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Jüdische Rundschau · 1937-04-27 · Heft 33 (27.4.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 33 (27.4.1937)
Date
1937-04-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 33, 27. IV. 1937 Nochmals s „Enge des Judentums" Jüdisches Leben in Frankreich Von unserem Berichterstatter K. Paris, Ende April Diskussion über das judische Problem Der bekannte fran/'»sisch-katholische Schriftsteller Frankens Mauria c hat in einem Brief an den katholischen Schriftsteller d e 1 e r e n z y, der einen Feldzug gegen den Antisemitismus eröffnet hat, seine Zustimmung /u diesem Kampfe gegek rt. 'I mtz dieser Verbundenheit macht aber Mauriac die Juden für das Entstehen der antisemitischen Bewegung zu einem Teile seihst verantwortlich. Das liebergewicht der Juden in einigen Teilen des Wirtschaftslebens stellt eine Gefahr für diese selbst dar, da sie die Abwehr der anderen Völker hervorruft. I eieii/v antwortet auf diesen Brief in einem oflenen Sehreiben, in dem er die Argumente Maunacs als wenig haltbar ansieht. Die Lage der jüdischen Emigration Professor William Oualid, Vizepräsident der „Alliancclsraelite", hat in Marseille einen Vortrag über die Lage der jüdischen Einwanderer in Frankreich gehalten. Prof. Oualid i'ilt als einer der besten Fachleute auf diesem Gebiet. Prof. Oualid betonte, daß die Einwanderung von ausländischen Juden nach Frankreich ein wichtiges Problem schafft, die Frage ihrer Beziehungen zu den fran/:V-:schen Juden. Der Vortragende wies aut die großen Verpflichtungen hin, die die jüdische Gemeinschaft in Frankreich gegenüber den mittellosen Einwanderern hat. Wenn es Aufgabe des französischen Staates ist. die Einwanderung 711 regeln, so muß die wirtschaftliche I inordniing der P mipranien von den Iran7<>st»chen Juden dut. h e;'uhrt wniui. Aisderersuts niuli man aber von den i •nwatiderern l'oni.-n, dal! sie mit aller F.ner;ie 1tnuii mshI, s.cb der Mentalität ihier neuen Heimat anzup-i^cn. Die jüdische Jugend in Frankreich In dem K.'Sinicn einer F.mp'te ui" r die Lage der jüdischen ju;:e,!u in 1 i..*ikit ich äUIH die Zeitung „humedi" fest, daSS alli in in l'.ins /wi-.h.n 21);ü jüdische Jugetidorgas.: ..".'.»neu best' ';« n, D.c Zahl der in die.-en \'erbanden r<:g.-ii.i": iteit Jtige - di .neu '.\ ird a'.H y.K'i'i angegeben. Ueber die l äge des „II e e Ii a 1 u /" in Frankreich hat kürzlich der Sekret.-r de» ..1 iei!i;ii;:/", Waiden, einen informativen Artikel vci.di'cih, ht. Danach h..t d e Mit dieder/alll des „1 let habt/" in Fi.inkreiili im \ e; .;ar.;-,c;icii Jahre /um erstenmal einen k'ivkg'aug aufzuwehen, wa» sich durch die eingtst lir.mktc 1 ■ai'.ii i im.1 iviiii löaiiki r ich und durch den Ku.-kgj.'ig der Zeriijii;..i../;:*ei!un;;.ii erklärte, bland in Hand mit dieser Vei minderun r d< - Mitgücderbotandi s ist aber eine innere M.irk'aag de.» JA 'ia.<t/" gi.g.iigcn. Der „Hchaluz" hatte Anfang des lahu» mit finanziellen Schwierigkeifen 7U kämpfen, die aber durch Unursast/ung der großen jüdischen Orgai'.