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Jüdische Rundschau · 1937-05-14 · Heft 38-39 (14.5.1937) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 38-39 (14.5.1937)
Date
1937-05-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 38/39, 14. V. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 17 Pädagogische Fahrt durch das Land / Ein Bericht von Dr. Ernst Simon Die Lehrerseminare Palästinas haben seit c'migen Jahren den Brauch übernommen, die künftigen Jugend- Bildner durch systematisch gestaltete pädagogische Fahrten durch das Land in Fühlung mit den verschiedenen Schultypen zu bringen, auf die sie sich später verteilen werden. Eine solche Fahrt dauert gewöhnlich zehn Tage und fütjrt zu Schulen und Erziehungsgemeinschaften in der Stadt und auf dem Lande, in Kolonien, Moschawe’ Owdim, Kwuzoth, Kibbuzim und Jugenddörfern. Nach Abschluß der Fahrt arbeiten die jungen Lehrer weitere zehn Tage praktisch in verschiedenen Schulen des Landes, und manchmal in einer, die soeben von der ganzen Klasse besucht wurde. Die so gesammelten Erfahrungen sollen dann in einem kollektiven Bericht, an dem sich sämtliche Teilnehmer der Fahrt heteiligen, zusammengefaßt werden und als Grundlage für die Weiterarbeit des Seminars und seiner künftigen Jahrgänge dienen. Der in folgendem skizzierte Ausflug wurde vom Überkurs des Hebräischen Lehrerseminars in Beth Hakerem, Jerusalem, durehgeführt. Jugenddorf Ben Schemen Wir verließen Jerusalem an einem Freitagmorgen und fuhren direkt nach Bett Schemen. Die dortige Schule wird nach sehr modernen Grundsätzen geleitet und arbeitet im wesentlichen nach der ״Projektmethode“. Das bedeutet, daß der Stoff in "den einzelnen Arbeitsgruppen, die weitgehend an die Stelle der Klassen treten, nicht nach Fächern, sondern nach Themen aufgetcilt ist. Ein und dasselbe Thema — wie etwa: der zweite Tempel, oder: die jüdische Landwirtschaft — bietet den Konzentrationspunkt für eine ganze Reihe von Arbeiten, die sonst die verschiedensten Fächer wie Geschichte, Literatur, Naturwissenschaft, Rechnen (Messen!) betreffen würden. Das Klassengespräch •tritt bei dieser Methode zurifck: es behält wesentlich die Funktionen des einleitenden Stoffüberblicks und der abschließenden Wertung. Zwischen beiden aber liegt die Hauptarbeit der Schüler, die auch in den Schulstunden selbst zum Teil individuell erfolgt, indem jeder Einzelne ein Sonderthcma aus dem Kreis der behandelten Frage sich erwählt und für seine Bearbeitung die Verantwortung übernimmt. Diese geschieht in Form von schriftlichen Niederlegungen, bei deren Ausgestaltung auf Sauberkeit und gute äußere Form starker Wert gelegt wird, sowie in mündlichen Berichten über das Erarbeitete, nachdem es die Kritik und Korrektur des Lehrers passiert hat. Diese Methode, die unter starken Einwirkungen des amerikanischen Pädagogen Dal ton steht, wird in den verschiedensten Formen und Abschattierungen angewandt: ihre Einführung in Ben Schemen ist dein langjährigen Leiter der dortigen Schule, Pol an i, zu danken, der sich über seine Unterrichts- und Erzichungsgrundsätze auch in einem hebräischen Buche ausgesprochen hat. Er ist vor kurzem in die Kwtizah Bcth Alpha, aus der er hervorgegangen ist, wieder zurückgekchrt; Technik und Geist seiner Arbeit aber werden von den jüngeren Erziehern bewahrt, die sie von ihm gelernt haben. Für die pädagogische Arbeit in Ben Schemen ist weiter kennzeichnend, daß Kinder und Jugendliche von vornherein darauf eingestellt sind, einen gewichtigen Teil ihrer Zeit der körperlichen Arbeit zu widmen. Dies geschieht in den drei Sektoren: Landwirtschaft, Handwerk und Haus- Wirtschaft, von denen die beiden