Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 34 (30.4.1937)
- Date
- 1937-04-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34, 30. IV. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU deife 3 Aufruf zur Schekel -Aktion Im August d.J. wird in Basel der XX. Zionistcn- Kongreß zusammentreten. Vor vierzig Jahren, im Jahre 1897, hat Theodor Herzl den I. Zionisten-Kongreß eröffnet. Der umwälzenden Erkenntnis, daß die Judenfrage eine politische Frage ist, die im Rate der Nationen geregelt werden muß, folgte die umgestaltende Tat. Die freie, unbefangene Erörterung der Judenfrage von der Tribüne des Zionisten- Kongresscs brachte Bewegung in das jüdische Volk. Der Kampf um die Erneuerung jüdischen Lebens in staatlicher Form, auf dem Boden, von dem es in alter Zeit ausgegangen, gab dem jüdischen Menschen Haltung und Würde. Die nationale Wiedergeburt gewann in der Zionistischen Organisation ihre erste, vorläufige Gestalt. Mit Stolz und Dankbarkeit gedenken wir der Männer, die im gleichen Jahre die Nationaljüdische Vereinigung für Deutschland begründeten, die Vorläuferin der späteren ZVfD. Auf vier Jahrzehnte eines unablässigen, schweren Ringens mit allen Mächten eines ungeschichtlichcn Anglcichungs- und Auflösungsstrebens blicken wir zurück. Mit innerer Genugtuung dürfen wir sagen, daß das Werk der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in dieser Epoche nicht vergeblich war. Ihm ist es zu verdanken, daß die jüdisciie Gemeinschaft dieses Landes den Rückweg in den eigenen Bereich gefunden hat, als einstige Vorstellungen über Sinn und Ziel ihres Lebens zerbrachen. Die Judcnheit in Deutschland hat zum Aufbauwerk in Palästina eine echte, lebendige Beziehung gewinnen können. Sie dankt es dem Zionismus als der Kraft, die das jüdische Volk lehrt und führt. Die Schekel-Aktion dieses Jahres soll bekunden, wie stark und wesentlich der Geist des Zionismus und die Wirklichkeit Ercz Israels die Judcnheit in Deutschland umgestaltet haben. Die Wahrhaftigkeit ihres nationalen Bekenntnisses, der Ernst ihrer Hingabe für das Werk des Aufbaus im Lande der Väter, die Reife ihrer Einsicht in die Notwendigkeiten ihrer eigenen Situation werden aus dem Ergebnis der Schekel-Aktion zu erkennen sein. Voll innerer Erregung beobachten wir die Entwicklung, die die Palästina-Politik in der letzten Zeit genommen hat. Alles kommt darauf an, daß der XX. Zionisten - Kongreß als wahre und umfassende Vertretung des jüdischen Palästina-Willens seine Stimme erheben kann. Jeder Einzelne muß durch Zahlung des Schckcls diese Vertretung stärken; jeder Einzelne trägt die Verantwortung für die Zukunft des Ganzen. Wir rufen das jüdische Volk in Deutschland auf. mit aller Kraft die Schekel-Aktion aufzunehmen und durchzuführen. Die Stunde der Entscheidung muß uns geschlossen und bereit finden! Zionistische Vereinigung für Deutschland Der Geschäftsführende Ausschuß Benno Cohn Isi Eisner Hans Friedcnthal Georg Josephthal Alfred Lehmann Georg Lubinski Franz Meyer Adolf Michaelis Siegfried Moses Joachim Prinz Alfred Rabau Paul Sulzberger Michael Traub *ti»iiiiiiiii«t(«ieiiiiiiiitiii)ifiiHti iiiiii >fiiiiiiiiiitt(iitti)iiiiiiiitiiiiiiiitisiiiii((riiiiiiiitiitM»iiiiiiitiiiiiii(itittiiiiiii tittiiitiif!