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Jüdische Rundschau · 1937-05-25 · Heft 41 (25.5.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 41 (25.5.1937)
Date
1937-05-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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5eite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 41, 25. V. 1937 Nachwehen der Unruhen Von unserem םaIä8 i i nen8isch Die Funktion der Wirtschaftskritik Vorbemerkung der Redaktion: Im Anschluß an den Artikel: ״Der Fall Assis" in Nr. 29 der ״J. R." erhielten wir mehrere Zuschriften, darunter auch eine des Industriellen- Verbundes, die sich gegen die in dem Artikel geübte Kritik tuenden, ohne jedoch irgendwelche neue Tatsachen amu• führen. Auf der anderen Seite erhalten wir ständig aus unserem Leserkreise Z.uschrijten, die sich gegen 1 י er״ s c h i e d e ne p a l ä s tinensische Gesellschaften richten, die durch Abgesandte in den Galuthländern für ihre Anteile Propaganda gemacht haben und nun in Palästina von den Käufern neue, früher nicht vorausgesehene Investi• Honen fordern. IV'1r sehen davon ab, solche. Fälle im ein• zelnen ausführlich za behandeln; jeder, der eine geschäft• liehe Anlage macht, sei diese auch in Palästina und sei sie auch von dem interessierten Verkäufer noch so sehr nnge■ priesen, geht ein geschäftliches Risiko ein. H'ns über die unliebsame Vermischung von Geschäft und zionistischer Propaganda zu sagen ist, hat unser Korrespondent in seinem nachmals verschiedentlich angefochtenen Artikel in Nr. 29 dargelegt, wobei seine Bemerkungen sich gewiß nicht nur auf den dort behandelten Fall beschränken. Solche Ange■ legenheiten, in denen materielle Interessen einzelner Personen involviert sind and bei den Geschädigten eine begreifliche Gereiztheit besteht, können nur mit Vorbehalt öffentlich dis• kuiiert werden, ln einem in Nr. 37 abgedruckten Artikel nimmt Erwin W i t I k o iv s k i zur ganzen Frage Stellung. Indem wir nun noch den nachstehenden Zeilen über die grundsätzliche Bedeutung einer journalistischen Wirtschajiskritik Raum gehen, schließen wir damit die Aussprache über dieses Thema. (Red..) Das Echo, das der ״Assis-Artikel‘* des Korrespondenten der ״Jüdischen Rund-chau“ gefunden hat, scheint mir den Anlaß zu e 1 n 114c■ n grundsätzlichen Bemerkungen ni gehen. Man ist hei uns so sehr daran gewohnt, die Aufgabe wirtschafthelier Journalwtik in hier Israel und m der zionistisehen Weltpresse in I,ropaganda und Apologetik /u sehen, daß der seltene fall einer (durchaus sachlichen und zurück״ haltenden) privat wirtschaftlichen Kritik auf einige Leser aufregend gewirkt hat. Kritik scheint nach der Auffassung mancher (!nippen nur an nationalen Institutionen erlaubt Ztl sein, wenn sie aber auf das (iebiet der privaten Wirtschaft ühergreift, so furchtet man sofort eine Schädigung der Unternehmungslust und glaubt sich schützend vor jedes Objekt der Kritik stellen zu müssen. Damit leistet inan unserem Wirtschaftsleben keinen guten Dienst. Die j01;rna!i=1!s1;he Kritik und die Uebermittiung der Kritik von geschädigten Interessenten durch die Presse ist eine Funktion, die eine gesunde Wirtschaft braucht, uni zu lernen und um die Spreu vom Weizen zu sondern. Ohjekt dieser Kritik müssen alle wichtigen Faktoren des Wirtschaftsk'bens sein, d. h. sowohl die nationalen Institutionen als die privaten Unternehmungen, die letzteren insbesondere, wenn sie mit fremden Geldern, mit Aktien- oder Obligationenkapital arbeiten, ln der ganzen Welt ist es so, daß der Anlaß zur Kritik der Dnterncbmungsführung vor allem gegeben ist, wenn es schlecht geht, wenn (leid verloren wird. Man kann dann initiier sagen, die Kritik kommt post festtim, sie nutzt nichts mehr, sie erschwert nur die Sanierung. Das ist aber ganz falsch. Denn es kommt sehr oft darauf an, die* Form der Sanierung durch die öffentliche Erörterung zu beeinflussen (das ist z. B. im Falle ״Assis" sehr wichtig, in dem es Interessengegensätze zwischen gesicherten Bankgläuhigern und