Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 32 (23.4.1937)
- Date
- 1937-04-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 32, 23. IV. 1937 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 11 Notizen aus Holland Von unserem Berichterstatter RL. Den Haag, 21. April Eine Gedenkfeier für Dr. Nathan Birnbaum wurde am 21. April im Haag (Pulchri Studio) vom Niederländischen Zionistenbund, Misrachi, Jüdischen Frauenrat und Fraucnvereinigung für praktische Palästina-Arbeit (Wizo) veranstaltet. Redner war J. E. Vlccschhou vv e r, einer der besten Kenner des Lebenswerks Birnbaums. Oer aus zahlreichen Publikationen zum Mandats- und Minderheitenrecht (zuletzt: Sonic Problems of the Palestine Mandate, Tel-Awiw 1936) bekannte palästinensische Anwalt und frühere Privatdozent der Genfer Universität, Dr. Nathan Feinberg, wird in diesem Jahre an der Haager Akademie für internationales Recht eine Vorlesung über „La juridiction et la jurisprudence de la Cour permanente de justice internationale en maticre de mandats et de minorites" halten. — Der frühere Justizminister und Präsident des Kassationshofes in Libanon, Professor Choucri Cardahi, wird dort lesen über „La coneeption et la pratique du droit international trive dans l'Islani" und Professor Ahmed Rechid von der iniversität Istanbul über „L'lslam et le droit des gens". Das angesehene Wochenblatt, der wegen der Farbe seines Umschlages so genannte „(iroene Amsterdamer" hat eine Sondernummer über die judenfrage („Het Jodenvraagstuk"^ herausgegeben, in dem von jüdischen und nichtjüdisenen Persönlichkeiten die verschiedenen Seiten der Judenfrage behandelt werden. Professor Dr. D. Cohen gibt einen historischen Ueberblirk „Durch die Jahrhunderte", Dr. Carl Greger behandelt „Die Situation der Juden in Ost- Europa". Der Vorsitzende des Niederländischen Zionistenbund es, Mr. Abel J. Herzberg, schreibt über die „Krisis der westeuropäischen Diaspora.". Sir Wvndham Decdes beschreibt „Hilfe für Israel". Mr. R. H. Dijkstra behandelt die „Psychologie des Antisemitismus". Victor E. van Vriesland lenkt die Aufmerksamkeit auf „Künstler in Ausnahmestellung". Mr. S. Isaac untersucht die Rolle des „Juden als Politiker und Staatsmann". „Zionismus als Lösung der Judenfrage" heißt der Beitrag von Prof. S. Brodetsky. Professor Ceci! Roth würdigt „Die Renaissance Israels".' Dr. Th. Reik schreibt über „Humor in der Tragik". Zahlreiche interessante Illustrationen begleiten den Text. Der Niederländische Zionistenbund hat eine wirksame, ansprechend ausgestattete Propagandabroschüre „Een Weg en een Doel" („Ein Weg und ein Ziel") herausgegeben, die «ine historische Uebersicht gibt und die aktuellen Fragen behandelt. Die jüdische Gemeinde von Paramaribo, der Hauptstadt der holländischen Kolonie Surinam, feiert das hundertjährige Bestehen ihrer Synagoge. In einem Glückwunschschreiben erinnert der Gouverneur Professor Mr. J. C. Kielstra daran, daß der erste Nagel zu diesem Bernaus von dem damaligen Kronprinzen und späteren König Wilhelm Ii. von Oranien eingeschlagen wurde. Anläßlich dieses Jubiläums veranstaltete die Gesellschaft für die jüdische Wissenschaft in Holland einen Abend, an dem die Geschichte der Juden in Surinam behandelt wurde. Zugleich wurde eine Ausstellung von historischen Dokumenten gezeigt. Ein Mitglied der Leitung der palästinensischen Kaufs¬ und Verkaufsgenossenschaft „Tnuwah" ,Twerskv, hat, auf einer Europareisc Holland besucht und die vorbildliche Organisation des Absatzes der landwirtschaftlichen Erzeugnisse studiert. TVersky wird die hier gemachten Erfahrungen für die Einrichtung von Vcrsteigcrungslokalen und Markthallen in verschiedenen Orten Palästinas verwerten. Die „Tnuwah" wird auch Abnchnierin holländischer Saatkartoffeln und hiesigen Hühnerfutters werden, wogegen sie in Holland von ihrem Honig absetzen will. Die „Jüdische