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Jüdische Rundschau · 1937-06-01 · Heft 43 (1.6.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 43 (1.6.1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 jüdische Rundschau Nr. 43, l.'m 1937 -s Abbau beim Jerusalemer Sender Hörer des palästinensischen Radios und darunter in erster Linie diejenigen, die sich für das hebräische Programm interessieren, stellen seit einiger Zeit mit Bedauern fest, daß dieses Programm immer eintöniger wird, insbesondere in seinem nichtmusikalischen Teil. Der Kreis der Vortragenden, die über aktuelle, kulturelle, literarische, künstlerische oder allgemein-menschliche Fragen sprechen, wird immer enger lind beschränkt sich immer mehr auf in Jerusalem Ansässige. im musikalischen Teil ist der Wechsel weniger stark 711 verspüren, aber auch hier ist seit einiger Zeit kein Fortschritt zu merken, was praktisch einem Rückschritt gleichkommt. Diese Verschlechterung des palästinensischen Rundfunks hat eine einzige Ursache, für die er selbst nicht verantwortlieh ist: ciic Finanzpolitik der Regierung. Das letzte Jahr hat dem palästinensischen Fiskus erhebliche Mehrausgaben bei sinkenden Einnahmen gebracht, und er versucht aut jede Weise, den Ausfall zu decken und wenigstens einen Teil jenes Bndgefübersehusses wieder hereinzubringen, auf den er lange Zeit so stolz sein durfte. Dabei geht das Finanzdepartment der Regierung, wie es scheint, gar zu mechanisch vor. Wenn einer Institution wie dem palästinertsischen Radio die Mittel für den Aushau seines Programms statt erhöht, von heute auf morgen auf etwa die Hälfte gekürzt werden, so hat das eine ganz andere Bedeutung, als wenn man etwa gewisse Bauten hittauszögert oder andere öffentliche Dienste etwas einschränkt. Wie außerordentlich gering die Aufwendungen für das eigentliche Programm sind — im Gegensatz zu denen für den technischen Betrieb und die Administration —, zeigt die Tatsache, daß für die tägliche hebräische Sendung insgesamt etwa £P 6500 zur Verfügung stellen. Da notgedruugenerweise der musikalische Teil hiervon das Meiste beansprucht, da er die größeren Unkosten zu bezahlen hat (Proben, Begleitung usw.), so sind die Honorare für Gelehrte, Schriftsteller, Künstler usw., die vor das Mikrophon treten, außerordentlich gering. Sie betragen von k 0,5 (- ca. 6 RMJ für einen kürzeren Vortrag bis zum Höehsthonorar — das durch besonderen Inhalt gerechtfertigt sein muß — von V 1,5 (ca. 20 RM.). Unter diesen umständen ist es so gut wie ausgeschlossen, Redner außerhalb Jerusalems zu gewinnen, die ihre eigenen Reise- und Ueberiiachtungskosteii tragen müssen. Aber selbst für Vortragende, die in Jerusalem ansässig sind, stellen diese Honorare keinen starken Anreiz dar. An und für sich werden von der Kürzung die arabischen und englischen Programme genau so getroffen, wie das jüdische, sie wirkt sich dort nur viel weniger aus. Das arabische Programm ist fast ausschließlich auf Musik abgestellt; Araber, die vor dem Mikrophon, über ein wissenschaftliches oder kulturelles Thema sprechen können, gibt es verschwindend wenige und diese sind zum größten Teil höhere Regierungsbeamte, die ihre Radiovorträge als einen Teil ihres Dienstes betrachten. Achnlich liegen die Dinge hinsichtlich des englischen Programms. Wie es! außer der englischen Beamtenschaft und ihren Familien fas^t kein englisches Hörerpublikum gibt, so gibt es unter dent Eng« ländern kaum Privatleute, die vor dem Mikrophon sprächen; die ausgezeichnet