Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 37 (11.5.1937)
- Date
- 1937-05-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 37, II. V. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU S3ife 7 lf׳ie gestalte ieli den Schabbat? Für Schabbai, 10. Mai Wochenabcchsnltt: ״Bamldbar״ (IV. B. M. Kap. 1, 1—4, 20.) Zum Wochenabschnitt. Da an diesem Schabbat Erew Scliavvuoth ist, werden wir die Betrachtungen über dieses Fest in den Mittelpunkt stellen. Als Literatur benutzen wir: Zobel, ״Das Jahr des Juden“; Thiebergcr und Ra bin, ״Jüdisches Fest — Jüdischer Brauch“; weiterhin machen wir auf den Arbeitsplan ״Sehawuoth“ aufmerksam, der von B. S. Jacobson verfaßt und vom Zeire .Misrachi herausgegeben wurde (zu beziehen durch Z. M., Berlin W 50, Augsburger Str. 60), sowie auf das neue Qeilcnheft von Dr. S, Ehrmann (Schocken-Verlag). Ais weiterer Gegenstand empfiehlt sich die Lektüre und Besprechung des Buches Ruth, das ja am ״Schawuoth“ gelesen wird. Daran anschließend versuche man ein Bild von der Bedeutung König Davids zu geben, dessen Gebtirts- und Todestag nach der Ueberlieferung am Schawuoth war. Die Vorschriften Ober ״Zedaka" IV Die höchste Stufe erreicht der, der die Hand des Bruders, der herabsinkt und dessen Hand lallt, festlüilt, bevor er ganz verarmt. Sei cs, daß er ihm ein entsprechendes Geschenk auf ehrenvolle Art zukommen läßt, daß er ihm Geld leiht, da(] er ihn ani Geschäft beteiligt, oder ihm irgendeine Beschafiinoder Arbeit zuweist, um seine Hand festzuhalten, bis er Menschen nicht mehr bedarf. Davon heißt es: ״Fest halte ihn“ (111. B. M. 25, 35), das will sagen: ״Halte ihn, bevor er fällt.“ Man sei darauf bedacht, die Zedaka so geheim wie möglieh zu geben. Wenn es möglich ist, sie so zu geben, daß man weder weiß, wem man sie gibt, noch der Arme, von wem er sie empfängt, so ist dies sehr gut. Auf keinen Fall soll njnn sich mit der Zedaka rühmen. Weiht man jedoch einen bestimmten Gegenstand Zwecken der Zedaka, so ist es erlaubt, seinen Namen darauf zu schreiben. (Nach dem ״Kizzur Sclinlehan Aruch“.) I. E. Die Entwicklung der Aggadah (XIV) Aggadahsammlungen und Volksdichtung I Bevor wir dazu übergehen, über die Aggadah in der Volksdichtung zu sprechen, wollen wir uns kurz über zwei größere Midrasch-Sammelwerke unterhalten, die zu den späteren zu gehören scheinen und in zwei verschiedenen Kulturkreisen entstanden sind. 1. Jalkut S e 11 i 111 o n i ist einer der bekanntesten lind oft zitierten midraschischen Sammelwerke, dessen Verfasser R. Schimon den Ehrentitel ha-Darschan (der Prediger) führte. Die Entsteluingszeit des Jalkut ist nicht sicher und wird meistens in das 12״ sogar in das 13. Jahrhundert verlegt, während seine Heimat in Deutschland zu suchen ist. In diesem Werke sind die Midraschim aus verschiedenen Quellen zusammengetragen, darunter auch solche, die sonst verlorengegangen, auf diese Weise aber erhalten geblieben sind. Der Jalkut weist neben Midraschim zum Pentateuch und den fünf Megilloth noch einige zu den übrigen biblischen und prophetischen Büchern wie Jehoschtta, SclimueR Melachitn, Jcschaja, Jecheskel usw. auf. 2. Aus einem ganz anderen Kulturkreis stammt die anonvme Midrasch-Sammlung