Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 38-39 (14.5.1937)
- Date
- 1937-05-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 38/39,14. V. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 9 Duldung: und Demut Zu religiösen Aeuflerungen über die Judenfrage Die Beziehungen der Menschen und Völker unterliegen in unserer Zeit einer starken Belastungsprobe. Die Ideen der Menschlichkeit und der gegenseitigen Achtung und Liebe spielen in der heutigen Welt nur eine geringe Rolle. Es verdient daher festgehalten zu werden, wenn sic im politischen Leben dennoch ihre Stimme erheben. Wir berichteten in der letzten Ausgabe über eine Botschaft, die der greise englische Arbeiterführer George Lansbury an eine jüdische Konferenz in London gerichtet hat. Darin legte Lansbury, der in letzter Zeit auf dem Gebiete der europäisclien Verständigung bedeutsam hervorgetreten ist, ein Bekenntnis zu einer religiös fundierten Zivilisation ab. Er befrachtet als Grundlage für Frieden und Sicherheit den Willen der Menschen und Völker, einander selbst so zu behandeln, wie sie selbst behandelt zu werden wünschen. Der Engländer Lansbury macht sich mit dieser Formulierung also das Prinzip des ״kategorischen Imperativs“ des deutschen Philosophen Kant zu eigen und wünscht in diesem Geiste einer jüdischen Konferenz Erfolg. So sehr man daran zweifeln mag, in welchem Grade solcher Wunsch zu praktischen Ergebnissen führen mag, so wichtig ist es doch zu erkennen, daß es zwischen den Menschen und Völkern eine ideelle Sphäre gibt, in der gleiche Vorstellungen und sehr oft auch gleiche Formulierungen die Herzen der Menschen bewegen. Duldung und guter Wille ist es, von dem Lansbury einen wirklichen religiösen Frieden erwartet; sie sind es ja auch, die in der urspriingliehen Gesetzgebung des Juden tu in s statuiert waren, als die Elementargcsetzc für die Beziehungen der Menschen untereinander aufgestellt wurden. Dieses Problem der Duldung tritt in einer sehr markanten Weise in bezug auf das jüdische Volk in einer Reihe von Ländern gerade jetzt auf. In Polen, Ungarn und Rumänien verhandelt man über die Einführung des Murnerus clausus in bestimmten Berufen, um den Anteil der Juden an ihnen einzuschränken. Die Juden dieser Länder selbst kämpfen energisch und verzweifelt darum, daß ihr Lebensraum nicht weiter verengt wird, der in manchen von ihnen schon jetzt mehr als kläglich anmutet. Wenn der Versuch gemacht wird, in einigen, besonders akademischen Berufen die Zahl der Juden nach ihrem Anteil an der Bevölkerung zu begrenzen, so müßte dem umgekehrt die Oeffnung anderer Berufe im gleichen Prozent- Verhältnis entsprechen, die bisher den Juden dieser Länder mehr oder weniger unzugänglich waren. Wir denken z. B. an die Beamtenstellungen, an landwirtschaftliche Siedlungsunternchnunigen und anderes mehr. Wenn verschiedene Völker, die auf dem gleichen Boden miteinander leben, in Frieden und Duldung auskommen wollen, so sollte dieses Prinzip der gleichmäßigen Behandlung ange- .wandt werden. Wenn es umgekehrt geschieht, daß man einem schwachen Partner, wie es die Juden sind, die Tore Verschließt, die bisher für ihn noch offen standen, ohne daß zugleich andere im entsprechenden Verhältnis geöffnet werden, so muß es zu unerträglichen Spannungen kommen —- abgesehen davon, daß die Ideen der Duldung und des guten Willens im menschlichen Verhältnis dabei zu blassen Schemen vergehen. * Auch von einer anderen Seite her ist eine menschliche Seite unserer Frage, ja darüber hinaus eine menschliche Seite des Völkerlebens überhaupt angerührt worden. In Wien sprachen katholische Politiker und Geistliche über das Juden- Problem, und trotz der deutlich