<iiiit(tit<iiitiiiiittiiitiiiiiiiiiii:i!iiiiiititi(iiiiiiii(tiriiuiiaiinti utii KiitiiitiiiirfittiitiiiiiKiiiiMiiittiitittiiiiKintti iiitiiiiii*iiitMiiiiiiiiii«is»iiiintit Zu Herzls Geburtstag / 2. Mai Pin selbstbiographisdher Brief Herzls Mitgeteilt von Dr. Josef Patai, Budapest Am 2. Mai ist der Geburtstag Theodor Herzls. Was uns llcrzl an geistigem Erbe hinterlassen hat, ist zum eroßen Teil in seinen allerpersönlichsten Aeufierungen aufbewahrt in den Tagebüchern und Briefen. Viele dieser Briefe sind noch in der Welt zerstreut und der Oeffentlichh.eit unbekannt. Oft geben sie einen überraschenden Einblick in die persönliche Entwicklung und seelischen Kämpfe dieses Menschen Theodor Herzl, aber auch seine tiefen Erkenntnisse der jüdischen Situation zu einer Zeit, in der niemand die wirklichen 'Ausammenhänge zu erfassen vermochte. Wir veröffentlichen anläßlich des Geburtstages von Theodor Herzl einen Brief, den uns der jüngste Herzl-Biograph mit einem einleitenden Kommentar zur Verfügung stellt. Dieser Brief, der gewiß zur Zeit seiner Niederschrift vor 34 Jahren nicht zur Veröffentlichung bestimmt war, enthält manche schon bekannte Tatsachen über Herzls persönliche Beziehungen zum Judentum. Er ist aber vor allem interessant wegen der offenen Worte, die Herzls eigene Beurteilung seines Friihwerltvs „Di r Judenstaat" erkennen lassen, nachdem in zionistischen Kreisen darüber debattiert worden ist, ob durch die Zielsetzung von „Altneuland" die Erstlingsschrift in mancher Beziehung überholt sei. Auch der Schlußteil über die Einstellung der ungarischen Juden zum Zionismus gewinnt heute stärkeres Interesse, nicht nur weil inzwischen die ungarischen Juden (1920) eine in Ungarn für unmöglich gehaltene antisemitische Phase durchgemacht haben und heute in allen ihren Teilen die Notwendigkeit der Palästina-Kolonisation nicht abzustreiten ivagen, sondern auch weil man in dem Schlußabsatz die Haltung mancher anderen jüdischen Gruppen für die dort angesprochene ungarische substituieren kann. — Red. In meiner ungarisch geschriebenen Herzl-Biographie, die im Verlag „O m a n u t h" in Tcl-Awiw nun auch hebräisch' und deutsch erschienen ist, behandle ich auch Herzls Beziehungen zu seiner Ocburtsstadt Budapest und seinen ungarisch-jüdischen Bekannten, von denen der Fcuillrtonist Adolf Ä g a i auch einen bedeutenden Einfluß auf seine geistige Entwicklung ausübte. Einige unbekannte Briete Herzls an Agai veröffentliche ich im demnächst erscheinenden „Herzl-Jahrbuch" von Dr. T. Nusscnblatt. Krankenversicherung A1£mv\Z™ü£n X ans Schwarz, FranHfurta.m..sr.BocHenheimerstr.29.Tel.23S77 Sic stammen aus der Zeit seines Aufstieges als Schriftsteller, bevor ihn noch die Wehen der großen Sendung überfielen. Herzls Briefe an den gewesenen ungarischen Abgeordneten und bekannten Publizisten Dr. Ernst Mez ei stammen aus den letzten Jahren seines Lebens und sprechen von den schöpferischen Qualen des Judenführcrs, der die „chcvle Masehiach", die Leiden der Erlösung, so tief erschütternd auf sich genommen hatte. Die Familie Mczei spielte eine große Rolle in der Geschichte des ungarischen Judentums. Dr. M ö r M e z e i war im Geburtsjahr Herzls Herausgeber einer ungarisch-jüdischen Zeitschrift „Magvar Izraelita", die für Assimilation und Gleichberechtigung kämpfte, später wurde er Präsident der Landeskanzlei, der „Magyarischen Israeliten" und starb als Neunzigjähriger Sein jüngerer Bruder, Dr. Ernst Mczei, wurde als Anhänger Kossuths zum Parlamentsmitglied gewählt. Es war zur Zeit des Bluttnärchens von Tisza Eszlar (I8S2), im ungarischen Reichstag begann man Stimmen des aufkeimenden Antisemitismus zu hören. Und während der junge Student Herzl seine ergreifenden Bemerkungen zu Stöckers Judenbroschüre in sein Notizbuch schrieb, glaubte Mczei Letzte Aufnahme von Theodor llcrzl in lidlach vor seinem Tode 1904. Rechts