Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 31 (20.4.1937)
- Date
- 1937-04-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 31, 20. IV. 1937 Italien und der Zionismus Von unserem Berichterstatter jüdische Landarbeiterschaft kann mir unter Berücksichtigung der psychologischen Faktoren, die für die Einwanderer charakteristisch sind, geschaffen werden; nationales und Profitinteresse decken sich nicht immer, so daß der Kolonisator auch gelegentlich den Nachteil ausbleibender Profite in Kauf nehmen muß; Frieden und Freundschaft zwischen Arabern und Juden sind die Voraussetzung der kontinuierlichen kolonisatorischen Entwicklung des Landes. Nicht weniger groß waren die Schwierigkeiten, die Ruppin nach dem Kriege vorfand, als die politischen Chancen der Verwirklichung w eit großer waren, die materiellen Möglichkeiten der zionistischen Bewegung aber allzu beschrankt blichen. Unter der Last dieser Sorgen vergaß Ruppin niemals den Kern der Aufgabe, die er sich seihst gestellt hatte: Gewiß sollte in Palastina mit ökonomischen Mitteln kolonisiert werden, aber nicht im Sinne einer Ausbeutung des Landes im Interesse einer auswärtigen Macht, sondern mit dem Ziele, durch die Entwicklung des Landes die Basis für ein m e n s c Ii I i c h, s o z i a I und kulturell erneuertes V o 1 k s I c b e n z u schaffen. Im Mittelpunkt seines Nachdenkens steht daher immer wieder der Mensch, mit dem er es zu tun hat, der judische Siedler in seiner Eigenart, die es zu respektieren und zugleich zu lenken gilt, um ein sinnvolles Ergebnis zu erzielen. Man hat Ruppin deshalb oft gemijj angegriffen, weil man glaubte, seine Methoden gingen all/u »ehr auf die Bedürfnisse der Siedler ein, ohne immer die Prinzipien der Rentabilität im engeren Sinne zu berücksichtigen. Demgegenüber beharrte er zäh und letzten Endes erfolgreich an seinen (jrundsatzen, die in der richtigen Auslese des Menschenmaterials für die kolonisatorische Arbeit d:e Hauptvoraussetzung des Gelingens nationaler Kolonisation sahen. Nur unter dieser Voraussetzung erschien es ihm möglich, ein selbstarbcitcudes Volk mit der Scholle zu verbinden, so da!! es nicht mehr vom Boden venneben werden Kann. Die Selbstverwaltung der Siedler stellte er in megciis.itz zu dem System einer bevormundenden Administration, da-, in der vorangegangenen Periode der Palastinnsiedlung ublieh gewesen war. Oewiß hat Ruppin sehr viei dafür getan, die Beratung und Anleitung der Siedler auf einen hohen Standard zu bringen, aber er glaubte, daß dieser Teil der Arbeit niemals den Gedanken in den Hintergrund drangen dürfe, die Initiative der Siecher und ihre Selbstverantwortlicbkeit für das Gelingen der Kolonisation zu wecken. jucH-ebeiaudu ii tsch.iftiiehe Siedlung aus rein materiellen Motiven oder unter dem Druck der Not erscheint Uiin u.i;:i seinen l.rtalnungeii ohne Aussicht auf dauernden Bestand. Diese* Erkenntnis aber muß sich im Verhältnis zu den Siedlern ausdrucken, die gleichberechtigte Partner der kolonisierenden Iiistanz sein sollen. Diese ürundeinslellmig, die er bei vielen Gelegenheiten verteidigte, brachte Ruppin in eine enge, ja fretmdsehaftliclie Beziehung zu den jüdischen Arbeitern Palästinas, in denen er die Verkörperung des Chaluzgedankcns sah. Er hatte den Siedlern von Deganiah schon vor dem Kriege die eiste Möglichkeit einer seibstverantwortliehen Ansicdlung gegeben, und er hat nach dem Kriege dieses Werk ungeahnt erweitert. Ruppin, der keiner Partei im Zionismus verschrieben ist, der aber em warmes Gefühl für die Untrennbarkeit nationaler und sozialer Erneuerung besitzt, bat nie daran gezweifelt, daß der Gedanke der Selbstverantwortiiehkeit der Siedler auf lange Sicht auch zur. größten Wirtschaftlichkeit der Siedlungen fuhren müsse. Er hat dies Prinzip gegenüber Ziunisten und Nichtzionisten, die das Prinzip der „Oekonomie-' ihm gegenüber im Munde führten, verteidigt — und er hat damit, wie die letzten Jahre beweisen, recht behalten. Zugleich wurde Ruppin zum Verteidiger der