Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 32 (23.4.1937)
- Date
- 1937-04-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 12 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 32, 23. IV. 1937 IN ALLER KURZE Dr. \V e i z m a n n und Prof. Brodetsky haften Mittwoch eine längere Unterredung mit dem Kölonienminister O r m s b y - (i o r c. Auf Meldungen, die dem Sozialamt der DAF. zugegangen sind und wonach der Gefolgschaft jüdischer Betriebe an jüdischen Feiertagen, an denen der Betrieb geschlossen ist, kein Lohn gezahlt wird, gibt das Sozialamt laut „Berliner Tageblatt" vom 22. 4. folgende Stellungnahme bekannt: Mafigebend sind die tarifliehen Regelungen für die Bezahlung der gesetzlich nicht anerkannten Feiertage. Da regelmäßig die Tarifordnungen nichts anderes bestimmen werden, müssen jüdische Betriebe, die anläßlieh eines jüdischen Feiertags die Arbeit ausfallen lassen, den Lohn für ihre Gefolgschaftsmitglieder weiterzahlen. In Cuxhaven wurde Händeis „Judas Maccabäus" in einer Bearbeitung von Johannes .Weyer aufgeführt. In dem neuen Text sind die alttcstament arischen Namen ausgemerzt. Das soeben fertiggestellte Strafgesetzbuch der Tschechoslowakischen Republik enthalt eine Bestimmung gegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten oder Feindseligkeiten gegen einzelne Bevölkerungsgruppen wegen ihrer Nationalität, Sprache, Rasse, Religion usw. Die Kaution, die Einwanderer in Kuba zu hinterlegen haben, damit verhindert wird, daß sie der Öffentlichkeit zur Last fallen, ist von 300 auf 500 Dollar erhöht worden. Ferner wird die Kaution in Zukunft vollständig bar hinterlegt werden müssen, wahrend bisher für die Hälfte des Betrages Schuldscheine zulässig waren. Die mit künstlerischen Giasmi alercicn ausgestatteten Fenster der I.eytonstone and Wandten d Synagoge in London sind durch Axthiebe und Stcinwttrfe zertrümmert worden. Die Täter konnten entkommen, bevor Polizei «intraf. Eine strenge Untersiii iiu's.; wurde eingeleitet Die (.o'.iiisvhf Kommission zur rrfor-c'.r.ing der Möglichkeiten jüdiMher Limvanikrisng in Madagaskar hat die Reise nach diesem Lande angetreten. In Otwock Nt der Leiter der I.uhawitschcr Jeschiwa, Rabbi S.dman t > u r - A r j e!i, von Nationaldemokratcn überfallen und schwer mißhandelt worden. Der Präsident des Zentralrats der Juden Rumäniens und der Union rumänischer Juden, Dr. Wilhelm Filderman, hat di m Arbeits- und dem Dute-rrichtsminister ein Memorandum überreicht, in dem gegen die Bestrebungen des Verbandes der ruurüiisciien Aiiwaltskammern, einen Numerus nullus für (uden einzuführen, Protest erhoben wird. Briefe an die Redaktion Gegen die Misch-Sprache Hundertster Geburtstag. Der Palästina-Pionier Rabbiner Dr. Adolf Salven dy wurde vor hundert Jahren in einem «ngari-clieii (jetzt <!<wnü«.»bi.,ii) Städtchen geboren. Er studierte in der berühmten Jet.diiu.