Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1937-05-07 · Heft 36 (7.5.1937) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 36 (7.5.1937)
Date
1937-05-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653625-2653660--30687-2685251
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Nr. 36,7. V. 1937 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 13 Ein öffentliches Gericht Müsikbegeisterung Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel-Awiw, Ende April Palästina steht nahe vor dem Ende seiner ersten regelrechten Mnsiksaison, die mit den Konzerten des palästinensischen Orchesters unter Toscanini einsetzte und seitdem immer wieder durch außerordentliche Leistungen überrascht hat. Wir sprechen von einer ersten Saison, und viele weiden diesen Begriff ablehnen. Denn Palästina hatte ja seit Sängern schon ein recht lebhaftes Musikleben, rühmte sich der Besuche ausgezeichneter Solisten, nicht nur in den Städten, sondern auch — eine wohl einzigartige Erscheinung — in den Siedlungen, besaß Musikgesellschaften von Aktivität und viel Geschmack und ein an guter Musik interessiertes Publikum. Aber ein wirkliches und nach allen Begriffen ausgezeichnetes Orchester hat das Land eben erst in diesem Jahre durch Huber in an bekommen. Nach Sehätzungen sind 48 Konzerte, die in diesem Jahre stattfanden, von 80 0!>() Personen besucht worden. Das ist für die jüdische Bevölkerung — und nur sie und ein kleiner Teil der englischen Kolonie hat die Veranstaltungen besucht — eine geradezu gewaltige Zahl. Obwohl die Programme keineswegs populär sind, und fast immer nur schwere Musik gemacht wird, sind die Säle immer ausverkauft. Was jedoch mehr ist, man sieht hier in Massen Typen in den Konzerten die man wahrscheinlich sonst nirgends bei solchen Veranstaltungen findet. Da sind Arbeiter der verschiedensten Schichten, kleine Leute und Mittelstand und dann natürlich auch die „oberen Zehntausend". Die grobe Begeisterung, die der Vorschlag von Huberman und sein ganzes am Anfang phantastisch erscheinendes Unternehmen im Publikum erweckt hat, zeigte sich zu Beginn in einer großen Nachfrage nach den Abonnements. Und als man dann die Karlen einmal hatte, nutzte man sie aus, aber man bekam auch einen Geschmack an der Sache, und zwar nicht nur alte Konzertbesucher aus dem europäischen Westen, die seit langem in diesem Gebiet sich auskannten, sondern auch die große Masse derer, die aus dem Osten kamen und vielfach nicht mit der Konzertliteratur vertraut waren. Interessant ist, daß dieses große Publikum sowohl gelernt hat, mit Disziplin zuzuhören — wo sind die Zeiten hin, als man ohne weiteres Hunde und kleine Kinder zu den Veranstaltungen mitnahm! —, sondern es will auch verstehen, was man ihm vorsetzt. In der Presse sind vielfach Briefe an die Redaktionen erschienen, die verlangen, daß man das Publikum vor den Konzerten durch Referate über die Komponisten und ihre Werke informiert. Und es sind in der Tat derartig einführende Vorträge gehalten und, was viel mehr sagen will, auch besucht worden. Der Jude in Palästina will sich au der Musik, die ihm so unerwartet geschenkt wurde, freuen, und er will auch an ihr lernen. Das Orchester, diese große Neiischöpfung, die jedesmal wieder durch ihre Verve und ihren Glanz überrascht, bat auch in seinen einzelnen Mitgliedern dem