Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 38-39 (14.5.1937)
- Date
- 1937-05-14
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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8 ו *♦1*5 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38/39, 14. V. 1937 ein benachbartes arabisches Dorf unternommen haben. Sie wurden bei diesem Gegenbesuch von Kindern und Eltern auf das freundlichste willkommen" geheißen und bewirtet; man wollte sie gar nicht wieder fortlasscn. Die Natürlichkeit, mit der jener 12jährige, der die Spannung unserer palästinensischen Situation ebenso empfindet wie jedes unserer Kinder hier, von dem kleinen Verbrüderungsfest 7.u erzählen wußte, gibt neue Hoffnung. Kurzes Rcsume Tief bereichert kehrten wir an unsere Arbeit zurück. Dieses einzigartige Land hatte wieder seine Wunderkratt bewiesen und uns, wie jedem, der sich ihm ganz schenkt, auf kleinstem Raum die Fülle der Welt gelehrt. Nicht mir Schulen hatten wir ja gesellen: auch die Ausgrabungen in Shck Abrck, auch die erste Siedlung der Jugendalijah aus Ain Ilarod dicht daneben, auch den religiösen Kibbuz ,jCharutli-Cheruth“ bei Binjamina, auch das Bcth Gordon in Deganiah, jene naturwissenschaftliche Samtnel- und Forschungsstättc, die sich die Arbeiterschaft aus eigenen Kräften errichtet hat, und noch manches andere. Vor allem aber doch: Schulen. Der Gesamteindruck war zwiespältig. Wir fühlten: es ist eine ungeheuere Erbschaft da, Erbschaff an Judentum und an Minschheitshesitz. In der Form, in der die heute reife Generation der Lehrenden jene Doppelerbschaft empfing, ist sie weitgehend untradierbar geworden. Es ist also deutlich: etwas geht hier zu Ende. Doch beginnt auch etwas Neues. Was dies sein wird, bedarf gewiß der richtunggebenden Formulierung, die nicht nur das Nationale wird umfassen dürfen. Jeder von uns hat an seiner Gestaltung mitzuwirken, jeder zu seinem Teil. Haifaer Ausstellung 1937 Schau der Inländischen Industrie Trotz, seiner ständig steigenden Bedeutung hatte Haifa im Gegensatz, zu Tel-Awiw, das durch seine Levante-Messe die Aufmerksamkeit iter in- und ausländischen ()Öffentlichkeit auf den LorUcliriu im Aufbau des Landes zieht, keinerlei repräsentatives Ausdrucksmitu 1 für seine Stellung als Produktions- und Yvrbrauehs/cntrum. Der Zusammenarbeit des lgud 1/inaan To/eu th f laaicz, 1 laiia. der 1 iitaehduth-Baalej- Taassijah (IiuiiistrielKiiverband), Haifa, und der l'irma ,,Ihr- Sum“ ist es zu verdanken, daß Haifa von nun an, und zwar — wie geplant — alljährlich, seine! n d u s 11 i e - A u s s t e I - iung haben wird. Diese Ausstellung hat nicht die weitgehenden Ziele der I.evame-Alc-se, ist vielmehr eine reine Inlands-Ausstellung und dient, wie sich schon aus der Zusammenset/ung der hinter ihr stellenden Kräfte ergibt, vor ahtm einer Propaganda des T ״ / e r c t 11 - H n a r v z - O e - dankens. Aus diesem Grunde beteiligen sich an ihr auch ausschließlich palästinensische Produktionsfinnen. Die ,,'Diariirhalh-f iat,־Ki"U;ah I la;isclionali 1937 b’Häifä“, die erste Haifaer Industrie-Ausstellung 1937, zu der die Vorarbeiten bereits in vollem Gange sind, wird vom 11. bis 25. Juni auf dem GeLimk׳ der Makkabi-Halle, ldadar Hakarmel, stattfinden, die erhielt das Motto: ,,Tozcreth Haarez in Haus, Hof mul Garten“ und gliedert sich in: ״Architektur um! Bauweise des palästinensischen Hauses“, ,,Die Tozcreth-Hnarez-Wohnung“, Spezialausstellungcn und Messe