Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 37 (11.5.1937)
- Date
- 1937-05-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 37, 11. V. 1937 Juden und Luftschutz Der Reichs minist er der Luftfahrt und Oberbcfehishaber der Luftwaffe hat eine Durchführungs- Verordnung zum Luftschutzgesetz erlassen. In ihren Bestimmungen über die Heranziehung zu Dienstleistungen (Luftschutzdienstpflicht) sind besondere Vorschriften über die Luftschutzdienstpflicht von Juden vorgesehen. Auf den Gebieten des Wcrkluftschutzes, des Selbstschutzes und des erweiterten Selbstschutzes können Juden zur Luftschutzdienstpflicht 11 c r a!1 g e z o g e n werden, wenn es zum Schutz ihrer Person oder ihres Ligentums notwendig ist. Darüber hinaus ist ihre Heranziehung nur auf Grund besonderer Be- Stimmungen, die der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefchlshaber der Luftwaffe im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern erläßt, zulässig. Personen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, jedoch im Deutschen Reich Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt haben, können im Luftschutzwarndienst und im Sicherheits- und Hilfsdienst zur Luftschutzdienstpflicht herangezegen werden, wenn sie deutschstämmig sind und sich freiwillig melden; im Werlduftschutz und im erweiterten Selbstschutz, wenn sie zur Gefolgschaft gehören, im Selbstschütz, wenn es zum Schutze ihrer Person oder ihres Eigentums notwendig ist. Im übrigen finden u. a. auch die Be- Stimmungen über die Heranziehung von Juden sinngemäß Anwendung. Als Werkluftschutz werden in der Verordnung die Maßnahmen bezeichnet, um industrielle und gewerbliche Betriebe und die in diesen tätigen Personen zur Aufrechterhaltung eines ungestörten Ganges des Betriebes zu schützen. Als Selbstschutz werden die Maßnahmen bezeichnet, um öffentliche und private Gebäude, Dienststellen und Betriebe sowie die in ihnen befindlichen Personen zu schützen. Als erweiterter Selbstschutz gelten Maßnahmen /um Schutze öffentlicher und privater Dienststellen und Betriebe, soweit für sie der Selbstschütz nicht ausreicht, ein Werkluftschutz aber nicht notwendig ist, sowie der Schutz der in ihnen befindlichen Per- 60nen. Rassische Eigenschaften und Steuergesetze Im Anschlüsse an die Veröffentlichung der in Nr. 9 der ״Jitd. Rum.!/..hau“ mitgeteilten Entscheidung des Reichsfinanzhofs vom 10. Dez. die die Vermögensstcuerpflicht des Vereins ״Israelitische Kindcrheilstätte“ bejaht hat, weist Rechtsanwalt Dr. Dr, Megow, Kiistrin, in einer Bemerkung in der ״Zeitschrift der Akademie für Deutsches Recht“ vom 1. Mai 1937 darauf hin, daß die a 11 g e 111 einen Bestimmungen der einzelnen Steuergesetze nicht auf r as s i - sehe Eigenschaften abgestellt seien. Da raus folge, daß 7. B. die Berücksichtigung von Kinderermäßigungen oder von Verwaiidtschaftsverhältnisscn aticii bei Nichtdeutschen, insbesondere bei Nichtariern, geschehen muß. In diesem Zusammenhange heißt cs in der Bemerkung des Rechtsanwalts Dr. Dr. Megow u. a.: ,.Gegenüber die>er aiodrii, klicken Gc<clie?fassung erscheint es lur Vorbei ,׳innig küniligcr Erneuerungen des Stcuerredi's erwägenswert, oli du-'C -tcuri m etlichen Folgerungen mit der nationalsoziali• Mischen WcUan.x'Liuuug vereinbar .-׳itxi. Wenn 2. B. zur Stäi kung des ramiliiiKiuiliau, lU-uUehrn Vnfk-genowu Steuerermäßigungen gewahrt werden, bt זו!