Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1937-04-23 · Heft 32 (23.4.1937) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 32 (23.4.1937)
Date
1937-04-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653625-2653656--30623-2685183
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

14 entity mentions

JODISCHE 'RUNDSCHAU IATT Nr. 32, 23. APRIL 1937' Palästinas Kali- und Bromexport Die berühmten Kalischätze des Toten Meeres werden allmählich gehoben; obwohl die großen Werke im Süden erst im Bau sind, beginnt sich bereits in rasch steigendein Maße diese junge Industrie im Außenhandel des Landes bemerkbar zu machen; sie marschiert in der Exportstatistik jetzt an zweiter Stelle, wenn auch einstweilen noch in erheblichem Abstand hinter den Zitrusfrüchten; die nachfolgende Tabelle, aufgebaut auf den amtlichen Zahlen, möge das belegen. Es betrug die Ausfuhr In Tonnen 1934 193S 193« Brom . . . . 445 403 478 Kali____, 11427 18124 22872 In Pal. Pfund 1934 1935 193« 22.600 18.751 35.097 56.724 80.231 130.956 Zusammen 79.324 98.982 166.053 Im laufenden Jahr scheint die Abwärtsbewegung, namentlich in bezug auf den Wert, anzuhalten; die erheblich gestiegenen Weltmarktpreise kommen auch Palästina zustatten; während zu Anfang des vorigen Jahres die Exportstatistik die Tonne Kali mit CP 1,750, die Tonne Brom mit £P 55 angab, erscheinen sie jetzt mit £P 6 bzw. .UP 70. Natürlich ist vorerst Palastina als Kalilieferant auf dem Weltmarkt noch ein bescheidener Faktor; denn die Gesamtförderung wird mit 2 Mill. Tonnen angegeben; dagegen spielt die Brom er zeugung des Landes international eine gewichtige Rolle, weil es nur an wenigen Punkten der Erde in der direkt verwertbaren Form gewonnen wird. Ob die Produzentin, die Pal est ine Potash Corp., bereits aus ihrem Entwicklungsstadiiini herausgetreten ist, wird erst die nächste Bilanz zeigen. Iiis finde Juni 1935 hatte sie noch mit Verlust gearbeitet; das dürfte mm unter der Voraussetzung überwunden sein, daß die Preise vor einem neuerlichen Sturz bewahrt und vor allein der Abtransport vor Unruhen bewahrt bleibt; auch wird die Gesellschaft jetzt mit den vorerst unterbliebenen Abschreibungen auf Anlagen, Konzessionierungsrechte usw. zu beginnen haben. Die imPuhlikum untergebrachten 5 Vi "'» Preferred Shares der Gesellschaft, die vor zwei Jahren zu 102i<j "o emittiert wurden, sind allmählich auf 63 o/o gesunken, weil offenbar Unklarheit darüber besteht, ob sie nach der am 1. Juli d. J. ablaufenden Dividendengarantie aus laufenden Mitteln eine Dividende zahlen werden. Wäre das der Fall, so wäre ein Verkauf zu den gegenwärtigen Kursen nicht zu raten. Deshalb sollte die Verwaltung baldigst mit einer klaren Erklärung hervortreten, um die Besitzer vor unnötigen Verlusten zu schützen. Ernst Kahn Oberkommando nach Palästina? Einer Meldung der Londoner „Sunday Dispatch" zufolge soll das H a u p t k o m m a n d o der britischen Truppen im Nahen Osten in nächster Zeit aus Aegypten nach Palästina verlegt werden. Die Kommandostellen in Kairo und Alexandrien sollen sich künftig in Jerusalem und Haifa befinden. Die Verlegung soll erfolgen, nachdem die britischen Truppen noch vor dem im englisch-ägyptischen Abkommen vorgesehenen Zeitpunkt an den Suczkana! zurückgezogen sein werden. Die Bewachung des Suezkanals wird dann dem Militäroberkommando in Palästina unterstellt sein. Auch die Bewachung der Erdölleitung von Mossui nach Haifa soll bei dieser Verlegung eine grofie Rolle spielen. Der Gedenktag der Unruhen Am Jahrestage des Beginns der Palästina-Unruhen fanden Im ganzen Lande Gedenkkundgebungen statt. In Tel-Awiw wurde in einem sehr stark besuchten Gottesdienst in der Großen Synagoge der jüdischen Märtyrer gedacht, die ihr Leben für das Land hingegeben haben. Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Rokach, und die Oberrabbiner A m i e 1 und U s i e 1 hielten Ansprachen. Sie sprachen sich einhellig gegen die angeblichen Absichten aus, Palästina zu teilen oder in Kantone zu zerlegen. High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat am 31. März dem Krankenhaus Sc haare Zedek in Jerusalem, dessen Erbauer und Leiter Dr. Moritz Wallach ist, anläßlich des 70. Geburtstages von Dr.ÄWallach ("3. Januar) einen Besuch abgestattet. Für eine Sonimerliegehalle für das Krankenhaus wurden anläßlich dieses Jubiläums ca. CP 500 gesammelt. Der High Commissioner hat wenige Tage nach dem Besuch zu der Liegehalle HP 70 gestiftet. Spiegel der Ereignisse Politik und Unsicherheit Der arabischen Zeitung ,,Alif Ba" in Damaskus wird aus Jaffa berichtet, daß der High Commissioner in seinen Besprechungen mit den arabischen Führern zu der Ueberzciigiing gekommen sei, daß der Plan einer Teilung Palästinas in jüdische, arabische und neutrale Gebiete keine Aussicht habe, von der Landesbcvölkerung akzeptiert zu werden. Die arabische Zeitung „Fclestin" meldet, daß das britische Kolonialministcrium die Regierungen von Aegypten, Irak, Syrien und Transjordanien um ihre Meinung bezüglich möglicher Losungen des Palästina-Problems befragt habe; Aegypten und Transjordanien hätten bereits geantwortet, wahrend die Antwort von Irak noch ausstehe und Syrien beschlossen habe, keinerlei Urteil abzugeben. Die palästinensischen Araber sind enttäuscht über die unerwartete Absage des Besuches der irakischen Delegation zur Krönung in London, die auf deren Reise Jerusalem besuchen sollte. Die Regierung von Irak hat beschlossen, keine Delegation zu entsenden, sondern sich von ihrem Gesandten in London vertreten zu lassen. Die Partei des Mufti hatte große Vorbereitungen zum Empfang der Delegation getroffen. Wie „Haarcz'1 meldet, dürfte sich der Generalsekretär des Obersten Arabischen Komitees, Auni Bey Abdul H a d i, in den nächsten Tagen nach London begeben, um an der Spitze der offiziellen arabischen Propaganda-Abordnung die politische Aktion zu leiten. Die Einfuhr von zwei syrischen Zeitungen, in denen Meldungen über eine angebliche jüdische Verschwörung zwecks Ermordung des Mufti erschienen waren, ist von der Palästina-Regierung verboten worden. Die arabische Zeitung „A d i f a a" ist für fünf Tage verboten worden. High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat drei Juden, die im Zusammenhang mit den vor drei Monaten in Tiberias stattgefundenen Unruhen verurteilt worden waren, die Strafe erlassen. Die Begnadigten sind Elijahu Schoscham und Josef Habdu, die zu zwei Jahren, und Carsenti, der zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war. Gerald Cohen, ein jüdischer Polizist - des Mordes an einem Araber während der Unruhen angeklagt war, ist in Haifa freigesprochen worden. Cohen eskortierte eine Autobus-Karawane, als diese in der Nähe von Tiberias von Arabern angegriffen wurde, und erwiderte das