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Jüdische Rundschau · 1937-06-08 · Heft 45 (8.6.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 45 (8.6.1937)
Date
1937-06-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 45, 8. VI. 1937 Weitere Todesopfer in Polen Die Folgen von Brest-Litowsk Am Sonnabend ist der 50jährige Moses Nüssen berg den schweren Verletzungen erlegen, die er während des Pogroms in Brest-Litowsk erlitten hat. Der während des Pogroms von ßrcst-LitoWsk schwerverletzte 47jährige Uhrmacher Barueh Zilberberg ist im Warschauer Jiidisehen Krankenhaus gestorben. Der bei dem vorjährigen Pogrom in Minsk-Mazowick schwerverwundete 30jährige Schuhmacher Chaiin Juda S z y m anowski ist nach einjährigem Krankenlager im Warschauer Krankenhaus gestorben. Im Sejm hat der jüdische Abgeordnete Dr. Emil Sommerstein den Antrag gestellt, staatliche Mittel zur Entschädigung der Opfer des Pogroms von Brest-Litowsk zur Verfügung zu stellen. Wenn die Mittel des ordentlichen Budgets hierzu nicht ausreichen, solle der Sejm einen Ergänzungsetat für 1037 38 bewilligen. Aus geschaftsordnungsmäßigcn Gründen lehnte der Vorsitzende die Behandlung des Antrages ab. Dagegen wurde die von dem Abgeordneten Sommerstein eingcbrachte erste I n - t e r p c I i a t i o n vom 21. Mai über die Vorfälle in Brest- Litowsk entgegengenommen. Dadurch hat die Interpellation die parlamentarische Immunität erlangt und wird von der Presse in Polen veröffentlicht werden können. Um den Eindruck der Interpellation des Abgeordneten Sommerstein abzuschwächen, richtete auch der Abgeordnete für Brest-Litowsk, August Y t i a k, eine Interpellation an den Innenminister, in der er darauf hinweist, daß der Polizist Kcdziora am 13. Mai in Ausübung seines Dienstes ermordet wurde. Dieser Mord habe bei der nichtjüdischen Bevölkerung eine Erregung ausgelöst, die sich in judenfeindlichen Aussehreitungen kundgab. Der Abgeordnete fragte den Minister, welche Maßnahmen er treffen wolle, um Polizeibeamte in Zukunft bei der Ausübung ihres Dienstes zu schützen. Die Verband! u n g gegen den jüdischen Fleischer Isaak Szezcrbowski, der den Polizisten Kedziora erstochen hat, wurde von dem Kreisgericht in Brest-Litowsk für den 13. Juni festgesetzt. Am 10, Juni wird gegen zehn Teilnehmer an dem Pogrom verhandelt werden, die angeklagt sind, jüdische Geschäfte geplündert zu haben. Neue Ausschreitungen In G o r a - K a 1 w a r i a, dem Sitz des ״Gcrer״■ Rabbis, ist es zu judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen. Sechs Juden wurden erheblich verletzt, mehrere jüdische Läden vernichtet und in vielen jüdischen Häusern die Fenster zertrümmert. Die Polizei stellte die Ordnung wieder her und traf Maßnahmen, um eine Wiederholung der Ausschreitungen zu verhüten. Auch in B r a n s k bei Bielsk-Podlaski fanden am Markttag Ausschreitungen gegen die Juden statt. Auf ein gegebenes Zeichen zwangen Banden die jüdischen Kaufleute, ihre Läden zu schließen und mißhandelten die jüdischen Passanten; mehrere Personen wurden verletzt. Die jüdischen Marktstände wurden demoliert, die Fenster der jüdischen Geschäfte und der Synagoge zertrümmert. Nach dem Ueberfall blieben die Juden in ihren Häusern, bis am Nachmittag Polizeiverstärkungen eintrafen und die Ordnung wieder herstellten, ln Nowo-Swientine wurden die Fenster von zwei Synagogen und zahlreicher jüdischer Häu• ser zertrümmert; mehrere Juden wurden mißhandelt. In den Straßen von Krakau wurden jüdische Passanten überfallen und mißhandelt. Aus einem CiWhaus wurden die jüdischen Gäste gewaltsam entfernt. Polizei vertrieb schließlich die Exzedenten. Auch in Warschau sind in verschiedenen Stadtteilen Juden auf der Straße überfallen worden. Die Angreifer sind entkommen. In Minsk-Mazowieck versuchten natioiialdemokratische Agitatoren anläßlich eines Gcdcnkgottcsdicnstcs für den Sergeanten Bujak, dessen Ermordung durch den als geistig minderwertig bekannten Juda Chatzkelewiez im vergangenen Jahr zu den judenfeindlichen