Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1937-06-08 · Heft 45 (8.6.1937) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 45 (8.6.1937)
Date
1937-06-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653625-2653668--30820-2685392
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 45, 8. VI. 193/ Slums undTagesheime in Tel Aviv Von unserem palästinensischen Korrespondenten Von der Woche Sicherheit und Politik In den Moscheen und auf dein Marktplatz in Haiti sind Flugblätter angebracht worden, in denen Araber, die bei Juden kaufen oder Geldbeiträge für nationale Zwecke verweigern, von der ״Schwarzen Hand“ bedroht werden. Ein wohlhabender Kaufmann wurde auf der Straße in Jaffa ü b e r f a I I e 11, ausgoraubt und schw er verletzt. Das kaltblütige Handeln eines jüdischen Fahrgastes in einem uberfüllten jüdischen Autobus rettete Wagen und Reisende aus ernster Gefahr. Als der Autobus sich Ciivath Sc hau I bei Lifta (Jerusalemer Chaussee) näherte, fiel eine von unbekannter Hand geschleuderte Bombe in das Innere des Wagens. Ohne zu zögern, ergriff ein Fahrgast das Geschoß und warf es auf die Chaussee. Der Angreifer konnte nicht gefallt werden. Die noch im (iefiingnis zu Akko verbliebenen politischen Häftlinge sind in den Hungerstreik getreten mit der Erklärung, daß sie zu sterben entschlossen seien, wenn ihnen die bedingungslose Freilassung verweigert werden sollte. Nachts wurden Hunderte von Dunam Weizen in A y e I c t h H a 5!1 a c h a r in Brand gesteckt. In der Nähe von Chederah wurde ein Araber von Terroristen, die ihn der Angeberei verdächtigten, getötet. Zwei Kibbuzim im Emek haben gegen die Regierung am Bezirksgericht zu Haifa einen Prozeß angestrengt. Sie fordem £ MD Schadenersatz für abgebrannte Felder, die während der Unruhen von arabischen Lokomotivführern absichtlich 111 Brand gesteckt wurden. Das Anitsbbn veröffentlicht die Verfügung des High Conunoöoiicr lief rc firn,| die Zahlung von Entschärf!- g u ח g s s u in in e ״ a n die Hinterbliebenen vo n G e t ö toten « <! w! e V e r w u r, d e t e während der 1111ruhen. Die Prüf 11 ng der Ansprüche wird einem speziellen Komitee übertragen. Fine Al«!rdnimg der jüdischen Kolonien im Schomron hat den Kreiskommissar Morris Bail e y atifgesuclit und eine Verstsrkun;; der jüdischen hlispoli/ei in diesem Gebiet unter llinwci•. ,1111 die wieder wachsende l'nsichcrheit gctordi rt. Ger Kn-i-kom1;1i>sar a!mv״m׳tc, die Regierung habe beschlossen, die Zahl der Hilfspolizisten 11 c r a b 1 u s e t z e n; die Ki'ei'-k!nn!11 iss.o'1 ien aber bemüht, die Aufrechterhaltung des gcguiw.irtigea .Mandes dnrchz.nset/en. ״Fe lest in“, das Organ der Nashasbibi-Rarlei, das sich mit Fntschiedtniuit auf die Seite des Emir Abdullah gestellt hat, regt die Umwandlung Jaffas in einen freien H a f e n für 1 r a ns. j <> r d a n i e 11 an. — Im Laute einer Predigt irr der Machpelah-Höhle zu 1 lehren segnete der nioharnmcdanisclie (Jcistlü'he Abdullah als König von Palästina. ״Felestin“ beriehtet, daß die Hafenarbeiter in a f f a anläßlich des Eintreffens italienischer Dampfer eine Demonstration planten; diese sei jedoch von den Behörden verhindert worden. Die Wdtleituiig der N e 11 7 i o 11 i s t i s c h c n O r g a n i - satiori (Revisionisten) hat der englischen Regierung ein Memorandum überreicht, in dem [gegen jeden Plan einer Teilung Palästinas Protest erhoben wird. Wirtschaft Im Tel Aviver Hafen werden demnächst Erweiteningsarbeitcri vorgenommen werden, deren Kosten mit £ 150 00!) veranschlagt sind. Ferner wird der Bau des neuen Bahnhofs in Angriff genommen werden, der £ S0"0 kosten soll; der Plan sieht einen Tunnel unter dem Geleise für Fußgänger vor. Der High Commissioner erteilte die Erlaubnis zum Bau einer Straße, die vom neuen Flugplatz in Lydda nach Tel Aviv führen wird. Die Absicht des palästinensischen Eisenhandels, sich der InteniatioiKih'ii Roh-.t.1'!!