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Jüdische Rundschau · 1937-05-14 · Heft 38-39 (14.5.1937) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 38-39 (14.5.1937)
Date
1937-05-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JODISCHERUNDSCHAU Nr. 38/39,14. V. 193? I I# §? 9; :!1 ־1 k> Hebräisdie Sprachwissenschaft קונטרסים לעניני הלשון העברית׳ שנה א׳ קונטרס א• המוציא: חנוך יל1ן׳ ירושלים. ניסן תרצ״ז• Bulletin of Hehrcw lauguage studies. Vol. 1, Nr. 1, herausgegeben von llenoch Yaloii, Jerusalem. Diese neue hebräische Zeitschrift für hebräische Sprach- Wissenschaft ist ein erfreuliches Dokument der in Palästina wiederaufk'benden jmli-cheii Wissenschaften. Der Herausgeber liefert einen wertvollen Beitrag zur Lexikographie, indem er an Hand der Deutung einiger dunkler Steilen 1!n Midrasch lind Talmud den Sprachgebrauch vor! פרד׳ 3שא׳ ספק erweitert und die so gewonnene Erkenntnis zur Aufhellung schwieriger Bibelsfellen verwendet. Der hebräischen Dialektforschung ist der Aufsatz von J. Damti ,.jemenitische Traditionen in der Grammatik des inischniscnen Hebräisch“ gewitimet, in dem zunächst das Verb ausführliche Bchandhing findet. Wie der Verfasser in der Einführung richtig bemerkt, besitzt die Bibel bekanntlich eine einheitliche traditionelle Vokalisntion, nämlich die tiberiensische, während für die Mischna und die sonstige talmudisclte Literatur eine solche nicht überliefert ist. Abgesehen von den bcsonderen dialektischen Unterschieden der Aussprache der Vokale und Konsonanten stimmen viele grammatische Formen der Aschkenasim nicht mit denen der Sefardim überein, die Jemeniten wiederum haben eine ganz andere Lesart. Es handelt sich hier um sehr alte Uebcrlieferungen, deren Kenntnis für die Erforschung der hebräischen Grammatik von besonderer Bedeutung ist. Die hebräisdie Dialektologie, die ein wichtiges Desideratum der Hchraistik ist, hat mit diesem Aufsatz einen schätzenswerten Beitrag erfahren. Zu demselben Thema ändert sich H. Yalon anläßlich seiner Buchbesprechung des von I». Kahle und J. Weinberg herausgegebenen .,'Hie Mis'una Text in Babylon!», Fragments frorn tl!e (ietii/a“ und weist auf die unschatzbare Fundgrübe hin, die die alten, bis in die Zeit der Geontm und noch weiter hinauf reichenden 1 esarten darstellen. Es sei endlich an der Zeit, mit dir landläufigen Meinung, daß die allgemein bekannte YukalDation die einzig richtige sei, auf/ur.iumen. Diese babylonischen Miscluiafragmente •zwingen uns zu einer anderen Einstellung in be/ug auf die ״offizivile“ und die anueblich ,,verderbte“ Lesart der Mischnaspräche, lieber die sprachlichen Veränderungen in Bialiks Jubiläumsausgabe (Berlin b)2i) spricht D. J. Bornstein in einem eiiikit<׳:;,!en Aufsatz mit großer Sachkenntnis. Der lesenswerte Artikel gibt u. a. gemeingültige sprachliche Belehrungeii, die gegenüber neuerlichen Tendenzen, die Sprache durch ei •״'mächtige Reformen zu ״erleichtern“’, ihre unbestreitbare ..iah utiing besitzen. Das .,Bulletin“ enthält außer dem Auf-atz von H. Yalon ,,Schcwa nach Schurek zu Begann des Weites׳* und zwei Beiträgen von E, M. Lipschütz noch eine Anzahl von Buchbesprechungen, Randbenierkungeii, eine Becher- und Zeitungssdi.ui. also vielseitiges sprachliches Material, das jedem Hebraisten großen Nutzen!md fruchtbare Anregungen bieten wird. Der jungen Zeitschrift, die aut einem hohen wissenschaftlichen Niveau stellt, ist weiteste