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Jüdische Rundschau · 1937-04-30 · Heft 34 (30.4.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 34 (30.4.1937)
Date
1937-04-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 34, 30. IV. 1937 Jüdisches Leben in Holland Von unserem Berichterstatter „Jüdisches Unternehmen" Das Reichgericht hatte früher entschieden, daß der Hinwciauf Eigenschaften eines Konkurrenten, die mit dem Gegenstand des Wettbewerbs nichts zu tun hatten, insbesondere seine Bezeichnung als „jüdisches Unternehm e n", unzulässig sei. Ein solches Verhalten verstoße gegen die guten Sitten. Auch wenn der Hüuvc's aal deii jüdischen Charakter eines Unternehmens wahr sei und den Tatsachen entspreche, so sei es gleichwohl ti n z u 1 a s s i g, wenn er dazu diene, den eigenen Wettbewerb auf Kosten des Konkurrenten zu fordern. Diese Haltung hat des Reichsgericht laut „Frank?. Ztg." vom 26, April erneut vertreten. In dem zur Entscheidung stehenden Pall hatte die eine Firma eine Konkurrenzfirma als „jüdisches Unternehmen" bezeichnet, wahrend die andere Finna es nicht zulassen wollte, daß die Klägerin sich ein „deutsches Unternehmen" nannte. In der Begründung einer Entscheidung vom 12. Januar sagt das Rcdhsgericht u. a.: Bereits in früheren Urteilen habe es darauf hingewiesen, daß ein Wettbew erber bei dem I iinweis auf den jüdischen Charakter seines Konkurrenten sich nicht darauf berufen kühne, mit seinem Vorgeben der nationalsozialistischen Weltanschauung zu dienen. Dies sei vielmehr Sache der Staatsregierung und der NSDAP., die allein bestimmen könnten, inwieweit es hierzu einer Fertihaimng oder Verdrängung iüdischer Unternehmungen aus der Wirtschaft bedürfe. Der (onkarrent könne nur die entsprechenden Stellen gegebenenfalls über den Sachverhalt tnuvr. ienten. Md diesem Hinweis bediene sich die I inna auf jeden Fall eines Werbemittels, •las sich mit den guten Sitten nicht vertrage. Die Breslauer „Jüdische Zeitung" eingestellt Die ,,Jüdische Zutun,;" in ISie-.hu erscheint am 30. April -zum letzten Male Im Januar des Jahres begründete Dr. Louis N e u s t a d t die Zeitung, die ui^pninglich wegen ihrer Aufgabe, für ein l Hireriicim /.u wirken, den Namen „Lehrerheim" trug, bald darauf jedoch schon „Vo'ksldutt" hieli. Die vorwiegend oitboJin orientierte Zeitung nahm in den letzten ahreti der zionistiVhoi Bewegung zu ihr eine objektive laltung ein. PH'l v. tirde die Zeitung in ..Judische \'olks/eitung" umgenannt. Nach dem Tode Dr. Niiisiadts (l'Ü^) komtU: sich die Zeitung unter den Nachfolget n nur bis zur Inflation halten, im Jahre i'»2l vröfinete Dr. Joachim Prinz die Zeitung, die nun „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland" heißt, wieder. Eine entschieden zionisti-che Haltung, die sich mit einer im Sinne jüdischer Renaissance gedachten Judentums- und Iveligionskunde verband, gaben der Zeitung ein bcyuildercs Oeprage. Nach 10.'') leiteien ur \ tc-cliH dem- Persönlichkeiten im Sinne der 1024 bestimmten < irundhaltting. Die endgültige „Jüdische ZeltuuR" leiteten ab lüji nacheinander Frich Bildhauer tnul Dr. Fritz Becker. In einer Zeit, in der eine zionistische Zeitung \n.Ic Aufgaben adgenieiuer und gemeindlicher jüdischer Art hatte, hat diese Zeitimg sie redlich tu