-ih zu Prtbburg und absolvierte dann das Breslaucr Seminar. Salvendy war Rabbiner in Danzig, Dürkheim und Karlsruhe, wo er ¥>\i starb. Salvendy war einer der ersten Zioiisirctindr in Deutschland. In zahlreichen Aufrufen forderte er die jüdischen Gemeinden zur Unterstützung der Kolonisation in Lrez Israel auf. Auf der Kattowitzer Konferenz (1SS4), die den Chowewe-Zion-Verband begründete, wurde er zum Ehrenmitglied gewählt. Salvendy gehörte zu jenen frommen, echt jüdischen Männern, die den Boden vorbereitet haben, auf dem eine spätere Generation das Werk der Auferstehung des Volkes fortsetzen sollte. Rudolf Otto. Prof. Adolf Frankel von der Hebräischen Universität Jerusalem veröffentlicht in der palästinensischen Presse persönliche Erinnerungen au Rudolf Otto, den wir anläßlich seines Ablebens bereits in Nr. 20 gewürdigt haben. Frankel war vor mehreren Jahren zusammen mit Otto an der Universität Marburg tätig und berichtet, daß er Otto einmal einen „Machsor" der hohen jüdischen Feiertage gezeigt hat. Otto war von den Gebeten sind Dichtungen dieser Liturgie außerordentlich beeindruckt imd hat eine Anzahl von ihnen selbst aus dem Hehr u«ehen übersetzt. Davon hat er in den letzten Auflagen seiner Schrift ..Das Heilige" einiges im Anhang abgedruckt, andere derartige Uebcrsetzungen aus der jüdischen l ittirgie veröffentlichte er in verschiedenen theologisch! n /e i-idi; ili>;i. Ott., hat vor einigen Jahren Palästina besucht und sich sehr für tlie Hebräische Universität interessiert. Fr hat dann die Entwicklung des Jüdischen Nationalst er es.-e verfolgt. teilt uns mit, daß sie am 16. April in i Abend mit großem Erfolg gegeben hat. •rt sie in London. Im letzten Jahre gab sie in London, New York, Budapest, Prag, heim* mit grossem, Valcska Gert Kopi tili.i_.ett eine Am 1<). Mai meh'"cie Abende Poii II 1!-W. Vom Zcitunßs- und ZeiKchriftenhandel. Der Präsident der Rcieh-prt ^ekammer hat eine Berufsschutzanord- ' ir den werbenden Zcitschriftenhandcl, den l_.se/irkci. im.5-- und Zeitsehnftrngrolivertrieb und den Bahnhaiidel erlassen, Li ihr wird u. a. bestimmt, daß n ti n c deM Z. hoMKK Personen in Unternehmen des Vertriebes von periodischen I >nick»i briften ßru "ds.it/lii-l. reder tatig noch daran beteiligt rsd.t r herci hiigt sein könn.-n, die für --ich und den Ehegatten, mit dnn sie zur Zeit de» Inkrafttretens dieser Anordnung, dem 21. April, verheiratet Sinei, oder mit dem sie später die Ehe eingehen, nicht den n.idi der Anordnung vom 15. April 1'H.i eriorderlichen Nachweis der Abstammung von Vorfahren deutschen oder aüverw.imltvii Blutes bis. zum Jahre 1800 erbringen können. Diesen Personen ist auch jegliche sonstige Betätigung in oder für l'iiternehnieii des Vertriebes untersagt. In einer weiteren Berufsschtitzanordnung für den Zeitung su n d Z c i t s c h r i f t e n e i n / e 1 h a n ti e 1 wird gleichfalls für die Aufnahme in die Rcichspressckatnmcr der Nachweis über die Abstammung von Vorfahren deutschen oder artverwandten Blutes bis zum Jahre 1800 verlangt. Auch wird die Aufnahme u. a. davon abhängig gemacht, daß nachgewiesen wird, daß Nichtaricr am Unternehmen weder beteiligt sind noch sonst einen irgendwie gearteten Einfluß ausüben. Urteile wegen Rassenschande. In Gotha erhielt ein jüdischer Angeklagter lt. „Tliünnger Gauzeitung", Weimar, vom 14. 