Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 42 (28.5.1937)
- Date
- 1937-05-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Ankara 1× ep/1044026
- Beirut 1× ep/1047833
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Nr, 42, 28. V. 1932׳!JÜDISCHE RUNDSCHAU Seit« 5 Die p anarabische Idee Pressescbau ln der englischen Wochenschrift ״Spedator" (London) veröffentlicht der auch i!1 Deutschland von früher her bekannte Schriftsteller Rom Landau auf Grund einer Studienreise eine Artikelserie über die arabischen Länder. Der letzte Beitrag, datiert aus Damaskus, behandelt die Rolle der anarabischen Idee in Syrien. Landau ist der leinung, daß das panarabische Ideal das ganze Denken in Syrien heute beherrscht und das Gewicht eines fast religiösen Glaubens hat, obwohl die führenden Politiker sich durchaus darüber klar sind, daß der Verwirklichung dieser Idee große Schwierigkeiten entgegenstchen und daß Syrien selbst für die nächste Zeit ganz andere praktische Aufgaben und Sorgen hat. Ich fragte, so erzählt Landau, einen ehemaligen Premierminister von Syrien, ob der Panarabismus, der doch nur ein politisches ״Ideal ist, die alten geistigen und religiösen Ideen ersetzen könnte, worauf dieser antwortete: ״Ethik, Religion und Panarabismus sind so eng miteinander verwoben, daß man sic gar nicht voneinander trennen kann. Der Panarabismus ruft mehr als irgend etwas anderes die besten Qualitäten in jedem Araber hervor: Idealismus, Mut, Opferbereitschaft. Heute sind alle anderen geistigen Dinge für uns rein abstrakt, und wir werden für sie erst Zeit finden, wenn unsere Kräfte nicht mehr für die Erreichung der allarabischen Zusammenarbeit benötigt werden.“ Zwei Bemerkungen in dem Artikel von Landau seien noch erwähnt. Er hat die Erfahrung gemacht, dal) die meisten Engländer meinen, der Libanon sei ein Teil von P a 1 ä - stina. (ln Wahrheit ist die Republik Libanon ebenso wie Syrien ein eigener Staat unter französischem Mandat, mit Beirut als Hauptstadt.) Unter den Kräften, die zur Entwicklung des ganzen Vorderen Orients auf allen Gebieten Uncrmeßliebes beigetragen haben, sei an erster Stelle die Amerik an i sc he Universität in Beirut zu nennen. Führende Staatsmänner in sämtlichen arabischen Staaten von Irak bis Saudi-Arabien sind Graduierte dieser Universität. Landau erzählt, daß er an einem Sonntag morgen den Präsidenten der Universität, Dr. Dodge, zum Gottesdienst in die Kapelle begleitete und das wunderbare Orgelspiel bewunderte, worauf Dr. Dodge lachend erwiderte: ,,Dies ist wahrscheinlich die einzige christliche Kapelle in der Welt, in der ein russischer Jude die Orgel spielt.‘1 Wir haben in der letzten Zeit öfter darauf hingewiesen, daß viele Kenner der vordcrorieutalischen Politik den Eindruck haben, die Bedeutung der panarabischcn Idee sei in der letzten Zeit gesunken. Einer unserer Mitarbeiter hat in der ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 32 ausführlich diese Beurteilung dargelegt und auf die Gegenkräfte hingewiesen, die der Durchsetzung des Panarabismus entgegenstchen. Eine wichtige Rolle spielt dahei die neue Türkei, die nach Durchführung der inneren Konsolidierung stärker als bisher in die Weltpolitik eintritt und einen großen panarabischcn Staat an ihrer Südgrcnzc nicht wünscht. Die konkreten Gegensätze zwischen