genossenschaftlichen Siedlung, der K w u z a h, die er trotz mancher Kritik an Einzelheiten als eine der grundlegenden Siedlungsformen Palästinas anerkannte, die den Bedurfnissen eines wichtigen Teiles der Kolonisten entsprechen. Den Enthusiasmus der Menschen betrachtete er ja als das wertvollste Kapital der zionistische!! Bewegung. Durch alle Aeußcrungen Rupnins, die in diesem Sammelbuch vereinigt bind, geht seine Erkenntnis von der Schlüsselstellung d e r I. a n ii w i r t s c h a f t für die Schaffung eines, normalen Volkslebens in Palästina, das für die Dauer gesichert werden soii. Er gehörte daher zu denen, die nach dem Kriege den Kauf des E in e k Jesreel begrüßten, weii hier die Möglichkeit gegeben war, eine beträchtliche landwirtschaftliche Bewiikci ung ansässig zu machen. Immer neue Kolimisationspl.uie schuf er, die sich den jeweiligen Bedingungen anpaßten, fnr Arbeitersiedl er wie auch für Kreise des Mittelstandes, und er hat nicht zuletzt führenden Anteil daran genommen, einer großen Zahl von Juden, die seit 1933 aus Deutschland nach Palästina eingewandert sind, zu einer agrarischen Existenz zu verbt Ifen. Auf fast allen Kongressen verteidigte Ruppin die Position der Landwirtschaft, von der er meinte, daß sie miutU »Ii-ssn ein i it'itul fh- Ji-chuw umfassen müsse, und er wurde von einer tiefen Unruhe gequut, weil er sah, daß die hierfür zur Viiiuguug stehenden Mittel bei weitem nicht ausreichten, ja daß man sie zugunsten anderer Zwecke allzu sehr beschnitt. Ruppin ist ein prononcierter Vertreter des Prinzips der „gemischt e n L a n d w i r t s c h a f t", in deren Mittelpunkt die Milchproduktion steht, wahrend die übrigen Zweige der Wirf schaff sich darum gruppieren. Er bekämpfte bei vielen Gelegenheiten die allzu große Ausbreitung von einseitigen Monokulturen, in denen er ein Risiko für die wirtschaftliche Sicherheit des Siedlers sah. Eine Zeitlang schien es, als ob Ruppins Ansicht von der Entwicklung überholt wurde, da die Erfolge des Zitrusbaus den Gedanken der Monokultur in günstigem Licht erscheinen ließen; erst die allerjiingste Vergangenheit wieder hat den Beweis erbracht, daß auf die Dauer das Prinzip der gemischten Wirtschaft die* grüßte Sicherheit für die Siedler bietet und ihnen einen erheblichen Teil des Risikos abnimmt. Die Schaffung von Instituten für die Durchführung der jüdischen Kolonisafion in Palästina ist zu einem erheblichen Teil das Verdienst Ruppins. Schon vor dem Kriege schuf er zur Erleichterung des Bodenerwerbs die Palestine Land Development Co, (PLDC); nach dem Kriege war er ti. a. an der Gründung der Arbeiterbank stark beteiligt, und seit Beginn seiner Arbeit forderte er die Schaffung eines besonderen Kolonisationsinstituts für die Durchführung der eigentlichen zionistischen Siedlurigsarbeit, eine Forderung, die endlich vom Luzerner Kongreß im Jahre 1035 nach vielen vergeblichen Kämpfen akzeptiert und in der Gesellschaft „Pasa" realisiert wurde. Wir erwähnten bereits die Kraft der Vision, die diesem manchmal so nüchtern erscheinenden Wirtschaftspollfiker eigen ist. Er ermöglichte die Gründung von Tcl-Awiw, er sah den Wert des Emek Jesreel für die Entwicklung Kr. Rom, 17, April Einige italienische Tageszeitungen, die von jeher eine Außenseiterrolle spielen, wie z, B. das römische Mittagsblatt „II T e v e r e" und die in Cremona erscheinende Zeitung „Regime Eascista'', entfesseln von Zeit zu Zeit eine aidisemitische Kampagne, die zwar bei der im allgemeinen so vorzüglichen Disziplin der italienischen Presse überrascht und entsprechendes Aufseben erregt, die jedoch nicht übertrieben ernst genommen zu werden verdient. Die überwältigende Mehrheit der italienischen Presse und ausnahmslos alle großen und wirklich bedeutenden "lütter hierzulande haben keinerlei antisemitische Tendenz und nehmen nicht die geringste Notiz von der antisemitischen Kampagne der gemannten Blätter, die auch sonst vert der italienischen Oeffenthehkeit abgelehnt wird und beim Publikum keine Resonanz