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Jüdische Rundschau · 1937-05-11 · Heft 37 (11.5.1937) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 37 (11.5.1937)
Date
1937-05-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 37, 11. MAI 1937 JÜDISCHE f AUS DEM REICH Münchener Chronik Von unserem Berichterstatter Aus der Gemeinde. Der Bevölkerungsrückgang der Israelitischen Kultusgemeindc München macht sich vielleicht starker als in anderen Großgemeinden fühlbar. I)a München ohne die benachbarten Klein- und Mittelgemeinden ist, die anderwärts zum Teil den Wanderungsverliest wieder ausgleichen, ist der Schwund der Bevölkerung Tier empimdlichcr. Die Seelen zahl wird heute kaum mehr 750(1 erreichen, Die kulturelle und Veranstaltungs-Tätigkeit innerhalb der Gemeinde hat eine Erschwerung dadurch erfahren, daß der ״Muscnm“-Saal, der bisher benutzt wurde, umgebaut wird und dadurch nicht mehr zur Verfügung steht. So kann mir die Hauptsynagoge und die Turnhalle des Itus herangezogen werden, was die praktischen Möglichkeiten erheblich vermindert. Die Gemeinde prüft deshalb Pläne zur Errichtnng eines S a a I b a u s, der bald erstehen und allen Bediirfnissen entsprechen soll. Die Entscheidung über die Projekte wird in Kürze fallen. Inzwischen erwarb die Gemeinde ein mehrstöckiges Anwesen H o h e n z olle r ns t r. 4, dessen Räume vor allem den Jugendlichen der Schule, der Bünde und des Lchrlingsheiincs dienen sollen. Bei der Einschreibung an der gemeindlichen Volks- Stil ule hielt sich die Schiiier/ahl mit etwa 300 annähernd unverändert. Die Jüdische Volksschule München voranstaltete zum Jahresabschluß außer einer Feierstunde auch eine Ausstellung von Schulerarbciten des Zeichen- und i lamlai b! 1ts-t'!itcrnchts, in der eine Reihe beachtlicher Teistungen zu sehen waren. Mit Beginn des neuen Schul- Jahres werden auch Piano des '). ■Schuljahres zur Vorvvirklichung geführt werden. Möglicherweise werden damit yuouniricnlungrml, und in Zusammenarbeit mit dem Bayer!־ sehen I.andc-wrbaml. Lehrwerkstätten für Mol/- und Metallbearbeitung, die unter fachmännischer Leitung stehen werden, 1-rrii Inet. Das B e t!ו - G h a 1 u / stellt sich auf Mittloren-1 lach-cliarah um, für Mittlere soll auch in Neu- Estin g eme Au-doldungs-talt 1* geschaffen werden. Geheimer Sanit.ttsrat l)r. Lugen Doernberger beging seinen 7(1. Geburtstag. I )er Jubilar war Jahrzehnte hindun 11 Mitglied des städtischen Sciml- und Gesundheits-Amtes und Korpsarzt der freiwilligen Sanitatskolonne, sowie füllrendes Mitglied mancher anderen öffentlichen und jüdischen Sozialeinrichtungen. Kulturelles Leben. Das mugesciiaffene Lehrflaus der Gemeinde und «Irr Kulturbund haben er* folg! cidi ifas jmliM In• Leben Münchens angeregt und vertieft. Das Lchrhans, da« im November mit einem Vortrag vor ge- Iadcnen Gast■. [! von f)r. Lilturd S t r a u 15 (Frankfurt) über Rosen zweig und die l.elirhaus-ldee und einem großen Synagogenvnrtra״ kat'b. I>r. Leo Baeeks eröffnet worden war, hatte im ersten Halbjahr seines Bestehens in einer größeren Zahl von A r h e 1 t s g e m e 111 s e h a f t e!1 und Vorträgen einen treuen Hörerstamm von mehreren Hunderten versammelt. Im einzelnen fanden folgende Kurse statt: Rabb. Dr. L. B a e r w a 1 d über die Spruchweisheit Salomos, Prof. Dr. Cohen