bezahlten Beamten aber betrachten ihre .Mitwirkung mehr als ״Sport“, denn als Einnahmequelle.yDie Hauptlast der Einsparungen fällt daher auf das hebräische Programm, das das weitaus größte und anspruchsvollste Publikum zu befriedigen hat, und dessen Musikpart zatäein auch von dem ganzen europäisch gebildeten Publikum;׳ des] Landes gehört wird. « j Die drastischen Kürzungen erscheinen nun aber völlig; unberechtigt, wenn man einmal feststellt, welche Rolle ,!das palästinensische Radio als Einnahmequelle für die"Re« gientng spielt. Es sind zur Zeit rund 23 000 Empfanges im; Lande lizenziert, die eine jährliche Lizenzgebühr von Ijl 500 Pfni-d bringen. Hinzukomiut, daß sich außer diesen 23 000, in Privat besitz befindlichen Geräten ungefähr weitere 27 000 Apparate in den Lagern des Radiohandels befinden. Diese insgesamt 00 OCX) im Lande befindlichen Empfangsgeräte haben pro Stück einen Einfuhrzoll von durchschnittlich 2,5 Pfund abgeworfen, d. h. für die Regierung eine Gesamtcinntahme von £P 150000. Diese Einnahme ist zu mindestens, vier Fünfteln von dem jüdischen Bevölkerungsteil aufge« bracht worden. Die rigorose Kürzung der Mittel, für das hebräische Programm ist angesichts dieser Tatsache besonders ungerechtfertigt. Wenn der Abstieg in den Leistungen trotzdem zwar schon merklich, aber doch noch nicht bedrohlich ist, so liegt das nur daran, daß viele der Vortragenden aus Verantwortusngs« gefiihl trotz der gesenkten Honorare und der beschränkten Wirkungsmögliehkeit dem Radio ihre Mitwirkung nicht ver« sagen. Es ist aber sehr fraglich, ob dieses Verhalten auf die Dauer möglich oder auch mir wünschenswert ist. Denn es bestärkt die Regierung in ihrer Politik, das Radio nicht als ein Kultur- und Erziehungsinstrument anzusehen, sondern als eine fiskalische Einnahmequelle, bei der cs darauf an• kommt, mit den kleinsten Ausgaben den größten Gewinn herauszuwirtschaften. Jedenfalls besteht auf der anderen Seite ein ähnlicher Altruismus keineswegs. So hat der Reutersche Nachrichtendienst, der bisher seine Meldungen gebührenfrei dem Jerusalemer Sender zur Verfügung gestellt hat, jetzt ein Jahreshonorar von mehreren hundert Pfund verlangt, die natürlich dem allgemeinen Programm entzogen werden. Der jüdische Vertreter in der Programm• Kommission des Rundfunks hat energisch gegen diese rigorose Finanzpolitik protestiert, bisher leider vergeblich. Es sind aber Anzeichen dafür vorhanden, daß das jüdische Hörerpublikum als Gesamtheit sich mit dem Einanzdiktat der Regierung nicht zufrieden geben wird und mit allem Nachdruck fordern will, daß der Jerusalemer Sender hin« reichende Mittel für eine seiner Aufgabe lind seines Publi« kums würdige Ausgestaltung des Programms erhält. C. Z. Klötze! Musikleben in einem Kibbuz Der Kibbuz Gederah (die Kwuzah des Kibbuz Hameiicliad in Gederah, die künftige ״S/oid-Sicdlimg“), im südlichen Jehuda, zahlt 150 Menschen, von denen 120 aus Deutschland stammen, ein Kibbuz, der unter den größten materiellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, da er noch keine Eigenwirtschaff besitzt, nur von Außenarbeit lebt. — Hier fand sich ein kleiner Kreis a u s ü b e 11 d er Musi k e r zusammen, die schon nach kurzer Zeit fähig waren, im Rahmen des Kibbuz aufzutreten, wie auch innerhalb des Gemeinschaftsorchesters, bestellend aus den Musikern sämtlicher Kibbu/im von Süd- Jehuda, mitzuwirken. Der kleine Musikkreis Gcderahs besteht aus vier Streichern und Klavier, wobei jedoch schmerzhaft das Fehlen eines Cellos