Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 30 (16.4.1937)
- Date
- 1937-04-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30, 16. IV. 1937 Von der Woche Vermutungen über den Peel-Bericht Publikation erst nach der Krönung? In den Rergen bei Jerusalem wurde von einer Polizeistreife die Leiche eines Unbekannten gefunden, die Messerwunden am Kopf aufwies. Es wird angenommen, daß es sicli um einen Juden handelt. Eine Untersuchung ist im Gange. Im Maifaer Hafen ist am Morgen ein schwedischer Matrose ermordet aufgefunden worden. Eine Untersuchung ist im Gange. Die Arabische Presse-Agentur teilt mit, daß Emir Abdullah vtm Transjordanien in den nächsten Tagen in Rutha mit König Ghazi vom Irak zusammentreffen wird. Es sollen bei dieser Begegnung wichtige politische Fragen besprochen worden, die' die Verhandlungen betreffen, die Emir Abdullah in nächster Zeit in London zu führen beabsichtigt. Das offizielle Organ der Arabisch-Palästinensischen Partei, der Partei des Oroßmufti von Jerusalem, die Tageszeitung „El Liwaa", ist für zehn Tage verboten worden. In den letzten Tagen wurden 700 Hauraner von der Polizei ausgewiesen. Die Polizei führt Razzien auf die in den Städten und Dörfern umherwandernden Hauraner durch. Die „Agcnce d'Oricnt" meldet im Zusammenhang mit der geplanten Kantonisierung Palästinas, daß eine jüdisch -arabische Konferenz unter britischem Vorsitz einberufen werden soll, um ein Einvernehmen über die Grenzen der zu bildenden Kantone zu erzielen. Weiter wird berichtet, daß ein Legislative Council mit arabischer Mehrheit eingesetzt werden soil. David Ren- O Urion, Vorsitzender der Palästina-Exekutive der Jewisli Agency, hatte eine Unterredung mit dem Higu Commisskmcr. Der Tel-Awiwer „Haboker" berichtet aus Bagdad: In eingeweihte n Kre.ven wird behauptet, daß I bn Saud den Engländern zugesagt habe, eine neutrale Haltung gegenüber den pan arabischen Planen einzunehmen, besonders im Lalle erneuter Unruhen in Palästina. Die Verstärkung der .W lütarkrafte Saudi.« an der transjordanischen Grenze sei i in Anzeichen dafür, daß eine Aenderung in der Haltung der Saudiaregierung gegenüber der panarabiseben Bewegung eingetreten hei." Eine Regierungsverordnung vertuet die Erweiterung der Grenzen Tel- A w i w - ' um"'1500 Üunam, wodurch das Mnntcfiore-Viertcl nunmehr als Teil von Tel-Awiw gilt. Die frage der jüdischen Viertel von Jaffa ist noch nicht endgültig gelöst. Die arabische Zeitung „Fe lest in" meldet, daß in nächster Zeit ein bereits seit langem bestehender Plan, 5000 j n d i s c h e E a in i 1 i e n in dem vom Sudende des Toten Meere-, bis zum Golf von Akaba reichenden W a a d i Ära ha anzuwedeln, zur Durchführung gelangen soll. (Diese Nachricht durfte mit allem Vorbehalt aufzunehmen sein.) Der Wand Lemni hat beschlossen, die Wahlen zur Jüdischen Naiinnalve^ainiuiung (Assefath Haniwcharim) auf ein halbes Jahr zu verschiebe n. Die arabische Presse meldet, daß die Regierung demnächst Darlehen an notleidende Fellachen gewähren werde. Aut Grund einer Anregimg der Jewish Agencv und des Vcibandes jüdischer Industrieller ist eine Wirtschaf tsa b o r d n u n g aus P a 1 a s t i n a n a. c h England abgetshren. Die Abteilung für Landvermessung bei der