findet. Auch die Haltung der maßgebenden Rcgicrurgf. kreise ist keineswegs antisemitisch. Das ist immer um' immer wieder von autoritativer Seite versichert vordem Sehr viel böses Blut machte unlängst die Veröffentlichung einer ca. 1000 jüdische Familiennamen umfassenden Liste durch den „Tevere", die eine ausgesprochen antisemitische Tendenz verfolgte und sozusagen als eine Anprangerung anzusprechen war (siehe „Jütl. Rundschau Nr. 29). Von zuständiger italienischer Regierungsseite wurde aus diesem Anlaß wieder erklärt, daß es in Italien keinen Antisemitismus gehe und die Regierung derartigen Veröffentlichungen völlig fern steht. Mussolini habe erst unlängst anläßlich seines Besuches im jüdischen Viertel in Tripolis zum Ausdruck gebracht, daß er die jüdische Bevölkerung gerecht und völlig gleichbcreehtigt zu behandeln wünsche, so wie es in der italienischen Verfassung verankert ist und wie es insbesondere in der faschistischen Gesetzgebung über die nichtkatholisehen Religionen und die Einrichtung jüdischer Gemeinden und Selbstverwaltungskörpcr zum Ausdruck kommt. Soviel über die grundsätzliche Haltung der italienischen Regierung zur Frage des Antisemitismus, Eine eigentliche jüdische Frage gab es bisher in Italien nicht. Dagegen haben in letzter Zeit unter dem Eindruck der Vorgange: im Mittelin e e r, der anglo-italieuischen Spannung, die auch durch das im Januar geschlossene „gentlenian's agreement'' nicht beigelegt werden konnte, und der jüngsten Mitteilungen über eine angeblieh beabsichtigte Aufteilung Palästinas in eine judische und eine arabische Zone mit gewissen Souveränität, rechten die italienischen Stimmen gegen den Zionismus zugenommen. Italien sieht sich im östlichen Mittelmeer in der Flanke seines Verbindungsweges nach Ostafrika Indische Sorgen Englands Schwierigkeiten kolonialer Feldzüge Die englische Öffentlichkeit wird durch die Unruhen in Nordwest-Indien seit einiger Zeit stark interessiert, die sich zu den allgemeinen Verfassungsschwierigkeilen Indiens hinzugesellen. Nach längeren und zum Teil sehr verlustreichen Kämpfen hat sich die Regierung entschlossen, gegen den „F akir von I p D, den Führer der Aufständischen, unter Einsatz von 33 00t) Mann und mehrerer Flugzeugstaffeln vorzugchen. Dieser Feldzug hat eine gewisse Aehnlichkcit mit den Ereignissen des letzten Jahres in Palästina. Das kommt schon in der Größe der eingesetzten Truppenkontingente zum Ausdruck, von denen man in England sagt, da!) sie in Indien etwa ebenso stark seien wie die Truppen, mit denen England den Bu renkrieg begann. Es zeigt sich, daß derartige koloniale Expeditionen, besonders wenn sie in einem so schwierigen Ocbirgsland vor sich gehen, außerordentliche militärische Anstrengungen erfordern. (Dies war auch 1924 in Marokko bei dem Rif-Krieg Abd ei Krims gegen Spanien und später gegen Frankreich der Fall.) Die Eingeborenen verfügen vielfach über eine gute Bewaffnung und sind durch ihre Teilnahme am Weltkrieg; militärisch oft gut geschult. Wie erinnerlich, betrug die Stärke der Truppen, die General Dill im vergangenen Jahre zeitweise in Palästina zur Verfügung hatte, etwa 15 000 Mann, und auch damals wurde die englische Oeffentlichkeit stark davon beunruhigt, daß derartig große Truppenkontingente erforderlich waren, die allerdings in Palästina selbst nicht mehr zum vollen Einsatz kamen, so daß es dort mehr bei einer militärischen „Demonstration" blieb. des Landes in einer Zeit voraus, in der ein großer Teil der Bewegung davon wenig wissen wollte. Er empfand überhaupt die Bedeutung der großen Ebenen Palästinas für die Verwurzelung des jüdischen Volkes im Lande, deren Erwerb und Besiedlung er daher immer wieder forderte und zu realisieren suchte. Besonders aktuell ist heute die umfangreiche Auseinandersetzung, die er nach den Unruhen von 1929 mit den englischen Kritikern der jüdischen Arbeit, besonders mit Sir John Flope Simpson führte. Damals wies er nach, daß die Fassungskraft Palästinas weit größer ist, als englische