligkeit, die Schule auch in Zukunft beratend zu fördern, so wie Jagur bisher, insbesondere durch Ueberlassung des Geländes, nach Zustimmung des KKL, gehelfen hat. Der Erbauer der Schule, Erich Mendelsohn, sprach von der Notwendigkeit innerer und äußerer Ordnung und Reinheit. Dr. Landauer verlas die eingegangenen Glück- Wunschtelegramme, darunter solche des High Commissioners, von Hcnrietta Szold, Blumenfeld, der ZVfD., und der Mutter des verstorbenen Ludwig Tietz. Vor und nach den Begrüßungsansprachen sang der Chor der Schule unter Leitung des Dirigenten Jehuda Schertok aus Jagur. Mit einer Besichtigung der Unterrichtsräuine und des direkt in der Siedlung Jagur liegenden Internats schloß die Feier. & imi■■ ftMWR mm m mim בית ספר למלאכה הוקס למד ז ד׳ר לודגין שיץ זל * על ידי ההסתדרויות . I היהודיות הגדולות . ■% כנרמגיה: נציגות. י . :״fr היהדות בגרמניה ׳;I ההסתדרות הציונית ׳■•• .• .וממרלוורץ*«ולת■ : r ■ .״׳ חיי?fl.yflj■.•.... ..׳,#! היהודית 113דל*!,; . בעזרת המסדר חמייכד ■! לישוב יהודי גרמניה ליד דסוכוות ההודית , •:׳;#I : י / » נ ת ח ר צד ־ &•*** י.,.. ■ ^ודידימנדלסוך..־ י. לזמיזו• וזסמדס וחינץ "* די וויז־ 3י*יי«8ו> r*ew* : Die in dem Schulgebäude angebrachte Gedenktafel. (Jeher- Setzung: ״Die Handwerkcrscltulc wurde zum Andenken an Dr, Ludwig Tietz durch die großen jüdischen Organisationen in Deutschland errichtet: Rcichsvertrelung der Juden in Deutschland, Zionistische Vereinigung für Deutschland, Central-Verein, Ililfsvercin, Jüdische Gemeinde Berlin, mit Hilfe der Zentralstelle für die Ansiedlung von Juden aus Deutschland bei der Jewish Agency. Im Jahre 5696. — Architekt: Erich Mendelsohn, London-Jerusalem. Beratender Ingenieur: Dr. Erich Kempinskp, Jerusalem.“ Foto. : Loa Landauer (11H111!>1u11)11111u1J11u11111)1!!!11!111!!1!i1!1111!1n111!1111M!1111!s111t11m1!111i111u11M1111111Mn111!1111(111111111H11n111M111111H!1)11111111u1111i1111!11u11M1m11!11M11111111111u111n11Mmt!i1!11n11u11n11u1111111!HM!1iM1m11!nM!11n111Mu11111M11iMu1Mm1u111u111111u11!1i1111tu1Li Die arabische Kampagne w USA Der New Yorker Rundfunk hat die Reden verbreitet, die auf einem Bankett gehalten wurden, das die Arabische Nationalliga Amerikas zu Ehren des I in Amerika lebenden bekannten libanesischen Schriftstellers Ern in Rihani veranstaltet hat. Das Bankett bildet den | Auftakt zu einer Reihe von Vorträgen, die Rihani im ganzen Gebiet der Vereinigten Staaten halten wird. Rihani war vor einiger Zeit in Palästina, wo er auch der Hebräischen Universität einen Besuch abstattete. Ansprachen hielten der Präsident der Arabischen Nationalliga Dr. Shatarah, das nach Amerika entsandte Mitglied des Obersten Arabischen Komitees in Jerusalem Dr. Izzat Tannous, Kommissar Faris Malouf aus Boston und Prof. W. E. Hocking von der Harvard-Universität. Sämtliche Redner lehnten mit Entschiedenheit den Zionismus ab. Emin Rihani sprach von dem ״Scherz der Balfour- Deklaration und des Mandats“ und verurteilte den Kantonisierungsplan als den ״nichtigsten aller Notbehelfe und phantastischsten aller Ausbeutungspläne״. Er versicherte, daß die Araber den Status quo in Palästina anerkennen und bei der Entwicklung des Jüdischen Nationalheims mithellen würden, wenn die drei Hauptforderungen der Araber, insbesondere die nach Einstellung der jüdischen Einwanderung, erfüllt werden. Der Mufti von Jerusalem hatte zu der Veranstaltung eine Kundgebung gesandt, in der er der proarabischen Kampagne in den Vereinigten Staaten Erfolg wünscht Der Gemeinderat von New York hat es ln einer Ent- Schließung mißbilligt, daß der s t ä d t i sch e Sender WNYC den arabischen Propagandisten durch Uebertragung der auf dem Bankett für die arabische Delegation gehaltenen Reden Vorschub geleistet hat. Es wurde beschlossen, die Beamten des