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Jüdische Rundschau · 1937-04-27 · Heft 33 (27.4.1937) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 33 (27.4.1937)
Date
1937-04-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 33, 27. IV. ^37 ——in Ii ^p—— JODISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Zur Notlage der jüdischen Aerzte Theater und Musik Von Prof. S. Rosenbaum, Vorsitzender des Verbandes der Jüdischen Aerzte, Gruppe Tcl-Awiw Alt einmal in Berlin die Zahl der Aerzte so anstieg, daß Ein Arzt auf weniger als 1000 Köpfe der Bevölkerung kam, erhoben sich warnende Stimmen. Aerzte wie Nichtärzte zogen das Notsignal. Eine Proletarisierung weiter ärztlicher Kreise schien unvermeidlich. In Tel-Awiw kommt heute auf 220 Einwohner ein Arzt. Dadurch, daß die Lizenzerteilung auf einen bestimmten Termin hin geschlossen wurde, kamen in wenigen Monaten 400 jüdische Aerzte, fast alle aus Deutschland, neu ins Land. Nicht genug damit. Ein großer Teil der Bevölkerung ist in der Kupath cholim versichert und damit an einen ganz beschränkten Arztkreis gebunden. Weiten Teilen der übrigen Bevölkerung nahm die Wirtschaftskrise die Möglichkeit, so ausgedehnt wie bisher ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine erfreuliche Besserung des allgemeinen Gesundheitszustandes, vor allem das Ausbleiben der Sommer-Epidemien, setzte das Bedürfnis der Bevölkerung nach ärztlicher Beratung noch weiter herab. Die Unruhen und ihre Folgen verminderten den Zugang nichtjüdischer Klientel zu jüdischen Aerzten. Die Folgen sind mehr als bedrohlich. Mindestens 200 Aerzte Tel-Awiws dürften heute nicht in der Lage sein, ihr Existenzminimum durch ihre Berufsarbeit aufzubringen. Der Konkurrenzkampf nimmt Formen an, die gerade hier unerträglich sind, wo Vertrauen zwischen Leistungsempfänger und Leistendem von entscheidender Bedeutung und höchste Kollegialität zwischen den Berufsgenossen unerläßliche moralische Grundlage der Berufsausübung ist. Der Existenzkampf fast aller Aerzte ist im Vergleich zu europäischen Verhältnissen unerträglich schwer, bei einer erheblichen Anzahl nahezu hoffnungslos. Es ist leicht vorstellbar, welches Maß von Mißstimmung sich allenthalben ansammelt. Zwar ohne Recht, aber psychologisch wohl verständlich, richtet sie sich gegen das Land und seine zionistischen Institutionen. Und dies in einer Zeit, in der Vertrauen aller Kreise des Jischuws zueinander und zur eigenen Leitung von grundlegender Bedeutung ist. Es ist ein öffentliches Erfordernis, h er Rettung zu bringen. Es geht um die seelische Verfassung und die wirtschaftliche Existenz einer der wichtigsten Gruppen des Jischuws. Es gilt schließlich das Vertrauen zwischen Arzt und Patient. Es kann nur eine konstruktive Hilfe in Frage kommen. Und diese Hilfe muß — als ein Beweis der Kollegialität und des Vertrauens zueinander — aus dem Acrztestand selbst hervorgehen. Nach der Altersgliederung kann eine B e r u f s u m - Schichtung nur in vereinzelten Fällen in Frage kommen. Es bleibt somit nur der Weg des Ausbaus einer sozialh y g i e n i s c h e n P r ä v e n t i v a r b c i t. Sic kann < i :c nicht unerhebliche Anzahl von Aerzten aus dem eigentlichen ärztlichen Wettbewerb herausziehen, sie kann gleichzeitig die Arbeit diesrr Aerzte für den Aufbau des Landes selbst nutzbar inachen. In Frage kommt die Errichtung neuer Hilfsarztsteilen in den öffentlichen