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Jüdische Rundschau · 1937-04-27 · Heft 33 (27.4.1937) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 33 (27.4.1937)
Date
1937-04-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33, 27. IV. 1937 JODISCHE RUNDSCHAU Seffe 7 Wie gestalte ieh den Schabbat? Für Schabbat, 1. Mal Wochenabschnitt: „Emor" (III. B. M. Kap. 21-25). Zum Wochenabschnitt Diese Sidrn enthält das Gebot des „Omer"-Z;ihIens. Nach dem Lernen der betreffenden Stellen spreche man über Lag b'Omcr, das in diese Woche fällt. Literatur: „Zahlet die Tage" (Hcchaluz-Verlag) und Moritz Zobel: „Das Jahr des luden" (S. IS'j). Die Vorschriften über „Zedaka" II Jeder ist verpflichtet, Zedaka nach seinem Vermögen zu geben. Sogar der Arme, der sich von der Zedaka ernährt, ist verpflichtet, von dem, was mau ihm gibt, Zedaka zu geben. Sogar wenn er nur sehr wenig geben kann, soll er sich nicht zurückhalten, denn das Wenige aus seiner Hand zählt wie Vieles aus der Hand des Reichen. Ob einer viel oder wenig gibt — nur daß er sein Herz richte auf seinen Vater im Himmel. Wer aber nur grade genug für sich hat, braucht keine Zedaka zu geben, denn seine Ernährung geht der eines jeden andern vor. Wieviel soll man dem Armen geben? — „Genug für seinen Mangel, -- woraus ihm ermangelt". Das heißt einem Armen, der im Geheimen nimmt, müssen die Leute soviel geben, wie er es gewohnt war, bevor er verarmte. Dem Armen jedoch, der an die Türe kommt, gebe man eine kleine .Gabe, je nach Belieben. Man muß ihm jedoch in jeder Stadt wenigstens Brot und Speise für zwei Mahlzeiten geben und einen Platz zum Uebernachten. Man soll die nichtjüdischen Armen mit den jüdischen Annen ernähren und kleiden. Wer sich ein Verdienst erwerben will, bezwinge seinen bösen Trieb, und gebe viel. Jede Sache, die für Gott ist, soll vom Besten sein. Baut er ein Beihaus, sei es schöner als sein Wohnhaus. Speist er einen Hungrigen, gebe er ihm vom Besten auf seinem Tische. Bekleidet er einen Dürftigen, bedecke er ihn mit seinem besten Gewand. Weiht er etwas dem Heiligtum, weihe er es vom Schönsten. (Nach dem „Kizzur Schulchan Aruch".) J. E, Die Entwicklung der Aggadah (XII) Aqqadlsche Persönlichkeiten: 11. R. Tanchuma b. Abba, den wir als letzten erwähnen wollen, gehört der fünften und damit der letzten Amoräer - Generation des 4. Jahrhunderts in Palästina an. Er beschließt auch die Reihe der bedeutenderen palästinensischen Aggadisten, Sein Lehrer war der bereits erwähnte R. Huna, in dessen Kamen er sowohl lij.achische wie pggadische Traditionen überliefert. Besonders bekannt waren seine Kontroversen und Rcligionsgespräche, die er mit Andersgläubigen geführt hat, wobei er immer die Gelegenheit wahrnahm, die Reinheit und Erhabenheit des jüdischen Glaubens zu verteidigen. Von R. Tanchuma stammt eine große Anzahl von Proömien (Einleitungen, nwnQ) in Pessikta Rabbati wie in den seinen Namen tragenden Tanclunna-Midraschim. Es wird angenommen, daß er bereits mit der systematischen Sammlung und literarischen Fixierung der Aggadah begann, zumal gerade in Palästina zu jener Zeit auch der jerusalemische Talmud abgeschlossen worden ist. Der verdiente Erforscher der Aggadah, Wilhelm