Palästina- Regierung hat auf Aufforderum/ der Kgl. Kommission sehr genaue Landkarten aller Distrikte Palästinas herstellen lassen und sie nach London gesandt. Am 30. Tag seit der Ermordung der drei Siedler aus Jawniel wurde die Siedlung Misch mar Hasch losch a, der neunte seit den Unruhen gegründete Siedllingspunkt, eingeweiht. Die Litern der Opfer sowie zahlreiche Gaste beteiligten sich an der Feier, die au der Stelle abgehalten wurde, wo die Drei gefallen »im!. Der Einweihung ging ein Gottesdienst voran, der alle Anwesenden tief ergriff. De neue Siedlung liegt auf PICA-lioden. Dem von der Einwandenmirsabteiltmg der Palästina-Regierung herausgegebenen Bericht für das (ahr 1936 ist zu entnehmen, daß im letzten Jahr .'0 727 Einwanderer nach P a Fi s t i u a gekommen sind, Gegenüber 01 851 int vorangegangenen Jahr. Seit 1020 sind ' 2S2 M'i Personen nach Paiisünn eingewandert. Unter den Herkunftsländern steht Polen an erster Stelle. Doch ist die Einwanderung aus Der poli'lsche Korrespondent des Londoner „E v e n i n g Standard'1 behauptet, Informationen darüber zu besitzen, daß der Bericht der Kgl. Kommission nicht, wie es zuerst geheißen hat, vor der Krönungsfeier am 12. Mai, sondern erst in der Woche um de n 20. Mai veröffentlicht werden wird. Der Korrespondent erklärt weiter, der Präsident der Jewish Agencv, Dr. Chaim Weizmann, rechne damit, daß die Kgl, Kommission eine Kantonisierung Palästinas als Lösung des jüdisch-arabischen Problems, keinesfalls aber eine Teilung des Landes und den Anschluß eines Teiles an Transjordanien empfehlen werde. Der Korrespondent teilt schließlich mit, daß auch die französische Regierung einen starken Anteil an der gegenwärtigen Konstellation um Palästina nehme. „Manchester Guardian" widmet den Diskussionen um die geplante staatsrechtliche Neuregelung Palästinas einen längeren Aufsatz, wobei die Zeitung insbesondere auf die Haltung der Zionisten eingeht. Die Zeitung macht darauf aufmerksam, daß die bevorstehende Tagung des Zionistischen Aktions- Comit^s der Entscheidung der Zionistischen Organisation über ihre Stellung zu den Teillingsplänen gewidmet sein wird. Das Blatt ist der Ansicht, daß eine weitere Verstümmelung Palästinas den Widerstand vieler Juden seihst dann finden werde, wenn eine vollständige selbständige Regierung für den jüdischen Teil zugesichert werden wurde. Ein großer Teil würde wahrscheinlich davon seine Stellungnahme abhängig machen, wie die Grenzen des jüdischen Staates verlaufen sollen und wie seine Verfassung überhaupt aussehen werde. Die arabische Presse Palästinas beschäftigt sich weiterhin mit den angeblichen Teilungsplänen, die die Kgl. Kommission in Vorschlag bringen wollt:. „Fe lest in" ist der Ansicht, daß es sich bei diesen angeblichen Plänen nur um einen Versuchsballon handele. Wenn die Kgl. Kommission wirklich die Absicht habe, eine solche Teilung vorzuschlagen, so wolle sie anscheinend erst die Stimmung erforschen. Das gleiche gelle für die Kantonisierungspläne. Das arabische Volk werde sich aber selbst gegen solche Manöver wenden. „Islamia" macht darauf aufmerksam, daß Kantonisierungspläne gegen Art. 22 des Völkerbtmdsstatutes verstoßen würden. „A D i f a a" hält den Teilungsgedanken für eine reaktionäre Idee, die