erfüllen gesucht. Dr. Becker ist besonders in von persönlichen Empfindungen getragenen Artikeln hervorgetreten. In allen Teilen der Welt, besomh rs in Frez. Israel, hatte die „Jüdische Zettung" zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter, die in großer Anhänglichkeit an ihr Blatt Briefe, Berichte und Artikel einsandten. Fritz Günter Nathan Ben Zwi in Paris Paris, 25, April. (JTA.) Der Vorsitzende des Waad Leurni, Jizchak Ben Zwi, hat am 25. April auf der Durchreise zu den Krönungsfeierlichkeiteit in London, an denen er als Vertreter der Judenheit Palästinas teilnehmen wird, in Paris den Beratungen des Kongresses des Verbandes der jüdischen Gesellschaften Frankreichs beigewohnt. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der sich der Kongreß für den Zusammenschluß der in Frankreich geborenen und der eingewanderten Jtulen in einen gemeinsamen Verband ausspricht. Im Anschluß nn die Tagung fand ein Bankett statt, aut dem Ben Zwi a!-; Verirr ter der Juden Palästinas begrüßt wurde. Ben Zwi c; klarte in seiner Antwort, der Jischuw Palästinas und die Judculnit der Welt wurden niemals eine Entscheidung a k z e p t i e r e n, durch die eine Einwanderung grollen Mal'.>;abs von Juden nach Palästina und ihre geschlossene Aiisiedluug auf dem Laude gefährdet werden wurde. RL. Den Haag, 25. April 1937 Bircbaum-Gedeokabend Unter dem Vorsitz von Mr. H. E d c r s h e i m fand im Haag ein vom Niederländischen Zionistenbund, dem Misrachi, der Jüdischen Frauenvereiiiigting für praktische Palästina-Arbeit (Wizo) und dem Jüdischen Frattenrat einberufener Abend tntm Gedenken an Nathan Birnbaum statt. Der Besuch aus allen Kreisen der hiesigen Judcnheii war sehr gut. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden Mr. Fl. Edcrsheim, der auf .Birnbaums kompromißloses Wahrhcilsstrcben als hervorragenden Wesenszug hinwies, gab J. E. V I c c s c h h o ti w e r aus Rotterdam ein Lebensbild des Verstorbenen, das von tiefgründiger Kenntnis der Birnbaumschen Lebensarbeit wie von warmempfundener Verehrung' für den hervorragenden Menschen zeugte. Vleeschhotiwer schilderte Birnbaums Streben, den Zionismus auf eigene jüdische Grundlagen zu stellen. Er wies darauf hin, dar! Birnbaums Liebe für Palästina in allen Phasen seines Lebens ebenso elementar war wie die Liebe eines Kindes zu seinem Vater, aber er wünschte ausdrücklich, nicht alles aul eine Karte zu setzen. Flüchtlingswerk Auch das Jahr 1936 hat wieder schwere Anforderungen an das Uno r't.,tzi'!t"swerk für die Emigranten aus Deutschland gestellt. Das Amsterdamsche Büro registrierte eine Ausgabcnziffer, die mehr als doppelt so hoch war als die des Vorjchres. Für direkte Unterstützung mufilen erhebliche Beträge aufgebracht werden und auch die Berufsumschichtuug, vor allem im Werkdorf im Wieringer Meer, und die Uehersicwaneleruttg erforderten erhebliche Mittel. Von 5t)() Juden, Teppiche Möbelstoffe (Gardinen Ufraunifrt» Dan leistungsfähige Spezialhous Ä BLIIMKX FKLB ITrlZt die in überseeische Länder aus Holland weder wanderten, gug'en 113 nach Argentinien, Ol nach Südafrika, 41 nach Pabstiua, 2S nach Brasilien, 2b nach Chile und kleinere Gruppen nach Kolumbien, Ecuador, Paraguay, Uruguay und N"t useeland. Die Feiter des 1 lüclitlingswerks haben auch im