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Jüdische Rundschau · 1937-05-21 · Heft 40 (21.5.1937) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 40 (21.5.1937)
Date
1937-05-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 40, 21. V. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Der Pogrom in Brest Von unserem Berichterstatter Warschau, 18. Mai Die gesamte jüdische Bevölkerung in Polen steht unter den erschütternden Eindruck des Judenpogroms in Brest, welcher diese alte, etwa 22 000 Köpfe zählende Judengemeinde vollständig materiell vernichtet, 37 Juden schwere und leichte Wunden zugefügt und die ganze polnische Judenheit schwer getroffen hat. Die Ereignisse in Brest, ähnlich wie die Pogrome im vorigen Jahr in Minsk-Mazowiccki unds Przytyk, sind traurige Beweise für die Atmosphäre, ij. Welcher die polnischen Juden in den letzten Jahren leb״-:׳.'Es genügt ein Funken, und das in Versammlungen t)fi'd in der Presse gegen die Juden gehetzte Volk, mei^Cns aus jüngeren Elementen bestehend, im ersten M^nfent von niemandem gestört, zieht gegen die Juden mit einer hier sogar noch nicht beobachtetcn Wut und Brutalität los. Die Ücberfälle werden organisiert, damit di^. ״Arbeit“ gründlich und systematisch getan wird, d. h. üäinit das Hab und Out der Juden in grolltmöglichen^ Umfang geplündert und vernichtet wird. Das Leben ׳.,,er Ueberfallcnen wird nicht geschont. Abwehr wird nicht geduldet, mitleidbezeugende polnische Mitbürger werden auch angegriffen. So war es auch in Brest am 13. Mai. In einem jüdischen Fleischladen ereignete sich ein bedauerlicher Vorfall. Während einer von Polizeiorganen nach illegal gcschlachtetem Fleisch durchgeführten Revision spielte sich eine aufcregte Szene ab und der Sohn des Ladenbesitzers, ein in der tadt übel beleumdeter Fleischergeselle, verwundete tödlich den christlichen Polizeiagenten. Am selben Donnerstag geschah in Warschau fast dasselbe in einem Christliehen Fleischladen, bei einem gewissen Oajcwski, welcher sowohl sich als auch die Polizeikontrolleure mit Messerstichen schwer verwundete. Glücklicherweise endete hier der Fall ohne tödlichen Ausgang. Und das ״Volk“ in Warschau war gar nicht erzürnt und überließ, wie es in allen Kulturländern Sitte ist, die Ahndung des Falles den zuständigen Justizbehörden. Anders aber war es in Brest. Hier war der Fleischergeselle, der sieh nicht beherrschen konnte, ein Jude und hieß Wolf S 7. c z e rb 0 w s k i. Der in seiner Amtstätigkeit überfallene Polizeiagent K e n d z i o r a ist im Spital leider den Wunden erlegen. Die Kunde von dieser Tat verbreitete sich schnell durch die Stadt, und der ,,Volkszorn“ brach aus. Für die sicherlich schärfstens von sämtlichen Juden verurteilte Mordtat eines Einzelnen wurde die gesamte jiidisclie Bevölkerung verantwortlich gemacht und auf den Einzelmord antwortete der Großteil der christlichen Bevölkerung in Brest mit einer Lynchjustiz, an der jüdischen Gesamtheit. Von 9 Uhr früh bis 1 Uhr nachts zogen Hunderte, unter ihnen sehr viel Jugend, durch die von den Juden dicht bewohnten Straßen von Brest, überfielen einen jüdischen Laden nach dem andern, plünderten und vernichteten Waren aller Art, Handelsbücher, Einrichtungen, und in wenigen Stunden bedeckten sich die Straßen von Brest mit großen Haufen jüdischen Guts. Geschäfte, welche geschlossen und verbarrlkadiert wurden, wurden erbrochen oder man drang durch die Wohnungen in die Läden ein und plünderte sie gründlich aus. Die Juden sind in Brest im Handel sehr stark vertreten, etwa 90 »0 der dortigen Handelsunternehmungen sind im jüdischen Besitz, Die christlichen Ladenbesitzer waren zumeist diejenigen, die den Plünderern die Geschäfte ihrer Konkurrenten zeigten. Die Berichterstatter der polnischen