empfunden wird, dessen Rolle notgedrungen öfter für Bratsche umgeschrieben werden muß. (Vielleicht fühlt sich hierdurch ein evtl, bald zur Alijah komntender Cellist aufgefordert, nach Gederah zu kommen.) Durchschnittlich jede Woche findet eine musikalische Voranstaltung statt, auf denen Trios, Quartette, Violirisonaten, Klavierstücke oder auch Schallplatte» zu Gehör gebracht werden. Zur P r o g r a m m g c s t a 11 u n g ist allgemein zu sagen, daß im wesentlichen die Stücke klassischer Komponisten gcspielt werden. Die Grunde hierfür sind, daß das unbedingte Bedürfnis zum Spielen und Hören dieser Musik vorhanden ist, und daß die finanziellen Mittel fehlen, die sehr teuren und nicht antiquarisch erhältlichen Noten moderner Komponisten anzuschaffen. Die Bibliothek enthält bereits eine fast vollständige Sammlung der Beethoven selten Kammermusik, während Brahms, Mozart, Haydn, Händel, Mendelssohn- Bartholdv usw. nur in mehr oder weniger vollständiger Ausgäbe vorhanden sind. Die Konzerte inmcinlb des Kibbuz werden von vielen Hörern aus der Moschawn ln-Micht, für die auch einige Male Konzert veran-'tal tun gen in! Heilt Am der Mosch,awa stattfanden. So seien /, 15. aus dem Programm des let/ien Konzerles genannt: Beethovi ii-QuarfoU ()piis 16, Corelli-Sonatc Opus 1, Mo/artln der 11. a. in., wobei wir den Cellisten und die Sängerin rue. dem nahen Oiwath Brenner .,bürgten“. Auch die (5ha n u k I; a h v e r a 11 s 1 a 1 t u!1 g vi .־dient besonders erwähnt zu werden. Zur Aiifluln ting gelangten Teile aus dem 1 laiidelsrheu ,Judas Mahl:,ab ins'• für Solo-timnien, Chor lind Orchesti r. seiii-tversl.iiidiieli mit hebräischem Test. Die gleiche Veranstaltung wurde unter Lnumw von Chan,an E i s e n s t a e d t au« Ben Schemen mit den vereinigten Choren um.! Musiki 111 der Kibbuzim von Süd-Jehuda vor etwa 1600 Zuhörern in (iiwaih Brenner wiederholt.!!1/wi־vhen ln ginnt die 'I ״ligkeit des, P a 1 ä s t i 11 a - O r - Chesters auch ihren Einfluß auf die Kibbuzim atm/unben. Diesen ist cs mei.-t unmöglich, an irgendwelchen Konzertaiiffulirnngen t׳ il/mielimen. da ule Entfernungen zu den Städten wie m:H1 die damit verbundenen Unkosten 71t groß sind. So beginnt allmählich der schöne Brauch, sich einztlbürgern, daß Mitglieder des Paiästün-Orche-lers aus eigenein Antrieb oder auf Einladungen hin in uneigennützigster Weise Kibbuzim autsucheu, um den .Menschen einen kleinen Anteil au dem Werke des ()rclu-sters 711 geliert. Und wohl nirgends ist das Publikum dankbarer. Der unstillbare Hunger nach guter Musik zwingt die Künstler, bis tief in die Nacht vorzutragen, und sie tun dies auch gerne. Zwei solche Tage erlebte jetzt aurh Gederah zu Sehn- Wttoth. Zwei Mitglieder des Palastina-Orcliestcrs sowie einige Freunde aus der Umgebung folgten der Einladung, und gemeinsam mit unseren Chawerim wurde morgens, mittags und abends konzertiert. Hier mir eine kleine Auslese aus den Programmen: Von Mozart die drei Flötenquartette, das Oboenquartett, ״Eine kleine Nachtmusik“; von Havdn das Vogelquarfett und zwei von den ״Londoner Trios“ für zwei Flöten und Cello; Trio aus J. S. Bachs ״Musikalisches Opfer“; das Klavierqiiintett von Schumann; Sonaten für Flöte und Klavier von Händel. Der Bericht schweigt absichtlich über die Qualität tinserer musikalischen Veranstaltungen, denn es kommt uns in erster Linie nicht darauf an, eine vollendete Wiedergabe zu hören, sondern daß überhaupt musiziert wird. Niemand ist ein fertiger Künstler, und dein regelmäßigen Geben stellt