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Jüdische Rundschau · 1937-04-20 · Heft 31 (20.4.1937) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 31 (20.4.1937)
Date
1937-04-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 31, 20. »V. 1937 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 5 „Das Leben Ein Buch von Joachim Prinz Joachim Prihz, der Redner und Schriftsteller (im Grunde seines Wasens auch Redner, wenn er schreibt), hat im Bereich de§. Judentums deutscher Sprache eine besondere, oft faszmicroride Begabung Es ist ihm nämlich geReben, Judentum schlechthin dv namisch darzustellen, ihm üestalt und Bewegung zu geben und es als Werkhaftes und Wirkendes zu realisieren. Mögen andere im Geistigen tiefer schürfen und reicher schöpfen, Prinz vermag es, das Jüdische, sei es das heutige oder das geschichtliche, gerade/u sinnlich wahrnehmbar zu machen, d. h. eine Anschauung von seinen Funktionen zu geben, die inneren und äußeren jüdischen Erlebnisse in Zusammenhang und t Icbercinstimmung zu bringen und ihre (häufig erzwungene) Uebcrbeweglichkcit in einer (selbsttätigen) Bewegtheit aufzufangen. Prinz „sieht" Judentum (und macht es sichtbar). Seine Vision von ihm ist stärker als die Ergrümltmg und die Begründungen, die er ihm zu geben vermag oder zu geben willens ist. Er liebt das ludentum als Gestalt oder, besser, als Atmosphäre von Gestalten. Er zieht das Psychologische dt;m Metaphysischen und somit das Werdende dem Gewordenen vor. Er steht am oder im Fluß der jüdischen Dinge, in der Mitte zwischen Ursprung und Mündung, und ist daher — notwendig — Optimist. Optimist, auch wenn er sich ganz tief in die Schilderung der Heimsuchungen Israels hineinbegibt. Er findet noch in diesen Heimsuchungen Auswege und versteht es, sie aus dem tiefsten Dunkel heraus zu belichten. Er betreibt das Gegenteil von dem, was man Martvnologie nennt. Weit entfernt aber, geschichtliche Leiden zu verkleinern, tut er ihrer Größe so viel Ehre der Bewegung an, so viel Ehre und Wohltat dynamischer Zielsetzimg, daß aus diesem Leiden Funktionen des jüdischen Volkskörpers herauswachsen. Das Buch, das zu diesen Bemerkungen den Anlaß gibt (Verlag Erwin Locwc, Berlin), ist ein einziges Zeugnis für ihre Richtigkeit. Fs ist mit Spannungen, die das Temperament des Autors den geschichtlichen Tatbeständen entreißt, nur so geladen. Es springt aus dem Anekdotischen ins Dramatische, stürzt in epische Strudel zurück, ergeht sich in farbenreichen Ausmalungen, greift über die Ereignisse hier hinaus und dort über sie zurück und bleibt sich immer insofern getreu, als aller Wirbel der Ereignisse und ihrer (manchmal ziemlich eigenmächtigen) Darstellung in dem Euud und Befund der Gestalt des Judentums und der jüdischen Gestalt gipfelt. Diese paar hundert Seiten hat keine gelassene Feder geschrieben, sie wirken (in der Tat aus Vorträgen entstanden) wie von einem überschäumenden M u n d gesprochen, der nicht so sehr der Erkenntnis als vielmehr der Wahrnehmung stürmischen Ausdruck verleiht. Damit soll natürlich nicht das Tatsächliche des Buches angezweifelt, sondern nur gesagt sein, dal! die Realitäten, die mitgeteilt werden, sich in Visionen zusammendrängen, was nicht immer ohne Verkürzungen oder Ueberstiirzungen abgeht. Das Buch ist seiner Anlage nach für einen breiten Leserkreis bestimmt. Fs hat, wie der Autor selbst betont, keinen wissenschaftlichen Ehrgeiz; es will ein belehrendes und belebendes Dokument jüdischen Schicksals sein, das im weit und beweglich gesteckten Rahmen von fünf Städte- und Zeithildern das Leben im Ghetto, nämlich im judenhaus, in der Judengasse und in der Judenstadt, im Panorama-Stil abmalt. Das Gesetz dieser Malerei ist die... Abwechslung, der Trieb nach