missionarischen Absichten wird auch der Jude in den Ausführungen viel Interessantes finden. Der in Rom lebende Franziskanerpater St ratinan glaubte die Feststellung machen zu müssen, daß auch ״d e r Jude ein Mensch ist“. Es ist wahrhaft ein Symbol unserer Zeit, daß ein religiöser Redner eine solche Fest- Stellung hundertfünfzig Jahre nach der Judenbefreiung, die auch diesem Volke die Menschenrechte brachte, für notwendig hält! Das wirft ein Licht auf Lage und Schicksal der Juden in unserer Zeit. Im gleichen Vortrage beschäftigte sich Pater Stratman auch mit dem Zionismus, den er bei aller Anerkennung seines Mutes dennoch ablchnte, weil ״die Erlösung mit Demut beginnen müsse“. In dieser Kritik liegt eine Verk e n n u n g des Wesens des Zionismus. Sein Ziel ist nicht die ,,Erlösung“ im eschatologischen Sinne, wenn auch nicht geleugnet werden kann, daß in ihm und in den Mensehen, die ihn tragen, gewisse messianische Vorstellungen nachwirken mögen. Es fragt sich aber, was unter dem Gesichtspunkt der Neugestaltung des materiellen jüdisehen Lebens der Gedanke der Demut besagen soll. Soll er heißen, daß die Juden den Ablauf des Schicksals gewähren lassen müssen, ohne den Versuch zu machen, selbst einzugreifen? Gewiß, man soll ״das Ende nicht drängen“ und soll nicht in Vermessenheit glauben, daß eine politische Zielsetzung das letzte Blatt im Buch der jüdischen Geschichte ist, hinter dem nichts mehr kommen wird. Aber Inaktivität wäre in einem Augenblick wie dem jetzigen, in dem große Teile des jüdischen Volkes physisch unterzugehen drohen, nichts weniger als Demut, wäre sie doch eine Mißachtung dessen, was sich in dem leiblichen Bilde unseres Volkes dokumentiert. Die zionistische Arbeit in Palästina wird — so scheint es uns — mit ״Demut“ getan, denn das jüdische Volk ist sich bewußt, daß die Hybris der menschliehen Seele, wie die Geschichte lehrt, stets zum Fall geführt hat, und aus Hochmut, Snobismus und Eitelkeit noch niemals eine große, lebendige Kultur gewachsen ist. Wohl besitzt der Zionismus nicht jene Art der Demut, die im Gewährenlassen des Schicksals, das dem Menschen auterlegt wird, eine Aufgabe sieht, wie sie christlicher Vorstellung entsprechen mag, die in der Gnade einer kommenden Erlösung auch das Heil der Völker eingeschlossen meint, aber er besitzt die Demut einem Werk gegenüber. Einem Werk der H ä n d e, das sich in tausend Einzelheiten auf dem Boden des Landes manifestiert und dem der Einzelne, dem das Volk in allen seinen Gliedern zu dienen hat. Dies ist in Palästina zu spüren, überall dort, wo Mensehen mit dem Lande und seinen Naturkräften ringen und wo unter ihren Händen das Werk des Aufbaus sich ent- LONDON N W3־ hVIlUVIl Mrs. L. B. BENDHEIM Vornehme deutsch-englische Famllienpentlon ן ן A ti 3 m 8 o n R08d faltet. Wie sehr kommt diese Art der Demut, der Unterwerfung unter das Gesetz der Arbeit und des Werkes in einer Gestalt wie der A. I). Gordons zum Ausdruck, der u. a. sagte: ״Man arbeitet einfach, ohne Künste, manchmal schwer und derb, und doch erlebt man zeitweise etwas, das nicht besser auszudriieken ist, als daß man sich gewissermaßen organisch in die Arbeit der Natur selbst einarbeitet, in ihr Leben und Schaffen hincinwächst. Etwas erfaßt den Menschen so weltengroß, so himmelrein, so abgrundtief, daß es ihm vorkommt, als ob er auch Wurzeln in die Erde schlüge, die er gräbt, als ob er sich auch von den Sonnenstrahlen nährt, als ob er auch mit allen Gräslcin, allen Palmen, allen Bäumen sich tiefer in die tiefe Natur, größer in die große Welt hineinlebte.