ersten größere Beliebtheit genießen als der dritte. Wir hatten Gelegenheit, durch Besichtigung und Anhörung erklärender Vorträge, denen stets eingehende Fragenbeantwortung folgte, die verschiedensten Arbeitszweige des Jugenddorfes kennenzulernen: neben der Volksschule die landwirtschaftliche Schule, die — nach ihrer hündischen Herkunft organisierte —Gemeinschaft der Jugend- Alijah, sowie das kulturelle Gesamtleben des Dorfes, wie es sich bei dem gemeinsam erlebten Schabbat wesentlich nach der ästhetischen Seite hin darstellt. Unsere eigene Mit- Wirkung an der Gestaltung dieses Schahbat — es wurde über Jeremia, neuere deutschsprachige Literatur und, bei der dritten Schabbatmahlzeit, über Franz Rosenzweig gesprochen — verhalt uns, durch das Echo in Rede und Gegenrede, das sie hervorrief, zu einem näheren Kennenlernen der Insassen des Jugenddorfes. Schulwesen der Großstadt Die nächsten beiden Tage der Fahrt gehörten Tel■ Awiw. Diese werdende Großstadt hat ein so weitverzweigtes und in sich verschiedenartiges Sclnilwerk, daß auch viele Wochen nicht reichen würden, um es wirklich genau kennenzulernen. Wir beschränkten uns auf einige wenige Schulen. Am ersten Tage besuchten wir einen Komplex von Schulen, der, quadratisch um einen großen freien Platz gebaut, die folgenden Anstalten umfaßt: das Seminar für Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen der ersten Schuljahre, die dazugehörige Musterscluile (eine vdlausgcbaute Volksschule) und die große städtische Mädchenschule Tcl-Awiws, die sich aus der ältesten hebräischen Schule des Landes, der von Achad Haam 1901 beschriebenen ״hebräischen Schule zu Jaffa“, zu ihrem jetzigen Standard entwickelt hat. Wir sahen hier, wie auch am folgenden Tage, an dem wir uns in kleinen Gruppen auf einige Schulen verteilten, eine Fülle guter Arbeit in den verschiedensten Methoden und natürlich auch manches, was nachdenklichen Widerspruch hervorrtifen kann. Sehr eindrucksvoll stellt sich die kulturpolitische Leistung Tel-Awiws dar: die Stadt erhebt kein Schulgeld, sondern eine Erzichungs- Steuer von all ihren steuerzahlenden Bürgern, ohne Rücksicht auf Familienstand und Kindcrzahl. Auch die Beschaffung des Unterrichtsmaterials geschieht zentral durch die Stadt- Verwaltung, wobei aber die Freiheit jeder Schule, die ihr genehmen Lehrbücher auszuwählen und einzuführen, durchaus gewahrt bleibt. In verschiedenen Stunden, die wir in Tel-Awiw hören durften, fiel uns die geordnete und ruhige Form auf, in der die Kinder ein Problem miteinander und mit ihrem Lehrer besprechen. Jedes Kind beginnt seine Aussage mit einer Kennzeichnung dessen, was es sagen will, oder einer richtunggebenden Beziehung auf vorher Geäußertes, wie etwa: ״Ich will Jochanan antworten“; ״Ich habe vor, Ghanas Worte zu unterstützen“; ״Ich möchte einen neuen Vorschlag machen“. Neben den positiven Eindrücken steht das Problematische: etwa der starke Unterschied zwischen den Frequenzzahlen der ersten und denen der letzten Klassen fast aller besuchten Schulen, die sich aus der für viele 11-, 12- und 13jährigen Kinder bestehenden Notwendigkeit erklärt, zum Lehensunterhalt ihrer Familie beizutragen. Auch rein didaktisch drängen sich viele Fragen auf: So ist es z. B. durchaus nicht leicht, im Bibelunterricnt die rechte Mitte zu finden zwischen der Notwendigkeit, das Traditionsgut zu überliefern, und jener anderen, es in einer den verschiedenen Lebensaltern pädagogisch angepaßten Art und Weise zu tun. In der Pica-Kolonie Unserem Plane folgend, fuhren wir von Tel-Awiw in die Pica-Kolonie Benjamina, um die dortige Schule kennenzulernen. Ein Empfangsabend der Lehrerschaft gab Gelegenheit zu