4., zwei Jahre Zuchthaus. —- In Saarbrücken erhielt ein -ISjähriger jüdischer Angeklagter It. „Der Führer", Karlsruh«', ein Jahr sechs Monate Zuchthaus. — In Detmold erhielt ein jüdischer Angeklagter ein Jahr Zuchthaus. Ein 12 Jahre alter invalider arischer Angeklagter erhielt ein Jahr Gefängnis. — In Hannover erhielt ein jüdischer Angeklagter zwei Jahre Zuchthaus. — In Dresden erhielt ein jüdischer Angeklagter laut „Mitteldeutscher Nationalzeitung", Halle, vom 10. April ein Jahr Zuchthaus. — In Breslau erhielt ein 37 Jalire alter jüdischer Angeklagter laut „Bunzlauer Stadtblatt" vom 19. April zwei Jahre Zuchthaus. Jerusalem, 13. April Sehr geehrte Redaktion! Das Interesse, mit dem Ihr neuer Roman „V olk Israel l e b f' verfolgt und die Ungeduld, mit der jede Fortsetzung dieses e< honen und gedankenreichen Werkes erwartet wird, durttc Ihnen bekannt sein. Aber bitte gestatten Sie eine Einwendung: die Sprache, in der der Roman geschrieben ist, ist doch «irklieh unmöglich. Ich meine die Sprache! — nicht den Stil. Der ist wunderschön. Aber die Sprache? Nur einen ganz zutällig hcrausgegiif ienen Sati. „Die Barhuroth säuberten ihn- M i k I a r h a t h nur alle zwei Tage; wenn e_> Hotz gibt, mut. der Boden mit Hilfe eines M aatlcrci-ens..." Solche SHtze habr ich verwhiedenen Bekannten gezeigt, — was g laut.cn Sic wohl, wie viele dio« Sätze verstanden haben? Ist es denn wirklich notwendig, daß man hier in J'ala-iina neben die vielen Sprachen, die leider Gottes Rhön gesprochen werden, neben da- Jiddisch, das S|>aisi'>!Uf)i, da. Arabisch und I >cuts< h n o c h eine w eitere Sprache .setzt, die man vor der Lektüre eines Romans noch evtra eilcrnen muß — mit Hilfe eines ..Lexikons", das dem Roman am Anfang vorgestellt ist. Km Unikum in seiner Art! Und dal. man „bachuiut", „Miklachath" statt der simplen Worte „Frauen", „Brause" wählt? Leider handelt es sich hier nicht am eine Sünde des Verfassen allein, sondern um eine Unsitte, die immer mehr um fich greift. Nur «in Beispiel dafür, in welchem Maße das neue Kauderwelsch sich hier durchsetzt! Ein Bekannter erklärte mir kiirilirh klipp und klar, auf die einge-deuten hebräischen Worte könne man einfach nicht verzichten, wenn man sich treffend ausdrücken wolle; so gebe es t- IL für da, Wort ,,Me«rhck'* iiberhaujir keine einheitliche Cebe.ietz.mg, mal müsse das Wort mit „Feld1" über,setzt werden, ein anderes Ma! mit ,,Hot", ein drittes Mal gar mit ,.Betrieb". Dieser Freund denkt schon so «ehr in der neuen Mi-chniäs. h-Spraohe, daß ihm c.ie Henutzung i<> einfacher BeRiiffe wie ..Feld" und ..Hof. die jedes Schulkind in den AntäiiKerkljiäCii meistert, Schwierigkeiten macht und daß er sojjar theoretisch diesen »o einfachen und plastischen Begiill'cn einen .so verschwommenen Ausdruck wie „Meschek" vorzieht! Fehlt es denn vielfach so vollkommen an Gefühl für den Wi rl und die Si honheit der Spiache? Und bestellt nicht die Gefahr, daß solche Menschen — wenn }ie einmal Hebräisch erlernt halicn — auch diese Sprache nach ihrem Geschmack ..bereichern" werden? Mit vorzüglicher Hochachtung Hans Wallach 'Antwort der Redaktion Die In der vorstehenden Zuschritt ausgesprochene Beschwerde der Unveistandlii hkeil der hchrriichen Ausdrücke in dem Roman ist bereits beh<>hen, da der Wunsch nach Erklärung dieser Ausdrü'-ke auch von Lesern in Deutschland .nupe-prnrhen und inrwi-ohrn erfüllt wurde. Daß aurh ein Leser aus Palästina die hebiäisehen Wr.iter als unverständlich bezeichnen wird, darauf waren wir lreilicli nii ht gefalit. Der Brief kann al>er der Anlaß zur Besprechung einer ül»er den F.inzeüali hinaus wichtigen Angelegenheit m.iiu Wir jtininicu dem Linsender vollständig zu, daij die durch die Einnii.