Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 45 (8.6.1937)
- Date
- 1937-06-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45, 8. VI. 1937 JDülSCHE RUNDSCHAU Seite 3 Madagaskar / Zum Problem jüdischer Siedlung Die Frage einer Kolonisation in Madagaskar beschäftigt seit einigen Monaten die jüdische Oeffcntlichkeil. Bekannt sind die verschiedenen Erklärungen des französischen Kolonienministers M out et zu dieser Sache und die Entsendung einer polnisch-jüdischen Kommission zur Untersuchung der Kolonisalionsmöglich keilen. Minister Moutet hat wiederholt erklärt, daß der Gedanke einer jüdischen Siedlung in Madagaskar in erster Linie für solche Juden aus Polen bestimmt sein soll, die bereits in Frankreich leben, aber dort keine gesicherte Existenz haben. Ferner wurde mitgeteilt, daß es sich nur um zahlenmäßig geringfügige Versuche handeln kann, da das Land nach Ansicht der französischen Stellen für eine Großkolonisation vorerst keine Möglichkeiten bietet. Abgesehen davon wurde darauf hingewiesen, daß die K o s t e n der Kolonisation von jüdischen Stellen getragen werden müßten. Die Hoffnungen, die sich an dieses Projekt knüpfen, sind also erheblich eingeschränkt, obwohl naturgemäß jede Chance ausgenutzt werden muß, die sich für die Ansiedlung von Juden bietet. Unsere Leser wird eine Darstellung interessieren, die wir aus Madagaskar selbst erhallen, (lled.) Argentinisches Judentum und Palästina Von unserem Korrespondenten (durch Luftpost) Buenos Aires, Anfang Juni Die Anwesenheit Lord Mclchctts und seine direkte Betciligung an der Gründung der hiesigen Abteilung der Jewish Agency ist nicht eine sporadische Erscheinung gewesen. Das Judentum dieses Landes, heute die wichtigste jüdische Gruppe 1m südamerikanischen Kontinent, fährt fort, den größten Ariteil an dem Schicksal des Judentums in allen übrigen Teilen der Welt, und insbesondere an den Ereignissen in Palästina, zu nehmen. Als Beweis hierfür mag die am 30. Mai im Grand Spiendid-Theater abgehaltcne Massenversammlung gelten, deren Thema war: ״Protest gegen die geringe Zahl von Zertifikaten“. Die Versammlung, die von über tausend Personen besucht war, ist die erste, die die hiesige zionistische Federation zusammen mit der kürzlich gegründeten Abtei- Iung der Jewish Agency einberufen hat. Außer dem Präsidenten der zionistischen Federation, Dr. W. Nijensohn, der ein Referat über die Lage hielt, sprachen die Herren: Ezra Teubal, Präsident der Jewish Agency-Abteiiung für Südamerika, Dr. Salvador K i b r i k, ein bekannter hiesiger Rechtsanwalt, und Dr. A. M i b a s h a n, Snczialdelegicrter des KH. und der Jewish Agency, in Südamerika. Eine Resolution, die der Jewish Agency v ol I s t c s Vertrauen ausspricht, die Verpflichtung unbedingter nationaler Disziplin und der stetigen und ununterbrochenen Mitarbeit beim Aufbau, übernimmt, und die englische Regierung auffordert, unsere aus Mandat und Balfour-Dcklaration entspringenden Rechte auf Aufbau und unbehinderte Einwanderung nach Palästina, zu respektieren, wurde per Akklamation angenommen. Die praktische Arbeit für die Fonds, speziell für den Keren Hajes s ad, erzielt in diesem Jahre hervorragende Resultate. Nach aller Voraussicht wird es möglich sein, die Summe von 10000 Pfund zu erreichen. Das Interesse der hiesigen Juden an der Palästina-Arbeit und den zionistischen Problemen zeigt sich auch in bedeutendem Maße bei der gegenwärtig in Gang befindlichen Schekeiaktion. Hatte man zu früheren Kongressen hochstens zwei Delegierte, gewöhnlich aber nur einen, schicken können, so wird es in diesem Jahre wohl möglich sein, mindestens vier, vielleicht sogar fünf Vertreter zum Kongreß zu delegieren. Die Kandidaten zum Kongreß verteilen sich aut zwei Listen, und zwar: Allgemeine Zionisten und Vereinigte Arbeiterpartei. Von den voraussichtlichen fünf Plätzen sind drei für die Allgemeinen gesichert, während die übrigen zwei wahrscheinlich den Arbeitern