Verbreitung zu wimsehen. Nissan Berggrün Historisches Friedrich Wenker - Wildberg•. Die spanische Salome. Der Roman der Fürstin Eboli und des Staatssekretärs Antonio Perez. — A. H. Payne Verlag, Leipzig 1937. Das Schicksal der Fürstin Eboli kommt in diesem mit sehr schonen Bildern nach Originalen großer Meister ansgestatteten Ruch zur Gestaltung, Die sachliche, historische Formulierung stein im Vordergrund der Darstellung, die sicherlich gilt ist, aber man spürt etwas zu sehr den ,,Stoff“. Nach dem Tode des Fürsten Eboli. eines Giinstlings Philipps II. von Spanien, versucht die Fürstin, ihre Macht und ihren Einfluß weiter aufreclitzuerhaltcn, koste es, was es wolle. Sie intrigiert, und an ihrer Seite steht ihr Geliebter, der Staatssekretär Antonio Perez (ein Mann möglicherweise jüdoeben Bh1tein<chlags), der mm Günstling Philipps II. ist. Sie treiben ihre politischen Ränkespielc so weit, daß sie die Veranlassung zu einem Mord gehen, aber der Gliiclwstern verbißt sie. Die FiirMin Eboli wird auf Lebenszeit die Gefangene des Königs in ihrem eigenen prunkvollen Schloß, das ihr nun zum Gefängnis wird, Perez muß fliehen, von Philipp und der Inquisition verfolgt. Elswvth Thane: Das Mädchen aus dem Hause Tudor. Die bewegte Jugemi/nt der Königin Elisabeth von England. Uoherset/t von I lerta Maier. — Rascher Verlag, Zürich 1930.!iiswvtb Thane niei-dert die schwierige Aufgabe, das Leben Eli-abeth־. von England zu schildern, nusgezeichnet, Ihre Sprache •kt überaus zwingend, von großer Vielsei!!gku't und A11«dr11cks!nö״lichkeit. Man liest sich in dieses Buch hinein und wird von der großen Kunst der < L stalturngkrait bezwungen. Immer sind die Personen, du־ gc'wbibiert werden, bis ins Kleinste ausgrfcilt und Umrissen. Elisabeth spricht zu «iw bildhaft und voller starker Eindrinke. in vier große Abschnitte ist die Darstellung eingeteilt: ,,[Eis Kind״, ,,Da-. Mädchen“, ״Prinzessin“, ,,Das Weib‘1,' jeder für sich ein Kunstwerk. Elswvth Thane schreibt über die er.-ten 25 Jahre rii-'ibcths, also einen Abschnitt ihres Lebens, über dem manche Dunkelheit nusgebreitet liegt. Während die-er Zeit lurrschten drei Könige und sieben Königinnen. Solange Heinrich VIII. lebte, kümmerte man sich wenig um die junge Elisabeth, die mit ihrer Stief- Schwester Marv in Hertford-Castle lebte. Nach seinem Tode war ihr!.eben oft gefährdet, da man schon spürte, welche Kraft und Intelligenz in ganz jungen Jahren von ihr ausging, bis sie doch endlich als Fünfundzwanzigjährige zur Königin gekrönt wurde. —chs. הסוציולוגיה בישי״אל, מאת מ• ש. גשורי, הוצאת ד. מס׳ ירושלים• Das vorliegende Ruch, das in elf ausführlichen Kapiteln die soziale Gesetzgebung in wirtschaftlicher, ethischer, politischer und sozialer Hinsicht schildern will, liefert eine eingehende, in leichtem und durch die Quellen löblich beeinflußtem Hebräisch abgefaßte Darstellung. Für die Zeit des Moses, aber noch viel mehr für die Richter- und Königszeit folgt der Verfasser allerdings zu sehr der Geschichte, d. h. er erzählt die gesamte Geschichte Israels bis 7.um Abschluß der Bibel unter besonders starker Berücksichtigung der soziologischen Momente. Man kann dieses Vorgehen nicht als sehr glücklich bezeichnen, da es dem Leser den Zweck dieses Buches nicht klar genug macht und ihn mit Bekanntem vielleicht langweilt. Das große Kapitel über Moses und seine Gesetzgebung veranschaulicht unter Heranziehung von Parallelen zu den