Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1937-05-11 · Heft 37 (11.5.1937) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 37 (11.5.1937)
Date
1937-05-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653625-2653661--30697-2685262
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Safte 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 37, 11. V. 1937 Katholiken zur Judenfrage Von unserem Berichterstatter J. R., Wien, 5. Mal Der zweite Vortragsabend in dem vom Wiener Paulus- .Werk veranstalteten Vortragszyklus über die Judenfrage war dem Thema ״Die Judenfrage — eine soziale Frage?‘ gewidmet. Der Referent, Professor Dr. Eduard Pant, Mitglied des polnischen Senats, Herausgeber der katholischen Wochenschrift ״Der Deutsche in Polen“, wandte sich zunächst gegen die These, daß die Juden an den Wirt- Schaftserschütterungen und sozialen Uebeln in der Welt schuld seien. Es sei vielmehr eine Tatsache, daß die ganze Welt aus den Fugen geraten sei, in kultureller wie in wirtschaftlich-sozialer Beziehung, aber keineswegs etwa wegen der Juden, sondern weil sich die Welt von heute von den Heilslehren, dem Gedanken der göttlichen Vorsehung entfernt habe. Der Redner führte an Hand zahlreicher Statistiken über den jüdischen Anteil am Wirtschaftsleben den Beweis, daß auch eine Verdrängung oder gar Entfernung des jüdischen Elements aus dem Wirtschaftsleben keineswegs die ersehnte Besserung des Wirtschaftslebens nach sich ziehe. Im Gegenteil können nach Meinung des Redners solche Maßnahmen unter Umständen eine w i rtsch a f t s ve rsch 1 e c ht erung zur Folge haben. Diese Abwehrmaßnahmen hätten schon einmal im Mittelalter den Beweis ihrer Unzulänglichkeit erbracht, als sie die Juden ins Ghetto drängten. Dadurch wurden diese nur in ihrem Lebens- und Betätigungsdrang auf andere wenige, sozusagen periphere Gebiete und Zweige beschränkt, die man jetzt wieder an ihnen bekämpft. Eine Gleichsetzung der Judenfrage mit der sozialen Frage sef nicht a n g c z e i g t. Der wirtschaftliche Aspekt der Judenfrage zeige sich als eine Begleiterscheinung der sozialen Frage, aber nur eine oberflächliche Betrachtung könne die Juden für die Wirtschaftskatastrophen verantwortlich machen. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen gab Professor Pant auch eine Analyse über die Sozialpolitik des Alten Testaments, aus der der Redner auf die besonderen Elemente dealtiüdischen Sozialgesetzgebung hinwies, wie: Schabbatruhe, Premdenbehandiung, Fremdenrecht, Jubeljahr, wodurch sich die Juden schon damals völlig vorn Leben ihrer Umgebung unterschieden. Die Prinzipien im jüdischen Sozialkodex Palästinas stehen in ihrer theozentrischen Tendenz in krassem Gegensatz zur heutigen Wirtschaftsordnung. Die spätere wirtschaftliche Struktur der Juden sei dann nicht mehr von diesen hohen Prinzipien ihrer sozialpolitischen Vergangenheit geleitet, sondern vielmehr durch die Wirtscnaftsentwiek- Jung Europas bedingt worden. Die Judenfrage sei im Grunde genommen eine Frage der geistigen Haltung sowohl der Juden als auch der Nichtjuden. Es sei Aufgabe des Christentums, das Gebot der Nächstenliebe wieder in die Welt zu rufen. Am dritten Vortragsabend sprach Pater Franziskus M. Stratman, Rom, über ,,Die Juden und wir Christen“. Einleitend wünscht der Vortragende festgestellt zu wissen, daß der ,,Jude