Bacher, führt in seinem Werke „Die Aggadah der Palästinensischen Amoräer", III, 502 f. folgendes über die Tätigkeit Tanchumas aus: „Es steht nun gar nichts der Annahme entgegen, daß Tanchuma es unternahm, die aggadisrheu Schriftauslegungen, wie sie sich in den Vorträgen der Synagoge und des Lehrhauses im Anschlüsse an die Perikopen entwickelt hatten, zu sammeln und einheitlich zu redigieren", wobei angenommen wird, daß Tanchuma zwei Sammlungen aggadiseher Vorträge angelegt hat, die zwar nicht mehr in ihrem Ursprung erhalten,' aber als Grundlage den be:den Pessiktas (Pessikta de R. Kaliana und Pessikta Rabbati) und Taucliuma Midrasehim gedient haben. Es soll noch darauf hingewiesen werden, daß von dem eigentlichen Midrasch Tanchuma (vgl. diese Rubrik „Jüdische Rundschau" Nr. 15 vom 23. Februar 1037) zwei Fassungen vorliegen. Die ältere, die von Snlomon Bubcr (dem Großvater Martin Buhers) im Jahre 1SS5 herausgegeben Jiddisches Theater in Amerika Wie wir amerikanischen Zeitungen entnehmen, hat Morris Schwarz mit seinem jiddischen Künstler-Theater die Saison am Broadway, wo er den Winter über an der 49, Straße gespielt hatte, abgeschlossen und ist in der D hei bekannte jiddische Schauspieler New Yorks. Von links nach rechts: Morris Schwarz (der Thctitcrdirektor), Max Wilner und Michul Michalcsho a« „N, V. Tim-»" Peßach-Vi'ochc in das Parkway-Theater nach Brooklyn übersiedelt. Er spielt die Titelrolle in einer musikalischen Volkskomödie von Jacob Präger. Inzwischen spielt das Ensemble des Parkway-Thcaters in einem Hause der Eastside ein Drama von I. Lilliput „Sünden der Mütter". Michal Micha- I e s k o gibt die Hauptrolle in einer musikalischen Komödie „Eine Judenhoch/eit" von William Siegel. Eine andere Theatergesellschaft, an deren Spitzc der Schauspieler Max Wilner steht, spielt in der nördlichen Vorstadt New Yorks, in Bronx, eine Komödie gleichfalls von William Siegel „Der Stadtnarr". Mciiasba Skulnik ist der Siar und Joseph Rum* shiusky der Komponist einer musikalischen Komödie „Der galizischc Rabbi" im Jiddischen Volkstheater. Die amerikanischen Blätter berichten über die jetzt abgelaufene Saison des jiddischen Theaters. Die gespielten Stucke scheinen jedoch ziemlich minderwertig zu sein. Es handelt sich meist um sogenannte musikalische Komödien, die auch jetzt noch das jiddische Theater fast vollständig beherrschen. Größere Aufnterksamki.ii findet die Dramatisierung eines amerikanischen Romans von Sinclair Lewis, die in einer jiddischen Version gespielt wurde. Die „New York Times" hebt hervor, daß sich bei dieser Gelegenheit gezeigt habe, daß die jiddische Sprache durchaus geeignet zur Darstellung amerikanischen Lehens auch außerhalb der jüdischen Sphäre sei und daß das jiddische Thealer auch ernste Stücke spielen könne. Eine andere jiddische Produktion von Interesse ist ein jiddischer Tonfilm „jidel mit der Eiedel'1» dessen Star Molly Picon ist. Besonders gerühmt wird in diesem 1 ihn eine Szene, in der ein häßlicher, alter Mann, Reh Gold, ein junges Mädchen als dritte Frau heiratet und diese während der I loch/eit inst den Musikanten davonlauft. Es folgt dann eine echt amerikanische Eilmhandluug, denn die davongelaufene Braut geht, als Musikant