Lande eine Reihe neuer wichtiger musikalischer Kräfte zugeführt, und sie weiden — ein köstlicher Zuwachs — auch für K a m in e r m u s i k ausgenutzt. Für diese Konzerte, die notwendigerweise in einem engeren Rahmen abgehalten werden müssen, besitzt Tel-Awiw seit dieser Saison einen geradezu vollendeten Raum. In dem Museum der Stadt, das seinerzeit von Dizengoft gegründet wurde und mit sehr viel Geschmack ausgestattet ist, finden jetzt in kurzen Absfänden Kamniermusikabende statt, die mit zu dem schönsten gehören, was sich der Musikliebhaber wünschen kann. Ein entsprechend beleuchteter, gut eingeteilter, intim und dabei nicht eng wirkender Raum mit einfachen und guten Sitzgelegenheiten wird von der Leiste der ausgestellten Bilder auf den hellen, glatten Wänden eingefaßt. Hier findet sich das musiklicbende Publikum zusammen und bekommt auserlesene Programme vorgesetzt, alte und klassische Musik, mit großer Feinheit und Liebe von den im Lande heute reichlich vorhandenen Kunstlern ausgeführt. Ohne viel Propaganda sind diese Museumsabende sehr bald berühmt geworden, und Billetts muß man zeitig besorgen, wenn man hineinkommen will. Viele beklagen, daß diese schönen Aufführungen dem Räume entsprechend nur relativ Wenigen und nicht dCn Tausenden zugänglich sind. Aber das ist wohl bei solchen Umständen nicht zu vermeiden. Die Muscumskonzerte in Tel-Awiw sind für alle, die sie einmal mitgemacht haben, ein ungewöhnlicher Genuß, und man darf den nächsten Winter mit seinen hoffentlieh ebenso genau und sicher zusammengestellten Programmen mit Freude erwarten. sprechen, so würde das auf sie einen sehr großen Eindruck machen, ihnen eine grolle Hilfe sein und ihnen einen neuen Antrieb zum Erlernen der Sprache geben." „Ich muß mit meinem Mann darüber sprechen und... ja!" „Wollen Sie nach einigen Wochen wiederkommen und mir erzählen, wie es gegangen ist?'1 „Ja, gerne! Vielen Dank!" „Schalom!" III. „Sie lernen jetzt auch im Abendkursus?'' „Ja, schon über ein halbes Jahr." „Nun, und wie geht es denn jetzt mit dem Sprechen?" „Unter uns gesagt: ziemlich schlecht, sogar sehr schlecht." „Wie, Sie machen überhaupt keine Fortschritte? Wie kommt denn das?" „Das will ich Ihnen sagen, Sie waren Student, Sie haben die Technik des Lernens heraus. Ich kann nicht nach dem Buch lernen, ich behalte es nicht. Ich müßte Vokabeln — nur Vokabeln — lernen, und ich merke mir keine Vokabeln. Es ist entsetzlich! Ich komme überhaupt nicht vorwärt s." „Sind Sic denn mit dem Lehrer zufrieden?•' „Ja, er unterrichtet mit einer Engelsgeduld. Ich wäre an seiner Stelle schon wild geworden." „Wie arbeiten Sie in Ihrem Kursus?" „Wir arbeiten zweimal in der Woche nach dem ,Hamatchil' '2. Teil, und einmal lesen wir den ,I)awar-laoleh'. Nach der Lektüre und der Erklärung schwieriger Worte wird diskutiert. Der Lehrer fragt; und er fragt so geschickt, daß wir mit den Worten, die in den letzten Stunden erarbeitet wurden, antworten müssen." „Ich halte das für eine sehr interessante und lebendige Art zu unterrichten. Trotzdem haben Sie keine Fortschritte gemacht?" „Keine Fortschritte —, das wäre übertrieben, aber für meinen Begriff ist es ein totes, brachliegendes Material, das ich aufstapele. Ich kann nichts damit anfangen. Theorie, alles Theorie!" „Wundern Sie sich darüber? Sie sprechen täglich eine Stunde iwrith