Presse verzeichnen offenherzig diese Tatsache und veröffentliehen Gespräche mit christlichen Einwohnern, die zynisch ihrer Zufriedenheit Ausdruck geben, daß sie nunmehr ihre Konkurrenten bzw. Gläubiger losgeworden sind. Aber auch die jüdischen Wohnungen, deren Insassen nichts mit Handel zu tun haben, Anwälte, Aerzte, Angestellte, Arbeiter, jüdische Bethäuser und Vereine wurden nicht verschont. Der von unglaublicher Wut beherrschte Mob hat sogar jüdische Häuser in Flammen gesetzt. Gebäude aus Holz zertrümmert, Häusermauern stark beschädigt. Die polnische Presse, die den Pogrom ausführlich beschreibt, versichert nur, daß bei diesen Plünderungen nichts geraubt worden ist. Dies ist aber unwahr, was der Aufruf der christlichen Mitglieder des Stadtrates in Brest, die die Vorfälle — wenn auch spät — verurteilen, bezeugt. Auch Aussagen der Polizei stehen im Widerspruch zu den Bcteuerungen der Presse. Im städtischen und jüdischen Spital in Brest befinden sich verwundete Juden, von denen einige mit dem Tode ringen. Hunderte jüdische Einwohner verließen Brest am Donnerstag in größter Angst. Die Stadt ist wie ausgefegt von Juden. Der ihnen zugefügte Schaden wird aut über eine Million Zloty geschätzt. Die Leiden der jüdischen Bevölkerung in Brest sind unbeschreiblich. Nach Warschau kamen viele Flüchtlinge, die mit Schauder ihre Erlebnisse mitteilen. Die in Brest verbliebenen Juden leiden Hunger, da sie kein Brot erstehen können. Es wird eine Hilfsaktion eingeleitct, um den Pogromopfern die Möglichkeit zu geben, sich neue Existenzen zu schaffen. Das tragischste an den traurigen Ereignissen in Brest ist der Umstand, daß fast die gesamte polnische Presse, also sowohl die nationaldemokratischc als auch die der Regierung nahestehende, den Pogrom in Brest zu recht- Fertigen sucht, den Volkszorn für begründet erachtet und ihn als Antwort auf eine Provokation seitens der Juden bezeichnet. Die Juden werden als Mitschuldige an der Ermordung eines polnischen Staatsfunktionärs hingestellt. Sogar die offizielle polnische Telegraphenagentur hat ihre erste Meldungen über den Pogrom in diesem Sinne abgefafit. Die polnische Judenheit gibt sich darüber Rechenschaft, daß solche Gewaltakte mit natürlicher Konsequenz der aniijüdischen Propaganda folgen müssen, die auch vom ״Lager der Nationalen Einigung“ mit immer größerer Heftigkeit hetrieben wird, um den Nationaldemokraten und den Nationalradikalen den Wind aus den Segeln zu jagen. Diese Agitation hat nicht nur die Hochschuljugend in ihrer erdrückenden Mehrheit erfaßt, sondern auch weite Kreise der polnischen Bcrufsintelligcnz, wie die Beschlüsse auf den letzten Tagungen der polnischen Anwälte und des Aerzteverbandes über die Einführung des Aricrparagraphen bekunden. Warschau, 18. Mai. (JTA.) Die Beisetzung des Polizisten, dessen Tod den Anlaß zu den schweren Bad Trentschin-Teplitz erfüllt Ihre Sehnsucht nach Heilung, Erholung und Ausruhen Herrliche Karpathen-Landschaft Billige Pauschalkuren gegen Rheuma, Gicht, Ischias Kostenlose Prospekte und Auskönftc -• nurii Ober Reisekreditbriefe. — durch treu H. Archen hold, ßrrslau, Kalser-WHhelm-Straßc 96-98, Telefon: 81-300 judenfeindlichen Ausschreitungen in Brest-Litowsk gegeben hatte, fand am Sonnabend unter starker Beteiligung der Bevölkerung statt. Der Kreisgouverneur hatte die Beteiligung von Personen, die nicht iri Brcst-Litowsk ansässig sina, verboten. Anläßlich des Leichenbegängnisses ist es zu k e i - nerici Ruhestörungen gekommen. Der Wojwode von Polesien, der früher zur Zeit des Pogroms von Przytyk Kreisgouvcrncur von Radom war, hat den Abgeordneten Dr. Emil Sommerstein empfangen und ihm versichert, daß die Ruhe vollständig wiederhergestellt werden wird. Für die Stimmung der jüdischen Bevölkerung