Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 41 (25.5.1937)
- Date
- 1937-05-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41, 25. V.1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Notizen aus Holland Von unserem Berichterstatter RL. Den Haag, 22. Mai Selbständige Arbeit von Ausländern Das Gesetz zur Regelung der selbständigen Berufs- und Betriebsausübung durch Ausländer vom 22. April 1937 ist nunmehr verkündet worden und in Kraft getreten. Nach der endgültigen Fassung wird unter selbständiger Berufs- und Betriebsausübung verstanden jede berufliche oder gewerbliehe Tätigkeit mit oder ohne materiellen Vorteil, soweit sie nicht Arbeit im Sinne des Ausländer-Arbeitsgesetzes ist. Darunter fällt auch die Ausübung einer Funktion bei Aktiengescllschaften, Genossenschaften, Stiftungen oder anderen juristischcn Personen, die in der Regel einem Vorstandsmitglied übertragen ist. Das Gesetz ist jedoch ein Ermächtigungsgesetz, das solange nicht praktisch wird, als nicht die dem Genchmigungszwang unterworfenen Gewerbezweige und Berufsgruppen im Nederlandschen Staatscourant bekannt gemacht sind. Fs können nicht nur selbständige Gewerbetätigkeit, sondern auch Tätigkeiten zugunsten Dritter der Genelimigungspflicht unterworfen werden. Es ist zu erwarten, daß dieses Gesetz für viele Fremde, die in Holland selbständig arbeiten, von einschneidender Bedeutung werden wird. Es wird aber vor allem davon abhängen, welche Gesichtspunkte bei der Genehmigungspraxis maßgebend sein werden. P&rlamentswahlen Am 26. Mai finden in Holland die Wahlen zur Zweiten Kammer statt. Die Zahl der Abgeordneten ist auf 100 beschränkt. Gegenüber de« letzten Wahlen im Jahre 1933, die noch 53 Listen brachten, stehen den 4*ä Millionen Wählern heute 20 zur Auswahl, von denen auch nur ein Teil ernste Aussichten hat. Der Wahlkampf, der ohne allzu große Erregung geführt wird, konzentriert sich auf einen Kampf um die Person des jetzigen Ministerpräsidenten C o I i j n, der der Chef einer nationalen Konzentrationsregierung ist, die aus Angehörigen der römisch-katholischen, der antircvolutioniircn, der christlich-historischen, der liberalen und der freisinnigdemokratischen Partei besteht und eine breite Schicht des holländischen Volkes vertritt. Seine besondere Note bekommt der Wahlkampf dadurch, daß die Nationalsozialistische Bewegung (NSB.) des Ingenietirs Müsse rt zum ersten Male Kandidaten für die Zweite Kammer stellt. Damit hat auch die Judenfrage eine gewisse Bedeutung bekommen. Zwar leugnen die Führer dieser Bewegung, daß die Bewegung grundsätzlich antisemitisch, wäre, aber in der Propaganda kommt immer wieder eine gewisse anti jüdische Note zum Vorschein. Allerdings sind diese Fragen von sehr untergeordneter Bedenhing gegenüber den politischen und wirtschaftlichen Fragen des Landes, die allein den ausschlaggebenden Diskussionsgegenständ bilden. Bemühungen am Juden aus Deutschland Gelegentlich des Scliawuoth-Festes hat der Amsterdamer Oberrabbiner L. H. Sarlouis sielt in einem in holländischer und deutscher Sprache abgefaßten Schreiben vor allem auch an die Juden aus Deutschland gewandt und zum Zusammen- Schluß in der alten Einlieitsgemeindc aufgerufen, ״die jedem einzelnen die Möglichkeit gehe, auf der unerschütterlichen, erprobten traditionellen Basis den unvergänglichen Lebens- ,Wahrheiten des Judentums nahe zu kommen,“ Beigefügt waren Informationen über den