Krankenhäusern, der Ausbau der Tuberkulose- und Säuglingsfürsorge, hygienischer Aemtcr für die Kolonien, die Versorgung der Turn- und Sportvereine mit hauptamtlichen Sportplätzen, die Besetzung von Sanitätsstellen und Sekretärposten mit entsprechenden Fachärzten und Jungärzten u. dgl. mehr. Die Geldaiifbringung unter den noch leidlich verdienenden Aerzten wird so erfolgen, daß — zunächst für ein Jahr — eine Verpflichtung für einen allmonatlich abzuführenden Betrag eingegangen wird. Etwa das Doppelte dieser Summe soll von bestimmten Hilfsorganisationen aufgebracht werden. Schließlich weiden die entsprechenden Behörden insofern Summen zur Verfügung stellen, als sie die Hälfte der Besoldung für die neu zu errichtenden Stellen übernehmen werden. In allen Fällen wird die Vertretung der Aerzteschaft selbst in den Konkurs-Kommissionen vertreten sein und dafür Sorge tragen, daß nur wirklich notleidende und würdige Kollegen in die betreffenden Stellen gelangen. Gewiß wird so nicht alle Bedrängnis zu beheben sein. Aber es ist so wenigstens möglich, die bitterste Not zu lindem und — was ebenso wichtig ist — die Last eines unausgefiillten Daseins von vielen zu nehmen. KKL-Arbeit in Palästina. In Tel-Awiw fand ein Empfang statt, veranstaltet von der Nationalfonds-Kommission der Olim aus Deutschland zu Ehren von Selig Tschertok, der in diesen Tagen das KKL-Landesbüro für Palästina übernommen hat. Herr Kainüü, der Vorsitzende der Landes-Kommission, hat seit 1921 den neuen Jischuw so diszipliniert, daß Erez Israel heute in der Liste der Sammelstellen des KKL mit einem Jahresergebnis von CP 40000 einen ausgezeichneten Platz einnimmt. Die Erweiterungstnöglichkeiten wachsen aber mit jedem Tag und es war ein glücklicher Gedanke, gerade Tschertok als Generalsekretär zu bestellen, der für die Probleme der Großstadt-Organisierung und zionistische Massenpropaganda im Aufbau der Berliner Zionistischen Vereinigung neue und wirksame Lösungen gefunden hat und große Erfahrungen mitbringt. Die Diskussion zeigte den allseitigen Wunsch, die Sainmciarbeit durch Ideenpropaganda zu unterbauen und neue Wege volkstümlicher Autklärung zu beschreiten. Dr. M. Nußbaum als Vertreter der Hitachduth Olej Germania, Dr. Murwitz für den Keren Hajcssod und Dr. W o I f h e i in im Namen der KKL-Kommission sagten dem neuen Leiter der KKL-Arbeit, der einen ideenreichen Abriß seiner Pläne gab, ihre volle Unterstützung zu. Der Handelsvertrag Irak-Palästina. Der im Februar zwischen Palästina und dem Irak abgeschlossene Handelsvertrag sah den Ausbau der Straße Haifa —Bagdad als Durchfuhrweg für irakische Waren und für die Einfuhr nach dem Irak vor. Diese Bestimmung des Vertrages hat in Syrien-Libanon große AufmerKsamkeit erregt, weil man einen Ausfall für die bisher über Beirut—Damaskus führende Hauptverbindungsstraße nach dem Irak befürchtete. Es waren sogleich Forderungen aufgetaucht, daß Syrien ein gleichartiges Abkommen mit dem Irak sehließe. Der französische Oberkommissar für Syrien, de M a r t e 1, der vor kurzem nach Bagdad gereist ist, hat jedoch entgegen entsprechenden Erwartungen keinen Aufschub in dem Ausbau der Straße Bagdad—Haifa erwirkt. Der Oberkommissar erklärte nach seiner Rückkehr, daß der Ausbau der Durchfuhrstraßen nach dem Irak keine große Zukunft habe. Dagegen werde man der Entwicklung des Luftverkehrs größere Aufmerksamkeit widmen müssen. Die Aussichten für