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Jüdische Rundschau · 1937-04-23 · Heft 32 (23.4.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 32 (23.4.1937)
Date
1937-04-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 32, 23. IV. 1937 Judentrage in Ungarn Sympathien für den Zionismus Leib Jaffe beim Staatspräsidenten Litanei» Kaunas, 18. April. (JTA.) Der Staatspräsident von Litauen, Professor Antonas Smetona, hat den Direktor des Kcren Hajessod, Leib Jaffe, in längerer Audienz, empfangen. Im Laufe des Gesprächs brachte ihm der Präsident seine tiefe Sympathie für die zionistische Bewegung zum Ausdruck. Staatspräsident Professor Smetona hat Leib Jaffe folgende Erklärung übergeben: „Ueber 500 Jahre lang, angefangen von der Zeit, da Vvtautas der Große die Juden einlud, sich in litauischen Städten niederzulassen, haben das litauische und das jüdische Volk einträchtig auf litauischem Boden zusammengelebt und gearbeitet. Darum hat das litauische Volk die Bemühungen des jüdischen Volkes, ein N a t i o n a 1 h e i nt in Palästina zu errichten, mit großem Interesse und aufrichtiger Bewunderung für die geleistete ungeheure konstruktive Arbeit verfolgt. Den Juden der Welt übermittle ich den Ausdruck meiner tiefen Sympathie für ihre Bestrebungen, eine nationale Heimat für Israel wieder zu gründen, sowie meine und der litauischen Nation herzlichsten Wunsche, daß dem jüdischen Volk bei seinem großen Unternehmen jeglicher Erfolg gewährt sein möge." Nach der Audienz beim Staatspräsidenten stattete Direktor Jaffe dem litauischen Außenminister Lazoraitis einen Besuch ab. Der Minister ersuchte Dr. Jaffe, den zionistischen Führern seine herzlichen Wünsche für den Erfolg der zionistischen Sache zu übermitteln. Bildbericht aus Palästina Die „M ü n c h e n e r Illustrierte Presse" vom 35. 4. bringt einen Bildbericht van Dr. üiselher Wirsing: ».Pulverfaß Palästina". Die Unterschriften zu diesen Bildern sind allerding- /um Teil anfechtbar. So wird ein modernes Gebäude an-s einem Ort in der Nähe von Jaffa, d. h. wohl aus einem Vorort von Tel-Awiw, abgebildet mit einer Unterschrift, in der es u. a. heißt: „Das ist ein jüdisches „Dorf"'. Bad Trentschin-Teplitz ■erfüllt Ihre Sehnsucht nach Heilung. Erholung und Ausruhen Herrliche Karpathen-Landschaft Billige. I'ausdmlkuren treuen Rheuma, Gicht, Ischias Kostenlose Prospekteuti<1 AusküniU' - auiii nbtr Ht'isekreditbrletc - diirttl Frau Ii Archrnho 1 d , Hrf-I.ni, KaKcr-V MwIm-S'lraOe 96-9S, TVtofon: 81-300 Kein krasserer Gegensatz, zu den von den Engländern geiprengten arabischen Wohnvierteln laßt sich denken, als diese mit dem Kapital des W ehjudeutums erbauten „Dörfer", mit denen die Juden versuchen, ihre .städtischen Gewohnheiten aufs Land zu verpflanzen." Dazu ist zu bemerken, daß es eine genügende Anzahl von Bildern gibt, die wirklich in jüdischen Dörfern aufgenommen worden sind, aus denen man ersehen kann, unter wie primitiven Verhältnissen die jüdische ländliche Kolonisation sehr oft vor sich geht. —. Auf einem anderen Bild sieht man einen jüdischen Familienvater mit Frau und drei Kindern vor einem geschlossenen Laden in Unterhaltung mit einem englischen Soldaten stehen. Das Bild trägt die Unterschrift: „Während die Araber in Palästina stolz auf die angestammten Rechte in ihrer Heimat bedacht sind, versuchen die Juden, sich bei der englischen Macht auf jede Weise Liebk'ind zu machen. In der hohen Politik sparen sie freilich mit Drohungen gegeji England nicht. Das vertrauliche Gespräch zwischen dem TcTmmy und der Judenfamilie auf unserem Bilde zeigt aber, dal! die Juden auch andere Wege zur Beeinflussung der englischen Meinung einschlagen." Demgegenüber ist festzustellen, daß die Beziehungen zwischen dem Jischuw und der englischen Besatzung leider verhältnismäßig locker sind, was man in Palästina seihst oft genug bemängelt hat. Ein Straßengespräch /wischen einem Juden und einem englischen Soldaten genügt wold noch nicht, um daraus politische Folgerungen zu ziehen, _ _ Von der italienischen Botschaft in Paris wurde erklärt, daß der judenfemdliche Ton, der von einigen faschistischen Zeitungen in Italien angeschlagen uui.de, nicht der Stimmung der italienischen Regier u n g entspricht. Eine Rede des Ministerpräsidenten Von unserem Berichterstatter Budapest, 20. April Regierungschef Koloman von Daran yi, der in Begleitung von mehreren Ministern und hundert Abgeordneten an einer Versammlung der Regierungspartei in Szeged teilnahm, hielt dort eine großangelegte Rede über die aktuellen politischen Probleme, lieber die Judenfrage äußerte er sich u. a. wie folgt: „Wir wollen ohne Gehässigkeit und Voreingenommenheit ganz sachlich dieses Problem prüfen und einmal die Frage aufwerten, ob denn das Judentum Ursache alles Uebels sei. Wären in Ungarn keine Juden, so würden wir zweifellos auch dann unsere Sorgen haben. Freilich kann die Judentrage durch Straßendemonstrationen und Einschlagen von Köpfen nicht erledigt werden. Die Regierung setzt alles ins Werk, damit die volle Strenge des Gesetzes den Ruhestörern gegenüber zur Geltung gelangt. Die Gleichheit vor dem Gesetz bedeutet aber nicht nur einen Anspruch auf die Sicherheit der Person und des Vermögens, sondern bedeutet auch, daß die Gesetze jeder in gleicher Weise einhalten und sich ihrer Umgehung enthalten muß, — auch im Geschäftsleben. Es ist unleugbar, daß in Ungarn die Verhältniszahl der jüdischen Bevölkerung größer ist, als in den meisten anderen Ländern und es ist auch Tatsache, daß der Kern der Judenfrage, die hauptsächlich ein wirtschaftliches Problem ist, darin liegt, daß das Judentum im Wirtschaftslehen in einem selbst diese hohe Verhältniszahl weit übertreffendem Maße zur Geltung gelangt ist. Die ungarische Gesellschaft wird in der Judenfragc auch durch das vom Osten einsickernde Judentum irritiert. Wir müssen feststellen, daß es in erster Reihe im Interesse der hier alteingesessenen und kulturell höher stehenden Juden liegt, sich mit diesen ihnen in Denkungsart und Gefühlswelt fremden Elementen nicht zu identifizieren, deren Eindringen nach Ungarn wir unsererseits mit allen Mitteln auf das strengste verhindern werden. Diese Leute betrachten unser Vaterland ohnehin zumeist nur als Durchgangs- und wirtschaftliches Jagdgebiet". Die Erklärungen des Ministerpräsidenten werden von der gesamten Presse in großer Aufmachung gebracht und besprochen. Im allgemeinen wird dieser Passus als der heikelste, aber wichtigste Teil der Rede gewertet und von den Regierungsblättern mit Genugtuung begrüßt. „Zuviel der Juden" — 'ruft der rechtsradikale „Virradat" (Morgenröte) an leitender Stelle. Wenn die Worte des Regierungschefs auch sanfter klingen, als in unserer Stilisierung, müssen wir ihnen doch die größte Bedeutung beilegen. Unabhängig von den bisher oft unerfüllt gebliebenen Regierungserklärungen fühlen wir, daß die jetzige Aeußentng einen Wendepunkt im poli i«chen, gesellschaftlichen und sozialen Leben des Landes darstellt. In der Durchführung der Worte wünscht das Blatt Gewalt. Die Tore, die von den überzahlreichen Vertretern des Profits bisher besetzt gehalten wurden, müssen mit Gewalt und in Eile freigemacht werden. — Das halboffiziöse „Függetlensag" (Unabhängigkeit) sieht im ministeriellen Programm die Erfüllung des Nationalismus. Nun könne die Forderung des ungarischen Rassetischutzes nicht mehr als extrem bezeichnet werden, „wo es gegen solche Elemente geht, die Ungarn nur als wirtschaftliches Jagdgebiet betrachten". Gemäßigter läßt sich „U j Magyars ä g vernehmen: Wenn die verantwortungsvollen Staatsmanner Ungarns vor einem halben Jahrhundert die tiefe Bedeutung dieses Problems erkannt hätten, dann müßte der Minister jetzt nicht Klage darüber führen, daß die Juden aus Galiz.ien die ungarische