zufallen werden. Auch die tragische Lage der polnischen Judenhcit hat hier Widerhall gefunden. Aut Initiative eines eigens gegriindeten Komitees w׳ird in Argentinien und Uruguay eme H il fs- Sammlung zugunsten der polnischen Juden durchgeführt, die gute Resultate zu geben verspricht. Abu-Noemi 50 Familien nach Chile Von unserem Berichterstatter Santiago, Ende Mai Durch die erhöhten Bemühungen des Präsidenten der Hicem-Organisation in Santiago, Dr. Mauricio Weinstein, hat das chilenische Außenministerium für das laufende Geschäftsjahr die Einreisegenehmigung für 50 jüdi sehe Familien erteilt, die aus Deutschland durch die Mitarbeit des Hilfsvereins einwandern können. Die Bewerbungslisten sind von dem Hilfsverein und seinen im Reich befindlichen Stellen zusammenzustcllcn und \yerden dem hiesigen Außenministerium zur Auswahl der Kandidaten durch das hiesige Hicein-Komitee vorgelegt. Die Abwicklung soll in kürzester Zeit erfolgen. Nicht möglich ist im Augenblick die Einreise von Elfern oder Schwiegereltern zu ihren Kindern nach Chile. Eine Ausnahme bilden diejenigen Eltern oder Schwiegereltern, die das 60. Lebensjahr überschritten haben. Diese müssen sich ebenfalls der Vermittlung des Hilfs- Vereins bedienen. In diesem Zusammenhänge ist auch die Frage derjenigen Kinder geregelt, welche gemeinschaftlich mit ihren Eltern ein wandern wollen, und zwar dürfen diese das 16. Lebensjahr nicht überschritten haben. Eine Erlcichterung ist auch für diejenigen Ehegatten geschaffen worden, die bereits einen Teil der Familie hier haben. Das Außenministerium ist im Augenblick mit den Vorbereihingen für eine Quoteneinteilung beschäftigt, in weleher ausdrücklich die Bestimmungen der nordamerikanischen Einreisegesetze zugrunde gelegt wurden, so daß Religion und Rasse dabei nicht berührt werden. Unter Immigranten aus Deutschland sind nach ausdrücklicher Erklärung des Außenministeriums nur solche Personen zu verstehen, welche die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Es muß ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß es im Interesse aller liegt, wenn die Auswahl der emigrierenden Personen besonders scharf getroffen wird, da nur auf Grund der mit ihnen zu machenden Erfahrungen auf weitere Quoten- Zuteilung gerechnet werden kann. * Junge jüdische Einwanderer aus Deutschland haben sich zu einer zionistischer! Jugendgruppe zusamtnengeschlossen und führen regelmäßige Heimabende und Fahrten usw. durch. Diese Gruppe, die unter der Leitung von Norbert Meyer (früher Berlin) steht, trägt sehr zur Aktivierung des zionistischen Lebens in Chile bei. In die neu gewählte Deputiertenkammer wurden drei Juden gewählt. Das Ende des Sandschak-Konfliktes. Unser Pariser K.- Berichterstatter schreibt: Die diesmalige Sitzung des Völkerbundsrates hat als eines der wichtigsten Ergebnisse die endgültige Regelung des Konfliktes zwisehen Frankreich und der Türkei über die Frage des Sandscliaks von A I e x a n d e tt e gebracht. Der Völkerbundsrat hat den Bericht des Berichterstatters Sand-!er zur Kenntnis genommen und das in den Verhandlungen festgelegte autonome Statut des Sandsehak gutgeh eilien. Frankreich und die Türkei haben zu diesem Statut ihre Zustimmung erteilt. Das Sprachenproblem und die Zugehörigkeit von drei Bezirken des Sandschakgebictes sind im französischen Sinne geregelt worden. Insbesondere gelten sowohl Arabisch wie Türkisch jetzt als offizielle Landessprachen des Sandsehak. Gleichzeitig mit der Genehmigung des Sandschakstatuts durch den Völkerbundsrat erfolgte die Unterzeichnung der Zusatzkonventionen zwischen Frankreich und der Türkei. Die wichtigste dieser Konventionen ist ein Abkommen zwischen Frankreich und der Türkei, die beide die Integrität des syrischen Staatsgebietes und die Grenze zwischen dem Sandsehak und der Türkei garantieren. Diese Garantie wird auch — und das ist ein besonders wichtiger Punkt — nach Aufhebung des französischen Mandates