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Jüdische Rundschau · 1937-04-23 · Heft 32 (23.4.1937) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 32 (23.4.1937)
Date
1937-04-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seife 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 32, 23. IV. 1937 Gegen Keren Hajessod-Verweigerer Ein „öffentliches Gericht" in Tel-Ami w Haifaer Chronik Fabriken, Die Heilmittel-Fabrik Hillel in der Haifa-Bay lud anläßlich der Anwesenheit ihres Begründers, des Prof. Gott lieb aus Wien, zu einer Besichtigung ein. Dr. Gottlieb, Professor der Z;ihtt-HciIkunde an der Wiener Universität, ein Wissenschaftler von internationalem Ruf, bezeichnete in seiner Ansprache die Gründung dieser Fabrik als seinen und seiner Freunde Dank fiir die Arbeit der von ihm bewunderten Chalu/im beim Aufbau des Landes. Die Fabrik hat begonnen, Heilmittel herzustellen, die bisher aus dem Auslände eingeführt wurden; sie hat sich bereits nach der kurzen Zeit ihres Bestehens einen guten Ruf erworben und konnte ihre Arbeiierzahl schon bis auf 14 erhöhen. Es wurde bestimmt, daß die Gewinne nicht den Gründern zufließen, sondern einem Hillel-Fonds, der für wissenschaftliehe Leistungen Prä e verteilen und die Hygiene im Lande fördern soll. — In Kfar Atta, einem kleinen jüdischen Dorf, im Emek Sebulon, da« sich zu einem Industrie-Zentrum entwickelt (dort ist die T e x t i 1 - F a b r i k von Moll e r), hat ein Einwanderer aus Deutschland de Haas (aus Hamburg), eine Zigarren-Fabrik begründet, und auf Grund seiner in der Industrie und im internationalen Tabakhandel erworbenen Kenntnisse auf das beste ausgestattet. In Handarbeit stellen 20 Arbeiter Zigarren her, die bisher in Palästina noch längst nicht den Konsum haben, wie Zigaretten. Die Fabrik von de Haas, zusammen mit der zweiten Zigarrenfabrik des Landes Jacobv in der Achusah bei Haifa befriedigen (>0 ,o des palästinensischen Verbrauchs. Der Tabak muß zur Ganze importiert werden, weil der palästinensische Tabak nur für Zigaretlenfabrik.ition geeignet i»t. Der darauf ruhende Zoll ist sehr erbt blich, un.l erst mit der angestrebten Senkung der Zollgebühren kann eine erhebliche Vcrbilligung der Zigarren und dassiil eil gmUerer Konsum erreicht werden. Von der Arbeit der Stadtverwaltung, bin von der Stadt vor langer Zeit gefaßter Hesriiluli wurde jetzt durchgeführt, die Straße n im allen I laifa erhielten Namensschilder, bisher war nur wenigen bekannt, wie diese Straßen hießen. Sie vwtrdia vielmehr nur nach .Merkmalen bezeichnet, wie z. H. 1 UcnbahiiatraHc nach der Station usw. Jetzt erfahrt man (furch da> Schild, daß diese Straße gar nicht so heiß!, wie sie bisher genannt wurde, vielmehr „Hedjasstraße" um! der Platz vor der Bahnr-Uiion mit dem Denkmal Jnr den verstorbenen K»nig FH*al „Feisal Square". So mü-.sc:i die Einwohner von Haifa lernen und umlernen. I'eiiei liaupt Kann man aus den Straßennamen viel lernen, und die ILO. (i. veranstaltet daher im Rahmen ihrer „gesprochi neu Zeitung" Vorträge über ilaifaer Straßennamen. Dassi!!