verkleidet, nach Polen und hat dort verschiedene Theatererlebnisse, bis sie schließlich als großes Sängei intaleut eindeckt wird. Es wird hervorgehoben, dal! der Film sehr schöne Aufnahmen der polnischen Landschaft enthält. wurde, und die jüngere meist verbreitete und seit dem 16. Jahrhundert wiederholt gedruckte Fassung. Lehren und Ausspruche: So wie in dem Gewürzkasten alle Arten von wohlriechenden Stoffen enthalten sind, so muß der Taliuid Chacham voll sein von allen Arten des Wissens: Bibel, .Mischnah, llalachah und Aggadah (Schir lia-Schirim R. 5, 11). — Ein Königskind schlief in der Wiege. Neben ihm war seine Amme „grübelnd und bangend". Weshalb? Weil sie daran dachte, was sie dereinst durch dieses Kind zu leiden haben wird. So schaute auch die Erde, was sie einst durch den Menschen leiden werde (wegen der Verfluchung I.B. M. 3, 17), und sie war „grübelnd und bangmd" (TO! Wm Ber. R. 2,3. — Von ihm stammt auch der bemerkenswerte Ausspruch: Wenn dir ein Nichtjude den Segensgruß entbietet, antworte darauf „Amen". Die späteren Midrasehim. Viele von den Arnoräern geschaffene Midrasch-Wcrkc haben ihren Abschluß und Niederschrift erst im Zeitalter der Gconim gefunden, obwohl ihr Grundstock einer früheren Zeit angehört. Zu den späteren Midrasehim zählen wir den S c h m o t h R a b b a, zu dem II. R. M., der viele Entlehnungen aus früheren Werken aufzuweisen hat. Dasselbe gilt auch vorn Bamidbar Rabba zu dem IV. B. M. Der jüngste der fünf Midrasehim zum Pcntateuch scheint der De war im Rabba zum V. B. M. zu sein, der etwa um ODO in Byzanz entstanden ist. Die enzyklopädischen Midrasehim, die Rabbot, zu den fünf Büchern Moses sowie zu den fünf. Rollen oder Megillot, gehören zu den verbreitefsten. Von den übrigen biblischen und prophetischen Büchern sind es wenige, die eine midraschische Auslegung erfahren haben. J.M. Selbständige Mit Rücksicht auf die letzten Erklärungen des Stabschefs des „Lagers der nationalen Einigung", Oberst K o w a I e w s k i, aus denen hervorgeht, daß auch zur polnischen Nationalität sich bekennende Juden nur in seltenen Ausnahmefällen Aussicht haben, in das Regierungslager aufgenommen zu werden, ist eine für Anfang Mai einberufene Konferenz, auf der ein „jüdischer Sektor" des Lagers gebildet werden sollte, abgesagt worden. Die Konferenz war von einigen extrem assimilatorisch eingestellten jüdischen Gruppen geplant gewesen. Ernst Salomon Konlowitz: Die Abhängigkeit Thomas von] Aquins von R. Mose ben Maimon. — Selbstverlag, Mit, S. P. 17, Polen. Seit den letzten Jahrzehnten des 10. Jahrhunderts ist die thouiistische Philosophie, von der Empfehlung der Päpsie getragen, maßgebend für die Stellungnahme des Katholizismus zur modernen Wissenschaft ^oworden. Die Prinzipien, nach denen Thomas von Aqttin im Ii. Jahrhundert den christlichen Glauben und das Handbuch der damaligen Wissenschaft, Aristoteles' Werke, in Einklang gebracht hat, sind heute Grundlagen fast des gesamten katholischen Schrifttums auf allen Gebieten. Das vorliegende Werk, welches den Einfluß der lateinischen lÜ bersetzung vor. R. Mose bert Maimons „More Nebuchini" (Führer der Unschlüssigen) auf Thomas von Aquin behandelt, setzt sich mit den neuesten