in Syrien geboren worden sei. Der Oedanke stamme aus dem Museum des Imperialismus und könne nicht leben und nicht sterben. In einer Zeit, in der ein ürcß-Arabien angestrebt werde, komme man mit einem solchen Vorschlag, Wenn die Araber nachgeben würden, dann würde man ihnen auch den Boden rauben. Der Mufti von Jerusalem, Hadsch Emin el Husseini, hat sich in einem Interview mit einem Vertreter der „Agence Havas" ebenfalls gegen jegliche Teilung Palästinas oder Kantonisierun g ausgesprochen. Er hat erklärt, daß die Lösung, die von den Arabern angestrebt werde, die Abschaffung des Mandates sei. Dafür solle ein Abkommen zwischen England und den palästinensischen Arabern geschlossen werden. Auch der Mufti macht darauf aufmerksam, daß ein Teilungsplan mit Artikel 22 des Völkerbundsstatutes nicht vereinbar sei, da dieser die Unabhängigkeit der Teile des ehemaligen Ottomanischen Reiches anerkenne. Palästina falle nach Ansicht des Mufti hierunter. Polen anteilmäßig von 46 w» i. J. 1935 auf 41 <•> f. J. 1936 gesunken. Innerhalb der Kategorie der Personen mit einem Mindestkapital von tausend Pfund sind 1936 2970 Personen (1935: 6309) in das Land gekommen. Die a r a.b i s c h e Handelska m m e r in Jerusalem überreichte dem High Commissioner eine Denkschrift, in der die Regierung ersucht wird, die Seifen industrie zu schützen, Erleichterungen für den Orangenexport nach England zu schaffen, in Gaza einen neuen Bahnhof zu errichten und eine Chaussee von Gaza nach Berseba anzulegen. Miß Newton, die bekannte englische Araberfreundin, ist in Haifa eingetroffen. Die Schauspielerin Elisabeth Bergner ist mit ihrem Mann zu einem vierzehntägigen Aufenthalt in Palästina eingetroffen. Sie besuchte Kirjath Anawim und andere Siedlungen des Keren Hajessod, Die palästinensische Schekeikonferenz hat die Losung ausgegeben, mindestens 180 000 Schekalim zum XX. Zionistenkongrcß abzusetzen. Die Misrachi-Organisation Palästinas wendet sich in einer Erklärung entschieden gegen die Pläne, eine Teilung oder Kantonisierung Paiiistinas herbeizuführen. Auch das palästinensische Zentralkomitee der All. gemeinen Zionisten Gruppe ö hat eine Erklärung veröffentlicht, in der der Genugtuung über den von dem Präsideuten des Aktions-Comites, M. M. Ussischkin, und dem Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive, David Ben Gurion, gegenüber den angeblichen Plänen einer Teilung oder Kantonisierung Palästinas eingenommenen Standpunkt Ausdruck gegeben wird. Befragung des Parlaments? London, 14. April. (JTA.) Die Frage, ob dem englischen Parlament Gelegenheit geboten werden wird, zu dem Bericht der Kgl. Kommission über Palästina Stellung zu nehmen, bevor die Regierung eine endgültige Entscheidung trifft, ist noch ungeklärt. Einer eindeutigen Beantwortung dieser Frage, die von dem Abgeordneten M ander in der Unterhaussitzung vom 14. April dem Ministerpräsidenten Stanley Baldwin vorgelegt wurde, ging dieser aus dem Wege, indem er erklärte, er könne sich hierüber nicht ä u Ii e r n, bevor nicht der Bericht der Kgl. Kommission vorliege. Als der Abgeordnete weiter fragte, ob der Ministerpräsident die Zusicherung geben könne, daß der Bericht früher als irgend jemandem sonst den Mitgliedern des Hauses zugänglich