Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 44 (4.6.1937)
- Date
- 1937-06-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44, 4. VI. 1937 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Zur Jubiläumsfeier der ZVID, Für eine so ganz auf Erleben und Tat gestellte Bewegung wie die zionistische war das Feiern äußerer Anlässe immer eine heikle Angelegenheit. Ein Volk, das mitten in einer schweren Arbeit steht, hat anscheinend nicht immer die rechte Stimmung zum Feiern, und so konnten wir beobachten, daß z. B. sogenannte Festsitzungen zionistischer Kongresse, gerade wenn die Bewegung selbst durch aktuelle Ereignisse aufs höchste erregt war, nicht sehr wirkungsvoll waren, ja oft der Gefahr der Langeweile nicht entgingen. Hält man sich zu streng an das Thema, indem man die Errungenschaften eines Zeitraumes Revue passieren läßt, so ferät man leicht auf ein Nebengeleise, denn was die Gemüter ewegt, ist die Frage, wo wir heute stehen, und alles Benno Cohn bei seiner Ansprache Foto: Hubert Sonnenfeld Gewesene ist nur der Boden, auf dem die Entschlossenheit und die Kraft zum Handeln in der Gegenwart reifen. Das ist auch der Fall mit der zionistischen Bewegung in Deutschland, die jetzt ihr vierzigjähriges Jubiläum feiert, dem am vorigen Montag eine Festveranstaltung gewidmet war. Es wäre unrichtig, nicht auszusprechen, daß es dabei nicht ganz gelungen ist, alle Klippen, die derartige Veranstaltungen immer bedrohen, zu umschiffen, und man täte der zionistischen Bewegung zweifellos unrecht, wenn man sie nach dem Eindruck beurteilen wollte, den diese Feier aut die meisten Teilnehmer machte. Es herrschte, so glauben wir, zu viel Abgeklärtheit, während es in den jüdischen Herzen brodelt. Der Zionismus ist vor vierzig Jahren eine für das Judentum revolutionäre Bewegung gewesen, aber er ist das auch heute noch, und es wäre erwünscht gewesen, bei einem solchen Anlaß weithin hörbar zu verkünden, wie der jüdische Mensch aus seiner Not inmitten einer zutiefst aufgewühlten Zeit einen Weg seiner Erlösung sucht, einen Weg zu neuem Menschentum und neuem Judentum. Dieses Bekenntnis, das dem Zionismus zugrunde liegt und in jeder Generation neu geboren wird, muß aus übervollem Herzen kommen, aus tiefer, brennender Leidenechaft, die zwar ihr Maß und ihre Gebundenheit kennt, die mit klarem Blick den Realitäten gegenübersteht, aber doch das Feuer des echten Erlebnisses in sich hat. Nur ein solches Wort, das wie ein zündender Funke ist, vermag das Wesen des Zionismus und den Sinn dieser vierzig Jahre auszudrücken, und wir fühlen uns unbehaglich, wenn wir den Eindruck haben, daß die Menge der Menschen dasitzt wie Zuschauer oder Zuhörer in einer ״bürgerlichen Atmosphäre“, ohne zuinnerst bewegt zu sein. Die musikalischen Vorfiihrungen, so interessant sie in ihrer Art sein mögen, wurden von vielen Teilnehmern der Veranstaltung, vielleicht weil sie mit zu großen Erwartungen an eine solche Feier herangegangen waren, als etwas deplaciert empfunden. Wir halten es für unumgänglich, diese einschränkenden Bemerkungen, die der Stimmung eines großen Teils der Zuhörerschaft entsprechen, vorauszuschicken, denn, wie der Vorsitzende der Versammlung mit Recht sagte, die zionistische Bewegung ist stets von Selbstgefälligkeit und Selbstlob weit entfernt gewesen und würde verflachen und versanden, wenn sie nicht Selbstkritik zu üben verstünde. Eine nicht ganz befriedigende Veranstaltung ist weit weniger bedenklich als es die Meinung wäre, daß der Zionismus sich durch eine unvollkommene Kundgebung ausreichend repräsentiert und interpretiert empfinde. * Die Jubiläumsfeier fand am lehrten Montagabend im Theater des