יי1ה einzioeheu, warum ,viiehe Funfetungen steuerlicher Art auch nichtarischen Familien zugute kommen sollen; denn deren i׳'amiüen.tu!bau ist niJit Sorge des Nationalsozialismus.“ Presseschau Gruppen- oder Einzelwanderung? In der letzten Ausgabe des Gcmeindeblaties der Jüdischen ü e in e i 11 d e zu Berlin sch reibt Dr. Walter Breslauer, London, der frühere Verwaltungsdirektor der Berliner Jüdischen Gemeinde, über dieses Thema. Er kommt dabei zu Ergebnissen, denen wir durchaus zustimmen können und die wir an dieser Stelle häufig eindringlich betont haben. I)r. Bitslauer umgrenzt seine Bemerkungen ausdrücklich auf die Auswanderung, soweit sie nicht nach Palästina gerichtet ist, und stellt folgende Thesen auf: L I )er Vorrs 11 g d e r E i 11 / e I w a!1 d e 1׳ u n g vor der Grt'ppenwanderung ist wohlverdient und muß erhalten bltiben. — 2. Landwirtschaftliche Tätigkeit sollte, außerhalb Palästinas, nicht als Hauptziel ins Auge gefaßt werden. —- 3. Verachtet mir den Kaufmann nicht! Diese Thesen richten sieh in erster Linie gegen Meinungen, die sich im Judentum Deutschlands gebildet haben und auch von g!:wisst,׳!! Gruppen vertreten werden, die davon ausgehen, daß auch nach Landern außerhalb Palästinas eine üruppenwamkrung in erheblichem Umfange möglich, sei, und daß das Ziel einer solchen Auswanderung in erster Linie die landwirtschaftliche Ansiedlung sein müßte. Dcrngegenüber betont Dr. Breslauer mit Recht, daß eine Gruppen- Wanderung in der Praxis nicht möglich gewesen ist und zu Widerständen in den Ländern, in die sie gerichtet ist, führen muß. Auch die landwirtschaftliche Arbeit sei in diesen Ländern aus ökonomischen wie aus psychologischen Gründen nicht besonders aussichtsreich. Diese Gedankengärige, die durchaus mit der Wirklichkeit übcrcinstimmen, verdienen Beachtung, besonders da man immer wieder den Versuch macht, eine ״Ideologie“ der überseeischen Auswanderung auizustellen, die die Gedankengänge der Gruppenwanderung und der landwirtschädlichen Siedlung, die für Palästina Berechtigung haben, auf diese Länder anwendet und damit so etwas wie ein ״Gegenunternehmen“ gegen Palästina schaffen möchte, das eine ähnliche geistige Struktur und Anziehungskraft besitzt. Es ist erfreulich, daß die Erkenntnis von der Unzulänglichkeit dieser Oedankengänge sich jetzt auch in jenen Kreisen an/!!bahnen scheint, die bisher glaubten, einen solchen Weg beschreiten zu können. So wichtig die Auswanderung in die Länder der Welt, besonders nach Uebersee, für die Judenheit Deutschlands ist, so klar muß es sein, daß cs sich dabei um individuelle Lösungen handeln kann, die das persönliche ökonomische Schicksal des Einzelnen befieffen. aber nicht um eine Lösung für die Judenheit als solche oder für geschlossene jüdische Gruppen. In dieser Hinsicht nimmt Palästina eine Sonderstellung aut Grund seiner politischen Voraussetzungen wie auch im Hinblick auf die seelische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit ihm und die daraus entspringenden besonderen Leistungen wirtschaftlicher und kultureller Art ein. Urteile wegen Rassenschande. In Düsseldorf erhielt ein 36jähriger arischer Angeklagter It, ״National-Zeitung“, Essen, vom 2. Mai 10 Monate Gefängnis. — In Duisburg erhielt ein jüdischer Angeklagter lt. der Zeitung ״Der neue Tag“, Obcrhausen, vom 4. Mai ein Jahr Zuchthaus. ״David und Goliath” Unter der Uebcrschrift: ״David und Goliath oder: Die Gestalt als Schicksal“ veröffentlicht die Zeitschrift ״Rasse“ 1937, Heft 4, eine Abhandlung von Ludwig Ferdinand Ciauss. Darin wird untersucht, was den Kampf z. w i - sehen David und Goliath so peinlich mache, wieso bei dieser Geschichte ein Nachgeschmack bleibe, der deutlich anzeige, daß irgend etwas in dieser Geschichte nicht reinlich aufgehe. Der Verfasser führt aus, daß cs sich hier um einen Zweikampf zwischen Gegnern handele, bei dem die Waffen gleich oder gleichartig sein mußten und sich die Gegner bestimmten Regeln unterwarfen. David, der an die geltenden Bräuche nicht gewöhnt gewesen sei, habe die Entdeckung gemacht, daß es auch mit der Verletzung des geltenden Brauches, des gemeinsamen Maßes, gehe; hierzu seien die Krieger, die der gelernte Kriegsbrauch binde, selbst nicht fähig gewesen. Im Verlaufe der Abhandlung wird hierzu u. a. ausgeführt: ״Nicht Billige Siege über Schwächere will er“ (Goliath) ,,— daran fehlt. 14׳ ihm kaum —, sondern einen Gegner, mit dem sich zu messen es für einen, wie er ist, lohnt. Aber in dem Bereiche, in den er hineingestcllt i־t, finden sich solche Gegner nicht — auch nicht ein einziger. — — Vierzig Tage brüllt er seine Sehnsucht nach dem ebenbürtigen Feinde über das Tal hinüber dem feindlichen Heere zu. Und schließlich kommt ein kleiner Kerl daher mit einem Stecken und einer }lirterttas׳die. — — — Die innere Haltung des riesenhaben Kecken ist tür David fremd und nicht verstellbar, aber er kennt sie von außen und rechnet mit ihr. Darin ist David seinem Gegner überlegen. Fiir den Kaunigewaltigen i.-t es denkunmüglich, daß einer ihm, der sich ollen im F'elde zum Kampf stellt, in der inneren Haltung des Henkers begegnen könne. I׳'iir seine Denkart kt dies teiger Verrat. — — — David ahnt nichts von der bluthaften Sehnsucht dessen, der nicht sein kan n, ohne seine Kraft in den Raum zu verströmen, und der etwas braucht, das ihm gegenüber ist — seien es Ulöcke, die es zu türmen gilt, oder ein Feind, urn sich mit ihm zu messen. Er ahnt sieht, daß ein Mensch in sich selber wurzeln kann, im unbedingten Bewußtsein eigener Stärke. Und wenn er es ahnte, ao würde er darin nichts als einen Gutte.frevel sehen. Davids Kiati liegt ganz in seinem A u t t r a g, d e 11 ihm ein a n d erer gibt: Jahwe. Kampf ist für ilm kein Werk an sich, nicht ein Werk, das gestaltet sein will nach einem eigenen, in ihm gründenden Gesetze. Vielleicht ist ihm Kampf •sogar an sich selbst ein Uelrel und gewinnt nur als K.tmpl lür Jahwe einen abgeleiteten Wert. — — — Mit seinem eigenen Maße gemessen, ist David weder ein Feigling noch ein Verräter, sondern Jahwes Knecht.“ Der Stil des Kämpfeits, wie ihn der Riese Goliath gefordert habe, sei nur für ihn und seinesgleichen selbstversfänd״ lieh gewesen, für Andersgeartete aber fremd geblieben. Wenn Andersgeartete ihn dennoch anerkannt hätten, so hätten sie sich damit nur einem fremden Artgesetz gebeugt. Wer aber über Fremde herrschen wolle, müsse wissen, daß keine Herrschaft deren Fremdheit a u f h e b t, und sich hüten, den anderen seine Art aufzuzwingen. ״Für Goliath ist David gerade dann, wenn dieser echt bleibt und seinem Gesetze gehorcht, ein krummer Hund, ein Feigling und Verräler; und für David ist Goliath ein lästerndes Ungeheuer, solange seine Stärke ihm hilft, und wird, sobald er sich — fiir Davids Augen — eine Blöße gibt, zum ungeschlachten Tölpel, den abzutun jedes Mittel erlaubt ist.