einen Nachbar- und Handelsvertrag zwischen Syrien- Libanon und dem Irak seien denkbar günstig. Das Kunstinstitut in Haifa wurde, wie uns mitgeteilt wird, vor einigen Monaten von dem Maler Prof. P. K. Hocnich gegründet, der früher eine Kunstschule in Bukarest leitete. Es wird Malerei, Zeichnung und Graphik gelehrt. Der Unterricht ist nach dem Muster der europäischen freien Kunstakademie organisiert. Das Ziel ist, junge Künstler zu fördern und auch solchen, denen die Kunst nicht Beruf, sondern Entspannung nach der Arbeit bedeutet, eine solide Basis zu geben. Ein bedeutender Teil der gegenwärtigen Schüler sind Einwanderer aus Deutschland. Theafron Ivri: „Kaiser Jones" von Eugene O'Neill Tel-Awiw, Mitte April O'Neills Held, der amerikanische Nigger Jones, früherer Schlatvvagenschaffncr, hat sich auf einer kleinen Insel des Westindischen Archipels zum „Kaiser" eines dort lebenden schwarzen Stammes gemacht nach geglückter Flucht von Strafarbeit und Zuchthaus, die wegen „Mordes im Affekt" zu verbüßen waren. Von den Methoden der Weißen, in deren Diensten er stand, hat er genug gelernt, um seine primitiven, abergläubischen Untertanen völlig auszurauben und „sein Schäfchen ins Trockene zu bringen", indem er das ergaunerte Vermögen auf eine ausländische Bank verschiebt. Auf den Moment, da es mit seiner Herrschaft aus ist — und hier setzt die Handlung ein —, wartet er ohne Furcht und bestens vorbereitet. Um an Bord eines Schiffes das Weite zu suchen, muß er einen Wald durchqueren, in dem bereits Konserven-Proviant versteckt ist. Um vor Mordanschlägen sicher zu sein, hat er rechtzeitig die Sage verbreitet, nur eine silberne Kugel könne ihn töten, deren einziges auf der Insel befindliches Exemplar, als sechste nach fünf Bleikugeln, sich im Laut seines eigenen Revolvers hefindet. Im ersten Teil, an dessen Ende Jones Abschied vom Thron und der Beginn seiner Flucht steht, erfahren wir diese Einzelheiten durch den Dialog mit Smithers, einem zweifelhaften Subjekt, dem ein/igen Vertreter der weißen Rasse auf der Insel, der Jones anfänglich für seine dunklen Geschäfte ausnutzte, bis dieser ihm erheblich über den Kopf gewachsen war und anfing, Diktator zu spielen. Der Zuschauer ist also dramatisch und spannend vorbereitet, wenn der Vorhang zum zweitenmal sich hebt, um ihn die nächtliche Flucht durch den Urwald miterleben zu lassen. Wenn O'Neill den ersten Teil ohne Verwandlungen abrollen läßt, ja außer Smithers nur eine einzige kurze Episodenrolle schafft, so gliedert er den zweiten Teil in sieben Bilder, in denen er Jones, hypnotisiert von den monotonen Klängen des feindlichen Tom-Tom, der Negertrommel, die wieder allen Aberglauben in ihm wachruft, Mut und Ucberlcgung raubt und ihn im Kreise durch den Wald jagt. Gegen „die kleinen gestaltlosen Aengste" wie gegen die gestaltannehmendcn Gespenster verschießt er in pamschcr Angst seine Kugeln, zuletzt auch die silberne. Am Morgen läuft er, am Ende seiner Kräfte, seinen Feinden in die Arme und wird von ihnen zur Strecke gebracht mit — silbernen Kugeln, die die Nigger in der Nacht angefertigt haben. Der Regisseur Alfred Wolf hat erkannt, worum es dem Autor geht: ein Neger, hochbegabt und intelligent, aber immer von den Weißen mißachtet, auf Sklavenmärkten wie ein Stück Vieh verkauft, auf der Galeere geschunden, als Sträfling gepeinigt, bricht aus, gelangt zur Macht, indem er sich an das Vorbild hält, das