Türkei und Syrien sind bei der Behandlung der Frage des Sandschaks A1 e xan'd r e 11 e zum Ausdruck gekommen, wo türkische und arabische Interessen einander direkt gegenüberstehen. Gerade jetzt wird diese Frage in Genf wieder behandelt, wobei die Türken sich bemühen, das arabische Element -zurückzudrängen, während die Völkerbunds-Kommission ‘Gleichberechtigung für die Araber fordert. Es entsteht die Frage, ob diese Gegensätze zwischen türkischen und arabischen Interessen von bleibendem Einfluß auf die weitere Entwicklung sein werden. In dieser Hinsicht ist ein Artikel der ״Frankfurter Zeitung“ über das Bündnisnetz in Vorderasien bemerkenswert, der auf die unseren Lesern bereits aus mehrfachen Darlegungen in der ״Jüdischen Rundschau“ bekannten Beziehungen zwischen den Staaten des Vorderen Orients von Kabul und Ankara bis Kairo (Afghanistan, Iran, Irak, Türkei, Saudia, Jemen, Transjordanien, Syrien, Äcgypten) hinweist, die untereinander ein ganzes Netz_ von Verträgen geschlossen haben. Lieber das Verhältnis von Arabern und Türken schreibt in diesem Zusammenhang die ״Frankfurter Zeitung“: ״Die \orglin״e in Arabien sind nicht von der größeren Block'- Bildung zu trennen, die von der Türkei in Fluß gebiarht worden ist. Es b e s t e 111 kein Zweifel, daß an einer politischen Annäherung z w i s c h c n A n k :1 r a und den arabisc h e n Staaten gearbeitet wird. Auf dem Weg zu diesem Ziel sind allerdings Gegensätze zu Überbrücker!, die vor allem in Syrien bestehen. Schon vor zwei Jahren wurde in Genf zwischen der Türkei, dem Irak und Iran ein Niclitangriffsvertrng paraphiert, dem sich Inzwischen auch Afghanistan angeschlosscn hat. Käme dieser Vier• müehtcblock zustande, so wäre eine wichtige Brücke nach Arabien geschlagen. Obwohl es unter den Völkern des Nahm Ostens auch jetzt noch nicht an inneren Spannungen fehlt, so zeigt sich doch mit dte-cm sich nusdehnenden Vcrtragsnetz eine politische Sammlung an, die für die Zukunft des ganzen Orients von Bedeutung ist.“ Wie immer diese schwer durchschaubaren diplomatisehen Verhältnisse liegen mögen, das eine muß wohl vom Standpunkte Palästinas nachdrücklich gesagt werden, daß es ein F e 111 e r wäre, die Bedeutung der panarabischcn Idee als geschichtsbiidender Kraft nur nach momentanen Einzel- Situationen zu beurteilen. Ein Buch zur Araberfrage Paul Schmitz-Kairo: ״Neubau der arabischen Welt“. Bücherreihe ״Weltgeschehen“. — Verlag Wilhelm Goldmaim, Leipzig. In der Reihe ״Weltgeschehen“, von der an dieser Stelle bereits mehrere Bändchen besprochen wurden, ist eine kleine Arbeit über die Wandlungen der arabischen Welt seit der Vorkriegszeit, insbesondere in den letzten Jahren erschienen. Der Verfasser gibt an Hand der einschlägigen deutschen und 'englischen Literatur eine übersichtliche Zusammenstcllung über den Verfall des islamischen Orients, besonders des türkischen Reiches, über die Vorgänge wälirerid des Weltkrieges und schildert sodann die Ereignisse in Inncrarabicn, den Aufstieg Ihn Sauds, die Vorgänge in Syrien und Irak und auch in Palästina. Die Darstellung ist bis in die letzten Wochen hinein fortgetiihrt. Dahei ist der Gesichtspunkt des Verfassers Sympathie für die Freiheitsbestrebungen des islamischen Orients. Die Haltung der europäischen Mächte, besonders Englands und Frankreichs, wird teilweise kritisch behandelt. Der Gedanke der panarabischen Idee wird im Schlußkapitel als eine wichtige Zukuiiftshoffniing und zugleich als eine für das Schicksal der ganzen Welt bedeutsame Tatsache clargestellt. Im Kapitel über die englisch-arabisc he Front im W e 11 k r i eg erwähnt Schmitz u. a. die Bnlfour-Deklaration, die für England dazu dienen sollte, die Macht der schweissblätter fabriziert als Spezialartlkel JACOB 6RUBNER Gummlwaronfabrik Nettorti!