Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 38-39 (14.5.1937)
- Date
- 1937-05-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 38/39,14. V. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Sternstunden der Geschichte Eine Betrachtung zu Sdiawuot Von Max Nußbaum Ein Mensch hat soviel Wert als Dasein, d. h. Leben, Kraft und Gott in ihm ist. Flat er aber auch viel Kraft und Leben, sind diese aber im Streite mit dem Gott in ihm, so wird er immer ein häßlicher Mensch, vcrächtlicher Dichter und im Urteil schief sein. (Friedrich Schlegel) I. Das, was Schlegel in diesem hier zitierten Motto allgemein über einen Menschen sagt — die Forderung nach Kraft und Gott in ihm — gilt im besonderen für ein Volk. Das Leben einer jeden Gemeinschaft wird in seinem ge- Schichthöhen Strom ebenfalls von den beiden Faktoren heherrscht: Von der Materie und vom Geist, von Kraft und von Kultur, von Macht und Idee, vom Physischen und vom Psychischen, von Politik und Philosophie, Körper und Seele, von der Erde und vom Himmel. Jenes Wort der jüdischen Tradition: Buch und Pflug (Schwert) seien als unlösliche Einheit dem Menschen gegeben worden, dokumentiert den eben angedeuteten Gedanken. Jedes Volk, das in seiner Entwicklung nur eine Hemisphäre kennt, wird einseitig und degeneriert. Jede Kraft, die nicht auf den Geist ausgerichtet ist, muß mit der Zeit in Barbarei enden. Jede Kultur, die nicht die Grundlage der Kraft besitzt, jede ״Idee“, die wesenlos ohne die ״Tat“, sei es als Fundament oder als Konsequenz, existiert, zeitigt Hyperinteilektualismus und geistige Dekadenz. In jedem dieser Fälle wird ein Volk ״häßlich“ und ״sein Urteil schief“. Nur wo sich die beiden Kräfte zu einem Bündnis paaren, gibt es ein normales Leben. Glücklich waren nur jene historischen Epochen der Menschheit, die diese Totalität besaßen. Es waren die Sternstunden der menschlichen Geschichte. In vielen Gestalten und in vielen Formen offenbart sich uns das historische Bündnis, das diese beiden Kräfte in der Geschichte der Völker eingehen. Hin und wieder erhält eine glückliche Generation von der Natur das große Geschenk zweier auf gleicher Stufe stehender Persönlichkeiten, die sich als Idee und Tat, als Geist und Kraft erfänzen. Die Geschichte der Menschheit kennt viele solcher eispieie, und man lese in diesem Zusammenhang etwa das Werk von Renate von Scheliha: ״Dion, die platonische Staatsgründung in Sizilien“. Hier versucht die — sichtlich von Stefan George herkommende — Autorin, ein ganzes Jahrhundert, nämlich das letzte hellenische, heraufzubeschwören, um diese historischen Paare der Antike aufzuzeigen: Xenophon — Agesilaos; Lysis — Epaminondas; Sokrates — Alkibiades; Aristoteles — Alexander: und endlich Platon — Dion. An diesen Beispielen, und besonders am letzten, wird gezeigt, wie fruchtbar für die historische Entwicklung ein solches Paar sein kann. Es ist ein besonders guter Aspekt, den Ablauf ganzer Jahrhunderte so zu sehen. Deswegen gehört auch der Versuch Friedrich Sieburgs, Robespierre als den Vollstrecker und Verwirklicher Rousseauscher Ideen hinzustellen, ebenfalls hierher. Ein normales Volk, das auf seinem Boden lebt und eine Erde und einen Himmel sein eigen nennt, erlebt aber auch mitunter das Glück, die beiden Motoren des Lebens, die Schlegel Kraft und Gott nennt, in einer