^'itimmii!n '; -legt v.n.len. Oer „Ikrltalu/" verfügt zur Zeit in Frankreich über zwei I Eichscharah- Zentren, „Haolitn" in Altwies und ,.Has-;eia" im Departement Oers. Im Jahre 10 3b sind IIS (ihilu/im aus Frankreich nach Palästina gegangen. En ganzen hat der fran/iisische Hechaluz in den Jahren 1<"H3... l<)36 6'.U Chalu/im und Chaluzoth nach Palästina gesandt. Rabbiner Salvendy. Zu unserer Oedenknoliz zum 100, Geburtstage von Rabbiner Salvendy teilt uns Synagogenvorst eher Eudwig Strauß in Bad Dürkheim ergänzend mit, daß Salveadv über -10 Jahre in der dortigen Gemeinde, einer der ältesten Gemeinden der Pfalz, das Rahbinat verwaltet hat. I'Ki" cri ggte seine Pensionierung und er verlebte dann im Ruhcdaml einige Jahre bei seinen Kindern in Karlsruhe. Durch das Wirken dieses bedeutenden thoratreuen Gelehrten, so fügt Herr Strauß hinzu, ist die Gemeinde Dürkheim weit über die Grenzen der Pfalz, hinaus bekannt geworden. Zürich. Dr. Kurt K a n o w i f z, Jerusalem, weilt seit einiger Zeit in der S-Iswciz. Er sprach in mehreren Versammlungen der Yei eiimmag der Freunde der Hebräischen Universität, in den Zioni.tischen Ortsgruppen und in vielen klemmen Zu kein. Bsrrch^gupß. In dem Bericht aus Stockholm in Nr. 31 ist bei dem Satz: „Der I 'mversit itsgedauke fand außer bei allen M.igiie.iein de-. Kmlcouins großen Anklang" versehentlich der Naehsatz ..auch bei der schwedischen Oeffentliehke't" v. -f-iHeri, w 'uieh der Sinn uitsttUt wird. Ein Schlußwort Der an dieser Stelle erschienene Artikel: „Enge des Judentums" (Nr. 26 vom 1. 4.) hat eine Reihe von Stellungnahmen aus unserem Leserkreis zur Folge gehabt, die wir teilweise zum Abdruck brachten. Es zeigte sich, •wie groß das Interesse für das Problem ist, das in jenem Artikel aufgeworfen wurde. Allerdings sind einige Stellungnahmen zum Teil an der Sache selbst vorbeigegangen oder haben eine mißverständliche Auslegung des der Diskussion zugrunde liegenden Artikels zur Basis gehabt. So muß es von der Sache selbst abführen, wenn die Meinung vertreten wird, das Problem, daß ein Teil der jungen Generation sieh über eine gewisse geistige Enge des jüdischen Lebens beklagt, könne mit der Frage der Erneuerung des Glaubens in Verbindung gebracht werden. Dieses Problem beruht auf ganz anderen seelischen Quellen und spielt hier kaum hinein. Es ist richtig und wurde »auch von verschiedenen Einsendern betont, (laß wir „Lehrjahre" brauchen, und daß wir uns selbst in dieser Zeit auf das Kennenlernen jüdischer Stoffe konzentrieren müssen, um einen jüdischen geistigen Standort in der Welt zu gewinnen und das früher Versäumte nachzuholen. Vielfach seheint man jedoch anzunehmen, die Klage über die Enge des Judentums sei so zu verstehen, als ob man sich über eine Enge in den Problemen, in den geistigen Inhalten beklagt. Das ist nicht richtig. Wer auch nur etwas vom jüdischen Wesen gekostet hat, wird sehr rasch erfahren haben, daß hier die ganze Weite der Welt in einer bestimmten nationalen Geistesform cingefangen ist. Klage über Enge in dieser Hinsicht könnte nur der erheben, der überhaupt noch nicht an das Tor des Judentums gepocht hat, und davon war in dem erwähnten Artikel Lemberger Wojwode gegen Exzesse Warschau, 23. April. (JTA.) Der neue Wojwode des Lemberger Kreises, B i 1 y k, hat anläßlich seines Amtsantrittes Pressekonferenzen für die Vertreter der in Ostga'izien erscheinenden polnischen, ukrainischen und jüdischen Zeitungen veranstaltet. Der