neben ihm der berühmte Augenarzt Prof. '.Mandelstamm tlllS l\ieW. F„to >ui dor Simmlung Hugo Ucrrratnii die Judenfrage einfach erledigen zu können, indem er im Parlament den ungarischen Volkspartei-Abgeordneten zurief: „Den Herren Antisemiten, die an den Juden hier kein Gefallen finden, steht es ja frei, aus Ungarn auszuwandern!" Noch Herzls Auftreten schrieb Mezei manche kritische Artikel gegen die Ideologie des Zionismus, doch nahm er nie Teil an dem wilden Geheul, der zu jener Zeit im ungarischen Judentum gegen die „Vaterlandveiräterischen Zionisten" losbrach. Mezei war ein vornehmer Gegner. Großes Auffallen erregte es nun, als er im „Israelitischen Ungarischen Literaturverein" eine Vorlesung über den Zionismus hielt und der Bewegung objektive Anerkenn v n g zuteil werden ließ. (Noch in diesem Jahre, 1(J0'3, gründeten wir, als kleine Universitätshörergruppe, in Budapest die „Makkabca" und luden Dr. Mezei zum Festredner der ersten Makkabea-Feier ein.) Die sachliche Beurteilung des Zionismus durch Mezei, von der auch das zionistische Zentralorgan „Die Welt" ausführlich Notiz nahm, bewog Herzl, einen warmen Brief an Mczei zu schreiben, den er' für die Sache ganz, zu gewinnen hoffte. Schrieb doch Mezei in seinem Artikel etwa folgende Sätze: „Zweifellos hat diese nicht ohne Grund entstandene Bewegung das Antlitz des Judentums mit neuen Furchen aufgewühlt. Es muß eine Notwendigkeit geben, die dem Zionismus Kraft und Schwung und einen gesunden Kern verleiht. Palästina zurückzuerobern'für das jüdische Volk ist ein reines Ideal der edlen und reinen Seele n." Herzl erwähnt in seinem Brief an Mezei, daß er mit seinem Vater oft darüber sprach, daß eben die ungarischen Juden der Bewegung fernbleiben, aber er wartete stets, daß sich ihm endlich auch seine ungarischen Landslcutc anschließen werden, „was ja anders nicht möglich ist". Es entstand eine Korrespondenz zwischen Herzl und .Mczei, deren wichtigstes Dokument der folgende selbstbiographische Brief ist. Herzls Brief an den ungarisch-jüdischen Publizisten Dr. Krnü Mezei, Budapest (Original im Besitze von Dr. Josef P a l a i in lind |"'-l) Ganz vertraulich Wien-Währing (Hai/ingergasse 29), 10. März igo3 Hochgeehrter Herr! Mein guter Vater hieß Jakob llcrzl 11. wohnte in der Tabakgassc (wo ich geboren Iiiiii, dann auf der Landstraße, wo er viele Jahre sein Geschäft hülle. 11. zulctzl im Thonelhof, Iiis wir 18-8. nach dem Tode meiner Schwester, nach "Wien übersiedelten. Vielleicht, erinnert sieh Ihr Bruder jetzt'.' Das ist freilich nicht nütlüg. um Ihren aufrichtigen Brief zu beantworten. Es ist wunderbar, wie wenig imkere Bewegung den Gegnern 11. I ilekhcilligen sie kennt — ,1ml oder (üiris für alles Höhere un>'m|>ITm Mein u d e n s I a .1 l" ihn in Parts Freien Pres* leh (iischcn. WO!Cil Mit ,1 war. 11. will' war ein dem Boule» ardicr. Hin Itabhiucr in den Tempel gehe ich nur greßwoche. Dort grüße ich Väter als meinen eigenen. I)' so vielveriirllieiito bekannt ist. Wer .....- liebl sie. Kr wäre denn ein :lie!,er Mrn-ch. Nl läng>t iilii'ih'iU. Ich schrieb .1 iirc der Vertreter der .."Neuen i'e damals nicht viel vom Jü- .IikIi nihuiii Entfremdeter, cm bin ich auch iel/1 nicht, u. in Basel am Sam-tag der Cnnanch mehr den Gull meiner ■im mit meinem Göll kann ich auch ohne Rabbiner u. vorgeschriebene (iebi-le \erkeliren. Mein ...luden-taat" braclile mich erst zu den Zionc-Ien, die vor mir da waren u. die ich nicht gekannt halle. Ich war damals ein lsolirler 11, meine Mnrle waren ertahrungslos u. unverantwortlich. Besser könnten Sic sich aus meinem utopischen Human ,,A 1 t n e 11 1 .1 n d" über die ganze Sache unlerriclilcn. Den schreib ich von i8f|i) bis i<|o:>, schon als Führer der Bewegung. Dadurch war ich zu manchen mciiagemenls gezwungen. Künstlerisch i.