der heimischen Industrie. Die Makkabi-Halle wird für diesen Zweck besonders hcrgcriclitet und mit an die hundert Ausstellungskojen und -ständen versehen. In den drei Haupt- Städten des Landes wird mit dem offiziellen Plakat an Anschlagstafeln, bei Behörden, in Schulen und Reisebüros für die Ausstellung geworben, während in Haifa und seiner näheren Umgebung noch die einzelnen Haushalte durch Vcrteilung des Ausstellungsprospektes auf sie hingewiesen werden. Der Eintrittspreis wird 1 Piaster betragen, also so niedrig sein, daß jeder die Gelegenheit benutzen wird, sielt von den Leistungen und dem Fortschritt der jüdischen Industrie in der letzten Zeit zu uberzeugen. Für die Schulen sind Gemeinschaftsbesuchc vorgesehen, und Soiiderveranstaltungcn sollen den'Rahmen der Ausstellung noch beleben. Alfred M a r k u s, Haifa ״Jaaroth Hakarmel“ Ein Volkserholungshelm Jenseits der Acltusa, bis wohin der Karmel dicht be- Siedelt ist, liegt arabisches Gebiet. Auf ׳dem mnersten Karmel Utnsätitnen dichte, wenn auch nicht hohe Wälder einen Talkcssel mit bc/aubn nder tropischer Flora: j a a r o t!1 Hakarmei (W.iklcr des Karmel) hat man diese Gegend etwas farbicr genannt. Auf einer der Hohen sieht eine alte Ruine aus der Kreuzfahrerzcit; jetzt hausen einige jüdische Menschen darin, die diesen jüdischen Besitz bewachen und zugleich die Vorbercitungsarbc!ten für die kommende Besiedlung leisten, big. Josef Löwv legte bei einer Exkursion dorthin die Ziele dar, die mit diesem Pmjckt verfolgt werden. 1111 wesentlichen soll diese idvMisehe Gegend der Errichtung eines Volkse r h 0! u n g s 11 c: i m s dienen; daneben werden auch private Somit er- und Wochenendhäuser entstehen. Auf einem der Hügel soll der Makkubi I lazair eine Fann erhalten. Notwendig für die Verwirklichung dieser Pi.tue ist der Bau einer Straße von diesem Karmelgebiet westlich nach Atldit und östlich nach Nesher, All dies ist zweifellos noch Zukunftsmusik, die aber der Wirklichkeit vielleicht weniger fernsteht, als man luc-rst glauben möchte. Die meisten Städte und Siedlungen in Palästina haben ja auf diese romantische Art angefangen. Daß in der Besitzergreifung und Projektierung einer Be- Siedlung von Jaaroth Hakarmel Pioniergeist zum Vorschein kommt, hob auch Theodor Zlocisti in einer kurzen Anspräche hervor. Alle Teilnehmer an dieser Exkursion — man sah u. a. auch Dr. Siegfried Moses und Dr. Sally Hirsch; ferner hatte sich neben einem hohen englischen Polizeioffizier aus Haifa ein befreundeter arabischer Scheie!! aus der Nachbar- Schaft cingefumlen — hatten das Empfinden, Zeugen eines wichtigen Momentes zu sein: die symbolische Besitzergreifung eines weiten, durch eine Quelle zur Oase gestalteten Gebietes, wo vielleicht in wenigen Jahren schon Palästinenser ihre Ferien verleben werden. Schon haben mehrere Menschen ihr Leben für diesen Boden hingegeben, Urnen zu Ehren _ wurde ein landschaftlich entzückender Platz als ״Kikar Josef" eingeweiht. Noch viele Schwierigkeiten sind zu überwinden. Ein großes Gebiet zwischen Jaaroth Hakarmel und Achusa ist noch in arabisch cm Besitz; es in jüdischen Besitz überzuführen, wird eine dringiichi Voraussetzung für das Gelingen des Planes sein. Dr. N. Von der Hypothekenbank. In Anbetracht des lebhaften Verkaufs der letzten Pfandbriefserie beschloß die außerordentliehe Generalversammlung der General Mortgage Bank 01 Palestine Ltd. in ihrer Sitzung vom 28. April, den Board zu