Wojwode erklärte bei dieser Gelegenheit, er würde es für ein Verbrechen halten, j u d e n f e i n d 1 i c h e Ausschreitungen zu dulden. Er versprach, energische .Maßnahmen zur Unterdrückung antijüdischer Unruhen zu treffen und die Schuldigen streng zu bestrafen. Der Verband der ukrainischen Intellektuellen Ostgaliziens hat eine Proklamation gegen Judenfeind 1 i c h e Ausschreitungen erlassen. In dieser Proklamation wird erklärt, durch solche Ausschreitungen werde die Ehre eines Kulturvolkes verletzt. Ausschreitungen vor Gericht Warschau, 21. April. (JTA.) Am 12. März war es in dem Städtchen Sterdyn (Kreis Warschau) zu Ausschreitungen gekommen. Es entwickelte sich zwischen den zu Einkäufen in das Städtchen gekommenen Bauern und Nationaldemokraten, die vor jüdischen Ständen und Läden Posten standen, eine Schlägerei. In der Anklageschrift wird den angeklagten Bauern vorgeworfen, daß sie das Postenstehen vor den jüdischen Geschäften nicht zulassen wollten, und so die Schlägerei provoziert hätten. Insgesamt waren fünf Bauern, zwei Nationaldemokraten und sechs Juden angeklagt. Die sieben nichtjüdiseben Angeklagten wurden zu ein bis zwei Monaten Gefängnis, von den sechs Juden wurde einer zu drei Tagen, vier zu einem Monat und einer zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Vor dem Kreisgericht Kiele e findet jetzt der Prozeß gegen die Mörder der am 16. Oktober 1036 in dem Dorf Stawy getöteten fünf Juden statt. Seit vierzig Jahren hatten in dem Dorfe nur zwei jüdische Familien gelebt, die des 45jährigen Kaufmanns Mosche Schmulewicz und die seines Schwagers Jankel Rosenholz. Beide Familien waren bei den Bauern des Dorfes durchaus beliebt. Erst in der letzten Zeit vor dem Mord kam es in der Gegend wiederholt zu Ueberfällfn auf jüdische Krämer und Dorfhimdler. Am 16. Oktober drangen einige mit Eisenstäben nicht die Rede. Worum es geht, das ist vielmehr der Mangel an Zugang zu diesen Werten, der von vielen Mensehen, und nicht den schlechtesten, empfunden wird, der in erster Linie auf Mängel in der Form der Ver mittelung beruht, auf der Art, wie uns jüdische geistige Inhalte erschlossen werden sollen. In diesem Zusammenhang spielt ohne Zweifel auch die jüdische Presse als einer dir Zugangswege zum Judentum eine Rolle; auch sie kann sich zum Teil, soweit sie sich um die Vermittlung kultureller Lchrinhalte bemüht, nicht von dem Vorwurf ausschließen, der gegen die Art der Vermittlung der Kenntnisse erhoben wurde. Die Methoden, mit denen vielfach jüdisches Geisiesgut dargestellt wird, der Tort und die Sprache, die man gebraucht, die moralischen oder besser moralisierenden Wertmaßsthbe, die vielfach angelegt werden usw. sind es, die manchen den Zugang zum Judentum versperren und dieses Gebiet geistigen Lebens beim Vergleich mit dem europäischen Geistesgut, der naturgemäß immer wieder von dieser Schicht Lernender herangezogen wird, weil ja dort ihre geistige Vergangenheit liegt, verhältnismäßig sehlecht abschneiden lassen. Mehr Selbstkritik tut daher not als bisher, wenn wir uns darum bemühen, neuen Schichten, besonders jungen Mens:hen den Zugang zu jüdischen geistigen Werten zu eröffnen. Gewiß müssen wir geistige Zucht und manchen Verzicht von den Menschen unserer Zeit fordern — auch