Jüdischen Kulturbundes in Berlin statt. Das Theater war dicht gefüllt. Man bemerkte neben zahlreichen führenden Zionisten und besonders vielen Jugendlichen die Vertreter der wichtigsten jüdischen Körperschaften und Organisationen. Der Raum des Theaters und die Bühne waren in den blauweißen Farben geschmückt, im Hintergrund der Bühne war ein monumentales Herzl-Bild angebracht. Der Abend wurde durch die Aufführung des im musikalisehen Preisausschreiben des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde preisgekrönten ״Feierlichen Vorspiels“ von Werner S e 1 i g - B a ß. das unter Leitung des Komponisten vom Orchester des Jüdischen Kulturbundes vorgetragen wurde, eingeleitet. Nach einigen hebräischen Liedern, die der W 1 n a ־ wersche Chor sang, folgten eine Reihe von Ansprachen. Zunächst eröffnete der Vorsitzende der Berliner Zionistisehen Vereinigung, Benno C oh n, die Veranstaltung und begrüßte die Erschienenen. Er zeichnete in wohlabgcwogenen und sehr treffenden Darlegungen die Geschichte der ZVfD., die genau vor 40 Jahren im Büro des R.-A. Bodenheimer in Bingen als Nationaljüdische Vereinigung gegründet wurde, und schilderte die Entwicklung der zionistischen Arbeit bis in unsere Tage, wobei er all der Persönlichkeiten gedachte, die an dem inneren Aufbau und an der Ausbreitung des Zionismus in Deutschland führenden Anteil hatten. (Wir werden diese Rückschau noch veröffentlichen.) Rechtsanwalt Colin schloß mit Grüßen an den Jischuw und die Hitachduth Olcj Germania und rief zum Erwerb des Schekels als Bekenntnis zum Zionismus und zum jüdischen Volkstum auf. Als Vertreter der ersten zionistischen Generation sprach, von starkem Beifall begrüßt, Rabb. Dr. Max Joseph (Berlin, früher Stolp i. P.), einer der Veteranen der zionistisehen Bewegung in Deutschland. Dr. Joseph schilderte die jüdische Situation in jener Zeit, als der Zionismus in Deutschland die ersten Ansätze zu seiner Arbeit schuf. Er stellte diese Verhältnisse in Parallele zur Lage des Ostjudentums, wo der Zionismus schon damals eine bedeutende Bewegung war. Dr. Joseph wies auf die Persönlichkeiten hin, die aus dem Zionismus in Deutschland bzw. in der deutschen Kultursphäre hervorgegangen sind, besonders auf HerzI, Ruppin, Prof. Warbürg, und schloß mit dem Bekenntnis zur Fortsetzung der zionistischen Arbeit in Gegenwart und Zukunft. Für die jüngste zionistische Generation, die in den letzten Jahren den Weg zum Zionismus gefunden hat, kam Ernst Bauer (Stuttgart) zu Wort. Diese Generation ist im Gegensatz zu früheren nicht durch eine geistige Analyse der Judenfrage zum Zionismus gekommen, sondern das jüdische Schicksal zwang sie zu einer Lebensentscheidung. Die unmittelbare Verbindung zu Palästina verlangt die persönliche Bewährung des Einzelnen, und gibt Gewähr dafür, daß sich nicht bloße Konjunktur-Ritter einfinden. Nicht nur ״Umschichtung“, sondern ein neues Berufsideal schwebt der zionistischen Jugend von heute vor. Obwohl manche in einer besonders schweren Zeit den Weg des leichteren Widerstandes gehen, sei der Wille zum friedlichen Palästina-Aufbau in der zionistischen Jugend unerschütterlich. Der letzte Rainer, Rabb. Dr. Max Grünewald (Mannheim), führte aus, der Zionismus habe die ״mittlere“ Generation aus dem Zustand des ״objektiven Kulturzcrfalls“ gcrettet und habe die geistigen Strömungen, die auseinanderzugehen drohten, im Judentum wieder verbunden. Der Zionismus habe das Ideal eines neuen jüdischen Menschen gegeben. Darum seien wir auch in der Zeit einer politischen Krise von der äußersten Unruhe fern, weil wir an die menschlichen Kräfte im Zionismus glauben. Dabei biete der Zionismus das Bild einer stets ״unfertigen“ Bewegung; darum sei das Erzieherische sein wesentliches Element. Noch nie sei die Bedrohung des Judentums in der Welt so universal gewesen wie heute, und noch nie darum die Schaffung eines Lebens- Zentrums des Volkes in geistiger wie in materieller Beziehung so dringlich. Es gibt Völker mit Kolonien, cs gibt Völker ohne Kolonien — und diese Frage ist gewiß nicht gerecht gelöst — aber wo gibt es außer den Juden ein Volk ohne Mutterland! Dieses Mutterland muß sich unser Volk erarbeiten, in einer Zeit, in der unsere Geschichte in manchen Ländern zu Ende zu gehen scheint. Dr. Grünewald schloß mit einem Appell zum Glauben an die unerschütterliche Kraft des jüdischen Volkes und an seine produktiven Fähigkeiten. Die Ansprachen der Redner wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Es folgten weitere jiddische und hebräische Gesänge des Winaw ersehen Chors und der Vortrag einer Ouvertüre von Felix Mendelssohn-Bart hoidy durch das Kulturbundorchester unter Leitung von Dr. Kurt Singer. Dieses begleitete auch den Gesang der Hatikwah, der feierlich die Veranstaltung beschloß. Der musikalische Teil des Festaktes Was jüdisches Schicksal in der Bedeutung und Lenkung durch den Zionismus in uns wach werden ließ, suchten wir in gefühlsmäßigem Glcichklang auch in der Musik. Es wurde erfüllt in den Ciiören Chemjo Winawers mit einem palästinensischen Hirtenlied, dem ,,As Moschiach wird kommen“, vielleicht noch mit einer Horrah. — Das ״Feierliche Vorspiel“ von Werner Selig-Baß, das den Festakt eröffnete, enthüllt das spontane Musikantentum eines jungen Künstlers, der in sich die Begabung und das Vermögen für klangliche Vorstellung trägt. Ein Thema braust auf, dynamisch erregt, Klänge verdichten sich, auf Wogen starker Gefühlsbewegung hintreibend, dann abebbend, ausmündend Max Warburg Zu seinem 70. Geburtstag Max Warburg, der am 5. Juni seinen 70. Geburtstag feiert, ist eine jüdische Figur von besonderem Reiz. Er ist einer von den Männern, deren große Lebensarbeit zwar nicht im jüdischen Bezirk liegt und die doch ihr ganzes Leben hindurch, auch in der Zeit ihres höchsten Ansehens bei der Umwelt, sich der Zugehörigkeit zum Judentum als eines positiven, fast möchte man sagen: selbstverständlichen Faktors lfues Wesens bewußt sind. Wie immer man die abgelaufene Epoche jüdischer Entwicklung beurteilen mag, man muß anerkennen, daß eine ihrer feinsten Blüten ein jüdisches Patriziertum war, das — schon aus dem Starken Familiengefühl heraus — in einer fruchtbaren Synthese mit den Gütern der allgemeinen Kultur und Bildung die Werte der eigenen Abstammung zu schätzen wußte. Max Warburg ist in Deutschland der vornchmste Repräsentant dieser Art. Die Verhältnisse haben es gefügt, daß Warburg am Tage seines 70. Gcburtstages nur innerhalb der jüdischen Gemeinschaft gefeiert werden kann. Es ist nicht unsere Sache, bei dieser Gelegenheit den Teil seiner Arbeit zu würdigen, der außerhalb des jüdischen Bereichs lag. Ein Mann von der Intelligenz, dem Weitbiick und der Erfahrung Max Warburgs mußte schon von lange her die Problematik der jüdischen Existenz ahnen. Seine Auffassung der Judenfrage stimmte mit der unseren nicht überein, auch glaubte er, den künftigen Weg der Juden in einer anderen Richtung zu sehen als wir. Aber in seiner Art ist er auch jüdisch interessiert gewesen. Er hat an sozialen und wohltätigen Bestrebungen, aber auch an geistigen Unternehmungen jüdischer Art tcilgcnommen, er ist auch bereits lange vor 1933 bei verschiedenen Gelegenheiten mit der praktischen Palästina- Arbeit in Kontakt gekommen. Ein Mann von den Wirtschaftliehen Führerqualitäien Warburgs hat freilich nicht