-t das Buch nicht Niel werth, obwohl es mich viel Anstrengung gekostet hat. Aber zur Erklärung des ganzen mag es dienen. Wollen Sic sieh ernster über unser schönes 'S olkswerk unterrichten, so lesen Sie die Prolokolle der Baseler Congresse. Sehen Sie, ich plage mich seit bald acht Jahren, wie ein Hund, ich habe dafür einen großen Haufen Gehl geopfert, arbeile außerdem natürlich umsonst, habe mich verhöhnen 11. mit Koth bewerten lassen, u. ich hin heule noch so v.arm für die Sache, wie am ersten Tag und ununterbrochen. Und ich Inn kein Naivling, auch aus Schauspielerei tue ich's nicht, denn ich weiche allen Beiäuehcrungen u. Anslrudelungen aus, wenn ieli's kann. Da muß also etwas an dieser Sache sein! Glauben Sie nicht.? Nun zu den ungarischen Juden. Ich war in den Jahren einmal unten in Pest, um eine Werbe\ersaniinlung abzuhalten. Da waren Adolf Agai, l.adisl. Neiigebaiier u. noch' ein Dutzend Andere, die für die Sache ernannt »rhnwn. Ich habe dann nichts mehr von ihnen gehurt. Läng-t ist die Sache zu groß geworden, als daß ich selbst l.okalagitalionen betreiben könnte. Für <H" Personen, die an den einzelnen Orten in all den (.ändern von Sibirien Ins Iransvaal, von Neuseeland bU Fanada agilircit, hm ich nicht verantwortlich. Das glauben Sie wol nicht. Auf die ungarischen Juden möchte ich sogar verzichten, wenn ich wüßte, daß ihnen das antisemitische Eh ud durch ihren Patriotismus erspart bleibt. Ich mache kein« E 1 e n d ss p e e u 1 a t i o n. Aber es wird auch über die ungarischen Juden kommen, brutal 11. umso härter je später, umso wilder je mächtiger sie bis dahin werden. Davor gibt es keine Rettung. Dann können sie mit ihrem Patriotismus Sehabbes machen. Mittlerweile machen wir \ erpichten uns auf u. b a u c n e i n h ei m a 11 i c h e s JI a u s a 11 c h f ü r diejenigen, die h c nie noch nicht von uns wissen wollen. Ich bin sehr, sehr beschäftigt u. an meiner sofortigen Antwort erkennen Sie, daß es mich zu Ihnen hinzieht, offenbar weil Sie auch ein Pester Jud sind, wie ich selbst. Mit hochachtungsvollem Gruß Ihr ergebener II e r z L Zionismus und Vaterlandsliebe. Die in Florenz erscheinende jüdische Zeitschrift „Israel" veröffentlicht einen Protest der Juden Italiens gefeit die in letzter Zeit von einzelnen italienischen Zeitungen erhobenen Beschuldigungen. Der Zionismus, so wird erklärt, sei keine pro-hritische Bewegung, er sei überhaupt keine englische, sondern eine rein jüdische Angelegenheit. Das Bekenntnis italienischer Juden zum Zionismus sei stets öffentlich und mit Zustimmung der Behörden in der Uebcrzcugung erfolgt, daß es hier nicht nur um eine jüdische und humanitäre Sache, sondern auch um eine italienische gelte. Die Tatsache, daß der Zionismus in Sowjetrußiand verfolgt wird, sei ein Beweis dafür, daß er keine Bewegung des Umsturzes ist. Die Ausführungen des „Israel" richten sich auch gegen die Ansichten, die vor kurzem von Professor Oratio in seinem Buch „Die Juden in Italien" geäußert worden sind. LANDSCHULHEIM Kristinehov, Ltg. Dr. L. Posener, Västraby per Löberöd SUDSCHWEDEN (*■■■■■■■■ Schulunterricht, Sprachen, Beruft Vorbildung, Gartenbau, Tischlerei, Schneiderei, S port ■MeaaHwaMBaeaeeeeeeeaeeBBj Voller Pensionspreis (einschließlich Nebenausgaben) ab RM 80.- monatlich - Reisekosten ab Berlin RM 27.- I Ii . il I I i t t,