die tagliehe seliwere Arbeit gegenüber. Aber die Freude am Musizieren, der Mut, auch .schweres meistern zu wollen, bringt Aufführungen zustande, die von beacht! ich an Niveau sind und unsere Mu-ekei selbst zu ibtusk• m/crieii in Tel A\iv ermutigen. Aehnliches gesrliii ht in vielen Punkten des Landes. Alte Kibbuzim besitzen eine eigene Musikbnracke, andere lassen ihre Chawerim das Sinei eines In-truineiites erlernen, ,,Aphikirn״ im Lniek llajauKn brachte es dadurch bereits auf eän vollständiges ( hadicsti.T mit sämtlichen Blas- und Streichinstruinciürii. Lim :e Kibbuzim konnten sogar die Mittel aufbringen, um geeignete Chawerim zur Ausbildung auf ansländische Konserv at״rn 11 zu schicken. Ferner bemüht sich das Kulfiirauit des Kibbuz 1 lameuciiad tun die Musikarbeit in den Kibbu/iin, unk in es von Zeit zu Zeit die neuesten Liederkonipositkanal p.ii.i-tiiien-ischcr Komponisten in Heften gesammelt ln raiis.Jbt, und cs wäre eine dankbare Aufgabe, wenn es dieses auch auf Orchesterwerke ansdehnen würde. W e r 11 e r L e s s, Plugath uederah Die Kulturabteilung des Waad Letimi hat einen Chor ins Lehm! gerufen, der sich mit jüdischer Musik im weitesten Kinne befassen soll. ,Man drirhte also an Syltagogenchöre, clia'-idis die N'igemiun, Volkslieder, Lieder jiidischer Komponisten der kla.-sNclten Musik, Lieder neuerer Komp t.ii. ici], die jüdische bieder komponierten und vor allem Lieder junger palästinensischer Komponisten, deren Kom- Positionen man so vielleicht manchmal /tun ersten Male zu Gehör bringen wurde. Der Chor soll sich einmal zu einem wichtigen Klangkörper innerhalb des hebräischen Teiles des Radios entwickeln, aller auch darüber hinaus soll er zur Geltung kommen. An das Radio hatte man in erster Linie gedacht. Als Leiter dieses Chors wurde Max Lampe I bestimmt, der nicht nur als Chordirigent in Palästina eine lange Erfahrung hat, sondern auch das Können und das sichere Urteilsvermögen eines begabten Musikers besitzt. Da er in der Singbewegung des Landes heute mit an erster Stelle steht, so konnte e״ für den geplanten Chor keinen geeigneteren Leiter geben. Im Dezember begann l.antpel mit der Zusammenstellung der Leute, die auf Grund einer kleinen Aufnahmeprüfung des Gehörs und der Stimme angenommen wurden. So war gleich bei Beginn für ein gewisses — wenn auch noch sehr bescheidenes — Niveau gesorgt. Lampel verstand es gut, die einzelnen Leute an die Arbeit zu fesseln. Am 1. April trat der Chor zum ersten Male vor das Mikrophon und damit vor die Öffentlichkeit. Das Echo dieses ersten Versuches war recht günstig. All vielen Orten des Landes hafte inan diesem jungen Chor gelauscht und Gefallen an ihm gefunden. Zu Schawuotli sang der Chor wieder im Radio, ebenso brachte er eine jeweilig: Wiederholung des Programms in der Jugendstunde. H.S. Der Oberrichter von Palästina, H. A. Trusted, hat in Begleitung des Chefregistrators Hojan das Städtische Gerieht in Tel Aviv inspiziert. Er wurde von dem Gerichts- Präsidenten Shaw, dem Oberpolizeirichter Commander Bodilly und Polizeirichter Zucker in an empfangen. Jerusalemer Kunstberidit In den Räumen des Palästina-Konservatoriums zeigt die Plastikerin und Graphikerin Jane Schacherl, die seit einem Jahr in Jerusalem lebt und arbeitet, Plastiken und Federzeichnungen, die teils hier entstanden, teils noch aus Florenz (dem früheren Domizil der Künstlerin) mit ihr ins Land gekommen sind. Man merkt es den Arbeiten Jane Schacherls nicht an, daß sie jahrelang in Italien lebte. Die verschwenderische