“ (Erster Brief aus Palästina.) Diese ״Demut des Werkes“, die Ehrfurcht vor der Natur und dem Schaffen in ihr ist gewiß nicht an allen Orten im Lande und bei allen Vorgängen so sichtbar, und es gibt in Palästina ohne Zweifel auch in dieser Beziehung das Erbe der Golah, die in den letzten Generationen in manchen Teilen einen Weg gegangen ist, der vom Pfade der Demut allzu entfernt V?.?y r '■% V •'*■?"י‘? ALLIGAßOi da y• s i n:dL,?gvü.,׳i׳.e־ AUlfiATOR UNSER!•: VERKAUFSGESCHÄFTE Berlin, TauentrirnstraB« 16 Hamburg, Jungfernslie43 ׳׳ Köln a. Rh., Hohe Straße 115 Essen, Limbeckerstrsße 10 Wuppcrial-Elhe Essen, Am HaujitbnbnhoflÖ Bochum, Korturmtrnöe 67 F r a n k f u r t M., Roßmarkt 15 Zentrale: Offcnbach a. M. feld, Herzogstraße 36 war. Dennoch erkennen wir, daß der ״elan vital“ der Juden Palästinas aus der gläubigen Masse des jüdischen Volkes sich nährt, und daß der Snobismus und die Allerweltsklugheit substanzloser Juden — einer kleinen Minderheit im jüdisehen Volke! •— das Werk nicht so sehr bestimmen wie die tieferen Kräfte der jüdischen Seele. Diese haben in den Ländern der Zerstreuung bis heute die geistige Existenz der Massen des jüdischen Volkes befruchtet und ihr Bild als das einer gläubigen Gemeinschaft bestimmt. Wohl bedient inan sich in Palästina der technischen Errungenschäften unserer Zeit; dennoch ist all das, was an wirklicher Pionierleistung unter unsäglichen Opfern im Lande gcschaffen wurde und noch geschaffen wird, nicht aus der kalten Berechnung eines versteinerten Herzens zu erklären, sondern aus der Hingabe an ein Werk, das den Enthusiasmus und die innere Treue von Menschen erfordert, die die Geißel des Uebermutes nicht über sielt luiieii Herr werden lassen. Es ist gut, diese Zusammenhänge in unserer Zeit zu erkennen, nicht aus apologetischen Gründen, um der Welt um uns zu zeigen, welche Werte in unserer eigenen Arbeit liegen, sondern um lins selbst auf dem re eilten Wege zu halten. Das jüdi-.he Volk ringt heute um seine äußere, materielle Existenz, die bedroht ist. Audi Palästina hat hierfür große Bedeutung gewonnen. Dadurch besteht die Gefahr, daß wir die äußeren, organisatorischen und technischen Fortschritte allzu sein־ überwerten, daß in unserem Werke selbst die Elemente überhand gewinnen, die in der Welt unserer Zeit weitgehend herr-eben, die Elemente des Uebermutes, der Ueberschät/ung der äußeren Erfolge, die letzten Endes den Menschen seiner Persönlichkeit berauben. Es ist ja eines der Geheimnisse des Lebens, daß dort, wo die tiefste Hingabe an ein Werk erfolgt, wo der Einzelne am meisten zurücktritt, sieh die Person- Üchkeit am stärksten entfaltet. Aus ihr entspringt die Quelle der Kulturleistungen, die ja stets in der Seele des einzelnen Menschen wurzeln, wie sehr ihre Form auch vom Geist der Zeit geprägt sein mag. ln dieser Richtung tendiert das jüdische Werk in Pal.Wina; sie auszuprägen und unbeirrt fortznsetzen, ist die Aufgabe eines jeden Geschlechtes, das an der Erneuerung des Volkslebens Anteil nimmt. K. L. Das Buch der Thora. Zu der Verheißung des Troste9 und der Hoffnung im driften Buche Mose, Kapitel 26! Vers 44, die Israel zusichert, daß Gott es nickt verwerfen und verschmähen werde, bemerken die alten Lehrer in dem halachischen Midrasch werke Sifra: Was vermochte sich Israel aus den Stürmen der Zeit zu retten, was ist ihm an Wertvollem gebliehen, so daß man von ihm sagen kann, daß es nicht von Gott verworfen und verschmäht worden? Sind ihm nicht alle guten Gaben, die ihm von Gottes Gnade gespendet wurden, genommen worden? Aber ein Out ist Israel nicht verloren gegangen: das Buch der Thora. Denn wenn diese Gottes gäbe Israel nicht mehr besitzen würde, wäre es durch nichts von den Völkern dei Welt unterschieden und untergegangen. Nicht also Heimsuchungen und Anfechtungen, mögen sie