Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 33 (27.4.1937)
- Date
- 1937-04-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 33, 27. IV. 1937 lind mit dem Pathos, das allein imstande ist, politischen Erklärungen Widerhall beim Gegner und Geltung in den eigenen Reihen zu verschaffen, feststellen, dann dürfte wenigstens bei den besonneneren Schichten de« arabischen Volkes und wohl auch bei den Arabern der umliegenden arabischen Länder die Erkenntnis wach werden, daß wir nicht nach Palästina gekommen sind, um die Araber zu vertreiben, sondern um gemeinsam mit ihnen irn Rahmen der gegebenen natürlichen Möglichkeiten das Land zu entwickeln. Es gilt ja, Befürchtungen zu überwinden, die gewiß unbegründet sind, denen gegenüber aber manche Ausdrücke, die wir in der Vergangenheit und bis in diese Tage hinein zu gebrauchen pflegen, weil sie propagandistisch wirksam sind, die Rolle eines erregenden Stimulanz spielen. Wie lange Schwaigen wir noch? Die Kraft" eines „palästinensischen Patriotismus" sollen mobilisiert werden. Das ist allerdings nicht nur eine Angelegenheit des üefühls und noch so gut gemeinter Redensarten, sondern zugleich eine Sache der Ueberlegung und Planung. Man kann heute nicht mehr in allgemeinen Worten die Zukunft Palästinas ausmalen, sondern die Dinge sind soweit gediehen — ob mit oder ohne unseren Willen, ist dabei ganz gleichgültig ~, daß man im einzelnen sagen muß, wie diese Zukunft aussehen soll. Das bedeutet in erster Linie, eine Vorstellung von der zukünftigen Form der Verwaltung des Landes und von den Institutionen seiner Regierung zu besitzen, insbesondere aber zu sagen, wie man sieh die Beteiligung der Bevölkerung an der Regierung vorsteilt. Die allgemeine Tendenz einer Anteilnahme der Bevölkerung an den Regkrungsge-cbifferi, die in allen Hindern des Vorderen Orients zu bemerken ist, hat in dieser Zeit in Palästina zu einem vehementen Durchbrach geführt. Die Form, in der dies geschah, ist tief bedauerlich, sowohl im Interesse des Landes selbst wie in dun der jüdischen Arbeit; damit wird die Sache selbst aber nicht weniger bedeutsam. Von jüdischer Seite ist bisher kaum etwas darüber gesagt worden, wie wir uns die (iestaltung dieser Rcgicrungsveih.iltnisse denken. Als vor zwei Jahren von Sir Arthur W;t iicho p e der Vorschlag eines Legislative Council gemacht wurde, lehnte ihn der Kongreß in Luzern einstimmig ab, und es gab in der ganzen zionistischen Welt kaum eine Stimme, die es wagte, dieses Projekt zu unterstützen. Heute tauchen hier und da im jüdischen Kreis Gedankengange auf, die an Wauehopes Vorschlag anknüpfen und ihn zur Basis der Neuregelung der staatsrechtlichen Verhältnisse Palästinas machen wollen. Ob es für diese Einsicht nicht schon zu spat ist? F.s ist sehr zu befürchten, daß die anderen Partner, auf die es ankommt, nämlich in erster Linie Englands offentliehe Meinung und Regierung, sich heute von dieser Sache nur noch wenig versprechen. Man hat sodann von unserer Seite in Weiterentwicklung jener Gedanken, die auch in dem Legislative Council-Projekt eine Rolle spielten, die Idee der politischen Parität in der Regierung und Verwaltung Palästinas aufgestellt. Dr. W e i z m a n n selbst war es, der diesen Gedanken schon 1031 formuliert hat. In der gegenwärtigen Diskussion konnte man sich jedoch wiederum nicht entschließen, eine solche Idee in autoritativer Weise als jüdischen Vorschlag für die Befriedung des Landes auszusprechen, und die zionistische Parteimaschineric hat es zuwege gebracht, daß bis heute überhaupt noch gar kein Vorschlag von unserer Seite in die Diskussion geworfen wurde, der mehr als die persönliche Meinung dieses