Sachverständige auf Grund falscher Schätzungen annahmen, und zeigte, daß das wirtschaftliche Problem der Entwicklung Palästinas darauf beruhe, die Landwirtschaft beider Bevölkerungsteile zu intensivieren und damit Raum für neue Siedler zu schaffen, wobei das erforderliche Kapital den Arabern dadurch zur Verfügung stehen werde, daß sie einen Teil ihres nunmehr überflüssigen Bodens an jüdische Siedler verkaufen. Mit diesen Erwägungen verband er damals und von jeher eine bestimmte Haltung gegenüber dem arabischen Volk, das er stets als einen wichtigen politischen Faktor Palästinas betrachtete, dem gegenüber er eine konstruktive jüdische Politik forderte, die davon ausgeht, daß Palästina für alle Zeit die Heimat zweier Völker sein wird. Ruppin ist — und das kommt bei zahllosen Gelegenheiten zum Ausdruck — von einem tiefen Glauben an die Zukunft der Juden in Palästina durchdrungen. Er kennt aus seinen soziologischen Untersuchungen die Gefährdung des jüdischen Volkes durch die Kräfte der Assimilation und sieht in Palästina den Motor der Erhaltung und Erneuerung. So groß sein Wunsch aucbjAwar, Palästina so rasch wie möglich zu entwickeln — und ef erkannte, daß manches, was man versäumte, später nie mehr oder nur unter großen Opfern nachzuholen sein wird —, so sehr betonte er immer wieder, daß es nicht nur auf hohe Einwanderungszahlen ankommt, sondern daß den Einwanderern eine dauernde Existenz im Lande geschaffen werden bedroht. Es sieht In einem jüdisch-palästinensischen Dom!, nium einen Flottenstützpunkt und eine Militärbasis, die England dort mit Hilfe jüdischen Kapitals errichtet, die nach hiesiger Auffassung nur gegen Italien gerichtet sein könne. Prot. O r a n o, dessen jüngst erschienenes Buch „Die Juden n Italien" schon an dieser Stelle besprochen wurde („J.R." Nr. 29) formulierte diesen Oedanken in dem Schlagwort eines „neuen Gibraltar". Man darf sagen, daß das, was heute in Italien verschiedentlich als Antisemitismus in Erscheinung tritt, sich bei näherem Zusehen als ein betonter Anti- Zionismus entpuppt. Mau ist nicht gegen das Judentum iis solches, sondern gegen den im englischen Fahrwasser «feuernden und daher angeblich italienfeindlichen Zionismii«. Die „G a z z e 11 a del Popolo" schrieb dieser Tage, der „Prozeß der Assimilation sei in Haben keineswegs als gescheitert zu betrachten. Dem national orientierten Juden erkennen wir durchaus das Recht zu, auf seine eigene Rasse und Geschichte stolz zu sein und sich für den Wiederaufbau einer eigenen jüdischen Nation einzusetzen. Aber was würde geschehen an dem Tage, an dem die Liebe zur jüdischen Heimat mit der Liebe zu dem adoptiven Vaterland in Konfbkt geräte? Die italienischen Juden riskieren, sich in einer solchen Lage zu finden, und vielleicht eher, als sie glauben". Die antizionistischen Wogen gehen augenblicklich in Italien sehr hoch. Wir haben hier auf die Gefahr solcher M i Ii ■ Verständnisse schon vor längerem hingewiesen und immer wieder erklärt, daß sich der Zionismus und das Judentum in dem anglo-italienischen Mittelmeerkonflikt absolut neutral zu verhalten wünscht und daß eine solche Haltung schon im selbstverständlichen Interesse einer ruhigen und steten Aufbauarbeit in Palästina liegt. Die I>iskussion darüber ist in Italien erst unlängst wieder entbrannt, an. läßlieh des Bekanntwerdens der Gerüchte über den angeblichen Teilungsplan Palästinas und die Errichtung eines selbständigen jüdischen Staates in der Form eines englischen Dominium». Es wäre gut, wenn die verantwortlichen jüdischen Stellen in Palästina einmal klar und nachdrücklich zum Ausdruck brächten, daß die italienischen Befürchtungen unbegründet sind und das jüdische Palästina durch, aus Wert auf gute und freundschaftliche Beziehungen mit Italien Wert lege. Palästina ist heute einer der besten Kunden für italienische Produkte, und man sollte annehmen, daß es bei einigem guten Willen auf beiden Seiten gelingen sollte, Mißverständnisse aus dem Wege zu räumen und jenes durch