das wurde in jenem Artikel gesagt —, aber wir müssen den Versuch machen, bei der Art der Darstellung in Schrift und Rede, im Vortrag und Buch jene psychologischen Voraussetzungen zu beachten, die für weite Kreise der jungen Generation Geltung haben. Weil dies bisher nur unzureichend geschehen ist, wurde so manche Erfolgschance unnütz vertan. K. L. und Revolvern bewaffnete Männer durch den Boden in die Wohnung Schmulewicz' ein und forderten von ihm Geld. Als die übrigen durch den Lärm geweckten Hausbewohner, die 25jährige Gattin des Kaufmanns, Rachel, seine 75jährige Mutter Channa, die 23jährige Schwägerin Mirl Kaufmann und der 30jährige Lehrer Königstein, herbeieilten, begannen die Eindringenden wild um sich zu schießen und nach wenigen Minuten war die ganze Familie ausgerottet. Der Lehrer setzte sich heftig zur Wehr und wurde endlich durch mehrere Kugeln niedergestreckt. Die sehwerverwundeten Familienangehörigen wurden getötet. Ein 12jähriger Knabe und ein 7jähriges Mädchen entgingen dem Tode, weil die Schußwaffen nicht mehr funktionierten, und sie sich rechtzeitig verbergen konnten. Dann wurde die gesamte Wohnungseinrichtung vernichtet. Erst am Morgen wurde der Mord an der Familie Schmulewicz durch den zweiten jüdischen Einwohner des Dorfes, Rosenholz, entdeckt. Auf Grund der Angaben des geretteten Knaben wurden mehrere Bauern als Täter festgenommen. Den vier Angeklagten droht die Todesstrafe Von der Verteidigung sind mehrere Alibizeugen vorgeladen, von dem Anklagevertreter nur der 12jährige Jankel Schmulewicz und sein Vetter Sabbatai Rosenholz, der als erster wenige Stunden nach dem Mord in die Wohnung der Familie Schmulewicz gekommen war. Das Kreisgericht hat die angeklagten Bauern mit der Begründung freigesprochen, dal? die Aussage des 12jährigen Knaben, der dem Schicksal seiner Angehörigen entronnen ist und die Vorgänge in der Mordnacht miterlebt hat, allein zu einer Verurteilung nicht ausreichend sei. Beeidigung der Zeugin bei Rassenschande. Ein in der ..Juristischen Wochenschrift" vom 24. April 1937 veröffentlichtes Urteil des Reichsgerichts vom 12. Februar 1937 hat entschieden, daß die Frau, mit der ein lüde Rassenschande begangen hat. nicht „Verletzte" i. S. des § 61 StPO. ist, da das geschützte Rechtsgut die Rassereinheit des deutschen Volkes ist. Sie muß daher als Zeugin beeidigt werden. Auch die voll glaubwürdige Aussage des „Verletzten" (— wenn eine solche Zeugin als „Verletzte" anzusehen wäre —) muß beschworen werden; von der Beeidigung ist in diesen Fällen nur Abstand zu nehmen, wenn Zweifel an der Glaubwürdigkeit bestehen. Nedeirie-t; veriv.äen ^_ Alle (iiii'li U-bfrUung»-) Rechte vorbehalten £i.KP Bainan-frrlLjgic vok CHA3I/W SCHWARZ awtTftrTVU; t4 I ß 0 U Z 1 U. I" .),!■.<.("/ uri^. Der verstorbene Bäcker Towoh hinterließ zwei Funktionen, deren Ausübung \on zwei uns Deutschland Gekommenen übeeiuaiiivu a wurde: Brot zu backen und Post zu verteilen. Fredi übernahm die Verteilung der Post. Er subiimierte schwitzend und erzeugte einen hölzernen Karto* thekknsten mit zw eitim'zw unzir: eingesetzten 1 lolztäfelchen, von flenen jedes eine beschriftete, einen Zentimeter eingerückte Nnse hatte, so daß im ganzen zweiundzwanzig Nasen diagonal von einer Ecke des Kastens zur gegenüberliegenden eilton und ein leichtes Aufsuchen der Buchstaben ermöglichten. Eines Abends betrat er mit dieser neuartigen F.inrkhtung das Chadar Ochel (Speisesaal), setzte sich auf .