gemacht werden wird, wurde er vom Ministerpräsidenten aufgefordert, diese Frage für eine kommende Sitzung anzumelden. * Auf,die Arbeit der Kgl. Kommission bezog sich auch eine in derselben Sitzung von dem Abgeordneten Morgan gestellte Frage nach dem Zeitpunkt der Veröffentlichung des Kommissionsberichtes. Kolonienministcr Ormsby-Gore antwortete, er sei nicht in der Lage, diesen Zeitpunkt bekanntzugeben, VerhandlungsgerUchte Dementierte arabische Meldungen In der arabischen Presse Palästinas werden an auffallender Stelle Meldungen wiedergegeben, die von Verhandlungen wissen wollen, die Dr. Weizmann und Mosche Schertok in Genf mit einer einflußreichen arabischen Persönlichkeit geführt haben sollen. Die zionistischen Vertreter sollen einen arabisch-jüdischen Friedensp a k t auf die Dauer von zehn Jahren in Vorschlag gebracht haben. Im Verlaufe dieser zehn Jahre sollen nach Palästina insgesamt 40Ü000 Juden einwandern. Dafür seien die Juden zu verschiedenen Kompensationen bereit. Die Verhandlungen sollen aber zu keinem positiven Ergebnis geführt haben. Diese Meldungen werden in zionistischen Kreisen Londons kategorisch dementiert. Die Meldungen seien vollkommen aus der Luft gegriffen. Mosche Schertok sei in letzter Zeit überhaupt nicht in der Schweiz gewesen, und Dr. Weizmann auch nicht in Genf, sondern in St. Moritz. An der Hebräischen Universität soll demnächst ein Mussum jüdischer Altertümer gegründet werden. Die Mittel werden dem von dem südafrikanischen Juden Kutcher vermachten Legat von 45 000 Pfund entnommen werden. Die Royal Asiatic Society of Great Britain hat ein Werk des Dozenten der Hebräischen Universität Jerusalem, Dr. Walter Fischöl, unter dem Titel „Die Juden in der wirtschaftlichen und politischen Sphäre der islamischen Staaten des Mittelalters" herausgegeben. Die Kulturabteilung des Waad Leumi gab anläßlich des 10. Todestages Joel Engels eine Broschüre über den Komponisten heraus, dessen Verfasser der bekannte palästinensische Musikkritiker und Musikpädagoge Menasche Rabinowitz (neuerdings: Menasche Ravina) ist. Von der Hypothekenbank. Wie wir erfahren, hat diese mit Wirkung vom 0. April 1937 mit Rücksicht auf den lebhaften Pfandbriefabsatz und die Kursentwicklung in der letzten Zeit den Atiszahlungssatz für ihre erststelligen langfristigen 7 o,'oigen Hypotheken von 92 "2 u/o auf 95 «/o erhöht. „Allahs Hammer" Ein Palüslinuroman von Douglas V. DufT Douglas V. Du ff ist aK jeuer Poli/ciof fizier bekannt, der zu Jörn Kirpur 1VJ> beim Kutel Maarawi durch Niederreißen 'des Manner und Frauen scheidenden Wandschirms die Gefühle der frommen Juden verletzt hat. Solch kuriose Malinahmen zur Wahrung des Status quo konnten freilich den Ausbruch des von arabischen Hetzern lam/geplanten Pogroms im Jahr darauf nicht hindern. Duff hat sich spater, nach Abgang aus dem Polizeidienst, in seinein Buche „S w o r d for H i r e" (Schwert zu mieten) — einer Art .Selbstbiographie — mit dem Hinweis auf einen gemessenen Befehl zu rechtfertigen gesucht, ja seine Sympathie für uns Juden betont ). Dies Buch wie ein zweites: „G a I i I c e O a I I o p e r", aus der Zeit seiner Stationierung im tmek, fanden gute Aufnahme): was Wunder, daß Duff, die Aktualität der jüngsten Unruhen benutzend, mm