Ausschreitungen in dieser Stadt geführt hat, abermals einen Pogrom gegen die jüdische Be* völkerung herbeizuführen. Ihre Bemühungen wurden durch das energische Eingreifen der Polizei vereitelt. Die Agitatoren wollten die Teilnehmer an dem Gedenkgottes• dienst veranlassen, einen Zug zu dem Gedenkstein zu unternehmen, der für Bujak an der Mordstelle errichtet worden ist. Der Zug wurde jedoch von der Polizei verboten. Auch die von den Agitatoren an die nichtjüdischen Geschäftsleute gerichtete Aufforderung, ihre Läden wälirend des Gedenkgottesdienstes zu schließen, blieb unbeachtet. Der Gottesdienst ist ohne Zwischenfall verlaufen. Mildes Urteil im Myslenice-Prozefi Das Krakauer Kreisgericht hat am Sonn• abend das Urteil gegen die 47 Nationaldemokraten gefällt, die an dem Putsch gegen die Ortschaft Myslenice im vergangenen Jahr unter der Führung des Ingenieurs Doboszynski und den damit verbundenen judenfeindlichen Ausschreitungen teilgenommen haben. Elf Angeklagte wurden zu je einem Jahr, einer zu 20 Monaten, sechs zu 11 Monaten, einer zu 18 Monaten und 15 zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Ein Teil der verurteilten erhielt Strafaufschub. Die Untersuchungshaft wurde allen angerechnet. In der Urteilsbegründung wird betont, daß das Gericht eine Reihe mil* dernder Umstände in Betracht gezogen hat. Ein Mordprozefl in Warschau Warschau, 3. Juni. (JTA.) Vor dem Warschauer Kreis• gericht begann der Prozeß gegen den 33jährigen Schneider Juda Chatzkelewiez, dessen Mord an dem Sergeanten Bujak im vergangenen Jahr zu dem schweren Pogrom in Minsk-Mazowieck geführt hat. Der Verlauf der Vernelimung des Angeklagten am ersten Verhandlungstag zeigte, daß es sich bei Chatzkelewiez, wie dies auch in dem psychiatrisehen Gutachten bestätigt worden war, um einen geistig minderwertigen, leicht erregbaren und von Zwangsvor- Stellungen beherrschten Menschen handelt. Nach Verlesung des Beschuldigungsaktes begann das Verhör des Angeklagten. In seiner Verantwortung spielen Erlebnisse eine große Rolle, die er vor neun Jahren in seiner Dienstzeit gehabt haben will. Seit damals habe er einen tiefen Haß gegen Bujak empfunden, der ihn als sein militärischer Vorgesetzter geauält und vor den übrigen Soldaten erniedrigt habe. So behauptet der Angeklagte, er sei auf Befehl des Sergeanten einmal in ein Faß mit Unrat gesteckt und stundenlang darin gehalten worden, bis er die Besinnung verlor. Demgegenüber schildern Offiziere des Regiments den Sergeanten Bujak als pflichttreuen, musterhaften Soldaten, der bei der Behandlung von Juden und Nichtjuden keinen Unterschied gemacht habe. Vereinigten Staaten von 1776 verfaßt hat und später Präsident der Vereinigten Staaten war. Seine Ideale sind aus der reinen Vernunft hergeleitet, sie sind daher kein Monopol irgend• eines Volkes und nicht abhängig von einer bestimmten Geschichte oder Vergangenheit einer Nation. Es sind die Forde• rungeti der natürlichen Menschenrechte, der natürlichen Freiheit und Gleichheit, es wendet sich an den Menschen als solchen, an die gesamte Menschheit; aber indem Jefferson zu der Ueberzeugung kommt, daß diese Ideale ausschließlich in Amerika tatsächlich verwirklicht sind, daß somit die nrnerikanische Nation der bevorzugte Verkörperer dieser Menschheitsideen ist, wird er zum Vorkämpfer des amerikanischcn Nationalismus. Und ähnlich — so führt Voßler aus — geht auch Fichte von Menschheitsideen aus, sein erzieherischer Nationalismus gipfelt in der Forderung und in dem Anspruch, daß seine Nation die wahre Menschheitsnation sein möge. Dieselben Ideen in ihrem Miteinander und Gegeneinander begegnen dann bei Humboldt, der in seinem Leben die produktive $\ nthese findet, bei der Entstehung der modcrneit italienischen Nation, hei Mazzini, und finden schließ-!ich ihre großartige ״Aufhebung“ bei Hegel und Ranke. Immer mehr nähern wir uns der Vorstellung, daß jede Nation ein Sonderfall des einigen Menschheitsgeistes ist, und wenn Hegel noch nur vier ״auserwählte