in Brest-Litowsk ist es bezeichnend, daß der Abgeordnete von zahlreichen Juden mit Tränen in den Augen gebeten wurde, die Stadt nicht zu verlassen. Die führenden jüdischen Persönlichkeiten von Brcst-Litowsk sind jedoch davon überzeugt, daß das Schlimmste überstanden ist und U n - ruhen größeren Umfangs nicht mehr zu hefürchten sind. Nationairadikale Parteigänger haben in mehreren Städtchen in der Umgebung von Brest-Litowsk versucht, Unruhen hervorzurufen. Diese Versuche wurden jedoch von der Polizei im Keim erstickt. Zur Organisierung des Hilfswerks für die Pogromopfer von Brest-Litowsk sind die Direktoren des Joint Distribution Committee, Dr. Bernhard Kahn und David Schweitzer, in Warschau eingetroffen. Die Zahl der Geschädigten wird aut 2000 geschätzt. Weitere Ueberfälle Warschau, 18. Mai. (JTA.) In der Stadt Kamien- Kaszyrski bei Kosvel ist es zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung gekommen. Bauern aus der Umgebung plünderten jüdische Geschäfte, Bcmerkenswert ist, daß die Juden von Kamien-Kaszyrski sich vor zwei Tagen an das Sekretariat des Jüdischen Parlamentsklubs mit der Bitte gewandt haben, Maßnahmen zu ihrem Schutz zu veranlassen, da deutliche Anzeichen der bevorstehenden Unruhen Vorlagen. Die ersten Nachrichten über Ausschreitungen in Kamien- Kaszyrski haben sicli als übertrieben erwiesen. Tatsächlich war von Jugendlichen versucht worden, einen Pogrom größeren Umfanges herbeizuführen. Eine jüdische Wohnung wurde verwüstet, Angriffe auf größere jüdische Geschäfte Hotel Paradies, Karlsbad Vornehm bürgerliches Etablissement. Erstklassiges Restaurant und Caf£. Weekend-Arrangement Besitzer: E. Wohlrab Telefon 4773 wurden versucht. Die Unruhen wurden jedoch durch die Polizei unterdrückt. Der Bürgermeister selbst trat den Exzedenten mit vorgehaltenem Revolver entgegen. Die Bauern, die zum Markttag in die Stadt ziehen wollten, kehrten um, als die Unruhen begannen. Die Nacht zum Mittwoch und der Mittwoch sind vollständig ruhig verlaufen. Warschau, 19. Mai. (JTA.) Die Ausschreibungen gegen Juden wiederholen sich täglich in einer Reihe polnischer Städte und Ortschaften. In Lodz wurde der 30jährige Nahum Wachowski überfallen und durch Messerstiche schwer verwunde t Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Der 59jährige Samuel Rappaport wurde niedergeschlagen und am Kopf erheblich verletzt. Auch die 24j;ihrige Frieda Heymann ist verwundet worden. Die Polizei hat Nachforschungen nach den Tätern angestellt. In Baranowicz in Ostpolen, in der Nähe der russisehen Grenze, sind zehn Juden überfallen und mißhandelt worden. Einer von ihnen hat ein Auge verloren. Polizei stellte die Ruhe wieder her und verhaftete zwei An- Herbert Samuels Ehrung Wie wir in unserer vorigen Ausgabe berichteten, ist Sir Herbert Samuel anläßlich der englischen Krönung mit dem Titel eines Viscount ausgezeichnet worden. Gleichzeitig wurde mitgcteilt, daß Herbert Samuel, der sich seit einiger Zeit von der aktiven Politik zurückgezogen hatte, demnächst wieder als Führer der sogenannten Samuel-Liberalen in das politische Leben aktiv eingreifen wird. Nachdem er bei den letzten Llnterhauswahlen als Führer der liberalen Opposition unterlegen war, zieht er nunmehr in das Oberhaus ein, wo seine allgemein geschätzte politische Klugheit und Besonnenheit, sein Gerechtigkeitssinn und seine Erfahrung wieder in den Dienst des Allgemeinwohls gestellt werden können. Samuel war mehrmals Minister, er gehörte cif Jahre lang der Regierung Asquith in verschiedenen Funktionen an; wir haben erst kürzlich aus den Memoiren von Sir Ronald Storrs eine Aeußerung von Asquith (später Lord Oxford) wiedergegeben, die beweist, wie sehr dieser berühmte englische Staatsmann die Mitarbeit Samuels schätzte. Als 