Gesellschaft irritieren. Jetzt könne niemand mehr behaupten, es gebe keine Judenfrage und man dürfe nicht darüber sprechen. Ja, man muß über sie sprechen und sie lösen in der praktischen Richtung, die der Ministerpräsident angegeben bat. Das konservative „Budapesti Hirlap" meint, nicht Mut gehörte dazu, von der Judenfragc zu sprechen, sondern Offenheit und Aufrichtigkeit. Darfinvi habe das Problem von jener Höhe des öffentlichen Interesses betrachtet, auf die sich nur die volle Sachlichkeit erheben kann, die dem Lande ebenso not tut, wie der Judenheit. Die liberale Presse verhält sich im allgemeinen zurückhaltender, schweigt sich entweder über die Judenfrage aus oder sucht sie zu bagatellisieren. Das vielgelesene „Pesti Hirlap" z. B. erklärt, „die alteingesessenen, nationalfühlendcn Massen des ungarischen Judentums werden die Absichten des Ministerpräsidenten sicherlich gutheißen und unterstützen, daß er in Zukunft mit allen administrativen Mitteln in gesteigertem Maße gegen die galizianische Einwanderung ankämpfen wolle'4. Einzelne mehr oder minder oppositionell eingestellte Zeitungen machen kritische Bemerkungen und Vorbehalte. So schreibt der „P e s t e r Lloyd": Beachtenswert ist die Ruhe, mit der der Ministerpräsident an die Frage herantrat. Er wies darauf hin, daß es unrichtig sei, die Juden für alle Nöte des Landes verantwortlich zu machen, da die eigentlichen Wurzeln der Notlage historischer und natürlicher Art sind. Man könnte diesen Gedankengang weiter ausspinnen und die Frage aufwerfen, ob denn die Rolle des Judentums beim Ausbau des ungarischen Handels-, Kredit- und Industrieapparates wirklich eine so abfällige Kritik verdient, wie sie von denjenigen geübt wird, die in dieser Tätigkeit des Judentums nichts anderes als eine „Besetzung von Posten über das Zahlenvcrhältnis hinaus erblicken. Unserer Ansicht nach ist es höchst ungerecht und unzweckmäßig, die Frage der sozialen Mißverhältnisse in eine Judenfragc umzudeuten". Aehnlich führt „Magyar Hirlap" aus: Die Placierung der israelitischen Ungarn auf den verschiedenen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens^ ist vom Standpunkt der gesellschaftlichen Hygiene vielleicht nicht die idealste. Aber wer ist dafür verantwortlich? Wohl jene seit 15 Jahren in steigendem Maße betätigte Praxis, die durch verschiedentliche, künstliche Maßnahmen die utigarisehen Staatsbürger jüdischer Konfession aus einem großen Teil der Laufbahnen ausschloß. Auch das halten wir nicht für notwendig, daß die nationalen und ethischen Postulate quasi Rechenschaft fordernd eben gegen das ganze Judentum betont werden. — „U j s ä g" betont: „Wir sind keine sog. jüdische Zeitung, wir sind ein Organ des gesamten Ungartums. Wir entstanden zur Propagierung der Ideen Stefan Tiszas und halten heute noch an denselben fest. Tisza gefielen manche Manipulationen der Heereslieferanten nicht, auch wir kämpfen gegen jeden Mißbrauch. Aber an den Mißbräuchen nehmen die verschiedensten Leute teil und Gewissenlosigkeit, Schwindel und Vergehen kommen im geschäftlichen Leben Ungarns nicht häufiger vor als anderswo. Doch wenn die Kaufleute ohne Unterschied der Konfession leiden und zugrunde gehen, dann entspricht es nicht der Billigkeit, wenn die Tendenz zum unredlichen Handeln nur der einen Schicht aufgebürdet wird." Die Regierung begann übrigens ihre Säuberungsaktion gegen die revolutionär extremen Elemente mit der Verhaftung einer größeren Anzahl von Kommunisten, sowie der Auflösung der „Partei des nationalen Willens", auf deren Agitation Abg. Eckhardt die Oeffentlichkeit aufmerksam gemacht hatte, und deren Führer, der pensionierte Major Franz I—MAGISTER KIRSCH— ■»er gute Likör Maglatar-likSrfabrlk, Manchen VII, in Bartin zu b»zl«h. durah dl« WalngroBhtftdlung Btrnhurd Drluir, BurgitraBt 3 / Rul: 81 43 40 Szälasy, ebenfalls in Gewahrsam genommen wurde. Auf dessen „J u d e n pr