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Jüdische Rundschau · 1937-05-14 · Heft 38-39 (14.5.1937) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 38-39 (14.5.1937)
Date
1937-05-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38/39, 14. V. 1937 Nr. 38/39, Das Madagaskar-Projekt Frankreichs Kolonialramister gegen ״Exodus von Menschen“ Presseschau Der maronitische Patriarch Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 12. Mai veröffentlieht einen Artikel ihres Kairoer Berichterstatters unter dem Titel ״Der Kronprinz und der Patriarch“, der sich mit dem Kronprinzen haudi-Arabiens und dein Patriarchen der maronitischen Kirche, Arida, beschäftigt, die beide in Kairo weilten. Der Artikel bezeichnet diese beiden Persönlichkciten als die stärksten des Vorderen Orients der Gegenwart. Im Libanon habe die Sekte der Maroniten, die schon zur Zeit der Kreuzzuge in enge Gemeinschaft zur römischkatholischen Kirche getreten war, ihren politischen Einfluß im Wandel der Zeiten befestigt. So blieb der Libanon später das letzte Bollwerk des Christentums und stand von allen autonomen Gebilden der Türkei im schroffsten Gegensatz zum Islam und insbesondere zum Wahhabitismus. Die überragende Persönlichkeit des Maroniten Arida werde im Libanon fast als ein Weiser verehrt. Vor ihm verstummte der Kampf der Konfessionen. So wurde es verhältnismäßig leicht, die nationalstaatliclie Brücke zwisctien den Konfessionen unter seiner Führung zu schlagen. Bekanntlich gab die Jüdische Gemeinde von Beirut vor kurzem (siehe ״Jüdische Rundschau" Nr. 33) fiir den Patriarchen Arida einen E 111 p f a n g. Bei dieser Gelegenheit erklarte der Beiruter Bischof Mubarrak seine Sympathie fiir das jüdische Werk in Palästina. Späterhin teilte der Bischof in einer Rede von Aleppo mit (siehe ״Jüdische Rundschau“ Nr. 37), daß der französische Oberkommissar ein Abkommen über die Zulassung jüdisch-kapitalistischer Einwanderung nach dem Libanon genehmigt habe. Der Kronprinz von Saudi-Arabien ist (ebenso wie sein ״Gegenspieler“ Emir Abdullah) jetzt in London zur Krönungsfeier. Die ״Times״ brachte vorige Woche ein Bild von ihm und der ihn begleitenden Delegation. Propaganda und Politik Im 2. Aprilheft des Mitteilungsblattes der H i t a c h d u t h Olej Germania (Tel-Awiw) finden wir einen redaktionellen Leitartikel ״Propaganda und Politik“, der cs bedauert, daß im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen immer wieder innerhalb der zionistischen Bewegung die Grundfragen ihrer Existenz offen diskutiert wurden, heute diese Möglichkeit, wie es scheint, nicht mehr vorhanden ist. Es sei der Größe des Augenblicks nicht angemessen, ihm nur propagandistisch begegnen zu wollen. In der l'dage der Kantonisierung oder Teilung Palästinas Werde eine Diskussion vom Prinzipiellen her geführt, an die Instinkte der Massen appelliert und die Straße mobilisiert. Man solle von den Methoden englischer Politik lernen, die es versteht, mit Tat- Sachen zu rechnen. Deshalb sei weniger propagandistischer Appell geboten, der eines Tages zu schwerer innerer Er- Schotterung unseres Werkes fuhren könne, als politische F 11 h r u!1 g, die es versteht, einerseits eigene für alle Teile tragbare Vorschläge zu präsentieren, andererseits den Mut besitzt, den Jischuw bereit/umaehen fiir die Entscheidungen, die bevorstelien. Kein Augenblick der jüdischen Geschichte erlaube weniger als dieser, Politik mit Propaganda zu verwcchsc! 