noch so schwer sein, stellen den Fortbestand Israels in Frage, sondern seine Zukunft ist nur dann gefährdet, wenn das Buch der Thora ihm verloren gehen würde. Solange dieses Buch in seiner Mitte lebendig ist, so lange blüht und sproßt es in Israel, wie die Blumen blühen und sprossen. Dr. E. Stcckelmacher Nachdruck verboten Alle (auch Ueberset2ung6־•) Rechte Vorbehalten /'■», R1 VOI/K, ISRAEL iine Eoman^i-iUzgie otk CHA31M SCHWARZ ÖrrTetUqi« LI DQII7 Zureiter 11 I D w VA» 21. Fortsetzung: Bei Nacht und Nebel ist Bartel davongegangen, wie seinerzeit Hirsch. Was aus ihm geworden ist, weiß niernand. Vielleicht ein großer Bodenspekulant. Seine Kisten mit dem Werkzeug jedenfalls stehen immer noch im Machsan (Vorrutsschuppen). Einige Leute sagen, wenn er soviel Verstand gehabt hatte wie Kisten, dann wäre es gut gewesen. * In der Suppenterrine mit der allgemeinen Portion steckt eine Kelle, an die geht jeder heran und schaufelt sich auf Teller und Tasse, wieviel ihm zukommt. Wenn Tisari nicht im Pardess (Orangengarten) ist, hat dieser Akt nichts Erschreckendes. Ist aber Tisari zugegen, »o gehen die Chaluzim nur mit zitternden Händen an die allgemeine Suppenterrine heran, ja, ich kenne welche, die lieber auf ihre Portion verzichten, als sich in die Gefahrenzone zu begeben, in die Tisari wie in einen Pelz gehüllt dasitzt. Er wählt sicli Immer seinen Platz neben dieser Suppenterrine. Er sitzt lauernd da, gerötet, manchmal sind seine, Augen ganz weiß, weil er von unten nach oben schaut. Zwei Möglichkeiten gibt es: Entweder Tasse oder Teller, in die man die Portion überschaufeln will, über der Suppenterrine 1u halten und so unangenehme Assoziationen zu wecken zwischen dem privaten Mund und dem öffentlichen Mund, «der aber Tasse oder Teller neben der Suppenterrine zu halten, dann ist es bei der Form der Kellen unvermeidlich, die Tischplatte zu betropfen oder Tisaris saubere Arbeitskosen. Er fährt auf. Sein Gesicht ist so zornerfüllt, daß der bloße Anblick wie ein körperlicher Schlag wirkt. Muß man denn leben wie die Sehweine? zischt er. Ist das die Kultur, die ihr mitgebracht habt? Eines Tages ist Karl chen In dieser Weise das Opfer. Er versteht kein Wort hebräisch, setzt sich unachuldig an seinen Platz. Obgleich' gewöhnlich' nach' Tisaris Wutausbrüchen Schweigen einsetzt und jeder in seinen Teller starrt, bewirkt das unschuldige Gesicht, Karlehens diesmal allgemeine Heiterkeit. So nehme ich die Gelegenheit wahr und sage möglichst furchtlos zu Tisari, auf das seit langem vorbereitete Melaphysikum unserer Beziehung bauend: Du mußt das einmal richtig verstehen, Tisari, daß wir aus Deutschland solche Fehler machen in unserm Benehmen. Wir haben mit der alten Welt Schluß gemacht und eine neue noch nicht gewonnen. Wir zerbrechen das Alte, ohne das Neue zu kennen. Wir sind formlos. Tisari lächelt, Ben Ezew lacht. Sie merken! daß ich auf eine diplomatische Weise, mit Zucker und Peitsche, Widerstand geleistet habe. Seitdem ist Tisari nachsichtig, wenigstens in meiner Gegenwart, wenn das Einscltüpfen aus der allgemeinen Suppenterrine nicht vorschriftsmäßig verläuft. Und da ich selbst einmal ein bißchen den Tisch bekleckere, droht er milde lächelnd mit dem Zeigefinger, als wolle er sagen: Und du, hast du auch noch keine neue Welt gewonnen? * Von Tel-Awiw brach eine Gruppe der Noar Owed (arbeitende Jugend) auf, um ins Emek zu gehen. 