unter dem Titel Midrasch ha- Gadol zum Pentateuch. Sie entstand etwa in Jemen im 13. Jahrhundert und hat viele arabische Sprachclemente aufzuweisen. Der besondere Wert dieses Midrasch liegt darin, daß er zahlreiches altes Gut aus verlorengcgangenen tannaitisehen Midraschim enthält. S. Schechter und D. noffmann haben sich bei der Erforschung dieser Sammlung besonders hervorgetan. Aufschlußreich ist die Einleitung D. Hoffmanns ir. seinem Midrasch ha-üadol zum Bliche Exodus, 1. Heft (!013). Die Aggadah blieb immer lebendigste Substanz des Volks- Schaffens. Das Volk fand in ihr nicht nur Beruhigung und Trost in Zeiten äußerer Not, sondern in ihr urteilte es über sein eigenes Leben und über das seiner großen Männer und Helden. Die Beliebtheit der Aggadah war daher zu allen Zeiten sprichwörtlich. Die reinsten Volkstraditioncn, die besten ethisch-religiösen und nationalen Ideale fanden hier ihren Niederschlag. Viele Schriftsteller kamen daher dem Hange des Volkes zur Aggadah im weitesten Maße entgegen. In diesem Zusammenhänge sei auf eine sehr verbreitete aggadiscite Sammlung unter dem Titel ״En Jaakow" hingewiesen, die das Werk Jaakows ihn Chahib aus Zantora in Spanien war. Er stellte alle aggadiseben Bestandteile hauptsächlich des babylonischen Talmud zusammen und schuf so das Vademeeum des jüdischen Hauses für lange Jahrhunderte. Die aggadiseben Bestandteile des jerusalemischeu Talmud sind in dem Werke Schmuei Japhes ״J e ק h e h Mare 11“ (יפה מלאה! gesammelt. Allein diese Sammlung war bei weitem nicht so bekannt und populär wie der En Jaakow, zumal im Laufe der Jahrhunderte der palästinensische Talmud von dem bahv- Ionischen zum Teil verdrängt worden ist. j. M. Postschlüsse nach Uebersee Berlin: Postamt C 2; Fiaakiart a. M.: Bahnpostamt 18 oder Flughafen; München: B.ihnpommn 1 (der 2 (Flughafen): llam'uurg: Postamt 1; Köln; BaUrprsoarnt 10. Die Sendungen müssen so ein• geworfen weiden, da5 sie m den angeführten Zeilen beim Postschluß, amt vorlicgen oder das Schuf mindestens im letzten europäischen Hafen erreichen können. Palästina 11. Bor! in 19.30 .12׳ M .!■!.׳ס 0,3 0 1 13. 5 Brindbi 15 .ל. Tafu 12. IMiCin 19.30 (13. Mu 9/2 m) li.ifn; 13. 5. Malta 14. Be. ib! 19.60 fl 0. MC , Un 9 GC) Bahn 10. 6. Haifa 15. Bei ’in 19.30 tie. MC B'kcn 9.001 13.5. V IdUt. 21. 5. Haifa 16. Berlin 18.30 (17. Ml:;< i.OJi 9.00) Bahn £2. 5. Haifa 18. Berlin 19.30 (19. Mn 11 17״ 9,3C) 20. 5. B Malm 24, 5. Jaffa Luftpost 12. Berlin 3.00 V ב A׳lun ca. 2t '2 Tage 12. Berlin 9.30 f MO n 18/ CO V 1 Br.n/i״. ra. 3 Tage 14. Berlin O.C0 Vhcrn. ג ca. 210 Tage 15. Berlin 3,10 V .1 Athen ca. 2 2׳ Tag־• 15. Bcr'in 9.30 (M:i n 18/ C■) v a B-imii r.j. 3 Trige 17. Berlin 6.00 \ ,1 Athen ca. 2' s Tage Vereinigte S a a e n v 0 n A m e r 1 k a 12. Berlin 8 .CD 13. Le!1 TV! 0 י: ״!Nein.. die“) 18. 5. New York 13.! fit!71 In iK 19 f G 14. )i!׳e:::c n I..1 rcnici'i"> 20. 5. New York 14. B, 1Ü11 8 80 15. C/ ■r! MH Z L.Bume: ") 20. 5. Nev. \ork 18. Berlin 8 00 19. (CI;erb ourrr { ״(Jtiecn Mari‘•) 24. 5. New York Luftpost 14. Berlin 16. C0 (15. IkC 7, 9.3, .1 n. 1. ״Bk neir* 20. 