>e wird Kiijath Biaük tun, das jetzt ebenfalls Straßenschilder erhaltet! lud. Im andeie'- lie-ibhiß der Stadtverwaltung, als Haifaer Sondergeset/ am h in der „Palestine Gazette" erschienen, setzt Preise fest fiir die Beförderung vom Hafen oder von der Bahn in die Stadt. Das ist di.e-.halb wichtig, weil die Ankömmlinge oftmals von den Taxi-Chauffeuren übervorteilt wurden. Die Tarife sollen, laut gesetzlicher Vorschritt, in den Wagen ausgehängt werden. Versammlung der Handelskammer. Die jüdische Handelskammer versammelte sich zu ihrer jährlichen Zusammenkunft und Entgegennahme eines Berichts über die Tätigkeit im abgelaufenen Jahr. An die Regierung, die durch den Distrikts- Kommissionär und den Leiter der Zollabteilung vertreten war, wurden Forderungen gerichtet, wie zollfreie Einfuhr von Orangen in England, Chaussee von Haifa nach Chedera (nachdem Chedera— Tel - Avviw unterdessen fertiggestellt wurde), Beschäftigung von mehr Jttden im Hafen bei Zoll- und öffentlichen Arbeiten und ähnliches. Die Vertreter der Regietung antworteten, wie immer, lächelnd aber — unverbindlich. Einige Erfolge wurden jedoch schon nach eifrigem Bemühen erzielt, und weitere Bemühungen müssen folgen. Die beste Gewii.hr für die Zukunft ist die eigene Arbeit! Es wurde bekanntgegeben, daß wichtige Arbeiten bevorständen. Wasserwerke im Emek Sebulon, die eine Ausdehnung der Kolonisation ermöglichen, der Bau von 650 Hättser.n in Haifa uad Umgegend, Errichtung von Fabriken, Drainage, Mauser für öffentliche Zwecke (wie Krankenhaus, Synagoge und ähnliches). Alle diese Arbeiten werden, so hofft die llamleisfci nimer, eine erhebliche Belebung von Handel und Imiustiie in Haifa und Umgebung zur Folge haben. A b r a h a in ben J i l c Ii a k Haifas Bauprogramm Die Stadt Haifa, einschließlich der vorstädtischen Siedb.inftn, \u ,-t n;,.-!i den Ittztin Sch.it/ungvii eine Bevölkerung von im Ofü) IVrsoucu auf, von denen etwa die Hälfte Juden sind. Nein immer nuclit die Stadt, wie in den Jahrin E/i)—E'iii, sb. n Lnidmc!,, cm einziger großer Bauplatz zu sein, sie klettert immer weiter den Abhang des Carmcls hinauf :md die Yo; -aa dt-.lv dluuijeii in dir Haifa-Bay wachsen zusehend-, wahrend die neuen Straßen in den verschiedenen B. z:rken schon die Gtoßzügigkeit der zukünftigen Planung erkeiiiieii i.:->en. Die Zahlen des Jahres E)36 berichten, daß in der M.iifa-Bav loa HaiHcr m :i erbaut wurden, und daß auf dem 1 ladar Haianm-J und Har I l;e. afinel 215 Neubauten fertig- Rest.!!t w urden. Die Vor,irwchi:;,;c für das laufende Jahr Eassui erwarten, <lal$ die Bautätigkeit 19*37 mit wesentlich h«>l:er. n Zitier» abschließen wird. Allein in der Haifa- Bay sollen bis zitiii Jahresende weitere rnt) Wohnhäuser neu cntstihen, und zwar in Kiijath Benjamin 2(K|, in Kirjath Chaim und Kiijath Bi.mk je 100, in Kirjath Motzkin 150 und auf dem Botlen der Bavsrie Land Corporation 100. Die Kosten hierfür werden mit CP 300 000 beziffert. Hinzu kommen die Bauten in der Industriezone der Haifa-Bay, von denen eine größere Serie von Maschinenhallen, die von der Bayside Land Corporation zur Zeit errichtet werden, besonders zu erwähnen sind. Für die private Baubewegung auf dem Hadar und Har Hacarmel lassen sich genaue Vorausberechnungen kaum anstellen, dagegen ist bekannt, daß eine Reihe öffentlicher Bauten in diesem Jahr durchgeführt werden sollen, die unter anderem ein neues Krankenhaus der Hadassah, eine Zentralsynagoge, eine Markthalle und ein Polizeiheim umfassen. Auf dem Har Hacarmel plant eine Gesellschaft die Errichtung von großen Genossenschafts-Appartement-Häusern in Chuza. In der unteren Stadt wird in diesem Jahre die Bebauung der „Reclaimcd Area" abgeschlossen werden und mit der Fertigstellung der Geschäftshäuser am Kingsway eine der imposantesten Straßen des Vorderen Orients vollendet sein. Was die Regiertingsbauten in Haifa anbetrifft, so verlautet, daß allein für den Ausbau der Hafenanlagen ein Betrag von £P 140 000 ausgeworfen werden soll, während der in nächster Zeit beginnende Bau des neuen Regierungs- Krankenhauses in der Nähe von Bath Galim mit ca. .CR 