Frauenvereinigung für praktische Palästinaarbeit" (Wizo) hielt ihre diesjährige Jahresversammlung ab. Frau E. Isaac-Edcrsheim sprach über „Emanzipation und Hebraisierung". Auch der Jüdische Frauen rat hält seine Jahresversammlung ab. Im Jahresbericht wurde darauf hingewiesen, daß der Frauenrat in diesem Jahre mehr als sonst an Palästina-Aktionen teilgenommen habe und sich in die Arbeit eingeschaltet habe, die für den Aufbau des Jüdischen Nationalheiins und die Wiederherstellung der durch die Unruhen entstandenen Schäden verrichtet wird. Der Bau der neuen Synagoge in der Lekstraat im Süden Amsterdams, die von dem jungen Architekten A. Elzas entworfen ist, geht seiner Vollendung entgegen. Jüdisches aus Wien Von unserem Berichterstatter J. R., "Wien, 21. April Im Anschluß an sein Finanzexpos6 über die Budgetvorlage des Jahres 1937 hat der Präsident der Wiener Kultusgemeinde als Finanzreferent zur Abdeckung des rechnungsmäßig zu erwartenden Defizits von S 301000 gewisse steuertechnische Maßnahmen angekündigt, wie vor allem die Erhöhung des gegenwärtigen Steuermaximums von S 6000 auf S 9000. Ferner wurde eine Statutenänderung vorgesehen, die es dem Vorstand ermöglichen soll, nötigenfalls auch einen jährlichen Steuerzuschlag erheben zu lassen. In der öffentlichen Plenarsitzung vom 20. April wurden beide Anträge behandelt, nachdem der erste -— die Erhöhung des Steuermaximums —, bereits in zwei Plenarsitzungen eingebracht, durch die oppositionelle Haltung der Minderheit aber nicht verabschiedet werden konnte. Mit den Stimmen der Mehrheit wurde nun diese Erhöhung des Steuermaximums von S 6000 auf 9000 beschlossen; gleichzeitig wurde der Vorstand durch Mehrheitsbeschluß ermächtigt, im Falle eines mutmaßlichen Deficites im Laufe LONDON N. W. 3 11 A d a m i o n R o a d Die Blutgruppen-Zugehörigkeit der Juden Tn der von Dr. L. Wulman redigierten Zeitschrift „Soziale Medizin" (Warschau) berichtet Dr. Julius Brutzkus (Paris) über den Stand der Untersuchungen über die Blutgruppen bei Juden der verschiedenen Länder. Er veröffentlicht eine Tabelle dieser Blutgruppen, aus der u. a. m ersehen ist: Der Unterschied zwischen den Blutgruppen der osteuropäischen und der westeuropäischen Juden ist ein minimaler, der Index ist bei beiden viel höher als 1,5; die osturid die westeuropäischen Juden gehören demnach dem europäischen Zwischentyp an. Die russischen Juden unterscheiden sich nicht wesentlich von den Juden in Deutschland; ihr Durchschnittsindex ist 1,92, der Index der russischen Juden 1,50, der der ungarischen 1,62. Den russischen Juden nahestehend sind die grusinischen Juden, die fast den gleichen Blutindex haben wie die übrigen Juden, obwohl sie seit 2000 Jahren ganz abgesondert von ihnen leben; ihr Index ist 1,83. Nach dem prozentualen Blutbestand unterscheiden sie sich wenig von den sephardischen Juden Nordafrikas oder den Juden auf dem Balkan. Vergleicht man aber die Blutgruppe der grusinischen Juden mit derjenigen der nichtjüdischen grusinischen Stämme, so stellt man sofort einen großen unterschied fest. Das beweist, daß es sich bei den grusinischen Juden um Semiten, nicht aber um judaisierte Grusinier handelt. Zu ganz anderen Resultaten kommt man bei den Untersuchungen, die an zahlreichen eingeborenen Juden in der Krim und in Buchara gemacht wurden. Bei diesen ist der Prozentsatz der Gruppe B weit höher als bei den anderen Judengruppen und erreicht 25 «n bis 32 "... Der Index fällt bei den Krim-Juden auf 1,04, bei den Buchara-Juden auf 1,10 und bei den Karäern auf 1,14. Die Juden von Buchara gehören derselben Blutgruppe an wie ihre Nachbarn, die Usbeken und Kirgisen. Die kartarisch sprechenden Krim- Juden stehen ihrer Blutgruppe nach den türkischen Völkern näher als den Karäern. Man glaubt darum, daß die Krim- Juden viel mehr Chasarenblut geerbt haben als die aus Konstantinopel und