1920 ein erster Zivilgouverneur für das noch der Militärverwaltung unterstellte Palästina gesucht wurde, kam Lloyd George auf den Gedanken, Herbert Samuel mit dem Amt zu betrauen; er war Jude und zugleich englischer Staatsmann, ein Mann von politischem Weitblick, administrativen Fähigkeiten und persönlichem Charme. Manche haben diese Ernennung als eine der genialsten Taten von Lloyd George bezeichnet. Jedenfalls wirkte die Tatsache, daß ein Jude als erster Friedensfürst in Jerusalem einzog, auf die jüdische Oeffentlichkeit mit geradezu mystischer Gewalt. In der prosaischen Wirklichkeit trat später freilich eine Ernüchterung ein. Manche seiner Verwaltungsakte sind (mit mehr oder weniger Recht) gerade von jüdischer Seite sehr scharf kritisiert worden. Den äußeren Höhepunkt seiner Regierungs/eit bildete sein Auftreten bei der Einweihung der Universität Jerusalem unmittelbar vor seinem Abgang 1925; damals hat dieser englische High Commissioner in hebräischer Sprache das ״Schehechejonu“ gesprochen. Auch nach seinem Fortgang von Palästina im Jahre 1925 blieb er mit der zionistischen Sache eng verbunden und hat dies bei zahlreichen Gelegenheiten deutlich gemacht. Im vergangenen Jahre trat er, der inzwischen das Amt des engfischen Innenministers bekleidet hatte, aktiv in di« jüdische Hilfsarbeit ein, indem er als Führer einer Delegation nach Amerika ging, um große Geldmittel zur Hilfe für Juden aus Deutschland aufzubringen, woraus dann der Council for German Jewry hervorging, dessen verdienstvoller Vorsitzender Sir Herbert, jetzt Lord Samuel, ist. Die Berufung Samuels ins Oberhaus ist gewiß ein Anlaß, diesen um sein Vaterland ebenso wie um das jüdische Volk verdienten Mann an dieser Stelle herzlich zu beglückwünschen. Die Hausgenossen Rabbi Lulfanos der Daronifier sagte Im Namen des Rabbi Juda bai Simon: Der Heilige, gesegnet sei Er, sprach zu Israel: Du hast vier Hausgenossen: deinen Sohn, deine Tochter, deinen Knechi, deine Magd, und auch ich habe ihrer vier: den Lewilen, den Fremdling, die Waise und die Witwe. Sie alle stehen in einem Vers ges<hrleben:«Und freue dich an deinem Feste/ du, dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd/ der Lewit und der Fremdling, die Waise und die Witwe, die In deinen Toren sind" (5. B. M. 16, 14). Es sprach der Heilige, gesegnet sei Er: Ich habe dir geboten, an den Festtagen, die ich dir gegeben habe, die Deinen und die Meinen zu erlreuen; hast du dies getan, so erfreue auch ich die Deinen und die Meinen: diese und jene werde ich eins! im Hause der Erwählung erfreuen, wiegesagl isl: ״Ich lasse sie kommen / zum Berg meines Heiligtums ich ertreue sie / in meinem Haus des Gebets" (Jes. 56, 7). Pesikta de R. Kahana iOOa Uebersetzt von ■V. M Glatze 1 greifen ln Neu-S w e n z i a n (Kreis Wilna) wurden die Fensterscheiben der Synagoge und zahlreicher jüdischer Hauser zertrümmert. Polnische Bauern schützen Juden Warschau, 17. Mai. (JTA.) In dem Dorf Zaista bei Mal kill bereiteten Bauern einer Gruppe nationalradikaler Pogromhet/er eine schwere Abfuhr. Die Pogromisten hatten lieber falle auf Juden unternommen und begannen die Schaufenster jüdischer Geschäfte zu zertrümmern. Es entstand eine Panik, die jüdischen Geschäftsleute schlossen die Läden. Die Bauern jedoch, die von den Agitatoren aufgefordert worden waren, sich an den Ausscliieitungen zu beteiligen, wandten sich gegen die Hetzer und trieben sic aus dem Dorf hinaus. Mehrere Agitatoren wurden schwer mißhandelt und mußten von Polizei vor der erregten Menge geschützt werden. Später machten die Bauern den jüdischen Kaufleuten Vorwürfe, weil sie die Geschäfte geschlossen hatten. Dadurch ermutige man die Angreifer nur zu neuen Ausschreitungen. Sic forderten die Juden auf. ihre Geschäfte