100 000 veranschlagt ist. Die gesamten Haifaer Bauvorhaben für das laufende Jahr, einschließlich öffentlicher Arbeiten, werden auf einen Gesamtbetrag von ca, ,CP 1'4 Millionen geschätzt. Die Voraussetzung zu dieser Berechnung ist allerdings, daß öffentliche Sicherheit, Ruhe und Ordnung gewährleistet sind. Dr. E. A s c h n c t Aufgabe des „Oeff entlichen Gerichtes", das am 0. März in der Tel-Awiwer Mugrabi-Oper stattfand, sollte es sein, „ein wichtiges Problem unseres Lebens in der dramatischen Form der Gerichtsverhandlung darzustellen"; so hieß es in der dem Abend vorangegangenen Ankündigung der H.O, G. als seiner Veranstalterin. Er war reich an dramatischen Wendungen. Daß sie seinen Gehalt gleichwohl nicht überwucherten, sondern die fundamentale Wichtigkeit dessen, um was es ging, in all dem ihm gebührenden Ernst herauszustellen vermochten, war der geschickten Vcrhandlungsführung durch Dr. S. Gronemann, der anklägerischen Beredsamkeit des „Staatsanwaltes" (Dr. A. Landsberg), der verantwortungsbewußten „Verteidigung"', die an das Menschliche- Allzumenschliehe der Nichtzahlung zu erinnern wußte (Lazarus Barth) ebenso zu danken wie den drei Zeugen (Dr. Erich H tt r w i t z, Dr. S. Kanowitz und Uri Rosenb I a 11 - üiwath Brenner), und schließlich den „beisitzenden Richtern", die mit klugen und gelegentlich witzigen Zwischenbemerkungen eher etwas zu sparsam umgingen (Frau Nanny M a r g u 1 i e s, Heinz L e w i n s o h n, Dr. P i n n e r, Dr. Schön). Unnötig hinzuzufügen, daß der einem solchen fiktiven „Strafgericht" eigene Humor von niemandem besser zur Geltung gebracht werden konnte als von dessen „Vorsitzendem", Sammy Gronemann, selbst. Ihm sekundierten, auch hierin, Dr. Landsberg und Laz. Barth; so wenn dieser die Ablehnung des Gerichtes wegen durchgängiger „Befangenheit'' erwog, oder wenn sich beide für den Ausschluß der (""Öffentlichkeit einsetzten, die das Parkett und den Rang des Opernsaales bis zum letzten Platz füllte. (Im Namen des Gerichtshofes lehnte Gronemann den Antrag mit der Erklärung ab, die „gewisse Diskretion" sei erfahrungsgemäß nur bei öffentlichen Verhandlungen gewährleistet.) Dr. Landsberg stellte in seiner Anklagerede — die er in hebräischer und deutscher Sprache hielt — fest, die Weigerung, Keren Hajessod zu zahlen, sei „Steuerhinterziehung in Idealkonkurrenz mit Staatsverrat". Verschärfend sei der zweifache Umstand, daß den Angeklagten in Deutschland hinreichend Gelegenheit geboten gewesen sei, in den zahlreichen Veranstaltungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, ihrer Ortsgnmpen usw. die Bedeutung des K.H. kennenzulernen, und daß sie, zweitens, ihr Verbrechen hier, in Erez Israel, inmitten des sich erneuernden jüdischen Volkes, begehen. L, Barth erinnerte in seiner Replik an die vier in der Peßach-Haggadah dargestellten Typen; den „Roscbo", der die Zahlung wider besseres Können und Wissen ablehnt, verteidige er nicht, wohl aber den „Chacham" (der alles besser zu wissen glaubt und es für „zionistisch" hält, „dieser Exekutive" die Geldmittel vorzuenthalten), den „Tain", der die Dinge einfach nicht übersieht, und den „schc'cnu jodea lisch'ot", der nicht nur „nicht zu fragen", sondern auch nicht mehr „zu borgen weiß". Die leitenden Instanzen der Bewegung, die Exekutive der Zionistischen Organisation ebenso wie die Wizo und das Präsidium des Keren Hajessod treffe der Vorwurf, nicht genug getan zu haben, um diese Kreise hinreichend aufzuklären. Die Zeugen sprachen über den Aufgabenkreis des Tel-Awiwer Ausstellungen Eine kleine Ausstellung hat hier ziemliches