ein Mensch ist“ und daß das erste, was die Christen in ihrem Verhältnis zu den Juden beachten müssen, sei, daß jeder Jude ein Mensch sei, ein ehrfurchtgebietendes Ebenbild Gottes, genau wie cs der Christ sei, der, wo immer er sich befindet, unveräußerliche Menschenrechte habe, die jede Mißachtung ver* bieten, da es Menschenrechte gebe, die nicht von Menschen, sondern von Gott gegeben seien. Aus der früheren Vergangen heit wissen wir, daß nicht weniger als 19 Päpste Schutzbullen zugunsten der Juden erlassen haben. Heute müsse das Verhältnis des Christen zum Juden gegenüber wie das einem Kranken gegenüber geartet sein, da ״gewisse psychische Störungen bei den Juden“, wie der Vortragende aus Zitaten der ״Encyklopacdia judaica“ beweiser! wollte, ״dreimal so häufig auf treten als unter Nicht- Juden“. Hier mußte der Vortragende natürlich seine Thesen in den Grundgedanken des ״Paulus-Werkes“, also die Mission, als Ausweg ausklingen lassen. Vermerkt sei noch seine Acußcrung über der! Zionismus, von dem er sagte, daß er bei allem Mut dem Judentum doch nur eine Halblösung bringen könne, da alle ״Erlösung mit Demut beginnen müsse“, und diese heute fehle. Fünfzig Jahre ״Union österreichischer Juden“ Dieser Tage feiert die ״Union österreichischer Jude n" ihr fünfzigjähriges Jubiläum. Aus diesein Anlässe fand irn Festsaal des Industriehauses eine Jubiläumsfeier statt, in der der frühere langjährige Präsident der ״Union“ und jetzige Ehrenpräsident Dr. Jakob Ornstein sowie der jetzige Präsident Regierungsrat Oppenheim über die bisherige Tätigkeit der ״Union“ sprachen. Zahlreiche Begrüßungen jüdischer Organisationen aus dem In- und Auslande lagen der Festvcrsammlung vor. Aus Anlaß des Jubilau ms ist auch eine Festschrift erschienen, die, von Dr. Jakob Ornstein redigiert, einen Ueberblick über die Tätigkeit und Grundsätze der ״Union“ im zweiten Vierteljahrhundert, also von 1910 bis 193b, gibt. Denkmal für Professor Braun Anläßlich der ersten Wiederkehr des Todestages des berühmten Her/spe/ialisten Universitätsprofessor Dr. Ludwig Braun (B. Mai 1936), wurde von der ״Vereinigung jüdischer Aerzte“, deren Mitbegründer und erster Präsident Dr. Braun gewesen ist, an der jahrzehntelangen Wirkungsstätte Brauns, im Rothschild-Spital, ein Denkmal aufgcstellt. Im Rahmen einer Feier, an der zahlreiche Aerzte, Schüler und Mitarbeiter des berühmten Forschers und Lehrers teünahmen, wurde die von Klara Glas hergestellte Büste Professor Brauns enthüllt, Im Alter von 72 Jahren starb der weit über Wiens Gren- Ten hinaus bekannte Operettenregisseur Miksa Preger. Seine Inszenierungen, von denen eine Reihe wie die ״Bajadere“, ״Madame Pompadour“, ״Viktoria und ihr Husar“, sowie ״Blume von Hawai“ Weltruhm erlangte, haben der Operette einen klassischen Neuaufstieg verschafft. Preger hat zahlreiche Künstler, Komponisten wie Schauspieler, u. a. auch Fritzi Massary, zu Weltruhm geführt. Kapitalisten-Einwanderung nach dem Libanon? Aleppo, Mai. (JTA.) Der maraniiische Erzbisch of von Beirut, Mubarrak, der vor einiger Zeit an dem Empfang teilgenommen hat, den die Jüdische Gemeinde von Beirut für den' maronitischen Patriarchen des Libanon, Msgr. A r i d a, veranstaltet hat, erklärte in einer Rede in Aleppo, die von ihm in Beirut erwähnte Tatsache, daß jüdische Einwanderung nach dem Libanon begrüßt werden