alles kritiklos hingenommen, und manches schien ihm, über die bloßen Aspekte der Propaganda hinaus, wirtschaftlich problematisch, Anläßlich seiner Palästinareise von 1929, die er zusammen mit seinem Bruder Felix aus New־ York und mehreren Familienmitgliedern unternahm, vertiefte sich das Interesse an Palästina. Er steht seitdem der Palästinabewegung nahe, übte bei Tagungen der Jcwish Agency beratende Funktionen aus, hat aber keine offizielle Stellung inne. Das Jahr 1933 hat schließlich auch diesen Mann dazu geführt, seine Arbeitskraft in den Dienst der jüdischen Gemeinschaft zu stellen, vor allem auf den Gebieten, in denen er dank seiner besonderen Eigenart und Fähigkeiten nützlieh sein konnte. Max Warburg hat 1933 spontan erfaßt, daß die Judcnheit in Deutschland selbst für ihre Existenz und ihre Ehre verantwortlich ist, daß vor allem die Organisierung der Auswanderung unübersehbare Aufgaben stellt Af17.1־ Warburg Foto: Schmiedt, Hamburg Das Andenken des Gerechten Es wurde gelehrt: Rabban Schimon ben Gamliel sagf: Für die Gerechten werden keine Grabmöler erstellt; Ihre Worte, sie bilden ihr Andenken. 7. Schekalim 9 b Lieber3. v. N. S. Gfa/m in eine schöne Gesangslinie des Cello; nach Episoden temperamentvollen Aufflackcrns der ersten Gedanken wird das Liedchen ״As Moschiach wird kommen“ angestimmt, die Holzbläser fallen in das heitere Finale des Liedes ein, die anderen Stimmen des Orchesters greifen es auf, und nun tollt es — und das ist das Beste dieser Komposition — im leuchtenden Raketenfeuet־ der Instrumente zu einem turbulenten, Rhythmen peitschenden Höhepunkt. Vielleicht vom eigenen Einfall verdutzt, vielleicht im Glauben, es wäre ein Zuviel an Musikantischcm gewesen, wird Selig- Baß besinnlicher, glaubt — ein wenig Akademismus mag ihn dazu verführt haben — auch etwas aussprechen zu müssen, — schließlich sollte es doch ein feierliches Vorspiel sein — und beginnt, thematisch sehr reizvoll (die Hatikwahmelodie in der Umkehrung) eine Fuge, in die er Gedanken des Anfangs einfließen läßt, mit vielleicht zu großer Beredsamkeit, spornt aber, nachdem er die Bässe im jubilierenden EIS- U. KÖHLSCHRÄNKE alfred schaeffer M.d.j.G, Berlin, Mauersir. 68, an der leipziger S!f\ Schlußteil der Hatikwah aufschwingen läßt, den Blechsatz zum hymnischen Singen an, das er mit einem weit ausladenden, den Schlußteil der Hatikwah mit Figuren und Laufwerk umbrandenden Finale krönt. Seinem Werk gab er als Dirigent auch alles, was er an Musik in sich hat. Das Orchester, bis in jede Faser ihm ergehen, war in bester Verfassung. Mit der Athalia-Ouvcrtürc von .Mendelssohn, diesem Ueberfließen an .Melodie, Schönheit der Linien, dem Ebenmaß an schlanker Form, schloß unter i eitun״ des dem Schwelgen im Klangschönen sich ergebenden Din• genten Kurt Singer die Feierstunde. Dr. Jakob Schönberg * Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugcnd-Aliiah hat an die Zionistische Vereinigung für Deutschland folgende Zuschrift gerichtet: ,,Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Aüjah bringt der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zum 40jährigen Jubiläum ihre tiefe Verbundenheit zum Ausdruck. Die Zionistische Vereinigung hat durch, ihre 40jährige unermüdliche Tätigkeit zum Aufbau Palästinas grundlegend bcigctragcn. Das W erk, dessen Träger wir sind, ist undenkbar ohne den erzieherischen und bildenden Einfluß, den die Zionistische Vereinigung auf die Juden Deutschlands ausgeübt hat. Wir wünschen der Zionistischen Vereinigung, daß sie weiter, ebenso wie bisher, mit Kraft und Haltung der schweren Aufgabe gewachsen ist, die sie in der heutigen Zeit zu erfüllen hat. Lola Hahn-Warbürg. Eva Ster n.