Feuer. Ein Araber sagte aus, daß Cohen einen arabischen Passanten willkürlich ermordet hätte. Jüdische Wächter wechselten Schüsse mit Arabern, die nachts mit ihren Herden auf jüdischen Feldern bei A f u I e h entdeckt wurden. Fünf Araber wurden verhaftet. Auch bei Tel Joseph wurden Araber, die ihre Herden auf jüdischem Boden weiden ließen, von jüdischen Wächtern verhaftet. In Tel-Amal wurden Wasserrohre durch Schüsse beschädigt. In den letzten Tagen wurden von der Polizei S00 H a u - ran er festgenommen und über die Grenze abgeschoben. Araber trieben 90 Kühe auf jüdische Felder bei Herz- Ii ah, wobei sie mehrere Schüsse auf,die Wächter abgaben. Diese erwiderten das Feuer, vertrieben die Araber und hielten 42 Kühe zurück, die sie der Polizei übergaben. Wirtschalt Laut Meldung der Arabischen Agentur versuchte der französische Oherkomniissar die Irak-Regierung dahin zu bestimmen, von dem Abschluß des Handelsabkommens mit der P a 1 ä s t i n a - R e g i e r ti n g abzusehen, weil d;e-es Abkommen eine schwere'Schädigung des irako-sy Tischen Handels zur Folge haben werde. Bekanntlich weilte der Oherkomniissar von Syrien in Bagdad zwecks Abschlusses eines Handeisvertrages zwischen dem Irak und Syrien- Libanon. In den nächsten Wochen werden acht weitere Kwuzo th und Mosch we (.) w d i m auf Keren Kajemcth- Boden in Nord- und Süd-Palästina mit Hilfe des Keren Hrjrssod gegründet werden. Eine der Siedlungen wird nach ______.......... ....... Ussischkin benannt werden; in zwei Siedlungen gelanjüdischen bzw. arabischen Arbeit. M. Medzini entwirft für gen Gruppen allgemein-zionistischer Jugend zur Ans:edlung. Die landwnlschalt'iche Yerti iebsge-ellschaft Tnuwa hat versu iisweise eine kleine Menge F r ü h k a r t o f t e I n aus jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen nach London gesandt. Sollten die Erfahrungen mit dieser Sendung zufriedenstellend sein, so wird die Tnuwa zu einem Kartoffelesport größeren Utnfangcs nach England übergehen. Die Delegation palästinensischer Industrieller, die sich dieser Tage nach London begab, wird offizieller Gast des britischen Handelsministeriums und mit dem britischen Imlustiitllcnverband in ständiger Fühlungnahme sein. Die Abordnung wird einen Monat in England weilen und die großen Exportfirmen besuchen, um persönliche Beziehungen mit der englischen Industrie anzuknüpfen. Die italienische Schüfahrtsgesells-ha t „Adriatica" hat beschlossen, alle vierzehn Tage einen ihrer Passagierd.impfer den Jaffa er Hafen anlaufen zu lassen, in dem seit einem Jahr keines ihrer Schiffe vor Anker gegangen ist. Alle vierzehn Tage wird ein italienisches Frachtschiff Tel-Awiw anlaufen, während sämtliche anderen Dampfer der Gesellschaft nach Haifa gehen werden. Verschiedenes In einer Sitzung des Tel-Awiwer Stadtrats wurde der Budget-Voranschlag für das kommende Finanzjahr debattiert. Die Einnahmen werden auf £ 515900 geschätzt. Der Waad Leumi hat sich verpflichtet, für Erziehungszwecke den Betrag von H 5000 beizusteuern. Die Wahlkampagne zum NX. Zinnistenkongreß wurde von dem Vorsitzenden der Exekutive der Jewish Agency und Führer der palästinensischen Arbeiterschaft, David B e n Gurion, am IS. April in einer Massenversammlung in Tel-Awiw eröffnet. Die bereits vor einiger Zeit beschlossene Ernennung des Mitgliedes der Exekutive der lewish Ag.