“ Die Abhand• lung bemerkt zum Schlüsse: ..IG ist es. was diesen Kampf so peinlich macht. Ehrlich, edel, ritterlich kann ein Kampf zwischen einander artfremder! Menschen niemals werden, sowenig wie ein »Kampf zwischen Menschen und Ungeheuern. An einem solchen Kample, wenn er einmal entbrannt i-t, kann nichts mehr ehrlich sein als nur die Vernichtung des Gegners. Goliaths Vorfahren halren diese Vernichtung versäumt, als sie das Land betraten: sie glaubten an Verbindung mit den Fremdgealteten in Form einer Volk-oeinciiiwhaft. Damit aber haben sie sieh selbst zu einem Fremdkörper unter den Kindern des Landes gemäht und werden mm au»ge-chk־den, einer nach dem anderen. I Jas ist der rasier, geschichtliche b i n n der Goliath- Sag c.“ Abschließend wird noch hinzugefügt, daß die Haltung Davids dem Deutschen unvertraut und Remd bleibe, und daß der Forschung die Frage gestellt sei, was denn das Artgesetz (oder die Artgesetze) des semitischen Menschen sei. 4 Die Ausführungen des Rasseforschers Ciauss, der sich besonders mit der seelischen Seite des Rasseproblems beschäftigt hat, sind als eigenartiger Beitrag zum Goliath- Problem interessant. Es sei hier davon Abstand genommen, die Frage zu untersuchen, ob der Philister Goliath tatsächlich in einem so tiefen Rassegegensatz zu David gestanden hat, wie Ciauss annimnif, der die Philister wohl als eine nordische, den Griechen verwandte Volksgruppe betrachtet. Unter der Annahme, daß seine Prämisse stimmt, erscheint es dennoch fraglich, ob man derartig verschiedene Formen des Heldenmutes annchmen kann. Denn niemand dürfte David Heroism u s absprechen, wenn er es wagt, dem gewaltigen Goliath im freien Felde entgegenzutreten. Der Unterschied, den man wirklich feststellen kann, liegt in der Verschiedenheit der K a m p f c s w e i s e, die David als Ueberraschungsmoment benutzt, nicht in dem Grad des Mutes oder anderer seelischer Eigenschaften. Für den Gebrauch der List im Kampf finden sich ja auch in den Sagen ausgesprochen nordischer Völker Beispiele, so daß man daraus nicht gut rassisch-seelische Differenzierungen ableiten kann. Richtig dagegen ist, daß David nach biblischer Auffassung —- wie auch andere biblische Helden — nicht den Kampf um seiner seihst willen liebt, sondern sich als Beauftragter Gottes fühlt. In dieser Verbundenheit mit einer höheren Sendung liegt allerdings eine Besonderheit der antiken jüdischen Geschichte, die sie aus der gleichzeitigen Geschichte ihrer Umwelt heraushebt. Für unzählige Geschlechter war die Erzählung von dem ungleichen Zweikampf jedenfalls ein Dokument unendlicher Seelenstärke, die sich in der Person Davids dokumentierte, und diese ist es, die den Ausgang des Kampfes befriedigend erscheinen läßt. Notwendigkeit jüdisdier Rassenforschung Zu einem hebräischen Buche In der Reihe populär-wissenschaftlicher hebräischer Bücher hat der Verlag Maß (Jerusalem) einen neuen Band über Rassenlehre von Eschkoli erscheinen lassen; über ein Thema also, das unsere Aufmerksamkeit in ganz besonderem Maße verdient. Das Buch gibt in der Hauptsache eine Kritik der von der Rassenforschung aufgestellten Definitionen über Rasse und eine Schilderung der Versuche, zu wissenschaftlich exakten Rasse-Einteilungen zu kommen. Gegen die in diesem Buche vertretene Stellungnahme möchte ich folgende