-- htmg hebtäischer Blocken in andere Spucken eot oandene Mischsprache einen Unfug darstellt, der abgesehallt werden niiilite. Die Erlernung der hebräischen Sprache halten wir für eine der GiundlordcruiiRen. die an unsere gesamte junge Generation, auch außerhalb Palästina;, ge.tillt ist; .dier gteade »er diese Forderung in ihrem ganzen Gewicht empiindet, wird .sich innerüi h dagegen empören, daß man die-e ermte Sache daduirh herabzieht, d.iS man einzelne Ick ht erlernte hcbu'w.hc Brocken in das '.efüge einer anderen Sprache einführt. Manche meinen S»r, d'in h diese Ab.-i hlacszahlunj» ihr f«ew i-sen gegenüber dein llc!>rä;.-elu>,i erleichtert zu haben. Die Sehrihieitung einer ziuiä-tischcn Zeitung weiß, wie ichwii dg es ist, den Kampf gegen diese Un.-iUe wirklich mit Erfolg zu fuhren. Es ist wichtig, die Aufineilssainktit der Ocflcntlichk.it und aller verantwortlichen Pery.men einnial ilarauf zu lenken. Was freilich die gegen den Verfahr umeres Runur.s gerichteten Vorwürfe betrilit, so hnltm vir diese Mr unberechtigt. Der Verfasser des Romans wollte offenbar ein realistis. lies Bild di r Art und Wei-e grlaai. wie junge Einwanderer aus Deutschland in <len palästinen-iss-hen Siedlungen das Lehen. (!!•■ Degriffswelt und sozusagen auch ihre eigene Sprache modeln. Wer die Verhältnisse keimt, w«iß, daß tatsächlich der Gebrauch dieser hebräischen Vokabeln bir be-timmte Begriffe, aucli wenn man tonst nicht hebräisch spricht, fast allgemein üblich ist. Der Verlader des Rom aus also würde den Gedanken- und Gefühbstroin »einer ehierren Helden nicht richtig dat ,-tfllen, wenn er nicht auch diese Nuance wiedergäbe. Die errieWichen Anstrengungen um eine giößeie Verantwortung gegenüber der Sprache auch im All'agslef^n haben sk'h also ni'lit gegen den \"erfa-scr diese« Rotnan.s zu richten, sondern an die Gc-amthcit derer, die sozusagen der Gegenstand seines Romans sind. Da gerade von diesem Roman die Rede ist, so möchten wir nosli ein Wort hinzulügen. Mau«he junge jüdi* he Einwanderer aus Deutschland in einer bestinunre-r. palästinensischen Siedlung sind, wie wir au, Zuschritten «rächen, der Meinung, der Roman weile ein wahrheitsgetreues Bild der Vorgänge einer best im n:len pala$tiiien.i>chen Sied' lung sein. Demgemäß fehlt et nicht an Protesten derer, die fit Ii fcelbit konterfeit wähnen. Man teilt unmit, daß dies oder jene» ni< hl ,,stimmt". >iach unserer Meinung ist diese Auifas-ung unha'tbar. Es handelt iich nicht um «inen „Tatjaihcnbericht'', sondern um einen „Roman". Wozu das Problem „Wahrheit oder Dichtung'' aufwerfen? Ein Roman ist in einem höheren Sinne immer beides und will nicht als Ge- *chichtswerk gewertet sein. Eine Siedlung „Tel Hanion" gibt es bekanntlich in Palästina gar nicht. Obwohl manche geographischen Einzelheiten der wirklichen Landschaft entlehnt sind, &o sind die Siedlung und die Menschen sicherlich auch dann all frei erfunden zu betrachten, wenn manches Detail sich dt oder dort im Leben *o oder ahnli h abgespielt haben »ollte. Es handelt sich nicht darum, tatsächliche Geschehnisse wieder, zuceben, sondern Gestalten zu *c Widern, deren seelische Probleme f> sein können und immerhin auch in Wirklichkeit vielleicht nicht gani vereinzelt sein dürften. — Red. „Enge den