11. Jubiläumsnurnmer der C. •V. - Zeitung Wir berichteten in Nr. 36 tiber das 100jährige Jubiläum der ״Allgemeinen Zeit u 11 g des J 11 d e 11 t u m s“. Aus diesem Anlaß hat die ״C. - V. - Z e i t u n g״, die als Untertitel den Namen ,,Allgemeine Zeitung des Judentums“ weiterführt und sich als eine Art Fortsetzung und Erbin der Jubilarin fühlt, eine Festnummer!lerausgegeben, die eine Reihe wertvoller historischer Beiträge zur Geschichte der letzten 100 Jahre enthält. So schreibt Ernst Fraenkel über: ,,Die vier Redakteure“, die die ״Allgemeine Zeitung“ hatte, nämlich Ludwig Phitippson, Gustav Karpeles, Ludwig Geiger und Albert Kat/, lieber die Stellung der ״Allgemeinen Zeitung“ zur Wissenschaft berichtet Fritz Bamberger. Eva Reicli mann-J tingmann behandelt die idcoiogisehen Fragen, die in der ״Allgemeinen Zeitung“ diskutiert wurden, wobei auch ihre Stellungnahme zum Zionismus dargelegt wird. Die f ragen der Gemeimlepolitik irr der Zeitung erörtert Kurt Julius R i e g n e r, wahrend Heinz Kellermann über sie als das Blatt der ״gemiifiigien Reform“ schreibt. Margarete Edel heim berichtet über die redaktionelle Arbeit in einer Zeit, in der das Tempo der Arbeit noch nicht so gehetzt war wie heute. Ernst G. Löwenthal schreibt über die Behandlung von Problemen jüdischer Sozialarbeit in der ״Allgemeinen Zeitung“, Fritz Friedlänmit den betreffenden Instanzen des Meschek. An sich ist es eine bekannte und viel belächelte Ausrede abtrünnig werdender Chahtzim, in die Stadt gelten und die Eltern anfordern zu müssen. Auch bei llanni neigt man dazu, rund heraus zu sagen: Bitte schön, du willst ja in die Stadt gedielt, du kannst gehen, wir halten dich nicht auf. Aber diesmal tä 11 sollt man sieh: Sie will wirklich nicht in die Stadt. Sie beschließt, da alle Instanzen ablehnen, die Sache vor die letzte Instanz zu bringen, vor die alles entscheidende Assefa Klalit (allgemeine Versammlung), Was wirst du machen, wenn die Assefa Klitlit ebenfalls ablehnt? frage ich llanni. )eh werde in die Stadt gehen, antwortet sie. Und wirst du denn in der Stadt genug verdienen, um die Litern anfordern zu können?—Wir werden zusammen verdienen. Ith liebe llanni. Ich gewöhne mich immer mehr an den Gedanken, daß sie ein Kind bekommen wird, dessen Vater Bartel ist, und daß ich die Aufgabe habe, Bartel zu verzeihen tmd Bartels Schuld zu begleichen und ein guter Vater zu sein einem fremden Kind. Dieser Gedanke beginnt, mich sonderbar zu begeistern, mir sonderbare, neue Inhalte zu geben. Ja, ich will tragen, alle eure Sünden will ich tragen, gebückt will ich gehen und die Last fühlen, ihr sollt alle erlöst werden durch mich. Schletisners bitten mich auf vierzehn Tage zu sich, wegen ihrer Silberhochzeit. Trotz der Weinernte gibt man mir Urlaub. An dem Nachmittag, an dem ich fahren will, ist Kcruchski nicht im Hof. Akschnni legt mir eine Pfundnoto auf den Tisch, sagt zu einem Jungen der Noor Owed, der in der gleichen Lage ist und Fahrgeld braucht, er leihe nur privat das Geld, Sie schauen mir lächelnd und freundlich nach, raten mir, mich zu erholen und im Meer z.u baden. Ich fahre mit der Eisenbahn bis Afuleh, von Afuleh mit dem Auto drei Stunden nach dem Süden. Es ist eine herrliche Fahrt, auf einer technisch vollendeten Autostraße, die im Gebirge in den Kurven sohief liegt und gestattet, Kurven in rasendem Tempo zu nehmen. Ich will mich Umsehen in Tel-Avviw, ob *s Arbeit gibt und ob ich mich gewöhnen kann an die Stadt. Zehn Tage lang ließ ich Tel-Awiw auf mich’ wirken. Wie damals in Tel llamon spuckte sich Schlcusner ln die Hände, um die spärlichen Haare auf seinem kugelrunden Kopf glatt anzulegen, leistete sieh einen barschen, flach humorigen Ton, schlug seine schwere Pranke auf meine Schulter und rief: ,Na, mein Junge? Stadtluft schmecken? Schöne Frauen besichtigen?