über Soziologie der Juden, f)r. Eh renkranz gab eine Einführung in den Midrasch, Rabb. Dr. W i es n e r in die Mischnah und Amtsgerichtsrat Dr. Silbcrschmidt in das philosophische Denken. Dr. L.ticlw. Feucht wanger leitete einen Geschichts-, Studienrat Sch aalmann einen Physik-Kursus. Dr. Keßler und Dr. Eisen führten in die Paiastinakunde ein und Rechtsrat Dr. Weiler spricht über die Rechtslage der Juden in Deutschland und die Grundlagen jüdischer Sozialarbeit. Kantor H o 11 c n e m s c r gibt offene Singen für die Jugend. Außerdem wurden ins Lehrhaus zahlreiche Ercmdspraehkurse eingefugt,!!! allmonatlichen Lern- Zeiten für J 11 g e n d führ t r und öffentlichen Vort r ä g e n waren u. a. Rabb. I >r. Escliclhachcr (Dusseldort), Dr. Haus Epstein (Frankfurt), J.-R. Dr. Magnus (Berlin), Dr. Lahn mann 11. a. zu hören. Auf Einladimg des Lehrhau<es München sprach Kar! N e 11 m c y e r (Großbrecsen) über ״Brasilien, ein! and jüdischer Zukunft“. In seinem Vortrag, dem ein zahlreiches Publikum folgte — viele hatten keinen Zutritt mehr erlangen können —, entwarf er ein anseliaiiliehcs, von Lichtbildern ergänztes Bild Brasiliens, das er selbst monatelang bereist hat. Der Kulturbund litt unter der Raumnot und mußte dadurch seine Pläne etwas ändern und sich vor allem auf musikalische Darbietungen beschränken. Das Konzert des Reichsorchesters der Kulturbünde (Frankfurt) hinterließ die stärksten Eindrücke. Allgemein wurde ein baldiges neues Gastspiel dieses Klangkörpers gewünscht. Während ein Liederabend einer Mannheimer Mezzo- Sopranistin in der Hauptsynagoge trotz des ansprechenden und interessanten Programms wenig befriedigen konnte, bereiteten die wiederholten Aufführungen der leichtbeschwingten Offenbach-Operette ״Die Insel Tulipan“ durch das Puppentheater Münchner jüdischer Künstler den dankbaren fförern reiches Vergnügen. Aus der Schar der durchweg vorzüglichen Künstler sei besonders der gesanglich und sprecherisch gleich wirksame Baß Walter Ries' hervorgehoben. Dr. josef W a I d n e r, der die musikalische Einstudierung des Spiels (Gesamtleitung: Berthold W o I f f) hatte, begleitete gewandt am Klavier. Die von Rudolf Ernst und Marieluise Kohn geschaffenen Bühnenbilder und Puppen fanden besondere Bewunderung. Zionistische Arbeit, In bewährter Aktivität wurde die Arbeit der ZOG. fortgeführt. Vor einer gut besuchten Ver- Sammlung der Münchner ZOG. sprach Dr. Hans Friedentha! (Berlin) über ״Jüdisches Schicksal — Resignieren oder planvoll gestalten?" Er wies die Judenfrage als Weltproblem auf, äußerte sich zu aktuellen Fragen (Ueberseewanderung, Kgl. Kommission, Orientpolitik) und legte ein überzeugendes Bekenntnis zu plan- und sinnvoller zionistischer Arbeit ab. R.-A. Dr. Perlmutter, 1. Vorsitzender der ZOG. Miindien, hatte den Gast begrüßt. Dr. Georg Josephthal berichtete in der ZOG. über aktuelle Fragen der Palästina- Politik und der jüdischen Jugend - Arbeit in Deutschland. In einer weiteren Veranstaltung der ZOG. gab Manfred Slurraann einen Bericht über seine Palästina-Reise und führte eine Anzahl hervorragender neuer Aufnahmen von Dr. Nachurn Oidal (Jerusalem) vor. — Die Erstaufführung des Palästina-Films ״Hatikwah“ fand gleichzeitig mit der Berliner Uraufführung vor geladenen Gästen statt. Die Dokumente der großen