Aufsehen erregt. Im Kunstsalon Mafikit waren Aquarelle eines bisher unbekannten Künstlers, Robert David, unter dem Titel „Das schöne Tel-Awiw" ausgestellt. Wenn schon die Bezeichnung Erstaunen erregte •— denn Tel-Awiw ist eigentlich alles andere als eine schöne Stadt —, so wuchs dies noch mehr, wenn man diese Blätter sah und erfuhr, wer deren Verfertiger ist. Tel-Awiw ist eine nüchterne, wenig reizvolle Stadt voll ner\ösen Lebens, die, schnell emporgewachsen, noch keine Zeit hatte, architektonische Schönheiten zu entwickeln. Die Häuser sind zwar praktisch, aber recht einförmig in Beton gebaut und fast alle mit dem gleichen hellen Tünchanstrich versehen. Lange gerade Straßenzüge, wenig Bepflanzungen, viel Staub, nichts besonders Charakteristisches, nichts Orientalisches — das ist Tel-Awiw. Nun gewahren wir durch das Auge eines Künstlers, daß diese Stadt doch ihre Reize hat. Denn das eigenartige Leuchten der weißen Steinmassen und das grelle Licht, das zwar bler.dend stark ist und die Häuser, Straßen und die sich in ihnen bewegenden Gegenstände in einem prickelnden Fluidum erscheinen läßt — alles das erzeugt eine bisher nicht wiedergegebene Stimmung. Auch die nähere Umgebung mit den weiten Wiesen- und Grünflächen und Pardessim, zwischen denen sich auf leichten Hügeln Gehöfte und kleine Ortschaften ei heben, hat ihren besonderen Charakter. Aut alies dies weist unsder Künstler in seinen Aquarellen hin. Wie er dies tut, ist ein zweiter Funkt des Interesses. Denn hier wird zum Teil mit ganz eigenen Mittein gearbeitet, mit minutiöser Zeichnung, , spitzem Pinsel und einer geschickten Verbindung verschiedener Materialien. Vielleicht ist hier noch nicht alles ganz einwandfrei, aber es sind neue Versuche, mit denen der Kunstler seine Eindrücke wiedergibt. Der erzielte Effekt ist jedenfalls das Gefühl des Grellen, Huschenden, plötzlich Auftauchenden eines weißglühenden Lichtes, das wir bisher noch nie künstlerisch erlebt haben. Unsere Ueberraschung wächst, wenn war erfahren, daß Robert David bisher sich nur als Dilettant betätigt hat und gar kein Künstler „vom Fach" ist. David war bis vor einigen Jahren der Chef eines bekannten Berliner Bankhauses, Infolge eines schweren Leidens mußte er sich von seiner geschäftlichen Tätigkeit zurückziehen, siedelte nach Palästina über und fand nun hier den Weg zur Kunst. Das Erlebnis Palästinas machte aus dem Kunstliebhaber einen Künstler. Anläßlich der Peßachtage zeigte im Bialik-Haus der junge Kalligraph und Miuiaturkimstler David Davidowitsch einige interessante Arbeiten, darunter eine Peßachhaggadah und eine ein modernes Thema behandelnde Haggadah, die Gründungsgeschichte des Hafens Tel-Awiw darstellend. Die Arbeiten Davidowitschs sind insofern beachtenswert, weil sie eine alt-jüdische Tradition wieder aufleben lassen. Die Peßach-Haggadah hat seit dem 13. Jahrhundert viele künstlerische Wandlungen durchgemacht. Die frühen illuminierten Handschriften aus Spanien, Frankreich, Italien und Deutschland gehören zu den aufschlußreichsten Quellenschriften unserer Kulturgeschichte und stehen auf einer hohen Stufe künstlerischer Gestaltung. Nach Erfindung der Buchdruckerkunst erschienen wertvolle Holzschnitt- und Kupferstichausgaben, aber im 18. Jahrhundert verfiel die jüdische Buchkunst, bis sie in unseren Tagen ein« Wiedererstehung erlebte. Unsere Generation hat dem jüdischen Buch wieder zu Ehren verholten, und heute besitzen wir Buchkünstler, die auch das Peßachbiichlein wieder zum Gegenstand neuen Erlebens machten. Joseph Budko schuf herrliche Radierungen, Jakob Steinhardt eindrucksvolle Holzschnitte und Naum Qutman Illustrationen in einem neuen volkstümlichen .Stil. Und zu diesen dreien gesellt sich nun David Davidowitsch mit seiner kalligraphisch geschriebenen, an mittelalterliche Manuskripte erinnernden Haggadah, Aut öO Pcrga- Keren Hajessod (Dr. Hurwitz), seine Funktion in der Entwicklung des landwirtschaftlichen jüdischen Siedlungswerkes (Uri Rosenblatt) und über „Strategie, Stil und Ergebnisse" der K.H.