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Jüdische Rundschau · 1937-04-16 · Heft 30 (16.4.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 30 (16.4.1937)
Date
1937-04-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30, 16. IV. 1937 Die Judenfrage in der Welt Oberregierungsrat Dr. Ziegler vom Rekhsprqpagandaministcrium sprach lt. „Berliner Tageblatt" vom 15. April am Mittwochabend in der Hochschule für Politik über „D i e Juden frage in der heutigen Welt". Seine Ausführungen gruppierten sich um die vier Teilursachen, aus denen heraus das Judenproblem überall von neuem gestellt ist: das Ausklingen der liberalist i sehen Epoche, das an die Stelle des Schemas der staatsbürgerlichen Gleichheit tiefere Werte setzt; das übermäßige Wachstum des J n d e n t n m s seit Beginn des Industriczeitalters, das gleichzeitig mit der Massenauswanderung nach USA. seit 1980 auch dorthin unausweichliche Spannungen in ihren Keimen getragen hat; die Kontrollstcllung des Judentums in Fragen der öffentlichen Meinung, des Kulturlebens und der Wirtschaft in allen von ihm bewohnten Ländern mit der erklärlichen Folge des Botmäßigkeitsempfindens der betroffenen Nationen; schließlich die soziologische Sonderstruktur des Judentums, das fast keinen Anteil an den handarbeitenden Berufen, besonders am Bauerntum stellt. Diese allgemeingültigen Tatsachen enthalten den ebenso allgemeingültigen Zwang zu Schlußfolgerungen: die Judenfrage ist in der heutigen Welt übera 11 gestellt. Oberregierungsrat Ziegler ging; in der zweiten Hälfte seines Vortrags auf die Symptome dieser Lage in Ost- und Westeuropa und in uebersee ein. Jüdische Aerzte Nach einer im Aerzteblatt für Berlin veröffentlichten Aufstellung gibt es im Bezirk der Acrztekammer in Berlin 6319 Aerzte. Von ihnen waren 1471 oder 23,3 o/o der Religion nach jüdisch. Im Bezirk der Aerztckammer Schlesien gibt es 12,8 "o jüdische Acr/.te, in Hamburg 11,8 »o, in Hessen-Nassau 10 v. Es folgt Baden mit 5,4 o/o, Ostpreußen mit 4,9 «n, das Rheinland mit 4°o, Pommern mit 3,4 "o, Brandenburg mit 2,9 "o und Niedersachsen mit 1,9 o/o. Der Rassenzugehörigkeit nach waren in Berlin von den verheirateten Acrzten 1017 oder 20,1 «o in beiden Partnern jüdisch, 276 oder 7,1 <\'o der jüdischen Aerzte Waren mit deurschblütigen Frauen verheiratet. Von den 1984 ledigen Acrzten waren 18,8 "o jüdisch, von den verwitweten 45,5 °/<>, von den geschiedenen 33,9 <u>. Rassenmäßig sind in Berlin 29,5 % der Kassenärzte Juden, 9 °o Mischlinge oder jüdisch Versippte. In Schlesien sind 13,3 "o der Kassenärzte Juden, in Hessen-Nassau 10,7 »n, in Hamburg 9,5 » o in Baden 7 o/o, in Bayern 4,5".>, in Niedersachsen und Westfalen je 2 o/o und im Rheinland 3,9 r—MAGISTER KIRSCH—, Dar flute Likör Maglster-Llkörfabrlk, München VII. In Berlin zu bezieh, durch dl« WelngroBhandlung Bernhard Brauer, Burgstraße 3 / Ruf* 3143 40 Vom Board of Deputies London, 12. April. (JTA.) Der Board ot Depu. ties gfläesamtvertretung der englischen Juden) befaßte sich iRwiiner letzten Sitzung mit dem Bericht, den die voTj^phin eingesetzte Kommission zur Ausarbeitung von Plänen für eine Reorganisierung des „Joint Foreign Committce", eines gemeinsamen Ausschusses des Board und der Anglo-Jcwish