noch den Roman „The Hammer of Allah" herausbrachte. Und de: fesselt ~- nicht zuletzt dank Konfiskation durch die Palästina-Regierung — einen noch größeren Leserkreis. Weshalb konfisziert? Etwa um, wie seinerzeit bei Verbot der altberühmtcn Oper Halevvs „Die Jüdin" oder bei Beschneidung des Keren Hajessoci-Fiims „Land der Verheißung" irgendwelche nichtjüdischen Empfindungen zu schonen? Der Inhalt des Romans ist schnell erzählt. Die britische Herrschaft über Palästina war durch den Geheitnorden „Allans Hammer", der seine Todesdrohtmgen an gemäßigten Arabern, wie zumal an widerstrebenden Beamten und Richtern mit unheimlicher Pünktlichkeit zu vollstrecken pflegte, schon "lange unterhöhlt. So kracht sie denn auch, nebst der Polizei nur von einem Bataillon Soldaten gestützt, unter dem ausbrechenden Arabcranfstand nieder. Der Hochkommissär mit seinem ganzen Stab wird eingesperrt. Nicht auch der Held unseres 1) Während der Unruhen im Aueant 1929 hat sieh Duff als PoliwioffHer in (ialilnca bei der Verteidigung jüdischer Siedlungen im Emck außerordentlich hcrvorgrlan und wurde von den Juden, die ihn vordem scharf abgelehnt hatten, dann als einer ihrer Freunde betrachtet. — A. d. Red. 2) Kürzlich cischicn ein tiene-. Buch von Duff „Palestiin- Piciure", mit einem amizi .uiistisc 1 len Vorwort von Sir Arnold Wilson; Duft" tritt darin — wie auch in vielen Aufsätzen in Ztiisehriiien — für Kantonisierung Palästinas ein. — A. d. Red. Romans, eben Duff. Er hatte sich nämlich durch seine kühne polizeiliche Findigkeit den Ordensleuten so verhaßt gemacht, daß ihn die Regierung nach Transjordahien salvierfe. Dort wurde er als Schwatlronchef in Emir Abdallahs „Arab Legion" mit den Kurden, Tscherkcsscn und sonstigen Nichtarabern, aus denen sie sich rekrutiert, bald gut Freund. Mit seiner Schwadron stürmt er jclzt nicht bloß die geheimnisvolle Ordensburg im Schoß der Wüste, sondern sammelt in einer verborgenen Oase Krieger und Kriegsmaterial, um die vom Ordenshaupt Farid aufgerichtete Tyrannei zu brechen. Richtig dringt er in den Klostersaal von Nazareth gerade ein, als Farid vom panmuslimischen Kongreß zum Führer des „Diihad" (Heiliger Krieg), zum Kalifen ausgerufen wird, und schleppt alle nach seiner improvisierten Festung am Berge Tabor. Mit Hiife eines ihm loyalen Bcduinenstammes schlägt er in der sagenumschwbten Ebene Armagcddoti die Heerscharen des Djihad und übergibt der drahtlos herbeigeholten Besatzung der britischen Flotte das glücklich pazifizierte Palästina. England dankt Duff durch Ernennung zum Oencralgouvcrneur" von „Phönizien". Und zwischendrein hat er sich, da seine erste Liebe den bestrickenden Farid vorzog, mit einer schmucken amerikanischen Fliegerin getröstet... Kitsch! Und doch empfiehlt sich eine Beleuchtung des Inhalts; denn wie der Mund von Kindern, so enthüllt der von naiven Menschen am klarsten, was sie sich denken. Belehrend wirkt hier vor allem, daß sich durch den ganzen Roman die Auseinandersetzung des arabischen Freiheitsdrangs mit dem britischen Imperialismus hinzieht, wogegen wir Juden eine erbärmlich nichtige Rolle spielen. Das Mandat wird mit keinem Hauch erwähnt; der Völkerbund ein einzigesmal, wie mit leichtem Spott, daß er gegenüber dem Waffenschmuggcl