Leistungen aus den Anfangszeiten des Palästina-Aufoaus )unterließen starken Eindruck. — Im An- Schluß an einen eindrucksvollen Vortrag in der Haupt- Synagoge sprach Dr. Michael Trau b noch vor einem Kreis von Freunden des Keren Hajcssod. Zum 70. Geburtstag des Gemeindevorsitzenden Oberstlandesgerichtsrats Dr. Neumc y e r haben zionistische und Kreise der Jewisli Agency des Reichs einen Wald von 500 Bäumen in Palästina gestiftet, und zu Justizrat Emil Fränkels Geburtstag wurde von seinen Münchner Freunden ebenfalls ein großer Wald gespendet. Die Hebräische Sprachschule, die eine Schöpfung und Einrichtung der ZOG. ist, hat bis zur Auswanderung von Dr. M. Ehrenkranz, der viele dankbare Freunde und Schüler hinterließ, drei Lehrer beschäftigt, die annähernd 200 Schüler unterrichteten und auch die Ausbildungsstätte״ in und bei München (Wolfratshausen, Augsburg usw.) betreuen. Erfolgreich wurde auch die Arbeit der zionistischen J 11 - gendbiinde fortgesetzt. Sie veranstalteten einen Schau- Prozeß ״Jüdische Jugend gegen Familie Unbekümmert“, in der die verschiedene Typen vertretenden Angehörigen der Familie sich wegen ihrer Haltung gegenüber der Zukunft unserer Jugend zu verantworten hatten und dazu angchalten wurden, ihre Kinder den Bünden anzuvertraucn und einer sinnvollen Berufsausiibung zu/uführen. Per Erfolg des amiisanfen Nachmittags, dessen ernster Sinn nicht zu übersehen war, war so groß, daß eine Wiederholung im größeren Rahmen erwogen wird. Der Jüdische Turn- und Sport-Verein hat eine neue Vorstandschaft und steht jetzt unter zionistischer Füllrung. Auch dort reichen die Raumverhältnisse nicht mehr aus, und es wird a!1 die Neuerrichtung der unzulänglich gewordenen Garderobe gedacht. H. L. Familien-Nachrichten 1 Herr Salomon Gittfer und Frau Rahe), geh. Simon, Frankfurt am Main, Hansa-Alice 5, begehen am 16. Mai die silberne Hochzeit. Herr Herz I! ö c h i ( e r, I.autcrbnrh (Hessen), mr Zeit Isrnclilisches Krankenhaus, Frankfurt-Main, begeht am 13. .Mai den 70. Geburtstag. Abraham Reinhardt-Köln Am 24. Ijar trugen wir Abraham Reinhardt zu Grabe. Er war als todkranker Mann mit seiner Gattin vor wenigen Wochen aus Erez Israel lieimgekehrt. Das Schicksal gewährte ihm die Erfüllung seines Herzenswunsches: ließ ihn das Land, dem seine Liebe galt, schauen und seine zwei ältesten Söhne in ihrem Bemühen, sich darin eiiizuwurzeln, und — nahm ihn von der Erde fort. Abraham Reinhardt gehörte zu den wenigen noch lebenden Männern, die bereits zu Beginn des Jahrhunderts den Weg zu Theodor Herzl fanden. Er hielt seiner Idee die Treue, kompromißlos und unwandelbar bis zum letzten Atemzuge. Wie stark sie von seinem Wesen Besitz, ergriffen hatte, das mag man ermessen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß der Heimgegangene als Lehrer an einer öffentlichen jüdischen Schule wirkte und sich in Seelenruhe all den kleinen und größeren Gefahren aussetzte, die damals die Zugehörigkeit zur zionistischen Bewegung mit sich brachte. Abraham Keinhardt hat die Kölner Zionistische Vereinigung mit gründen helfen; er gehörte viele Jahre hindurch zu deren Führern. Man hörte auf sein wohlabgewogenes, jede Phrase beiseite lassendes Wort; man schätzte den zäh das Ziel verfolgenden Mann, weil er zu arbeiten verstand, nachhaltig und der