über Syrien und nach dem Eintritt Syriens in den Völkerbund aufrechterhalten bleiben. Tananarivc (Madagaskar), 25. Mai Augenblicklich gibt es genug Länder, die mit Hilfe jüdischer Energie, jüdischer Begabung und jüdischen Kapitals urbar gemacht werden können, während die heutige Bevölkerung gewaltige Räume der Produktion entzieht. Eines dieser Länder ist das menschenleere, meist subtropische Madagaskar. Es ist wohl am Rande der Tropen gelegen, aber durch größere Höhe im überwiegenden Teil gemäßigt, nicht so heit! wie etwa Palästina im Sommer, aber auch nicht so feuchtkalt wie z. B. Jerusalem im Winter. Das Hochland erstreckt sich über eine Distanz wie vom Nil bis zum Euphrat, oder von Gaza in nördlicher Richtung bis zur Krim. Jetzt ist es so kalt, daß man den ganzen Tag heizt, und keine der französischen Lebensversicherungen verlangt eine Tropenprämie. Die Juden werden liier hoffentlich einer! Vorposten der weißen Menschheit bilden, zur Sicherstellung der mehr und mehr vordringenden Mächte des Ostens. Sobald ich vernommen hatte, daß Minister Marius M o u - t e t, der französische Kolonialminister, über jüdische Kotonisation in Madagaskar günstig dachte, bin ich nach der ״Roten Insel“ gereist, um mich persönlich mit den Möglichkeiten zu befassen, Erfahrung hat mich gelehrt, daß für die Beurteilung der Immigrationsmöglichkeiten eines Landes beinahe niemals ein Urteil möglich ist. Dazu ist eine tiefgehende Kenntnis sowohl des Landes, seiner Möglichkeiten und seiner jetzigen Bevölkerung wie der Immigranten notwendig, und das alles ist erst nach Jahren ernsten Studiums zu erlangen. Daß die positive Einschätzung solcher Möglichkeiten in Europa ganz ausgeschlossen ist, braucht den nicht zu wundern, der weiß, daß man auf Java selbst die Möglichkeiten einer Kolonisation auf Sumatra oder Neu- Guinea nach vielen Jahren immer noch negativ beurteilt. Haben die Holländer nicht jahrhundertelang Neu-Holland als ungeeignet für Kolonisation beurteilt? Zu ihrem großen Schaden! Auch sind sic immer an Madagaskar entlanggefahren, während sie es weit besser hätten nehmen können als viele ihrer jetzigen Besitzungen. Inzwischen ist die Sache schon fortgeschritten. Ende dieser Woche trifft eine polnische Delegation in Majunga ein, unter Leitung von Herrn Zepecki riebst den Herren Salomon Dyk (in Deutschland und Palästina als Mitarbeiter Prof. Franz Oppenheimers als Leiter der ersten Siedlungsgenosseuschaft Merchavja — 1909 — später auf dem Versuchsgut Bärenklau — Red.) und Albert Leon. Seihst habe ich in diesen Monaten den Eindruck hekommen, daß Madagaskar nicht, was die Geringfügigkeit der Kolonisationsmöglichkeiten betrifft, mit den übrigen französischen Tronenkolonien auf einer Linie gestellt werden kann, aber daß es vielleicht mit Kenya, Rhodesia, sogar mit Süd-Afrika verglichen werden kann. Es ist bestimmt besser als sein Ruf. Gerade vor meiner Abreise habe ich eine jüdisehe Einzelsiedlung auf dem Meru in Tanganjika hewundert und gesehen, was mit gutem Willen und genügend Kapital in drei Jahren geleistet werden kann. Warum würde so etwas in der Gegend von dem kühlen Antsirahe nicht ebenso gut gehen? Wenn man gebildete, kapitalkräftige, praktische Einzelsiedler in verschiedene Teile der Insel als Prospektoren vorausschickt, wird bald bekannt sein, welches die geeigneten Distrikte sind. Ich habe versucht, mich mit Juden hier in Verbindung zu setzen, wie den Besitzern der Warenhäuser Faivre, Ulysse Gros und Le Printeinps. Diese Herren sind aber katholisch geworden und wollen von ihrem Zwiefache Schöpfung Sdimarya Levin -Ausspüdic Mitgeteilt von Kurt Blumenfeld Wie schon kurz mitgeteilt, hielt anläßlich des zweiten Todestages von Schmarya Levin Kurt Blumenfeld einen hebräischen Vortrag im Jladiosender Jerusalem. Schinarya Lcvin würde in diesem Jahre siebzig Jahre all werden. Er ist unzähligen Juden der ganzen Welt noch ah faszinierender Redner in Erinnerung. Für viele