er von der weißen Rasse empfangen hat, präsentiert sich als Herrscher und — wird grauenvoll zurückgepeitscht, bis er verendet. Diese neuerliche Metamorphose ist es, die — man könnte das Stück rückwärts spielen — nicht nur den Niedergang, auch den Aufstieg dieses Mannes beinhaltet und sie wird hier lückenlos und wahrhaft dramatisch gestaltet. Die Leistung von Abraham Sklarsch ist eine der eindrucksvollsten, die man auf der palästinensischen Bühne sah. Er gibt diesen Jones mit kahlgeschorenem wohlgeformtem Neger-Kopf, unheimlich belebt vom Ausdruck der Augen, des Mundes. Im stummen Spiel, in dessen Dienst der ganze Körper vorbildlich gestellt Von der Woche Unter Berufung auf arabische Quellen meldet „Dawar", die Kgl. Kommission habe sich an die Palästinaregierung mit dem Ersuchen gewandt, ihr statistisches Material über die während der Unruhen 1936-37 Getöteten und Verwundeten zu übergeben. Ferner habe sich die Kommission nach der Zahl der Juden erkundigt, die unter dem Verdacht der Teilnahme an gewalttätigen Handlungen verhaftet worden sind. Im Zusammenhang mit dein Raub der Viehherde von Mizpah wurde das arabische Dorf Hittin mit einer Kollektivstrafe belegt, die in Form von Geld und Gewehren zu zahlen ist. Die Tageszeitung „Haarez" meldet, der syrische Rebellcnführer Fauzi Bey el Kaukji, der die Terroraktionen in Palästina geleitet hat und jetzt von der Irak- GLAS / PORZELLAN alfred schaeffer m. d. j G. Berlin. Mauersir. 68, an der leipziger Sir. Regierung in Kirkuk interniert wurde, habe einen Fluchtversuch geplant. Er sei darum an einen Ort gebracht worden, der eine sichere Bewachung ermögliche. Die Palästina-Regierung hat beschlossen, der Stadtverwaltung von Jerusalem für das Finanzjahr 1937,38 eine Subvention von 22 000 Pfund zu gewähren. Für das letzte Finanzjahr war eine Subvention von 25 000 Pfund vorgesehen, die jedoch wegen der Unruhen nicht ausgezahlt wurde. Im Finanzjahr 1935.36 betrug die Subvention 72 000 Pfund. Die Kolonie N a t a n i a h hat beschlossen, ihren öffentlichen Garten K ö n i g - G c o r g - P a rk zu nennen und ihn anläßlich der Krönungsfeierlichkeiten einzuweihen. An der Einweihungsfeier werden High Commissioner Sir Arthur Wauchope und andere prominente britische Persönlichkeiten teilnehmen. Das wachsende Vertrauen zu den wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten des Hafens von Tel-Awiw kommt in dem Interesse ausländischer Finanzgruppen zum Ausdruck. Die französische Versicherungsgesellschaft „Socicte Generale de Surveillance" hat 400 Aktien der Tel- Awiwer Hafengesellschaft erworben. Dem Büro der Adriatica-Linie (früher Lloyd Triestino) in Haifa ist vom Hauptbüro in Italien telcgraphisch mitgeteilt worden, daß in Zukunft der Dampfer „Marco Polo" alle vierzehn Tage regelmäßig den Hafen von Jaffa und der Dampfer „E'gitto" den Hafen von Tcl-Awiw anlaufen wird. Das erste der sieben Flugzeuge, die der Palästina- Fliegerklub, Tel-Awiw, für Lernzwecke anzuschaffen beabsichtigt, ist, vom Piloten Major Ziembinski gelenkt, am Flugplatz von Ludd gelandet. Das Flugzeug ist in Polen, erworben worden. Aus A m m a n wird berichtet, daß die britische Regierung einen Betrag von 100000 Pfund zwecks Vergrößerung des Militär-Flugplatzes in Amman bewilligt habe. In Natania wurde eine Ortsgruppe der HOG. gegründet. Zum Vorsitzenden wurde D. B. Kirsch und zum Schriftführer K. Frankel gewählt. ist, gibt es