ermächtigen, weitere LP 900 000 Pfandbriefe nach Bcdarf zu emittieren. In der anschließenden Boardsitzung wurden 6 ״/oige 20jährige Pfandbriefe aller S Serien im runden Betrage von £P 20 000 ausgelost. Diese Stücke werden am 1. Oktober 1937 eingelöst werden. Die Bank wird den Inhabern ein Konversionsangebot in 5*1>igc Pfandbriefe machen. Von der Woche Briefe an die Redaktion Efn bewaffneter Araber, der sich der neuen Siedlung Bet h -Josef im Beisan-Gebiet nahem wollte, wurde voll jüdischen Hilfspolizisten aufgefordert, zu halten, worauf er zu schießen begann; die Polizisten erwiderten das Feuer, wodurch der Araber tödlich verletzt wurde. Drei Poiizisten wurden verhaftet. Der Araber gestand vor dem Tode, daß er zuerst geschossen hatte. Der aus Polen stammende 28jährige Josct Sirotkin, Mitglied der neu angesiedelten Kwuzah Gi'vath Haschloscha, wurde durch einen unglücklichen Zufall während der Sprengarbeiten im Steinbruch von Migdal Zedek getötet. Nach abgeschlossener Voruntersuchung vor dem Richter in Jaffa sind die zwei Angeklagten im Zwang er-Proz e ß zur Aburteilung an das Geschworenengericht überwiesen worden. In H a i f a, wo ein Bombenanschlag gegen das Haus eines gemäßigten Arabers verübt worden war, haben zahlreiche arabische Bürger Drohbriefe erhalten, in denen sie aufgefordert werden, sich den Befehlen der Terroristen zu fügen, anderenfalls würden die Anschläge sich wiederholen. Aus dem Bezirk Nazareth sind 24 arabische Agitatoren ausgewiesen worden. Der Klub Kadiina in Tel-Avviw, dem aus Griechenland eingewanderte Juden angehören, und die Vereinigung Oie Thessaloniki haben durch den griechischen Vizekonsul in Jaffa der griechischen Regierung eine Petition überreichen lassen, in der gebeten wird, daß die griechischen Dampfer künftig ihre Schiffe regelmäßig in Tel-Awiw anlegen lassen. Wirtschafts-Nachrichten Das Direktorium der Anglo-Palestine Bank hat in seiner am 7. Mai in Jerusalem abgehaltenen Sitzung beschlossen, der Generalversammlung die Ausschüttung einer endgültigen Dividende für das Jahr 1936 aut die Stammaktien und Stammaktien ״A“ von 6-׳:! Prozent abzüglich Steuer zu empfehlen. Zusammen mit der im Oktober 1936 zur Aus- Zahlung gebrachten vorläufigen Dividende wird die Jahresdividende insgesamt 10,6 Prozent abzüglich Steuer betragen. Die Generalversammlung ist für den 27. Mai anberaumt. Im Laufe des Monats Mai wird unter der Kontrolle der Departments der Jcwjsh Agency für Handel und Industrie und für Statistik eine Zählung der jüdischen Industricunternchni ungen, Handwerks- und H a n dclsbctricbc Palästinas durchgeführt. Die Zählung erstreckt sich auch auf die Ermittlung der Zahl der in den Betrieben beschäftigten Arbeiter, des Umfangs der Produktion usw. Laut den Berichten, die der Kolonistenvcrband von den wein- und obstbautreibenden Siedlungen im Norden des Landes erhalten hat. wird die nächste Ernte dieser Siedlungen aut etwa 60 009 Kisten Weintrauben und 8000 bis 10 000 Kisten Aepfci geschätzt. Die Tageszeitung ״Felestin“ meldet, daß die Regierung«- abteihmg für öffentliche Arbeiten demnächst größere Bewiisserungs arbeiten in Südpalästina durchführen wird. Die dort erschlossenen Quellen sollen zur Versorgimg der arabischen Dörfer mit Wasserleitungen und zur Entwicklung des Gemüsebaus ausgenutzt werden. In Kairo werden zur Zeit Verhandlungen über den Ab- Schluß eines Handelsabkommens zwischen Aegypten und Trans Jordanien geführt. In der