׳:t׳mei11v;h.־dt (IkLU) anzuschlic- Heil, hat sich nicht verwirklichen lassen. Die Palestine Flcrtrk־ Corporation (Ruthenberg) hat begönnen, die neuen Siedlungen F i n - 11 a k ״ r e und Massada mit elektrisch ein Strom zu beliefern. Eine neue Arbeitervorstadt, bestehend aus 10(0 Häusern, wii d auf Keren Ka|eme!h-Bodcn in Hart ich bei Haifa geplant. \iimöIießend solle:! Häuser für Mittelständler errichtet werden. ();e Arbeiten werden von der Gesellschaft Schikun aus״ e! ültrt werden. Vermischtes Mitglieder der I 1 tiuug die Wand l.eumi statteten dem nein 11 lösten ''■ehret.11׳ der Regierung, B a t t e r s h i I I, einen Besuch ab, um ihm 71t seinem Amtsantritt zu gratulieren und die Struktur ihrer l\ö,1p׳ isihaft zu erklären. Der Erste Sekretär empfing fein er den Besuch von Vertretern der Agudath I s r a c h Im ersten Vierteljahr 1037 sind nach Palästina 3166 Personen ein rmemdert, unter denen sich •177 Nicht Juden bcfanden. Im ersten Quartal des Jahres 1030 betrug die Zahl der Einwanderer WK_>, darunter 521 Nichtjuden. ״Haare/'‘ meldet, daß der!Direktor des Departments für Altertumsforschung bei der Palästina-Regierung, R i c h mo!1 d, aus seinem Amte scheidet. Richmond ist wegen seiner proarabischen Einstellung bekannt. Das () he r r a h b i n a t hat von der Regierung die Mitteilung erhalten, daß der Text der bei den Festgottesdiensten aus Anlaß der Krönung gesprochenen Gebete dem König übermittelt worden ist. Nach Vorstellungen der Oberrabbiner von Jerusalem, Haifa und Tel Aviv hat die Leitung der Zementfabrik ״Nestier“ beschlossen, ihren Betrieb am Schabbat in Zukunft stillziilcgen. Der palästinensische Oberrabbiner Hertz hat an die religiöse Jui'cnheit einer! Aufruf zur Erwerbung des Schekels erlassen. Nach der Entlassung einiger Arbeiter sind 130 Arbeiter der grüßten Bäckerei v<m Tel Aviv in den Ausstand getreten. Es ar|u־iU11׳ im Betriebe nur noch 20 Arbeiter. Das Kuralorium der 1 iebräischcn Universität in Jerusalem hat beschlossen, d! 11 Dozenten für anorganische Chemie, L>r. Mordedtai ßabtelski, zum Professor zu ernennen. Den arabischen Zeitungen wird aus Indien gemeldet, daß der N i z a 11 von Haidarabad Anfang August eine Reise in die mohammedanischen Länder, darunter auch Palästina, anlritt. Bisher hat der Nizan sein Reich noch nie verlassen. Er hat in letzter Zeit lebhaftes Interesse für die mohammedanisehen Länder an den Tag gelegt und u. a. einen größeren Betrag für die ״Arabische Universität“ in Jerusalem gespendet. In einer Versammlung von Einwanderern aus Brest- Litowsk in Haifa wurde beschlossen, einen Hilfsfonds für die Opfer des Pogroms zu eröffnen. Die Misrachi-Weltzentrale ln Jerusalem hat beschlossen, vor dem XX. Zionistenkongreß eine Weitkonferenz d e 1 Misrachi einzuberufen. g 1. T c l A v i v, Ende Mai 1937 Unbekannte Not Wir berichteten kürzlich anläßlich einer Reportage über die neuen Entwicklungen in Tel Aviv (siehe Nr. 3839) auch über die Slums dieser Stadt, jene zum Teil unvorstellbar vernachlässigten und notleidenden Armenviertel, die sich an verschiedenen Punkten dieser so modern anmutenden Stadt finden. Wir sind im Anschluß an diesen Bericht vielfach befragt worden, wo denn im einzelnen diese Viertel lägen und wie sie zustande gekommen wären. Es stellte sich von neuem heraus, daß auch langjährige Einwohner von Tel Aviv von diesen Enklaven des Elends wenig oder gar nichts wissen. Wie weit diese Unkenntnis geht, konnte man vor einigen Tagen bei einer Führung für Journalisten beobachten, die die palästinensische Föderation der ״W i z 0“ veranstaltete, um den Vertretern der Presse ein Bild von den Slums zu geben und ihnen auf der anderen Seite zu zeigen, wie die Sozialabteilung der Stadtverwaltung Tel Aviv und die ״Wizo“ gemeinsam sich bemühen, wenigstens