Transfer-Aktionären gibt) und vor allem kommt es darauf an, aus den Erfahrungen der Fehlschlüge Lehren für die Führung von Unternehmungen im allgemeinen abzuleiten. Ich glaube nicht, daß es einen ernsthaften Kenner der palästinensischen Wirtschaft gibt, der wirklich glaubt, daß nicht sehr viele Leiter von Unternehmungen aus öffentlichen Erörterungen manches lernen könnten. Der Ruf nach Industriekredit mag noch so tie* rechti^t sein (und er hat den Vorteil, hei keinem Inter• essenten Anstoß zu erregen), aber er kann das Bedürfnis! die Fehler in der Führung von Geschäften, die bei Zusammenhiliehen offenbar werden, zu analvsieren, keineswegs ersetzen. Die-es Bedürfnis ist in der palästinensischen Presse in den 1 ,dien, die im letzten Jahre akut geworden sind, keineswegs erfüllt worden, Fs stehen seiner F.rfüllung auch auf (iruml der Luge der Verhältnisse und der Verflechtung von Interessen sehr große :Schwierigkeiten gegenüber. Wenn aber ein bescheidener Anfang gemacht "wird, so soll man nicht dagegen auftreteu, sondern durch Information die Hand zur Vertiefung einer gesunden Wirtschaftskritik bieten. Nun aber die i lauptfi.'ige. Nutzt mau dem Aufbauwerk In Palästina in seinem nationalen und privatwirtsehaftliciicn Sektor wirklich damit, wenn man die These vertritt, daß alle Menschen;uisge/eichnet ihre wirtschaftliche Aufgabe ver-d! tum und daß mir objektive Schwierigkeiten manclien Mißerfolg heiiieiliihren - Ich glaube nicht mir, call die These falsch ist, sondern, auch daß sie unserem Werk nur schaden kann. Hatte man wirklich in den!''allen des Mißerfolges — und tiaß es solche gibt, läßt sich doch nicht verheimlichen! so wenig Anlaß besteht ,sie zu verallgemeinern — alles richtig gemacht und man wäre nur an den objektiven Bedingungen gescheitert, dann mußte man. mindestens auf diesen Gebieten, sehr pessimistisch ׳sein. Da aber nach meiner Uebcrzeugtmg, die wohl jeder Kenner, wenn auch nicht öffentlieh, bestätigen wird, in he/tig auf Finanzierung, kaufmiinnisehe und technische Ketrlehsfiihrung, Methoden der Marktbehandlung usw. sehr viele F e hier gemacht sind, da oft sehr dilettantisch gewirtschaftet worden ist und gewirtschäftet wird, da branehenmiißige Organisation noch in den ersten Anfängen steckt, gerade deshalb haben wir Grund zum Optimismus. Denn subjektive Mängel sind meist leichter zu beseitigen, als objektive Hemmungen. Freilich werden subjektive Mängel meist nur dort überwunden, wo der frische Luftzug der öffentlichen Kritik weht. Diese Kritik, gerade auch auf dem Felde der Wirtschaft, hat eine nützliche Funktion. Man sollte sie fördern und nicht behaupten, daß der Kritiker und nicht der zu Recht Kritisierte schuldig ist. T e 1 - A w i w, Mai 1937. Fritz N aphtal! ״Der Fall Assis" gl. T e I A w f w, 13. Mal Anläßlich der Zu Schriften, die in bezug auf den Artikel ״Der Fall Assis“ in Nr. 29 der ״Jüdischen Rundschau“ eingelaufen sind, hat sich Ihr Korrespondent an den In• dustricllenverband und an die Leitung des Unternehmens gewandt mit der Frage, ob von diesen Stellen zuzüglkhes Tatsachenmaterial zu der Angelegenheit vorliegt. Die Antwort des Indusi iellenverbandes war eine negative. Von einem der Herren der Leitung des Unternehmens wurde Ihrem Korrespondenten mitgeteilt, daß in der Gertehtsver- Handlung, die heute stattfand, der Antrag des Gläubigers auf eine Liquidation des Unternehmens zurückgezogen wurde. Es ist demnach dem erwähnten Artikel Ihres Korrespondenten nichts hinzuzufugen, auch nichts daran zu korrigieren. gl. T e I A w i w, 17. Mai Der neue CHefsekretlr In diesen Tagen hat Sir Hathorn H a 11, der Chefsekretär der Regierung, das Land verlassen und Batte rshill, sein Nachfolger, hat sein Amt angetreten. Mit diesem Personen- Wechsel an einer der Schlüsselpositionen der Administration erwarten viele in Palästina gewisse Neuerungen in der Verwaltung, obwohl sich natürlich alle darüber klar sind, daß die wesentlichen Entscheidungen im Schicksal des Landes zur Zeit in London und nicht in Jerusalem