«einen Platz, schluckte heftig, so sehr kämpfte er gefien den Ausdruck von Stolz, Freude, Süt.igung, der sieh immer wieder in seinem Gesicht ausbreiten wollte, seine Augen überkugelten sieh, wenn er jemanden ansah, dem er eben blitzschnell die Post herausgegeben hatte. Dieser Arme gedachte, produktiv zu sein, weil er den Meschck (Wirtschaft) eines Tits.es für seine Kölner Braut gebrauchen würde, vergaß, daß ihm alle Produktivität nicht half, solange man seine Leistungen auf das Konto von Charaklcrkomik, Pedanterie. Ordenllic.hkeit, Kartothckcnfimmel setzen konnte. Hütte Towoh seinerzeit solche Sachen gemacht, dann wiire es Binjan Hnnrez (\vfbnu des Landes) gewesen. So war es Geltungstrieb, Fischen nach Sympathie. * Schröders Vater ist plötzlich gekommen, als Tourist aus Deutschland, da kriegt der große feminine Junge vier Wochen Urlaub, und nach den vier Wochen kommt er wieder zurück und hat eine funkelnagelneue Arbcitcrmfltzo auf, die zu sehr gesteift ist und noch nicht die richtige Form hat und den düngen noch femininer erscheinen läßt. Da ist ein Geschmunzele unten im Pardess (Orangengarten), da Schröder wieder zurückkommt. Ben Ezew fragt, wie Tel Hamon auf Schröders Vater gewirkt hat, und Henriette schreit, er soll sieh nicht beeinflussen lassen von seinem Vater, er soll sieh von seinem Vater nicht „sein Tel Hamon nehmen lassen1'. Zufüllig kenne ich das Tel Tiamon von Schröder und Kunitz etwas genauer als Henriette. Sie kränkeln beide schon eine ganze Zeitlang herum. Dieser vierwöchige Bummel mit dem Vater durch Palästina hat nur ihre Freiheifssehnsticht verstärkt. Sie machen sieh das Argument Selzers zu eigen, aber wie olle l^eutc nur die erste Hftlfte des Argumentes. Es ist Mode geworden zu behaupten, daß man schöpferisch sein will und in Tel Hamon keine Gelegenheit habe zum Schaffen. Aber anstatt nach Hule zu gehen, gehen alle diese verhinderten Kolonisatoren in die Stadt oder in eine Moschawah (private Kolonie), um Geld zu verdienen. Ich glaube doch, Dajan, singt Kunitz eines Tagas, von oben anfangend, mit jedem Wort eine Terzc tiefer steigend, dabei macht er ein äußerst selbstzufriedenes Gesicht, die üri'le in dem intellektuellen Gesicht blitzt eitel, ich glaube doch, ohne c'i b verletzen zu wollen, daß du die Dinge nicht so siehst, wie sie sind, sondern so, wie du sie sehen möchtest, daß du nicht ehrlich bist und dich selbst etwa» betrügst. Sie lächeln beide ironisch im Duett, beugen sieh ün Duett vor und fixieren mich im Duett. Freilich möchte ich die Dinge so sehen, sage ich, und ihr möchtet die Dinge so sehen. Ihr habt in eurem zionistischen Jugcndhund wie im Kaffeehaus gesessen und alles schön vorgesetzt bekommen, die ganzen schönen Ideale, die ganzen Leckerbissen, aber nun sollt ihr plötzlich Chazilim (Eierfrüchte) essen, 2 Monate lan<* Teller hacken, und die Ssidur Awodah (Arbeitsverteilung) hat andere Sorgen, nls euch zu timschmusen und nach eurem Wohlhefinden zu fragen. Der eigentliche Grund sind die Chazilim und die zwei Monate Teller hacken. Daraus macht ihr