vergangenen Jahre wieder aufopfernde Arbeit geleistet. Vorträge Au. der 19. Jahresversammlung des „Joodschcn Vrottwenraat! in Nederland" gab die Vorsitzende, Frau A. Seh w i tu - m e r - V i g e v e n o, ein umfassendes Bild der Lage der Judenheit. Nach Oberrabbiner Sarlouis sprach Dr. B. A. Kahn über „Nedei landerscltap en Jodendotn" (Niederländisches Bürgerrecht und Judentum), und untersuchte dabei die Beziehungen zwischen dem holländischen Juden und dem Die französisch-syrischen Beziehungen. Unser Pariser K.- Berichterstatler schreibt: In Damaskus ist nach längerer Pause das syrische Parlament wieder zusammengetreten Der syrische Präsident gab einen längeren Bericht über die innere Lage Syriens und kam dann auf das Alexandrcttc- Problem zu sprechen. Er betonte, daß er die in Genf erfolgte Lösung der Alexattdrettefrage nicht billigen könnte und daß er auch in Paris seine Mißbilligung deutlich ausgedrückt habe. Die jetzige Lösung ist für Syrien unannehmbar. Er gab aber der Hoffnung Ausdruck, daß es der syrischen Delegation im Rahmen des Dreimächtevertrages zwischen Frankreich, der Türkei und Syrien gelingen wird, eine Abänderung mancher Bestimmungen des Alexandrettestatuts zu erreichen. Hinsichtlich der französisch-syrisehen Beziehungen erklärte der Ministerpräsident, daß sich die Verhandlungen mit Paris in einer durchaus freundschaftlichen Atmosphäre vollziehen und daß die syrischen Vertreter bei der französischen Regierung volles Verständnis für die Bedürfnisse des unabhängigen Syriens finden. Au! der Pariser Reise der syrischen Minister sind vor allem die m i I i t ä r i s c h e n Bestimmungen des französischsyrischen Allianzvertrages sowie die auswärtigen Beziehungen des neuen syrischen Staates besprochen worho'l '.idischen Volke. Die Niederländische Zentrale Vereinigung zur Unterstützung notleidender Juden im Auslände „Israel" hält am 2. Mai in Amsterdam ihre Jahresversammlung ab. In einer anschließenden öffentlichen Versammlung wird Hans Goslar über „Judennot 1937" sprechen. Der früher in Breslau wirkende, blinde Lektor der Blindcnkunde an der Universität Prag, Dr. Ludwig Cohn, sprach vor den Vereinigungen „De Joodsche Invalide" und „Joodsche Blindenzorg" über „Leben und Arbeit der Blinden". Prof. Alfred Adler hält in Amsterdam, Den Haag und Utrecht eine Reihe von Vorträgen über verschiedene individualpsychologische Themen. Dr. Felix Falk aus Den Haag sprach vor der Societei israelite de Lccttire in Luxemburg über „Die Juden als Vermittler europäischer Literatur und Kultur im Zeitalter der Renaissance". In der Königlichen Akademie der Wissenschaften konnte der Utrechter Physiker Prof. Dr. L. S. O r n s t e i n wichtige Mitteilungen über seine Untersuchungen über die Rolle von elektrischen, photochemischen und Diffusionserscheimingcn bei der Erklärung des Sehens vortragen. Ktmstnotizen Georg Hermann, dessen „Jettchen Gebert" in einer neuen Bearbeitung als Operette „Wenn der weiße Flieder wieder blüht" jetzt von der 1 laagcr Fritz-Hirsch-Operette aufgeführt wird, sprach im Jüdischen Frauenrat über sein Werk. Er skizzierte besonders das typische jüdische Milieu Berlins, ohne allerdings der Fragestellung immer gerecht zu werden. Der Amsterdamer Jüdische Chor gab unter Leitung seines Dirigenten II. Engl