ogr a m m" stand unter anderem: Jüdische Einwanderung sei einfür allemal einzustellen. Alle seit 1914 ausgegebenen Siedltingserlaubnisse, Gewerbescheine, Staatsbürgerschaften seien zu annullieren und diejenigen, die nicht an der Front waren, auszuweisen. Major Szalasy wurde vom Untersuchungsrichter wieder auf freien Fuß gesetzt mit der Begründung: „Die Partei des nationalen Willens" sei ministeriell genehmigt, auch ihre beschlagnahmten Drucksachen und Flugzettel seien der Behörde vorgelegt worden. In diesen kämen zwar manche starke Ausdrücke vor, aber sie enthalten nicht das Kriterium der Aufreizung und Staats« beleidigung. Die. Staatsanwaltschaft hat gegen diesen Bescheid Einspruch erhoben. Orthodoxe Palästina-Arbeit Die von der ungarischen Orthodoxie ins Leben gerufene „Jischuw Erez J i s r o e I - V e r e i n i g u n g" hielt im Saal der Budapester orth. Gemeinde ihre Versammlung ab. Mehrere hundert Personen, unter ihnen das Rabhinat und die Leitung der Gemeinde, hörten den Ausführungen des hier weilenden Leiters des deutsch-holländischen Kohls, Rabbiner Jonathan Horowitz, zu. Zum Schluß sprachen Markus Klein und Direktor Dr. Adolf Deutsch. Nni4,;!ruck verltoten AV.v- (ßjcfi UeherwUung"«-) Rechte vorbehalten ■r ß —-; -7' f y t****-^- , p (. c^öK i^r^r voiieisitafifc. £;.HJ? Ci>Hia»v<-t-iLj«j|if ir»K CH AOI/W SCHWARZ I»»«Uci Teil 141 ß G U Z 15. FortActzung Sieh mal, sagt er mir eines Tages, dreht das Handinnere nach oben, schiebt den geduckten Kopf, die platingefaßte Brille n.'iher heran. Ich kann doch mein Familienleben nicht opfern. Hier heifit es: biegen oder brechen. Und ich muß biegen, ich kann mich nicht von meiner Familio trennen. Dafür leihe ich dem Mesehek (Wirts Jmft) 1000 Pfund, du habt ihr etwas davon und ich auch, besser könnte ich gar nicht mein Geld anlegen, Tel Hamon gehört zu den sichersten Geldanlagen Paliislinas. Ich habe es seinerzeit sehr ehrlich gemeint. Wenn mein« Frau sich gewöhnt hatte, er lehnt sich zurück, macht „schön" mit den Händen, Gott, der Junge hätte schließlich nebenan in Kfar Esraehim Weihen können. So hat mir meine Frau einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich denke, er hat Glück gehabt mit »einer Frau. Er verschwand eines Tugcs spurlos, nachdem er zuletzt noch seine Platinbrille auf einem der Felder verloren und tagelang die Erde abgcachnüffclt, durchgewühlt hatte, ohne Erfolg. Ein paar Monate später hatte ich Gelegenheit, mit Kerachski über Hirsch zu sprechen. Wir haben keinerlei Verbindung mit ihm, sagte Kerachski. Dabei wiederholte und betonte er das Wörtchon „keinerlei" in einer Weise, die durchschimmern ließ, daß bis heute Hirsch* berühmte Anleihe nicht realisiert worden war. J U N l Alles erinnerte sieh noch mit Schrecken an die Purimfeier, die vor zwei Monaten stattgefunden hatte. Man war nach dem «weiten Lauten um neun Uhr ina Chadar Ochel (Speisesaal) gegangen und hatte eine von rascher Hand organisierte Situation vorgefunden: Girlanden, Lampions, in der Mille ein erhöhtes quadratisches Podium, auf dem ein Purimgeigcr und ein Purimklavierspieler saßen, der Geiger ein Pole aus Midbaria, der die langen, strohblonden, standig ins Gesicht fallenden Haare mit der Gabel aus gespreiztem Daumen und geschlossener Hand auffing und in einer gewissen hysterischen Art zurückwarf. Sie spielten die leichten Weisen der bayerischen Hochebene: Didelum, didclum, didelum dum dum, didelum, didelum, didelum dum dum. Das war alles. Man wußte nicht, was das bedeuten sollte, begriff schließlich, daß beabsichtigt war, die Masse in Stimmung zu bringen. Eine gewisse Weile hörte man sich die Sache mit nn, begann dann, das „didelum, didelum, didelum dum dum" mit dem Mund nachzuahmen und zu pfeifen. Der Geifer dachte, es sei die gute Stimmung, und fuhr fort. Es blieb nicht» andere« übrig, als das Chadar Ochel zu verlassen. Um elf Uhr mußte der Geiger wegen