oder jenes Mannes darstellt. Schweigen kann in mancher politischen Situation gewiß nützlich sein und besser als vorzeitige Preisgabe der eigenen Antobt; aber man muß wissen, wann man dieses Schweigen zu brechen hat, und wann der Augenblick gekommen ist, um selbst einen konstruktiven Beitrag zur Losung des Problems zu geben. Es ist stets gefährlich, sich von der Entwicklung treiben zu lassen, deren Richtung dann allzu leicht gegen die eigenen Interessen geht Grundsätzliche Lösung tut not! Heute sind die Dinge so weit gediehen, daß eine grundsätzliche L ö s u n g der Trage nicht mehr zu umgehen j.st. Wir seilten uns selbst dagegen nicht strauben, nachdem bei allen bisherigen Anlassen kaum etwas Positives zur Erlficbtciung des Problems getan worden ist. So gut gemeint auch dieser oder jener Vorschlag eines „Araberprogramms" sein mag, das leicht aufgestellt werden kann, wie etwa wirtselnftiiciie Kooperation und ähnliches, er kommt Vit!c Jahre zu sp ,• t. Wurde heute eine Behandlung der Frage akzeptiert werden, die an dem gegenwärtigen Zustand nichts ändert, sondern versucht, mit den bisherigen Mitteln der Verwaltung die Dinge weiterlaufen zu lassen, so müßte die jüdische Arbeit in Palästina aufs schwerste gefährdet werden. Beispiele aus anderen orientalischen Ländern (und sogar aus Europa, siehe Irland) zeigen, daß es möglich ist, den Terror jahrelang fortzuführen, wenn nur eine entschlossen Minderheit es will. So gut der Jischuw nun auch die Ereignisse des abgelaufenen Jahres psychisch und materiell ertragen hat, so klar ist es doch, daß auf die Dauer die Entwicklung des jüdischen Kolonisationswerkes in einer Atmosphäre de-; Bürgerkrieges nicht möglich ist. Darin aher liegt die Gefahr des Neinsagens zu jenen Vorschlagen, die von der englischen Seite gemacht werden. Besonders riskant erscheint diese Ablehnung, wenn sie von beiden Seiten, Juden und Arabern, teilweise nicht so srhi aus einer sachlichen Gegnerschaft gegen ein Projekt selbst vorgebracht wird, sondern aus rein taktischen E r \\ ä (jungen. Es besteht die Gefahr, daß eine solche Taktik sich zum Herrn der Entwicklung macht und dadurch verheißungsvolle Chancen erstickt, bevor sie ernsthaft sachlich erörtert wurden. W i r jedenfalls sollten in dieser Situation ein Projekt nur dann bekämpfen, wenn wir zugleich einen Gegenvorschlag machen können, der den Frieden Palästinas in besserer Weise sichert, als es mit seiner Hilfe der Fall wäre. Denn nur dann werden wir in absehbarer Zeit die Einwanderung wieder verstärken können. Naturgemäß bringt jeder Vorschlag, der überhaupt denkbar ist, für uns Opfer mit sich. In irgendeiner Richtung muß die Lage des jüdischen Volkes in bezug auf seine Arbeitsmöglichkeiten in Palästina durch eine Neuregelung der Verhaltnisse beeinträchtigt werden. Aus diesem Grunde bedürfen wir heute einer entschlußkräftigen Führung, die imstande ist, solche Opfer zu bringen und vor dem Volke in dem Bewußtsein zu vertreten, daß ohne ihre Annahme die Gefahr besteht, daß das ganze Werk der jüdischen Erneuerung Katholiken über die Judenfrage Eine Vortragsreihe in Wien Von unserem Berichterstatter j. R., Wien, 25. April Das Wiener Paulus-Werk, das unter der Patronanz des Kardinal-Erzhischofs Professor Innitzer stehende Missions werk, kündigt für die nächste Zeit eine Reihe von Vorträgen katholischer Gelehrten über die Judenfrage an. Näheres über den Sinn dieser für den Monat Mai vorgesehenen Vorträge berichtete in einer Pressekonferenz der Gründer und Generalsekretär des Paulus-Werkes, Johannes Oesterreicher, der darauf hinwies, daß die Judenfrage gegenwärtig im Mittelpunkt der Diskussion stehe und es wahrscheinlich