Völker“ anerkennt, so fügt Voßler korrigierend hinzu; ״Jede große Nation drückt die Menschheit aus auf ihre eigene Weise und jede ist insofern Mcnsclihcitsnation“. Mit anderen Worten: jedes Volk isl in seiner Weise, und wenn es erst zu einem Nationalbewußtsein gelangt ist, ein ,,auserwähltes‘‘ Volk; die wahre Erfüllung der nationalen Aufgabe ist ohne dieses subjektive Bewußtsein der Auserwähitheit jjar nicht möglich. Sie bedeutet aber nicht einen Vorzug oder gar einen Anspruch auf Weltherrschaft, sondern die Verpflichtung, sich selbst treu hi sein und diejenige geistige Aufgabe zu erfüllen, die der Schöpfer gerade diesem Volke übertragen hat. ,,Die Idee der .Menschheit, Gott gab ihr Ausdruck in den vcrschiedenen Völkern“ (Ranke), Der Anspruch politischer Ideen, mit Aligemeingültigkeit für alle Volker auf/utreten, enthält stets greifbare Gefahren. In dem gei-tigeu Ringen vor hundert Jahren bestand, wie aus dem Buch hervorgeht, die Gefahr, daß durch die Einwirkung übernationaler Ideen Europa in zwei einander bekämpfende weltanschauliche Lager geteilt wird. Diesem Imperialismus der Idee stellt Ranke das Eigenrecht der organisch gewachsenen nationalen Eigenart gegenüber. Nationale Eigenart zu definieren, ist unmöglich, sie ist ,.das geheime Etwas, das in uns lebt und das da ist, unabhängig vom Willen des Einzelnen“. Nation und Staat fallen begrifflieh nicht zusammen. Die Nationen, so sagte Ranke, ״haben eine Tendenz, Staat zu sein, doch wüßte ich keine einzige, die es wirklich Ware“. Die Nation ist eine kollektive Individualitat mit dem Anspruch auf Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Sie ist ein Ordnungsprinzip für die Menschheit, ihr (ungeordnet und nicht übergeordnet. Diese Studien zur Erforschung des Nationalgedankens (ursprünglich als Vorlesungen, gehalten an der Universität Leipzig) sind ein wesentlicher Beitrag zum Verständnis des Nationalismus. Obwohl in dem Buche nicht von jii* dischen Idingen die Rede ist, fühlen wir, daß cs sich um einen Gegenstand handelt, der uns auch als Juden (als Menschen und als Juden) sehr nahe angeht. Denn das Problem der Beziehung des Einzelnen zur Gemeinschaft und der Stellung des Volkes zur Menschheit, das Gegeneinander von nationaler Besonderheit und menschlicher Gesamtheit empfinden wir ebenso als unser Problem wie all die Gedanken, die mit dem Begriff des ״auserwühlten Volkes“ Zusammenhängen, dieser so mißverstandenen Formel, die uns Juden oft genug verübelt wurde. In einer Zeit, in der unsere nationale Existenz in allen ihren Erscheinungen sich neu formt, sind wir uns der brennenden Aktualität solcher Erörterungen umso mehr bewußt, als für uns auch die Nation stets eine Sache der (individuellen und kollektiven) Ethik ist. Und darum vernehmen wir dankbar, was andere Mensehen, außerhalb unseres Bezirkes, über dieses Thema gedacht haben, W. IN ALLER KURZE Lord Samuel, früher Sir Herbert Samuel, hat nach seiner Erhebung in den. Adelsstand den Namen Viscount Sa- 11! u e! o f Mount Carmel angenommen. Damit hat Samuel seinen Zusammenhang mit Palästina in schöner Weise dokumentiert. Anläßlich der Krönung König Georg VI. hatten sich zahlreiche Juden aus Provinzstädten in Polen an den König mit der Bitte um Zuteilung von Palästina-Einwanderungs Zertifikat e!1 gewandt und dabei auf die schwere Not der Juden in Polen hingewiesen. Viele Bittsteiler haben nunmehr die Benachrichtigung erhalten, daß ihr Gesuch berücksichtigt worden ist. Sie wurden gleichzeitig aufgefordert, die Vorbereitungen für die Ueber- Siedlung nach Palästina zu treffen. Eier Völkerbundsrat hat Mr. Augustin G i r a u d zum 'französischen .Mitglied der Mandatskommission ernannt, um den Platz, des verstorbenen Mr. Francois Manceron zu füllen, Mr. Giraud war früher Gouverneur der französischen Afrikazone. Bei ihrem Bericht über die Eröffnung des Palästina- Pavillons der Pariser Weltausstellung hebt die konservative Londoner ״Morn in g Post“ hervor, daß dieser Pavillon der erste war, der unter dem ״Union Jack“, der Flagge des Britischen Weltreiches, eröffnet worden ist. ״Der Pavillon“, so heißt cs in dem Bericht weiter, ״ist ganz, und gar das Werk eines jüdischen Komitees, nicht der britischen Verwaltung Palästinas, aber auch ein Brite kann einen gewissen Stolz empfinden, daß seine politischen Institutionen ein derartig energieerfülltes selbständiges Leben einer nichtbritischen Gemeinschaft innerhalb des Empire ermöglichen.