transjordanischcn Hauntstadi Amman soll eine ständige Ausstellung ägyptischer Erzeugnisse eingerichtet werden. Gleichzeitig finden auch Verhandlungen über den Abschluß eines Handels¬ Vertrages zwischen Aegypten und dem Irak statt. Der englische Dampfer ״Sicilian Prince“, der am 7. Mai von London abgegangen ist, wird als erstes englisches Schiff seine Ladung an •der Tel-Awiw er Anlegestelle löschen. Es wird angekiindigt, daß englische Frachtdampfer in Zukunft Tel-Awiw anlaufen werden, wenn sie Waren für diesen Hafen führen. Wie uns mitgefeilt wird, hat am 6. Mai zum ersten Maie die neue Linie der französischen Staatsreederei Messageries Maritimes von Konstanza nach Haifa verkehrt. Palästinensische Wertpapiere Die palästinensische Bankfirma Jacob J a p h et & Co. Ltd. hat kürzlich ein Büchlein ״Palestinian Securities“ herausgegeben, das als ein wahres Standardwerk zur Information über sämtliche palästinensischen Wertpapiere bezeichnet werden kann. Das Heft zeichnet sich durch eine überaus sorgfältige Redaktion aus und enthält alle wichtigen Angaben, die man sich sonst nur mit großer Mühe aus einzelnen Quellen verschaffen kann. Ucber die Organisierung des palästinensischen Wertpapiermarktes sind unsere Leser durch verschiedene Veröffentlichungen in der ,,Jüdisehen Rundschau“, zuletzt durch die Artikel von Ernst Kahn ״Anlage-Möglichkeiten“ (Nr. 19 und 20 der ״Jüdischen Rundschau“) informiert. Es besteht zwar keine Börse, aber eine inoffizielle Clearingstelle in Tel-Awiw, wo die Kurse der in Palästina gehandelten Wertpapiere festgesetzt werden. Das vorliegende Buch berücksichtigt darüber hinaus in seiner Aufzählung auch solche Papiere, die i!1 eine andere Kategorie fallen, z. B. die an der Londoner Börse gehandelte Regierungsanleihe, die von der britischen Regierung garantiert ist und daher begreiflicherweise einen ziemlich hohen Kurs hat. Aber auch die Anleihe der Stadt Tel-Awiw <6!r •ige Anleihe von 1923) notiert über pari. Wir finden weder verzeichnet die Anleihe des Keren Kajemeth, die Aktien der Anglo Palestine Bank und des Jewish Colonial Trust, der P. L. D. C., der Allgemeinen Hypothckcn-Bank und der Arbeiter-Bank. Von allen diesen Papieren werden nur die Pfandbriefe der Hypothekenbank in größerem Umfang gehandelt. Auch die Shares des Palestine Corporation Ltd. (Präsident Sir Robert Waley Cohen, London) sind nicht aur dem Markt. In eine etwas andere Kategorie gehört die Gesellschaft ״Nir״, die bekanntlich auch Obligationen herausgibt. Das Buch enthält auch neue Gesellschaften, wie die Palestine Agricultural Settlement Association (Pasa) und die Bizur Ltd. Zu den Gesellschaften von teilweise öffentlichem Inter* esse kann auch noch die Palestine Electric Corporation (Ruthcnhcrg) und die Jerusalem Electric and Public Service Corporation, eine rein englische Gesellschaft, gerechnet werden. Anschließend daran finden wir eine Uebersieht über die wichtigen Industricunternehmungen, wie Palestine Potash (Totes Meer), Kallia (Badeort am Toten Meer), die Brauerei in Rischon, die Kühlhaus-Gesellschaft, die Kupferfabrik ״Nc* chitshtan“, die Hotel-Gesellschaft, die das ,,King David-Hotel“ betreibt, die Zementfabrik ״Nesher“, die rein englische Gesellschaff ״Spinncy“. Bei jeder dieser Gesellschaften sind genau die Organisationsform, die Namen aller Funktionäre und Aufsichtsräte, alle Einzelheiten über die betreffenden Wertpapiere, ferner die Erträgnisse oder Verluste der