Juden in Deutschland ist die Lektüre seiner Lebenserinnerungen die erste. Einführung in das Verständnis des Ostjudentums gewesen; die bevorstehende Neuauflage des vergriffenen ersten Bandes dieses Werkes ist besonders zu begrüßen. Wir geben nachstehend ein Stück aus Blumenfelds Ansprache wieder, in dem einige besonders bewegende Aussprüche Schmarya Levins mit geteilt werden. — (Red.) Reizvoll und merkwürdig war die Art, wie er die Lehre vom Zionismus vortrug. Er versuchte durch eine Fülle eigentümlich angewandter Beispiele den Schleier der Vergangenheit, und so den Schleier, der über den Augen der Lebenden lagerte, zu heben. Den Juden, die sieh horizontal im Licht des Tages orientierten, sollte klar werden, daß die tieferen Wahrheiten verborgen im Geheimen leben, und daß der jüdische Mensch seine Kraft aus den Ahnungen und Geheimnissen holen müsse, die unerkannt hinter ihm liegen. Der Jude sollte wieder, bei der Rückkehr zu seinem Volk, in seiner Art beten können: ״Ich bin Dein und meine Träume sind Dein.“ In den Träumen der Bibel und in den Träumen der Menschen offenbarte sich ihm die echtere Wirklichkeit des Lebens. Die Nachtseite war ihm wichtiger als das im Tag Geborene. Die Grundgedanken einiger seiner wichtigsten Vorträge zeigen das. Er sprach über Peter Schlemihl und seinen Schatten. Er zweifelte nicht daran, daß die bekannte Erzählung Chamissos den Juden zum Helden hat, der seinen Schatten und damit das Eigentliche seines Wesens verloren hat. Ihm ging es darum, den Schatten wiederzugewinnen, zur Gegenwart die Vergangenheit hinzuzufügen. Und er zeige die Armseligkeit des Menschen, der nur die eine Seite, die durch Willkür zu regelnde, behalten hat und die andere, den den ewigen Gesetzen der Natur unterworfen ist, die dem Reich der Mütter zugehört, verloren hat. In einem Vortrag beginnt er die Darlegung des Zionistnus mit der Frage: ״Woher wissen die Engel, daß es Judentum nichts mehr wissen. Von dieser Seite ist also für die Kommission wenig Hilfe zu erwarten, wie auch von der Seite der höheren und niederen jüdischen Beamten. Besonders die Beamten in den Tropen sind durchaus nicht auf Schwierigkeiten erpicht, die sich bestimmt aus der jüdischen Kolonisation ergeben würden. Sehr einflußreich sind hier auch die Missionen, sowohl die anglikanische wie die französisch• protestantische und besonders die römisch-katholiscne (Jesuiten u. a.). Weil die Malgassen sehr gute Spender sind und vieles zum Aufbau von Schulen und Kirchen gehen, sind die Missionen sehr wohlhabend. Jüdische Immigration, die auch andere Anschauungen ins Land bringen wird, wird von dieser Seite kritisch beobachtet werden. Da gerade unter ihnen die besten Kenner des Landes und Volkes gefunden werden, würde man ihre Ratschläge wohl nur unter Vorbehalt genießen dürfen. Auch weil man gewohnt ist, in der Gering- Schätzung der Möglichkeiten des Landes einander nach/iireden und die Kommission nicht immer ein eigenes Urteil abgeben kann, so ist die Warnung, daß man nicht auf Grund einseitiger Informationen vorschnelle Schlüsse ziehe, vielleicht geboten. Das einzige Tageblatt ״de M a d a g a s c a r“ brachte am 20. Mai einen Artikel über die judisch.cn Pläne, genannt ״Madagascar Juivc“. Es sei Boden genug vorhanden, alter man sollte zuvor Proben mit Malgassen machen, ehe mit fremder Kolonisation angefangen wird. Diese Bemerkung stellt aber mit der Wirklichkeit im Widerspruch. Die Malgassen zählen kaum drei Millionen, wahrend auf der insei Raum und Boden genug ist für dreißig Millionen. Sie haben bisher im großen ganzen mir Raub- Wirtschaft getrieben, das Land seines Waldes beraubt und dadurch der Denudation übergehen. Landwirtschaft inieressiert sie nur solange, als sie Hunger haben. Die etwas gebildeten Leute bevorzugen wie die mehr gelernten Javaner usw. eine Stellung als Schreiber. Man hat auf Java Schulen für Arbeitslose errichtet, um sie zum Handel usw. heranzuzichen. Das