einer intensiven Vorbesprechung, die uns auf den kommenden Besuch erst so recht vorbereitete. Die Lehrer dieser nicht sehr umfangreichen Anstalt machen den Versuch, ״aus einer Schule im Dorf eine Dorfschule zu machen“, d. h. Lehrprogramm und Unterrichtsweise darauf einzustellen, daß die Jugend sich in der Kolonie verwurzelt und ihre berufliche Zukunft später einmal auf dem Lande und nicht in der Stadt sucht. Zu diesem Zwecke hat man jetzt begonnen, über der achtstufigen Volksschule zwei weitere Klassen einer höheren landwirtschaftlichen Fachschule aufzubauen, die aber noch wenig Zuspruch findet: die Lockung der Stadt ist allzugroß. Ein besonderes Problem Renjamiuas bildet die Siedlung georgischer Juden, die von der Pica dorthin gebracht wurden und vor allem Jasmin für deren Parfümfabrik anbauen, ln früheren Jahren bestanden starke soziale Spannungen zwischen den Kolonistenkindern und den Kindern dieser halborientalischen Juden, die bis auf die Schulbank hineinwirkten, nun aber behoben sind. Hingegen dauert eine andere Schwierigkeit unvermindert fort: In der Zeit der Jasminernte müssen diese Kinder ihren Eltern helfen, und zwar geschieht das, der für die Pflanzen unerträglichen Tageshitze wegen, in den letzten Stunden der Nacht, manchmal von 2 Uhr an. Die Kinder kommen dann von dieser vielsttindigen Arbeit direkt in die Scliu'e. In der erwähnten Besprechung 8‘eUte, einer der Scminaristen die folgende Frage: ״In Benjamina wird sehr viel mit Arabern gearbeitet. Wie gelingt es den Lehrern, bei den Kindern eine positivere Haltung ■zum jüdischen Arheiter zu erwecken, ohne sie einerseits in Gegensatz zu ihren Eltern zu bringen und ohne sie andererseits in eine antiarabische Stimmung zu treiben, die dem Zionismus, als einer von Grund auf humanitären Bewegung, zuwiderläuft?“ Die Frage entfesselte eine sehr lebhafte Diskussion, die naturgemäß zu keinem formulierbaren Ergebnis führte, aber ihren Wert in sich selber trug. Die Schule der Arbeitersiedlung Von den mehr ״bürgerlichen“ Schultypen, die wir in Tel-Awiw und Benjamina gesehen hatten, ging der Weg zu einigen Schulen, die dem ״Erzichungszentruni“ (Mcrkas Lechinuch) der Allgemeinen Arbeiterorganisation unterstellen. Das Netz dieser Schulen, die eine kulturpolitisch vollkornmene, administrativ beinahe gänzliche Unabhängigkeit vom Sclnilwerk des Waacl Leumi genießen, umfaßt durchaus nicht etwa alle Kinder von Arbeitern, insbesondere nicht in den Städten, aber sämtliche Schulen der Arbeitersiedlungen auf dem Lande. Programm und innere Struktur weichen in vielem Grundsätzlichen von den allgemeinen Schulen — und natiirlieh noch mehr von den orthodoxen Misrachi-Schtilen! — ab, sind aber auch unter sich sehr stark verschieden. Eines allerdings ist all diesen Anstalten gemeinsam: das Streben, von der achtklassigen Volksschule zum zehnklassigen Pflichtunterricht zu gelangen. Auch die Erscheinung der Schulflucht aus den oberen Klassen existiert hier nicht: überall dort, wo, wie zum Beispiel in Nahalal, die zehnklassige Volksschule bereits ausgebaut ist, wird s'e in der obersten Klasse nicht schlechter als in der untersten besucht. Haben so die hebräischen Volksschulen Palästinas überhaupt, schon durch die Einführung der englischen Fremd- Sprache vom fünften Schuljahr an, den Charakter von Mittelschulen, so gilt dies in erhöhtem Maße für das Schulwerk der Arbeiterschaft. Es gilt auch für Nahalal, obwohl in diesem ältesten Moschaw Owdim des Landes auf Beschluß der Elterni — die jeden Tischa he’ Aw zu einer Erzichungstagung Zusammentreffen — keine Fremdsprache gelernt wird, weder Englisch noch Arabisch. Man will dort das gesamte Erziehungswerk um