“ und daß hierzu eine einheitliche, vom Vertrauen der Gesamtheit getragene Führung nottut. Als ein Mann, der im jüdischen Parteilcben nicht exponiert war und die Achtung aller genoß, konnte er vermittelnd und helfend eingreifen. So hat er bei der Bildung der Reichs Vertretung der Juden in Deutschland aktiv mitgewirkt und dieser obersten jüdischen Instanz seine Mitarbeit zur Verfügung gestellt. Das Eintreten Warburgs für die großen vor der Reielisvertretung stellenden Hilfsaktionen und organisatorischen Aufgaben des ״Zentral• ausschusscs für Hilfe und Aufbau‘‘ war besonders darum he• deutungsvoll, weil sein Name weit über die Grenzen Deutsch• Lands hinaus einen Klang hat und auch bei den ausländischen Juden, die Mittel für die Juden Deutschlands zur Verfügung stellen mußten, das Vertrauen stärkte. Warburg ist später an die Spitze des Hilfsvercins der Juden in Deutschland getreten, jener Organisation, die bis 1933 im wesentlichen die Durcliwanderting der Ostjuden durch Deutschland nach Amerika unterstützte lind nach 1933 eine Aufgabe zu übernehmen hatte, von der ihre Gründer niemals geträumt hatten: die Auswanderung von Juden aus Deutschland in überseeische Länder durclizuführen. Die sich hieraus ergebenden Probleme wurden durch die Mit• Wirkung Warburgs sehr erleichtert, und die judcnheit Deutsch• lands anerkennt dankbar die Verdienste, die sich Warburg in diesen vier Jahren um die Sache der Auswanderung erworben hat. Daß es in dieser Hinsicht in der Praxis manchmal zu Meinungsverschiedenheiten kam, weil die Frage, ob die Auswanderung mehr nach Palästina oder nach anderen Ländern hingeleitet werden soll, nicht immer einheitlich beurteilt wurde, hindert uns gewiß nicht, den großen persönlichen Einsatz und die Leistung Max Warburgs aut diesem Gebiete anzuerkennen. Ein Mann des tätigen Lebens feiert seinen 70. Ocburts■ tag, zugleich aber ein .Mann, der weiß, daß über den Dingen der materiellen Wirklichkeit die Welt des Geistes steht, die dem Leben den Sinn gibt. Auch wer Max Warburg mir selten zu treffen Gelegenheit hatte, erkennt bald, daß hier ein Mann steht, der nicht an materiellen Erfolgen Genüge findet, sondern mit banger Bewegtheit den tieferen Zusammenhängen nachspürt und — ein jüdisches Erbe — auch um letzte religiöse Fragen ringt. Dies kennzeichnet auch seine menschliehe Arte den Charme seines Wesens und die Führung seines Hauses. Es ist uns eine besondere Freude, daß mehrere seiner Kinder mit Stolz und in aktiver Arbeit die jüdische Tradition des Hauses fartführen, in enger Verbindung mit dem neu werdenden Judentum Palästinas. Wir beglückwünschen Max Warburg zu seinem 70. Geburistage und wünschen ihm noch viele Jahre fruchtbaren Wirkens für die Allgemeinheit und — über manche Differenzen hinweg — eine immer engere Verbindung mit der Sache der jüdischen Zukunft. Von der Mandats •Kommission Die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes trat Montag in Genf zu einer ordentlichen Sitzung zusammen. Den Vorsitz führte der belgische Vertreter Pierre Orts, der an Stelle des seit Oktober 1936 nicht mehr amtierenden Italieners Marquis Theodnli getreten ist; zum Vizevorsitzenden wurde der Vertreter der Schweiz, Professor Rappard, gewählt. Der Vorsitzende erwähnte in seiner Eröffnungsrede die Verschiebung der P a I ä 51 i n a - S o n - dersitzung und drückte sein Bedauern darüber aus. In der gegenwärtigen Sitzung, die bis zum 14. Juni dauern wird, werden Palästina-Fragen nicht behandelt werden. TRATTNER-SCHUH BERLIN W15, Knesebeckstr. 43/44 (neben Dobrin) Ruf: 9169 93 Der elegante Schuh, auch für empfindliche Füße Nach Maß u. fertig Auch Reparatur Solide Preise