würde, habe bereits ihre offizielle Bestätigung erhalten. Der französische Oberkommissar habe ein Abkommen über die Zulassung individueller Einwand erung von Juden mit einem Mindestkapital von 100 000 Francs nach dem Libanon genehmigt. Der Erzbischof fügte hinzu, er begrüße im Namen des Patriarchen diese Einwanderung jüdischer Kapitalisten, von der mit Bestimmtheit zu erwarten sei, daß sie zur Wiederkehr Wirtschaftlicher Blüte im Lande beitragen werde. (Eine Bestätigung dieser Meldung bleibt abzuwarten. Red.) Jüdisches Leben in Frankreich Von unserem B K. Paris, im Mai Union Civiqu« des Croyants Die sich seit längerer Zeit in Frankreich geltend machenden Bestrebungen, die führenden Religionsgemeinschäften zu einem Kampf gegen den Atheismus und den Materialismus zusamrnenzuschTicßen, haben jetzt in der ״U nion C i v i q u e des Croyants“ ihre organisatorische Form gefunden. Der Leitung dieser Organisation gehören Vertreter der Geistlichkeit der katholischen, protestantischen und jüdischen Gemeinschaft an. Die jüdische Religionsgemeinschaft ist durch die Rabbiner Julien W e i 11, den Pariser Oroßrabbiner, Louis-Oermain Lev y, Nathan L 6 v y und den jüdisch-zionistischen Schriftsteller Edmond Fl eg vertreten. Diese Vereinigung hat jetzt ihre Generalversammlung abgehalten, auf der die Ziele der Union Umrissen wurden. ״Die Aufgabe der Union Civique des Croyants ist es, die Mystik der Individualität, der Freiheit und die Würde der Persönlichkeit zu verteidigen. Der Unglaube ist der Grund aller heutigen Uebel." Edmond Fieg betonte, ״daß niemals die Menschen eine stärkere Disposition zur Gläubigkeit gehabt hätten als heute.“ Df• antisemitische Bewegung Die antisemitische Bewegung in Frankreich ist in der letzten Zeit im Abschwellen begriffen. Die Ausführungen des Obersten de la Rocque, des Führers der aufgelösten ״Feucrkreuzier“ und Leiters der französischen ״Sozialpartei“ zeigen, daß sich ein einflußreicher Teil der französischen Rechten dagegen wehrt, mit den antisemitischen Bestrebungen, die von einem Teil der nationalistischen Gruppen getragen werden, identifiziert zu werden. Dagegen hat sich in Paris ein Ausschuß gebildet, der zur Errichtung eines Denkmais für den bekannten antisemitischen Führer Edouard Drumont auffordert. Edouard Drumont war der Verfasser des anti-jüdischen Pamphlets ״La France Juive“ und Gründer und Herausgeber der Zeitschrift ״Libre Parole“. Diese Zeitschritt war vor längerer Zeit eingegangen, ist aber jetzt wieder erschienen. Von dieser Gruppe stammt auch der Sammelruf der französischen Antisemiten ״La France aux Frangais“. ln der antisemitischen Gruppe der ״Libre Parole“ ist in letzter Zeit eine Spaltung in zwei Fraktionen eingetreten, die sich heftig befehden. Der Leiter einer dieser Gruppen, Arthur richterstattier Bodard, früherer Hausausgeber des ״Pilori“, sammelt auch die Gelder für den Denkmalsfond, Dl• Arbeit der pro-palästinensischen Jagend Ein Koordinationskomitee der pro-palästinensischen lugend* gruppen in Paris ist vor einiger Zeit gegründet worden und legt jetzt seinen ersten Rechenschaftsbericht ab. Die propalästinensische Jugend hat drei große öffentliche Vorträge abgehalten: die Vortragenden waren Edmond Fl eg, Dr. Kaganoff und Maitre R a b i n o w i t s c h. Das Komitee gibt ein regelmäßig erscheinendes Bulletin heraus. Als nächste