den Kinder n, die in diesen Gegenden zu verkommen drohen, Hilfe zu gewähren. Es stellte sich bei dieser Gelegenheit heraus, daß Redakteure und Mitarbeiter der großen hebräischen Tages- Zeitungen ebenfalls mit dein Zustand in diesen Slums nicht vertraut waren, und schon aus diesem Grunde ist ein solcher Rundgang in sonst kaum besuchten Gegenden von Bedeutung. Es ist außerdem zu hoffen, daß durch die weitere Kenntnis der sozialen Probleme, die sielt durch die wirtschaftliche und sanitäre Lage in diesen Gemeinden entwickeln, das Publikam zur stärkeren Anteilnahme und Mitarbeit bei der Behcbimg der bestehenden Uebel aufgemuntert wird. Versuche zur Hilfe Wir haben in der erwähnten Reportage und auch schon hei früheren Gelegenheiten versucht, ein Bild von jenen Vierteln mit ihren verwahrlosten Häusern, schlechten Straßen, baufälligen Baracken und mangelnden sanitären Einrichtungen zu geben und können deshalb auf eine Schilderung des Elends in diesen Gegenden verzichten. Dagegen ist es wichtig, bei dieser Gelegenheit einmal auf die Versuche zur Abhilfe der Not, insbesondere auf die Kinrferfiirsorge, hinzuweisen. In der richtigen Erkenntnis, daß es vor allem notwendig sei, die Kinder aus den Elendsvierteln zu betreuen und zu retten, hat die Prauenorganisation der Wi/o eine Reihe von Tagesheimen eingerichtet, die 7um Teil schon lange bestellen, zum Teil in der letzten Zeit (eines im Florentinviertel z. B. während der Unruhen) gegründet wurden, ln diesen Heimen werden die Kinder, deren Mütter nicht imstande sind, für sie zu sorgen, den Tag über befreut und abends wieder abgeholt. Ein schlagenderer Beweis für den Einfluß des Milieus auf die Entwicklung der Kinder als ein Rundgang durch die Elendsviertel, wo man die Kinder ohne׳ Aufsicht, ־schmutzig und verwahrlost auf den Straßen und den Höfen spieien sieht, und ein folgender Besuch der Tagesheime läßt sich kaum denken. Die Kinder, die in diesen Tagesheimen gewaschen, ernährt, gut beobachtet und zum Spielen angeleitet werden, sind kaum als dieselben wiederzuerkennen, die man in den Slums hat lierumstreichen sehen. Zur Zeit sind in diesen Tagesheimen in Tel Aviv insgesamt 220 Kinder untergebracht. Es sind ausnahmslos ,,dringende Fälle“, die zu Hause keine Aufsicht und Pflege haben. Bei einem Teil ist die Mutter oder der Vater gestorben, bei einem anderen sind Mutter oder Vater schwer krank. Ein Teil der Frauen sind von ihren Männern verlassen, bei anderen ist der Vater arbeitslos. In allen diesen Fällen bedeuten die Tagesheime eine Rettung, denn einerseits sind die Kinder versorgt, andererseits sind die Mütter in den Stand gesetzt, auf Arbeit zu gehen und so sich und ihre Familie wenigstens kärglich zu erhalten. Fel Aviver Kunstberidit Morris Schwarz, der Leiter und Hauptdarsteller des nach ihm benannten jiddischen Theaters in New Vork, besuchte Erez Israel und trat in den drei Städten vor das Publikum. Im Tel-Aviver ״Ohei Schein‘׳ brachte Schwarz sein erfolgreichstes Repertoire-Stück ״J o s c h e Kalb“ von Singer in der hebräischen l'ebersetzung von Salman Schneur zur Vorlesung, Wie aus dem Programnizettel hervorgeht, treten in diesem Stück fast 50 Personen auf. Es ist selbs.fverständlieh, daß auch bei äußerstem Bemühen um scharfe Herausarheitung der einzelnen Charaktere eine derartige, mehrere Stunden dauernde Vorlesung auf den Hörer ermüdend wirken muß. Auch über die dramatischen Wirkungsmöglichkeiten der Tragödie kann kein Urteil gefällt werden. Das Bemühen von Schwarz um die hebräische Sprache sei ebenso dankbar anerkannt wie seine rhetorische Leistung. Die Schwestern Judith und Schoschana Ornsiefn gaben im Mograbi-Theater einen Tanzabend, der im ganzen den früher gewonnenen Eindruck bestätigte, daß die beiden Tänzerinnen durch intensives Training darum bemüht sind, ihr unzweifelhaft vorhandenes technisches