Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 31 (20.4.1937)
- Date
- 1937-04-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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22 4.1S37 r.y^ ffr. 3* ' Jahrgang 42 Preis 25 Rpf, JUDISCHE RUNDSCHAU SchrIf"e"n'>2>Vt"1"« ■« Anielgenverwalttragi BarllnWlS, M.inakeitr.10 Feraru'< 919031, Telegramm-Adraaiei Qrghlp. - Bezugspreis einschlicBlich Botengeld je Monat RM 2,-, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 biw. RM 53? — Pontucheck - Konten der Vertrieb» - Abteilung Berlin 71573 ißr Groß - Berlin), Berlin 17392 (für du» übrige Reich). In Fällen höherer Gewnlt fcelteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter B«upigfbülir<«i. — Er»chelnt jeden Dienitag and Fr.itag. BERLIN t"snn v\x 'd DIENSTAG, 20. APRIL 1937 GUItig i Anzelgenpre.ali.tte Nr. 5, Dir 12 gespaltene mm - Zeile 20 Rpf., für Familien. Nachrichten 15 Rpf, Für dip Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet Gelegenheit«, anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. Annahmrschluö für dia Dienstag - Aungabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgab« Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Verträge im Nahen Osten Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. T c I - A w i w, 11. April Die palästinensischen Araber haben in diesem Jahre ihre Propaganda im Auslande verstärkt, und ihre Emissäre sind zwischen Jerusalem, Kairo und Damaskus, zwischen Bagdad und Mekka hin- und hergefahren. Die panarabische Idee, die an dem Ziel eines arabischen Staatenbundes festhalt, hat diese Bemühungen beeinflußt. Und auch das Beispiel der jüdischen Aktivität, die für den Palästinaaufbau die Unterstützung der Judenheit in der gesamten Welt suchte, hat fraglos — mit den entsprechenden Veränderungen — auch das politische Denken der Araber beeinflußt, indem sie den Juden in der Welt die Araber in der Welt gegenüberzustellen versuchte. Es ist oft darauf hingewiesen worden, daß die beträchtlichen Erfolge, die die arabische Unabhängigkeitsbewegung in verschiedenen Ländern in den letzten Jahren zu verzeichnen hatte, den Kampf der palästinensischen Araber gegen den Zionismus und gegen die englische Mandatsherrschaft angefacht haben. Die Umwandlung" des Mandates über Irak in einen Bündnisvertrag mit England; die Unabhangigkeitserklärung Aegyptens, die die Hoffnungen von Jahrzehnten erfüllten; der Vertrag zwischen Frankreich und Syrien — all dies sind bedeutsame Etappen, die eine Umwandlung in der europäischen Politik gegenüber den arabischen Ländern anzeigen. Ohne Frage stärkten sich durch diese Ereignisse die Hoffnungen der palästinensischen Araber. Zugleich haben wir bereits in der kurzen Zeit, in der die arabischen Staaten sich in ihrem mehr oder weniger echten Status der Unabhängigkeit einrichteten, beobachten können, daß sie von den Sorgen ihrer neuen O c in c i n w c s e n so stark absorbiert wurden, daß ihnen wenig Zeit und Kraft für die Anteilnahme an dem Schicksal 'des benachbarten Palästina übrigblieb. Line Flut von Schwierigkeiten brach über die neuen politischen Gebilde herein. Die finanziellen Anforderungen für ihre Basierung waren gewaltig. Die Schaffung eigener Armeen verlangte große Anstrengungen. Versprechungen, die man dem Volke ::och in der Zeit des Unabhängigkeitskampfes gemacht hatte, mußten jetzt verwirklicht werden, und es fehlten an allen Enden und Ecken die nötigen Mittel und Kräfte. Syrien hatte sich sofort mit dem neu auftauchenden Problem von Aiexandrette zu beschäftigen und ist bis heute nicht damit fertig. In Aegypten erhob sich zum ersten Male seit langen Jahren gegen die nationale Wafd-Partei, die mit der Unabhängigkeit ans Regierungssteuer gekommen war, eine ernsthafte "Opposition und es zeigte sich, daß es nicht dasselbe ist, das Volk gegen eine fremde herrschende Macht zu führen oder selbst die Regierung zu übernehmen, (icrade Aegypten, das unter den neuen Staaten des Nahen Ostens das mächtigste und fortschrittlichste Glied darstellt, und von dem seinerzeit die palästinensische arabische Bewegung sehr viel erwartete, hat sich in dem Konflikt des letzten Jahres zurückhaltend erwiesen, und mau hatte gelegentlich den Eindruck, daß es wenig daran interessiert war, sich in die