und die übrigen 12 oder 14 Stunden reden Sie deutsch. Natürlich bleibt Ihr Hebräisch so lange Theorie, bis Sie es praktisch verwerten." „Aber Sie kennen doch meine Lage. Sie wissen, daß wir uns in unserem Bekanntenkreis am wohlsfen fühlen! Wir kommen ja gar nicht an die echten ,Zabres' heran." Die palästinensische Frau Tel-Awiw, Ende April Der Sinn der „öffentlichen Prozesse" ist einmal darin zu suchen, daß es wirklich darum geht, Mißstände aufzudecken und auf ihre Abänderung einzuwirken, ein andermal darin, solche Schlagwörter ad absurdum zu führen, denen wir immer wieder begegnen. Zu dieser letzten Gruppe gehört gewiß eine Anklage gegen die „palästinensische Frau", gegen die an diesem Abend, dessen Thema fast 2000 Personen in das Tel-Awiwer Beth Haam gelockt hatte, die schwerwiegenden Beschuldigungen erhoben wurden, daß sie sich „in nicht genügendem Maße am öffentlichen Leben des jischuw boteilige, daß sie ihre Pflichten als I'rau, Mutter und Erzieherin des heranwachsenden Geschlechts nicht erfülle, daß sie fremde Einflüsse — auf Kosten der Reinheit des Familienlebens — aus der Golah nach Palästina hineintrage." Es wirkte allerdings befremdend, wenn Herr Grün- Ii I a 11 als einer der Anklage-Vertreter sofort von der ganz allgemein gehaltenen, auf „die Frau im Laude" bezüglichen Anschuldigung abging, ein Loblied auf die Frau in den Kolonien, Kwuzoth und Kibhuzim anstimmt und seine Angriffe schließlich nur noch gegen die „städtische bürgerliche Frau" richtet, der er Willensmaligel und Interesselosigkeit vorwirft, ihre Pflichten für Volk und Land in einem Moment zu erfüllen, der stärkste Kräfte-Konzentration erfordere. Frauen seien es in erster Reihe, die ausländischer Produktion vor der „Tozcreth-Haarez"-Ware den Vorzug gäben, Frauen vernachlässigten die hebräische Sprache, Kultur, Kunst, Literatur und IVcsse. Die städtische Frau lasse von der „Osercth" das Haus besorgen, während sie selbst in den Cafes, Bridgeklubs, Kinos und Tanzsälen zu finden sei. Liehe und Ehe sei für sie eine Frage des Komforts. Ihren Erzichungsaufgabeii zeige sie sich nicht gewachsen. Wo sie sich der Kinderpflege widme, ergebe sich sofort eilte „Hypertrophie", für Mann und Haus schwinde jedes Interesse. Grünblatt schließt, er „glaube an die Kräfte der palästinensischen Frau, aber sie hätte noch nicht gelernt, in einem Land zu leben, daß Opfer fordere". Als Zeuge der Anklage tritt zunächst der Dichter Avigdor Hameiri auf, der sich etwas weitschweifig über die „Irrtümer, mit denen die Frau in die Ehe geht" äußert und der Ansicht ist, daß man sieh in Erez Israel zuviel ,,verliebe" und zu wenig „liebe". 90 ».o aller aus „Verliebtheit'1 geschlossenen Ehen ende aber, wie die Statistik beweise, mit einer Tragödie, Scheidung oder gegenseitiger Abneigung. Er sei für eine Erziehung zur „Ethik", nicht zur „Etikette". — Weitere Zeugen bemühen sich dann, an Hand von Beispielen, die Anklage zu erhärten. Der Verteidiger Zuchovitzki glaubt, die Anklage sei derart unfundiert, daß es kaum lohne, sie zu untersuchen. Die Frauen füllten gerade in Erez Israel vorbildlieh ihren Platz aus; in Stadt und Land, auf den Feldern und in den Fabriken, im Büro und Handel, in den Krankenhäusern und Gerichtssälen, in den Schulen und den Bezirken der Kunst und Literatur, und nicht zuletzt in ihrem eigenen Haus. Ihre