Können auf der Höhe zu halten bzw. zu verbessern. Die Schüierinnen-Gruppe hingegen erscheint uns leider noch nicht bühnenreif. Am Klavier; Ernst Glaser. Das vorletzte Konzert der Tel Aviver Abonnements- Serie des Palästina-Orchesters -- die zehn Abende umfaßte gegen nur acht in den anderen Städten — brachte unter H. W. Steinbergs Stabführung Schuberts B-dur Symphonie, das Mendelssohnsche Violinenkonzert und die Sehehere/ade von Rimsky-Korsakov. Der Solist des Abends, Rudolf Bergmann, Konzertmeister des Orchesters, konnte für seine wannempfundene, klangschöne Interpretation einen besonders starken und herzlichen Applaus verbuchen. Das Orchester selbst war vorzüglich in Form und verhalf auch diesem Programm, das in seiner Zusammensetzung ״sommerliehen“ Charakter zeigte, zu großem Erfolg. Steinbergs Gestaltungskraft brachte das Sehubertsche Werk ebenso zu eindrucksvoller Wirkung wie die mit allen Effekten ausgestattete orientalische Märchen-Suite Rimsky-Korsakovs, ein Schulbeispiel kunstvoller Instrumentierung. Andreas Weißger her betreute mit Wärme und Gefühl die stark an jüdische Motive anklingenden Violinsoli. Das letzte Abonnementskonzert war eine Wiederholung der Jerusalemer ״Coronation“-Veransta!tung. Der Dirigent des Abends, Dr. Malcolm Sarge nt, wurde mit lebhaftem Beifall bedacht. Anschließend fand auf Einladung von Bürgermeister Rokaeh und dessen Gattin ein Empfang statt. Herr Rokaeh hielt eine kurze Ansprache, die von Lfistrict Commissioner Crosbie erwidert wurde, der sieb begeistert Die wirtschaftliche Stagnation und Ihre Folgen Die Nachfrage nach Plätzen in den Tagesheimen nimmt in Tel Aviv automatisch ab, wenn die Wirtschaftslage gut, Arbeit daher in Fülle vorhanden ist und die Löhne hoch sind. Dann genügt der Verdienst der Männer, die Frauen können zu Hause bleiben und sich um ihre Kinder kümmern. In Zeiten jedoch, wo die Lage auf dem Arbeitsmarkte sich verschlechtcrt, sind die Frauen sofort gezwungen, wenn irgendmöglich selbst zu verdienen, und es erhebt sich die Frage, wo man die Kinder den Tag über lassen kann. Die Kinderheime füllen sich über das gebührliche Maß hinaus. (Auch das Wachstum der Stadt in den letzten Jahren hat naturgemäß die Notwendigkeit von mehr Unterbringungsmöglichkeiten verstärkt.) Zur Zeit sind in den Heimen der Wizo 600 Kinder vorgemerkt lind davon sind eine große Zahl äußerst dringende Fälle, die sofort erledigt werden müssen, jedoch nicht erledigt werden können, weil in den bestehenden Heimen kein Platz vorhanden ist, die Mittel, neue zu gründen, jedoch fehlen. Die Wizo hat deshalb für den Monat Juni eine umfassende Sam in 1 u n g in der Stadt projektiert, um etliche Tausend neuer Spender für dieses wichtige Werk zu gewinnen, und es ist dringend zu hoffen, daß ihr Appell den entsprechenden Erfolg haben wird. Nicht nur Abhilfe, sondern Bekämpfung des Uebels Bei dem Rundgang durch die Tagesheime fragte einer der Redakteure beim Anblick der sauberen und sehr ver* gnügten Kinder: Und am Abend bringt man sie wieder in diese Häuser und Baracken zurück? Mit dieser Frage wurde an das Grundproblem der ganzen Angelegenheit gerührt. Es ist gewiß sehr viel damit geschehen, daß man Orte schafft, in denen diese Kinder tagsüber betreut werden. Die Slums selbst werden jedoch dabei kaum berührt. Die Sozialarbeiterinnen, die in den Häusern ihre Recherchen machen, bemühen sicli natürlich, alle Fami'ienmitglicder in die Fürsorge einzubeziehen, verbinden sich mit den verschiedensteil Stellen, um ärztliche Hilfe, Arbeit usw. zu beschaffen, aber die Kräfte reichen an keiner Stelle aus, und es bestellt nach wie vor die Tatsache, daß sicli in der Stadt weitei Kerne derartiger Viertel bilden, die in der Regel nicht wieder auszurotten sind, wenn man nicht mit ganz radikalen Mitteln vorgeht. Eine entsprechende Wohnungspolitik, die es