letzten Jahre und die Höhe der ausgezahlten Dividenden angegeben. Auf diese Weise erlangt man nicht nur eine Uebersieht über die Wertpapiere, sondern auch noch einen Einblick in das palästinensische Wirtschaftsleben überhaupt. Die Herausgabe dieses Büchleins muß also von jedem, der sich über die palästinensische Wirtschaft informieren will, besondere warm begrüßt werden. Sport in Palästina Köln-Braunsfeld, Ben 11. Mai Sehr geehrte Redaktion! Der Artikel von Hans Friedemhal in Ar. 38 war wohl allen, denen! die heramvachsende jüdische Jugend am Herzen liegt, aus der Seele gesprochen. Jedem, der in Palästina gewesen ist und dort mit offenen Augen herumgeht, muß auffallen, wie wenig für die lsürperliehe Erziehung der jüdischen Jugend dort getan wird. Tel- Awiw gleicht einem Steinmeer, wo man jedes Interesse für Grünanlagen, Spiel- und S|J0rtplatze vermißt. Ich brauche mich hier nicht zu wiederholen, nachdem Herr Friedenlba! wirklich eile» Notwendige hervorgehoben lat. Ich halte diese Frage föf äußerst wichtig. Vor allem maß auch mit den entsprechenden Instanzen, evtl, mit der Stadt- Verwaltung in Palästina, bei de- 11CT1 wir einen Einfluß haben, insbesondere in Tel-Awiw entsprechend Fühlung genommen werden. Es muß etwas gescheiien; mit schönen Straßen, Hochhausem usw. allein ist dem Lande nicht gedient, wohl ab« mit einer Jugend, die Sinn für die Natur hat und körperlich und geistig gestählt und dk». püniert ihren Mann steht, llur ergeljener Karl Dülken Ausstellung Jakob Nußbaum Zum dritten Male veranstaltet das Museum Tel-Awiw für einen großen jüdischen Künstler eine Ausstellung. Nach dem Tode L i e b e r 111 a n n s im Februar 1935 war das Museum Tel-Awiw aas einzige Museum, das das Andenken des Meisters durcii eine Ausstellung ehrte. Vor wenigen Monaten wurde dann das Lebenswerk Lesser Urys anläßlich seines 75. Geburtstages in einer erschöpfenden Uebersieht gezeigt. Diesmal gilt es, einen Künstler zu ehren, der vor kurzem aus unserer Mitte geschieden ist. Er war erst vor einigen Jahren nach Palästina gekommen, hatte hier aber mit großen Hoffnungen und Plänen aufs neue begonnen; denn er fühlte sich trotz seines ergrauenden Haares jung und kräftig und hatte nur einen Wunsch: mit seiner Kunst dem Lande zu dienen. Jakob Nuß bäum ist am 19. Dezember 1936 in Kinereth gestorben. Die Ausstellung zeigt 120 Werke aus allen Epochen seines Lebens, die ein abgerundetes Bild von dem großen Können dieses Meisters geben. Bereits mit 23 Jahren war er ein vollendeter Zeichner. Seine Arbeiten aus der Münchener Zeit haben etwas Alfmcisterlichcs, sie erinnern an Leibi. Eine erstaunliche Modulationsfülle spricht aus diesen kleinen Blatteben von feinster Durchführung bis zu großzügiger Konzepfion. Auch die Gemälde zeichnen sich durch sichere Farbengebung aus. Und 1900 — also mir vier Jahre später — begegnen wir einigen Bildern, die mit zu dem Besten impressionistischer Malerei gehören. Nußbauin hatte, wie diese Beispiele zeigen, schon früh seine Linie gefunden. Er ist ihr mit eiserner Konsequenz , Abirren oder Suchen, sondern stets eine wohltuende Ge- Jassenheit und Ruhe. Zunächst sind da einige Porträts. Das Selbstbildnis von 1900 und das Bildnis des Chirurgen Dr. Altschüler sind Marksteine. Und unter den Landschaften nehmen die Engadinbilder einen hervorragenden Piatz ein. Wer hat seit Segantini die Welt des ewigen Schnees, die kristallklare Luft der Berge, so überzeugend