komplizierte palästinensische Frage einzumischen, weil es im Innern zu stark beschäftigt war. Auch hat es ja in Aegypten eine Richtung gegeben, die der panarabischen Idee aut Grund einer besonderen „ägyptologischen" Ideologie abhold war und die neu erstehende ägyptische Kultur mit der alten Glanzzeit der Pharaonen verbunden wissen wollte. Um so interessanter ist es, daß N alias Pascha, der langjährige Führer des Wafd, Nachfolger von Zaglul Pascha und jetziger Premier, eine Erklärung abgab, daß sich Aegypten in Zukunft der stärkeren Verbindung mit den arabischen Nachbarländern widmen würde. Diese Erklärung wurde in einem Moment abgegeben, als Nahas an der Spitze einer Delegation sich auf den Weg nach Montreux begab, um an der Konferenz über die Abschaffung der Kapitulationen teilzunehmen. Die Abschaffung der Kapitulationen, also der Vorrechte der europäischen Ausländer in Aegypten, ist einer der wichtigsten Schritte zur wirklichen Unabhängigkeit des Nillaiidcs. Für den ägyptischen Nationalismus ist die Tatsache von Montreux selbst schon von Wichtigkeit, und es ist kein Zufall, daß sich die Abfahrt von Nahas und seiner Delegation — trotz der erwähnten verstärkten Opposition im Parlament und in der Presse in letzter Zeit — zu einer Art von Triumphzug gestaltete. So gibt der psychologische Moment, in dem die genannte panarabische Erklärung abgegeben wurde, ihr noch besonderes Gewicht Unu eine eigenartige Farbe. Zu ähnlicher Zeit, wo diese Nachricht aus Kairo eintrat, kam aus Bagdad die überraschende Mitteilung, daß Irak den Vertrag mit Iran (Persien), Afghanistan und der Türkei nicht unterzeichnet habe. Dieses Abkommen zwischen vier östlichen Staaten schien in allen Punkten vorbereitet und die Zustimmung aller Beteiligten sicher, als Irak davon im letzten Moment zurücktrat. Lm Nahen Osten sind in letzter Zeit die Bewegungen der Türkei sehr genau verfolgt worden. Dieser neue Nationalstaat, nicht nur de jure, sondern auch de facto völlig unabhängig von westlicher Herrschaft, ist durch seine rasche Entwicklung, seine Konsolidierung, seine mit eiserner Konsequenz durchgeführte Säkularisierung und Modernisierung findie abhängigen oder halbabhängigen Länder des Nahen Ostens ein aneiferndes Beispiel geworden. Zugleich aber hat die Sandschak- Frage, der Anspruch der Türkei auf eine syrische Provinz mit starker türkischer Bevölkerimg, als eine Art Warnungszeichen für die Länder des Nahen Ostens gewirkt, die so etwas wie eine beginnende türkische Expansion wittern und sich nicht ganz wohl dabei fühlen. Es ist bisher nicht klar, welche Gründe hinter der Weigerung Iraks zur Unterzeichnung des Vierer-Vertrages stecken, aber da man gewöhnt ist, Schritte der irakischen Außenpolitik in eine Verbindung mit den englischen Tendenzen im Nahen Osten zu bringen — ist doch seit der Umwandlung des Mandats in einen Vertrag die Verbindung zwischen England und Irak kaum gelockert — so werden sofort Kombinationen laut, die zwischen dem Akt in Bagdad und der Erklärung in Kairo eine gewisse Verbindung finden und die Frage stellen, ob England wieder in stärkcrem Maße als bisher auf einen p a n a r a b i s c h e 11 Kurs hinarbeitet, für den es ja immer in London Sympathien gegeben hat. Für das jüdische Werk in Palästina sind die Vorgänge in den umliegenden Ländern immer von größter Bedeutung gewesen. Mit den aufgetauchten Vorschlägen zu einer völligen Umgestaltung des politischen Status im Lande, also den Ideen für Teilung oder Kantonisicrung, erlangen diese Entwicklungen ein noch größeres Gewicht. Denn die neu entstehenden Gebilde würden sich ja in das Mosaik der verschiedenen Staaten des Nahen Ostens entsprechend eingliedern müssen. Wir wissen seit langem, daß die politische Gestaltung im Lande nicht nur von den Kräfteverhältnissen Palästinas, sondern auch zu einem bedeutenden Teile von der internationalen Situation abhängig ist. Die Abessinienkrise im vorigen Winter und der Widerhall englisch-italienischer Spannungen und Entspannungen der letzten Zeit hat diese Zusammenhänge aufs klarste bewiesen. Die genaue Beobachtung der politischen Entwicklung in den umliegenden Ländern und die Schaffung entsprechender Beziehungen gehören daher mit zu den aktuellen Aufgaben unserer Politik. Tagung über die Judenfrage