den Armen ermöglicht, ihre jammervollen Behausungen mit menschenwürdigen Wohnungen zu vertauschen, eine strengere und vorsichtige Selektion der Einwanderung würden viel dazu beitragen, das Uebel an der Wurzel auszurotten. Es ist eine oft konstatierte Tatsache, daß man in Palästina der sozialen Fürsorgearbeit viel zu spät und viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat. (Ueber die mannigfachen Versuche, das Versäumte nachzuholen, insbesondere die Aktionen, die• unter der Initiative von Miß Szold als Leiterin des sozialen Departements des Waad Leumi unternommen worden sind, wurde verschiedentlich in der Umschau über soziale Arbeit berichtet.) Während diejenigen, die sich mit den einschlägigen Fragen beschäftigen, aufs stärkste von ihnen erfüllt sind und ihre ganzen Kräfte daran setzen, soweit wie möglich Abhilfe zu schaffen, weiß das große Publikum relativ wenig darüber, und weder Kräfte noch Mittel reichen aus, um das Notwendige zu tun. So kann man beobachten, wie sich im Laufe der Jahre die verschiedenen Elendsviertel bilden, wie alte sich einwurzeln, neue dazu kommen, aber keines davon verschwindet. Und in diesem Sich-Festsetzen des Uebels liegt die größte Gefahr. Zu Beginn handelt es sich um kleine, unwichtige Anfänge, unbemerkt wachsen sie an, und eines Tages steht der Jiscliuw vor einem Problem von solchem Umfang, daß er es nur mit größter Anspannung aller Kräfte wird lösen können. über den hohen Stand des palästinensisch-jüdischen Musik« lebciis äußerte. Der High Commissioner, der auch der Tel Aviver Wiederholung des Konzerts beigewohnt hatte, ließ seine Grüße übermitteln. Dr. Sargent dankte für die warme Aufnahme, die ihm in Palästina zuteil geworden war und gab der Hoffnung Ansdruck, auch im nächsten Jahr das Orchester wieder dirigieren zu können. Die Meldung, daß Toscanini seine definitive Zusage erteilt hat, wieder eine Serie von Konzerten in der kommenden Saison zu dirigieren, ist noch dahingehend zu ergänzen, daß das erste Flerhstkonzert, das unter Stein bergs Leitung stehen wird, für den 24. Oktober angesetzt ist. In einem späteren Programm wird Steinberg, der wieder die Vorbereitung für die Toscanini-Gastspiele übernimmt, eine Mahler-Symphonie zur Aufführung bringen. Mit Issai Dobrowen kam es für Februar,März zu einem erneuten Ab- Schluß. Verhandlungen mit weiteren namhaften Dirigenten und Solisten sind im Gange. Während der Sommermonate wird das Orchester eine Reihe populärer und Schüler-Konzerte veranstalten. U. a. wird Michael Taube am Pult erscheinen. Manfred Geis Musik in Jerusalem Die Sängerin Edith Boroschek, der Geiger Sascha P a r n e s, der Organist Salvatore A r n i t a und Hans S c h 1 e- Singer vereinigten sich im Jerusalemer YMCA. zu einem Konzert mit Werken verschiedenster Autoren. Ais Novität sang Frau Boroschek englische Lieder von Elisabeth Poston. Die Lieder gehen auf alte volksliedartige Texte zurück, die hier mit einem sehr feinsinnigen Aristokratisimis, wenn auch nicht gerade originell oder einfallsreich vertont wurden. Frau Boroschek betonte mehr das Geschlossene, Liebliche — vielleicht etwas zu stark zum Monotonen hin. Bei den Werken von Vivaldi, Brahms, Corelli, Mozart, Mendelssohn zeigten der Geiger Parnes und der Organist Arnita hoch* stehende Virtuosenleistungen. J.-L* Auto-Unfall der Habimah-Truppe Jerusalem, 6. Juni. (JTA.) Die Habimah-Truppe hat einen schweren Autounfall erlitten. Der Autobus, mit dem die Gesellschaft reiste, stürzte beim Eintreffen in Tiberias um. Eine Passantin, die gerade die Straße überquerte, wurde hierbei getötet. Die Schauspieler Klatzkin und Ävitol wurden schwer verletzt, die übrigen Mitglieder der Truppe erlitten leichte Verletzungen. Alle Verletzten wurden in das Krankenhaus gebracht. (Schluß des Palästina-Teil*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.