Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 30 (16.4.1937)
- Date
- 1937-04-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653654--30593-2685151- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 30, 16. APRIL 1937 „Aufbau11 oder „Kolonisation"? Am Kreuzungspunkt zweier Systeme Von C. Z. Kloetzel, Jerusalem Dieses Land überrascht immer wieder durch das, was man nicht von ihm weiß. Ist es dem Leser bekannt, daß es hier Kwuzoth gibt, deren Mitglieder in jeder Hinsicht, in ideeller wie in organisatorischer, zur Chaluz-Jugend des Landes gehören, deren gesamte materielle Existenz aber von der PICA abhangt? Die nicht nur auf Böden der [MCA siedeln, sondern deren ganze Finan/ierung von der PICA abhängt, und nicht vom Keren Hajessod? Ich habe davon erst in Alejeth haschachar erfahren, einer dieser Siedlungen, in denen philanthropische Kolonisation und zionistischer Aufbau eine seltsame Ehe eingegangen sind. Auf den ersten Blick scheint es durchaus keine unglückliche Ehe zu sein. Insbesondere, wenn man kurz vorher in Kolonien wie Rosch Pinah und Mischmar Majarden gewesen ist, diesen Plätzen ohne Jugend und ohne Zukunft, wenn man vorüberfuhr an den leeren und verlassenen Häusern von Machanajim, fühlt man sich in Alejeth haschachar in einer anderen Well. Hier liegt sozusagen Keine Teilnahme Weizmanns an der A.-C.-Sitzung Wie wir aus London erfahren, wird Dr. Chaim W e i z - mann (entgegen den kürzlich veröffentlichten JTA.-Meldungen) nicht an der in Jerusalem stattfindenden Aktions- Comit£-Tagung teilnehmen, sondern in London bleiben. Auch der politische Referent der Exekutive in London, Prof. Selig Brodetsky, bleibt in London. Wauchope reist nicht nach London In arabischen Zeitungen wurde gemeldet, daß High Commissioncr Wauchope nach London berufen worden sei. Wie von maßgebender Seite mitgeteilt wird, sind diese Meldungen vollständig unbegründet. Arabische Delegation abgereist Jerusalem, 12. April. (JTA.) Die bereits vor einiger Zeit angekündigte Entsendung einer arabischen Abordnung nach London ist erfolgt. Die Abordnung hat Palästina bereits verlassen. Sie besteht aus Ds che mal ei Husseini, Dr. A. Tannous und der Vorsitzenden des Verbandes arabischer Frauen, Mathilde M u r a n o m. ein Stückchen „Emek Jesreel" mitten in Ober-Galiläa. Hier wimmelt es von jungen Menschen, deren Aktivität seltsam absticht von der müden Resignation der Alten in den PICA- Kolonien ringsum, die über ein halbes Jahrhundert sich mit bewunderungswürdiger Hartnäckigkeit an ihre Scholle geklammert haben, und die heute nicht wissen, für wen? Hier zerfallen kleine Häuser, die niemandem mehr zur Wohnung dienen; hier schießen Gebäude in die Höhe, auf deren Vollendung die künftigen Insassen schon ungeduldig warten. Hier hat niemand Zeit, wie jene Alten in Rosch Pinah und Mischmar Hajarden, sich stundenlang mit uns zu unterhalten — über alte Zeiten. Hier weist man uns an den Rosch hakwuzah, der mit seinen etlichen vierzig Jahren schon als „bejahrt" gilt, und der hat für das Vergangene wenig übrig, aber er weiß genau, wie es mit Ajeleth haschachar gegenwärtig steht und was man für die Zukunft wünscht. Er führt uns durch sein Reich. Es ist vielleicht die landschaftlich am schönsten