•. 8-9 ״jüdischen Internationale“ vor den Wagen seiner Politik zu spannen. Das Kapitel über Palästina ist entsprechend von Sympathie für die arabische Seite getragen. ״Das internationalc Judentum in seiner zionistischen Prägung“ sei für Palästina interessiert worden. England habe niemals die Absicht gehabt, in Palästina einen jüdisch-zionistischen Staat zu errichten (was zumindest für eine gewisse Periode in der Kriegszeit nicht zutriffi). Schmitz bdiauntet sodann, daß die jüdische Einwanderung in Palästina auf Kosten des arabischen Volksteils sich neuen Lebensraum geschaffen habe. Das arabische Volk sei im Namen des Rechts und der Gerechtigkeit vergewaltigt und i!1 seinem Lebensraum eingeengt worden. Die große Einwanderung seit 1030 habe zu einem nackten Existenzkampf mit den Arabern geführt, da ein Teil des Kulturlandes, auf dein die Fellachen saßen, an Juden verkauft worden ist. Schmitz behauptet sodann, daß im Jahre 1033 IS ODO arabische Bauernfatnilicn zu viel im Lande waren, wollte man einen gesunden arabischen Bauernstand haben. Seitdem hätten sich die Verhältnisse weiter verschlechtert. Diese Angaben, die wohl auf gewisse Schätzungen des Berichtes von Sir John H o p e - S i in p - son zurückzuführen sind, wurden in der Zwischenzeit bercits als durchaus unbegründet nacltgowicscn. Schmitz glaubt, die arabische Einwanderung nach Palästina in den letzten 10 Jahren auf 100 000 Menschen ansctzen zu können, eine Zahl, die 1ms weit über dem tatsächlichen Niveau zu liegen scheint. Die Lage des Arabcrtums habe sich von Jahr zu Jahr trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs iin jiidisehen Sektor verschlechtert — ein Widerspruch zu der vorhergehenden Behauptung, da ja die arabische Zuwanderung durch die wirtschaftliche Blüte Palästinas veranlaßt wurde. Schmitz schildert sodann im großen ganzen zutreffend die Ereignisse des vergangenen Jahres und 20 i ze ■ ALLIGATOR d q v' sind g u t e t e der wo . c n UNSERE VERKA Bprlin, Taurnlticnstrnßc 16 Hamburg, Jun5־׳f<*rn*tir43 ״ Köln a. Rh., Hohe Stvnße 115 Essen, LimbeckerstraÖc10 ־ W u p p e r t a! * E! l> e r I FSGESC HAFTE: Essen, Am Hnuplbahnhof 10 Bochum, Knrturnstraße 67 Frankfurt -M., Rußmarkt 15 , Zcuirale: Offenbach *• M. eld, Hwrzogstraße 36 meint, daß die politischen Forderungen der Araber darin begründet seien, daß die jüdische Arbeit trotz der Konjunk• turvorteile, an denen auch die Araber einen gewissen An• teil haben, letztlich auf ihre Kosten gingen. Das Arabcrtun» verliere nämlich seine Heimat an die Einwanderer. Iin SchluOkapitel über die panarabische Idee weistSchmit! nochmals auf Palästina hin. Die Vorgänge in diesem Land« seien heute im Bewußtsein aller Araber eine gesamt• arabische Angel e g e 11 11 e i t geworden, unu ihr Ge« fühl sympathisiere überall mit den arabischen Brüdern. AucH sei in der Vermittlungsaktiou der