einzigen Persöniienkeit vereinigt zu sehen. Es ist eine Apotheose geschichtlichen Glücks, wenn die Natur einen solchen Wurf tut und das Bündnis zwischen ״Kraft“ und ״Kultur“ innerhalb einer einzigen Persönlichkeit Wirklichkeit werden läßt. Auch hierfür hat die Geschichte der Menschheit zahlreiche Beispiele. Marc Aurel, Goethe, Friedrich der Große und Bismarck gehören hierher. In solchen Fällen ist es ein einziger Mensch, der die Kugel der Welt in den Händen hält und dafür sorgt, daß die beiden Hemisphären nicht auseinandergehen. Und in einem Taumel von Furcht und Befeisterung erlebt die Menschheit eine ihrer wunderbarsten ternstunden. II. Das, was hier allgemein über die Geschichte der Menschfielt gesagt wurde, gilt im speziellen für das jüdische Volk. 1Jeder von uns kennt die besondere Macht der geistigen Sphäre bei unseren Menschen und in unserer Geschichte. Nur denjenigen, die aus dieser — sehr oft historisch bedingten — Einseitigkeit eine Tugend machen, sei gesagt, daß zur Normalisierung unseres jüdischen Lebens auch unser Himmel eine Erde verlangt. Alles Große in der jüdischen Historie erhebt ebenfalls Anspruch auf beide Faktoren, GLAS ✓ PORZELLAN alfred schaeffer M.d. j, g. Berlin, Mauerstr, 68, an der Leipziger Str and unsere Geschichte ist reich an Beispielen, in denen dieses Verlangen nach Totalität des Lebens und nach Vereinheitlichung von ״Gott“ und ״Kraft“ lautgeworden ist. Die jüdische Geschichte kennt das Beispiel der Paare und das historische Bündnis von gleich starken Persönlichkeiten: Esra und Nehemias steilen ein solches Paar dar; der Schriftsteller und der Praktiker; einer, der die Thora erlöst, und der andere, der Jerusalems Mauern erbaut; ein Erlöser und ein Erbauer. Rabbi Akiba und Bar-Kochba, der große Schriftgelehrte und der kriegführende Held, repräsentieren ein solches Beispiel, ln der modernen zionistischen Geschichte gibt es das große Bündnis von Leo Pinsker und Achad Haam, dem zionistischen Wirklichkeitsmenschen und dem national-philosophischen Ideologen, und noch fundamentaler: das Nebeneinander von Theodor Herzl und Chaim Nachman Bialik, der Politiker des Judenstaates und der Melodiker unserer Innerlichkeit. Die Parallele mit der Geschichte anderer Völker geht weiter. Auch das große Glück, die beiden bestimmenden Faktoren des Lebens in einem einzigen Menschen konzentriert zu sehen, hat es bei uns Juden gegeben: Mose war eine solche Synthese von Gesetzgebung und politischer Führung, von Kultur und Kraft, von Ethik und Praktik. David war eine solche Vereinheitlichung von Heldentum und Geist, von musischen Elementen und königlicher Macht, von letzter Religiosität und klügster Strategie. Abrabanel, dessen 500. Geburtstag wir in diesem Jahr gefeiert haben, verkämerte eine solche geglückte Mischung von Politik und Theologie, von Staarskunst und Gelehrsamkeit, von Tatkraft und Kontemplation. Die moderne Kolonisationsfeschlchte Palästinas kennt Beispiele für eine solche ynthese. Ich nenne hier nur Brenner und Gordon, die — an Figuren Gionos erinnernd — ״ein Stück ihres eigenen gefurchten Ackers bilden, das sie umschwellt und bekleidet“ ... ״Eingewurzelt und felsenfest ragen sie aus brauner ״Scholle“ (eine Formulierung aus Gionos ״Ernte“), und doch haben sie eine Religion der Arbeit geschaffen (dat-awoda) und ihr Lebenstraum war ״am-adam“, das Mensch-Volk ... Wir lebten — und leben — nicht unter normalen Bedingungen. Wir waren — und sind — ein unglückliches Volk. Aber wir. dürfen an unseren ilan vital, an unser Recht auf ein Leben als Volk glauben, weil auch wir diese Höhepunkte, unsere Sternstunden hatten. III. Wenn man diese Gedankengänge konsequent zu Ende führt, kommt man dazu, anzunehmen, daß es eine noch höhere Stufe innerer Ausgeglichenheit im Leben eines Volkes geben könnte. So oft ich z. B. über die makkabäische Generation nachdenkc, will es mir scheinen, daß liier ein einmaliger Versuch des Schicksals vorliegt, etwas Parallelloses zu exemplifizieren: Das Ineinanderfließen der beiden lebensbedingenden Volksfaktoren zu einem einzigen Strom, der nicht nur zwei Menschen mit sieh reißt oder gar eine einzige Persönlichkeit, sondern eine ganze geschlossenc Generation wie einen einzigen Menschen. Es wäre einseitig, wollte man in dieser historischen Epoche lediglich Juda Makkabi als ein Symbol hinstellen. Die ganze Generation war vorwärts getrieben von diesen beiden Kräften. Die Volks-Individualität trat an Stelle der Persönlichkeits-Individualität. Es ist von tiefer Bedeutsamkeit, wenn die jüdische Tradition den Namen dieser Generation ״Makkabi“, der im Hebräischen ״Hammer“ hedeutet, in seine Bestandteile auflöst und ihn auch als ״Wer ist wie Du unter den Göttern, Ewiger?“ zu interpretieren verimiHiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimimiiiiiimiiMiiiiiitiiiiiiiiitiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiititiiiiiiiiiimiiiiMiiiiiimiiMi Ein jiddisches Sehawuoth - Gedicht AWROHOM REISEN Noch griens') Im Osten ist der F.rew Sehawuoth ein Freudentng für die Chejder-Jungens: sie haben den ganzen Tag frei und ziehen fröhlich singend in den Wald, um Grünes für das Fest zu holen. Noch zwejgeledi2), klnder, in wald lost3) sich gejn, Un frejledi mit lieder kessejder4), Asoj wie es wolt5) auf der well nft gewen Kejn rebe, kejn kantschikD, kejn chejder. Noch zwejgelech, klnder, noch zwejgeledi geji Un putzt aus di oreme7) sditlblech8); Der wald is nlt wajt, hlntcr'n sditetel er sditejt Un kukt asoj wejdi, asoj libledi. Verwundert wet') weren der alter, der wald: Wos tun do jldische klnder? Derzejlt ehm: 's is schwues! Derzejlt es ehm bald, Es soll ehm nit sajn zu kejn wünder. Un sSumt sich, wos10) lenger, un rajsst, wos10) mehr on, Nlt hot11) far dl tatens12) kejn mojre13): Hajnt14) megt Ihr in wald sajn, me15) wel gornlscht ajch ton — Es Is doch lekowed16) der tojre! Transkription und Fußnoten von Dr. Rabinoivitz, Leipzig *) Nach Oriinem! s) Zweiglein. 3) laßt:. *) wie sich’s gehört *) wäre. *) Prügelinstrument. ") ärmlich. •) Stührhen. *) wird. J0) ״wos“ in Verbindung mit einem Komparativ bedeutet ״nach MöghVhkeit“, hier also: so lang und so viel als möglich. ״) habet. 12) Väter. ls) Angst. u) heut. ls) man. 16) 7u Ehren. NIIIIIIIIIIHIIIHIillllllllllllllllimilllllllllllllllllnillllimilllllllllllllimillllimillimilllllllMUUIIIIIIIIIIIIIUIlllllllllimiUlHIlUtB sucht. In diesem Satz, der das heiligste Axiom der jüdischen Religiosität enthält, offenbart sich das Band, das unser größtes Volkserlebnis mit den ewigen Sternen unseres Hirnmels verknüpft. Aehnliche Elemente finden wir im Rhythmus des jüdischen Jahres. Ich glaube, daß es kein Zufall ist, wenn der Jude seit