gefällt werden. Man hat oft bei uns den Fehler gemacht, daß politische Tendenzen und Entwicklungen zu stark auf persönliche Qualitäten, Sympathien und Antipathien der leitenden Beamten zurückgeführt wurden und dabei gelegentlich vergessen, daß diese Faktoren gegenüber den einander widerstreitenden mannigfachen Interessen im Lande nur eine zweitrangige Rolle spielen. Aus diesem l/eberbewerten persönlicher Ncigungen sind Personenwechsel im Oberkommissariat und in der hohen Beamtenschaft oft üherpoüitiert worden. Jedoch darf man andererseits auch nicht vergessen, daß gerade die zionistische Siedlungsarbeit ein besonderes Maß von Verständnis und Kenntnis verlangt und daß hiervon vielfach die Behandlung administrativer Fragen abhängt. Ein Wechsel im Chefsekretariat ist daher auch bei dcsillusionierter und vorsichtiger Beurteilung der Verhältnisse von beachtlieber Bedeutung. Ablieferung von Waffen Die Abfahrt von Hall fällt wenige Wochen vor das Erscheinen des Untersuchungsberichts, und während in dieser Zeit naturgemäß entscheidende politische Ereignisse nicht zu erwarten sind, bringt sie doch eine Reihe von Begeben- (leiten, die man sowohl unter die Nach wehen der Unruhen wie auch unter ihre Liquidation rechnen darf. Die Regierung hat in diesen Tagen bekanntgemacht, daß sie für die Ablieferung von Waffen und für Angaben über Waffenbesitz. Prämien zahlt, in einer bestimmten Abstufung für Gewehre, Revolver usw. Hier wird offensichtlieh der Versuch gemacht, der vielen Waffen, die heute überall im Lande vorhanden sind, mit der Lockung des Geldpreises habhaft zu werden. Der Ruf nach Entwaffnung und Verhinderung des Waffenschmuggels wurde seit einem Jahre immer wieder erhoben, Polizei und Militär haben auch gelegentlich Streifzüge in den Dörfern und Haussuchungen in den Städten unternommen, die Zahl der Arrestiertcn für unerlaubten Waffenbesitz, ist auch nicht unbedeutend. Dennoch ist man mit diesen Maßnahmen dem Ziele einer allgemeinen Entwaffnung nicht nähergekommen, weil eine aktive Resistenz der Bevölkerung und gelegentlich auch eine passive der ausführenden arabischen Polizei vorlag. Jetzt scheint die Regierung einen anderen Weg gehen zu wollen. Ohne Frage ist das Versprechen einer Geldbelohnung, also sozusagen die Möglichkeit des Verkaufs au die Regierung, für bestimmte Elemente anziehend, und die gegenwärtig schwierige ökonomische Lage unter den Arabern mag noch die Bereitschaft zum Abliefern erhöhen. Andererseits sind natürlich gerade die radikalen und kämpferischen Kreise unter den Arabern nicht durch die Aussicht auf einige Pfunde zum Abliefern ihrer Waffen zu bewegen, und so wird man darauf gefaßt sein müssen, daß beträchtliche Zahlen von Gewehren nach wie vor unter der Bevölkerung bleiben und — dann auch losgehen. Immerhin ist dieser neue Versuch der Regierung, wenn auch spät unternommen und etwas kostspielig, besser als die bisherige Passivität. Krönungskonzert des Palästina»Orchesters Die Serie der Abonnementskonzerte des Palästina-Orehestere wurde zu Ehren der Königskrönung mit einem Konzert des bedeutenden englischen Dirigenten Dr. Malcolm Sarge nt abgeschlossen. Dr. Sargent entfesselte beim Jerusalemer Publikum einen derart stürmischen Enthusiasmus, wie er kaum Toscanini zuteil geworden war. Schon der Beginn des Abends — der sich auch äußerlich als ein ungewohnliches gesellschaftliches Ereignis dokumentierte — wirkte besonders feierlich. Während sonst heim Erscheinen des High Commissioners nur der erste Teil der englischen und jiidischen Nationalhymne gespielt wurde, erklangen diesmal beide Gesänge ungekürzt, dirigiert durch den englischen Dirigenten. Malcolm Sargent warf durch die hinreißend temperamentvolle Art seiner Gestaltung wohl viele Vorurteile über den Haufen, die über die musikalische Befähigung englischer Musiker noch in den Köpfen vieler lebendig sind. Selbst sehr kenntnisreiche Hörer versicherten, eine derartig präzise, virtuose, charmevolle Darstellung von Smetanas Ouvertüre zur ״Verkauften Braut“ noch