5• New York SDdamer k a 11. I״ bin!8.8 8 י׳ ז M.'i H M ״ 9.30 13. Gen aa 2 S. H!29;י■ B. A. 13. Berlin 18.CO 11. lü.t :Cf. 8 .,.0 15. Ci,eil /)(di C* 2S. Rio; 2. B. A. Luftpost 12. 21.6>0 fFr: kk'i 1! 24, 01־ 15. 5 Rio; 10. 5. B. A. 15. Berlin 13.39 (Tr: 15, 3• Bari־ 18. 5 Rio: 19, 5. B. A. SUdatrlk a 12. Köln 0־.21 14. Dm: .. ■Dp: n f.JL C.“) 31. 5. Kapstadt 19. Frank f 11: t 1 9.C0 21 Mar Die (,.!):.Mo• ) 5. 6. Kap.tadt L 11 f post 12. Ileilirt 0.00 \ ia Athen c.1. 8 Tage 14. Berlin 0.30 (Mi ild. :1 18. :0 \ ia Ihn״!; ca. 8 Tage 15. Berlin 6.CO \ ia Athen f־a. 8 Tage 18. Berlin 9.C0 (Mi;71׳;.• n 18. :0 1 ia I’riiMi ii ca. 8 Tage Juden und Jüdisches im Rundfunk Dienstag, H. Mai: Paris (1C48I, 19: Moszkowski: viel. Vehudi Mcnuhin. Mittwoch, 12. Mal! Brü-sM Gst). 19,45: Yc'mdi Mer.uhin. — L!1v״m. hur29.35 .(1304) ״: An'.'!ו!י:!’ו der Kr'k'tin״ des K.:nig;' von Engi.md Ansptn ■Le u. a. van An he kl.au ׳!■. XX. Zlonlsten-Kongreß. Zu den von uns veröffentlichten Mitteilungen itber die Einberufung des XX. Zionisten-Kongresses durch das Aktions-Comite für den 3. August wird uns aus Kreisen des Kongreßhtiros mitcreteilt. daß der Tagungsort, als welcher in unautorisierten .Meldungen bereits Basel genannt wurde, noch keineswegs feststeht, sondern die Entscheidung darüber erst in diesen Tagen erfolgen wird. Die Leiter des Kongreß-Büros, Dr. Franz Kahn und Dr. Fritz Uli man 11, befinden sich zur Zeit in der Schweiz. ANTWORTEN DER REDAKTION A. Groß, Berlin. — Sie geben die Anregung, das Material über die Ortsnamen in Palästina aus dem Aufsatz von Arikha in Nr. 36 der ,.Jüdischen Rundschau“ für Ssichotll und Ünge Schabbat m verwenden. Da immer neue Sied* iungspunkte in Palästina gegründet werden, ist ein ab* schließendes vollständiges Verzeichnis der Ortsnamen gegen* wärtig nicht herzustellen, doch wäre cs gewiß zu begrüßen, wenn eine zuständige Stelle in Palästina sämtliche bisherigen neu geprägten Ortsnamen mit Begründung der Namens* gebttng in einer kleinen Broschüre veröffentlichte. Frau Margarete Mendel, Berlin. — Wir stimmen Ihnen vollständig zu, wenn Sie sagen, daß die großen Ideen und Leistungen des jüdischen Volkes in der Geschichte und in der Welt des Geistes dazu angetan sind, Begeisterung und Interesse für das Judentum 711 wecken. Das ist zweifellos die Hauptaufgabe unserer Generation. Wir mochten diese positive Seite Ihrer Anschauung stärker unterstreichen als die negative, die sich gegen das Festhalfen der Orthotloxie an den Ritualgesctzen wendet. Die Anschauung, daß das Ritualgesetz an sich ein Zeichen der ,.Enge des Judenttims“ ist. halten wir nicht für haltbar. Diese Fragen sind im IQ, Jahrhundert aiisgekämpft worden, und es wäre falsch, zu diesem Streit zurückzukehren. Vielmehr kommt es nach unserer Meinung darauf an, immer die Größe des Juden* tiinis und den menschlichen und religiösen Sinn der einzelnen Gebote im Auge zu behalten. Nur auf eine mi ßverstan* dene Orthodoxie, die lediglich das Ritualgesetz (und nicht auch den Geist) im Auge hätte, wäre ihre Kritik anwendbar. Louis Müller, Mainz. — Wir muss;:■:! die Diskussion darüber, ob die Leistungen von Menschen jüdischer Abstam* mung auf anderem als rein jüdischem Gebiet ah ,.jüdische“ Leistung gewertet werden ־ollen, unter Hinweis auf unsere Bemerkungen zu diesem Thema in Nr. 34 der ״Jüdischen Rundschau“ als abgeschlossen betrachten. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß Zugehörigkeit ct־':'öfter Juden zum Judentum im allgemeinen v n uns n i c h t K3;׳ht wird, doch ergeben sich durch die rassen:/־./retische Bctracrtungs* weise der Gegenwart in dieser Frage auch vom j u d i s c h e n Standpunkt neue Gesichtspunkte. Der Maler Siegfried Giilis vollendet am 15, Mal sein 50. Lebensjahr. Er studierte* vornehmlich in Berlin, wo er erstmalig im Jahre 1011 auf einer von der Stad: Der/in-AX um.ers* dörf veranstalteten Aussiedlung vertrete:! war. Der Krieg führte ihn nach Litauen. Kruhun.l, Fr.iukre.ea und Belgien. Unbeirrt ist Gübs als En [;׳:>.ii'ter seine:! euere:! Weg gegangen. Die Zeit hat ihm recht gegeben und die EriM/e waren auf seiner Seite. Sein großes Können und sein tiefes Wissen vereint mit einer ausgereiften Pers'hthchkcit haben ihm den Weg gebahnt, Seine Gern,:!hie ,,Zw.eipalt". ..Rabbi sagt“, ״Eine schwierige Talmudsttlle״, ,.Chronik“ usw. be* sitzen hohen Wen, Seine vielen graphischen Blätter und Zeichnungen, von denen der ״Schulklopfcr'־ eine •ungeahnte Popularität erlangt hat, haben seinen Ruf gefestigt. Als Porträt- und Genremaler wird er ebenfalls sehr geschätzt. H.L, Offene Auslandsstellen (genehmigt durch das Landes« arbeitsamt Brandenburg). Weberei und Färberei von Kunst• Seidenstoffen in Kairo sucht einen jüdischen Bctriebsfach• mann, der Erfahrung, Initiative und Energie besitzt, um die Fabrik allein nach den Direktiven des Äufsichisrates leiten und nach modernen Gesichtspunkten verbessern zu können. 1. Jüdische Sprechstundenhilfe und Laboratoriumsass,stentin nach Aegypten gesucht. — 2. Jüdische Köchin, erfahren in der A n s t a 11 S k ü c i! e, für ein Altersheim in der Schweiz gesucht. — 3. Jüdische Hausgehilfin nach Holland gesucht (3 Personen), nicht ritucli. — *4■ Perfekte jüdische Hausgehilfin für einen Funf/immcr-Haus'nait nach Basel gesucht. — 5. Jüdischer SeitensieJer zur Leitung eines Betriebes nach Columbien (Südamerika) gesucht. — 6. Für Guyaquill (Ecuador) werden gesucht: 1. ein ja* discher Agronomlchrer: 2. ein jud.scher Pltvsik-Cb.eir.ie- Professor; 3. ein jüdisches Ehepaar. Deutsch, Fngiiscii und nach Möglichkeit etwas Spanisch spreche::d, für einen deutschenglischen Kindergarten;' 4. eine' in.!!sehe Kindergärtnerin, Ausführliche Bewerbungen auf Dunn-apier n:.t Zeugnis• abschriften und Lichtbad w e:\kn v> eitcrgc'.eU.t durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW in, Lindcustr. 4? 50. Nachdruck verboten £i.Hf oth CHA3IM SCHWARZ avJeTier KIBBUZ Alte (auch Ucberaetjunge-) Rechte Vorbehalten G.ütdi t»!jf! Sj£ 'Vte.jnlf•*’ 4V/I 2Ö. Fortsetzung ״Komm doch nach Tel Hamon“, sage ich, ohne Interesse an dem Gespräch, ich interessiere mich nur für ihre Haare. ״Hier ist es besser.“ ״Es geht doch nicht, Dajan. Es wäre auch alles gar nicht so schlimm, wenn man die richtigen Menschen hätte. Schade, daß du nicht in Tel-Awiw bist. Menschen wie dich findet man einmal im Jahr. Ach, in Jahrzehnten einmal, auch noch nicht. Mein Vater ist ein reicher Mann. Du könntest ein halbes Jahr hei uns leben und brauchtest nichts zu tun, nur nett zu mir zu sein.