Aufbau der jiiäischcn Gcmeindeorganisatiou in Holland und insbesondere in Amsterdam. Daraus geht hervor, daß zur Zeit in Amsterdam 13 Rcligionsschtilen, 3 jüdische Fröbelschulen, 4 jüdische Volksschulen, eine jüdische Mittelschule und eine jüdische höhere Unterrichtsanstalt (H. B. S.) bestehen. Auch die in deutscher Sprache geschriebenen Artikel, die in jeder Nummer des ״Centraalblad voor Israelicten in Nedcr- 1a!1d“ erscheinen, diene« den Bemühungen um Einordnung der Juden aus Deutschland. Die Jahrhundertfeier in Paramaribo Am 5. Mai beging die Gemeinde von Paramaribo, der Hauptstadt der holländischen Kolonie Surinam in Südamerika, die Jahrhundertfeier der Einweihung ihrer Synagoge. Am Festgottesdienst nahm auch der Gouverneur teil. Die jüdische Siedlung in Surinam ist jedoch viel älter. Um die Mitte des 17. jahrluinderts kamen Marranen in diese damals englische Kolonie und erhielten dort das Recht auf Gemeindeautonomie und freie Religionsausübung, das ihnen auch beim Uebergang Surinams a!1 die Holländer (1667) crhalten blieb. Später zogen sie zusammen mit Pflanzern aus Brasilien ins Innere des Landes und schufen dort die ״Joden- Savanne“, die vor allem durch den Zuckeranbau Bedeutung gewann, später aber verfiel und im vorigen Jahrhundert ganz aufgegeben wurde. Seit dem Jahre 1735 bestehen dort eine sefardische und eine asclikenasische Gemeinde. Die damals bestehende Svnagoge kam an die Aschkenasim und wurde vor hundert Jahren durch die neue Synagoge ersetzt, deren Einweihungsjahrhundertfeiet jetzt begangen wurde. Die Zahl der Juden in Surinam beträgt heute etwa 700. Besuch der Königlichen Familie in Amsterdam Gelegentlich des festlichen Besuches der königlich;1 Familie, den sie der Hauptstadt Amsterdam zum ersten Male nach der Hochzeit der Kronprinzessin J u I i a n a abstattet, wird am 13. Juni auf dem Jonas-Daniel-Meyerplein, an dem die großen Synagogen stehen, eine Gesanghuldigung der Amsterdamer jüdischen Jugend stattfinden, an der 1200 Kinder teilnehmen werden. Eine Ehrung König Georg VI. hat nach dem Krönungsbankett in der Guildhall, an dem die gesamte königliche Familie teilnahm, den jüdischen Stadtverordneten F. J. C. Politzer, einen der Sheriffs der Stadt London, in den Ritterstand erhoben. In der Regierungszeit der Königin Viktoria waren zwei Mitglieder der Familie Politzer, Sir Benjamin Phillips und sein Sohn Sir George Faudel-Phiilips, Oberbürgermeister von London. Die AffHre Szalasi. In Budapest stand nach einem Berieht des ״Pestcr Lloyd״ der pensionierte Major Franz Szalasi vor dem Strafgericht. Er hatte eine Flugschrift herausgegeben, die als periodische Zeitschrift fortgesetzt werden sollte, in der das Programm der von ihm gegründeten ״Partei des Nationalen Willens“ erörtert wurde, wobei scharfe jitdenfeindliche Angriffe vorgebracht wurden. Szalasi war wegen konfessioneller Aufreizung in fünf Fällen und wegen des Vergehens des Umsturzes in zwei Fällen angeklagt. Der Staatsanwalt erhöh noch eine dritte Anklage wegen Schmähung der Nation. Das Urteil lautete wegen konfessioneller Aufreizung auf einen Monat Gefängnis; von den übrigen Beschuldigungen wurde der Angeklagte freigesprochen. Die rumänische Judenfrage Der ״Völkische Beobachter“ kündigt eine Untersuchung über die Judeiifrage in Rumänien, der Tschechoslowakei und Polen an und veröffentlicht in den Ausgaben vom 22. und 23. Mai Berichte seines Korrespondenten in Bukarest