Vom 12. bis 14. Mai tritt in der Universität München das Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschlands zur zweiten Jahrestagung seiner „Forschungsabteilung judenfrage" zusammen. Nach einem einleitenden Jahresbericht des Oeschäitsführenden Leiters der Forschungsabteilung Judenfrage, Dr. Wilhelm Grau, sprechen der Präsident der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, Professor Dr. Johannes Stark, Berlin, über „Das Judentum in der Naturwissenschaft"; Professor Dr. Otmar Freiherr von Verschuer, Frankfurt a. M., über „Das biologische Problem der Judenfrage"; Generalstaatsarchivar Professor Dr. Ludwig B i 11 n e r, Wien, über ,.Die Judenfrage und die Archive"; Professor Dr. Max Wandt, Tübingen, über „Das Judentum in der Philosophie"; Professor Dr. Hans Alfred ürunsky, München, über „Banich Spinoza"; Dozent Dr. Karl Georg Kuhn, Tübingen, über „Weltjudentum in der Antike"; Professor Dr. Gerhard Kittel, Tübingen, über „Das Konnubium mit Nichtjuden im antiken Judentum"; Professor Dr. Hans Bogner, Freihurg, über „Philon von Alexandrien als Historiker"; Professor Dr. Franz Koch, Berlin, über „Goethe und die Juden"; Dr. Wilhelm Stapel, Hamburg, über „Kurt Tucholsky"; Professor Dr. Klco Pleyer, Königsberg, über „Das Judentum •n der kapitalistischen Wirtschaft"; Dr. Ottokar Lorenz, Leiter des wirtschaftspolitischen Referats in der Reichsjugendführung, Berlin, über „Karl Marx"; Oberregieruugsrat Dr. Wilhelm Ziegler, Berlin, über „Walther Rathenau" und Oberst a.D. Walther Nicolai, Berlin, ehemaliger Abteilungschef in der Obersten Heeresleitung über „Das Judentum Während des Weltkrieges im Blickfeld des Nachrichtendienstes''. Zum Schluß der Tagung wird Gauleiter Julius Streicher in einem Vortrag vor den Wissenschaftlern aus den praktischen Erfahrungen des Kampfes gegen das Judentum sprechen. Der Präsident <lcs „Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands-', Professor Dr. Walter Frank, wird die Tagung mit einer kurzen Rede über „Die Judenfrage auf Deutschlands Hochschulen" schließen. Mandatskommission verschoben Genf, 18. April. (JTA.) Amtlich wird bekanntgegeben, daß die außerordentliche Tagung der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes, die übw die Lage in Palästina beraten soll, auf unbestimmte Zeit verschoben worden ist. Die ordentliche Tagung der Kommission wird nicht, wie früher vorgesehen, am 14. Juni, sonders bereits am 31. Mai in Genf eröffnet werden. Ursprünglich war beabsichtigt, die außerordentliche Palästina-Tagung unmittelbar vor der ordentlichen Tagung abzuhalten. Daß sie jetzt verschoben wurde, dürfte darauf zurückzuführen sein, daß der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichtes der Kgl. Kommission noch immer nicht feststeht. Lady Reading vor dem parlamentarischen Palästina-Komitee L o n d o nitlö. April. (JTA.) In einem Konferenz-Zimmer des Unterhauses fand unter dem Vorsitz des Abgeordneten Colonel Josiah Wedgwood eine _ gut besuchte Versammlung des Pro-Pa1ästina-K o m itees des englischen Parlaments statt, bei der Lady Reading über ihre während ihrer letzten Palästinareise gewonnenen Eindrücke sprach. Palästina - Kolonisation Theorie und Praxis der Vergangenheit Zu Ruppins neuem Buch Die Ereignisse des letzten Jahres und die politiscnet» Tendenzen, die sich aus ihnen entwickelt haben und jetzt einer Entscheidung entgegenzugehen scheinen, bedeuten den tief« sten Einschnitt in der zionistischen Nachkriegsgeschichte seit der Half ou i-Deklaration, ja vielleicht die wichtigste Zäsur in der zionistischen Geschichte überhaupt. Wie immer die- Entscheidung fallen mag, sie wird in jedem Falle von weit« reichenden Folgen für die praktische kolonisatorische Arbeit in Palästina sein. Es ist daher heute mehr denn je Ver« anlassung dazu gegeben, auf die Leistungen des jüdischen Volkes in Palastina während der Periode, die hinter uns Iii gt, zurückzublicken und sieh über die Schwierigkeiten der Arbeit und die Methoden, mit denen sie überwunden wurden, Rechenschaft zu geben. Nur wenn wir hierüber volle Klarheit besitzen, werden wir in einer Zukunft, die vielleicht in dieser oder jener Hinsieht unter anderen äußeren Bedingungen stehen wird als die Vergangenheit, alle Möglichkeiten voll ausschöpfen und das Werk