Buntheit. So wie Prinz dabei auf vielen, auf allen seinem Stil zugänglichen Wegen sich ins Jüdische eingräbt, so ist er auch bemüht, den Leser mit sich zu reißen und ihm das Kleinste wichtig und das Größte klar zu machen. In diesem Bemühen manifestiert sich das Temperament eines leidenschaftlichen Pädagogen, dein nichts fremder ist als die häufigste Begleiterscheinung der Pädagogik, nämlich die Langeweile. Die Städte, deren Bildern Prinz Wesen und Schicksal des Ghettos zugleich einfügt und entreißt, heißen: Alexandria, C o r d o v a, A m s t e r d a m, Frankfurt und Prag. Damit ist schon zeitlich und örtlich, geschichtlich und geographisch eine Mannigfaltigkeit gegeben, in der sich die Mission des Ghettos für den inneren Bestand des Judentums beinahe erschöpft - nur beinahe, denn es fehlen, um den historischen Ring dieser Wandeldekoration zu schließen, etwa Venedig oder Rom und Konstantinopel oder Saloniki. Das Bild von Cordova, ohnedies weniger Ghetto als vielmehr, im Ghetto" wie auch Prinz feststellt, eher das Gegenteil davon, ist etwas zu dünn, zu sachlich arm geraten. Die Mission Cordovas am Ende des ersten Jahrtausends der neuen Zeitrechnung, die in der Ablösung des europäischen Judentums von der zerfallenden Autorität der babylonischen Lehrstätten bestanden hat, hätte einer stärkereit Fülle von Material und stärkerer Akzente der Darstellung bedurft. Das sachlich und sprachlich gelungenste Bild des Buches ist das letzte, das von Prag. Es ist in der von Prinz, geübten historischen Kurzschrift, die auszulassen versteht, wo es der Geschlossenheit des Bildes zugute kommt, und in der richtigen Verteilung von Licht und Schatten ein kimstgemälics Ganze. Noch runder und voller ist, wenigstens in der Anlage, das A I e x a n d r i a - Gemälde. Ihm aber fehlt manchmal die letzte historische Beglaubigung. Etwa die Auspeitschung alexandrinischer Juden in eine „mystische" Beziehung zu dem schriftgcmäBcn Judenschicksal in Mizraim zu setzen, das geht zu weit, das ist eine historizistische Spielerei. Alexandria war keine ägyptische, sondern eine hellenistisch-römische Stadt. Sogar Anion, der Judengegner, der ein Aegypter war, hat sich bemüht, dies z.i verbergen. Denn Aegvpter sein galt als verächtlich. Ebenso muß es geradezu als ein „lapsus linguac" bezeichnet werden, wenn Prinz den Ii t u i r 11111 i 111:11 n......i u 11: m e 11 > 1111:111111111 i i u 111111 n i f: i r i h i hi 1111111! > i; j 1111 r.....n 11F11 m i u 11 r i: n r i 11 > 11 m 11111 m t.....< j 1111111 e i m 1111 s: < Verse der Wanderung Die Auswanderung Von Ilse Blumenthal-Welfi O neuer Anfenß, der mich ganz zerbricht, O Stimme, die Vergangenhelten trankt, Wort, das verströmt und sich doch nur beschrankt Dem einen Weg und Warten: LichtI O Welt der Träume, die wir nicht verstehn, Wohin treibt nun der Bilder Ungefähr? — Ist Ferne denn nicht: stete Wiederkehr Der Wanderung durch Wüste und durch Meer, Nur Uebergang, dazu vir ausersehn? O neuer Anfang! Daf» ich dich vollbringe Aus aller Liebe, die mein Herze weift, Aus aller Sehnsucht Licht und Schattenkreis, Aus diesem Lied noch, das ich scheidend singe. Unterwegs Von Mascha Kaliko Wir haben keinen Freund auf dieser Welt Als den, der hoch im Bleu des Himmels wohnet, Der uns mit Wolke, Licht und Nacht belohnet; Sonst keinen, der in Treue zu uns halt. Wir haben nicht e I n Herz, das mit uns weint. Nur Sturm und Meer, die leise um uns klagen. Wir müssen alles stumm zu zweien tragen. Und ist nicht eine Seele, nicht ein Freund. Sei du im Dunkel nah! Mir wird so bang: Ich habe Vaterhaus und -hut verlassen. Es lieget so viel Weh aul fremden Gassen. Gib du mir deine Hand. Der Weg ist lang. Und wenn das Schiff aut offner See zerschellt, — Wir sind einander