‘ Paris. II. Mai. (JTA.) Die wesentlichen Punkte der Unterredung, die vor kurzem zwischen dem französisehen Kolonienminister Marius Mott t et und den Mitgliedern der polnischen Madagaskar-Kommiss i o n in Gegenwart des polnischen Botschafters in Paris geführt wurde, werden in einer Erklärung des Ministers zusainmengefaßt. Das über die Besprechung ausgegebene Communiq u e lautet: ״Die polnische Regierung hat bei der französischen Regierung angefragt, ob es ihr eventuell möglich sein würde, einer bestimmten Zahl polnischer Bürger die Niederlassung in französischen Kolonien zu gestatten. Unsere Antwort lautete, daß wir grundsätzlich in einem solchen Vorschlag Vorteile für beide Seiten erblicken können, vorausgesetzt, daß den Anzusicdclndcn ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden und daß sie zu landwirtschaftlicher Arbeit geeignet sind. Ich betonte, daß die Unternehmung durchaus keine leichte sei; es sei sehr schwierig, Neuland durch ein Experiment von verhältder über die Frage des jüdischen Geschiclitsbewußfseins in Zusammenhang mit der Arbeit Philippsons. Weitere Beiträge liefern Hans Bach (über kulturgeschichtliche Anmerkitngen aus der Zeit der Gründung der Zeitung), Kurt Pinthus (über ihre literarische Haltung) und Hans Opper! he im er (über allerlei interessante und amüsante Notizen aus den alten Jahrgängen). Im Leitartikel behandelt A. H. die Bedeutung dieses Jubiläums und würdigt in diesem Zusammenhang auch die Arbeit der ״C.-V.-Zeitung“ seit dem Jahre 1922 bis in unsere Tage. Er glaubt dabei feststellen zu müssen, daß die national-jüdische Idee irt den Jahren Teppiche Möbelstoffe Cwardinen Bemusterte Das leistungsfähige Spezialhaus Ä* III; IT M KJfFE li II XSiäXfjA von 1922 bis 1933 gegenüber den verschiedenen Formen der Assimilation als Gegenwirkung nicht aussichtsvoll war. Dennoch habe man in der Zeitung eine warmherzige, keineswegs antiquiert philanthropische, sondern sehr bewußt den Rahmen überkommener Begriffsbestimmungen vom Wesen des Judentums sprengende Haltung zu allen jüdischen Aufbaupläncn eingenommen, vor allem in Palästina, — Uns scheint, daß diese These anfechtbar ist; die Stellung der C.-V.-Kreise, wie sie sich in ihrem Organ vor 1933 (und auch darüber hinaus) offenbarte, war dem Zionismus gegenüber durchaus nicht immer ״warmherzig“. Wenn die nationaljüdische Bewegung damals nicht zur beherrschenden Kraft im Judentum Deutschlands wCrden konnte, so lag dies nicht an ihrer ideellen Struktur, sondern an der intransigenten Gegenwirkung, die von den Kreisen der Assimilation damals ausgeübt wurde. Die Sondernummer der ״C.-V.-Zeitung“ wird jedenfalls für alle, die an der Geschichte der jüdischen Presse in Deutschland interessiert sind, durch die Fülle des Materials, das durch zahlreiche Abbildungen und kleinere Beiträge noch ergänzt wird, anregend und instruktiv sein. Ueberiall auf Touristen Budapest, 10. Mai. (JTA.) Am Sonntag abend wurde in der Umgebung von Budapest eine jüdische Touristen- Gesellschaft von einem Meierhof aus von etwa 20 jungen Leuten überfallen, von denen einige das Sensenkreuzhemd trugen und mit verschiedenen Geräten bewaffnet waren. Es entstand ein