Mangel an Publikum die Geige einpacken. Das war die Purimfeier gewesen. Peßach war der Ablauf der Feier durch Erfahrung und kultische Verhältnisse, einen gewissen bombastischen Aufwand, gesichert gewesen. Jetzt, am Chag llabikui'im, hatte Ilaifa die üblichen städtischen Veranstaltungen abgesagt, man konnte also nicht nach Ilaifa fahren und sich von der Aufgabe befreien. Es wurde eine Assefnh Klalit (allgemeine Versammlung) veranstaltet, auf der kulturpolitische Diskussionen stattfanden, mit dem Schluß, daß man einen Ausschuß bildete für die Ausgestaltung des Chag Habikurim. Ich erinnere mich, wie mir diese Assefah die Vision eines bestimmten jüdischen Zustünde* gab. Auf der schöpferischen Kraft des jüdischen Volkes lasten noch immer Bleigewichte tote* Traditionen. Daß sieh der politische Zionismus durchgesetzt hat, ist das äußerste Maß von Fortschritt, zu dem sich die konservativen Massen bekennen. Alle weitergehenden Versuche kultureller Ncuschöpfungen zerschlagen sich an der Mauer des Rabbinismus, der sich erst gegen Ilerzl verschanzte und heute in verschiedenen Formen Position bezogen hat innerhalb de« entstehenden Judenlandes. Ein« allzu mächtige Literatur hat die Jahrhunderte überdauert, raunt und wispert in der Tiefe, Dia spät in die Nacht hinein stehe ich mit Hagescher und einem Dritten auf der inzwischen verdunkelten Veranda de« Chadar Ochel und diskutiere. Wir diskutieren in die Nacht hinein, schreien die Sterne an. Ich halte Hogescher für einen der klarsten Köpfe von Tel Hamon. Aber dieser klaro Kopf will es jetzt nicht verstehen, daß ich beim Anblick gewisser religiöser Formen und Riten nicht die Spur von einem Gefühl habe, weder von einem religiösen Gefühl noch von einem nationalen Gefühl. Schon an diesem Punkt der Diskussion ist das Gefühl sein Hauptargument. Und der andere sagt zu mir, ein Vatik (aller Siedler) aus der Tischlerei: Wenn du erst richtig Iwrith lernen wirst und die alte Literatur studieren, dann wirst du auch rückständig werden wie wir. Was für eine schwere, erregende Nacht. Ich verstehe nicht dieses Lachein der Sterne. Und doch wurde die Feierde» Chag Habikurim die schönste des ganzen Jahres. Man halte in den Ausschuß Milnner gewühlt, die bei der Diskussion stark hervorgetreten waren und die sich jetzt nicht blamieren wollten. Natürlich wurde an dem Tag nicht gearbeitet. Um fünf Uhr stand auf dem obersten Punkt des Daches vom Chadar Ochel ein Mann, der ununterbrochen in ein schofnrartiges Widderhorn blies und das Zeichen zum Anfang gah. Mmn sah von den Kinderhäusern langsam einen Zug weißgekleideter singender Kinder herunterkommen, deren vorderste Gruppe ein Schafchen führte und ein umkränzles Schild: „Die Schule". Am Chadar Ochel blieben sie stellen und sagten im Sprechchor eine kurze Erklärung auf, nus der hervorging, daß sie die Absicht hatten, die Erstlinge des Meecheka Tel Hamon sammeln zu gehen. Inzwischen blies der Mann oben auf dem Dach ununterbrochen in das Widderhorn und rief die ganze Gesellschaft herbei. Man schloß sieh den Kindern an, die singend, SehUfchen und Schild führend, zwischen Häusern und Zelten nach unten zogen, zu den KuhslBllen. Am ersten Kuh stall sah man plötzlich drei oder vier festlich gekleidete Leute stehen, die ein großes bekränztes Glas mit goldenem Honig hielten und das Schild: ,,Die Bienenzucht". Vor dieser Gruppe, die offenbar auf den Zug gewartet halte, machten die Kinder halt, saugen einen Begrüßu ngsvers, woraufhin sich die Bienenzucht den Kindern anschloß und die Prozession ihren Fortgang nahm. Alles war in festlicher Erregung, neugierig auf die kommenden Dinge. Sämtliche Arbeitszweige des Mescheks hatten ihre Gruppen aufgestellt, spendeten ihr« Erstlinge. Vor jeder Gruppe wiederholte sich dasselbe Schauspiel, die Kinder sangen ihren Begrüßungsver«, die Spender ordneten sich r

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