mit dem Blut verschrieben. Wir haben keinen Freund aul dieser Welt, Uns bleibet nichts als das: uns sehr zu lieben . . . Alle Ihre Bvidier belletristische und fathwissensdtaftlidte iedet Art von der Buchhandlung am Zoo Fritz Ring Charlottenburg, Joachlmsthaler Straße 43-44 Mitglied der jüdischen Gemeinde Telefon 91 65 06 Zusendung nach allen Stadtteilen Philosophen Philo „den eigentlichen Apostel des Christentums" nennt. Er war ein Repräsentant des hellenistisch-judaistischeri Eklektizismus, ein Verbindungsmann /wischen der mosaischen und stoischen Lehre, aus dessen Blickfeld die Wege zum paulinisehen und mvsterienhaften Friihchristentum radikal herausfielen. Hier hatte der Autor noch eine ganze Reihe synthetischer Zwischenglieder einschalten müssen — dann wäre er vor dem ..Apostolaf Philos selbst erschrocken. Den Mittel- und Haupttcil des Buches bildet „Amsterdam", liier bewegt sich Prinz auf dem für die europäische Jjudengeschichte der Neuzeit entscheidendsten, fruchtbarsten Boden, und er macht von der dadurch beflügelten Bewegungsfreiheit den ausgiebigsten Gebrauch. Es gelingen ihm eine ganze Reihe der schönsten „Stationen", Bilder von bald welthistorischer F.rstrcckung und bald von genrehaftem Reiz. Amsterdam, die niederländische Hafenstadt, lebt in einer guten Vision auf — zugleich mit einer scharf gesehenen Soziologie des Neuchristen- und Neujudentums. Etwas fahler, als man es von den zeichnerischen t,)iialitiiten des Autors erwartet, wirken die Gestalten Manage hen Israel, Uriel Actwta und Spinoza. Sie bleiben konventionell. Philipp II. vollends, dessen Figur das Bild einleitet, ist zu eng gc-rJu-n. Hier vci fallt Prinz in einen Fehler, den er anderswo, nämlich anläßlich Aiaria Theresias, selbst rügt: daß man n unlieb die Einstellung historischer Persönlichkeiten zum Judentum als .Malistab ihrer Gruße nimmt. Straff und zielvoll wird auch das Bild Frankfurts entwickelt und das Leben der Stadt und ihres Ghettos in seinem Auf und Ab in überzeugende Bewegung gesetzt. Es hätte sieh vielleicht empfohlen, die Beziehungen des Frankfurter Ghettos nun Schicksal des Judentums in Deutschland überhaupt stärker in den Mittelpunkt zu rucken und die gesammelte und zentrale Bedeutung 1 rankiurtfür die mitteleuropäische Judenexistenz zu betonen. De.nii das Rhcintal, in dem das Frankfurter Ghetto zwischen denen von Straßburg und Köln und zeitweise mit den benachbarten von Worms, Mainz, Speyer u.a. dominiert hat, ist eine eutscheidungsvolie Achse der'jüdischen Wanderungen und Niederlassungen vom Mittelalter an gewesen und ist es bis ins 10. Jahrhundert hinein geblieben. Dal) man sich manches deutlicher und dichter wünscht, spricht fast mehr für als gegen das Buch, zu dessen Vorzügen die Eigenwilligkeit seiner Konzeption gehört und die kaum anders als artistisch zu nennende Hingabe des Autors an die Anziehungskraft des figürlichen, (ierade aber die Virtuosität, mit der Prinz dabei die Mittel des Vortrages und der Darstellung handhabt, läßt bedauern, daß er das Sprachliche nicht immer mit der wünschenswerten Sorgfalt behandelt. Man hat das Gefühl, daß der Durcharbeitung die letzte Hand gefehlt hat. Mau liest, um nur einige Beispiele dafür anzuführen: von einem „falschen (!) Anachronismus" (S. hl) oder: „das wurde freilich ... die Beleidigung noch mehr erhöhen" — oder von den Jesuiten, „die bereit sind, das brennende Feuer in ihrem Innern in die Zwangsjacken Pflicht und Disziplin zu stecken" (S. Ol) oder von Juden, „sie krochen ins Gewand der Kirche und führten dort ein unterirdisches Judendasein" (S. 103). Achnliche Bild- und Sprachcntgleisungen ziehen sich durch das ganze Buch — als unangenehme Begleiterscheinungen des übergroßen Dranges nach Anschaulichkeit. Hermann