Jahrhunderten Peßach, das Fest der Tat, und Sehawuoth, das Fest der Idee, durch die ״Sephirah“, das ständige Zählen mit aller Gewalt Zusammenhalt und dafür sorgt, daß sie zu einer großen Einheit werden. Im Rhythmus des jüdischen Jahres ist Peßach als das Fest der Tat, nämlich der Gehurt, nur ein Präludium unserer Geschichte. Es erhält erst nachträglich seinen Sinn durch das Fest der Idee, nämlich der Idee der Thora. Und es ist ein sichtbarer Ausdruck unseres Willens, die Totalität des Lebens zu beherrschen, wenn wir seit Jahrhunderten streng darauf bedacht sind, daß jeder Tag, der zwischen diesen Festen liegt, gezählt ward als eine Brücke, als eine von vielen Stufen, die auch hei uns — und bei uns besonders — von der Tat zur Idee führen müssen. Diese Verbindung stellten in früheren Jahrhunderten nur wenige unserer Generationen dar. Fs war ein Monopol kleiner Kreise, die dafür Sorge trugen, daß diese Welten nicht auseinander fielen. Es ist ein historisches Verdienst des Zionismus, daß er diese Vereinheitlichung angestreht hat und auf die Degenerationsgefahr jeder Einseitigkeit hinwies. Wenn es wahr ist — und daran ist in unseren Tagen nicht zu zweifeln —, daß wir an einem großen historischen Wendepunkt unseres Lebens stehen, so müßte es uns gelingen, einen Zustand herbeizuführen, in welchem nicht die einzelne Persönlichkeit oder ein Persönlicbkeitspaar, sondem die ganze jüdische Generation den Sinn dieser ״Sephirah“ versteht. Die Problematik wird eine konkrete angesichts der Tatsache des neuen Palästina. Das jüdische Volk muß hier den Beweis erbringen, daß es aus Palästina nicht eine Anti-Oaluth schlechthin macht in dem Sinne, daß es der übermäßigen geistigen Einseitigkeit des Ghettos die ungehemmte geistlose Kraftentwicklung des eigenen Landes gegenüberstellt. Das Problem des Gleichgewichfs von Kraft und Geist, wie das religiöse Problem gehören hierher, und eine jüdische Antwort, die eine historische Kontinuierlichkeit für sich in Anspruch nehmen kann, hat keine andere Möglichkeit, als zu sprechen: Peßach und Sehawuoth, die Tat und der Geist. In der jüdischen Tradition gibt es diesen Gedanken in vielen Variationen. Eine von ihnen stehe abschließend hier: In der Wüste fragt ein Jude einen Araber, wo man denn einen Tempel bauen könnte, der nicht mehr untergehe. Der Araber erwidert: ״Komm, und ich will dir einen Ort zeigen, wo Himmel und Erde sich küssend einander begegnen... .״ Er hat recht. Den ewigen Tempel, die Sternkunde menseh-!!eher Geschichte gibt es nur dort, wo die beiden Lebenskräfte einander begegnen. MAX WEISSLER, PELZE I ELEQANT UND BILLIG * K 0 N S E RVI E R U N 83 - AN N AHME I Nur Barlln W, Klaiatetr. 12. Ruf: 252560 ״Statenbijbel“ Eine Bibelausstellung in Holland Von Dr. Felix Falk, Den Haag Das holländische Volk, in seinem innersten Wesen gläubig und fromm, hat zu allen Zeiten den Jude!! gegenüber die größte Toleranz bewiesen. In der jüdischen Geschichte gilt der Tag, da die portugiesischen Maranncn im Jahre 1503 den Boden Hollands betraten und hier zuin Glauben ihrer Väter zurückkehren durften, als ein lichtvoller Wendepunkt nach den schrecklichen Ereignissen, von denen die Juden im ausgehenden Mittelalter betroffen wurden. Das holländische Volk ist aber auch bi bei kundig, und im Mittelpunkt seines geistlichen Lebens stand von jeher das