noch lange bleiben werde. Durch Erscheinungen der letzten Jahre habe es sich gezeigt, daß die Aufrollung der Judenfrage nicht bloß an das Schicksal dieses Volkes oder gar einzelner Menschen, sondern an das Schicksal des Menschentums überhaupt rühre. „Sine ira et studio" — erklärte Johannes Oesterreicher — will das Paulus-Werk in den kommenden Vorträgen die Judenfrage als eines der brennendsten Gegenwartsprobleme behandeln, von dem Wunsch geleitet, mit dieser Aktion für den Versöhnungsgedanken zu werben. Der erste Vortrag ist für den 29. April vorgesehen. An diesem Abend wird der katholische Historiker und Schriftsteller, Universitätsprofessor Dr. Dietrich Hildebrandt, über das Thema „Verhältnis des jüdischen Volkes zum christlichen Abendland" »Drechen, wobei er die Frage erörtern will, ob das jüdische Volk dem Abendland zuzurechnen oder\als Fremdkorper zu betrachten ist. Der christliche Gelehrte, vertritt, wie dies schon einmal in der „J. R." Nr. 83, 1036, hcrichtet wurde, die Ansicht, daß an der Kultur des Abendlandes nicht nur die Antike und das Christentum, sondern auch das gottflaubige Judentum seinen Anteil gehabt und auch selbst von ieser Kultur viel empfangen hat. wie sehr das jüdische Voile mit dem Abendland verbunden sei und zu diesem gehöre, beweise nach Ansicht Hildebrandts Palästina, wo die einwandernden Juden als abendländische Eindringlinge betrachtet werden. In diesem Zusammenhang will der Vortragende sich auch mit der Problemstellung „W i r t s v o 1 k — G a s t v o 1 k" auseinandersetzen. Der zweite Vortrag, der am 4. Mai stattfinden wird, sieht als Vortragenden das frühere Mitglied des polnischen Senats, Professor Eduard P a n t, mit dem Thema „Ist die Judenfrage gleich der sozialen F rage?" vor. Der dritte Vortrag, am 7. Mai, wird von dem gegenwärtig in Rom lebenden Geistlichen, Pater Franziskus N. Stratm a n, gehalten werden, der über das Thema „l> i e J u d c n - frage als ethisches Problem" sprechen wird. Der Vortragende will u. a. über die Emanzipation der Juden, ferner auch über die Rolle des Z i o n i s m u s sprechen. Den vierten Vortrag in dieser Reihe wird der Generalsekretär des Paulus-Werkes, Pater Oesterrcicher selbst, halten, der die Themen „Judenfrage als religiöses Problem", „Ahasver-Legende" und „Die Bedeutung der Juden für das Reich Gottes" behandeln wird. Frau Anna Warburg Am vorigen Freitag starb in Berlin im Alter von 73 Jahren Frau Anna w a r b u r g, die Gattin von Prof. Otto Warburg. Die Verstorbene war die Tochter von Gustav G. Cohen in Hamburg, der schon vor Herzl sich mit zionistischen > i'anken befaßte und bei Herzig erstem Auftreten mit ihm in Verbindung trat. In diesem Hause hat die Verstorbene echt jüdischen Geist mit vornelunster patrizischer Haltung und edler Bildung des Herzens und des Geistes in sich aufgenommen. So ist sie von Jugend auf ihr ganzes Leben nindurch dem jüdischen Volkstum und der zionistischen Idee verbunden geblieben. Anna Warburg war eine jener seltenen Frauengestalten, die in sich die besten Traditionen des bürgerlichen Zeitalters verkörpern, äußerlich stark assimiliert und doch in ihrem Fühlen dem Judentum verhaftet. Als Gattin Otto Warburgs, des Präsidenten der zionistischen Organisation in der Zeit von 1911—1918, ist sie eine repräsentative Frau der zionistischen Bewegung geworden, und durch Otto Warburgs unerschöpfliche ideenreiche praktische Palästina-Arbeit, an der sie mit regem Interesse teilnahm, war sie mit dem Lande selbst verknüpft. Sie war auch eine der Gründerinnen des Verbandes Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, der schon vor dem Kriege eine starke praktische Tätigkeit entfaltete