Forschungsergebnissen auseinander; für Thomas wird auch! die besondere viele hundert Bände umfassende französische! Literatur berücksichtigt. Das Problem von Glauben und Wissen, von Theologie und Wissenschaft, hat für Thomas und seine Vorgänger eine andersartige Bedeutung als für die jüdischen Philosophen. Trotzdem zeigt sich schon für dies Problem, daß sehr oft, wenn Thomas von Augustinus und seiner durch acht Jahrhunderte die christliche Philosophie beherrschenden Schule abweicht, er dies unter dem Einfluß des „More Nebuchim"_ tut. Thomas gibt übrigens selbst an vielen Stellen „Rabbi Moses" als seine Quelle an. Die Stärke von Maimonides Einwirkung erweist sich auch darin, daß Thomas zunächst zwischen den Darstellungen dir göttlichen .Attribute im More und bei den christlichen Philosophen keinen Widerspruchsehen will. Albertus Magnus und Thomas von Aquins Auseinandersetzung mit rier griechischen Lehre von der Ewigkeit der Welt baut weitgehend auf der Lösung von R. Mose ben Maimon auf. Maimonides Ausführungen über den Sinn der biblischen Gr hole finden sich mit geringen Abänderungen in Thomas Hauptwerk wieder. Der Vergleich der verschiedenen Weike von Thomas, (las Beachten ihrer Zoitfoltfe und der Systeme von Tho- Vorgängcni bringt sehr viel N\ T." licht. Es zeigt sich ferner, daß gerade das Neuartige und Bahnbrechende an Thomas Lehre, die S e i n s p h i I r> s o p h i Cj von R. Mose ben Maimon weitgehend abhängig ist. auf einem Iliitiel die hohläugigen Zrifmincn (Rnrnckcnruincn) des alten Midbarir.s, hinten lugen hinter einem Berg dia Fiuhsohren Kolkalns und Bot Gimmels hervor, der Blick verliert sieh schließlich im Blnu der trans jordanischen Berge, im Unendlichen des Himmels, der sich nneh Arabien hinüber- .spannl. Und in dieser Landschaft bewegt sieh ratternd der hohe Turm der Combincd, gezogen von dem kleinen Zupticr des Ratipenlraktors, die zuckenden Mosserkämme fahren in die Halme, Weizen und Disteln werden nbgesehnittert, manchmal sind reine Dislelinseln in dem Feld, dann muß der Steuerer auf dem Turm das Steuerrad herumwerfen, so daß die Messer nach oben schweben, auch große Basaltblöcke liegen im Weg und zwingen zur Aufmerksamkeit. Hinter den Messern in ganzer Breite schaufelt ein Schaufelrad das Getreide rückwärts, nuf das vor den Messern in ganzer Br«tte laufende Band, das die stürzenden Halme im Knie auffängt ond nach oben tragt, hinein in die Dresch- und Kläranlagen der Combincd. So arbeitet der Motor, rattert die fahrende Tenne um das Viereck des Feldes. Der Weizen wird gedroschen und in Säcke gebunden von den Autos und Wagen heimgeholt. Das Emek liegt in Sommerglut, man geht der Weinernte entgegen. Es ist die Zeit der Feldbrande. Fast kein Tag vergeht, ohne daß irgendwo Flammen tanzen, Rauchschwaden aufsteigen. Das Land hat längst die grüne Fnrl>c des Frühlings verloren, ist grnu geworden. Noch gibt es Felder, wo die Disteln mit den Wurzeln in der Erde stehen, aber sie stehen nur zum Sehein, sind tot und haben die Farbe des Strohs. Abgesehen von Selbstentzündung, Verwandlung kinetischer Energien, gibt es hauptsächlich zwei Brandstifter: Die Eisenbahn, aus der bei der Vorbeifahrt brennende Zigaretten, Funken oder glühende Kohlen