Fülle plastischer Schönheit Italiens, die Anmut und Beschwingtheit oder strenge Grazie seiner Skulpturen berührten sie nicht. Jane Schaclterls Skulpturen (in getöntem Kunststein gehalten) sind von gewollter Primitivität, die zuweilen an Negerplastik gemahnt. Sie geht in der Herbheit und Starre der Form so weit, daß sie auf Details (der Gesichter zum Beispiel) völlig verzichtet, wodurch oft der Eindruck der Leblosigkeit entsteht. Zugänglicher sind Jane Schacherls Landschaften, in eigenwilliger Kombination von Feder und Pinsel, zuweilen sogar koloriert, ausgeführt. Neben Ansichten Toscanas, unter denen vor allem eine Darstellung der Stadt Florenz aus der Vogelschau zu erwähnen ist, gibt die Künstlerin reizvolle Ausschnitte aus Gärten und Häusern Jerusalems. Die Aktstudien hingegen sind mit der Schwere ihrer Skulpturen belastet und von einer allzu entschlossenen Gegnerschaft gegen das Schöne in Linienführung und Formge Innig getragen. Die Bücherstube ״Heatid“ konnte nach längerer Pause ihre Vortragsabende wieder aufnehmen, nun in ihren eigenen Räumen in der Ben-Yehudastraße. Wolfgang Eimnuel Ollendort sprach über den Begriff des Wunders in der tcligionspliilosophisclien Konzeption Oskar Goldbergs, des Verfassers der ״Wirklichkeit der Hebräer“. Der forma! überaus gelungene und problemreiche Vortrag wies auf den fundanicntalen Unterschied zwischen Glaubensreligion und antiker Experimentalreligion hin und auf die Verschicdennrtigkcit der daraus resultierenden Wunder begriffe. In der überaus regen Diskussion trat vor allem Professor Dr, Gerhard Scholen! als Gegner der Goldbcrgschen Konzeption hervor. S c 11 a I o m B e n - C 11 o r i n Kammermusik in Rechowoth. Der erste Kammermusik- Abend i!1 dieser Saison bewies nicht nur die vorzügliche Eignung des Beth-Am auch für Kammermusik, sondern muß auch hinsichtlich der für eine Moschawa hohen Besucherzahl (über 300) und des dargebotenen Programms als ein Erfolg bezeichnet werden. Zu den bereits bestehenden Quartett- Vereinigungen, die sich aus Mitgliedern des Palästina-Orchesters rekrutieren, ist eine neue hinzugekommen, die von dem früheren Konzertmeister des Berliner Kulturbundes, Basia P o I i s c 11 u k, geführt wird. Dieser stellte sich kürzlich im Bunde mit seinen Quartettgenossen Hammerschlag, Grün sc 11 lag, Odnopossof dem Rechowother Publikum vor. Es wurden Quartette von Haydn und Tschaikowsky, sowie ein selten gehörtes Sextett von Mozart unter Mitwirkutig der beiden Hornisten des Huberman-Orcliesters Salomon und Tibor zum Vortrag gebracht. Es muß gesagt werden, daß dieses junge Quartett unter der Führung seines hervorragenden Printgeigers Polischuk zur Interpretation russischer Kammermusik geradezu prädestiniert ist. Seiton hat man das berühmte Andante cantabile des Tschaikowsky-Quartetts so formvollendet gehört wie in dieser Auffiihrung. In dem Sextett von Mozart vermißte man jedoch jenes ״Göttlich-Naive“ im Spiel, das ein Charakteristikum Mozarts ist. Scew Eisner Der Rabbiner von Pardess Hanna, Raw Mosche Eliiahu Birnbaum, starb nach einer kurzen Krankheit. Der Verstorbene, der vor seiner Einwanderung nach Palästina Rabbincr von Bilbatov (Polen) war, gehörte zu der Gründergruppe des Misrachi. Palex-ReisebUro In Haifa. Die Palestine Express Co. Ltd., Jerusalem, hat atn 1. Mai ihr Büro in Haifa eröffnet, und zwar im New Business Centre, Haus Carmel Oriental. Organisierte Touristik Für denjenigen, der zum ersten Male nach Palästina kommt, ist es außerordentlich