Handgemenge, demgegenüber die wenigen in der Nähe befindlichen Polizisten machtlos waren. Als vierzig weitere Polizisten zur Verstärkung einfrafen, waren die Angreifer bereits verschwunden. Acht Ueberfallcne wurden von der Rettungsabteilung an Ort und Stelle verbunden, drei weitere im Krankenhaus; sie befinden sich alle in häuslicher Pflege. Es wurde eine strenge polizeiliche Untersuchung I eingeleitet Wie damals in Tel Ifaraon benahm man sich beim Essen recht unmäßig, verschlang Unmengen von Fleisch und Wein, manchmal gab es Kampfspiele um die Kesten Bissen, ein heiteres Wettstechen mit der zentralen Gabel, besonders am Abend der Silberhochzeit, huit, pfiff ein Dicker und nahm einem Dünnen die Flasche aus der Hand: Das ist gerade zufällig meine Marke, gestatten Sie, im Geschäftsleben ist man nicht sentimental. Schleusners wohnten atn Meer, in einer kleinen braunen Villa, die zwischen Palmen, Feigen- und Gunimibnumcn versteckt lag und einen Ausblick auf den stets von Liege- Stühlen und Menschen wimmelnden Strand bot. In diesen Kreisen ist alles revisionistisch. Mit einem revisionistischen Doktor hatte ich eine zweistündige Diskussion. Sie wollen es nicht; hören, daß Trumpeldor den Hechaluz und nicht die revisionistischen Verbände geschaffen hat. In Tel-Awiw wurde gebaut. Der Arbeiter schuftete bis spät in die Nacht hinein beim Betonguß, wenn Kies, Sand und Zement im Tempo herangekarrt wurden, wenn die Mischmaschine den Baustoff schlang und zwei Eimer Wasser zum Nachspülen in den Schlund bekam, wenn die eiserne Laufkatze im Licht der Laternen und vorbeigleitenden Autoscheinwerfer die Gußmasse schnurrend zum Dach trug, wenn die Herren mit der Zigarre die Nachtbar betraten und bei ״Eccau 00“ Bodengeschäfte besprachen. Packen möchte ich alle diese Chaluzim, die in der .Stadt hängen bleiben oder zur Stadt zurückkehren, schütteln möchte ich sie, daß sie aufwachen: Für wen arbeitest du? Arbeitest du für das Volk? Aber wer ist das, das Volk? Im Kibbuz weißt du es. In der Stadt wird dir niemand eine Antwort auf diese Frage geben, nicht einmal der berufsmäßige Agent. Ich sehe Chaluzim, die als Zeitungshändler gehen, während ihre Frauen vormittags gegen geringes Entgelt Kinderwagen neben dem Meer hin und her schieben. Es laufen Photoamateure von Haus zu Haus, die nichts besitzen als ihren Apparat und die zu photographieren anbieten. Der Zwischenhandel macht sich bpeit. Erst schattet sich einer ein, in der Mitte der Preisbildungsstrecke, dann sind plötzlich drei da und haben jeder ein Viertel besetzt, schließlich macht man sich ganz schmal und schlüpft noch einmal ein, wie ein Gradstrich einschlüpft auf einer Skala. Der alte Schlcusner war Meister im Einkäufen. Die Melone kostete heim Juden fünf bis sechs Piaster, beim Araber drei. Schleusner ging konsequent zum Araber. Es ibt in Tel-Awiw eine baulich nur halbfertige, zerfallene traße, die nach Jaffa führt und in deren Höhlen, offenen Kneipen, glaslosen Fenstern die Araber Lebensmittel ausnismiißig kleinem Umfang und mit einer sehr beschränkten Zahl von Menschen zu erschließen. Ich wies darauf hin, daß es nach unseren bisherigen Erfahrungen ziemlich lange dauern wird, bevor Europäer sich kolonialen Verhältnissen anpassen können. Wir stellen Kolonisationscxpcrimenten in Madagaskar freundlich gegenüber, weil wir eine liberale Haltung gegenüber befreundeten Nationen einnehmen, die keinen Kolonialbesitz haben, in dem sie ihre Bürger ansiedcln könnten; dies soll aber nicht in dem Sinne ausgelegt werden, daß wir einen Exodus von Menschen hervorzurufen wünschen.