gelegene Siedlung Erez Israels, inmitten der parkartigen Ebene dicht südlich des Hulc-Secs und unter dem Schneegipfel des Fiermon. Was dreihundert junge, arbeitskrättige, von einer Idee besessene Menschen aus diesem Fleckchen Erde machen können, das ist hier heute fast in Vollendung geschaffen. Die Gemüsefelder strotzen vor Grün. Das Vieh hat vom eigenen ürünfutter der Kwuzah blankes, prall sitzendes Fell über den wohlgenährten 1 linken. Im riesigen Hühnerstall gackern Tausende weißer Leghorns. Wichtiger als all das: hier gibt es eine Jugend, die nicht unter dem Zwang der Not davon träumt, einmal von hier fortzugehen, sondern deren brennender Wunsch es ist, hier ZU bleiben. In den alten Nachbarkolonien haben fast alle Schulkinder ältere Geschwister, die den Ort verlassen haben, entweder um in eine der Städte zu gehen, oder in eine Kwuzah des Emek Jesreel. Sie wissen, daß die meisten von ihnen das gleiche Schicksal haben werden, und wenn sie an die Zukunft denken, ist es eine Zukunft in fremder Umgebung. Für die Kinder von Alejeth haschachar ist ihre Siedlung der Mittelpunkt der Welt. Nach Haifa, nach Tel-Awiw, ins Emek Jesreel kann man einen „Tijul" machen, einen Ausflug, nicht viel anders, als man ihn zum Gipfel des Hermon machen könnte. Aber leben kann man nur in Ajeleth haschachar! Feh war in ihrer Schule, und sie führten mich in einen kleinen Raum mit zwei „Votiv-Tafeln", von den Kindern selbst gefertigt. Die eine trägt die b'eberschrift „Tel C h a j" und ist dem Andenken Trumpcldors und seiner Kameraden gewidmet. Die zweite Tafel aber haben die Kinder von Ajeleth haschachar, der Kwuzah auf PICA-Boden, dem Keren Knjemeth errichtet. Den Hnuptraiun der Tafel füllt eine Karte Erez Israels, mit dem eingezeichneten Besitz des Nationalfonds. Ajeleth haschachar ist auf dieser Karte nicht von den Kindern für den Keren Kajerneth annektiert worden. Aber kein Zweifel: in ihrem Herzen haben sie es längst für ihn erobert. Juristische Bedenken liegen ihnen noch ganz fern. Der Boden mag der RICA gehören, aber sie, die Kinder von Ajeleth haschachar, besitzen ihn. Und sie können sich keinen anderen Bodenbesitz vorstellen, jemeth. Sie betrachten sich als dessen Wenn man die Leute von Ajeleth ihr Verhältnis zur PICA fragt, als den des Keren Ka- Trcuhänder. haschachar heute über antworten sie: „Ach, jetzt kommen wir schon ganz gut mit ihr aus. Wir haben uns aufeinander eingespielt. Sie kann natürlich nicht ans ihrer Haut heraus, aber sie hat guten Willen. Und schließlich geschieht jetzt zum Schiuli gewöhnlich doch das, was Wir wollen. Es dauert nur ein bißchen lange." Dieses „harmonische Verhältnis" ist das Ergebnis eines fast zwanzigjährigen Fhczwistcs. So lange liegen die „Flitterwochen" dieser Verbindung zurück. Sie wurde KM8 geschlossen, unmittelbar nach dem Kriege. Der „Baron" war bei Abschluß dieser Ehe durchaus der stärkere Partner. Nicht nur durch seinen Reichtum, sondern vor allem durch die Tatsache, daß er schon seit Jahrzehnten in Erez Israel kolonisiert hatte, daß er von sich sagen konnte, daß er den alten Jischuw zum großen Teil vor dem sicheren Untergang ferettet hatte. Er besaß nicht nur das Geld, er besaß auch ie Erfahrung. Seine „philanthropische