nicht gehört zu haben. Merkwürdigerweise war der Erfolg bei diesem typisch tschechisehen Werk berechtigterweise stärker als nach den für das neueste Stadium der englischen Musik nicht sonderlich charak״ teristischen Werken von Delius und Eigar, die uns heute reichlich zahm Vorkommen. In Handels ״Wassermusik“-Suite, die im Jahre 1715 bei Gelegenheit der Themsefahrt des damaligen englischen Königs aufgeführt wurde, zeigte sich Sargent als subtiler und dabei großzügiger Stilist: die Tanzformen des 17. Jahrhunderts erfuhren durch ihn eine ebenso stilgerechte wie zeitgemäße Wiedergestaltung. Auch Mozarts G-Moll-Sinfonie hat man wohl selten so rein und vollkommen gehört, wenn auch die meisterliche formale Gliederung das Schmerzlich-Sehnsüchtige ihres emotionalen Gehalts vielleicht etwas zu sehr in den Hintergrund drängte. — Das Orchester klang bezaubernd wie noch nie. Es hat die Probe nun so oft bestanden, daß es sich wohl in Europa hören lassen könnte. Alles in allem war das Konzert einer der stärksten Eindrücke, die wir hier in dieser wahrlich ereignisreichen Konzertsaison aufnehmen durften. Alice Jacob-L0ewenson Kleine Nachrichten Im Nachlath-Achim-Viertcl in Jerusalem wurde ein Ara• ber erschossen. Vier junge Juden sind als des Mordes verdächtig in Haft genommen worden, wurden jedoch nicht freigefassen. Es verlautet, daß die British Union of Fascists, die von Sir Oswald M o s 1 e y geführt wird, eine lebhafte Propaganda unter der britischen Polizei in Palästina entwicfcelt. Besonders energisch wird die Agitation in Tiberias betrieben. ln die Polizeischule von Jerusalem sind 26 Juden aufgenommen worden, die nach Beendigung der Ausbildung in der Grenzpolizei Verwendung finden sollen. Amnestie Es ist offiziell in Palästina nicht viel über die Amnestie politischer Gefangener anläßlich der Krönung des englischen Königs gesprochen worden, aber sowohl in jüdischen wie in arabischen Kreisen hat man die Freilassung einer großen Zahl derer, die während des letzten Jahres verhaftet wurden, erwartet. Es sind auch in der Tat eine Reihe von Inhaft i e r t e n entlassen worden — wie viele gelang es uns bisher nicht genau festzustellen —, aber sowohl Juden wie Araber beklagen sich, daß die Gesuche um Begnadigung nicht in ausreichendem Maße erfüllt wurden. Die hebräische Presse beschwert sich msbesoadere, daß vier Juden, von denen zwei in Jerusalem zur Zeit der Unruhen mit Waffen betroffen wurden, andere zwei eines Konfliktes wegen über Bodengrenzen verurteilt waren, nach wie vor ihre Strafe abbüßen müssen. Unter den Arabern, die natürlich die überwältigende Mehrzahl der Gefangenen stellen, nahm der Kampf um ihre Befreiung in den letzten Tagen turbulente Formen an. Im Akkoer Gefängnis befanden sich fast 201) Verhaftete, die unter den neuen Verordnungen eingesnerrt worden waren, zum großen Teil als Vorsichtsmaßregel, viele davon im Zusammenhang mit dem erneuten Terror in Haifa in den letzten Monaten, der fiir die Erschießung einiger bekannter Araber und eines Polizeileutnants verantwortlich war. Als die Haftentlassung auf sich «arten ließ, erklärten die Gefangenen den Hungerstreik, in Akko schloß man die Läden, in Haifa begann am Tag darauf ein Proteststreik, und es wurden Prozessionen in den Straßen veranstaltet, die von Massen von verschleierten Frauen geführt wurden. Diese belagerten das Büro des Distriktsbeamten, der eine Delegation empfing und — wenigstens zum Teil — Abhilfe versprach. 