zwei Zentren gruppieren: um die jüdische Kultur und um die Natur Palästinas. Der Rahmen der' hebräischen Kultur wird hierbei sehr weit gefaßt: wir hörten in der vorletzten, neunten Klasse, eine philologisch wie historisch gleich gut fundierte Interpretation der aramäischen Urkunden im biblischen Buche Esra — aber er entbehrt eines klar formnlierbarcn religiöser» Zentrums. So werden zwar einerseits erhebliche Teile auch der alten und mittelalterlichen Literatur unterrichtet, aber andererseits konnte sich ein Kind über den Synagogenbesuch eines Altersgenossen so wundern, daß es ausrief: ist ein junger Saba“ (Großvater). Ein Großteil der selbst belebt den Traditionsstoff von einem erinnerten oder ererbten ursprünglich religiösen Pathos her, das auch in säkularisierter Form noch gleichsam musikalische und stimmimgshafte Schwingungen bewahrt. Die Frage ist, ob und inwieweit dergleichen sich weitergehen läßt. Die Naturnähe dieser Jugend ist ohne weiteres gewährleistet durch die Tatsache ihrer tätigen und oft recht angestrengten Mitarbeit in den elterlichen Wirtschaften; sie wird durch den naturwissenschaftlichen und chemisch-physikalischen Unterricht zum Bewußtsein gebracht und unterbaut. Auch diese Jugend aber setzt den Lebensweg ihrer Eltern großenteils nicht geradlinig fort: nur entspricht der Landflucht, auf die wir in Benjamina stießen, hier ein eher umgekehrt zu deutendes Phänomen: der Weg von der halb kollektivistischen, halb individualistischen Siedlungsform des Moschaw Owdim in die durchaus kollektivistische der Kwuzah oder des Kibbuz. Ein Teil der Jugend von Nahalal, dem die Siedler Boden im nahen Schimron abgetreten haben, hat sich zu einem neuen selbständigen Versuch entschieden, dessen Gestalt der Kwuzah näher stellt als dem Moschaw. Als Grund hierfür darf man den Willen einer idealistischen Jugend einsetzen, die ״Besserung der Welt“ nicht von den Vätern zu ererben. Haben wir oben Judentum und Natur als die beiden Zentren der Schule von Nahalal angesprochen, so darf nicht vergessen werden, daß auch die Probleme der Gesellschaff einen wesentlichen Raum einnehmen. Eigene Schulstunden, von der vierten Klasse an — es gibt Klassen und Stunden, da man hier von den extremen pädagogischen Reformen wieder abgekommen ist — dienen Erörterungen über Zeitfragen; in den Oberklassen ist' auch Zeitungslektüre ein Schulfach. Obwohl nur eine Zeitung dabei zugrunde gelegt wird, soll durchaus die Kritik der Schüler am gedruckten Wort gefördert werden. Sie kam, wie wir hörten, besonders stark während der letzten blutigen Ereignisse in Palästina zum Ausdruck. In Mischmar Haemek Von Nahalal nach Misch mar Haemek! das heißt: vom Moschaw in den Kibbuz, von der Generallinie der palästincnsischcn Arbeiterschaft zu einem opponierenden Auslätifer, dem ״Haschotner Hazair“, und niidagogisch von einer Schule, die ihre Sturm- und Drangzeit hinter sich hat, in eine Erziehungsanstalt, die sich bewußt dauernd zum Träger neuer und kühner Versuche macht. Der ״Mussad“, das erzieherische ״Institut“ von Mischmar Haemek, dient nicht nur dem benachbarten Kibbuz, sondern der ganzen Kibbuzbewegung des ״Hasehomer Hazair“ in Ercz Israel. Die Kinder werden vom achten Lebensjahre an aufgenommen, werden also, wenn s:e aus anderen Kibbuzim kommen, schon in diesem zarten Alter örtlich weit von ihren Eltern getrennt. Das Institut hat ein eigenes, ganz, modern eingerichtetes Gebäude mit Internat und Arbeitsräumen, sowie einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb, der von dem des ״Das Lehrer benachbarten Kibbuz völlig getrennt ist. Auch liier wird eine Ausbildung bis zum 10. Lebensjahre angestrebt und zweifellos