über ״Das Judentum in Rumänien“. In den Artikeln wird zunächst gesagt, daß das Judentum in den letzten Jahrzehnten und vor allein seit dem Weltkriege seine Stellung in Rumänien festigte, obwohl das rumänische Volk und auch der Staat eine betont antisemitische Grundlage hervorkehren. Die Ursache hierzu liege darin, daß es niemals jüdische Ein/elentwickimigen in einem einzelnen Land gibt, sondern lediglich eine Gesamtentwickhmg des Gcsamtjudcntums, ״mit dem der einzelne Zweig eng verknüpft und verbunden ist und das jedem einzelnen Zweig, hier früher, da später, zur Herrschaff verhelfen will“. Der Artikel weist sodann auf die Geschichte der s t a;1 t s b ü r g e r I i c 11 e n Re c 111 e des Judentums in Rumänien hin, bis zur Aufhebting der Sonderbesfimmimgen für die Juden Rumäniens im Minderheitenschut/vertrag vom 9. Dezember 1919. (Es wäre hier noch einzufügen, daß die Bürgerrechte der Juden in Rumänien bereits im Sonderfrieden von Bukarest auf Verlangen Deutschlands und Oesterreichs gewährt wurden. — A. d. ״J. R,“) Am Aufbau des rumänischen Staates nach dem Kriege hätten die Juden profitiert und der jüdische Einfluß in der Wirtschaft durchsetze in vertikaler Gliederung das gesamte Wirtschaftsleben. Es habe sich in den Zentren der neuen Ent- Wicklung Rumäniens Schlüsselstellungen geschaffen. Hand in Hand damit gehe das Bestreben der Juden nach A n p a s s 1111 g an das Wirtsvolk. Die Jugend lege Kaftan, jiddische Sprache und alte Uchcrlieferungcn ah. Die Juden ühcrtünchen oder schieben die rumänische bodenständige Geistigkeit bei- Seite. Dennoch könne man sagen, daß das eigentliche Kulturlebcn Rumäniens vom Judentum noch unberührt ist. Die antisemitische Reaktion in Rumänien sei älter und tiefer verwurzelt als in den meisten anderen Staaten. Die Form einer politischen Auffassung erhielt dieser gefühlsmäßige Antisemitismus durch das Wirken von Prof. C u z a. Das rassische Element finde man beim rumänischen Antisemitismus mir dunkel, gefühlsmäßig angedeutet. Bei ihm sei das nationale, eigenvölkische Moment beherrschend. Der Rumäne sehe im Juden einen Fremden; während er sich aber mit einer ganzen Anzahl anderer Fremden allmählich verstand und den einzelnen Minderheiten individuell gegenüberstellt, sehe er dem Juden gegenüber keine Brücke der V e 1׳ s t ä n d i g 11 n g. Die Forderung des 1111״ m e rus v a I a c 1! i c u s“ behandle die Juden nicht anders wie jede andere Minderheit und überlasse es wohl einer späteren Praxis, den Verhältnisbestimmun* gen eine b e tont a!11 i s e m i t i s c h e E ä r b u n g zu geben. Weiter geht das Programm der Christliclinationalcn, die als Beginn einer allgemeinen Ausschaltung der Juden aus dem öffentlichen Lehen Rumäniens die Enteignung des jüdischen Grundbesitzes fordern. Codreanu, der Führer der ״Eisern en Garde“, betrachtet die Juden als eine Minderheit, mit der es, zum Unterschied zu allen anderen Minderheiten, für das rumänische Volk kein Zusammenleben geben könne. Alle ausgesprochenen Antisemiten befinden sich politiseli derzeit in der Opposition. Damit sei aller nicht gesagt, daß der gegenwärtige Staat und seine Organe den Juden ausgesprochen freundlich gesinnt seien. In den politische« Parteien gebe es mit Ausnahme der Reddsgruppoti überall jüdischen Einfluß. Da die gesetzliche Gleichberechtigung der Juden Rumäniens vom Ausland aufgezwungen sei, so werde jeder Versuch Rumäniens, diesen Zwang a b z u s c h n 11 e I 11, auf den Widerstand derselben Großmächte stoßen. Daraus gehe hervor, daß Rumänien in der Judenfrage nur dann zu einer positiven Klärutig werde kommen können, wenn es sieh gleichzeitig von den entsprechenden Bindungen seiner Außenpolitik freimache. * Diese Ausführungen beleuchten — nicht weniger als der an anderer Stelle der heutigen Ausgabe erwähnte Artikel des polnischen Publizisten S t u tl!1 i c k i - erneut ein Thema, das wir im Leitartikel iin-erc!