der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Erneuerung des jüdischen Volkes auf dem Boden Palästinas vollenden können. Unter' den Persönlichkeiten, die in der hinter uns liegen« den Periode mit dem jüdischen Aufbauwerk besonders eng \ei-knüpft waren, steht Arthur Ruppin in vorderster Reihe. Ruppin, der schon im Jahre 1007 die Probleme der zionistischen Kolonisation ans eigener Anschauung kennenlernte und im Jahre darauf die Leitung des damals mit so gci ingen Mitteln ausgestatteten Palästina-Amtes in Jaffa übernahm, des Institutes, das dazu bestimmt war, die praktische Palästina-Arbeit der zionistischen Bewegung zu inaugurieren, wurde nach dem Kriege zum eigentlichen Leiter der zionistischen Kolonisation. Durch seine utier« liiüdiichc Initiative und seinen nie ausschöpfbaren Reich« tum an Ideen überwand er alle Schwierigkeiten, die in der Vergangenheit oft unüberwindlich schienen, und legte den Cirund zur jüdischen Landwirtschaft Palästinas wie auch zur städtischen Entwicklung sowohl durch die Gründung von Tel-Awiw wie an den Hängen des Kanne! bei Haifa. Auf Ruppins Leistung tmd damit auf das kolonisatorische Werk des Zionismus in Palästina fallt durch ein neues Buch eine Fülle von Licht, das soeben erschienen ist. Es handelt sieh dabei um eine Sammlung von Reden Ruppins auf Kongressen und anderen zionistischen Tagungen sowie von Zcitungs- und Zeitschriffenaufsäfzen, Briefen und Memoranden aus der Zeit von 1007 bis 1<H5. (Arthur Ruppin« biciflig Jahre Aufbau in Pakistina — Reden und Schriften. —• Im Schocken Verlag, Berlin 1037, mit einem Nachwort vor! IL II. Thon.) Es ist also keine systematische Darstellung, die in diesem Buch gegeben wird. Solche systematische Darstellungen hat Ruppin früher mehrfach publiziert. Wir erinnern an sein wahrend des Weltkrieges (1017) während unfreiwilliger Muße geschriebenes Buch ..Syrien als Wirtschaftsgebiet", in dem er die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung in Serien und Palästina untersuchte. Kurz nach dem Kriege verfaßte' er einen Autbaiiplan in seiner Schrift „Der Aufhau de- Landes Israel" (t0!<)), in der er seine Vorstellungen von der jüdischen Arbeit im Lande nach allen Richtungen hin skizzierte. Einen ersten zusammenfassende!! Bericht über die von ihm geleitete zionistische Kolonisation gab Ruppin im Jahre 1025 in dem Buch „Die landwirtschaftliche Kolonisation der Zionistischen Organisation in Palästina", in dem er sich besonders mit einer Reihe von Kritikern auseinandersetzte. Das jetzt erschienene Sanimclbuch fuhrt uns in die geistige Werkstatt dieses Praktikers ein, der zugleich ein großer Theoretiker der Judenfrage und der jüdischen Volkskunde überhaupt ist, wovon ja seine Bücher „Die Juden der Gegenwart" und „Soziologie der Juden" neben viele» anderen kleineren Arbeiten Zeugnis ablegen. Was in dem neuen Buche besonders hervortritt, ist die fast seherische Gabe, mit der Ruppin in einer Zeit, in der die zionistische Bewegung als solche ganz andere Sorgen hatte und ihr Interesse anderen Gebieten zuwandte, die eigentlichen Probleme der palästinensischen Kolonisation sowohl nach ihrer wirtschaftlichen Seite wie auch in politischer Hinsicht und nicht zuletzt in bezug auf das sozialpsychologische Problem der „Volkwerdung" erkannte. Vieles von dem, was er vor Jahren und Jahrzehnten vorausgesagt hat, ist später Wirklichkeit geworden, die Nichterfüllung mancher Forderungen, die er vergeblich aufstellte, hat sich später als schwerer Mangel unserer Arbeit erwiesen, und anderes, das er einleiten konnte, wurde zur Basis eines ungeahnten Aufschwunges. In den Beiträgen des Buches aus der Vorkriegs« zeit ersehen wir die ungeheuren Schwierigkeiten, die damals vor diesem Mann standen, der als einzelner nach Palästina ging und aus dem Nichts, ohne nennenswerte Mittel die ersten Keime der zionistischen Kolonisation schuf. Schon damals erkannte er einige der grundlegenden Prinzipien der Arbeit in Palästina: Politischer Einfluß im Lande ist die Folge der ökonomischen Fundierung der Juden Palästinas; die Selbständigkeit der Kolonisten ist anzustreben; Monokulturen bergen besonders große Gefahren in sich, daher ist die Einführung der „gemischten Wirtschaft" notwendig; das Problem des Agrarkredits muß gelöst werden; eine