beste Kraft widmeten sie Jahre und Jahrzehnte hindurch dem Aufbau des Landes und dem Wohl der Familie. Ob sich die Vertreter der Anklage einmal damit beschäftigt hätten, was die neue Einwanderin durchzumachen habe, bevor sie festen Fuß fassen kann, welche „Umstellung" gerade von ihr verlangt werde, wie oft gerade s i e es ist, die mit ihrer Hände Arbeit die Familie erhält und sich trotzdem in ihren freien Stunden ausschließlich ihren Kindern widmete. In keinem anderen Land der Welt sei die Hingabe der Mutter zum Kind so stark wie in Erez Israel. Häufig aber seien es die M ä n n e r, die mangelndes Verständnis für Erziehungsprobleme bewiesen. An wem liege es, wenn man den Frauen im Tozeretli-Haarcz-Verband und anderen Aemtern nicht den ihr gebührenden Platz eingeräumt habe? Wer bilde das junge Geschlecht in den Kinder- und Erziehungsheimen heran? Wer leiste d:e gesamte Sozialarbeit? Henrietta Szold sei zur vorbildlichen Pionierin geworden, die im Lande Tausende eifrige Schülerinnen gefunden habe. Die vor 20 Jahren durch Miß Szold gegründete Institution der Wizo spreche für sich selbst. Als Zeugen referieren sodann Frau Riwkah A r o n s o Ii n (Kinder-Fürsorge der Stadt Tel-Awiw) über die „Frau in der Sozialarbeit'', Frau Dr. Sirani (Lehrerin am Herzl- Gymnasium) über die „Frau in akademischen Berufen" u. a. Als Dr. S i I b e r g, der zweite Vertreter der Anklage, in sei- „Sie könnten aber durch die Sprache einen Zugang zu den anderen Kreisen des Jischirw finden. Gehen Sie doch mal zu den Vorträgen, zu den Abendveranstaltungen; hören Sie —, sprechen Sie hebräisch. — Wie wollen Sie denn sonst einmal alle Probleme des Landes verstehen? Und wie sollen die Olim aus Deutsehland sonst Einfluß gewinnen auf die Entwicklung der Dinge, — wenn sie die Sprache nicht sprechen!" „Nein, eine Unterrichtsstunde zwei- oder dreimal in der Woche kann nur ein theoretischer Unterbau sein für die Praxis der täglich angewandten Sprache." „Neulich war ich in der ,Habimah'. Ich habe nichts oder fast nichts verstanden. Die Schauspieler sprechen ja in einem Tempo!" „Sie haben entschieden eine falsche Einstellung zum Hebräischen. Eine Sprache will erobert sein. Sie hätten sich viel mehr um sie bemühen müssen." „Wie denn? Wenn ich ins Theater gehe..." „Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Bevor Sie das nächste Mal zur .Habimah' geben, kommen Sie zu mir, und wir lesen das Stück gemeinsam durch. Ich habe noch mehrere Bekannte, die ich dafür interessieren werde, und wir werden eine Zeit verabreden." „Das würde mir eine große Hilfe sein. Ich nehme Ihren Vorschlag wirklich an." „Gut. Wir treffen uns dann bei mir!" IV. „Eine Fahrkarte nach Haifa.' „Mir auch!" „Sie fahren auch nach Haifa? Weshalb?" „Zur Versammlung. Und Sie?" „Zur Hochzeit von N. Was für eine Versammlung ist das?" „Kommen Sie hier herein. Der halbe Waggon ist leer. Hierher, ja! Nehmen Sie den Fensterplatz. — Was für eine Versammlung, fragen Sie? Vom Kibbuz. Hameuchad über Organisationsfragen." „Werden Sie dort sprechen?" „Nein. Vielleicht werde ich ein paar Worte in der Diskussion zu sagen haben, — aber reden — das traue ich mir noch lange nicht zu.1' „Noch nicht? Dabei haben Sie, Glücklicher! doch schon nem Plädoyer erwähnt, er wolle zugestehen, daß die Angeklagte nicht verurteilt werden könne, jedoch nur, weil „sie nie aus dem Kindesalter herauskäme und nicht für ihre Handlungen verantwortlich gemacht werden könne", erhebt sich in den Reihen der so apostrophierten weiblichen Zuhörerschaft ein wahrer Tumult, der sieh erst nach Minuten wieder legt. Herr J cd i d j a Ii, der im Namen der Verteidigung nochmals das Wort nimmt, beschuldigt die Ankläger des Leichtsinns und widerlegt die einzelnen Punkte der Anschuldigung. Als „Angeklagte" nimmt nun Frau Mirjam Bernstein-Cohen das Wort zu einem längeren Plädoyer. Es möge sein, daß die Frau nicht hundertprozentig sachverständig in Fragen des Aufbaues sei, vielleicht beschuldige man sie auch mit Recht, dal! sie den Kinderwagen nicht aus der Hand ließe, aber — habe man ihr denn erlaubt, Kameradin zu sein? Wolle der .Wann, dessen Arbeitspensum meist nach acht Stunden absolviert ist, nicht minier noch „bedient" werden? Mute man ihr nicht immer noch zu, sich auf Beruf, Kind und I laus gleichzeitig zu konzentrieren? Warum dürfe man bezüglich der Ehc.morat Forderungen an die Frau stellen, die nicht auch der Mann für sieh als bindend anerkenne? Worüber man sich beschwere, sei — soweit überhaupt berechtigt — nur eine allzu natürliche Reaktion. Es gelte, das System zu ändern. Wenn man gegen einen wesentlichen Teil des Jischuw Anklage erhebe — und darum handelt es sich hier —, so sei sehr zu erwägen, ob nicht die Kläger auf diu Anklagebank gehörten. Das Gerieht kam — lange nach Mitternacht — zu dem Ergebnis: Die F" r a u im i u d i s c h e n P a I ü s t i n a erfülle w e i t m e h r aIs in an d e r en L ä nd eru ihr e Pflichte n g c g e n ü b er der i) < f i e u 11 i e Ii k e i t u n d der Familie. Allerdings gäbe es in den Städten tatsächlich eine kleine Schicht derer, die sich ihrer Aufgaben nicht voll bewußt seien und glaubten, Begpffe eines allzu „modernen" Auslandes hiether verpflanzen zu k'innen. Juloch habe man es mit Einzeln Iictnungcu zu tun und könne also eine „Ko'Lktiv-Anklage" nicht aui'reclite:halte:i. M a n f r e d Geis Kinns in der „Ahawah" Der Jahresfeier der ..Ahawah", über die hier berichtet wurde, ging e;ne hir da- Erzichungsleben Palästinas und insbesondere für die Jugcndaiiiah bedeutungsvolle Tagung voraus. Die Leitung der Ahawah hatte ihre ehemaligen Zöglinge und Mitarbeiter au,-, den verschiedenen Siedliingsputikten des Landes zu einem „Kintw" eingeladen. Zugleich aber ergingen Einladungen an tmc Reihe von Persönlichkeiten, die mit der Jugcndalijah in Verbindung stehen oder sonst an der Ahawah und Ihren l.rzichungsproblemen Anteil nehmen. Das Thema, das Ausgangspunkt der Diskussion des Tages war, lautete; „Heim. Kibbuz und Jugendbewegung als I rzicliun:.'sfaktoivii zur Jugcndalijah". Ernst Simon behandelte am Freitagabend dieses T Itema in einem umfassenden Referate, das wohl an alle brennenden Probleme der palästinensischen Erziehung überhaupt rührte. Ausgangspunkt des Referates wie aller wichtigen Diskussionsbeiträge war die Frage, wie junge Menschen die Schwierigkeiten unseres Landes zu bewältigen vermöchten, wenn sie in den entscheidenden Entwicklungsjahren ihres Lebens, gerade in den Jahren, da das Leben in seinen Schwierigkeiten überhaupt sich vor ihnen auflut, in die neue Umgebung des arbeitenden Palästina überfuhrt werden. Die Behandlung des Themas setzte ein tiefes Eingehen auf die Jugendpsychologie