-Arbeit (Dr. S. Kanowitz). Dr. Hurwitz behandelte in seiner Aussage, neben eingehenden Bemerkungen über die Rolle des nationalen jüdischen Kapitals im üesamtaufbau des Landes, auch die Wichtigkeit der „Abteilung für Olim aus Deutschland", die dem palästinensischen Landesverband des Keren Hajessod angeschlossen ist. Eine ihrer Aufgaben sei die Aufrechterhaltung der alten Tradition der Zionisten aus Deutschland, die K.H.-Zahlung als Selbstverständlichkeit zu betrachten. Rosenblatt gab, nach einem historischen Rückblick auf die Anfänge des Siedlungswerkes in Erez Israel, Zahlen über seine jetzige Ausdehnung; ein kurzer, aber interessanter Dialog zwischen ihm und dem „Verteidiger" über den bekannten Vorwurf, der K. H. bevorzuge die landwirtschaftlichen Kooperativen (Kwuzoth, Kibbuzim) einseitig, schloß sich an seine Ausführungen. Dr. Kanowitz schließlich sprach über den „Kampf von Mann zu Mann", den die Mitarbeiter des K.H. tausendfach zu bestehen haben, vom „System der Ausreden" des Niehtzahlers und der Notwendigkeit, der gigantischen Kleinarbeit des Keren Flajessod-Apparates und seiner Helfer in aller Welt nach und nach eine freiwillige. .Selbstbesteuerung jedes Juden folgen zu lassen. In seinem dann folgenden Plädoyer betonte Dr. Landsberg zunächst die ganze Schwere der Unterlassungssünden, die den Angeklagten dieses Ocffentlichen Gerichtsverfahrens vorzuwerfen seien. Er beantragte, denjenigen K. H.-Nichtzahlcrn, denen die Bedeutung des nationalen Kapitals und seiner Fonds bisher unbekannt geblieben war, Bewäh» rungsfrist zuzugestehen, alle anderen Beschuldigten jedoch zur Strafe öffentlicher Anprangerung zu verurteilen. Lazarus Barth seinerseits bat, diese schärfste aller Strafen nur gegen den „Roscbo" — den Zahllingsverweigerer wider besseres Können und Wissen — auszusprechen, in allen anderen Fällen jedoch Bewährungsfrist zu geben. Nachdem sich die Beisitzer geäußert hatten, verkündete Dr. Gronemann das „Urteil": Das Gericht verzichte in allen Fällen zunächst auf die Verhängung von Strafen; denn es hoffe zuversichtlich, daß, wie alle Olim, auch die aus Deutschland gekommenen Juden hier, in Erez Israel,ebensowenig versagen werden, wie sie sich dort, in der Galutb, je versagten, wann immer es galt, der Gemeinschaft opferbereit zur Verfügung zu stehen. Das Gericht gebe sämtlichen Angeklagten eine ein monatliche Bewährungsfrist, nach deren fruchtlosem Ablauf freilich die öffentliche Meinung gegen sie zu mobilisieren sei. Denn wer sich auch dann noch seiner Bürgerpflicht entziehe und die Zahlung der Nationalen Steuer ablehne, schalte sich selbst aus dem Kreise des Aufbaus aus. Der Gerichtshof hoffe, in seinem Kampf um restlose Durchsetzung des K. H.