Judentum»" Berlin, den 20. April 1937 Sehr geehrte Redaktion! Der Diskussion über die sogenannte „Enge" des Judentums int nicht damit gedient, daß die noch in Sitte und Brauchtum verwurzelten Juden in sehr beachtlichen Zuschriften versichern, für sie sei ihr Judentum nicht zu eng. Auf sie war die Betrachtung der ,,Jüd. Rundschau" nicht gemünzt. Für die anderen Juden, die aus einer westjüdis-hen assimilierten Urnwelt stammen, sieht das Blickfeld anders aus. Das Nachlassen der jüdischen Interessen hat hier vor allem zwei Gründe: man hat zuviel verlangt und zu wenig gegeben. Von den Westjuden, die mehr in der eutopäis' heil als in der jüdischen Kultur zu Hause sind, kann man nicht verlangen, daß sie die gesamte jüdische Entwicklung nicht nur historisch bcgreitfii, sondern auch mit ihrer ganzen Persönlichkeit anerkennen «ollen. Der Deuterojesajah und die Psalmen sprechen für sie eine beredte Sprache, aber nicht das «nn m-m oder das Zahlenspiel des tJ IHK aus der PefWh-Haggadah. Gewiß kann man sie mit Maimon. Joseph Albo und Teilen des Sohar oder den Gedichten des Jelmda Halevi vertraut machen, aber kaum mit irgendwelchen Resporisen, hala< hischen Entscheidungen älterer oder neuerer rabhinischer Autoritäten. Das hat einen sehr tiefen Grund. Durch die Aufnahme europäischer Kultur hat sich die Stellung zum Religiösen überhaupt gewandelt. Für den Westjuden ist Religion, auch jüdiss Ire Religion, keine erlernbare Lehre, sondern ein crlebbarer Glaube geworden. Es muß gesagt werden, daß für den größten Teil auch der religiös gestimmten Westjuden die Speisegesetze und die sonstigen Vorschriften keine göttlichen Gesetze sind, sondern im besten Falle Be-tandstücke einer jüdischen Stimmung. Religion ist etwas anderes für ihn, sie soll ihm Antwort geben auf jene letzten Fragen nach dar Stellung Gottes zu den Menschen, nach dem Schicksal de* Einzelnen und der Gesamtheit, nach Sünde, Schuld, Sühne und Gnade. Es wurde dem Juden, der zurückkehren wollte, zu wenig gegeben. Die Arbeit an diesen Fragen wurde nicht als wesentlichste Aufgabe angesehen; leider haben die Rabbiner nicht .seilen die Rückkehr als selbstverständlich angesehen. Sie haben sich nicht genug überlegt, warum die Rückkehrer vor Jahren und Jahrzehnten dices Judentum verlassen hatten. Gerade die junge Generation der Rabbiner hätte die Aufgabe gehabt, nicht nur religiöses Gedankengut zu überliefern, sondern duich eigenes Beispiel und Vorbild jene irrationale Grundstimmung des Religiösen wieder lebendig zu machen. Das ist leider nicht in dem nötigen Maße geschehen. So mußte es kommen, daß aus neuer Enttäuschung und Entfremdung ein neuer Abbröckelungsprozeß entstand. Auch die Vertreter eines orthodoxen Judentums, die bisher zu Worte kamen, sollten nicht in falscher Selbstg-rechtigkeit vergessen, daß es ihnen nicht gelungen ist, die. religiöse Entfremdung der jüdischen Jugend im Osten zu verhindern. Was dieser Zeit nottut, ist eine Erneuerungdes Judentums aus dem Glauben und nicht arcs dem Lernen. Hochachtungsvoll Emil Kandel Ein „fttdiidier" Forsdier? Berlin, 21. April 1937 der Sehr geehrte Redaktion! Ist Lmien Levy-Bruhi (siehe ,,Jüd. Rundschau" Nr. 26) ein jüdischer Forscher? Leider nein, sondern ein französischer Wi - .scn schaftler, von zufällig jüdischer