fallen, und zweitens der Arbeiter, der eine Ecke Distelfcld in Brand setzt, ohne den Brandherd vorher genügend isoliert zu haben. Man löscht, indem man mit trockenen Sacken auf die Flammen schlügt oder mit dem Traktor rasch einen Isolierstreifen pflügt, in dessen Rahmen das Feld ausbrennt. Einmal sieht man vom Pardess aus, daß es auf dein Gilhoa, rieben dem Kerem (Weinberg) von Midbaria brennt, l angsam steigt der Brand den Berg hinauf, es ist ein, Brand, der das Emek zu verschlingen, dessen Rauchwolken das Emek zu verdunkeln seheinen. Schon sieht man von ollen Seiten Wagen und Autos über die Felder fahren, da zerschlagt sich der Brand plötzlich an den Steinen des Gilben, verstummt und erstickt, so daß die Wagen und Autos in der Mitte, des Weges kehrtmachen, nur einige Reiler galoppen quer zur Brandstelle, um die Nachricht heimzubringen, daß kein Sachschaden angerichtet ist. Jedenfalls bleibt das ganze Jahr ein schwarzer Keil auf dem Abhang des Gilboa. Midbaria scheint vom Rrandtcufel verfolgt zu sein. Eines Schobhatnaohmittags um etwa fünf Uhr wird in Tel Tiamon plötzlich heftig gelautet. Man tritt aus den Zelten, Baracken, Steinhäusern heraus und sieht im benachbarten Meschek Midbarios Rauchwolken aufsteigen. Man läuft hinüber, findet dort den Kuhstull in Flammen, der unmittelbar an einen mit der ganzen Gersten- und Weizenernte angefüllten Speicher grenzt. Die Kühe sind gerettet, jetzt gilt es, die Ernte zu retten. Schon brennt die Zwischenwand, Steinteile, Eisenstangen, glühende Balken beginnen, nuf die Säcke zu fallen. Gerade an diesem Tage ist die Jugend Midbarin* auf Tijul (Wanderung), die Alten sind froh, daß Tel llamon anrückt, und überlassen fast die ganze Arbeit den Nachbarn. Man stopft sich Taschentücher in den Mund und dringt in den verqualmten Speieher ein. Je zwei Mann packen einen Sack und schleifen ihn hinaus. Inzwischen machen die andern Luft, reißen das Dach auf, zerstören die Fenster, stemmen sich gegen Ilolztcile, die zu glimmen beginnen, und brechen sie heraus. Es ist ein Gehaste, Geschrei und Gelaufe, neben Flammen, Rauch und krachenden Wanden, Ich selbst klettere nach oben, hfinge mich an einen brennenden Balken und stürze mit ihm zusammen hinunter. Ich bin außer mir. Ich fühle, daß der Arbeiter des Emek seine Arbeit verteidigen muß. Ein Alter aus Midbaria klopft mir auf die Schulter. Ich tobe, schleppe Sticke, rüttele an Holzteilen, die Augen tränen mir, die Lungen sind wie verpestet von Rauch, ich spucke Ruß und Schleim. Während man die letzten Säcke packt, stürzt die Verbindungswand ein, lohen Flammen und Glut wie aus einem Hexenkessel herüber und drohen, die Augen zu versengen. Den Männern ist alles gleichgültig. Sie retten die Ernte. Einem brennen die Hosen. Fr zieht sie aus, trampelt die Flammen nieder, zieht sie wieder an. Jetzt muß der Speieher isoliert, der Brand selbst bekämpft werden. Es zeigt sich plötzlich, daß das Wasser nicht reicht. Etwa zweihundert Menschen beginnen, mit den verschiedensten Geraten nach Wasser zu laufen, während eine kleine Gruppe die Betonmauer des brennenden Kuhstalls erklettert und nach dem System der Kette die gefüllten Eimer und Kannen bis zur Spitze gelangen läßt, wo ein Schlosser