“ Es wird weiter mitgeteilt, daß der Kolonienminister den Mitgliedern der Kommission vor dem polnischen Botschafter erklärt hätte, es würde sehr voreilig sein, aus der Zulassung der Expedition auf eine Unterstützung von Massen auswanderungsplänen durch die französische Regierung schließen zu wollen. Diese sei wohl bereit, bei irgendwelchen Expeditions e x p e r i m e n t e n in Madagaskar mitzuwirken, werde jedoch keinerlei finanzielle Aufwendungen für solche Experimente machen. Die jüdischen Kulturbünde Reicliskulturwalter Hinkel, der Beauftragte des Reichsministers Dr. Goebbels für die Ueberwachimg der jüdischen Kulturbünde in Deutschland, hat sich zu einem Schriftleiter der ״Nationalsozialistischen Partei-Korrespondenz“ über die gegenwärtige Situation der jüdi• sehen K u! t tt r b e t ä t i g u n g in Deutschland geäußert. Der Nationalsozialismus, so sagte er unter anderem, habe zunächst aus den fiir das deutsche Kulturschaffen in Frage koniinenden Kulturständen planmäßig die jüdischen Mitglieder und den jüdischen Einfluß ausgeschaltet, auf der anderen Seite aber den Juden Gelegenheit geboten, ihre eigenen, im Reich sverband jüdischer Kulturbünde zusammcngefallten Kulturorganisationcn zu errichten und sich in ihnen kulturell zu betätigen. Der Prozeß der Entjudung der deutschen Kultureinrichtungen und des deutschen Kultur- Schaffens dürfe im großen ganzen als abgeschlossen betrachtet werden, wobei sogar einige Sonderreglungcn getroffen worden seien. Auf der anderen Seite stehe der Aufbau der jüdischen K u 1111 r o g a n i s a t i 0 n e n. Viele Tausende von rein jüdischen Veranstaltungen seien Beweis für die Loyalität des Nationalsozialismus gegenüber den jüdischeu Kulturbedürfnissen. Der 1935 herausgegebene Arbeits bericht des Reichsverbandes jüdischer Kulturbünde habe mitgeteilt, daß von der zuständigen Stelle (Hinkel) unter anderem folgende Auflagen gemacht worden seien: 1״. nur jüdisches Publikum; 2. nur jüdische Künstler; 3. nur jüdisches Verwaltungs- und gewerbliches Personal; 4. Einführung eines mit Lichtbild versehenen Mitgliedsausweises, genaue Kartei; 5. Vorlage aller Spieltolgcn und Texte; 6. Berichterstattung und Propaganda ausschließlich nur durch die jüdische Presse.“ Der Bericht habe hinzugefügt, daß diese Auflagen ״von der Organisation zur Sicherung der Arbeit begrüßt“ worden seien. Reichskulturwalter Hinkel sagte über die Programm gestaltung u. a. folgendes: ״Behendig und stets im Vordergrund, sobald es sich um Fragen der Kulturwirtschaft handelt, bestreitet der Jude hilflos die Programme seiner eigenen Kulturveranstaltungen mit Schöpfungen aller Art, teils von Juden, die gerade bisher Wert darauf legten, ״deutsch“ genannt zu werden, teils von Nichtj udcti, die zufällig einmal Themen aus der jüdischen Geschichte behandelten. Im übrigen nehmen Namen wie Shakespeare, Moiicre, Verdi, Johann Strauß, Shaw und Ibsen nicht unbedeutende Plätze im Spielplan ein. Als Anmaßung muß jedoch empfunden werden, wenn bei Vorschlägen bzw. Anträgen zu Veranstaltungen der Judenschaft unter sich Werke von Beethoven, Goethe und Mozart auftauchten; denn es ist nicht der Zweck der U e b u n g, i n h a 11 - lieh deutsche Kulturbünde mit jüdischen Mitgliedern a u f z 11 z i e h e n. Vielmehr soll dem Judentum Gelegenheit zur Entfaltung in den eigenen geistigen und schöpferischen Grenzen gegeben werden. Sollte diese Entfaltung dem Juden zu dürftig sein, dann wird er es um so besser verstehen, warum wir ihn nicht als Herrn und Meister über unser Kulturleben haben mögen.