kein Nachlassen der Konzentration. Die Phantasie- Uniform mit den riesigen Epauletten trägt er, ohne lächerlich zu wirken. Seine Flucht tritt er an, wie eine Vergnügungsreise, ein Mann mit guten Nerven, die langsam und grauenhaft zermürbt werden sollen vom Hämmern dieses Tom» Tom, bis schließlich nur noch der nackte Nigger herumirrt, der elend verreckt. Leider ist Aharon Freitag als Smithers im wichtigen Dialog des ersten Aktes kein ebenbürtiger Partner. Er kommt über das „Stichwort-Geben" kaum hinaus. Schon als Typ eine Fchlbesetz.ung läßt er vieles vermissen, was an kriecherischer Verschlagenheit und auch an Energien in diesem kleinen Gauner steckt. Hingegen werden zwei Chargen von Sarah M e I e r o w i t s c h und Chaim Fisch eindringlich und verständnisvoll betreut. Wölls Inszenierung gewinnt vor allem durch die hervorragende Eingliederung der Tanzgruppe Gertrud Kraus, der die Gestaltung der „Erscheinungen" anvertraut ist. Die geräuschlose Szene der ..Sklaven-Versteigerung", nur unterbrochen von der schrillen Glocke des Auktionators, ist ein Höhepunkt der Aufführung. Gertrud Kraus selbst, der die Choreographie zu danken ist, holt aus dem hypnotischen, unheimlichen Tan/des ..Medizinmannes" stärkste Wirkung. In zwei anderen Bildern hingegen scheint das Tänzerischstatt des Schauspielerisch-Pantomimischen bei der Gruppe ein wenig zu betont. Das Bühnenbild von Esther L ti r i e ist besonders im zweiten Teil gelungen, die Kostümfrage — bis auf den Anzug von Smithers •- gut gelöst. Die hebräische Version stammt von Abraham Schlonski. Maufred G ei s Konzert des Paliistina-Orthesters Steinbergs drittes Konzert in Palästina hinterließ den Eindruck sachlicher, misentiment.-ilrr, rhythmisch gew. liärfter, formal durchdachter, diirchgeglioderter Gestaltung. Das bekundete sich an den drei letzten Sätzen von Beethovens 7. Sinfonie, die mancher Vorahnungen voll ist. Peitschenrhythmen erinnern au das Scherzo der „Neunten'', «'tun sie auch in der „Siebenten" noch weniger bedeutsam wirkm. Manches Rhythmische wurde von Stcinberg etwas übertrieben, zu sehr al fresco behandelt: dagegen erschien legiertes nicht mit genügender Deutlichkeit. Trotz gutaufgebatiter Steigerung im zweiten, dritten und vierten Satz, trotz plastischer Hcraushebunf der fundamentalen Grundrhythmen, trotz ziinitvoüctn Respekt vor der Partitur kam kein überwältigender Eindruck zustande: das Werk wurde doch zu sehr auf c i n e Formel abgestellt, es wurde nur die eine, dynamisch-rhythmische Seite ncrausn.odelliert, zu Ungunsten der Details und emotioneller Inhalte. Gewisse zu starke Kontraste wirkten zu unklassisch. Jacob Bernstein, Konzertmeister und Solo-Cellist des Orchesters, hat mit der Darstellung des Cellokonzerts von Saint-Saens einen sehr angenehmen künstlerischen Findruck hinterlassen. Bernstein ist kein überragender Virtuose, aber doch ein ausgezeichneter Techniker, vor allem ein überaus empfindungsvoller, abgerundeter Gestalter, gleichzeitig Besitzer eines wunderschönen Tons. Zu Anfang des Konzertes hörte man die bereits vor zwei Jahren hier durch Taube erstaufgeführte „Ouvertüre für Orchester" von Erich Walter S t e r n b c r g ein ausgezeichnet instrumentiertes, wenn auch nicht sehr übersichtliches Werk. Alice Jacob-Loewenson Generalstreik der Araber in Safed Jerusalem, 25. April. (JTA.) Die Araber von Safed haben zum Protest dagegen, daß ihnen eine Kollektivstrafe