und nach dem Kriege mit der Wizo vereinigt wurde. In den letzten Jahren hat Frau Warburg an der Seite ihres Gatten, der die Leitung des Botanischen Institutes in Palästina inne hat, oft Palästina besucht und auch längere Zeit dort gelebt. Die Verstorbene genoß in weitesten Kreisen aufrichtige Sympathien. Sie war eine Frau von mütterlicher Warme, Güte und Privitfoto edler Oesinnung. Ihr Ableben wird von allen, die sie kannten, betrauert. Prof. Warburg wendet sich die Teilnahme dw zionistischen Welt zu. _ Juden im Buchhandel In einem Artikel: „Vier Jahre Buchhandel im nationalsozialistischen Staat" schreibt Hauptamtsleiter R. L. Wilhelm Baur, Leiter des deutschen Buchhandels, im „Volk. Beobachter" vom 25. April u. a. folgendes: „Die im Buchhandel vorhandenen Einflüsse fremdrasilcer Elemente, im besonderen des Judentums, sind dank der Initiative des Präsideuten der Reichsschriittumskammer, Pg. Staatsrat Hanns lohst, beseitigt worden. Lediglich für die eigene jüdische Rasse sind Ausnahmebestimmungen in Vorbereitun g." Die Judenausweisung aus Portugal Paris, 21. April. (JTA.) Da trotz der von den portugiesischen Behörden vor kurzem dem Völkerbundsoberkommissar für Auswandererfürsorge gegebenen Zusicherungen die Ausweisung jüdischer Einwanderer aus Portugal andauert, hat die Leitung der Hias-Ica-Emigration Association (H1CEM) den Oberkommissar abermals ersucht, bei der portugiesischen Regierung zu intervenieren. Obwohl dem Oberkommissar erklärt worden war, daß kein Omnd vorhanden sei, Massenausweisungen zu befürchten, deuten die von HICEM erhaltenen Mitteilungen darauf hin, daß sich die Lage zahlreicher Einwanderer sehr ernst gestalten wirdj wenn nicht eine wirksame Intervention erfolgt. Sir Walter Shaw gestorben In London ist Sir Walter Shaw, der Vorsitzende der sogenannten Shaw-Kommission, die 1929 zur Untersuchung der Ursachen der Palästina-Unruhen nach Palästina entsandt worden war, gestorben. Die Erinnerung an die Shaw- Ken n ission ist besonders in der letzten Zeit anläßlich der Arboit der Peel-Kommission wieder wach geworden. Shaws Bericht gab den Anlaß zum antizionistischen Passfield-Weißbuch von 1930, das infolge des zionistischen Einspruchs in vielen Punkten wieder umgestoßen wurde. in Palästina schwer gefährdet wird. Dabei besteht wohl Einigkeit darüber, daß die Erhaltung der Einheit des Landes jedem anderen VV,.aclilage vorzuziehen ist, wobei wir uns darüber klar sein müssen, daß dies zugleich tiefeingreifende Reformen der Verwaltung und Erklärungen unsererseits über die Dynamik unserer Expansion bedeutet. Auf diese Weise werden die Vorausse'zungen dieser Expansion gesichert werden. Souveränität? Das Projekt, das gerüchtweise von der Peel-Kommission erwogen wird, bedeutet ohne Zweifel durch die darin enthaltene Schaffung eines jüdischen Dominions mit staatlichen Rechten eine erhebliche Verlockung, da es gewissen Vorstellungen entspricht, die in der zionistischen Bewegung vorhanden sind. Demgegenüber muß betont werden, daß in der gegenwärtigen Situation des Aufbauwerkes in Palästina, in der auch innerhalb dieses jüdischen Dominions eine arabische Majorität der Bevölkerung leben würde, kein sehr starkes Interesse'an.weitgehender Souveränität unsererseits besteht. Die Vorteile einer britischen Verwaltung sind trotz allem, was wir an ihr auszusetzen haben, ganz erheblich, insbesondere auch in bezug auf die Beziehungen zum jüdischen Volk in der Diaspora und auf die Lage der Juden in den Ländern der Welt. In der gegenwärtigen weltpolitischen Situation erscheint es wenig wünschenswert, einem jüdischen Dominion die Möglichkeit und die Notwendigkeit zu manchen Entschlüssen