Association für die Bearbeitung ausländisch-jüdischer Angelegenheiten, erstattet hat. Nach zweistündiger Aussprache, an der sich insbesondere der Vorsitzende der Kommission, P. Horowitz, der Präsident der Anglo-Jewish Association, Leonard 0. M o n t e f i o r e, der Präsident des Board of Deputies, Neville L a s k i, Rev. M. L. Perlzweig, Sir Osmond d'Avigdor O o 1 d s m i d und der ehemalige Abgeordnete Barnett lainur beteiligten, wurde ein Antrag angenommen, demzufolge die weitere Beratung des Kommissionsberichtes vertagt wird und die Exekutive des Board, sowie der Vorsitzende der Kommission für Rechts¬ und parlamentarische Angelegenheiten und der Vorsitzende der Unlersuchungskommission beauftragt werden, in Verhandlungen mit der Anglo-Jewish Association über ein neues Abkommen zur Bildung des gemeinsamen Ausschusses einzutreten. Der neue Vertragsentwurf soll dem Board of Deputies in einer Sitzung vom 6. Juni vorgelegt werden. In derselben Sitzung gab Präsident Neville L a s k i einen Uebcrblick über die Arbeiten auf den einzelnen Tätigkeitsgebieten. _ Universitäts-Aktion in England Unter dem Vorsitz von Sir Philip llartog fand in London ein P r c s s c - E m p f a n g statt, der der Aufklärung über die Bedeutung und die Aufgaben der Hebräischen Universität in Jerusalem gewidmet war. An der Veranstaltung beteiligten sich u. a. Sir Herbert S a in u e I, Dr. Chaim W e i z m a nn , Prof, Norman B e n t w i c h und Architekt Erich Mendel söhn. Herbert Samuel legte eingehend die zentrale Stellung der Hebräischen Universität im jüdischen Geistesleben und ihre Bedeutung für die Juden aller Länder dar und schilderte ihren Werdegang und die Erfordernisse ihres weiteren Ausbaues. Professor «entwich sprach über die in England eingeleitete Aktion, durch die ein Jahresbeitrag von 10000 Pfund für die Hebräische Universität gesichert werden soll. IN ALLER KÜRZE Die „Allgemeine Rundschau", Stuttgart-Zuffenhausen, vom 13. April berichtet, daß in Zusammenarbeit mit der Kreisleitung der NSDAP, sämtliche 23 Viehversicherungsvereine des Kreises Freudenstadt die Bestimmung angenommen haben, nach der vom Juden gekauftes Vieh nicht mehr versichert wird. Die 26 Darlehenskassen des Kreises beschlossen, für den Kauf von Vieh, das unmittelbar oder durch Vermittlung vom Juden kommt, kein Darlehen mehr zu geben. Durch diese' Maßnahme ist im ganzen Kreis Freudenstadt der jiidische Vithhandel praktisch ausgeschaltet. In Lissabon ist der Mitarbeiter des Völkerbundsoberkommissars für Auswandererfursorge Sit Neill Malcolm, Lord Duncannon, tingetroffen, um mit der portugiesischen Regierung über die Ratifizierung des auf der letzteii Zwischenstaatlichen Rcgierungskonferenz in Genf angenommenen Abkommens über den Rechtssfahis aus Deutschland ausgewanderter Personen zu verhandeln. Der ägyptischen Delegation zur Konferenz in Montreux geboren auch zwei Juden an, und zwar Isidor Feld mann (Generalsekretär des Komitees zur Revision des gemischten Strafgesetze.