־ letzten Nummer bereits andeuteten. Es ist die Einschätzung der Juden als V!aelitfaktor. Wahrend wir unter der .. ludeuframe“ die f,■Usuelle verstehen, daß es einem großen Teil des jüdischen Volkes, ja ganzen jüdischen Gruppen außerordentlich schlecht gehl, daß ihre Wirtschaft־ liehe und soziale Lage am Rande des Abgrundes verlauft und daß sie dauernd schweren politischen Gefahren ausgesetzt sind, wird von der judenfeindiiehen Seite die Judeiifrage als ein Anwachsen der jüdischen Macht und des jüdischen Linflusses auf das Lehen der Umwelt;uifgefaßt. Ls ist interessant, daß diese Differenz der Betrachtungsart nicht nur in!..andern des Westens besteht, sondern auch in o st ü c h e n L;1 11 (lern wie Polen und Rumänien, wo die große Masse der jüdischen Bevölkerung auf einer niedrigen Stufe der sozialen Leiter stellt und durch ihre große Armut;111111011. Presseschau Der arabische Student In der ״Frankfurter Zeitung“ vom 23. Mai wird ein Artikel über: ״Das Wesen der arabische n S 111 d c 111 e n - sch a f t" veröffentlicht. Darin wird darauf hingewiesen, daß nur diejenigen Hörer •an den arabischen Hochschulen als Studenten gelten, die sich in jüngster Zeit zu einer Bewegung ״zur Wiedererweckung der volks- und bodenständigen arabisehen Kultur“ zusammengeschlossen haben. Die Führer dieser Bewegung haben ihr Wissen an ausländischen Universitäten erworben, besonders an den amerikanischen Universitäten in Kairo und Beirut. Andere hätte« an verschiedenen europäischen Hochschulen studiert. Nur wenige von ihnen benutzen das Diplom nur dazu, um sich eine bürgerliche Existenz aufzuhauen, sondern ihr im Ausland erworbenes Wissen diene dazu beizutragen, den hei jeder Nation begreiflichen Wunsch nach Selbst- Versorgung auch auf dem Gebiete des Hochschulstudiums zu befriedigen. Der Artikel weist dann auf die älteren Hochschulen im Orient hin und auf die Bedeutung der Kaffeehäuser für Debattierzirkel. Viele Studenten der arabischen Hochschulen in Kairo seien aus solchen Zirkeln hervorgegangen. Charakteristisch für die kulturelle Entwicklung des neuen Orients sei das Mäzenatentum reicher Leute, die an solchen Zirkeln teilnclunen. Im Irak gehe auch der Staat erhebliche Mittel für das Hochschulstudium in Aegvpten aus. Die Debattierzirkel seien Pflegestätten des arabischen N a t i o n a 1 i s m 11 s. Die arabische Universität in Kairo sei hervorragend ansgestattet. Der letzte arabische Studentenkongreß!11 Kairo im Februar d. J. habe sämtliche Anträge ahgek-hnt, die auf eine Politisierung im panarabischen Sinne hinausliefen, panarabisch sei der Plan lediglich im kulturellen Sinne. Jedem Angehörigen des Verbandes stehe es frei, sich an den nationalen Bewegengen seines Heimatlandes zu beteiligen. Alljährlich soll eine Auslese aus der lugend eines jeden Landes getroffen werden, um ihr das .Studium zu erleichtern und sie dabei zu beraten, welchem Fach sie sich widme« soll. Außerdem soll ein