Kolonisation" hatte schon etwas geschaffen. Daneben war das, was dann in rascher Entwicklung sich zum „nationalen Aufbau" entwickeln Ein Jahr Palästina-Unruhen In diesen Tagen ist ein Jahr vergangen, seitdem die Unruhen in Palästina ausgebrochen sind. Der blutige Sonntag in Jaffa am 19. April ist das Datum, das in die Geschichte Palästinas mit so schwarzen Lettern eingetragen worden ist. Diesem Ereignis gingen bereits einige Tage der Unruhe voran, die sich an einen Mord bei Tulkerem knüpften. Es gab wohl niemand in Palästina und in der Welt, der vor einem Jahre, als die Nachrichten über die schrecklichen Ereignisse in Jaffa eintrafen, glaubte, daß der Umfang und die Dauer dieser Unruhen derart sein würden, wie es der Fall war. Auch heute nach einem Jahr ist das Land noch nicht befriedet, und täglich meldet der Draht Ucberfällc und Terrorakte, sowohl von Arabern gegen Juden als auch von Arabern gegen ihre eigenen Volksgenossen, die sich in irgendeiner Weise dem auf sie ausgeübten Druck nicht fügen wollten. Die Zahl der Opfer auf beiden Seiten geht in die Hunderte. Während dieser Zeit gab es gewisse Perioden, besonders während der Arbeit der Untersuchungs- Kommission, die verhältnismäßig ruhig waren, danach aber flackerten die Unruhen wieder auf. Uebcr alle politischen Erwägungen hinaus, die im Augenblick im Vordergrund der Diskussion stehen und einer Entscheidung entgegengehen, ist die Frage der Befriedung des Landes, des Niederiegens der Waffen eine vitale Angelegenheit. Das Land kann nicht zum Aufatmen kommen, solange Mord und Raub die Oeffentlichkeit in Atem halten, und solange alle friedlichen Elemente der Bevölkerung, die auch — davon sind wir überzeugt — auf der arabischen Seite in der Ucberzah! sind, sich ängstlich fragen, was der nächste Tag, ja die nächste Stunde bringen mag. Es scheint uns, daß die menschliche Seite dieses Problems gerade heute, wo wir auf ein ganzes Jahr des Aufruhrs zurückblicken, nicht außer Acht gelassen werden darf, und daß sie für alle diejenigen von besonderer Bedeutung ist, die das Land P a I ä s t i n a lieben, weil es eine ebenso große Vergangenheit wie bedeutsame Gegenwart hat, und weil sie glauben, daß die Zukunft dieses Landes seiner Geschichte würdig werden muß. Es sind die Menschen, die im Lande leben, die sein Schicksal in erster Linie gestalten, und sie sollten daher, wenn sie wirklich mit ihm zutiefst verbunden sind und wenn ihre Worte mehr sind als politische Taktik, sondern dem Herzen entspringen, eines in den Vordergrund ihres Handelns und Strebens stellen: Die Wiederherbeiführung des Friedens. Frieden, nichts als diesen, Frieden und Arbeit braucht das Land, dessen Felder übergenug unschuldiges Blut getrunken haben. Ihn herbeizuführen, ist die erste Aufgabe. * Uebcr die wichtigsten Ereignisse in diesem Jahre der Unruhen geben wir die nachstehende Zusammenstellung, die naturgemäß nur die hervorstechendsten Punkte der Entwicklung zusammenfaßt. 17. 18. 18. 19. 21. 9 3. 9. 10. 14. 19. 6. 21. 2 4. 16. 20. 25. 3. 10. 11. 29. 2. 12. 22. M;ii 1936: Ausrulmiezu-taml ü!>er Ran* Jeur-alcm. .Mai 1936: (..ewabnmg von 4500 Zcitilikatcn.! , .Mai 1036: Ankündigung der Fiibendung einer Untersuchung»; I<(>t)IM 1 i I Mai 1936: Kmilr.nng der Anlegc-ttlle in Tel-Awiw. — 27. Mai 1935: Sahueie K:iro|.kze.'