den anglo-italienischen Konflikt im Mittelmeer entstandene und immer wieder genährte Mißtrauen, an dem das Judentum in Palästina völlig unbeteiligt ist, zu beseitigen. In der englischen Presse wird die jetzt beschlossene militärische Expedition in Nordwest-Indien zum Teil nicht sehr freundlich begrüßt. Man stellt die Frage, ob eine solche Expedition nicht höchstens eine vorübergehende Lösung der Schwierigkeiten bringen kann, und meint, daß es zweckmäßiger sei, eine aufbauende Politik den Stämmen gegenüber zu betreiben, die zum Bandenkrieg deshalb veranlaßt würden, weil ihre Heimat unfruchtbar sei und von vernichtenden Dürren heimgesucht werde. Bandenüberfälle erseheinen daher den verarmten Bauern als einträglichere Erwerbsquelle als ihre reguläre Arbeit. Mit dem Oelde, das die Expedition koste, solle man lieber, so argumentiert man, produktive Zwecke im Interesse der Bevölkerung fördern. Die Ereignisse in Nordwest-Indien zeigen jedenfalls, daß die Situation der kolonialen Mächte heute den Einwohnern des Landes gegenüber vielfach nicht einfach ist, und daß Palästinas Sotgen keinesfalls einen Sonderfall darstellen, der durch die jüdische Kolonisation allein hervorgerufen wurde. Auch in anderen Kolonialgehieten des Orients entstehen schwierige Probleme, teils aus wirtschaftlichen, teils aus politischen Gründen, die einen sehr hohen Krafteinsatz Seitens der europäischen Macht verlangen. Jüdischer Bürgermeister Wie uns aus Bombay geschrieben wird, ist zum dritten Male in fünf Jahren in Bombay ein Jude zum Bürgermeister gewählt worden. Der neue Bürgermeister, Dr. E. Moses, ist gleichzeitig der erste Angehörige der Bne Israel, der zu diesem Ehrenamt berufen wird. Die früheren jüdischen Bürgetmeister waren Sir David J. Sassoon und Dr. Meir N i s s i m. muß, um das Gelingen des Werkes zu sichern. Um es zu stä'ken und die erforderlichen Mittel zu beschaffen, strebte er eine Kooperation aller Juden für den Palästina- Aufbau an; die zionistische Bewegung erscheint ihm jetzt stark genug, um auch mit -denen zusammenzuarbeiten, die in theoretischen Ansichten von ihren Auffassungen abweichen. Er ist ja im eigentlichsten Sinne eine Persönlichkeit der Synthese, geschult an westlicher Wissenschaft und prak isch verbunden mit Menschen aus den östlichen Massen des jüdischen Volkes, die in einer orientalischen Natur den Versuch machen, neue Lebcnsgrundlagen zu schaffen. Es ist klar, daß diese Elemente in einem Geist wie dem Ruppins eine besondere Ausprägung erlangten, so daß auch dort, wo es sich um die Erörterung sehr nüchterner und sachlicher Fragen handelt, seine starke Anziehungskraft zum Ausdruck kommt. Es ist sehr zu begrüßen, daß jetzt die Möglichkeit gegeben ist, zahllose früher zerstreute oder ganz unzugängliche Aeußcrungen Ruppins zu studieren. So etwas wie ein Lehrbuch der zionistischen Kolonisationsgeschichte und der ihr zugrunde liegenden Ansichten ist hier entstanden. Wer die Gegenwart Palästinas verstehen will und sich über seine Zukunft Gedanken macht, wird es lesen müssen — allerdings eine Autgabe, die weniger Zwang als Entspannung ist, da ein wirklicher Lehrmeister zu uns spricht, dessen menschliche Geschlossenheit aus jedem seiner Worte hervorscheint. Die Lehre der Vergangenheit wird auch in der Zukunft für uns ein Führer sein und — wie wir hoffen —- auch Ruppin selbst, dessen Schaffenskraft ungebrochen ist, und der dem Lande Palästina und der zionistischen Bewegung noch \ icles zu sagen und für sie praktisch zu schaffen hat. K. L. Hauptschriltleiter: Dr. Robert Weltich, Berlin - Ch&rlottenburg 8 (auch verantwortlich für die Aufnahmt von Bildern). Stellvertreter! Kurt Loewenstein. Berlin W 15. Anzeigenleiter und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigern Hermann F i n n. Berlin W 15. Gültig Anzeigen. Preisliste 5 vom 1. April 193a. Verlag und Anlelgenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin VV15, Meinelcestr. 10. D.A. Märr 33 162. — Druck: Siegfried Schoten», Bln.-Schöneberg,