arabischen Fürsten di« gesamtarabische Haltung zum Ausdruck gekommen. Die Schrift von Schmitz ist ohne Zweifel für eine erste! Orientierung über die Vorgänge im Nahen Osten wertvoll, wenn es auch wünschenswert wäre, dal) die Darstellung nicht durch Sympathie und Antipathie beeinflußt würde, die: im Falle Palästinas zu gewissen Ungenauigkeiten geführt haben. oej Jüdisches Leben In Frankreich Von unserem Berichterstatter K. Paris, im Mai 193t Auf der letzten Sitzung des Zentralkomitees des Keren( Hajessod hat der bisherige Präsident I>r. L, Z a d o c k « Kahn den Vorsitz niedergclegt lind wurde zum Ehren• Präsidenten ernannt. An seiner Stelle ist der bekannte jü• diseltc Ar/t, der besonders auf dem Gebiet der Säuglings׳•( pflege in I׳"r.־mkreich ttihi'.inl ist, Dr. B. W e : I 1 -11 a 1 1 eJ zum Piäsideiilcn des trau/ )>ocin 11 Keren Haje>׳-od ernannt« Das von den judu/lun Gemeinden in I rankreich ge« gründete ״Centre de Yigilance et de Documcntation“ hat jetzt seine A b w e ii r a r b e i t gegen die antisemitische Be« weguug in Frankreich eröffnet. Das Komitee hat insbeson■^ dere eine Anzahl von Versammlungen in der französischer( Provinz abhalten hissen, in denen sich niditjudische und jüdische Redner mit den Angrit ten auf die französischen Juden auseinandersetzten. In ‘einem Monatsbulletin weist das Komitee darauf hin, daß die antisemitische Agitation in Nordafrika wieder ziigenommen hat. Verschiedene _ anti« semitische Agitatoren sind von den französischen Gerichten zu Geldstraten verurteilt worden, aber diese Urteile blieben( wirkungslos. Besonders in Uran ist die Lage gespannt. j Wie in dem offiziellen Festprogramm der Pariser Aum Stellung nutgeieilt wird, wird die ״H a h i 111 a 11“ vom 16. bi» 30. Oktober 1937 in dem neuerbauten Theater des Troca« dero, das nach dem Umbau der größte Theatersaal von Paris sein wird, ein Gastspiel «!!halten. Außerdem wird im Rahmen der Ausstellung der palästinensische Tänzer Rina Nikova mit einer Truppe von jemenitischen Tänzern auftrden. Um! die Reise dieser Truppe nach Paris zu ermöglichen, ist; in Palästina ein Komitee gegründet worden, das unter derrl Vorsitz des französischen Konsuls in Palästina, Viconit# d’Aumale, steht. i Der französische Scoutverband hat jetzt nach langem! Zögern auch die jüdische Scoutorga 11 isation.ini Frankreich, die ״Eciairetirs israelite Franyais“, ,als seibstandigd Organisation im Rahmen der französischen Scout bewegungs anerkannt. Bisher hat die Spit/enorganisation nur katholischeJ protestantische und neutrale Föderationen aufgenommen. —4 Die jüdische Jugendbewegung in Frankreich wird jetzt ein] ständiges Jugendlager in der Nähe von Paris erl1aiten.| Dank der Unterstützung durch einen sefardischen Juden,t Robert B a 11 s i, wird den jüdischen Jugendorganisationen in! Frankreich das Schloß Chateau de .Meaule (33 km vom Paris entfernt) als Jugendheim zur Verfügung gestellt werden« Es handelt sieh um eine Besitzung von 02 ha, auf der Spiel« und Sportplätze usw. sowie Schlafsüle angelegt werden. Nachdruck verboten AU« (auch Uebersetzung-s•) Rechte Vorbehalten ■ - -- ßo>na>vtrrilagit iwh CHA3l/V\SCHWARZ DcrTcilooue ft^l QQ1I7 2w«iter Teil; 111ר D13 V4b (Schluß) Seine Ruhe wirkte auf die andern zurück und auf den Araber selbst. Nach ein paar Worten meldete Akiba auf hebräisch: Er verweigert die Aussage, er will nur vor der Polizei sprechen. Leibesvisitation, schrien alle. Scheket, sagte Akiba und wandte sich wieder dem Araber zu, um ihm ein dickes Notizbuch aus der Tasche za ziehen, das sich beim Oeffnen als mit arabischen Zeichen vo]!geschrieben erwies. Ein verdächtiger Bursche, ein politischer Agent, schrien alle. Scheket, sagte Akiba und meldete nach einem kurzen Augenblick, daß der Araber Leibesvisitation nur der Polizei erlauben wolle, im übrigen auf das Delikt der Freiheitsberaubung 11 ingewiesen habe, dessen man sich schuldig mache. Auf das Auto, schrien alle. Zur Polizei. Er wurde im Polizeigriff auf das Auto geführt, alles stieg nach, das Auto sprang an, rollte davon, die wertvolle Beute nach Tel Ilamon führend. Welcher Araber kannte die Gesetze des Landes, den Begriff der Freiheitsberaubung? Man halte es zweifellos mit einem Vertreter der politisch arbeitenden arabischen Intelligenz zu tun, konnte ihm allerdings nichts nachweisen, falls das Notizbuch, das Akiba inzwischen eingesteckt hatte, keine Handhabe bieten würde. Im Lager ging der Araber frei voraus, Akiba hinterher. Man telephonierte vom Büro aus nach Schatta, nach einer halben Stunde kam ein arabischer Polizist geritten und nahm Protokoll auf. Der Festgenommene veränderte nicht einmal seine ruhige, traurig selbstbewußte Miene. Nur ein ganz schwaches entferntes Lächeln der Verlegenheit überflog »ein Gesicht, als der Polizist ihm aufmunternd auf die Wange klopfte, das Kinn hob, Mut zusprach. Dieser Mann, der angeblich nicht ein Wort hebräisch wußte und »einer Sprache nach den Eindruck eines richtigen eingeborenen Arabers machte, begann spät abends, als man die Polizeiwache in Schatta betrat, plötzlich ein perfektes Hebräisch zu entwickeln. Kallmann, der jüdische Polizeihauptmann, hielt ihn vierzehn Tage in Schatta, wo er die Blumen der Polizeiwache beoß und pflegte: Der Araber war ein geistesgestörter Jude, en man schon einmal in Bet Gimmel unter ähnlichen Umständen aulgegriffen halte. Der Schabbat war da, an dem ich zur Wacht sollte. Von den sechs Wächtern sollten vier ausgewechselt werden. Die vier neuen Wächter waren durchweg aus Deutschland, zum Teil unerfahren im Gebrauch der Waffen. Rasetzki bestellte uns um drei Uhr in sein Zimmer, Die Rechtslage der jüdischen Wacht war überaus eigenartig. Erfahrungen vergangener, stürmischer Jahre batten gezeigt, daß unter türkischem wie englischem Regime der jüdische Wächter, der verteidigte, schlechter daran war als der arabische Dieb, der angriff. Die Bevölkerung Palästinas war nach dem Krieg theoretisch entwaffnet worden. Praktisch waren die Araber mit erstklassigen Infanteriegewehren ausgerüstet. Sie waren ja nach dem Krieg einfach nach Hause gelaufen und hatten ilrre Waffen mitfenommen. Halte man in den!ergangenen Jahren nach den cuergefeehten in den Weinbergen den Tatort abgesucht, so hatte man scharfe, zum Teil abgeplattet« Gewehrkugeln gefunden, neben kleinen, blauen und roten angesengten Papphülsen vor! den Juden. Denn die jüdische Wacht, die zur Benutzung legaler Formen genötigt war, konnte sich nur des Schrotgewehres bedienen, des leichten Kalibers für Hübner un I Enten. Es war die erste Groteske. Die zweite Groteske beruhte auf dem juristischen Unterschied zwischen dem Angreifcrclelikt und dem