.wbeii Arabern und Militär Juni 1936: Streik arabi . iier M.nlti.m% Juni 1936: Rcgieiiing-.Yertaidiar.'it; «, yi-n den Streik. Juni 1936: Krklamng I >rmd>y-i iure, im Unterhaun l 'ntcrsuchunR*« Kc-miui-bon. wird eist naelr dein Finde der Unruhen entsandt. 11. Juni 1935: Angriffe aul jndi.-i he Siedinngen. Juni 1936: Tode-iialc aul Teilnahman Unruhen und Sabotage* Juni 19313: Filier hai:-<ieh,<tte über dir l äge in Palästina. Juli 193:3: (höbe niriitai iM.dic (»[lerarioncrr. Juli 1936 : Mrm-enung der Unter -an hung--Konrini.-ion. AugtM 103B: Anth-i.....g von Koilekiivatia!eu durch das patäsöw neu -i .< he ( )bei gel Hu. 5. Augu-t 1936: Kontinenz in Amman zwecks Vermittlung. Arrgu-r 1030: linuibrnah-rhlag in 'lel-Awiw. Angint. ll'3ti: M.,r«| an zwei Ki.mkc.....Iiwc.n-rn in Jaffa. Ailgtrl 1930: .Nini J'.i ., ha* \ < a itü! lung-akt »in. ■. : September 1036: lliics < >rm wa ndetung-'.per i S September 1930: Ankündige Inn b I'al.i.-ina. Sepienik-r I'KOj: \ha eaiktet Srptwidvr 193»; A; kenn, l Scptimbrr 10:;u: Ki"i.i.,i t .- ,.n WO izurann: Keine Firn vmi N'uri I'a-Lh,n Aktion. ,-r iniiiuiiv-hen ExDediüoq I\ in P,üi. i; Fried Volk' -Vi Oktebet 1936: Kt5 e! I Iktober 1935: AI 1 neii de. ai.be . Okteber 1935: Hegnm de, mahn (äe-diat'e. I 'Kleber 1935: Fee;,' Iheizi Iv.utb .Vnrinber 193u: A'et, e der l nrtr Ii->yk->ns gegen jüdisch« Mm» Ann nach Pa* 15. 17. 19. 22. 27. 15. April 1936: Mord hei Tulkerem. April 1930: Demonstrationen in Tel-Awiw. Apnl 1936: Beginn dtir Unruhen in Jaffa. April 1936: Proklamation des arahivhen Gwtt&lstreiks. April 1936: Einsatz' von britischem Militär. " " Mai 1936: Verhaftung von Streiktührern. Mai 1936: Erklärung im englischen Unterhaus: Keine Einstellung der Kinwundci ring. Mai 1936: Proklamation des Steuerstreiks. 12. 16. 25. 8 18. 29. 13. 18. 11. 21. 6. 13. 21. 25. 30. Nr.ii-mlie 1535: Ibhbin der AretKr, d.e Konen: ..=ion zu boy« ko' :;: r et:. b V'nemhe: I!)3u: 1 ■': < a i;,;: :.g der K ■ ai.n :i -i->n an atnngen. 17. Nbivimb.r 193',: \ 11 i.elmiung Mr Aidmr \Y„ueie>[>es. 25. Xt„(.|iit«r i'0O>: \ ,a nehtnung I >r \\5 t/tnann1., 9. Ib-zeaibrr 1'. im \ fHK-imiui.j:" M-..-!.c Svhcrivk* und Dr. AK tluir Kuppi:,-. U. 23. Ile/i'tbe,: 193'.: Weitere V, i :•!■-.■:: .gen Dr. W< izniannS. Dezember 1935: Yer neiiiiuing >b ■ ha- >ihei5'ks. Januar 1937: Yen . hmni-g 1 emiaid "alle. (antrar 1937: Hnvkolt der kernten aar dutch "die Araber aufw gehoben. Januar 1937: Yri nehtnung Ben Cmi-ms. Januar 1937: \ ei nebtnutig de,. Main. i Januar 1 937: linde der lviinn,b-e>;:-uizangen in Jerusalem; VeTi legunf; der Kianini --k ai ,.u bei: na, h 1.enden. Februar 1937: Vernehmung Jabot iiek\» vor der lvan:nie-ion in London. Februar 1937: Unruhen in Tibciaas. März 1937: ZwhehcntaHe in Jerusalem. ,14. MUrs 1937: Neue Mordwelle. Mim 1337: -AriL>i»r her Armut .zur Ruhe. März-1937» F.rlnl5 .einer neuen Xotvfn.rdming. März 1937: Schaffung, eines jüdischen Sri herheitskorps durch Hie Regierung. April 1937: Veröffentlichung von angeblichen Teilungsplänen für Palästina in der englischen Pre.