voraus und fortlerte zugleich ernste Rechenschaft über die Wirklichkeit Palästinas, wie sie sich im Heiin, im Kibbuz und in der palästinensischen Jugendbewegung darbot. Nun erhielt der Kinns seine besondere Bedeutung: Menschen au» den verschiedensten Kreisen des arbeitenden Jischuw nahmen an ihm teil: Arbeiter des Aloschaw owdim, der Kwuzoth des Chewer hakwuzoth ebenso wie des Haschomer hazair, Kibbuz. hameuchad und des llapocl hamisrachi, Menschen der zweiten Alijah zusammen mit Mitgliedern der Jugeiidalijah, Die Probleme der Heimerziehung konnten ebenso aufgewiesen werden, wie die vertiefte Kritik am kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Kibbu/ini dargestellt wurde. Da in den Kreisen der Ahawah die Frage der Religion mit größtem Ernst angegangen wird, hat dieses Piohiem im Aufbau Palästinas auch in der Aussprache einen gebührenden Platz, eingenommen. Ein Oneg Schabbat, bei dem zugleich die Entlassungsfeier einer Gruppe \<m [ugeiidliclieil der Ahawah stattfand, beschloß das Treffen. jahrelang in Deutschiami Hebräisch gelernt, und Sie trauen es sich noch immer nicht zu?" ..Es ist eine ungeheure Menge Stoff zu bc\» artigen. Es ist eigentlich eine Lebensarbeit, Hebt .lisch zu K nien.'* „Sie machen mir Angst. Ich bin nach dreijähriger Arbeit endlieh so weit, daß ich mich verständigen kann: ich kann sogar einen hebräischen Geschäftsbrief "schreiben und die Tagespresse lesen, aber nun sagen Sie, daß das noch nicht genügt." „Verstehen Sie mich recht. Es wäre schon ein groficr Erfolg, wenn die .Russen', die .Polen', die ,Bm baren' die .Temanim' usw. ein einwandfreies Hebräisch sprechen wurden. Leider sind wir von diesem Ziel noch weit entfernt, — aber vergessen wir nicht, dall die hebräische Sprache mehr umfaßt als das gesprochene Umgangswort: Tenach, Mischnah, Talmud, Poesie des Mittelalters und die umfangreiche neue Literatur, die täglichen Neuerscheinungen." „Aber Sie können doch nicht das Unmögliche verlangen. Für diese Dinge wird sich nur immer ein ganz kleiner Kreis von Spezialisten und Liebhabern interessieren können, — niemals die große Masse!" „Ich stelle mir auch nicht vor, daß ein schwer arbeitender Mensch seine Freizeit mit der Poesie des Jchuda Halevy oder mit der Lektüre von Mischnah ausfüllt, aber ich denke, daß man mindestens einen Teil der alten Literatur verstehen müßte, um die heutige erfassen zu können." „Erklären Sie mir das!" „Wenn Sie z. B. Achad Haam lesen, — ich denke an den geistvollen Aufsatz ,h;uia\vi wbakoben' (Prophet uiui Priester) — müßten Sie über die prophetische Literatur und über das 3. Buch Moses einen ungefähren Ucbcrblick haben, sonst verstehen Sie nicht, was der Verfasser meint." „Sie stellen entschieden zu hohe Forderungen!" „Mißverstehen Sie mich nicht! Ich meine nur: wer eine gewisse Stufe erreicht hat und wie Sie leidlich spricht, liest und schreibt, sollte es nicht dabei bewenden lassen und glauben, nun sei alles getan," ..Nein, gewiß nicht! Aber es ist doch immerhin ein Erfolg — und ein mühselig erkämpfter. Das geben Sie doch zu?" „Gewiß! Aber nachdem die Mühsal vorüber ist, beginnt erst eigentlich die freie — nicht sehulmäliige — schöne Arbeit: das tiefere Eindringen in die Quellen der hebräischen Sprache. Bleiben Sie nicht auf halbem Wcec stehen}"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.