aargesfcllt? ’ .. Den Hauptteil der Ausstellung 'nehmen die palästinensischen Landschaften ein. Nußbaum kam 1925 erstmalig nach Palästina, nach Tibcrias und entdeckte hier seine große Liebe: den See mit den sanft ansteigenden Ufern und üppigen Matten, auf die von fern her der schneebedeckte Hormon herüberblickt. Nußbaums Mappen füllten sieh mit Skizzen und Aquarellen. Es entstand auch eine Serie von 10 Radierungen, duftige und zarte Blätter, die das eigenartige Flimmern des Lichtes vortrefflich wiedergeben. Das Gefühl traumhafter Begeisterung, das den Künstler hier gepackt hatte, ließ ihn nicht wieder los. Er sehnte sich hierher zurück und ruhte nicht, bis ihm dieser Wunsch acht Jahre später in Erfüllung ging. Nulihaum wurde der Maler des Tiberias-Sees. Un״ ermüd lieh, mit immer neuer Dankbarkeit für das Erlebnis, hat er diese seine geliebte Gegend in großen und kleinen Blättern, mit der Feder und dem Pinsel, darzustellen versucht. Alle Stimmungen,;die Jahres- und Tageszeiten hat er eingefangen, jedes Winkelchen liebevoll betrachtet, jeden Baum und jeden Strauch gekannt. Und aus alle dem hat er Symphonien gedichtet. Bis in die letzten Tage seines Leben*! hat er geschaffen. Sein Plan war es, ein Buch über den See und seine Umgebung herauszugeben, und hierzu fertigte er Federzeichnungen, die in ihrer Klarheit und Einfachheit alles Bisherige übertreffen. Seine Aquarelle wurden immer tarbenstärker. Das Licht leuchtet in ihnen und die’ Luft singt.! Dr. Karl Schwarz Neue palästinensische Kompositionen Soeben erschienen im ״Ibneh“-Vcrlag (vormals Figaro■ Hofmeister-Verlag) zwei Lieder sowie zwei Stücke für Violine oder Cello mit Klavierbegleitung des jungen jüdischen Kornpotiisten Julius Chajes, der seit einigen Jahren am Tel- Awiwer Konservatorium tätig ist. Die interessanten Werke weisen eine Gegenüberstellung der beiden Stilartea auf, die das heutige jüdische Musikschaffdn charakterisieren, und zwar sind Chajes׳ Lieder im neu-palästinensischen Stil (beduinischjemenitisch) und seine Instrumenialwerke im alt-überlieferten Stil (synagogal) gehalten. Besonders bemerkenswert ist die Harmonisation der Werke, die — aus der Tonart der Melodien entnommen — mit der Melodie ein einheitliches Ganzes bildet. Die Werke sind eine wertvolle Bereicherung der neu• palästinensischen Musikliteratur. k. Palästinensische Schiffahrtslinien. Uns wird geschrieben: Die Ausführungen in Nr. 36 der ״Jüdischen Rundschau“: ״Dampfer ,Tel Aviv‘verkauft“, konnten den Eindruck erwecken, als ob mit dem Verkauf dieses jüdischen Schiffes der erste und einzige Versuch einer jüdischen Schifffahrts-Linic gescheitert ist. Erfreulicherweise sieht es in der Wirklichkeit anders aus. Abgesehen von verschiedenen kieincren jüdischen Frachtlinien mit Sitz in Palästina, die den Frachtverkchr mit der nördlichen und südlichen Levante vermitteln, gab es auch schon vor der ״Tel Aviv“ eine jüdische Lime, die mit zwei Schiffen: ״Har Zion“ und ״Har Carm e 1“ in einem regelmäßigen wöchentlichen Dienst Passagiere von Constanza nach Haifa und zurück befördert: die Palestine Maritime Lloyd Ltd., Haifa. Diese Linie erfreut sich insbesondere bei den Palästinensern großer Beliebtheit und ist durch das Anlaufen von Istanbul eine reizvolle Verbindung zwischen Palästina und Europa. Jedenfalls ist durch den Verkauf der ״Tel-Aviv“ die jüdische Flagge auch im Passagietverkehr nicht vom Meer ver* schwunden. (Schluß des PaiSsfinateils)