-^e. sollte, unmittelbar nach dem Kriege noch in den Kinderschuhen. Der Bodenbesitz des Keren Kajerneth war damals gering neben dem der PICA. Die Hinnahmen der Zionistischen Organisation konnten sieh mit den Rothschildschen Millionen nicht vergleichen. Der Keren Hajessod, dieses heute aus dem Leben des Landes nicht mehr fortzudcnketule Finatizinstitut, existierte noch nicht. Wirkliche Erfahrung in nationaler Kolonisation mußte erst in zahllosen Experimenten gewonnen werden, und wenn sie mißlangen, war es den Vertretern des PICA-Svstcms ein leichtes, mitcihobcnem Zeigefinger zu schulmeistern: „Wir haben es euch ja gleich gesagt!" Hinzu kam, daß, wenn man der Verwaltung des Barotis nicht zu Unrecht den Vorwurf machte, daß sie altmodisch und verknöchert sei, es an menschlichen Schwachen auf der anderen Seite auch nicht mangelte. Unreife und Unstetigkeit war in den ersten Nachkriegsjahren auch der palästinensischen Jugend nicht fremd, und Ajeleth haschachar glich in jenen Zeiten oft mehr einem Taubenschlag, als einer auf Dauer berechneten Siedlung. Die Beamten des Barons sahen immer wieder neue Gesichter vor sich, die versuchten, ihrer nüchternen Bedächtigkeit Zugeständnisse abzupressen. Und doch war eine allmähliche Umkehr der Verhältnisse unvermeidlich. Denn diese jungen und chaotischen Kräfte, die hier den Kampf aufnahmen gegen den Konservativismus von Besitz und Erfahrung, standen im lebendigen Zusammenhang mit dem sich e n t w i k - k e I n d c n Volksleben Erez Israels. Und je mehr der nationale Aufbau im Lande sich entwickelte, je einheitlicher und zielbewußter der Jischuw in seinem nationalen Wollen wurde, je klarer sich die Linien abzeichneten, nach denen dieses Wollen allein zu verwirklichen ist, um so weniger konnte die PICA sich diesen Kräften da widersetzen, wo sie sie selbst auf ihren Boden gerufen hatte. In Ajeleth haschachar werden heute nur noch die letzten Scharmützel dieses Hingst entschiedenen Kampfes durchgefochten. Im Kern war es der Kampf zwischen wohltätiger Patronanz und nationaler Selbstbestimmung. Der „große Wohltäter'' saß in Paris, und im Lande schaltete eine Beamtenschaft, für die sein Wille absolutes Oesetz war. In Ajeleth haschachar erzählte man uns von einem Fall — er liegt Jahre zurück — in dem irgendeine Bestimmung der Verwaltung offenbar widersinnig war. Man verlangte von dem leitenden Beamten der PICA ihre Annullierung. „Oott behüte'', rief dieser, „das hat der Baron selbst unterschrieben!" Und er weigerte sich, von dem Protest der Siedler naAi Paris auch nur Mitteilung zu machen, zuzugeben, daß unter seiner Verwaltung es zu einer „Rebellion" gekommen sei. Aber solche „Rebellionen" wiederholten sich, und die Verwaltung gewöhnte sich daran, klein beizugeben. Je stärker int Lande der nationale Aufbau sich entwickelte, je mehr Erfahrungen er sammelte, um so häufiger fielen die Vergleiche zwischen ihm und der Arbeit der PICA zu deren Ungunsten aus. Der schnelle Anstieg des Keren Kajerneth, die Leistungen, die auf seinem Boden emporblühten, ließen ihn bald die PICA in jeder Hinsicht überflügeln. Die Schaffung des Keren Hajessod, nicht als ein „Wohltätigkeits-Fonds", sondern als das vom Volk aufgebrachte Budget der Nationalen Heimstätte, bewies binnen kurzem die Ueberlcgenheit des mündigen Volkswillens gegenüber noch so großartiger, statutengebundener