“ Wieder interessiere ich mich nicht für das Gespräch, nur für ihre Haare, upd sage: ״Ja, sehr schön, gewiß. Alter ich meine, es hat ja keinen Sinn, keinen größeren Sinn.“ ״Vielleicht auch einen größeren Sinn“, sagt sie in ge? liobenem Ton, bedeutungsvoll, etwas spitz sogar. Plötzlich habe ich den Gedanken, daß sie mir einen Heiratsantrag macht, Ich kann über Nacht ein reicher Mann werden, in das GelreidcgcsclUift Schleusners eintreten, Tel Hamons Weizen ablehnen. Na so ein Unsinn. Um ein Ende zu machen, sage ich: ״Komm. Es ist spät. Du mußt schlafen gehen. Morgen zeige ich euch alles, vorausgesetzt, daß ich frei bekomme.“ Ich bekam frei. Ich zeigte Schleusner und Dora die Werkstätten und Institutionen, ging mit ihnen über die Felder, deren Weizen Schleusner so geschädigt hatte. Uel>er die Suche von gestern abend verloren weder Dora noch ich ein Wort. Der alte Schleusner, dem die Tochter wohl irgend etwas angedeutet hatte, war doppelt freundlich zu dieser hundertundersten Hypothese eines Schwiegersohnes, wer weiß, vielleicht wurde es etwas, am besten war ein prak* tischer Mensch, der das GctreidcgcschSft übernehmen konnte. Ich gefiel ihm, er übrigens auch mir. Ich redete praktische Dinge, betrachtete mit Bürgeraugen den Kibbuz, wies auf die verschiedenen Unkosten hin, die damit verbunden seien, als sehne ich mich heimlich nach der strafferen Wirtschnftsnrt des Privatkapitals. Unten bei der Madelaino benahmen sie sich genau so wie beim Mittagessen. Etwas verlegen hatten die Alten erlaubt, zu pflücken. Dora stürzte sich auf die Weintrauben. Sie schrie, fraß, stopfte den Vater, pflückte immer mehr, machte aus Taschentüchern ein Bündel und schleppte mit, was sich schleppen ließ. Ich wollte den beiden die Tubnlim zeigen. Aber gerade in den Tabutim bekamen sie Hunger, es war zwölf Uhr mittags, und da sie gehört hotten, daß Mitglieder des Kibbuz in allen Kwuzolh zu essen bekamen und ich ein solches Mitglied war, drängten sie, Mittag essen zu gehen. F.s kostete mich große Anstrengung, sie vom Betreten des Cliadar Ochel ab* zuhalten tind auf die Landstraße hinaufzudirigieren, wo wir glücklicherweise den Milchwagen erwischten und heimgefahren wurden. Für den heutigen Tag waren sie erschöpft, erledigt, schliefen fast bis zun-, Abend. Am nächsten Tag fuhr der alte Schleusner hinunter zum Pardess. sah zu, wie meine Kolonne Teller machte, und nahm mir schließlich die Turiah (Hacke) aus der Hand, um selbst einen Teller 7.U machen, Er machte ihn nicht besser als alle Anfänger, sogar schlechter, da niemand wagte, ihm etwas zu zeigen. Ich mußte die Sache reparieren, begriff sofort, daß Schleusner von nun an in der Stadt verkünden würde: Er habe selbst mit der Turiah gearbeitet, cs sei ein Kinderspiel, schuld am Arbeit*- kampf habe nur der jüdische Arbeiter und seine bodenlose Faulheit. Ich irrte mich' nicht. Schleusner hatte den Kibbuz gesehen, in drei Tagen .,erschöpfendes Material“ gesammelt und trat nach seiner Rückkehr in einen revisionistischen Verein ein. * Eines Abends bekommt Bartel von Fredi einen Brief und benimmt sich so aufgeregt, daß das ganze Cliadar Ochel zu ihm hinübersieht. Am