Aufgabe hat sich das Koordinationskomitee die Gründung eines ständigen Lagers für die jüdische Jugend in der Nähe von Paris gestellt. Dieses Lager wird etwa 40 km von Paris entfernt sein und wird ein Haus mit Schlafsälen, Küche, Vcrsammlungssaal, ein Terrain für ein Zeltlager, Spiel- und Sportplätze enthalten. Das Koordinationskomitee beabsichtigt, seine Aktion weiter auszudehnen und eine Zusammenarbeit aller pro-palästinensischen Jugendverbände in Frankreich und Nordafräka zu erzielen. Zu diesem Zwecke ist zum 30. Mai eine große Konferenz der pro-palästinensischen Jugend nach Paris einberufen v/orden, auf der die Grundlagen einer solchen Landesorganisation gelegt werden sollen. Jüdisches Kunstleben Maxa Nordau stellt zur Zeit in Strasbourg Gemälde und Zeichnungen aus. Drei von den ausgestellten Bildern, die einen Chaluz, eine Chaluza und eine bucharische Jüdin dar• stellen, werden im Palästinapavillon der Pariser Weltausstellung ausgestellt werden. — in Paris fand ein Konzert hebräischer Musik statt. J. Bl 11 mb erg trug unter Mitwirkung von Janigro und Elsa Barraine hebräische Lieder vor. Das Programm bestand aus drei Teilen: religiöse Gesänge, Jüdische Volkslieder und Lieder ans Palästina. — Die fünf Preisträger des internationalen Violinwettbewerbes lsaye, von denen vier Juden sind, haben in Paris ein Konzert abgehalten und sind von der gesamten Presse gefeiert worden. Die Eröffnung des Paiästinapavillons Infolge der Verschiebung der Eröffnung der Pariser Weltausstellung auf den 25. Mai ist jetzt die feierliche Eröffnung des Pariser Paiästinapavillons auf den 28. M a i festgesetzt worden. Das Pavillon wird bereits in den nächsten Tagen fertiggestellt sein. Man hofft, daß Dr. Weizmann an der Eröffnungsfeierlichkeit teilnehmen wird. Ein Jüdischer Lord Der ״jüngste“ englische Lord, der kürzlich nach der üblichen Zeremonie ins Haus der Lords eingeführte Lord Mancroft, entstammt der ältesten jüdischen Familie Englands. Lord Mancroft, bisher Sir Arthur M. Samuel, wurde in Norwieh geboren, in dem Hause, das die Familie Samuel seit acht Jahrhunderten bewohnt. In Norwieh gab es 1144 eine Ritualmord-Affäre, in deren Verfolg die dortigen Juden, obwohl ihnen die Schuld nicht nachgewiesen wurde, die Stadt verlassen mußten. Es war der erste derartige Fall in England, das 1290 alle Juden vertrieb. Nur die Familie Samuel blieb im Lande, so wird beliebtet, 'und zwar auf Grund der Fürsprache der hohen englischen Geistlichkeit. Die Samuels waren nämlich die einzigen und offenbar unersetzlichen Chirurgen für Nierensteinleiden, die in der Gegend infolge der Härte des Norwicher Wassers sehr häufig waren. Es ist anzunehmen, daß auch andere Gründe für das Verbleiben der Familie in England sprechen mußten. Jedenfalls befindet sich in dem Norwicher Haus ein geheimer Keller mit einer vollkommen eingerichteten Synagoge und einem Ofen zum Mazzoth-Backen, das alles in der normannischen Architektur des 11. daß die Samuels ei ihr Judentum nur insgeheim ausgeübt haben. Tatsache ist, daß noch der Ururgroßvater und der Urgroßvater des neuen Lords in dieser unterirdischen Synagoge beteten, aber nicht weil sie* ihr Judentum noch verbergen mußten, sondern weil es in Norwieh noch keine andere Gelegenheit zum jüdischen Gottesdienst gab. Das Haus, von dem besonders die unterirdischen Gewölbe noch im alten