Pcrsien eingewanderten Karäer. Die echt mongolische Blutzusammensetzung der Juden B u - charas ist wahrscheinlich auf eine Mischung mit Zugewanderten aus der vormohammedanischen Zeit zurückzuführen. Nicht erforscht wurde bisher die Blutzusammensetzung bei den Bergjuden von Daghestan; auf Grund ihrer Geschichte könnte man aber annehmen, daß ihre Blutzusammensetzung der der Chasaren verwandt ist. M r s. L. B. BENDHEIM Vornehm» deutsch - engl isch» F»mlllenp«nilon des Jahres einen Steuerzuschlag bis zu 50 °o einzu heben. Die Vertreter der Minderheit hatten vor Abstimmung beider Anträge den Sitzungssaal verlassen. Die Zahl der von der Erhöhung des Steuermaximums betroffenen Zensiten (Steuerzahler) wird gegenwärtig mit 7 angegeben, so daß durch diese Maßnahme der Gemeinde eine Gesamtmehreinnahme von rund S 20 000 erwachst. Unter den 7 Flöchstbesteuerten der Wiener Jüdischen Gemeinde befindet sich auch das Haus Rothschild. In Prof. Dr. Jakob Erdheim, der im 63. Lebensjahre plötzlich verstorben ist, beklagt die Wiener medizinische Schule den Verlust eines ihrer bedeutendsten Repräsentanten auf dem Gebiete der pathologischen Anatomie und der mikroskopischen Diagnose. Auch den Tod eines zweiten hervorragenden Repräsentanten beklagt in diesen Tagen die Wiener medizinische Schule: Im Alter von 92 Jahren ist in Budapest der frühere Professor der Wiener Universität und Nestor der österreichischen Augenärzte, Dr. Samuel Klein, gestorben. * Wie seinerzeit bereits berichtet, wurde im Spätherbst vorigen Jahres Bruno Walter von Kultusminister Dr. Pein tn er als künstlerischer Beirat des Operndircktors Dr. Kerber in die Wiener Staatsoper berufen. Der berühmte Dirigent, der schon in den letzten Jahren öfters am Dirigentenpult der Staatsoper zu sehen war, und insbesondere durch seine Mitwirkung bei den Salzburger Festspielen immer innigeren Kontakt mit dem Wiener Musikleben gewann, sollte in seiner neuen Eigenschaft nicht mir öfters als Dirigent dem Hause am Opernring zur Verfügung stehen, sondern auch eine Reihe von Neueinstudierungen und — Inszenierungen vornehmen. Nun war aber die Berufung an Walter zu einem Zeitpunkt erfolgt, da der Künstler bereits zahlreiche Konzertverpflichtimgen im Ausland eingegangen war, so daß bis jetzt seine systematische Tätigkeit in der Wiener Staatsoper nicht möglich war. Nun ist Walter von einer längereu Auslandstournee — er dirigierte in Rom Gustav Mahlers I. Symphonie mit triumphalem Erfolg und im Rahmen eines österreichischen Konzerts in Prag Bnickners 8. Symphonie -- nach Wien zurückgekehrt und wird jetzt längere Zeit hindurch sich seiner neuen Aufgabe an der Wiener Oper widmen können. Unmittelbar nach seiner Ruckkehr nach Wien dirigierte er das 8. Philharmonische Konzert. Die Philharmoniker brachten diesmal unter Walters Führung zum ersten Male eine Symphonie von Kurt Wcill zur Aufführung. Im Zusammenhang mit Walters Tätigkeit in Wien verdient auch die Mitteilung festgehalten zu werden, daß der Direktor des Reinhardt-Theater* "in der JoscNtadt, Hofrat Lothar, die Aufführung von Goethes ,,F, g ni o u 1" in der Regie Max Reinhardts plant. Für diese Aufführung will Lothar auch Bruno Waller gewinnen, der die „F g m o n f- Ouvertüre dirigieren soll. Im Rahmen einer glanzvollen Aufführung von Mozarts „Zauberflöte" an der Wiener ^t.i.itsoper, der auch Anuro Toscanini zu dem Zwecke beiwohnte, um seinen Sangerstab für die Salzburger Aufführung der „Zauherflöte" auszusuchen, erzielte Alexander K i p n i s als Sarastro einen außergewöhnlichen Frfolg. Kipnis' Leistung wurde vom Publikum stürmisch bejubelt. Der Künstler, der bekanntlich seit vorigem Jahre als standiges Mitglied dem Verband der Wiener Oper angehört, wurde eingeladen, an den Sal/burger Festspielen mitzuwirken. Lord Melchett in Südamerika Von unserem Berichterstatter b. S5o Paulo, 3. April Lord Melchett, der