offen zu halten und versprachen ihnen, sie gegen jeden Angriff zu schützen. Der antijüdische Boykott Die judenfeindliche Presse Polens veröffentlicht eine zusatnmenfassende Darstellung der Folgen des antijiidisehen Boykotts. Es wird festgestoilt, daß in den letzten Jahren in 37 Städten allein 820 jüdische Unternehmungen liquidiert wurden. Die Zeitungen bemerken hierzu, dies sei nur ein Tropfen im Meere im Vergleich zu dem, was noch bevorsteht. Protest der polnischen Juden in USA New York, iS. Mai. (JTA.) Der Verband der polnischen .Juden in Amerika hat anläßlich der tragischen Vorfälle in Brest-Litowsk einen telegraphischen Protest an den polnischen Botschafter in Washington, Graf Potocki, gerichtet. 111 dem Telegramm spricht der Verband sein Bedauern über den Totschlag an dem Polizisten Kcndziora aus, protestiert aber gleichzeitig auf das entschiedenste dagegen, daß die jüdische Gesamtheit für die Tat eines Einzelnen verantwortlich gemacht wird. Nur dadurch sei es zu den schweren Folgen für die Sicherheit des Lehens und des Eigentums der Juden in Brest-Litowsk gekommen. Gouverneur Lehman über Hilfsarbeit lieber die Bedeutung der Hilfsarbeit des Joint I) i s t r i ־ h tt t i o n Committee zugunsten notleidender Juden in Europa hat sich der Gouverneur des Staates New York, Colonel Herbert H. Lehman, in einem Schreiben geäußert, das er an den Vorsitzenden einer der landsmannschaftlichen Vereinigungen gerichtet hat, die sich an den Sammlungen des Joint beteiligen. Gouverneur Lehman erklärt, er halte die vom Joint geleistete Arbeit für die wichtigste und umfassendste im jüdischen Leben der Gegenwart. Er weist daraut hin, daß er einer der Männer war, die 1914 das Committee organisierten. und daß er seither die Verbindung mit dieser Organisation dauernd aufrecht erhalten hat. Als langjähriger Funktionär des Joint wisse er aus eigener Erfahrung, wie notwendig es sei, den Juden jenseits des Ozeans Hilfe zu bringen. In vielen Fällen drohe diesen wirtschaftliche und soziale Vernichtung. Hilfe könnten sie von keiner Seite erwarten, außer von den Juden in Amerika, Zum Schluß gab der Gouverneur der Hoffnung Ausdruck, daß die latidsmannschaftlichen Vereinigungen sielt mit voller Kraft in den Dienst des Joint stellen werden. Urteile wegen Rassenschande, ln Breslau erhielt ein jüdischer Angeklagter 1t. ״Schlesische Zeitung“, Breslau, drei Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. — In Hamburg erhielt ein 32jährigcr jüdischer Angeklagter lt. der Zeitung ״Der Mitteldeutsche“, Magdeburg, vom 25. Mai 15 Monate Gefängnis. — Ein 23jähriger arischer Angeklagter enhiett 18 Monate Gefängnis. — In E i s e 11 a c h erhielt lt. ״Thüringer Gauzeitting“, Weimar, vom 18. Mai ein 2$jähriger jüdischer Angeklagter ein Jahr Zuchthaus. — Ein weiterer 5fijährigcr jüdischer Angeklagter erhielt it. ,,Hamburger Tagebiatt“ vom 16. Mai drei Jahre Zuchthaus. — In Clientnitz erhielt lt. ״Pirnaer Anzeiger“ vorn 15. Mai ein jiidischer Angeklagter wegen versuchter Rassenschande ein Jahr und sechs Monate Zuchthaus. Beeidigung der bei der Rassensebande beteiligten Zeugin. Ein in der ״Juristischen Wochenschrift“ vom 15. 22. Mai veröffcntlichtcs Urteil des Reichsgerichts vom 9. Februar 1937 hat ausgesprochen, daß eine im Verfahren wegen Rassenschände vernommene Zeugin nicht unbeeidigt bleiben darf, weil ihr die Aussage zur Unehre gereicht. Es muß vielmehr die Ueberzetigung des Gerichts hinzutreten, daß die W 9 h r 11 e i t der Aussage dadurch beeinflußt ist, daß eine wahre Aussage der Zeugin zur Unehre gereichen würde. (Vgl. zur Frage der Be* cidigung der Zeugin bei Rassenscbandc auch das in der ״Jud. Kdsch.“ vom 27. 4. 37 mitgeteilte Rcichsgerichtsurteil.)

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