Buch der Bücher. Ganze Bibliotheken könnte man mit den Schriften füllen, die von holländischen Gelehrten verfaßt wurden und in unmittelbarer oder mittelbarer Beziehung zur Bibel stehen. Die Katheder der ״Gottesgelahrtheit“ an den alten Univcrsi« täten zu Leiden, Utrecht, Groningen oder au der ehemaligen friesischen Universität zu Franeker hatten Weltruhm. Holiändische Dichter wie der vor 350 Jahren geborene Joost van Vondei haben Geschehnisse oder Gestalten der Bibel in ihren meisterhaften Schöpfungen dargestcllt. Man begann in Holland schon frühzeitig, die Bibel Irl die niederländische Sprache zu übersetzen. Zuerst kam das Alte Testament 1477 in Delft im Druck heraus. Später legte man den Ucbersetzungen die Luthersche zugrunde. Aber sie alle wurden den sprachlichen Anforderungen nicht gerecht, so daß auf der denkwürdigen Synode von Dordrecht am 19. November 1618 von den Protestanten der Beschluß gefaßt wurde, eine vollständige neue Uebersctzimg anfertigen zu lassen. Man wählte unter den Theologen und Ilebraisten in Leiden drei berühmte Männer aus, und zwar für das Alte Testament die Gelehrten Joannes Bogermnnn, Wilhelmus Battdarüiis und Gcrson Bucerus, im jaiire 1937 war die Uebersetzung vollendet in einer Form, die alle bisherigen Ucbertragungen an Schönheit der Sprache lind Gehalt des Ausdrucks übertraf, und das Meisterwerk konnte als die sogenannte ״S t a t e n b i j b c 1“ in Kirche, Schule und Haus eingeführt werden. Die Uebersetzung des Alten Testaments wurde unmittelbar aus der h e b r ä i s c 11 e n S p r a c h e vorgemmiimm, deren Reinheit, Einfachheit und göttliche Kraft die christlichen Uebcrsetzer gar nicht aufhören zu rühmen, kur die Pflege hebräischen Schrifttums bei den christlichen Ttwuioccii Hollands gibt eine andere Bibel Zeugnis, die im Urtext von dun Leidener Professor der Heiligen Sprache Johann Leusden in Verbindung mit dem berühmten jüdischen Drucker Joseph Athias etwa dreißig Jahre nach der Statenbijbel in Amsterdam herausgegeben wurde. Die mit hebräischen und lateinisehen Anmerkungen versehene Bibel genoß bei christlichen und jüdischen Gelehrten den Ruf, ihrem Titel ent-prechend eine ״Biblia Hebraica accuratissima“ zu sein, in ihrem vom 5. Nissan 5427 datierten Geleitwort erklärten die Rabbinen der Amsterdamer Synagoge Ishak Abuab, Aaron Serfati und Mosch Raphael de Aguilar in hebräischer und lateinischer Sprache, daß dieses Heilige Buch an Schönheit des Druckes alle Ausgaben überträfe, die seit Erfindung der Buchdruckerkunst gedruckt wurden, und daß die in eleganter Sprache abgefaßten Anmerkungen des gelehrten Professors Leusden sich durch Kürze, Klarheit und Genauigkeit auszeichneten. Diesem Urteil schlossen sich nicht bloß die jüdischen Korrektoren an, sondern auch die christlichen Theologen und Hebraisten der Universitäten Leiden, Utrecht, Groningen und Franeker bestätigten, daß es sich hier um cm in wissenschaftlichcr und drucktechnischer Hinsicht vollendetes Werk handele. Die Anerkennung für diese Kulturtat blieb nicht aus־. Am 10. Juni 1667 wurde dem aus der bekannten Maranncnfamilic der Athias stammenden Drucker von den Machthabern der Generalstaaten die Goldene Medaille verliehen. Durch gütige Vermittlung des Rijksarchiefs zu ,s-Gravenhage ist es mir möglich, den hierauf bezüglichen Beschluß der Gcneralstaaten wiederzugeben. Er