Abstammung. Da-, beweisen seine eigenen, von Ihnen veröffentlichten Aeußerungen. Dieser Mann repräsentiert die weltanschauliche Haltung einer Zeit, die wir ablehnen. So etwas verwirrt nur immer weiter die Begriile, ehe brennend zur Klärung drängen. Ein Mann, dessen geistige Basis nicht das Judentum ist, soll auch nicht gewürdigt .sein, in einer jüdischen Zeitung ai» nachahmenswertes Vorbild zu glänzen. Unsere Vorbilder sind aus anderem Holz. Wir, die wir die heutige Zeit tief erleben, holen sie uns aus der Zeit, die in ihrer Große unseren gemäß ist, da» i*t aus der biblischen. An dieser Wahl, die wir aus unjerem Imtinkt heraus vornehmen, wird uns kein noch so berühmter franzü-i-xher, englischer oder sonstwie Gelehrter irre machen können. Hochachtend Rachel Jacob y * Wir haben nicht beabsichtigt, den Gelehrten, dessen wissenschaftliche Bedeutung unbe-tritten ist, als „jüdisches Vorbild" hinzustellen und stimmen den Schlußfolgerungen der Einsenderin vollständig zu. Aber das besagt nicht, daß wir nicht Kenntnis nehmen sollen von der Art und WeUe, wie die ältere Generation (und besonders in ihren besten Vertretern) zum Judentum stand. Auch die« ist ein Faktum der jüdischen Geschichte, an dem wir lernen können. (Red.) Jüdisch-theologisches Seminar (Fraenckelsche Stiftung) Breslau. Aus dem Verzeichnis der Vorlesungen für das Sommersemester ist ersichtlich, daß in dieser ältesten deutschen Rabbintr-Bildiingsanstalt die Ausbildung in den jüdisch-theologischen und den allgemein-wissenschaftlichen Disziplinen in einen organischen Zusammenhang gebracht ist, So werden neben den theologischen und ranbitiischen Vorlesungen von den Dozenten folgende allgerieiii-wissenschaftliche Themen behandelt: Prof. Dr. Heinemann; Die Juden im römischen Reich. Apokryphen, Pscudepigraplieti, Neues Testament. Dr. levvkowitz: Die Hauptrichtungen der Erkenntnistheorie. Die Weltanschauung der Renaissance in ihrem Verhältnis zum Judentum. Uebungen zu Spino/as Ethik. Hebungen zu Kants Prolegomena. Dr. Urbach: Arabisch. Studienrat a, D. Dr. W. Cohn: Allgemeine Qeschichte im Zeitalter der Hohenstaufen. Uebungen: Ausgew. lat. Urkunden zur mittelalterlichen Geschichte. Bürodirektor Glaser: Jugend- und Kinderfürsorge. Weitere allgemein bildende Lehrgänge werden eingerichtet. Neuer Rundbrief der Mittelstelle für indische Erwach* »enenblldunjg. Die Mirtclstelle hat soeben einen neuen 16 Seiten starken Rundbrief veröffentlicht, der u. a. den Umriß eines Einführungslehrgangs in die Geschichte der Juden während des Mittelalters sowie eine Singanweisung enthält. Der Rundbrief ist gegen Einsendung von 0,40 RM. in Briefmarken von der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung, Frankfurt a. M.-Ginnheim, Fuchshohl 67, zu beziehen. Vom Erholungsheim Lehnitz. Der Frühling ist in Lehnitz bereits da im gesundheitbringenden Geruch des Kiefernwaldes. Das Erholungsheim ist wieder geöffnet und bietet gerade in der Uebergangszeit seinen Besuchern die Möglichkeit zur Kräftigung. Ihre Umzöge und Transporto jeder Art nach allen Teilen der Welt Gepäckbeförderung / Lagerung Verpackung / Versicherung durch BRASCH & ROTHENSTEIN INHAStt HARRY W. HAMACHER Hauptgeschäft i BERLIN NW 40, Lüneburger Straße 22 / Ruf i Zweigniederlassungen an allen verkehrswichtigen Plätzen 35 66 41