and er, der kürzlich in eine Jury über jüdischen liturgischen Gesang nach Warschau berufen wurde, ein mit großem Beifall aufgenommenes Konzert mit synagogalen Gesäugen und jüdischen Volksliedern aus dem Osten und aus Palästina. Als Solisten wirkten mit M. Gobets und J. R a b b i e. Der Operndirigent und Komponist Hans Krieg, der sich in Holland in der jüdischen Musikwclt durch seine Kompositionen und zahlreiche Konzerte, die dem hebräischen und jüdischen Lied gewidmet waren, einen guten Namen erworben hat, hat in Amsterdam „De Nieuwe Opera-Studio" begründet. Das neue Studio trat mit einer mit großem Beifall aufgenommenen Aufführung der komischen Oper „Abu Hassan" zum ersten Male an die Öffentlichkeit. Mitglieder dieses Operastudios sind unter anderen Paula T a r k o, Günther W i t e p s k i und Herbert Schwarz. Der Pianist Dr. James Simon spielte „Unbekannte Kompositionen bekann er Komponisten". Der Pianist Alexander Borovsky spiehe in Amsterdam. Der junge Violinist Theo O 1 o f, der bereits aus verschiedenen Konzerten mit dem Concertgebouw-Orchester bekannt ist, spielt am 10. Mai an einem Gala-Abend der British Legion im Haag aus Anlaß der englischen Krönungsfestlichkeiten. — In Amsterdam starb im Alter von 82 Jahren der Komponist Henri Jose van P r a a g, der lange Zeit in Paris lebte und dort als Komponist und Dirigent von Operetten bekannt war. den. — Die Kammerdiskussion beschäftigte sich fast ausschließlich mit der Alcxandrettefrage, und eine Anzahl von Rednern protestierte energisch gegen die geplante Lösung des Konfliktes und gegen die schwache Haltung der syrischen Regierung. Insbesondere erklärte der Abgeordnete des Sandschak, Sadek Marouf, im Namen der anderen arabischen Vertreter dieses Gebietes: „Der Sandschak ist syrisch und arabisch und wird es immer bleiben." Im Namen der Regierung gab dann der Außenminister Sadallah SabrI der Hoffnung Ausdruck, daß es mit Unterstützung Frankreichs gelingen werde, eine zufriedenstellende Lösung des Konfliktes zu finden und freundschaftliche Beziehungen zu allen Nachbarländern aufrechtzuerhalten. Die syrisch-türkische Spannung wird auch durch die Verhaftung des früheren Deputierten M a z i A g h a unterstrichen, der einer türkenfreundlichen Haltung beschuldigt wird. Der französische Hochkommissar der Martcl hat sich zu einem wichtigen Beitrag zur Entspannung der französisch-syrischen Beziehungen entschlossen und hat eine A m n e s t i e für 42 syrische und drusische Nationalistenführer erklärt, die bisher aus Syrien verbannt waren. Unter ihnen befinden sich, wie aus Beirut gemeldet wird, Pasha ei Artrash, Doktor Dhabandar, Isan Jabri Bey und Emir Adil Arslan. hart üi ruck verböte ti A t {td h L,"'.i i >ctzui.^i-) Kocht*. vo< je*, »i to *~ f — * r a «\r •# L-l r^V: t I "~U_r , . ri*,, , — vpizieis^ÄeL_ P-f-nan.fr iiJ<j)ir von. CHA31ZVA SCHWARZ?