Gesetzgebungen des alten Orients das Verhältnis zur Arbeit, zum Arbeiter, zu Boden und Freiheit, zu Lohn und Besitz, zu Kapital und Handel. Ihm folgt eine gute Schilderung der Gestalt und Persönlichkeit Moses. Dr. A. Po s n er (Jerusalem) Ein Buch über Ibn Saud ״Arabia felix“ war eine geläufige Bezeichnung des Alterfums, unter der man sich nichts Genaueres vorzustellen brauchte. Mit dein vermeintlichen Glück oder Wohlstand war im wesentlichen der Jemen gemeint, der den kostbaren und für alle Kulte unentbehrlichen Weihrauch lieferte. Eine genauere Kunde hatte man nur von der südarabisclici! Küste, die die alten Fäden einer Handelsverbindung vom Indischen Ozean nach dem Mittelmeer zog, von jenem Erythräischen Meer, über das schon im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechming ein imbekannt gebliebener griechischer Kapitän eine Art Reisehandbuch verfaßt hat. Aber das innere Arabien blieb ein dunkler Fleck innerhalb der geographischen Vorstellungen, die zunächst von Handelsbeziehungen abhängig waren; es brachte nichts hervor und brachte nichts herein. Dabei blieb es auch nach der Entstehurig und Verbreitung des Islam. Welchen Anteil auch die Wüste mit ihrer inspiratorischen Kraft an der religiösen Bewegung genommen hatte, das inncrarabischc Hochland fiel wieder in Geschichtslosigkeit zurück, und es schien von den Kulturstätten des Islam abgelüst, von Damaskus, Bagdad oder Kairo. Erst im 18. Jahrhundert begann dieses Reich von Ncschd wieder zu erwachen an der seklirerischen Bewegung der W a h h a b i t e n, die die reine monotheistische Lehre wollten 11!1d die im Verhältnis zu den Schiiten eine Art von Puritanismus in aller Strenge und Härte darstellen. Religiöse Bewegungen des Islam haben sich immer in kriegerische unigesefzl. Die Wahhabiten unter Führung von Saud I. und Saud II., den sie auch den Großen nennen, eroberten Mekka und Medina, dehnten ihr Reich ins Syrische bis nach Aleppo aus. Aber es war vo!1 kurzer Dauer und wurde schon ISIS von dem ägyptischen Pascha Ibrahim im Auftrag der Türken vernichtet. Der heutige Ibn Saud hat dieses Reich wenigstens in seinem Kern wieder hergestellt; er war ein kleiner Beduinciihäuptling wie viele andere, hat sich aus unscheinbaren Anfängen emporgearbeifet und schien noch im Weltkrieg so unbedeutend, daß er von den Engländern unter der Bedingung, daß er sich ruhig verhielt, mit 5000 Pfund monatlich abgespeist wurde. Der erste, der seine persönliche Bedeutung und seine Aussichten erkannte, war der damalige Unterhändler St. John Philby, der auch den berühmten Obersten Lawrence für eine falsche Einschätzung verantwortlich gemacht hat. Der Leiter des arabischen Aufstands stützte sich ausschließlich auf Sauds Gegner Hussein von Mekka; es lag wahrscheinlich daran, daß er von Süden, von Aegypten aufgebrochen war. Ibn Saud, obgleich auch ein gerissener Diplomat, konnte auch mit Hilfe von Philby nicht in die Widersprüche der englischen Politik elinlringen, die von verschiedenen Aemtern aus arabische Gegner gegeneinander bewaffnete und unterstützte. Die rechte Hand wuflte nicht, was die linke tat. Jedenfalls hatte Lawrence seinen Erfolg für sich, obgleich die innerarabischen Verhältnisse, wie Philby sagt, über seinen Horizont hinausgingen. Und in einem neuen Buch von H. C, Armstrong (Deutsche Verlagsanstalt) heißt es gar, daß Lawrence die englische Regierung in die Irre geführt habe. Ein hartes Wort