-Gedankens in allen Schichten auf die Hilfe der nationalen Institutionen. Er appelliere an sie — an den Jischuw, und an das Verantwortungsgefühl jedes Einzelnen. mentblättchen ist der Text in fein ziselierten Lettern geschrieben. Die einzelnen Seiten sind mit ornamentierten Randleisten eingefaßt und noch verschiedene Miniaturbildchen eingestreut. Drei Jahre hat der Künstler zur Vollendung dieses Werkchens gebraucht, aber es ist auch etwas ganz Eigenartiges entstanden. Und wenn uns heute vielleicht auch der allzu mittelalterliche Charakter des Ganzen etwas befremdend anmuten mag, so bedeutet doch gerade diese neue Schöpfung eine bewußte Wiederbelebung einer alten Tradition: der bereits im 10. Jahrhundert geübten Kalligraphie. Davidowitsch ist ein Schreibkünstler, der, ebenso wie Gutman in. Volkstümlichen, so im jüdisch Traditionellen wurzelt. Er hat einen Rivalen, seinen Altersgenossen und Landsmann Arthur Szyk (in Paris), der u. a. auch eine Haggadah geschaffen hat. Aber der grundlegende Unterschied der beiden Künstler ist eben der, daß Szyk den christlich-mittelalterlichen Stil nachahmt, während Davidowitsch vom jüdischen Geist ausgeht und somit ein uns wesensverwandtes Kunstwerk schafft, daß er nicht imitiert, sondern, da er in diesem Element lebt, trotz, alier Anklänge an Altes, Neues hervorbringt und somit unserer modernen Buchkunst zu weiterer Entfaltung verhilft. — Eine drifte Ausstellung in Tel-Awiw ist von prinzipieller Bedeutung: zum erstenmal stellt im Museum Tel-Awiw ein Staat offiziell aus. Die belgische Regierung hat durch das Ministerium der Schönen Künste in Brüssel eine Ausstellung moderner belgischer Kunst zusammenstellen lassen, die augenblicklich inau hiesigen Museum zu Gast ist. Es ist ein Zeichen für das internationale Interesse, das das junge Museum bereits findet, und der Anfang eines Kunstaiistausches zwischen den verschiedenen Ländern. Die feierliche Eröffnung der Ausstellung durch den belgischen Konsul van Lede und die Mandats-Regicrung trug daher auch offiziellen Charakter, wobei durch die Vertreter der beiden Staaten sowie seitens des Museums die Bedeutung des Museums Tel-Awiw als Kulturträger und Kulturvermittler hervorgehoben wurde. Die Ausstellung umfaßt 50 Gemälde, einige Graphiken und 15 Plastiken. Leider fehlen unter den Künstlern die großen modernen Meister wie Ensor, Permeke und Jaspers, so daß also kein Ueberblick über das gegeben wird, was heute in Belgien als lebendig vorwärtsstrebende Kunst zu gelten hat. Man sieht hier hauptsächlich die sogenannten offiziellen Künstler des Akademizismus wie Kurt Peiser, Jean Goffin, A. Crespin, Pierre Paulus, Victor Rousseau u. a. Hervorzuheben sind die beiden Bildnisse und das Bronzerelief des jüdischen Bildhauers Charles Samuel. Dr. Karl Schwarz Ausstellung Maxa Nordau. In der Tel-Awiwer Galerie Bach stellte kürzlich die Malerin Maxa Nordau eine Reihe von Bildern und Porträts aus den letzten anderthalb Jahren aus*. Neben den Bildern französischen Genres, die trotz ihrer Farbenmannigfaltigkeit harmonisch wirken, fallen dem Besucher besonders die palästinensischen Bilder auf: Der neue Hafen von Tel-Awiw, mit dem Ausblick auf affa und seine Bucht, Jerusalemer Bilder, in Braun gealtene ausdrucksvolle Köpfe von Jemenitinnen und Bucharinnen, Kinderbildnisse und zwei große Oelbilder eines Chaluz und einer Chaluzah. Der kleine Judenjunge aus der crusalemer Altstadt mit seinen tiefschwarzen leidvollen Augen önnte ebenso aus Czernowitz oder New York stammen, und fast hat man den Eindruck, daß die Künstlerin diese Bilder nur der Augen wegen gezeichnet hat. Den stärksten Eindruck aber hinterlassen die Chaluzbilder, die sich von ähnlichen Bildern palästinensischer Maler ganz wesentlich unterscheiden. Nicht Zerstreutheit und wilde Fröhlichkeit, sondern Insichgckehrtheit, Bescheidenheit, Sorge und bewußte Verantwortung sind in deren Antli« zu lesen. Simon Menczer, Tel-Awiw (Schluß des Palästinateils)

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