seit einigen Tagen in Brasilien weilt, berührte in einer Rede beim Empfang, den die jüdische Kolonie Säo Paulo zu seinen Ehren veranstaltete, auch die Verhandlungen der Königlichen Kommission. Dabei führte er aus, daß die Königliche Kommission in diesen Wochen ihre Tätigkeit zum Abschluß bringen werde. Einstweilen lasse sich noch nicht sagen, welches ihr Ergebnis sein werde. Als sicher könne aber schon gelten, daß die Entschließungen dieses Gremiums gewisse Aenderungen zur Folge haben werden. Es sei nicht daran zu zweifeln, daß der Abschluß der Arbeiten dieser Kommission den Beginn einer neuen Epoche im zionistischen Aufbauwerk einleiten werde. Es bestehe kein Grund, den Dingen mit Pessimismus entgegenzusehen. Er, Lord Melchett, habe den festen Glauben in die jüdische Zukunft Palästinas. Vertonung Rachelscher Dichtung. In Raeliel-Versen klingt dem Lande abgelauschte Musik. Wer könnte sie auch stärker in Töne bannen wie sie, die es mit Herzblut tat. Vor mir liegen acht Gedichte dieser Frau in der Vertonung Ahraham Schwad rons für eine Singstimme und Klavier (herausgegeben von Karl Salomon, erschienen im Jihneh-Musikverlag, Wien), ein sich in tragischen Verzicht versenkender Dialog mit dem Geliebten, Impressionen eines lauteren Liebesgefühls. Wie schwer mußte es für Schwadron sein, diesen feinsten Verästelungen des Empfindens in seinen Melodien zu folgen, von der Dichtung recht inspiriert, sie im Flusse ihrer Stanzen weiterziispinnen. In manchem Lied fängt er den Akzent Rachelscher Metrik ein, weniger poetisch, vielmehr im Aufnehmen eines religiös vermuteten Untertons. Im Religiös-liturgischen scheint auch die Domäne Schwadrons, Ansatzpunkt für sein melodisch-erfinderisches Talent zu liegen. Doch müßte ihn hierbei das Gleichmaß handwerklicher Ausführung leiten. So hätte er das Begleitspiel des Klaviers in den vorliegenden Liedern in die Linie der gesungenen Melodie durchsichtig und gelockert einzubauen und damit die der Singstimmc sich anhängende Schwere genommen. Leichte Ausführbarkeit und Eingängigkeit der Melodien werden diesen Liedern manchen Freund gewinnen und ihnen einen Platz in der häuslichen Musikpflege einräumen. -—rg. Die Schülerzeitung des Landschulheims Herrlingen erscheint seit Oktober vorigen Jahres jeden Monat. Sie trägt den Titel: „Chajjenu" („Unser Leben"). Das letzte Heft — es ist das fünfte der Reihe — erschien im März dieses Jahres als Pcßach- und Schulschlußnummer. Wir entnehmen ihm, daß die Redaktion aus Schülern und Schülerinnen besteht, die —- zwölf an der Zahl — sich zu der „Chevrah Dalet" zusammengeschlossen haben und als „Kollektiv" die Zeitung tragen. Als „verantwortlicher Verlagsdirektor" zeichnet der „Rosch" dieser Chewrah, Dr. Ernst M. Wolf, der frühere Leiter der fremdsprachlichen Kurse des Dortmunder Lchrhauses. Die Zeitung gibt wirklich einen Einblick in das gesamte Leben des Heims. In festen Rubriken und Einzelbeiträgen wird die Aktivität des Lernens und der Arbeit, des Feierns und des Spiels eingefangen. Unter den Verfassern erscheinen neben Schülern auch die Namen des Leiters der Anstalt, Hugo Rosenthal, und mehrmals auch der Oerson Sterns. Die Erziehung zur Gemeinschaft, das Erlernen des Zusammenlebens, bilden innerhalb der Heimerziehung neben dem rein Schulischen den anderen Hauptbereich der Sorge und Freude. Er erscheint in den Arbeitsberichten der Gruppen, der „Chewrot". In der „Kleinen Chronik", die einen Kalender im Wappen führt, erzählt der „Lokalberichterstatter" die kleinsten, wichtig-unwichtigen Tagesereignisse. Der „Luach" kehrt in naturgetreuer Zeichenreproduktion noch einmal wieder: er gibt als Geburtstagskalendcr das Signal, die Feste zu feiern, wie sie fallen. Er'bringt zugleich in Notenschrift — die hebräisch und deutsch — gesungenen Glückwünsche. Auf der letzten Seite nimmt am „Schwarzen Brett" die Redaktion selbst