«,Türu-r3lt. KIBBUZ Im Zusammenhang mit den Bränden ereignete sich' damals eine Sache, die plötzlich eine ganze Schicht arabischen Gefühls, eine ganze Schicht jüdischer Möglichkeiten enthüllte. Abends, hei der Heimfahrt von der Arbeit, pflegte man Schienen zu kreuzen, die noch wann waren von dem letzten Zug, hinter denen alles mögliche Volk, Juden und Araber, die Landstraße hinaufzog. Diese Stunde ist gleichzeitig die Stunde der Spaziergänge vor dem Abendessen, die Stunde der Diiinmerunssspuziergiinge. Bs geschah nun heute folgendes. Eine Kindergärtnerin aus 'Fei Ilumon war mit etwa zehn gleichmäßig gekleideten Kindern, von denen eins das andere an der Hund gefaßt hatte und die einherspazierten wie eine lebendig gewordene Küthe-Kruse-Ausstellung, tun wenig hinausgegangen, Abendluft schnappen. Irgendwelche Gründe, vor allen Dingen die Sitte, das neue Geschlecht frühzeitig an Naturbeobachtung z.u gewöhnen, hatten die Kindergärtnerin veranlaßt, mit ihren Puppen ein wenig vom Weg abzuweichen und in die Felder hineinzuklettern, nicht viel, zehn Meter, zwanzig Meter. Im sellxm Augenblick hatte ein ahnungsloser Tourist seinen glühenden Zigarrenstummel in die Disteln geworfen, die sofort auftänzeltcn, in roten Stichflammen und grauen Rauchsäulen, und die zu einem gräßlichen Signal wurden: Die Kinder in Gefahr. Noch ehe der Wagen der Pardessarbeiter hielt, hatten drei Arn her, die auf Pferden nach Kumi hinaufritten, die Situation erkannt und waren wie die Teufel in die Flammen hincingnlnppiert, hatten nach zehn Sekunden die Kinder herausgeholt und die Kindergärtnerin. Man ließ das Feld abbrennen, stand sieh gegenüber, schaute einer au! den andern, ein Volk auf das zweite. Es war ein« Szene wie in den Schützengraben nach Friedensschluß. Garran erkannte seinen Lehrer wieder, er war einer von den drei Rettern gewesen, ein intelligenter Araber, den man schon oft im Chadar Oche] (Eftsaal) mit Garran hatte sitzen sehen. Sie fielen einander um den Hals. Garran sprach urabiseh mit ihm, der Araber hebräisch. Man nahm die drei hinauf ins Chadar Oehei, sie mußten in Tel Ilamon Abendbrot essen, Alles, was Kinder hatte, ging zu ihnen hin und drückte ihnen die Hand. Bartel ist rückfällig geworden, und Hanni kommt zu mir und sagt, ich müßte ihr helfen, einen Plan auszudenken, um sie von ihm freizumachen, vor allen Dingen könne aie nicht mehr mit ihm zusammenwohnen. Glücklicherweise gibt es jetzt einen neuen Waad Dirot (Wohnungsrat), in dem sieh nicht mehr König befindet, es wäre mir peinlieh, mit König zu sprechen. Als Vertreter der Chawerim uns Deutschland ist Göttlich in dem neuen Waad Dirot, ein »ehr vernünftiger dünge, den ich zum Mitwissenden in dieser ganzen Angelegenheit mache und der sofort bereit ist, Hanni in einem Zrifz immer (Barackenziinmer) unterzubringen. Aber, sagt er, glaubst du, dnß damit die Frage schon gelöst ist? Wie wird es Hanni in dem Zrifzimmcr ergehen? Wird Bartel nicht versuchen, auch hier einzudringen und Szenen zu machen? Soll denn ganz Tel Ilamon von dieser Geschichte erfahren? Ich schlage so vor. Du ziehst mit ihr zusammen. Du bist eingeweiht, unterrichtet über die ganze Sachlage. Du kannst Hanni schützen und gleichzeitig auf Bartel wirken, daß er sie endlich zufrieden Hißt. Habe ich recht? Auf diese Weise bist du ebenfalls im Zrif untergebracht, und ich habe eine Sorge weniger. Erst wollte ich nicht, dann bin ich doch mit Hanni zusammengezogen. Bartel hat ulle möglichen Szenen gemacht, mich vor Hanni gewarnt, geschrien, daß er zur Maskirut (Leitung) laufen werde, Krach schlagen, auch in unserem Zrifriimncr war er eines Tages und wollte sich mit llnnni aussprechen. Ich habe in diese Aussprache