nach so offensichtlichen Erfolgen. Der neue englische Biograph hat die vorhergegangenen Studier, von Philby benutzt und auch sonst alle Quellen gesammelt, wie sie nach einer unvorhergesehen erfolgreichen Laufbahn hinlerher zu fließen pflegen. Es ist für lins nicht wichtig zu wissen, durch wieviel Kleinkriege sich Ibn Saud zum König vom Ncschd, dann vom Hedschas emporgekämpft hat, die noch mit Schwertern und alten Flinten ini Stil der Stammesfehden und Blutrachen ausgefochten wurden. Das Wesentliche scheint mir das Hcrauswaehsen eines Haupt, lings der Wüste aus dem arabischen ,Mittelalter in die Neu. zeit hinein, ohite daß eine Assimilation, eine innerliche Hingäbe an die europäische Zivilisation erfolgt wäre. Gewiß, Ibn Saud hat einerseits versucht, seine Nomaden seßhaft zu machen, sie zu einem wirtschaftlichen Aufbau anzuleiten, die feudalistische Zerrissenheit des Häuptlingswesens (wie es sich auch in Europa vollzog) durch ein absolutistisches Polizei- und Militärregime abzulösen. Aber er hat andererseits die Grundzüge einer theokratischen Politik nicht aufgegeben, hat keine Neuerung ohne vorhergehende Verständigung mit seinen Ulemas unternommen, denen klarzumachen war, was im Koran nicht verboten ist. Aber auch nach seiner innerliehen Veranlagung ist Ibn Saud ein Wahhabit, ein Puri* taner der Wüste geblieben oder, wie er einmal zu St. John Philby sagte: ich bin erst Moslem, dann Araber, auf jeden Fall aber ein Knecht Gottes. Es ist da eine Doppelrolle, die er ohne subjektives Falsch spielt, und die ihm aie Verhältnisse aufcrlcgt haben. Ein gutes französisches Sprichwort sagt: man wird immer nur von den Seinen verraten. Die Seinen sind die beduinischen Stammesgenossen, mit denen er zuerst den Ncschd unterworfen, mit denen er die Türken schon vor dem Weltkrieg aus dem inneren Arabien vertrieben hat. Aber seit der Eroberung des Hedschas im Jahre 1924 ist er auch in mannigfache weltpolitische Beziehungen getreten, von denen sein Ursprungsland wenig weiß. Von Palästina aus gesehen erscheint uns der Islam und das Aiabertum als eine einheitliche Masse. Ibn Saud, der Wahhabit, hatte mit dem Widerstand der Schiiten zu rechnen, mit religiösen und kulturellen Gegensätzen vom Nahen und Fernen Orient her, und das besonders, seitdem er Schutzherr der heiligen Stätten von Mekka und Medina geworden ist. Der Jemen war eine Art Kirchenstaat mit vielen Korruptionserscheiiiungen, mit einer privilegierten Ausplünderung der Pilger, und der Scherif Hussein beging seinen größten Fehler, da er sich nach Aufhebung des türkischen Kalifais selbst zum Kalifen ausrufen ließ. Dieser Schritt führte zu seiner baldigen Abdankung. Ibn Saud ist nach der Eroberung als einfacher Pilger in Mekka cingezogen und er hat auch vor drei Jahren, als das Land schon vor seinen Truppen offen lag, auf die Annexion des Jemen, der Arabia felix, verzichtet. Im Süden des Jemen, an der Küste des Roten Meeres, beginnen allerdings auch die europäischen Interessen, und es war erst vor kurzem davon die Rede, wie der Küstenzug wieder zu einem Brennpunkt der großen Politik geworden ist. Die südlichen Aussichten von Palästina sind auf Akaba in der Meerenge am Sinai gerichtet. Man sagt Ibn Saud ebensoviel Energie wie Vorsicht und Selbstbeherrschung nach. Jedenfalls hat er die Nadihargrenzen seines Dopneheiehs gegen Syrien und Transjordanien respektiert und er hat auch gegen die palästinensischen