“ stellen. Auch Wagen stehen da, provisorische Tische auf offener Straße. Hier tritt man barfuß in Berge aufgesehütteter, verfaulter Tomaten, zerfließender Weintrauben, grüner Zwiebeln und Melonen. Es riecht nach Fisch und Fleisch, nach dem Rauchparfüm der Araber und dem Veilchenparfttm der Jüdinnen. Schleusners Meloneneinkauf glich’ einem Stierkampf. Der Araber schrie: Drei Piaster. Schleusner schrie: Zweieinhalb. Der Araber hielt das Messer in der Hand, mit dem man die Melonen aufschneidet, und schrie: Bei mir nicht. Dieser Dialog wiederholte sich mit Erbitterung zehn Minuten lang. Schließlich schrie Schleusner: Schneid auf. Der Araber schrie: Für wieviel? Schleusner nochmals: Schneid auf. Zögernd schnitt der Araber auf. Schleusner schrie: Schlecht. Der Araber schrie, jetzt aber ernsthaft wild werdend: Gut. Schleusner gab zweieinhalb Piaster. Der Araber hob das Messer: Noch einen halben. Schleusner warf den halben hin und schrie: Es war das letztemal bei dir. Wie ekelte mich diese Welt, wie stieß sie mich ab. Es gibt nur ein Palästina, dachte ich, das ist das Palästina des Kibbuz. Der alle Schleusner verfolgte mit mir geheime Pläne. Er wollte die Tochter unter die Haube bringen, einen jungen Milarbeiter gewinnen und schließlich ein gutes jüdisches Werk tun, die Beglückung eines armen Jungen mit einem reichen Mädchen. Er rieb ,sich die Hände vor Vergnügen, wenn er sah, wie mich Dora in ihre Spaziergänge, Besuche und Besorgungen einspannte und mich ständig in ihrer Nähe zu halten wußte. Das war die eine Seite der Angelegenheil. Die andere Seite der Angelegenheit betraf das Getreidegesebäft. Hier klappte es leider weniger glänzend. Schleusner schleppte jeden Tag kiloweise Geschäftsbriefe und Geschäftsbücher nach Hause und bemühte sich, mich zu interessieren. Er breitete Kalkulationen vor mir aus, taktische Unternehmungen. Vergebens, ich biß nicht an. Ich saß stumpf, wenn auch höflich aufmerksam da, nickte, wiederholte fragend und scheinbar bewundernd Schleusners wirtschaftliche Aphorismen, aber mein Gähnen, mein dauerndes Geständnis, furchtbar müde zu sein, zeigten Schleusner deutlich, was in dieser Richtung zu holen sei. Er besprach sich mit seiner Frau, die indes scharmant und kupplerisch lächelnd auf meine Verliebtheit hinwies, auf die Kopfverdrohung, die mir Dora verursacht hatte, und tröstete mit der zu erwartenden Wiedereinrenkung des Kopfes nach den Enttäuschungen der Flitterwochen. Schleusner glaubte. Er war selbst nicht besser gewesen. Anstatt die Geschäftsbüchra׳ zu beschreiben, hatte er vor der Hochzeit das Laken beschrieben. Er verschob meine geschäftliche Einweihung auf einen späteren Zeitpunkt. (Fortsetzung folgt ) U.. 4»»a1 1סו j berühmte ״ 67. Lebensja Rabbi S Zweiges de auch den I ,Ischen Get wurde 1871 1S82 mit sei sein Großv dessen Tod rahbiner un 1913 Rabbi hängerschafi ״Dynastie“ in den bet anderen Läi folgschaft. jüdischer re zehn rdigii Bekannt gegen Zioni hielt er oft und gegen Gymnasium ständigen A sie einmal in der Syn; nasiums de endete mit nistische Pe Rabbi I schein G er den List entgegen. 1 wurde in 1 Sprache eir gegeben. Ende JV sich nach £ sein Zustai Wunsch na Rabbi Laza stattgefttndc biner aus A letzte Gele reiche Chat In 1 Der R< Ka6senär/tl ״Deut sei einen E!!n richtet. 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