Sinsheimer Am 17. und IS. April tagte in Paris die Exekutive des International Student Service. Unter den Punkten der Tagesordnung wurde auch die Frage der Fmsorge für die aus Deutschland ausgewanderten Studenten behandelt. Als einziger Jude nahm an der Sitzung als \ ertreter des Weltverbandes vier jüdischen Studentenschaft, das Exekutivmitglied des Internationa! Student Service, Alexander Teich, aus Wien feil. Nachdruck verboten Alle (mich Ucberseliunjjs-) Rechte vorbehülten DerTrtloqia CQII7 2a»ütt Teil: rilDÖV*» 14. FortKetrainsr Aber ich will ihm beweisen, daß ich sowohl Sprache wie Inhalt verstanden habe, und sage ihm: Es ist klar, daß ich noch nicht auf deiner Seite sein kann, dazu bin ich noch nieht verbunden genug mit dem Mesehek (Wirtschaft), um solche mcsehekisiisehen Ansichten zu haben wie du. Du bist ein Mesehek ist und ich bin ein Chaluz. Ich wußte nicht, daß „Meschckist" kein neutraler, sozusagen wissenschaftlicher Begriff ist, sondern ein Schimpfwort, ein Titel von Ignoranz, und Philistertum. Bar Koach wird plötzlich ernst. Ich bin nieht hose auf dich, sagt er. Darm wendet er sieh mit demselben tiefen Ernst zu den andern und sagt: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Das sind die Früchte der Erziehung von Fischer. Und zu dem Traktoristen gewendet: Und dafür soll ich die Spesen tragen? Fischer, Vutik (alter Siedler) wie Bar Koach, einer von den führenden Leuten des Kibbuz. Hameuchad (vereinigter Kibbuz), luvt im Winter für die aus Deutschland Gekommenen Kurse veranstaltet, über die Geschichte Tel Ilamons. Ich habe es sofort eilig, Bar Koach zu erklaren, daß ich nieht einmal die Siehot (Aussprachen) von Fischer besucht habe. Bar Koach geht zur .Arbeit, wir andern klettern auf die ächilfninUcnslellagc, um Mittagsruhe z.u halten. Außer Ben Ezew und Hngeschcr befindet sich die ganze Kwuzath Pardess (Gruppe Ornngengarten) hier oben. Ich bin sehr aufgeregt. Ich rufe ihnen z.u, es ist das erste persönliche Gespräch in großem Maßstab, geführt mit einer ganzen Gruppe von Genossen, daß sie sich irren, wenn sie glauben; wir Neuen verstünden nicht ihre Probleme. Bahlew lächelt verlegen, Henriette schreit: Bitte, was best du schon groß verstanden, erkläre mir, was du verstanden hast, dann werde ich «eben, wie es mit deinem Verstand steht. Es ist ein Examen. Ich liege neben Rachmann, einem Mann der Ssidur Awodah (Arbeitsverteilung) des Pardess, einem fleißigen, stillen Menschen, und tue so, als ob ich mit ihm rede, in Wirklichkeit rede ich mit der ganzen Kwuzath Pardess. Ich sage, an und für sich verstünde ich Bar Koach. Jane abstrakte Idee, die keinen konkreten Platz in der Welt habe, sei sozusagen zur Wirkungslosigkeit verurteilt. Leute wie Bar Koach seien besorgt um den konkreten Platz, der abstrakten Idee. Er sagt eben: Erst der konkrete Platz. Pah, ruft Henriette, das ist das entfernte Läuten, das du gehört hast, üu kennst nicht die eigentlichen Zusammenhänge. Was für Zusammenhänge? schreie ich und beginne, mich zu ärgern. Tel Hamern ist der konkrete Platz, des abstrakten Kibbuz Hameuehad. Das kostet eine Kleinigkeit. Fast jede Woche sind große Versammlungen mit Delegierten aus allen Gegenden. Sowas will auch bezahlt sein. Henriette wirft sieh zurück, lächelt, beschließt zu schlafen. Auch die andern drehen sieh auf die Seite. Nur mit Bachmann führe ich im Flüsterton das Gespräch weiter. F",s ist, klar, sage ich ihm, daß ich die Dinge nicht so sehen kann wie Bar Koach. Schließlich hat mich ja nicht 'Fei Hamon nach Palästina geholt, sondern die Bewegung. Trotzdem sei ich überzeugt von dem Wert solcher Typen wie Bar Konch. Es handelt sich hier um ein Problem, das Jahrhunderte alt ist, um den uralten Widerstreit von