Philanthropie., Und dort, wo diese Philanthropie sich darauf eingelassen hatte, mit diesem Volkswillen zu paktieren, mußte sie schließlich sich diesem Willen fügen. Dieselbe IMCA, die in Rosch Pinah und Aiischmar Hajarden noch au seinem Svstem festhält, das die „toten Dörfer" geschaffen hat, mußte in Ajeleth haschachar nationales junges Leben wachsen lassen nicht nach ihren nach su'nen eigenen Gesetzen, Von ihrem zwanzig Jahre wählenden Ein PICA sprechen die Leute von Ajeleth iiaschaei und nicht ohne dankbare Anerkennung, wenn Statuten, sondern wist mit der r mit Humor nicht für die Einsicht, so doch für den guten Willen der meisten ihrer Beamten. Aber was sie gerade in dieser Zeit bis ins Innerste erregt, ist die Tatsache, daß die PICA sich weigert, aus dem heute abgeschlossenen Experiment die allein richtigen Konsequenzen zu ziehen. Wem; A j e 1 b I ü h e n d c s I e b e n i s t u d c n To d der alt e n P I C A n c t die PICA diese s t e r 1 d e in n a t i o n a I e n A t: f b a u': in Erez Israel einen Keren der den Volksbesitz an Boden sich im K e r c n II a j e s s o d Volksx errungen geschaffen hat, befruchtet, warum dürfen dann e t h ii a s c Ii a c h a r : h e u d e m s c h I e i c Ii e n - K o I o n i e 11: w a r u tu ö f f - > e n d e n K o hin i e n n i c h t Wenn das jüdische Volk sich Kajerneth geschaffen hat, mehrt und betreut, wenn es ein steh, ständig erneuerndes das das beben des Landes in Eiiv Israel noch riesige „Lctifundien der Philanthropie" für rationelle Besiedlung gesperrt, warum dürfen die Zinsen eines Riesenveniiögens, die bestimmungsgemäß Erez Israel zugute kommen sollen, in einer Weise verwaltet werden, die nur ausnahmsweise einmal sieh den Linien des nationalen Aufbaus einfügt? Die Frage ist von brennender Aktualität - besonders im Gallii. Denn dessen Isolation, die sich in der letzten Zeit so verhängnisvoll ausgewirkt hat, ist zum großen Teil eine unmittelbare Folge des philanthropischen Kolonisations-Systcnis der PICA. Und mag mau auch geneigt sein, sich über das Vergangene auszuschweigen, v o m Zukünftigen muß gesprochen werden! Davon rätulich, daß die Zukunft in Erez Eraei immer und uberall nur vom Willen des lebendigen Volksganzen bestimmt werden darf, daß es nur einen nationalen Aufbau geben darf. Die PICA steht vor der Entscheidung, ob sie sich dieser Entwicklung fügen will oder ob sie das, was zu anderch Zeiten einmal die helfende Hand eines großen Wohltäters gewesen ist, zur „toten Hand" werden lassen will. Und im Galil wird die Entscheidung fallen müssen. Denn der Jischuw ist entschlossen, endlich das Galil zu erlösen, es aus seiner Vereinsamung zu retten, es mit jüdischen Menschen zu füllen. Die PICA, deren neuer Direktor soeben sein Amt antritt, kann dabei in entscheidendem Maße helfen, wenn sie endlich begreift, daß sie nicht mehr befehlen kann, daß sie sieh einreihen, daß sie bewußt und freudig Teil des nationalen Aufbaus werden muß ____ oder daß sie sich selbst und endgültig ausschaltet und damit das große Erbe Edmond de Rothschilds unfruchtbar macht. Hotel Paradies« Karlsbad Vornehm bürgerliches Etablissement. Erstklassiges Restaurant und Cafd. Weekend-Arrangement Leitung: J.Fuchs Telefon 4773 E.Wohlrab, Inh.