Farids ohnmächtig bleibt; und die sogenannten Zionisten tauchen nur als — Partei im Prozeß um den Boden von Wadi Iskanderune, das ist das Wadi Chcfcr des Keren Kajemeth, auf. Die Juden scheinen nicht mal die oder eine der Ursachen für die arabische Unzufriedenheit zu sein. Ihre Wertlosigkeit sticht neinlich von der immer wieder gerühmten Tapferkeit der Araber ab; ja, in ihrer Verschüchtcrting finanzieren die Juden noch mit V» Millionen Pfund Schmiergeld jährlich die Vorbereitung des Aufstandes, und dann wird ihnen erst recht eine Kopfsteuer auferlegt, die dank Hinrichtung ihrer Kolonievorsteher so prompt einfließt, daß Farid seinen Schäfchen die Auswanderung verbietet und sie vor dem Fanatismus seines Anhangs schützt, natürlich nur einstweilen bis zur „schrecklichen Massakrientng dieses unseligen Volkes". Aber auch England verhält sich lange nicht so stramm, wie dem Ruhm einer Großmacht entspräche. Schon abgesehen davon, daß es sich trotz allen Warnungen zunächst die faktische Verwaltung und Justiz und alsbald noch die militärische Herrschaft über Palästina entwinden läßt, wagt es dann viele Monate nicht, Truppen zu landen — aus Angst, es könnte die paar hundert englischen Geiseln in Farids Hand gefährden. Lieber wird daheim eine Subskription im Publikum durchgeführt, um den Gefangenen etwas Erleichterung zu erkaufen. Auch Duff zieht es offenkundig vor, statt unter dem Union Jack seine Großtaten unter dem scherifischen Banner zu vollbringen. Fragwürdiger Patriotismus! Duff hat eben ein Faible für die Romantik der Araber und zumal der Beduinen, für ihr Wegelagern, Rauben und Morden, Henken und Sprengen; mit Lust und Liebe nimmt er auch hier den sportlichen Wettbewerb auf. Uebertriebene Rücksicht auf den Islam beirrt ihn dabei kaum, und kaltblütig erwägt er, vom Luftschiff auf die heilige Omarsamt Aksa-Moschee Dynamitbomben abzuwerfen. Der Aufstand ist weniger panarabiscli als panmuslimisch aufgezogen. Die Araber Palästinas, Fellachen und Beduinen, gehen mir den Anstoß. Aber in Nazareth sind muslimische Delegierte von Gibraltar bis zu den beiden Indien beisammen, um die Vertilgung sämtlicher Europäer in jenen Oebieten zu beschließen. Einstweilen sitzt noch — laut Duff — der Franzose fest in Syrien und sogar Ihn Saud schaut lässig zu, wie Farid die Vorhand nimmt. Die Christen Palästinas indes bekommen es bereits zu spüren. Nicht nur, daß die Schätze der diversen Patriarchen eingesackt werden, und daß die Grabeskirche gleich den Jtidcuvierteln mit Stacheldraht abgesperrt ist; auch über die arabischen Christen — so in Bethlehem — ergeht Raub und Konfiszierung. Bloß die Franziskaner — dank ihren ausgezeichneten Verbindungen mit Italien und anderen Mächten — schont man ... Erstaunlich abrupt ist der in einen Satz gefaßte Abschluß des Romans. Der englische Sieg ermöglicht die Schaffung der Vereinigten Staaten von Palästina, mit autonomen jüdischen, muslimischen und christliehen Kantonen — nebst der Kronkolonie „Phönizien". Dies ist offenbar die schamhafte Bezeichnung des Kriegs- und Petroleurnhafens Haifa samt Hinterland. Duff bejaht eine solche Lösung, „weil sie das unglückliche Land von Jahrhunderte alten Rasse- und Rch'gionsfanatismen befreit". Dr. t. M. Zweig, Jerusalem