Zustande erhalten sind, fungierte übrigens auf einem bekannten (1889 publizierten) alten Dokument als Pfandstück, es handelte sich um einen in hebräischer Sprache ausgeschriebenen Wechsel eines Samuel ben Josef an einen Samuel ben Abraham, von denen der erste und dessen Vater Rabbi Meir als die ״Weisen von Norwieh“ (חכמי נרוויטש) bekannt waren. Der Ururgroßvater der Mutter des jetzigen Lords, Abraham Richard Jacobs, war das erste jüdische Mitglied eines englischen Gerichts. Lord Mancroft selbst, damals noch A. M. Samuel, wurde 1912 Lordmayor von Norwieh, war 1924 bis 1927 Staats- Sekretär im Außenministerium und damit der erste Jude in einem parlamentarischen Amt des Foreign Office. (Lord Readings Posten als außerordentlicher Botschafter in USA. 1918/1919 war kein parlamentarischer.) Bei der zeremoniellen Einführung leistete Lord Mancroft den traditionellen Schwur nach jüdischer Weise auf die Bibel. Jahrhunderts. Daraus wird geschlossen, 5 Art von Marannendasein ceführt und Sympathieerklärung amerikanischer Kirchenführer New York, 5. Mai. (Palcor.) 130 führende Persönlichkeifen der christlichen Kirchen Amerikas sämtlicher Konfessionen haben ein Manifest veröffentlicht, in dem die amerikanische Christenheit aufgefordert wird, die zionistische Sache durch Unterstützung des United Palestine Appeal zu fördern. Das Manifest, das von Bischöfen, Rektoren konfessioneller Universitäten, sowie von Leitern sozialer, kultureller und pädagogischer Institute unterzeichnet ist, hat folgenden Wortlaut: ״Die Unterzeichneten verfolgen mit Anteilnahme die Bemühungen um die Schaffung einer Freistatt in Palästina für die größtmögliche Anzanl von Juden, die heimatlos geworden sind. Der Wiederaufbau der jüdischen Heimstätte ist eine Unternehmung der kulturellen Wiedergeburt, die zugleich physische Regeneration für die Zehnfausende, die nach Palästina kommen, bedeutet; als solche verdient sie das teilnehmende Interesse der christlichen Oeffentlichkeit. Wir sehen in dem United Palestine Appeal das Instrument, durch das die Juden Amerikas die Mittel aufbringen, um der größtmöglichen Anzahl von Männern, Frauen und Kindern die Niederlassung in Palästina zu ermöglichen, wo sie in Freiheit leben können. Wir teilen das Mitgefühl, das unsere amerikanischen Mitbürger jüdischen Glaubens bewegt, sich um die Mobilisierung von Geldmitteln zu bemühen, um ihren Glaubensgenossen zu helfen. Es ist unsere ernste Hoffnung, daß ihr Appell einen Widerhall finden wird im Herzen aller Amerikaner ohne Unterschied der Abstammung und des Glaubens,“ Die Katastrophe des LZ ״Hmdenburg“ Die Katastrophe des LZ ״Hindenburg“ bei seiner Landung in Lakehurst hat in der ganzen Welt lebhafte Anteilnahme hervorgerufen. Die Menschen einer Zeit, die vom technischen Fortschritt wie von nichts anderem charak* terisiert wird, empfinden die Grenze menschlicher Voraus* sicht im Angesicht einer derartigen Katastrophe besonders stark. Unter den Passagieren, die die Reise mitgemacht haben, befanden sich nach der Namensliste zu urteilen, auch Juden. Wie wir hören, ist einer von ihnen, der Fabrik* besitzer Moritz Fei b lisch aus San FranzJsko, der bei dem Unglück den Tod fand, vor zwei Monaten nach Berlin ge* kommen, um an der Hochzeit seines Bruders teilzunehmen. Nach jahrelanger Abwesenheit aus Deutschland war er zu seiner in Berlin