lautet in deutscher Ueber- Setzung: ״Den Hohen Machthabern (der Generalstaaten) wurde ein Exemplar einer hebräischen Bibel vorgelegt, die von Josephus Athias gedruckt und herausgegebeii wurde, und die nach dem Gutachten der theologischen Fakultät sowie der Professoren der hebräischen Sprache an den Universitäten zu Lejden, Utrecht, Franeker und Groningen der korrekteste Druck ist, der bis jetzt herausgckommeii. Nach Beratung wurde für gut befunden, das den Hohen Machthabern vorgelegte Exemplar dieser hebräischen Bibel;m/unchmen und Joseph Athias entsprechend der Bedeutung seines Werf.es eine Goldene Medaille im Werte von sechshundert Gulden zu verleihen. Der Kanzler Bursch wird beauftragt, sie für ihn anfertige:! zu lassen, und die Summe von sechshundert Gulden soii den Einkünften aus dem Kapitel von St. Servaes zu Maesfriclu im Kontor des Generaleinnehmers Yolbcrgen entnommen werden.“ An das hier Berichtete werden wir durch eine Bibelau «Stellung erinnert, die im Hinblick auf das 300-jahr- Jubiläum der Statenbijbel und aus Anlaß der Anfang Mai beginnenden holländischen Budnvocbe in den Raumen der Haager Buchhandlung W. P. van Stockum D Zoon NY durch Professor Dr. R. Casimir eröffnet wurde. Die Ausstellung, die Bibeln in fast allen Sprachen von der einfachsten bis zur kostbarsten Ausgabe umfaßt, interessiert noch besonders durch zwei geschlossene Sammlungen: die' Sammlung der Niederländischen Bibelgesellschaft mit Bibeln in nicht weniger als 25 indischen Sprachen, über die eine Sprachkarte näheren Aufschluß erteilt, und die von dem früher in Berlin, jetzt in Amsterdam ansässigen jüdischen Buchhändler timf Antiquar Louis Lamm zur Verfügung gestellte־ Sammlung Judsica und Hebraica. Was Lamm hier in größtenteils tadellosen Exemplaren ausgestellt hat, gehört mit zu den großen Seltenheiten des jüdischen Büchermarktes. Uni nur einige von den 108 Nummern zu erwähnen: Von Inkunabeln finden wir ״Erste Propheten“ hebräisch 1485 bei Soncino gedruckt. Von späteren Bibelausgaben ist die in Leiden 1520 gedruckte hehr'iische Bibel als Seltenheit anzusprechen. Die Biblia Hebraica, Mantua 1723, mit dem hebräischen Kommentar von Minebas Schey ist mit allen dazugehörigen Kupfertitelii vorhanden, die gewöhnlich fehlen, da fromme Juden an diesen figürliehen Darstellungen Anstoß nahmen. Auf die Maranncn weist die unter dem Namen ״Märtyrerbibel“ bekannte Ausgabe mit spanischer Uebersetzung, 1762 in Amsterdam gedruckt, sowie ein Pentateuch mit Haftaroth in spanischer Sprache, den David Tartaz 1651 in Amsterdam heraiisgegeben hat, und dem ein Gebetbuch in spanischer Sprache von Samuel Texeira Tartaz aus dem Jahre 1723 vorgebunden ist. Wenn wir noch eine auf Pergament geschriebene alte Thorarolle, eine aus Italien stammende illustrierte Mcgilla und eine auf Hirschhaut etwa 1450 geschriebene und illustrierte Mcgilla erwähnen, die spanischer Herkunft und wohl das einzige Exemplar dieser Art ist, das sich erhalten hat, so haben wir nur einen ganz kurzen unvollständigen Ueberblick von dieser reichhaltigen Sammlung geben können. Daß die holländische Buchwoche mit einer derartigen Aus» Stellung eröffnet wurde, kann als Beweis dafür gelten, wie noch heute das geistliche Leben in den Niederlanden nicht bloß auf kirchlichem, sondern auf jedem Gebiet von der Bibel beeinflußt wird.