von 150 Pfund auferlegt worden war, nachdem Araber einen Drusen attackiert hatten, der bei einem i ü d i s c h e n Uhrmacher eine Uhr gekauft hatte, am Sonntag den Generalstreik proklamiert. Die Behörden haben den Termin für die Zahlung bis Montag' verlängert. Obwohl eine Delegation arabischer Notabeln aus Safed dem Distriktskommissar versprochen hat, bei der Aufbringung des Betrages für die Kollektivstrafe mitzuwirken, konnte die Einsammlung des Geldes bis jetzt nicht, durchgeführt werden. Die „Ahawah" feiert. „Drei Jahre in Erez Israel. — Ein Jahr aut dem Boden des Keren Kajemeth" lautete :!is Motto, unter dem mehrere Festtage der „Ahawah" sfamun. W i'irend am Schabbat in einer Ssucha mit Linst Simon über das Thema „Institut, Kihbuz, Jugendbewegung als F.rziehungsfaktoren für die Jugcnd-Aiijah aus Deutsehland" sehr lebhaft diskutiert wurde (ein Protokoll dieser Erörterungen soll demnächst veröffentlicht werden), galt der Sonntag der größeren Gemeinschaft der Insassen des „Ahawah"- Heimcs, der früheren Zöglinge, der Eltern, der Lehrer und zahlreicher Gäste aus der Umgebung. Hermann Struck, der Vorsitzende des Kuratoriums, wies auf die Entwicklung der „Ahawah" während des letzten Jahres bin und begrüßte vor allem den vornehmsten Gast, der an dieser Feier teilnahm: Mrs. Henrietta S z o I d, die init bewundernswerter Frische von Anfang bis zu Ende an allen Darbietungen lebhaften Anteil nahm. Ein Lehrer des Heimes entwickelte die Grundsätze der Erziehung, wobei er auf die alte Tradition hinwies, die die „Ahawah" bereits aus Berlin nach Erez Israel mitgebracht hat. Im Mittelpunkt des Erziehungsjgedankens stehe jetzt die Arbeit, und die 20 Dunam, die die „Ahawah" besitzt und die von den Schülern selbst bebaut und bepflanzt werden, legen hiervon Zeugnis ab. Neben der religiösen Ausrichtung der Erziehung steht ferner die Erziehung zur Gemeinschaft, wobei der Redner betonte, daß die Kinder aus Deutschland mancherlei mitbrächten, was zur Förderung des Gemeinschaftslebens beitragen könne, z.B. die Liehe zur Musik und zur Kunst. — Schließlich nahm Mrs. Szold das Wort und machte zuerst die erfreuliche Mitteilung, daß sie neue Zertifikate für Jugend-Alijah erhalten habe. Sie schweifte mit ihren Gedanken zurück in die Zeit ihres letzten Besuches in Berlin und erzählte von ihren Eindrücken im „Ahawah"-Hcim in der Auguststraße. Sie erinnerte ferner an die Ankunft der ersten „Ahawah"- Gruppe in Palästina, bei der sie von der Menge der Menschen überwältigt war, die an diesem Ereignis Anteil nahmen. Sie wünschte zum Schluß der Leiterin des Heims, Oberin Berger, noch lange Jahre des Wirkens und dankte schließlich der Siedlung dafür, daß sie eine neuerbaute Straße mit ihrem Namen benannt hat. Dann folgte eine hinreißende Aufführung der Bauern-Kantate von Bach unter der Leitung von Hans Eisenstädt. Das Orchester bestand aus Liebhabern, der Chor wurde durch die „Ahawah" gestellt — und alles verschmolz zu einer Einheit. Die zwei Soli waren hervorragend vertreten durch «ine Chawerah aus Criwath Brenner und durch einen Chawer aus Matelen. Der Beifall am Schluß wollte fast kein Ende nehmen. Zum Schluß spielte man im Freien die Rüpelszenen aus Shakespeares „Sommer' nachtstraum". Das war als szenischer Eindruck, wie als Ausdruck eines neuen Lebensgefühls überwältigend. N, (Schluß des Palästinateils)

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