Verhältnisse eine klare Linie der Neutra« litiit gehalten. So blieb ihm das Vertrauen der Engländer. Ob das Reich des heute fast Sechzig jährigen mehr als eine persönliche Schöpfung bedeutet, wird niemand Voraussagen können. Arthur Eloesser ROMANE Zu Charles Morgans ״Sparkenbroke“ (in deutscher Uebertragung: ״Die Flamme“). — Deutsche Verlags-Gesellschaft, Stuttgart-Berlin. Das langerwartete Buch des vielbcwunderten — mit Recht bewunderten! — englischen Sehriffsteilers Charles Morgan, das trotz oder wegen seiner 705 Seifen schon im 9. und 10. Tausend erschienen ist, ״Sparkenbroke“ spricht englisches Wesen in allen seinen Weiten und Grenzen so rein aus wie schon lange kein Buch — gerade weil es trotz seiner epischen Breite um Menschen weiß, die durch das ״englischeste aller Bande miteinander verbunden sind — durch die Fähigkeit, einander Gefühle ohne jede Parade von Worten mitzuteilen“. — In dieser Geschichte von Verzücktmg, Liebe und Tod eines Dichters gibt es eine kurze Szene — eigentlich ist’s nur ein Bruchstück einer Szene — die auch wir sehr aufmerksam lesen sollten. Es ist bei einem Ga*rten fest — dem üblichen Gartenfest, das Lady Sparkenbroke alljährlich für die Gesellschaft von ״drei Grafschäften“ gibt. Da hört George, der Freund und Vertraute des Dichters, ein Gespräch zwischen einem Manne und einer Frau, erst nur durch ihre Stimmen bezeichnet. Die Frau, deren blasse Augen an Sargents besonders ’geschmeichelte Porträts erinnern, vertritt in abgehacktem Diskant den Standfunkt, daß der Dichter all seine Sonderbarkeit nur der Reklame wegen herausstellt — sie ist für ״eine anständige, gleichförmige Anpassung. Splcenigkeit ist eine Form von Vulgarität“. Der Mann widerspricht ihr: erst Matthew Arnold, der große Schulmeister, der geistige Großvater der Pfadfinder, habe diese Gleichförmigkeit der Geister erzogen und ausgebikiet. Aber auch er ״paßt sich an“, wie die Frau ihm zögernd sagt; muß es tun, weil er, wie er sagt, Jude ist. ״Ich täte es nicht, wenn ich ein englischer Aristokrat wäre. Der Adel war immer vulgär — in Ihrem Sinne —, bis er seine Vorstellungskraft verlor und seiner Ahnen vergaß.“ — Wie man sieht, ist das Bild des Juden nicht so geschmeichelt wie ein Sargentsclies Porträt; der Mann ist ״leiblich auch nicht schöner“ als die Frau, die ״eine gewisse fatale Macht der Reizlosigkeit“ besitzt, ״er hatte bereits Fett angesetzt ...“ Aber in den dunkelbraunen Augen lebte eine von der ironischen Schwermut der Zivilisierten unter Barbaren gekühlte Glut der Imagination, die seiner Rasse eigentümlich ist. ״Mit diesem Menschen könnte ich mich verstehen, dachte George‘‘ ... oder der Verfasser, dessen Dolmetsch der Engländer hier ist. — Wer dies sah, weiß mehr von uns, als er sagte. Und wir wundern uns nicht, wenn wir in dieser Geschichte von Tod und Leben, und Leben durch den Tod hindurch, etw^a Worte wie die foi-?enden lesen — sie könnten auch in einem Buche über izcliak Luria stehen: ״Im Tode fallen die Mauern, und die Lichter verlöschen. Weiter geschieht nichts. Denn der Tod ist nicht der Wechsel eines Zustands, sondern einer Wohnstäfte. Er ist ein Zwischenfall in einer immerwährenden Un- Sterblichkeit.