lebenden Mutter und seinen Geschwistern geeilt. Seit 1896 ist er in Amerika, hat sich durch großen Fleiß ein Unternehmen aufgebaut und in den letzten Jahren mehrere Brüder bei sich aufgenommen. Zur Rückfahrt nach Amerika belegte er einen Platz auf dem LZ ״Hindenburg“. Die Familie Feibusch (früher in Rogasen) hat im Welt* kriege die größte Zahl von jüdischen Frontkämpfern gestellt, nämlich elf Söhne, wovon zwei gefallen sind. Die amerikanische Goodyear Zeppelin Gesellschaft, die, wie die Zeitungen melden, den Arbeiten der Untersuehungsausschüsse die vollste Unterstützung durch ihre eigenen Sachverständigen zugesagt hat, entsendet Dr. Theodor Troller, den Direktor des Guggenheim-Instituts für Luftschiff-Forschung, sowie ihren Vizepräsidenten Arn״ stein nach Lakehurst. Ing. Arnstein ist ein aus der alten österreichischen Monarchie stammender Jude, einer der bedeutendsten Fachleute auf dem Gebiet der Luftfahrt Angriffe auf Juden in London In der Sitzung des Unterhauses am ö. Mai gab Innen* minister Sir John Simon auf eine Frage des Abgeordneten Sorensen bekannt, daß im letzten Vierteljahr ihm und dem Polizeipräsidenten viermal über Angriffe auf Juden und jüdisches Eigentum in London be* richtet wurde. Es geschehe alles, um friedliche Bürger zu schützen. Wo man mit der Möglichkeit rechne, daß es zu Ruhestörungen kommen könnte, werde die Polizei weitgehend verstärkt, Versammlungen und Umzüge werden polizeilich bewacht und das gefährdete Gebiet von Polizeiabteilungen zu Fuß und in Autos abpalrouilliert. Auf eine weitere Frage des Abgeordneten über die Zertrümmerung der Fenster eines jüdischen Hauses vor etwa zwei bis drei Wochen antwortete der Innenminister, er habe hiervon indirekt gehört, jedoch noch keinen Bericht darüber erhalten. Krönungs-Gottesdienst der Juden Englands London, 9. Mai. (JTA.) Anläßlich der bevorstehenden Krönung Georg VI. fand in der Großen Synagoge in Aldgate ein Fcs'tgottcsdienst statt, an dem Vertreter aller religiösen Richtungen der Judenheit, der Orthodoxen, Liberalen, Reformer, teilnahmen. Der Gottesdienst wurde vom Oberrabbiner des Britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz, geleitet; ihm assistierten Rev. H. Mayerowitsch von acr Großen Synagoge, Rabbi Dr. Israel M a 11 u e k von der Liberal Jewish Synagoge, Rev. J. G. de Mesauita von der spanisch-portugiesischen Synagoge und Rev. Vyvyan O. Si• m o n s von der West London Synagogue. Unter den Person* lichkeiten, die in den für die Synagogenvorsteher bestimmten Sitzreihen Platz genommen hatten, sah man auch den Präsidenten der Weltvereinigung für das religiös-liberale Judentum, Dr. Claude G. Montefiore. Während des Gottesdienstes wurde vor geöffneter Thoralade ein eigens für diesen Tag verfaßtes Gebet für den König und die Königl. Familie gesprochen. Die englische Nationalhymne wurde bei der Feier jn hebräischer Sprache gesungen. Hauptschriftleiter» Dr. Robert VV e 11 s c h, Berlin - Charlottenburg 8 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenatein, Berlin W 15. Anreigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 15• Gültig Anzeigen - Preisliste 8 vom 1. April 1938. Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W IS, Meinekestr. 10• D.A. 1/1937 33 816. — Drurk: Siegfried Schalem, Hcrlin-Schünebcrg•

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.