Austausch absolvierter Studenten zwischen den arabischen Limdern erfolgen. Das Ziel der Beteiligung am politischen Lehen soll nicht von einer Partei, sondern von kulturellen Aufgaben der arabischen G c s a m t h e i t bestimmt werden. Nach Maß und Gewicht Es geht uns mit den Zitaten wie mit vielen anderen guten Dingen unseres Lehens: wir geben sie wie billige Münzen in fremde Hände weiter und wissen am Ende selbst nicht mehr, woher sie eigentlich in die unseren gekommen sind. Sie gehören uns auf einmal, wir nützen sie für uns ab. So geschielit es den Predigern oder den Rednern auf einer Kundgebung oder Tagung, daß sie von denen reden, die gewogen und ihrer Meinung nach zu leicht befunden werden. Sie malen ihr ״menetekcl“ an die Wand, und weder Daniel noch Belsazar fallen ihn im Augenblick dabei ein. /Aber vom Messen und Wiegen wissen sie, und diese vertraute Tätigkeit ist ihnen ein willkommenes Bild, wenn sie in Gleichnissen reden wollen. Die Göttin der Gerechtigkeit hat die Waage in der Hand, die Marktfrau, der Fleischer, der Kaufmann bedienen sich ihrer. Der Chemiker braucht sie und der Apotheker, die Hausfrau und der Bauer. Man wiegt, um das rechte Maß zu erkennen, man wiegt, um die Teile, die später ein Ganzes bilden sollen, richtig aufeinander abzustimmen. Und wenn man sich im Maß und Gewicht irrt, so wird das, was eine schöne Einheit bilden soll, zuletzt ein Wirrwarr, eine Masse, die der Form widerstreben muß. in die wir sie zu bringen wünschen. Was für ein Gleichnis also für allen Mcnschcnwcrt und alles Menschen werk! Was für «in Gleichnis aber vor allem mich für ein Volk und seine Schichten! Es kommt aufs rechte Maß an, wenn man recht mischen will, es kommt auf das Abstimmen der Teile zueinander an, wenn mail zur rechten Masse und für sic zur rechten Form kommen will. Das jüdische Volk, das sich in Erez Israel seine Heimstätte baut, wiegt seine Menschen mit einer Waage, von der leicht abzulesen ist, wer von ihnen für den Bau zu brauchen sein wird, den wir da errichten. Generation wiegt Generation, Jugend prüft Alter, Alter prüft Jugend, die Arbeiter auf dem Lande die Menschen in der Stadt. Aber sie alle fragen wieder über die Meere und die Grenzen hin zurück zu den Menschen in der Galuth: ״Was wiegt ihr? Seid ihr leicht wie die Spreu und laßt ihr euch von neuem in alle Länder ausstreuen und wegblasen, oder seid ihr schwer wie gute Weizen- und Roggenkörner, die auf den frisch gerodeten Acker des jüdi- Keine Touristen-Auswanderung nach Australien Der Hilfsverein der Juden in [)eiitMdil.md gibt folgendes bekannt: Seit einiger Zeit macht sic 11 in dert.)rffentlirlikeit, nesonders auch in verhältnismäßig begüterten Kreisen, ein gesteigeiles Interesse für die A u s w a n d e r!111 g 11 a e h A u s t r a - 1 i e n geltend. Zweifellos sind auch in Australien gewisse Möglichkeiten für Personen mit einigem Kapital vorhanden, zumal wenn sie ausreichende Kenntnisse der englischen Sprache und bestimmte Branchekenntnisse besitzen. Fs muß aber auf das Dringendste davor gewarnt werden, ohne vorherige Erlangung eine r e n d gültige 11 t. i n - w a n d e r u n g s e r I a u b nis als T o u r i s t 11 a e 11 A ustr alien zu reisen und von dort aus die Erlangung der dauernden Aufenthaltserlaubnis zu betreiben. Dieser Weg wird selten zum Ziel führen, in der Mehrzahl der Fälle aber dem Betreffenden nur erhebliche Verluste an Zeit und Geld ver- Ursachen. Wer