“ Zu dem Internationalen Krankenpfleger-Kongreß, der am 1. Juli in London Zusammentritt, war aus Polen eine Ab- Ordnung angemeldct gewesen, der auch jüdische Krankeusch Western aiigehörten. Nunmehr sind die Vertreterinnen des Warschauer jüdischen Schwesternverbandes von dem Verband der Krankenschwestern Polens verständigt worden, daß der jüdische Verband aus dem Gesamtverband ausgeschlossen worden sei, da dieser den Arierparagraph emgeliihrt habe. Eine Konferenz der Aerzteschaft Lembergs hat mit allen gegen drei Stimmen eine Resolution gegen die Einführung des Arierparagraphen im Gesamtverband der polnischen Aerzte gefaßt. Der Hilfsverein der Juden in Deutschland hat seinem Präsidenten Max Warburg zum 70. Geburtstag eine künstlerisch aut Pergament ausgeführte Adresse überreichen lassen. Lord Melchett in USA Von unserem Korrespondenten New York, 22. Mai Wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommen sollte, wird Lord Melchett als führende Figur in jüdischen Angelegenheiten ständig an Bedeutung gewinnen. Diese Vor• aussage beruht auf den Beobachtungen, die wir gelegentlich des zehntägigen amerikanischen Aufenthalts des Vorsitzenden des Rats der Jewish Agency machen konnten. Seine An- Wesenheit trug dazu bei, das Interesse am United Palestine Appeal zu steigern, für den er bei einem privaten Frühstück von Bankiers und anderen Wirtschaftsführern und bei einem großen Diner, bei dem 800 Gäste zugegen waren, sprach. Beide Male gewann Melchett, obwohl seine Ausführungen nicht über den Rahmen bekannter zionistischer Argumente hinausgingen, alle Zuhörer durch seinen Vortrag für sich. Einfach, gradaus, ohne rhetorische Floskeln — so hinterlaßt er einen Eindruck großer Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit. Auf Anregung des United Palestina Appeal entsandte die Regierung ein spezielles Küstenwachboot, um Lord und Lady Melchett aus dem Schiff auszubooten, mit dem sie am 13. Mai aus Südamerika gekommen waren. (Ueher den südamerikanischen Aufenthalt berichteten wir in Nr. 42 der ״J. R.“ — Anm.d. Red.) Noch am gleichen Tage nahmen Lord und Lady Melchett an dem Frühstück des United Palestine Appeal teil. Während seines Aufenthalts in den USA weilte Lord Melchett mehrere Tage im Weißen Haus inWashington, sprach mit einer Anzahl führender Industrieller und verhandelte mit hervorragenden jüdischen Führern über die Lage in Palästina. Mdchetts selbstbewußtes und doch nicht arrogantes Auftreten hat ihm überall Sympathien gewonnen, in zionistischen Dingen ist er keineswegs ״naiv“, wie manche meinen. Vielleicht mögen einige alte zionistische Routiniers, die Mißtrauen gegen einen Neu-Hinzugekommenen zu haben pflegen, seine Kenntnis der zionistischen Fragen unterschätzen. Felix Warburg, der einer der Redner beim Diner des U. P. A. war, auf die Tatsache hinweisend, daß Melchett als ״N i c h t - Z i o n i s t“ zum Vorsitzenden des Rates der Jewish Agency gewählt worden ist, sagte scherzhaft: ״Seht, wie wir unsere Kunden verlieren“. Der Führer der Nichtzionisten spielte damit auf den ungetrübten Zionismus an, den Melchett in seiner Rede verkündet hatte. Melchett durchdenkt alle Möglichkeiten, die sich aus dem Bericht der Kgl. Kommission ergeben können, ohne in seiner festen Ueberzeugung wankend zu werden, daß eine bestimmte Art von Bericht vom Parlament abgelehnt werden würde. Er sieht das Araberproblem realistisch, nicht gefühlsmäßig an. Es gibt jüdische Führer, die glauben, daß nur eine Zusammenkunft mit einer gleichen Anzahl Araber genügen würde, um das Problem des Zusammenlebens