grundsätzliche Bemerkungen machen: Es ist ein in Laienkreis en weit verbreiteter Irrtum anzunehmen, daß Rassenforschung identisch sei mit Klassifikation von Rassen oder daß sie eine wie auch immer geartete Wertung der verschiedenen Menschenstämme anstrebe. Dagegen ist kaum bekannt, daß ernsthafte Rassenforschnng sich vorwiegend mit volkshygienischen Fragen beschäftigt, die mit Vererbung seelischer und körperliciier Merkmale in Verbindung stehen. Leider interessieren sich Juden für dieses Forschungsgebiet viel zu wenig; nur selten findet man eine gewisse Kenntnis der maßgebenden Literatur, geschweige denn ein ernsthaftes Urteil über die wichtigsten Teiiprobleme. Die Folge hiervon ist, daß in jüdischen Kreisen über Rassen- Bildung, Rassenhygiene und Vererbungslehre Ansichten vertreten werden, die — wissenschaftlich längst als unhaltbar nachgewiesen — gerade noch aus unserer psychologischen Situation heraus verständlich, aber nicht verzeihlich sind. Der Vergleich zwischen unserer Lage und der vergangener jüdischer Generationen gegenüber dem Christentum drängt sich auf; es blieb unserer Zeit Vorbehalten, eine objektivere Haltung im Rahmen jüdisch-nationaibewußter Oe- Schichtsdarstellung zu versuchen. Man könnte diese Tat als Maikstein der inneren Emanzipation werten. Wir sollten heutigen Bewegungen, Theorien und Richtungen mit eben derselben inneren Unbefangenheit gegenübertreten. Es sollte unser Ziel sein, die Erscheinungen der Galuthpsychologie zu überwunden. Ich bin mir bewußt, daß eine Reihe weiterer Faktoren eine großzügige Beschäftigung mit rassenhygienisclien Fragen hemmt. Zunächst die Fremdheit, mit der wir mitteleuropäischen Juden im allgemeinen biologischen Fragen gegenüberstehen, wobei unsere Gebildeten oft noch naturwissenschaftliches Denken mit gewissen pseudophilosophischen Mode- Strömungen der Jahrhundertwende verwechseln. Ferner findet man bei den literarisch eingestellten oder auch religiös gebundenen Menschen starke Hemmungen gegenüber allen Versuchen, geistig-seelische Vorgänge zu körperlichen in Be- Ziehung zu setzen; und wo fänden sich diejenigen im religiosen Judentum festverankerten maßgebenden Menschen, die (wie es der Katholizismus in vorbildlicher Weise tut), auch nur Stellung zu nehmen versuchen (z. B. zur Frage der Vererbung seelischer Anlagen). Schließlich darf nicht verkannt werden, daß die geistigen Bestrebungen unserer Renaissancebewegung in weit überwiegendem Maße rein literarischer Art sind. Welche Ziele hätte Rassenforschung von jüdischer Seife her zu verfolgen? Selbstverständlich schalten apologetische Gesichtspunkte, durch die die Rassenforschung jüdischerseits bishir leider bestimmt wird, vollkommen aus. Zunächst: Die einzigartige Lage, in der der jüdische Volkskörper sich befindet, seine Zerstreuung, seine teilweise Wiedervereinigung, seine dauernde geographische Verlagerung bietet ganz besonders fruchtbare Ansatzpunkte zur Klärung wichtiger Fragen (Milieueinfiuß, Vermischung, Auslese). Wir würden dadurch in die Lage gesetzt, die so gewonnenen Erkenntnisse beim Aufbau unseres Volkskörpers nutzbar zu machen. Ein Schulbuch zu Schawuoth Omer-Zeit und Schawuoth. Ein Quellenheft von Elieser L. Ehrmann. Schockenverlag. Berlin!937. Beim Erscheinen dieses dritten Heftes in der Reihe der Quellenheftc über die jüdischen Feiertage (bis jetzt erscfjtenen ״Sukkoth“ und ״Purim״) kann