das Wort oder läßt aus- und inländische „Ehemalige" des Heims in Zuschriften zu Wort kommen. •Ewo- Andenken einer früh Verstorbenen Mit der — erst vierundvier/igjährig ..... in Dresden verschiedenen Dichterin Anna J o a c h i in s t h a 1 - S c h w a b e ist eine in jeder Hinsicht ungewöhnliche Frau dahingegangen. In ihrem Heim, das sie, unterstützt von der verständnisvollen Großzügigkeit ihres Gatten, zu einem künstlerischen Mittelpunkt ausgestaltete, hat sie einer Reihe bis dahin unbekannter dichterischer Begabungen in eigenen Rezitationsabenden den Weg gehahnt. Sie seihst war eine Dichterin von tiefster Religiosität. Sie wurzelte in dem Geist der Bibel, der Psalmen und der Propheten. Nachdem das Schicksal der Juden in Deutschland tief in ihr inneres Leben eingegriffen, fand sie sich mit der ihr eigenen Intensität zu dem spezifisch jüdischen Erlebnis zurück. Ihre Sehnsucht und Liebe wandte sie dem Aufbau von Erez Israel zu. erfüllt von dem tiefen Glauben, daß echter Zionismus nur religiös sein könne und gleichzeitig eine Verwirklichung messianischer Hoffnungen bedeuten müsse. Die Zugehörigkeit zum Judentum empfand sie als eine Auserwähhmg, um der Menschheit immer wieder die bedingungslose Hingabe an den göttlichen Willen — wenn auch unter schmerzvollsten Schicksalen — vorzuleben. Aus diesem Geiste heraus sind ihre besonders in den letzten Jahren entstandenen jüdischorientierten Dichtungen gestaltet. Nachdem bisher nur in verschiedenen Zeitschriften einzelne Schöpfungen der Dichterin zur Veröffentlichung gelangt waren, hat der Philo-Verlag einen Rand ihrer Gedichte herausgebracht. Das Schicksal hat ihr nicht vergönnt, diese Veröffentlichung zu erleben. Wir bringen im folgenden eine Probe des Schaffens der Verblichenen. Mensrfi in Not Weißt Dil, mein Holt — <L>!'> wir in jeder X.v~ht Vor Deiner Türe .-lehn ins! Irner S*'b,do T'nri (Uli wir - himoei r;d - - \> .. 'i;,'"':t |c-jp AVlst Von Deiner Türe — wie v«n eou-iu M. Wer M..ßt die Riegel vor.'! Wer .vbü.-lSi ue, ein! Wer laß! die Opier M''h nie g.inz einheilen! Wer vor un-me Fiil'e Sn-;:i um S'mri — Wer will r., d.d! d-r Srb..!e„ ... h nie m'VnV: O Stimme un,re» hniriidn hr:i I'.enelit.! Wib lorksr Du um. an tiirenl ••<• W.mde.-! Wir >ind bereit — wir lernen Deine* l.i'h'; — O WH — mit Dir — die 1 .<•<•! c unserer I Finde. Literarische Notizen Morris Schwarz schreibt einen Preis von 1000 Dollar für das beste Drama aus dem jüdischen Lehen aus. Das Stück soll dann in Schwarz' jiddischem „Kunst-Theater" in New York gespielt werden. Das Theater wird zur neuen Saison neu organisiert. Es sollen 50 000 Mitglieder geworben werden, die für einen Beitrag von einem Dollar jährlich Abonnenten der Vorstellungen und der zu gründenden Theater- Zeitschrift werden. Die beiden ersten literarischen Monographien in jiddischer Sprache sind kürzlich erschienen: von S. Niger über Mendele Mocher Sforim und von Nachman M e i s e 1 über Joseph Opatoschu (Verlag Literarische Blätter, Warschau 1037). Der zweite Rand der „Sammel-Biichcr", herausgegeben von j. Opatoschu und H. L c i w i k, New York 1037, enthält außer Gedichten einen Roman „West Side" von B. Demblin (Benjamin Teitelbaum) aus der jüngsten amerikanischen Krisenperiode und einen großen Essay „Grundtendenzen der jüdischen Literatur in Amerika" von B. Riwkin. Von M. L. E1 i k s Lehrbuch für jiddische und hebräische Stenographie ist in New York die zweite, verbesserte Ausgabe erschienen. j. J. Singers Roman „Die Brüder Aschkenasi" ist jetzt auch in englischer Ucbersetzung erschienen. Der Wilnaer Verlag Tomor bringt außer verschiedenen sozial-ökonomischen und historischen Büchern eine jiddische Ausgabe von Balzacs „Pere Goriot". Außer der ökonomischen und historischen ist dieser Tage eine folkloristische Sektion des Jiwo (Jüdischen Wissenschaftlichen Instituts) in Paris gegründet worden.