nach Australien auswandern will, wende sich zunächst an den Hilfsvcrcin, der in der Lage ist, eingehende Informationen zu erteilen, und Einwaiiclertmgsgesiiche unter Mithilfe ausländischer jüdischer Organisationen an die australische Regierung gelangen zu lassen. Bet den Festspielen in Florenz, die in der ganzen tnusikalisehen Welt große Aufmerksamkeit finden, wirken auch einige jüdische Künstler führend mit; so /. B. ist cias neue Werk Alfred Casellas ,,Erschließung der Wüste“, das den Versuch darstellt, an Stelle der bisherigen italienischen Oper eine moderne faschistische Musik zu schatten, von Lothar Wallerstein inszeniert worden. Das Werk stellte den Regisseur vor ganz neue Probleme, denn es zeigt ein ahgestürztes Flugzeug mitten in der Wüste, wobei die Naturkräfte selbst ebenso wie die Eingeborenen ihre Stimmen ertönen lassen. Das Werk fand in Florenz fieüieh keine günstige Aufnahme. (Lothar Wallerstcin ist der Sohn des zu seiner Zeit bekannten Kantors der Meisl-Synaguge in Prag. Moritz Wallerstein.) Die Inszenierung von ,,()thell״", die den bisher größter! Erfolg der Festspiele darstellt0 (Dirigent: Sabata), besorgte Herbert (i r a f, der auch bei der von Bruno W alter geleiteten Aufführung von ״Figaros Hochzeit“ Regie fuhrt. sehen Landes fallen, kräftige Aussaat, die aufgehen will und aufgehen wird?" Wir alle werden in diesen Jahren gewogen. Das jüdische Volk wiegt uns, und es nimmt dazu das alte Gewicht, das in den alten Zeiten galt, als Israel noch ein Volk auf eigenem Staatsboden, in eigenen Grenzen, mit eigenen Maßen und Gewichten war. Das jüdische Volk wiegt heute die Seinen mit dem Schekel. Er war nicht mir Münze, er war Gewicht auf der Waage und galt auf den Markten von Israel und Juda. Der S c h c k ej ist wieder Gewicht geworden. Nicht mehr unsere Waren werden mit ihm gewogen, sondern wir selbst. So schwer wie er in der Hand des Schicksals liegt, so schwer wiegen unsere Rechte und unsere Ansprüche auf Erez Israel, auf die nationale Heimstätte des jüdischen Volks, auf den Wiederaufbau unseres Landes und unserer nationalen Kultur. Mit dem Schekel wiegen wir seihst unsere Liehe zu diesem Aufhau von Volk und Land, mit dem Schekel wird die Welt uns seihst wiegen und oh wir dem Anspruch unserer Rechte durch das Maß de! Pflichten genügen, die wir erfüllen. Jeder Schekel wiegt sein eigenes kleines Gewicht für sich. Aber Tausende, Hundcrttausende, Millionen von Schekalim wiegen zusammen schwer wie unser eigenes Recht und wie unser Bekenntnis: ״Wir wollen Erez Israel, wir wollen das jüdische Volk, wir wollen, daß unser Land wieder blüht und Frucht trägt, daß die Kinder unseres Volkes frei Schaffende auf freiem Boden seien!“ Niemand vermag die Millionen von Tropfen Schweiß und Blut zu zählen, die in Frez Israel seit fünfzig Jahren den Acker düngen und dürren Roden in Gärten und Dörfer verwandeln. Auch unsere Schekalim vermögen das nicht. Aber das können sic: uns selbst zählen, von uns seihst aussagen, daß wir Hundcrttausende und Millionen geworden sind, die wollen, daß dieser Schweiß und dieses Blut nicht umsonst vergossen wurden. Jeder Schekel zählt für einen Juden, der weiß, worum es in Erez Israel geht. Und jeder, der ihn nicht zahlt, gilt wie einer, der zu leicht befunden wird, den der Wind verweht, der nicht im Acker seines Volkes ein Samenkorn sein will. Die aber aufgehen wollen, werden eine volle Aehre tragen. Miriam