durchgeführt werden. Der Unterschied gegen• über Nahalal ist gewaltig: dort keine Fremdsprachen, hier zwei: Englisch schon vom 10., Arabisch vom 12. Le* bensjahr an. Dabei ist die Zielsetzung für beide Sprachen eine durchaus verschiedene: Englisch soll vor allem als Schrift- und Buchsprache, unter bewußter Vernachlässigung des korrekten und geläufigen Sprechens, gelehrt werden, um, als Fenster nach Europa, die Verbindung mit der allgemeinmenschlichen Kultur und den Problemen des gesellschaftliehen Lebens zu ermöglichen. Arabisch wird hingegen -- wie übrigens auch am Dehuiigsgviimasiiim der l 'niversität in Betli Hakerem — als gesprochene Sprache gelehrt, zu der erst allmählich die Selirift/eiehen 11111/ub etea. Die Absicht ist, eine unmittelbare Verständigung von Mensch zu Mensch mit dem arabischen Nachbar zu erreiche». Der Lehrer, ein junger Jude aus Bagdad, führt schon mit den jüngsten Schillern arabische Gespräche. Diese Fremdsprachen, sowie einige ״technische“ — aber hier weit mehr als technische - - Fächer, wie vor allem Singen, sind die einzigen, die in Mischmar 1 iaemek in der Form regelrechter Schulstunden unterrichtet werden. Die gesamte übrige Arbeit geschieht in konsequetiler Anwendung der ״Projektmethode“, die in Ben Schemen bewußt nicht ganz so extrem durchgefiihrt wird. Konnten wir so an der eigentliehen Arbeit der Kinder nur /usehaucmler-, nicht aber zuhftrenderwelse teilnelniieii -״״ jedes Kind arbeitet ja für sich allein oder in Arbeitsgemeinschaft mit einem Kann radeil, und richtet nur dann und wann an den anwesende!! 1 obrer eine leise!'rage , so hot uns die A!1 s - t 1ח 111!־ g der S c h ii 1 e r a r b e i t e n einen überaus lehrreichen Einblick in das auf diesem Wege I rmUuc Nein miad r wertvoll waren die ('!(1spräche, die vor tiiiuen dm!Sen: d:!s eine mit einer Gruppe von 12- Ins! )jährigen Kindern ul'•er A. D, Gordon und seine besondere Auffassung mm Y!!!k, Religion und Gesellschaft, das /weite mit der < lonens!!:!ft der F.rzieher und Lehrer. Die dabei aufgv-telllm! und /um Teil beantworteten I ragen betraten u. a. dm I’:-׳bienie der Koedukation und ihrer (ireii/eii, des B;b,';neei rc kies -. kann sieh die Bibel damit begütigen, in ei:1׳elm 1111 1׳ •r Teile als Stoff für die verschiedensten l’rojikte h ran gezogen ׳zu werden? —, der notwendigen, aller nicht immer deutlichen Uebereinstiminiiiig zwischen ih r I einm-lonii der Kinder und ihrer sozialen Ideologie, der (iefalir einer neuen 1Scholastik, die sich ans dem von vornherein fc-tliegemieii I ivieliungsziel ergehen konnte iwr. Die Bereitwilligkeit, mit der Kinder und Erwachsene sich auch sehr andersartigen .VUn-clicn und Meinungen stellten, machte einen besonder' tici'en I indruck*). Und hoch im Norden Die letzten eineinhalb Tage 11:1-1;:r Buhlt \ ■1 brachten wir in Kfar Gileadi, der Kwu/ah der alten V.achter im Norden des Landes, unweit der syrischen Gmi/r, auch sie auf Pica-Boden und neuerdings vereinigt mit '1 ei Gliaj, dem Todesort Triiinpcklors, wo sich jetzt eine gemischte Gruppe von Jugendlichen aus Palästina und I )eutscidaiui befindet —« auch dies ein erstmaliger und eigenartiger Versuch! Die Schule in Klar Gileadi ist stark von der in Mischmar Haemek beeinflußt, mit deren I eurem sie in ständigem Meinungsaustausch steht, zeiget aber doch charakteristische Abweichungen. Zunächst einmal erlaubt die noch kleinere Anzahl von Schillern in jeder Gruppe etwa 5 bis 10 statt 15 — eine so intensive Selbstarbeit jedes I in/einen, daß man sich an die, auf Normalseliulen nicht mehr übertragbare, Form des Privatunterrichts erinnert fühlt und daran denkt, wie viele Seliulrefoniter seit Loke und Rousseau