endgültig zu lösen. Einige amerikanische ״Non-Zionists“ z. B. vertreten diese Meinung. Melchett jedoch glaubt nicht so sehr an ein solches palästinensisches Allheilmittel. Dennoch ist Melchett nichts weniger als ein Rationalist. Bei dem großen Diner in New York wurde ihm zum 30. Geburtstag gratuliert, den Melchett eine Woche zuvor begangen hatte. Aber Melchett sagte, er betrachte gerade diesen Abend als seinen Geburtstag, denn es sei der Jahrestag seiner Verwundung im Weltkriege. Er war damals 18 Jahre alt. Ein Geschoß hatte seinen Mund durchschlagen und das Gebiß zerstört. Die Aerzte hielten ihn für verloren. ״Es war“, so fuhr Melchett fort, ״ein Wunder, mehr als ein Wunder, daß ich es überstand. Ich kann nicht glauben, daß mein Leben dazu bestimmt war, ziellos weiterzugehen. Wenn ich wieder gesund wurde, muß dies einen Sinn gehabt haben. Und ich glaube, dieser Sinn ist der Zionismus und P a 1 ä s ti n a.“ Die nächsten Jahre werden Melchetts Stellung in der zionistischen Bewegung klären. Seine geschäftlichen Interessen werden sich wahrscheinlich erweitern und wachsen. Die Gefahr für ihn "liegt nahe, sich in dem Labyrinth wirtschaftlicher und industrieller Aktivität zu verlieren, in das schon so viele fähige Juden geraten sind. Aber es ist auch möglich, seine ungewöhnliche Kombination von Energie, Wissen und Liebenswürdigkeit in vollem Maße nutzbar zu machen. Seine Tätigkeit in Amerika zeigte, daß er ein Mann ist, der den Zionismus von 1937 zu repräsentieren vermag. 90 Delegierte aus Amerika New York, 6. Juni. (JTA.) Durch die soeben abge■ sclilossene Schekclkampagne sind in den Vereinigten Staaten 270 000 Schekalim zum XX. Zionistenkongreß aufgebracht worden. Die Zionisten Amerikas sind infolgedessen berechtigt, 90 Delegierte zum nächsten Kongreß zu entsenden. Das Arbeits-Gesetz in Rumänien Bukarest, 3. Juni. (JTA.) Ueber das neue Gesetz zum Schutz der nationalen Arbeit, das bekanntlich bestimmt, daß in jedem Unternehmen höchstens 25 »0 der Arbeiter- und Angestelltenschaft aus Angehörigen der nationalen Minderheiten bestehen dürfen, hat sich der Urhoher des Entwurfes, Minister Valer Pop, in einer Pressekonferenz selbst geäußert. Gleichzeitig gab der Minister bekannt, daß das neue Gesetz, das während der Parlamentsferien im Verordnungsweg erlassen wird, nach dem 8. Juni in Kraft treten soll. Die nationalen Minderheiten, erklärte der Minister, auch die Juden, hätten von diesem Gesetz nichts zu befürchten; seine Aufgabe sei es nur, die Interessen der nationalen Eiemente unter der arbeitenden Bevölkerung Rumäniens zu fördern. Das Gesetz werde dem König nach der am 8. Juni stattfindenden Restaurationsfeier zur Unterschrift vorgelegt und dann im Amtsblatt veröffentlicht werden. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen betonte de! Minister, daß die nationalen Minderheiten Rumäniens künftig keine Vormachtsstellung in Industrie und Handel mehr ein nehmen würden, daß vielmehr ihre Stellung im Wirtschaftsleben des Landes ihrem zahlenmäßigen Anteil an der Gesamtbevölkerung angepaßt sein werde. Der Minister wandte sich auch gegen die Behauptung, daß die Juden aus dem Staatsdienst, aus dem richterlichen Beruf, ja sogar aus der Armee so gut wie ausgeschlossen seien und erklärte, diese Behauptungen seien übertrieben. Auch auf diesen Tätigkeitsgebieten werde der Grundsatz der proportioneilen Vertretung der Minderheiten in gleicher Weise gelten wie in Handel und Industrie. Ilauptschrütlciieri Dr. Robert W e 11 sc h, Berlin - Charlottenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! Kurt Loewenstein, Berlin VV 15. Anreigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen! Hermann F i n n. Berlin W 15. Gültig Anielgen Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und Anreigenverwaltung! Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinekestr. 10. D.A. 1/1937 33 816. — Druck! Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg.

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