wollen sic aber nicht, obwohl die Javaner energischer sind als die dominierenden Hovas, die nur die französischen Beamten imitieren wollen. Die Franzosen haben während vierzig Jahren doch wohl Gelegenheit gehabt, die ökonomische Ohnmacht der Malgassen in dieser Beziehung kennen zu lernen. Genau so utopisch ist die Behauptung, daß man es dann mit französischen Arbeitslosen, die über einiges Kapital verfügen, probieren müsse. Der französische Kapitalist hat bis heute noch wenig Interesse für Madagaskar aufgebracht. Das ökonomische Problem von Madagaskar wird dadurch mit jedem Jahre schwieriger und man kann es nicht allein durch hohe Steuern lösen. Es muß produziert werden. Sowohl von den Malgassen wie von den Franzosen ist in dieser Beziehung nicht allzuviel zu hoffen. Madagaskar ist vielleicht zuerst durch die Juden kolonisiert worden. Das gegenwärtige Saint Marie hieß damals Nosy Hibramo, d. h. Insel von Abraham, die Bevölkerung Zaffe hibrahim, d. h. die Rasse von Abraham. Sie kannten alle Propheten der Bibel, folgten den Regeln 11 es mosaischen Gesetzes, aber wußten gar nichts von Mohammed und seiner Lehre. Wahrscheinlich waren es jemenitische Kolonisten. Madagaskar hat also Verpflichtungen an die Juden, wie die Juden an Madagaskar. Die jüdischen Ansiedler werden nicht nach einem ganz fremden lande ziehen, sondern nach einem lande, womit die jüdische Nation seit vielen Jahrhunderten, vielleicht länger als mit vielen europäischen Ländern verbunden ist, Dr. D. J. H. Ny essen Tag ist, und woher wissen sie, daß cs Nacht ist, da doch im Himmel die Sonne nicht untergeht.“ Nach einem Midrasch gibt es im Himmel ein 'Fier, auf dessen Stirn das Wort steht: ״Emeth“ (Wahrheit). Wenn dieses Tier im Himmel, umhergeht, dann wissen die Engel, daß cs Tag ist. Es wird abgelöst durch ein anderes Tier, auf dessen Stirn das Wort: ״Emunah“ (Glaube) zu erkennen ist. Und das Erscheinen dieses Tieres bedeutet Nacht. ״Ist es eine andere Wahrheit?“ fragte Schmarya, und seine Antwort war: ,,Es ist die andere Seite der einen Wahrheit, die tiefere Seile, die zu erkennen dem losgelösten Juden durch die Ver- Bindung mit dem A 11 n u ח g s m ii ß i g e!1 seines Lebens und mit den vergessenen Quellen seiner Art möglich sein wird. Einmal spricht er über den Völkerbund; entwickelt seine große Hoffnung, daß einmal das jüdische Volk seinen Vertreter dort haben wird. Und auf eine Kritik am gegenwiirtigen Zustand des Völkerbundes erwidert er: ״Jede große Sache muß zweimal geschaffen werden.“ Einmal laut, im Licht des Tages, und einmal gewaltlos und im zarten Schimmer. Die beiden ersten Tafeln des Bundes haben nicht gehalten und wurden zertrümmert, weil sie unter Donner und Blitz gegeben wurden. Die zweiten hielten für alle Ewigkeit, weil sie in der Stille und im sanften Siiuseln übergeben wurden. Und als ein wichtiger Vergleich erschien ihm die doppelte Schaffung des Weibes in der Bibel. Die erste gewaltsam, aus der Rippe, die ergänzt wurde durch die zweite, wo Mann und Frau als ein Mensch gleichzeitige und gleichwertige Geschöpfe der Schöpfung sind. So meinte er, daß es zu einer zweiten Schaffung des Völkerbundes kommen würde, unter neuen, reineren und besseren Bedingungen und daß erst dann der große Gedanke voll in die Wirklichkeit überführt werden könne. Alles Unzulängliche und Schlechte, was er an unserem!.eben und dem Leben der \\ eit sah, war für ihn der vorläufige Versuch, der mit Notwendigkeit erst mißglücken mußte, um dann in der zweiten, gereinigteren Form zum Leben zu kommen. Paul Roubson, ein Negersänger, der mit dem Vortrag von Spirituals bekannt wurde und jetzt ais amerikanischer Opernsänger sehr geschätzt wird, dreht in Aegypten einen Film ״Jericho“. Nach der Fertigstellung des Films wird Roubson, der bereits eifrig Hebräisch lernt, nach Palästina reisen, um an Ort und Stelle Chaluzim-Lieder zu lernen, für die, wie er versichert, in Amerika besonderes Interesse herrscht.