-ncv, Dr. Werner Senator, zum Verwa'ter (Generalsekretär) der Hebräischen Universität Jerusalem ist von der Universit.it amtlich bekanntgegeben worden. In Tel-Awiw ist eine (iruppe e n g Ii s c h e r P f a d f i n - der eingetroffen, denen von den jüdischen Pfadfindern der Stadt ein festlicher Empfang bereitet wurde. Zu Ehren der Gaste wurde eine Parade der Tel-Awiwer Pfadfinder veranstaltet. Mr. Siblv, Führer der englischen I'fa.lfimler-Oruppe, die die Rückreise angetreten hat, brachte Pressevertretern gegenüber seine aufrichtige Bewunderung der jüdischen Leistungen im Lande zum Ausdruck. Das Zentralkomitee der Histadruth hat beschlossen, eine Ausgabe sämtlicher Werke des vor kurzem verstorbenen Arbeiterführers Joseph Aronowitz herauszugeben. Die schon fast 400 Jahre bestehende Synagoge Abraham Awinu in Hebron ist jetzt völlig verlassen und dem Verfall preisgegeben, da die Polizei es abgelehnt hat, die Bewachung der Synagoge weiter durchzuführen. Da die früheren jüdischen Einwohner von Hebron nicht mehr in die Stadt zurückkehren, ist das Schicksal der Gebetsstätte ungewiß. Die „Palestine Review", ein in englischer Sprache in Jerusalem erscheinendes Wochenblatt, das dieser Tage seinen ersten Jahrgang abschließt, hat sich in der palästinensischen Leserschaft schnell einen geachteten Platz erobert. Die Zeitschrift gibt einen vielseitigen Lieberblick über alles, was im jüdischen Teil Palästinas geschieht. Sie leistet große Diensie dadurch, daß sie neu gekommene Menschen, die die hebräische Sprache noch nicht beherrschen, in die Probleme des Landes einführt, wobei besonders begrüßenswert ist, daß die Redaktion, bei allem Festhalten an ihrer Einstellung, auch abweichende Meinungen zu Worte kommen läßt. Freilich bleibt der nichtjüdische Sektor des Landes fast ganz außer Betracht. In allen englisch-sprechenden Ländern verbreitet, leistet die Zeitschrift der zionistischen Propaganda große Dienste. In Nr. 52, die den Jahrgang absehließt, finden wir u. a. den Beginn einer Artikelserie über die judisch-arabischen Beziehungen von Norman B e n t w i c h, der in der Einleitung betont, es sei unzweckmäßig, die Tatsache zu verbergen, daß über grundlegende Fragen verschiedene Meinungen innerhalb des Jischuws vorhanden sind, etwa in dir Frage der Beziehungen zu den Arabern oder des Gesetzgebenden Rates. Das Vortäuschen einer greinten Front in -«ichen I tagen wurde auf die Außenwelt keinen I'.iiiürikk machen und uns selbst nur schwachen. In dem ersten Artikel spneht sich der Verfasser für eine enge ökonomische Zusammenarbeit der beiden Völker aus und behandelt d e heikle innre der den künftigen Kongreß ein Programm der „Allgemeinen Zionisten (iruppe A", in ett in er besonders be'.ont, daß che der AÜgenieinziouistiselien (iruppe angehörenden Ai heiter zur Siedlung auf KKL-Bodeu gebracht werden nnisscn und daß der Beschluß des vorigen Kongresses, e neu Wirtsehaftsrat einzusetzen, nicht erfüllt worden ist. --- Wir wünschen der Zeitschrift eine weitere ersprießliche Wirksamkeit. Die Gründung von Beth Joseph Im Jordantal wurde ein neuer Moschaw Owdim, Beth Joseph, gegründet (siehe Bericht in Nr. 31). Das Bild links zeigt die Ankunft des bereits zusammengesetzten Wachtturmgeriistes auf dem Boden der neuen Siedlung, das Bild rechts den Bau der Schutzmauer. In 24 Stunden stand die Siedlung fertig da, wo früher, leeres Feld gewesen war, Fot«; kk.l

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.