“ B. B. St. Robert Prechtl: ״Titanensturz“. Roman eines Zeitalters. — Saturn-Verlag, Wien 1937. Robert Prechtl will in seinem Buch ״Titanensfurz“ nicht nur den Untergang der ״Titanic“, 'der vor 25 Jahren die Welt erschütterte, heraufbeschwören, vielmehr benutzt er dieses Thema als Hintergrund zu einer Darstellung des Unterganges eines Zeitalters. An Hand der erschütternden Handlung vom Untergang des Schiffes, gibt er Zeitbilder: Sturz des Hoclikapitahsmus und Versagen der überfeinerten Technik. Er läßt auf dem Schiff, zusammengedrängt in Raum und Zeit alles, was es an Schicksalen gibt, die Men« selten erleben können, vor uns erstehen, Menschen aller Gattungen, vom Industriellen, Künstler, Seeleuten höherer und niederer Rangordnung bis zum Verbrechcrkleeblatt. Wenn er allerdings ins Mystische kommt, dann spürt man den falschen Ton. — Uns interessieren besonders die jüdischen Gestalten seines Romans. So tritt Benjamin Strauß (gemeint ist wohl Isidor Strauß) auf, der bei dem Untergang zusammen mit seiner Frau den Tod fand. Er führt mit dem amerikanischen Millionär Astor, einem Pro■ fessor, einem Geistlichen und einem Journalisten Gespräche über religiöse Fragen. Auch eine Diskussion über Zionismus zwischen einem Rabbi und einem halbdämonischen Juweher erleben wir, allerdings in z. T. etwas krauser Form. Prechtl versteht zu packen, aber seine mystischen Neigütigen beeinträchtigen den Eindruck dieses Buches. Zum Schluß gelingt durchaus die Darstellung des furchtbaren Unglücks, des Unterganges des Schiffes. Franklin D. Roosevelt: ״Spurlos verschwunden“. — Kriminal* roman, unter Mitarbeit von Rufert Hughes, Samuel Hop* kins Adams, Anthony Abbot, Rita Weinan, S. S. van Dine, John Erskine. Vorwort von Fulton Otirsler, Uebersetzung von Karl Fischer. — Antiius-Verlag, Lübeck. Auf jeden Fall ist die Entstehung dieses Romans keines« wegs gewöhnlich. Die Idee gab Präsident Roosevelt. Fulton Oursler schildert im Vorwort, wie Roosevelt ihm den ge* samten Plan des Buches auseinandersetzte, ohne eine Lösung des Falles zu finden, und wie Oursjer ihm vorschlägt, die bekanntesten Detektivschriftsteller der USA. aufzufordern, das Problem zu lösen. Es geht um folgendes: Ein Millionär, Jim Blake, will aus seinem Kreis verschwinden und mit seinen Millionen, die er mitzunehmen gedenkt, ein neues Leben anfangen. Wie er es zustande bringt, seine ganze .äußere Verwandlung, das zu schildern, ist die Auf״ gäbe der sechs Kriminalschriffstcller. Jeder hat ein Ka* pitel geschrieben, sehr flott und im Stil aufeinander ab״ gestimmt, nur leider gelingt es ihnen auch nicht, eine wirkliche Lösung zu finden. Zwar glückt die äußere Ver* Wandlung des Helden, auch die Rettung seiner Millionen, aber durch komplizierte Zufälle kann er sein nenerworbenes Leben nicht konsequent aufrechterhalten, er muß wieder ״Jim Blake“ werden... Trotzdem liest man mit Spannung und fühlt sich gut unterhalten. Ch.F« Dr. Markus Seckbach: Efne Ahnentafel von 27 Generationen bis zum Jahre 1290. — Verlag* ״Laubhütte“, Verlags-GmbH. Hamburg. Dr. Seckbach (Berlin) hat eine Ahnentafel der Familien Seckbach, Meyer, Auerbach, Hirsch, Marx, Bodenheimer u. a. zusammengestellt, die bis zum Jahre 1290 zurückreicht. Die verdienstliche Arbeit wird auch für eine Reihe von anderen Familien, die ihre Ahnen in dieser Zusammenstellung finden» von Interesse sein. ■ fl ■AdHkEl fUr Trappen, Lflden, Anschläge kostenlos Grolles Lager In Cocos«, ■I11VBCII1II Zimmer und Küchen la Rater./Gegr. 1892 Bouclöu. Velourlflufern Priti Stoehr Memhardstr. 10 frOhar• MOniatr. 11 Rufi S1 ItM-61 2j»ggjfigB|gg jjjjjjjjj

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