ans Tel Hamon steht, ein kleiner, verrußter, teuflischer Kerl, der früher einmal irgendwo in der freiwilligen Feuerwehr gewesen wur und heute die Sache leitet. Von den entferntesten Punkten, in den sonderbarsten Behältern holt man Wasser, schließlich fahrt das Lastauto Tel Hamons mit gefüllten Fassern heran. Bei Einbruch der Dunkelheit ist der Brand Isoliert, Oberin«'-en die vernünftigen Leute den Rest des Kuh'Unlles seinem Hihicksnl, bitten um Ablösung und werden abgelöst von der Jagend, der ans Deutschland» der palästinensischen und der stitnielialu/is;!u-u (allgemein chaluzischen). Und \\ :;,i'en<l die Alten mich Ilau-se gehen, um sieh zu waschen, bleibt div .luvend i'o> Ii auf den rauchenden und glimmenden, mnnehiisal von nieder aufzuckenden Flammen beleuchteten Ruinen, schottet Wasser. Auch ich! stehe oben auf der Mauer. Ich fühle mich anfangs nicht; wohl, die Mauer ist dreißig Zentimeter dick, im Rücken zehn Meter senkrechter \b«rrtmtl, nach der anderen Seite eine höchst vage Masse, nasses verbranntes Stroh, Bretter, Balken, halb verkohlt, schräg aufstehend, alles ist unbestimmt, und in dieser Unbestimmtheit inuis man sich ludencierend haben, die nicht leichten Eimer weiterrekhen, an der Spitze wird ständig nach Wasser geschrieen, die leer zurückkehrenden und die gefüllt hinaufgehenden Eimer kreuzen sieh manchmal unangenehm. Es ist Nacht, alle Dimensionen wachsen, die Löschmannschaft schwebt abgerissen zwischen Himmel und Erde. Dabei bewegt sich die Kette langsam vorwärts, die Leute von der Spitze geben wieder nach unten an den Anfang, dio Leute vom Anfang rücken langsam nach zur Spitze. Schließlich stehe auch ich vor den Flammen, muß Wasser schütten. Ich bemerke die Planlosigkeit, mit der man vorgebt, überall, wo eine Flamme auftänzelt, wird sofort aus den Eimern das Wasser hingeschleudert, ohne dafi man sich kümmert um die Frage, wo denn nun eigentlich' der Brandherd ist.. Nach zwei Stunden ist die I nge genau die alte. Einer von der Jugend steht auf den rauchenden Trümmern und sehreit begeistert: Die Jugendalijah hält dio entscheidenden Positionen. Ein anderer schreit: Wo ist der alt© Jischuw? Und ein Sprechen or antwortet ihm: Im Keller. Ganz verrückt sind die Mädchen der Jugendalijah' geworden. Die Nacht, das Feuer, das nn den unteren Wänden und Fundamenten des Kuhstalles zu fressen beginnt, dio Silhouetten der heftig arbeitenden Gestalten auf dem Dach' begeistern diese romantischen Mädchen derart, daß sie zu singen beginnen, jenes Lied mit dem Refrain: Wir verbrannten, verbrannten, verbrannten die Brücke. Sic singen ernsthaft, mehrstimmig, voll Gefühl. Der Kuhstall ist dio Brücke geworden. Aber wohin, das verraten sie nicht. Schließlich erkenne ich diesen ganzen lächerlichen Zustand und gehe nach Hause. Vor dem Chndar Ochel in Tel Hamon ist ein Eimer mit verdünntem Lysol aufgestellt. Es ist ein Schild aufgehängt, das die ('hawerim bittet, ihre Schuhe in diesen Eimer zu tauchen und außerdem möglichst nicht an den Kuhställen vorbeizugehen, weil in Midbaria dio Kühe an einer ansteckenden Krankheit leiden. Wochenlang danach noch riechen die Kleider nach Rauch. (Fortsetzung folgt)

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