Verteidigerdelikt: Das Angreiferdelikt war der Felddiebstahl, zehn Tage Arrest, das Verteidigerdelikt war die Körper- Verletzung, fünfzig Pfund oder ein halbe» Jahr Gefängnis. Der Felddiebstahl beim Juden war für den Araber lohnend, am nllerlohnendsien dann, wenn er verletzt worden war. Er ging zur Polizei, bekam zehn Tage Arrest, erhielt gleichzeitig fünfzig Pfund Entschädigung für die Wunde. Wegen dieser ganzen Verhältnisse batte sich' die jüdische Wacht den Gedanken an Beistand de» Gesetzes längst abgewöhnt. Es gab nur eine Parole, die uns Rasetzki auch mitteilte: Bringt sie lebend heim. Packt sie mit den Händen. Aber wie sollte man sie mit den Bünden packen? Hockten sie nicht im Dunkel der Weinstöcke mit dem Messer und sahen uns, noch bevor wie sie sahen? Die Hauptsache war, leise und langsam zu gehen, viel stehen zu bleiben und 7.« horchen. Bei verdächtigen Geräuschen sofort auf den Boden, der Geräuschquelle entgegenkrauchen. Entschließe dich nie•- mals zum Schuft. Selbst, wenn du sicher bist, einen ara• bischen Dieb vor dir zu haben, krauche noch näher heran und versuche, ihn zu überrumpeln und zu ]Kicken. Du darfst nicht vergessen, daß es Liebespürehen gibt, ausgerückt« und herumlaufcnde Pferde, Füchse und vielleicht mal eina Hyäne, die am Weinstoek steht und deine Kugel nicht werfe ist. Sei eiskalt, bemühe dich, in vierzehn Tagen die sechs Kugeln deines Trominelrcvolvers so zurückzuliefern, wie du sie bekommen hast. Das waren Lage und Gebote der jüdi■׳ sehen Wacht. Ich war angeordnet mit Sclilcinncrlc, jenem Schlosser, der damals Brandmeister in Midbaria gewesen war und neulich meinen Bericht über die Stadt sekundiert hatte, Kerem Waw ist der große zentrale Weingarten, der fast di« Länge eines Kilometers hat und unmittelbar am Berg liegt, an detn breiten, befahrbaren Feldweg, neben dem der neu« Zaun lief und auf dem im vorigen Jahr die Diebe mit Maul• «sein und Karren gekommen waren und unter der Deckung ihres Infanlericgevvehrfeiicrs abgeschleppt hallen, was siefil schleppen ließ. Parallel zu dem Zaun, in Längsrichtung, zielten sieb die Reihen der Weinslücke hin, werden unter• brocken durch senkrecht hinaufführende Quer- und Haupt• wege. An einer bestimmten Stelle schließt sich unterhalb' des Kerem der schwarze Wald des Orangengartens au, deckt mit seinen Schalten die Gespenster der Nacht. Zwölf Nächte blieb alles ruhig. In einer kalten, unge* mütlichen Stimmung, entschlossen, mit Vernunft so lang« durelizuhalten wie möglich und an keine Schauerlcgenden zu glauben, fuhr ich am Schabbat um sechs Uhr mit den übrigen Wächtern hinunter, spannte in der Dämmerung neben Kerem Waw die Pferde aus, gab ihnen Futter, schloß ja eins ihrer Hufe mit Vorhängeschloß an den Wagen, lud den Revolver, wartete mit Schleumerle auf das Auto der Tnuwa, das mit Scheinwerfern im Dunkeln herunknm, reicht«! die Kisten der Ernte hinauf und ging schließlich, als daaj Auto wieder abgefahren war und tiefes Schweigen und Finsternis zurückgelassen hatte, in fünf Meter Abstand hinter: dem ge wehrtragenden Schleumerle die Glinge zum Weingarten!' hinauf, vorsichtig abftretend, oftmals Schritt und Atem an• haltend und lauschend, in einer Stimmung weder von Mat noch von Angst, sondern ganz und gar auf Schleumerla vertrauend und mich selbst sozusagen ausschaltend. i :1 m