seilten Abend klopft es an der Tür, and Bartel tritt ein. Ich »ehe ihn erst befremdet an, bemühe mich dann aber sofort, freundlich zu sein, zumal auch in seinem Gesicht gute und freundliche Absichten ccmnlt sind. Es ist alles vergessen, was zwischen uns war. Wir sitzen zu Dritt, und Bartel hält uns eine Rede. Ja, denkt euch, liebe Freunde, als ich, ins Land kam, da hatte Ich hundert Pfund bei mir, ich habe mir damals für hundert Pfund eine kleine Parzelle gekauft bei Haifa, heute kriege ich einen Brief, worin mir jemand elfhundert Pfund anbictet, ich habe also in knapp pcht Monaten tausend Pfund verdient und bin nun ein Kapitalist. Wae sagt ihr dazu? Ist das nicht wunderschön5 Jetzt kaufe ich mir Boden für elfhundert Pfund und warte wieder acht Monate, und dann eröffne ich eine Möbelfabrik und beschäl• tige fünfzig Arbeiter. In Tel Hamon? frage üb dummer- und pedantischer* weise. Lieber Freund, hör auf mit dem ganzen Schmus votrf Kibbuz, davon habe it 11 ict/S »;einig. 11a> kamt :Ga ־mm -.hon auswendig, dazu bin ich doch nicht der 1׳:.. h: ._:e Mo.na. Und wir beide, Hanni, wir heiraten, und kh i״!ub. 10־ deiftil Eltern an. Wenn Dajan nichts dagegen hat. Ich habe nichts dagegen, -age kh. Aber Hanni scheint etwas dagegen zu haben. Sia schüttelt nachdenklich den Kopf. Sie sau:: k:1 habe keine Lust. Bartel steht langsam auf, geht langsam hinaus. Ich» bleibe mit Hanni, Ich bin in der letzten Zeit in einer sonderbaren, ungewohnten Stimmung, Fs ist kein leeres Geschwätz, wenn ich behaupte, daß ich mich freier geworden fühle. Ob ich wirklich schon mehr verstehe als cor beispielsweise neun Monaten, das weiß ich nicht, aber jedenfalls ist in mir so ein Gefühl, als sei ich gereift und mein Wissen und meina Sicherheit hätten sich erweitert. Ich möchte Hanni heiraten, sie hat ja Bartel abcesehüitelt. Zwar hat sie ein Kind von ihm, und vor fünf Jahren ungefähr hätte mich noch' diese Sache an der Frau, die ich liebe, erschüttert, aber heute reizt cs mich geradezu, Vater eines fremden Kinds» zu sein, Lebensgemeinschaft zu schließen mit einer Bachura (Mädchen), die Mutter war. Es liegt darin etwas nach außen Gewandtes, die Gesellschaft in das Innere Finhcwiehendes, ein Experimental beweis auf die Tatsache, daß ich kein Puber* tätsknabe mehr bin, dessen ganzes Schicksal der Körper, Plötzlich habe ich zu llnnni gesprochen. It!1 konnta plötzlich sprechen. Ich sagte zu ihr wie seinerzeit zu Lisa: Es hat keinen Zweck, daß ich dir dauernd nachlaufe. Die Wahrheit ist die und die. Es kam nun eine Zeit zarter, erregender und beglücken* dar Aussprachen, nie wieder in meijtem Leben war ich so ritterlich und tolerant wie jetzt zu der toleranten Hanni« Am Ende gab sie »ich Befangen, wie herrlich, sie händigte mir selbst den Schluss« 1 aus, mit einer gewissen mädchen* haften Bewunderung, genau wie seinerzeit Lisa. M ieder spürt« ich auf meinen Lippen und auf meines Seele die Wärme einer Fra». Später verließ Bartel den Kibbuz. Nicht wegen der tausend Pfund. Sondern weil man ihm gesagt hatte, man wolle ihn gar nicht erat aufstellcn für die Bestätigung zum Chawer, also habe es keinen Zweck, sich weiter miteinander herumzuärgern. (Fortsetzung folgt)