schwierig, kostspielig und zeit״ raubend, allein den Weg durchs Land zu finden, auf dem er am gründlichsten mit dem Wesen und Werk Erez Israels vertraut wird. Es sei darum an dieser Stelle — aus der Erfahrung gesprochen — auf die bisher noch zu wenig aus* genutzte Möglichkeit der Rundreisen des Palestine & Egypt Lloyd hingewiesen, bei denen der Reisende in zehn Tagen ohne allzu große Anstrengungen durch die wesentlichsten Gebiete Palästinas geführt wird, wobei eine sachverständige Führung dafür sorgt, daß nichts Wichtiges übersehen wird. Die Rundreise nimmt ihren Ausgang von Haifa und führt über Naharia nach den historischen Stätten in Meron, Safed! und weiter über das Hulegebiet nach Kapertiaum lind Tiberias. An den Ufern des Kineret)! geht es entlang nach Dcganiah und den neuen Moschawoth im Beisan-Gebiet und von dort aus über Beth Alpha, Tel Josef und Ejn C'narod zurück nach Haifa. Der zweite Teil der Rundreise führt von Jerusalem über Ben Schemen, Neß Zionali, Giwath Brenner lind Rechowoth nach Tel Aviv. Der letzte Teil der Fahrt gilt der Besichtigung des Scharon: Petach Tikwah, Rodges, Ramofh Haschavirn, Nataniah, Klar Jedidjah heißen die wichtig״ steil Stationen dieser schönen Reise. Die bloße Aufzählung der Orte, in die man gelangt, gibt aber noch keinen Eindruck von der Reichhaltigkeit und Eindriicksfiille des Gesehenen. Diese Kreuz- und Querfahrten; durch Palästina vermitteln dem Touristen vor allem ein Bild] von der Gegensätzlichkeit des Landes, von den beängstigenden! Steinwüsten und den blühenden Ebenen, von den rninenliaftj wirkenden arabischen Städten und den sauberen jüdischen' Siedlungen. An allen Orten wird dem Reisenden die un-j gchetire geschichtliche Geladenheit dieses Landes bewußt;; vor allem aber erhält er durch die planmäßige Rundfahrt1 einen Uebcrbiick über jüdische Leistung und einen Einblick in das tägliche Schaffen. Dadurch, daß auf dieser Fahrt mehrfach in Kibbuzim die Mittagmahlzeit eingenommen wird, ist auch dem kürzer im Lande Verweilenden die Möglichkeit gegeben, mit den Menschen der Siedlungen in Fühlung zu kommen. Von den Bequemlichkeiten, die eine solche Rundfahrt mit sieh bringt, sei geschwiegen; es ist klar, daß man auf diese Weise sehr viel leichter an entfernteste Punkte gelangt, zu denen der Zugang sonst schwierig ist. Wer nach dieser Rundfahrt seinen eigenen Interessen gemäß dann weitere Reisen durch das Land unternimmt, wird sich viel sicherer und besser gerüstet fühlen •—■ ein Gewinn, der nicht zu unterschätzen ist. Allen Palästina-Neulingen kann deshalb angeraten werden, sich zuerst in die Obhut der Oeseilschaftsfahrten zu begeben, die ihn durch die Anschauung für selbständiges Reisen besser vorbereiten, als cs Bücher vermögen. Dr. G. Neumann Furchtbarer Mord in Tel Aviv Ein brutaler Mord ereignete sich in Tel Aviv, bei dem vier Menschen ihr Leben verloren. Abraham Misha• loff, ein Mann von 35 Jahren, erstach seine OSjährigd Mutter, seinen 22jährigen Bruder, seine 25jährige Schwester und seinen 50jährigen Onkel. Die letzterwähnten drei Per• sonen kamen sofort ums Lehen, während die Mutter später starb. Der Mörder versuchte zu entkommen, was ihm aber miß* lang. Er wurde von einem Hilfspolizisten gefangen genommen, Die Familie Mishaloff, die aus Polen stammt, «änderte 1926 in Palästina ein. Famllien-Nachrichten! Frau Pauline Bobreck'er, geb\ Guttmann,^ Risthon le Zion, begeht am 20. Juni den 70. Gehaltstag. (Schluß des Paiästinateiis)

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