Senders aufzufordern, sich vor den Stadtältesten über ihre Handlungsweise zu äußern. Der Sender WNYC hat den Führern der Zionistischen Organisation Amerikas, Dr. Stephen S. W i s e und Louis L i p s k y, eine Stunde zur Verfügung gestellt, in der sie den arabischen Propagandisten antworten werden. Kriegsopferversorgung. Die Pressestelle der Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit, daß nach einem Bescheid des Herrn Reichs- und Preußischen Arbeitsministers vom 31. Mai 1037 Mitglieder der Staatszionistischen Organisation als Bevollmächtigte und Beistände jüdischer Antragsteller bei den Versorgimgssteilcn zugclasscn’ werden, wenn sie von dieser Organisation mit der Uebernahmc von Vertretungen jüdischer Antragsteller allgemein beauftragt sind. Hierzu wird ferner von derselben Stelle mitgeteilt, daß der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten seit dem Erlaß des Herrn Reichsarbeitsministers vom 27. August 1934 das Recht der Vertretung jüdischer Versorgungsberechtigter vor den zuständigen Behörden besitzt und diese Betreuung weiter unverändert fortführt. Z& IMtslfrlQg ׳ ALLIGATOR 4 ,j s ל i n d «j u t e L 0 d 0 r w u r UNSERE VERKAUFSGESCHAFTE B r 11 b , TiUMiUienstraß« 16 Htmburff. Jun&femstieg 43 K $ 1 o «. Rh., Hohe Straße 115 Enaen! Limbeekerttraße 10 Esten, Am HauptbahnboflO Bochum, Kortumstraße 67 Frankfurt»M-, Roßmarkt 15 Zentrale: Offenbach a. M. WuppertaWEIberfeld, HentogstraBe 36!Dort an den Strömen Babels weihen wir; Aih. weinten wir, Wenn Zions wir gedachten! An Weidenbäume dort Hfinglen wir unsere Zithern. Denn dort verlangien unsre Zwfngherrn von uns Sangesworte j Und unsre Dränger Freude: ,So singet uns von Zijons Sangl‘ Wie sängen wir des Ewgen Sang Auf Fremdlands Erde 7 VergeS ich dein, Jeruschaloim, Versage meine Rechte I Es klebe meine Zunge mir am Gaumen, Wenn dein Ich nicht gedenke. Halt ich Jerusdialaim mir nicht vor Bei meiner höchsten Freude I Psalm 137, 1 - 6 Uebers. v. Harry Torczyner Aus dem vor kurzem erschienenen 4. Band (Ketubim) der Torczyner* sehen BibclilberseUung (Verlag J. Kaufmann, Frankfurt a. M ). Nach der Krönung Von unserem Berichterstatter J. K. London, 6. Juni In den fetzten vier Wochen standen noch immer die Krönungsfeierlichkeit eil und die sich daran anschließenden Ereignisse im Vordergrund des englischen öffentlichen Lebens. Erst jetzt beginnen sich die in London ziisamntengekommenen Vertreter aus allen Teilen des Weltreiches wieder in ihre Heimatländer /iiriiekzubegeben. Die Empirekonf crcnz, an der nur die Vertreter der Do minien tcilnebmen, dauert noch an. Einer der Programmpunkte dieser Konferenz sollte nach Baldwins Ankündigung die Wiederaufnahme der Einwanderung in die Dominions sein, ln diesen Diskussionen dürfte auch die Frage der Einwanderung von Nichtengländern, die schon in früheren Parlamentsdebatten aufgeworfen wurde, eine Rolle spielen. Man wird nicht in der Annahme fehlgehen, daß bei diesen unter Ausschluß der Oeifentlichkeit stattfindenden Besprechungen auch die Palästinafrage erörtert worden ist. Gelegenheit hierzu bot sich am Anfang dieser Woche, als das Verhältnis der Mandatsländer zu den Üttawa-Verträgen auf der Tagesordnung stand. Im Zusammenhang mit der Palästinafrage war auch dem hiesigen Aufenthalt des Emir Abdullah von Transjordanien ungewöhnliche Aufmerksamkeit zuteil geworden. Man legte in England aut die Anwesenheit und die Freundschaft dieses Mannes großen Wert. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die Person« liclikeit dieses Mannes, daß er bald nach seiner Ankunft in der Nationalbibliothek des Britischen Museums angetroffen wurde, wo er in der reichen Sammlung arabischer Hand«! Schriften las. Auch die englischen Juden empfingen In diesen Wochen Gäste aus allen Teilen des Weltreiches. Die beiden stärksten jüdischen Gemeinschaften, Palästina und K a - n a d a, batten offizielle Vertreter geschickt, aber cs gibt kaum eine jüdische Gemeinschaft im Empire, die nicht in irgendeiner Form repräsentiert war, sei es auch durch Angehörige der Militärkontingente, wie im Falle Australiens und Rhodesiens. Anders als im Falle der Empiredclegiertcn waren die Zusammenkünfte der jüdischen Gäste aus dem Empire mit englischen Juden rein gesellschaftlicher Natur, Eine organisatorische Zusammenfassung der Juden im Britischen Empire ist bisher noch von keiner Seite ins Auge gefaßt worden. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung der gesamten englischen judenheit gestaltete sich aber der kürzlieh in der Londoner Großen Synagoge abgehaltene Festgo tte s d i c n s t. Zum erstenmal in der englisch-jüdischen Geschichte amtierte der Chief-Rabbi zusammen mit den Rabbinern der Londoner sephardischen und aschkenasischeii Gemeinden und den Rabbinern der liberalen und der Reform- Synagoge. Diese Zusammenfassung aller religiösen Schatticrungen des Judentums durfte wolii auch in anderen Ländern ohne Vorbild sein. Der religiöse Gr und ton, der für das englische Volk von jeher so bezeichnend war, der aber gelegentlich schon etwas zu verblassen schien, setzte sich wieder in diesen Tagen der nationalen Hochstimmung durch. Das tiefe Verständnis für Religion und Bibel, für die englisch-jüdischen Beziehungen von so großer Wichtigkeit, wurde besonders auch in der K r ö n u n g s z e r e m o n i e seihst bewiesen. Erst jetzt wurde der volle Text des Krönungsaktes bekanntgegeben, und tagtäglich erleben Zehntausende von Etigländern diese eindrucksvolle Zeremonie von neuem im Tonfilm. Die eigentliche Saibling wurde nach dem Vorbild der Salbunfr Sauls utid Samuels vollzogen. Darauf verrichtete der Erzbischof folgendes Gebet: ״Gott, heiliger Vater, der Du von altersher durch Salbung mit Oel Könige, Priester und Propheten entsetzest und weihtest, um Dein Volk Israel zu lehren und zu regieren, segne und heilige Deinen erwählten Diener Georg.“ Nach der Salbung folgten die Worte: ״Und wie Salonion von Zadok, dem Priester, und Nathan, dem Propheten, zum König gesalbt wurde, so seist Du gesalbt, gesegnet und geweiht zürn König über die Völker, die Dein Gott Dir zur Herrschaft gegeben hat.“ Darauf hörte man die berühmten Worte Davids an Salomon: ״Sei stark und mannhaft. Halte die Gebote des Ewigen, Deines Gottes, und wandele in seinen Wegen.“ Schließlich wird dem König die Bibel überreicht, ״Das Wertvollste, das cs auf dieser Welt gibt. Hier ist Weisheit, hier ist das königliche Recht.“ Die Zeremonie war umrahmt von Psalm engesängen, Stellen aus Jesajah und einem Chorgesang ״Jerusalem“. Wenn die Tatsache der vollkommenen formellen Gleich- Berechtigung der englischen Juden noch eines Beweises bedurft hätte, so sprechen die kürzlich verliehenen hohen Auszeichnungen einiger prominenter englischer Juden eine deutliche Sprache. Die beiden neuen jüdischen Minister waren in ihren bisherigen Aemtern außerordentlich erfolgreich. Beide, alten sephardischen Familien entstammend, gchören noch zu den jüngeren, schnell aufsteigenden englischen Politikern. Höre Belisha wird jetzt sein ungewöhnliches Temperament und seine große Energie in den Dienst der Rekrutenwerbung stellen. Sir Philip Sassoon, in der Londoner Gesellschaft wegen seiner guten Beziehungen zum Königshaus und zu Baldwin bekannt, übernimmt zum erstenmal ein eigenes Ressort. Die Beförderung beider Männer wurde von allen Seiten begrüßt. Es ist bezeichnend, daß bei dieser Gelegenheit nicht von einer einzigen größeren Zeitung aut die jüdische Abstammung der neuen Minister hingewiesen wurde. _