Körper und Geist, seit .Jahrhunderten will man nicht verstehen, daß beide nötig sind, Bar Koach und sein Gegner. Oh, seit Jahrtausenden, sagt Bachmann lächelnd. Hätten nicht die Bar Koachs in der Wüste gemurrt, dann wäre keine Manna vom Himmel gefallen. Und übrigens, er persönlich zum Beispiel und noch viele andere hier aus dem Pardess gehen in dieser Frage bedeutend weiter, als Bar Koach geht. Nachher ist endgültige Ruhe, auch Rachmann schläft. Nur ich kann nicht schlafen, mir schwirren verschiedene Gedanken durch den Kopf. Es wäre Selzer im Lehen nicht eingefallen, Rachmann oder Bahlew aufzustellen als Typen des Meschekismus, und doch sind sie viel mesehekistischer als Bar Koach, dessen mesetickistisches Porträt so Münze ist, im Umlauf bei den Neuen. Und wie erschrocken er war, dieser Bar Koach, die Dinge müssen schwieriger sein, aber ich glaube seinen Worten, er wird es mir nicht übelnehmen. Henriette ist eine alte Hexe, das weiß ich schon längst. Bahlew wird heute abend mit Ben Ezew sprechen und sagen: Dajan beginnt, ernsthaft in die Probleme einzutreten und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Nur Darki und jener Traktorist tun, als ob sie nichts gehört haben von meinem Vorstoß, die liegen da und schnarchen. Wie ich glücklich bin, daß ich es geu aat hnlic z.u sprechen. Ich kann mir vorstellen, daß ich glücklich sein werde in 'Fei Hamon, eines Tages. Immerhin waren die Alten bereit, nach einer gewissen, nicht einmal allzu langen Zeit ihre S< liuimeistcrei einzustellen. Um das zu bemerken, war kein optimistischer und vernebelter Geist nötig. Es war so wie Zadck damals gesagt hatte: Um jeden Neuen bildet sich ein Gerii« htekran/;, ein Nimbus, entweder nach seiner Flieeenbüchse oder nach seiner wirklichen ehrlichen Bemühung. Jeh hatte die Fliegenbüchso abgestreift. Ich meinte es zweifellos ernst mit meiner Beziehung zum Kibbuz, ich halte dieses einfache Anstandsgefühl, daß ich arbeiten mußte. Eines Tages, plötzlich, hört die Schulmeislcrci auf. Man fühlt das an tausend Kleinigkeiten. Vier Alann machen eine Sache schlecht. Bahlew stellt sie an einen anderen Punkt und sagt: Dajan Sommer wird es allein machen. Und Dajan Sommer macht es und wird schneller fertig, als die vier Mann fertig geworden wären, da wendet sicli rkahlcw zu Ben Ezew, hebt Hände und Schultern und sagt irgend etwas, das so klingt wie: Siehst du wohl? An gewissen Stellen sind junge Bäume nachgepflanzt worden. Diese Bäume brauchen mehr Wasser als die andern, bekommen in kurzen Abstanden Sondcrbew iisserung. Dajan Sommer wird zu dieser Arbeit geschickt, erledigt jedesmal den Auftrag in anderthalb Tagen. Die Alten wundern sich, haben zwei bis drei Tage angesetzt für diese Sache. Sie fragen nach den einzelnen Bäumen, ob ich auch keinen ausgelassen habe. Und sie heben wieder Hände und Schultern und stehen zusammen und sagen grinsend: Siehst du wohl? Einmal ist der dicke Karsan unten im Pardess. Von Arbeiten hat er kaum eine Ahnung. Wir gehen zusammen zum Tcllerhaeken. Ich mache einen kreisrunden, mathematisch genauen Teller wie Tisari, blitzschnell, in zwei Minuten, da bleibt dem dicken Karsan der Mund offen und er sagt: Mensch, du bist ja verrückt. Aber ich bin gar nicht verrückt. Nur so macht mir die Arbeit Spaß. Und ich will abends zerbrochen sein und schlafen wie ein Toter, in meinem schonen Zelt. Jeden Tag zerbreche ich mich von neuem. Sehr oft kommt es vor, daß man mich mit einem Knaben der Noar Germani (Jugend aus Deutschland) an einen Punkt schickt: Zeige ihm, was zu machen ist. Nun bin ich mit diesen Jungen befreundet, als junger Mensch, und sie glauben allemal, daß ich sie befreien werde von der Verpflichtung

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