Widerstände nicht achtend, gewissenhaft auch in den kleinsten Obliegenheiten, die ihm auferlegt wurden. Abraham Reinhardt, der S c h 111 m a 11 n, hatte zu Zeiten einen schweren Stand, der Mensch niemals. Er ging in der Schule seinen Weg in eindeutiger Haltung bis zuletzt, und er hat so der Entwicklung einer jüdisch gerichteten Pädagogik weit vorgegriffen. Er liebte die jüdische Geschichtswelt und liebte voller Hingabe die hebräische Sprache. Es fiel ihm nicht schwer, sich ihrer in der Unterhaltung zu bedienen. Die Methodik des hebräischen Unterrichts hat manchen Impuls von diesem Meister der Unterweisung empfangen. An seiner Bahre wurden nicht nur die üblichen Gebete, sondern auch die Nachrufe seiner letztwilligen'Bestimmung gemäß ausschließ■ lieh in hebräischer Sprache gesprochen. S. B. Zionistisches und Gemeindeleben Dresden. Die JüdFGic S; In 1!e veranstaltete vor über 600 Be* suehern eine Schulfeier. Nach B< ז״ (i!11<׳ng.s\vort׳׳n Schuldirektor Schülers folgten Spiele. Tanze und ein hehriiischcr Sprechchor und zum Schluß das Kinderstück ,.Die Königin von Saba besucht Salomo“ von Gerda Sender. Düsseldorf. Y or einigen Wo.'hen laude der rniondvknds der Ortsgruppe Düsseldorf unter Leitung von A -•<•'-׳>!• Georg Guthmann, Der laufende Kur-tis über ,,die rcrhtlirhen Grundlagen des Palästinaaufbaties־‘ wurde unterbrochen הוי!! Assessor Guthmann gal) elften Bericht über die Pa lä -i ina-Amt in Berlin. — Hans Da* m i d t spra־׳h in der Ortsgruppe des MKraehi über ״Engländer — Araber ״■— Juden‘־. Gehenkirdien-Buer. Die ZOG. veranstaltete eine Purimfeier für Kinder, die insbesondere durch die Bemühungen von Frau Rosen• bäum einen ausgezeichneten Verlauf nahm. Gloßau. Vor einiger Zeit sprach in d< r ZOG. Dr. Willy Colin (Brodau) über ,.Jeremias, IGra, Herzl, Erneueier jüdischen Volks* tu!ns“. Gfippinßen. Die Zionbibcho Ortsgruppe hatte 7.1! einem Vortrag cingel.iden. Einleitend .sprach der Vorsitzende, If. Fra nkfurt er. Kerbt ’;inwalt. Dr. Kern, Ueilbronn, referierte über ״Politische Ent- Wicklungen im Vorderen Orient“. Mannheim. Der Film ״llatikwah*‘ fand bei ausverkauftem Saale wiederholt begei-terte und stimmungsvolle Aufnahme. Die Einführung*- Morte sprach Dr. G r ü n w a 1 d. Bar Mizwah-Termine Am 15. Mn! (5. Siw.nü: Manfred )! e r I 0 v i t z, Sohn von Dr. S. licrimvn/, Konig-berg (l’r.). — Jomf mul Kart .\leyor, Detmold. — Egon Salm o n, Solm von Paul Salmon. Rheydt (Rheinland).— Kurl S r h 11 1 h a u s, Solm von Arthur Sdmlhaus. Abterode. — Am 17. Mai (7. Snvau): Günter M 11 11 <1 s t o e k, Solm von Arthur Mundslork, Halle (Saale). — Am 22. Mai (12. Siwan): Julius Lustig, Solm von Samuel Lustig, Güstrow. MUN C H EN GERSTLE & LÖFFLER München, Weinstraße 3 Soezialhaus für Mode und Wäsche L. BERNHEIMER MÖNCHEN / LE NB ACH PLATZ 3 Stoffe / DeutscheTeppiche Orient.Teppiche / Einzelmöbel / Kunstgewerbe Wohnungs- Einrichtungen s CVrNCMAMkl 0 fA München. Barerstr. 47 CYPcrlANN & VU* Telefon 22 927 Inh.: Julius Neumann, Goldschmiedemeister Juwelen, Gold, Silber / Gelegenheitskiufa / Neuarbeit, Reparaturen Autofahrer! Tankt in der MUSEUM -!nhabtr: L. u. E. Well Zeppelinstraße 59-61 gegenüber dem Deutschen Museum Zuverlässige Reparaturwerkstatt« — Autoichnellwfitch« Zubehör u. 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