aufzubürden, die es nur allzu leicht in interessenkonflikt mit anderen Ländern bringen können, wodurch naturgemäß die Lage der betreffenden Judenschaft erschwert werden müßte. Es braucht sich dabei nicht immer um Dinge der sogenannten „hohen Politik" zu handeln, sondern es kann bereits im wirtschaftspolitischen Bezirk zu solchen Schwierigkeiten kommen. Abc; auch die Regelung des Tempos der Einwanderung muß zu schweren Konflikten mit den Juden der Welt führen, die naturgemäß bei dem Druck, der auf wichtigen Gruppen von ihnen lastet, in einem jüdischen Staatsgebilde ein Ventil ihrer Not sehen würden. Gerade das also, was manchem als „Aequivalent" für eine Teilung des Landes erscheinen mag, enthält die Hauptgefahren des Vorschlags, die weit schwerwiegender sind als die Nachteile, die sich aus der Teilung selbst für die jüdische Arbeit in Palästina ergeben könnten; die Erringung der Souveränität bedeutet heute für uns eine Gefahrenquelle, der gegenüber die britische Mandatsherrschaft unter allen Umständen vorzuziehen ist Hierbei zeigt es sich, daß man diese Frage nicht so sehr nach abstrakten Vorstellungen beurteilen kann als auf Grund der politischen Gegebenheiten unserer Zeit und im Hinblick auf das Stadium, in dem sich die jüdische Arbeit in Palästina selbst befindet. Wir sind nicht so sehr an Fiktionen der Selbständigkeit interessiert, als an der Sicherung realer Entwicklungsmöglich!; :iien unserer Arbeit. Frieden im Lande — das oberste Gebot Die Entwirrung der gegenwärtigen Schwierigkeifen kann ohne Opfer unsererseits nicht abgehen. (Es ist klar, daß auch der arabischen Seite derartige Opfer auferlegt werden müssen, die im Vergleich zu ihren Forderungen in jedem Falle sehr groß sein werden!) Natürlich muß, wenn wir einen Plan dafür aufstellen, wie die Dinge in Palästina geregelt werden sollen, auf die Lebens Interessen der jüdischen Arbeit Rücksicht genommen werden. Dabei müssen wir aber erkennen, daß die Sicherung des Friedens in Palästina das oberste Gebot unserer politischen Haltung ist, daß hinter diesem Gebot alle anderen Fragen im Augenblick weit zurücktreten, und dafJ die« nicht eine Folge von Schwäche und Kompromißbereltschaft um Jeden Preis Ist, sondern eine Konsequenz des Willens, unter allen Umständen den Fortgang der jüdischen Aufbauarbeit in Palästina zu sichern. Nichts wäre so gefährlich, als wollten wir in dieser kritischen Stunde der zionistischen Bewegung diese oder jene Auffassung, diesen oder jenen Vorschlag als „defaitistisch" abstempeln. Wie immer der Einzelne zu den verschiedenen Vorschlägen, die gemacht werden, stehen mag, wir müssen anerkennen, daß auch Meinungen, die sehr weitgehende Opfer im Interesse der Wiederherstellung des Friedens gutheißen, aus einer zionistischen Grundgesinnung stammen und nicht diffamiert werden dürfen. Gerade wenn man alles tun will, um in der schweren Zeit, die uns vielleicht bevorsteht, eine innere Schwächung der zionistischen Bewegung zu verhindern, ist es notwendig, auch die Ansicht derer zu würdigen, die meinen, daß wir zunächst einmal und für sehr lange Zeit Frieden im Land« brauchen, und daß jeder Vorschlag in erster Linie unter dem Gesichtspunkt geprüft werden muß, ob er die Aussicht bringt, daß dieser Friede so rasch wie möglich wiederhergestellt wird. Hauptschrifüeiter: Dr. Robert Weltsch, Berlin - Charloitenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Locwenstcin, Berlin W 15. Anrei^cnleiter und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und Anzeigcnverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin \V 15, Meirieke-str. 10. D.A.. April 33 816. — Druck: Siegfried Scholetn, Bcrlin-Sch&ncberg. s