20 wurden sofort gegen eine Kaution entlassen. An den High Commissioner und nach London wurden Telegramme geschickt und Sir Arthur empfing schließlich den Mufti zusammen mit dem Sektretär des Obersteil Arabischen Rates. Er versprach eine weitere wohl• wollende Behandlung der Angelegenheit. Die Gefangenen haben schließlich den Hungerstreik aufgegeben, es sind bereits gegen hundert von ihnen entlassen worden, und auch für die anderen scheinen gute Aussichten zu bestehen. Der Streik in Haifa ist beendet. Fürsorge für die Hinterbliebenen der Unruhen Die Regierung hat sich entschlossen, den Hinterbliebenen der Unruhen (mit Ausnahme derer, die im Kampf mit Militär oder Polizei getötet wurden) je £ 250 als Ent• Schädigung zu zahlen. Damit ist ein bescheidener Schritt von den Behörden gemacht worden, um die schwere Not der Opfer der Unruhen etwas zu lindern. Bisher ist nur von der Entschädigung bei Todesfällen die Rede, das umfangreiche Problem der Sachschäden ist vorläufig noch nicht angeschnitten worden, obwohl die Regierung wieder una wieder auf seine Dringlichkeit hingewiesen worden ist. ln der Auszahlung von £ 250 ebenso wie in der partiellen Amnestie liegt inehr als die Befriedigung bestimmter politischcr Forderungen. Es ist eine Linderung schwer empfunde•!!er menschlicher Not, eine Geste guten Willens, ein Schritt zur Normalisierung der Verhältnisse. Es kommt heute im Lande alles darauf an, daß die aufgeregten Geister be• schwichtigt, daß Wunden geheilt, berechtigte Beschwerden abgestellt werden, Bei einer Lockerung der Atmosphäre, die damit verbunden ist, wird die große politische Ausein• andersetzung, die jetzt cinsetzen muß, in vernünftigerer und klarerer Weise geführt werden können. Araber feiern Zwischenfälle bei einem Fest Die Feier des Geburtstages Mohammeds am Sonnabend ist in Jerusalem ruhig verlaufen. Es war allgemeine Arbeit«• ruhe verkündet worden. Geplant waren auch Umzüge, die jedoch von der Polizei nicht zugelassen wurden. Der Distriktskommissar von Jaffa, wo die arabischen Hafenarbeiter eine Kundgebung gegen den Hafen von Tcl-Awiw angekündigt hatten, berief die arabischen Führer zu sich und forderte sie auf, Unruhen zu verhindern. Das Erziehungsdepartment der Regierung hatte den arabischen Schülern die Teilnahme an Kundgebungen am Mohammedstag verboten. Während der Straßenumziigc in Jaffa gab ein Araber auf einen anderer! Araber mehrere Schüsse ab, woraut die Menge den Angreifer dermaßen mißhandelte, daß er zusummen mit seinem Opfer, das schwere Verwundungen davontrug, ins Krankenhaus geschafft werden mußte. In Haifa nahmen die Feiern die Form einer Prozession an, an der sich Tausende von Arabern beteiligten. Die Bemühungen der Polizei, der Prozession Halt zu .gebieten, waren vergeblich; die aus Polizisten gebildete Kette wurde von den Demonstranten durchbrochen, wobei politische Rufe laut wurden. Zu einem Zusammenstoß mit der Polizei kam es nicht. In den anderen Städten, insbesondere in Jaffa, sind von der Polizei besondere Vorsichtsmaßnahmen ge• troffen w'orden. Anläßlich des Festes fand zum erstenmal eine Rundfunkiibertragimg eines mohammedanischen Gottesdienstes statt, an dem sich auch der Mufti von Jerusalem beteiligte, Jemen gegen die Schedule Jerusalem, 21. Mai. (JTA.) Iman Jach ja vom Jemen, der ebenso wie die übrigen Oberhäupter der arabischen Staaten nach der Bekanntgabe der neuen Schedule vom Mufti von Jerusalem gebeten worden war, Vorstellungen dagegen bei der englischen Regierung zu erheben, hat dem Mufti mitgeteilt, er habe jetzt seinen in London weilenden Sohn telegraphisch aufgefordert, alles zu unternehmen, um die Zurückziehung der Schedule zu erwirken. KrSnungsfag In Haifa. Bei mildem Sommerwetter fanden auf dem großen, repräsentablen Platz vor dem neuen Personenbahnnof die militärischen Feiern statt. Der Kingsway war mit zahlreichen Fahnen (englischen und jüdische״), mit Emblemen, Wappen usw. geschmückt, ebenso die Ge* schäftshäuser der Umgebung. Auch die Herzlstraße in Hadar- Hakarmel — das zweite Zentrum der Veranstaltungen — prangte im Schmucke zahlreicher Fahnen; am Eingang der Straße war eine Säule mit symbolischen Figuren errichtet. Das Technion war illuminiert, dort gab es ebenfalls Militärmusik. Am Abend flammten Fackeln rings um die Bucht von Haifa bis Akko und auf der Höhe des Karmel auf• Die Engländer und die Juden feierten, Araber mischten sich zwar unter das Publikum, besonders am Kingsway, aber im rein arabischen Haifa gab es keine Fahne. (Schluß des Palästinateils)

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