20 dieser jungen Leute kamen nach Tel Hamon. Es waren typische Arbeiter-!Ander, wie man sie in allen Großstädten findet. Fast zwei Monate dauerte die Ernte, fast zwei Monate weilten die Arbeiterkinder Tel-Awiws im Emek. Sie spiegelten die soziale Lage ihrer Schicht, krachten zum Teil Flachheit und Amüsiortendcnz, politische Phrasen und Lebcnslcichtheit der Stadt mit sich. Sio hatten schon nicht mehr die innere Problematik des Einwanderers oder überhaupt des Golahjuden, sio waren innerlich gradlinig wie äußerlich, stellten den Entstehungsanfang eines unkomplizierten jüdischen Volkes dar. Keiner von ihnen blieb, manche waren froh, als sie wieder heimfahren durften. Mar. brachte sie in Zeiten und Schilfhülfen unter und gab ihnen wie den andern Chawerim alles, was sio zum Leben brauchten. Morgens, um halb vier, wenn die Sterne erloschen und der Tag langsam zwischen den Bergen heran!'dämmerte, wenn die sechs Schomrim (Wächter) unten im Weinberg die Gewehre zusammenstcllten und ihren Wagen anspannten, wurden die Noar Owed und alle Erntearbeiter von dem Schoiner (Wüchter) geweckt. Es war wie Alarm beim Militär, man mußte sich beeilen, um rechtzeitig das Auto zv erreichen, das mit eingescilalteten Scheinwerfern neben dem Pferdestall stand und um vier Uhr mit Menschen vollgestopft in die Dämmerung hinausfuhr. Eine sonderbare Stimmung herrschte morgens im Auto. Es war ja Nacht, man war müde, hatte noch Schlaf und Traum in sich'. Niemand wagte, lauf zu sprechen, man flüsterte. Das Auto fuhr langsam, schleppte fünfzig bis sechzig Menschen. Unterwegs trat' man Hauraner, das illegal einwandernde arabische Lumpenproletariat Trans jo rdaniens, und die Hcimkclirenilen Schomrim, die finster, müde, mit aufgcslellten Gewehren vor sich hinstarrfen. Bis man unten im Kerem (Weinberg) war, hatte sic11׳ Helligkeit verbreitet, konnte man die Scheinwerfer nusschaUen, vertlog die dunkle Traumstimmung. Die alten Arbeiter des Kerem führten dio Erntekolonnen, hatten Zettel mit Namen bei sich, dio sie dann vor den betreffenden Ernte-Arbeitsstellen verlasen. Wer nun aufgerufen war, stieg hinunter, ging zu der großen Verpackungshültc, einem Schili'daeh, das Schatten werfen sollte, und wartete, bis sielt die Arbeit formte. Es waren Unmengen von kleinen leichten Ilolzkürben vorbereitet, jeder Pflücker ging mit einem solchen Korb und einem Messer durch die Reihen, um zu ernten. Wie bei der Orangenernte war alles organisiert, gab es Lastträger und Packer, nur der Apparat war etwas kleiner, die Frucht fest und gut und für den Innenmarkt ausreichend. Außerdem fiel das ganze Speditionsgeschäft fort, da die Autos der Verkaufskooperative am Abend durch alleMeschakim (Wirtschaften) fuhren und die Weinernte sammelten, die am Morgen um 4 Ehr den städtischen Markt erreichte und zum Verkauf kam. Man arbeitete bis um zehn Uhr vormittags, bis zum Einsetzen der Hitze, wurde dann mit dem Auto nach Hause geholt und kehlte um zwei Uhr wieder zurück, um bis sechs Uhr fortzusetzen. Fast zehn Stunden wurde täglich gopflückt, fast hundertfünfzig Kisten gingen täglieh in die Stadt, jede Kiste wog etwa zehn Kilo. Das ganze Land ertrank in Wein. Der Wein kam in großen Schüsseln auf den Tisch des Clmdar Ochei (Speisesaal), man aß, so« viel man wollte, leere Schüsseln wurden von den Dienst« habenden neu gefüllt. AUGUST Hannis Eltern sind Betten- und Fcderhilndlcr in Königs« berg, werden ausgebürgert im Zusammenhang mit den all« gemeinen Ausbürgerungen, daraufhin sind sie Ausländer, vielmehr Staatenlose; sie müssen nufiösen, sich verkleinern, von Ersparnissen leben. Eines Tages ist ein Telegramm dal Sie wollen herkommen, Hanni beginnt einen Heroischen Kampf. Sie fährt nacK Jerusalem, zu einem reichen Bekannten ihrer Eltern, und ringt ihm das Zugeständnis ab, tausend Pfund zu leihen, wofür er als Sicherung die Erklärung des Meschek verlangt, daß man die beiden alten Leute dort aufnehmen und versorgen würde. Sie kommt zurück und spricht I t 1• 1 | I 1: I