von der ,,Hofmeisterer/ichung“ ausgegangen sind. Freilich handelt es sich liier nicht um englische Geiitlemen oder französische Aufklärer, sondern um palästinensische Arbeiter, allerdings eines sehr hohen Kultiirs! •!ndnrd.. Ein äußeres Anzeichen dafür ist die Absicht, in der obersten Klasse 11 er Schule — auch sie hat ihre zehn Jahrgänge ״Och nicht erreicht —■ zum Englischen und Ara hidien, dm nach den gleichen Grundsätzen wie in Mischmar llamm k unterricht et werden, noch das J i d d i s r 11 e /u fugen. um den 7u-ammenhang mit den jüdischen Massen des ( Mens und Amerikas zu ermöglichen. Fine Stiidienfalirt in die I!!!der jinh-mher Massen- Siedlung Europas schwebt Lehrern wir Schillern sowohl in Mischmar Haemek wie in Kfar (iiieadi ab; ein höchst erstrebenswertes, wenn am!!,*fernes Z-ukunfi-/e.d vor. Die ()rganisation des Unterrichts, den wir nur nach dem Berichte des Leiters keuncnierm n koimtmi, i-t liier tageweise geregelt, so zwar, daß jeder Tag einem bestimmten Fach zu konzentrierter Arbeit überlassen wird. An einem der Tage findet regelmäßig ein Ausflug in die 11׳ rrli!die l ,ingebung statt, der gleichzeitig miturwissmis.duiTiedier Unter- Weisung und Sammlung dmiit. Die Methode des Unterrichts ist auch liier auf die Projekte gcstc'lt - wie manch( r moderne Pädagoge Palästinas si.ainmt der 1 eit er der Schule aus dem Osten, hat aber einen '1 eil seiner Ausbildung in Amerika erfahren, um daun 1!hri:cm1jahrelang im Kibbuz als Chawer zu arbeiten .-- doch erfahrt, die I’i mektniciiiode hier weitergehende Einschränkungen als 111 Mischmar Haemek: so wird neben den Sprachen vor;1!Irin die Bibel als selbständiges Fach unterrichtet, mit dem Ziele, sie wd'11rend der Schulzeit möglichst ganz durcl!/׳un. Innen, 1.111 sedir optimistisches Vertrauen auf die besonderen intellektuellen Anlagen des jüdischen Kindes fuhrt hier zu einem bewußt weit gespannten Lehrprogramm. Die (iefalir der palastinensisehen Volksschule, zu versimpeln und zu veralbern, die der Schreiber dieser Zeilen einmal in die Formel ״Vom Glieder zum Kindergarten!“ gefaßt hat, scheint in Kfar Gileadi jedenfalls nicht zu bestehen. Wir erlebten auch hier einen S c!1 n b b ה t e 111 p f a n g durch die Kinder, in dem aber die traditionellen Elemente durchaus zurück-, die aktuellen in den Vordergrund treden. Im Leben des Kibbuz, selbst, dessen erzieherischer Einfluß auf seine Schule naturgemäß sehr hedcuteiuj ist, hat der Schahbat keinerlei formende Kraft. Das Problem der I ebensformen an sich gewinnt in einem Kibbuz dieser Art, der ungewöhnlich viel Persönlichkeiten eigenartiger I ebeiiserfahrung und l.eboiislcistiuig umfaßt, einen besonderen Ernst. Etwas ungemein Erfreuliches durften wir von Klar Gileadi mitnehmen: die Gewißheit, daß der Todesort Trumpeldors heute zu den friedlichsten l’l ätzen des!.;indes gehört. Nicht nur, daß während der Unruhen kein Schuß fiel und daß gegenseitige Besudle zwischen dem Kibbuz und den arabischen Naehhardicfern selbst damals nicht ganz unterbrochen zu werden brauchten: auch die Kinder haben an dieser Atmosphäre guter Nachbarschaft ihren Anteil. Ein mir aus Jerusalem bekannter junge, dessen Mutter jetzt in Tiberias wohnt und der deshalb in Kfar Gileadi die Schule besucht, erzählte hei einem Spaziergang von einer Exkursion, die die Schulkinder 14 Tage verlier an einem Schabbat ohne die Begleitung irgendeines Erwachsenen in *) Eine literarische Zusammenfassung der Erzichungs• grundsätze des Haschomer Hazair findet sich in dem hebräischen Werke des Leiters der Schule von Mischmar ilacmck. Zwi Sohar, ״Die Erziehung der neuen Generation“.

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