eingewilligt, aber unter der Bedingung, daß ich in einem gewissen Abstand vor der Tür stehen darf. Darauf ist Bartel eingegangen. Sie sprachen ganz, leise miteinander. Bartel scheint etwas zu bitten, Hanni sagt nur immerfort: Nein. Dieser Dialog bleibt derselbe, steigert sich aber formal. Plötzlich kracht etwas, Bartel stürzt aus der Tür, ich stürze ins Zimmer: Jemand hat meinen Tonkrug zertreten, in einer großen Pfütze liegen Seherben auf dem Buden. Ich laufe Bartel hinterher, in die Nacht hinaus, packe ihn im Dunkeln beim Handgelenk und schreie: Das war das letztemal, lieber Freund, das allerlelztemal. Du verstehst? Eine Fortsetzung solcher Szenen werde ich mit Schlagen beantworten. Bartel tut einen Ruck und stößt mich gegen die Schulter. Ich fange plötzlich an zu boxen. Ich schlage wie besinnungslos. Jetzt bin ich selbst unten angelangt. Ich werde Bartel sofort tüten. F.r rennt plötzlieb davon, rennt wie ein Wahnsinniger, verschwindet in irgendwelchen Schatten. Seitdem blieb Bartel fast einen ganzen Monat unsichtbar. Ich war nun durch diese ganzen Ereignisse sehr mit Hanni verbunden, örtlich zusammengetrieben worden. I^s erreichten mich Gerüchte, denen der Glaube zugrunde lag, wir seien ein neues Paar. Wir waren kein Paar. Ich war nach wie vor weit davon entfernt, mir Hanni gegenüber irgendeine Schwache zu erlauben, manchmal, wenn ich wie damals nach dem Tng in der Maschteloh (Baumschule) fühlte, daß meine Zunge Aussprachen beginnen wollte, deren Ausgangspunkt mein Gewissen nicht rechtfertigen konnte, bog ich rasch das Thema um und landete bei irgendeiner trivialen Frage. Ich betrachtete mich als einen Freund Hannis, der die Aufgabe hatte, sie zeitweilig zu schützen vor ihrem verrückten Mann. Davon ließ meine Vorstellung nicht ab: Daß Bartel Ilannis Bachur (Mann) war. Ich verschanzte mich hinter dieser Vorstellung, bezog aus ihr eine steife Anstnndshaltung. Ich ahnte, daß Hanni ein Kind von Bartel hatte. Dieses Kind und Bartel sollte ich schützen, Bartel vor sich selbst. Aber bald war es so weit, daß ich Hannis Nähe nicht mehr ertrug, daß die Vereinsamung mit Hanni in einem Zimmer meine Haltung zerfraß und meine Nerven zerstörte, daß ich abends hinausstürzte und halbe Nächte draußen blieb. Sie war wie Lisa, »chön, begabt, mit einem klaren, offenen Versland, zugänglich, vor allen Dingen ausgestattet mit körperlicher Ungeniertheit. Wir wollten ja alle rein sein, in dieser reinen Lebensform des Kibbuz. Wir waren nach außen weiße F.ngel, Anslandspedanten, nach innen hatten wir mit den Explosionen unseres verhinderten Trieblebens zu tun. Manchen Abend saß Hanni im Badeanzug, schrieb Briefe oder stopfte Strümpfe. Ich stürzte Innaus in die Nacht, begrub meinen Kopf unter Faustsehlügen, die ich mir selbst versetzte. Meine Haltung wurde zerfressen. Es fing damit an, daß ich bedauerte, Bartel an Hanni gebunden zu sehen. Aus diesem milden Bedauern wurde heftige Eifersucht, ein völliges inneres Zugrundesehen und Zusammenbrechen bei dem Gedanken an Hannis Kind, an jene entscheidende Situation unten im Holzschuppen. Bartel wurde in meinen Augen kriminell. Ich stand gegen einen Kriminellen, ein steif auf Anstand Bedachter war Gegenspieler eines verbrecherischen

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