uneingeschränkt gesagt werden, daß es ein richtiger Entschluß der Schulabteilung der Reichsvertretung war, diese Quellenheftc herauszugeben. Als Neues kommt bei diesen Heften hinzu, daß jedem Heft noch ein genauer Arbeitsplan für den Lehrer vom selben Verfasser beigegeben wird. Auf diese Weise sollen die Feiertage in den Mittelpunkt des jüdischen Unterrichts gestellt und als Ausgangspunkt für den Unterricht der jüdischen Kulturkünde genommen werden, so daß bei dem Abschluß dieser Reihe nicht nur eine ausgezeichnete Lektiiresammlung für den Schüler, sondern auch eine Methodik der jüdischen Kulturkunde geschaffen sein wird. Im ersten Teil dieses Heftes wird an Hand der Quellen die Entstehung des Omerzählens und der Omcrzeit und die Wandlung ihrer Bedeutung in eine Trauerzeit dargclegt. Ein besonderes Kapitel behandelt den Lag baomer-Tag. Die Er- Zahlung Agnons, die die Feier am Grabe Schimon heil Jochais schildert, soll besonders hervorgehoben werden. Sie ist im hebräischen Original und in deutscher Uehersetzung angeführt. Eine Erzählung von Schalem Alechem (für das Quellenheft von Dr. Fritz A r n h 0 i z übersetzt) schildert Lag baomer als Schulfest im Cheder. Der zweite Teil des Heftes ist dem Schawuothfest gewidmet. Dieser Teil zerfällt in zwei Kapitel, die 1. das Fest der Erstlinge und 2. das Fest der Uebergabe der Thora behandeln. In einem Abschnitt wird das Fest itn alten Israel, im anderen Abschnitt die Feier im heutigen Palästina geschildert. Der eigentlichen Palästinakunde wird ein besonderes Kapitel gewidmet. Aus dieser» Teil soll besonders der ausgezeichnete Aufsatz des Theologieprofcssors Max Löhr über altisraelitische Landwirtschaft hervorgehoben werden. in dem Kapitel, das Schawuoth als Fest der Uebergabe der Thora behandelt, werden zunächst die wichtigsten Aggadoth zu diesem Thema gebracht; es folgen dann zum Begriff der Thora und ihrer Auslegung Zeugnisse aus den talmudisehen, nacbtalmudischen Schriften, Darstellungen der Neuzeit und aus dem Chassidismus, für deren Interpretation und kulturkundliche Auswertung auf den Arbeitsplan des Vertassers hingewiesen werden soll. Man schuldet dem Verfasser noch Dank für den genauen Quellennachweis, aus dem zu ersehen ist, daß ebenso wie bei den vorigen Heften Dr. Ehrmann sich den Stoff immer aus den ersten Quellen erarbeitet hat. Dieser Quellennachweis wird dem Benutzer in bibliographischer Hinsicht große Hilfe leisten, Josef Jakobsohn Der Präsident der Rockefeller-Stiftung, Raymond B. F 0 sdick, widmet in seinem Jahresbericht einen besonderen Abschnitt den Leistungen der Stiftung für aus Deutschland ausgewanderte Gelehrte. Es wurden von 1933 bis Ende 1936 für die Erhaltung von 151 Gelehrten 532181 Dollar ausgegeben. Die ״Monatsschrift fiir Geschichte und Wissenschaft des Judentums“ bringt in Heft 2 (Jahrg. 1937) einen Aufsatz der Frau Dr. Ameisen, Mitarbeiterin am Krakauer Museum, über eine spanische Bildcrbibel aus der letzten Zeit des Mittelalters. Im gleichen Heft zeigt der frühere Berliner Rabbiner Dr. Bergmann, daß der Name ״Epikuräer“ unter dem Einfluß der Gegner Epikurs zum gehässigen Schlagsvort geworden ist, wie der Name ״Pharisäer“ infolge der urchristlichen Polemik. Neben anderen Aufsätzen enthält das Heft in Ergänzung der Festschrift für Professor Dr. Eugen Mittwoch ein sorgfältiges Verzeichnis seiner zun! Teil sehr seltenen Veröffentlichungen.