große ideologische Gegnerschaften, geistige Enttäuschungen, geistige Angriffe, alles geistig, natürlich, die innere Befriedigung, die hungernde Seele, die ein hungernder Magen ist. Ihr wollt nur den Nebel sehen, der über der Erde schwebt, in fünfhundert Meter Höhe, da seht ihr mich freilieh nicht mehr, da bin ich «ueh ein Erdenwurm. Aber da» Schöne ist, daß ihr auch Erdenwürmer seid und euch heimlieh unten befindet; da sehe ich euch besser, als ihr euch selbst seht. Und ich denke: Sie sind verdorben worden von den Ssiehot (Aussprachen). Es ist gut, daß ich damals ihre Einladungen nicht angenommen habe. Sie verließen später im Duett den Kibbuz, trennten sich aber mit der Behauptung, eines Tages zurückzukehren. * Mittags kommt ein Traktorist von der benachbarten Fallcha (Getreidefeld) herüber und bittet, für den Nachmittag einen Mann zu leihen, die Ssidur Awodah habe sich heute verrechnet, ihnen fehle ein Mann, Arbeit an der Combined, S8cke binden, man arbeite ohne Mittag und mache dafür abends früher Schluß. Ich melde mich sofort und werde hinübergesehiekt. Zwei Coinbined-Mnschinen mit zwei Traktoren stellen im Weizenfeld, werden von dem Maschinisten geölt, noch einmal überprüft. Dann fährt die erste an, mit drei Mann Besatzung, einem Traktoristen, einem Messersteuer und mir. Von der zweiten Combined der Traktorist ist als vierter zu mir gestiegen, auf die kleine, hoch über dem Feld schwebende, überdachte Plattform, wo aus zwei Oeffnungen das gedroschene Korn rieselt, und zeigt mir die Arbeit. Ueber dem Geländer hangt ein Stapel Säcke, die muß man rechtzeitig an die zahnbevvehrlen Ausflußmüulei' der Combined anliängen, inzwischen wartet der vorher abgenommene Sack auf Bindung, nach der Bindung schleift man ihn auf der heftig schaukelnden Plattform zur Treppe, die indes keine Stufen hat, sondern aus einer sackbreiten Laufschiene besteht, und läßt ihn hinabgleiten, aber die .Schiene ist unten gesperrt, so daß sich etwa zehn gefüllte Silcke ansammeln, die man an einem bestimmten Funkt des Feldes durah Ruck an einem Seil befreit und die der Reihe nach sauber hinuntergleitcn, während der Fahrt, und sich im Abstand einer Runde genau wie Soldaten neben die vorigen Säcke legen. Nach einer Runde steigt der Traktorist der zweiten Combined ab, geht hinüber zu seiner Maschine und führt ebenfalls los. Erst bin ich aufgeregt, fürchte das Arbeitstempo, zu dem die Maschine zwingt, nicht einhalten zu können. Dann beruhige ich mich langsam, organisiere mir meine Arbeit, beginne aufzuatmen und um mich zu schauen. Das Weizenfeld liegt örtlich vom Pardess, in Richtung auf Bct Gimmel, grenzt auf der einen Seite an die Eisenbahnschienen in der Milte des Tales, auf der anderen Seit* an einen Feldweg, der wie eine Aufsetzungsnarbc des Gilbon ist und die ersten sanften Matten neben sich hat. Die Landschaft dieses Feldweges ist idyllisch und schweizerisch, zeigt Geröll ausgetrockneter Büche, schwarzen Pardess, Fukalyptuswald, eine einsame Riesenpalme inmitten eines tropischen Dickichtstreifens, all das auf dem weißen Grund des aufsteigenden Gesteins. In östlicher Ferne stehen ein einsame« Häuschen, das den Wassermotor Midbaria» enthält, etwas weiter

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