-.) als juristischer Sekretär der Delegation, und LeonDichy (Sekretär des Obersten Wirtschaftsrates) als wirtschaftlicher Sekretär der Delegation. Die polnische Regierung beabsichtigt, eine Kommission nach Madagaskar zu entsenden, die die Möglichkeit jüdischer Ansicdlung in diesem Lande prüfen soll. Die polnische Regierung hat sich auch an jüdische Organisationen mit der Aufforderung gewandt, sich an dieser Expedition zu beteiligen. Die betreffenden Vorbände haben die Einladung der polnischen Regierung abgelehnt. Kongreß des polnischen Judentums? Warschau, 12. April. (JTA.) Im Verlauf der letzten zwei Monate haben die in Polen kbenden Mitglieder des Administrative Committee des Jüdischen Weltkongresses Beratungen abgehalten, bei denen auch die Frage der Einberufung eines a 1 I;• e m c i n e n Kongresses der Juden Polens erörtert wurde. Auf diesem Konureß soll zu allen aktuellen Problemen der polnischen Jmlenlieit Stellung frommen und eine Körperschaft eingesetzt werden, die ie Gesa m tvertret u n g der Juden Polens und die Wahrung ihrer Interessen zu übernehmen hatte. Die Einberufung eines solchen Kongresses wurde von den Mitgliedern des Administrative Committee grundsätzlich beschlossen. Zu seiner Vorbereitung wurde ein Komitee eingesetzt, dem Adv. Noa. Prilucki, Abg. Dr. Göttlich, Dr. H. Rosmarin, Dr. Kleinbaum, Dr. Kahane und ing. Anselm Reil! angehören. Diese Kommission hat nunmehr beschlossen, den Kongreß für Mitte Juni einzuberufen. Die Delegierten sollen auf Grund allgemeiner direkter Wahlen aus dem ganzen Land zu dem Kongreß entsandt werden. Revisionistische Ausschreitungen Kaunas, 12. April. (JTA) Eine Versammlung des Keren H a j e s s od in Kau uns, bei der Direktor Leib Jaffe sprach, ist von Betarim gesprengt worden. Infolge de» entstandenen Tumults wurde die- Fortsetzung des Vortrags von der Polizei verboten. Die Fenster des Palästina-Amtes in Kaunas sind zertrümmert worden. Persönliches. Am 1. April feierte Herr Walter Bacher, Kassel, Wilhelmshöher Allee 40, sein 25jähriges Lehrerjubiläum. Den Grund zu seinem tiefgehenden wissen legte er auf dem Seminar zu Hannover. Danach war er zwei Jahre, bis zum Ausbruch des Weltkrieges, in einer kleinen Gemeinde Westfalens als Lehrer tatig. Nach dem Kriege war er sieben Jahre in der Gemeinde < iulun als Prediger und Lehrer und wurde 1026 als Lehrer und Kantor an die Gemeinde Kassel berufen. Dort konnte er als Jugendbildncr und Berater eine eitrige Tätigkeit entfalten, seine reichen Kenntnisse der hebräischen Sprache und Literatur der Jugend zugänglich m,iihen und diese ab Ziemst für dieses Ideal begeistern. Weiter verschärfte Einreisebestimmungen in Südafrika Die südafrikanische Bundesregierung hat neue Bestimmungen für die Zulassung von Ausländern erlassen. Ausländern, die die Reise nach Südafrika nach dem 31. März angetreten haben, wird nach ihrem Eintreffen auch die Erlaubnis zu vorübergehendem Aufenthalt nicht mehr erteilt. Künftighin müssen Ausländer sich die Genehmigung zum Betreten südafrikanischen Gebietes schon vor der'Abreise beschaffen. Diese neuen Bestimmungen stellen eine Durchführungsverordnung zu dem neuen Einw;.nderungsgesetz dar, das bekanntfich die Regelung der gesamten Einwanderung einem eigenen Einwanderungs-Ausschuß (immigrants' Sciection Board) übertragen hat. Verurteilungen wegen Rastenschande. In Frankfurt a. M. wurde ein 58jähriger jüdischer Angeklagter zu 16 Monaten Zuchthaus verurteilt. — Ein 32jährigcr arischer Angeklagter erhielt \'2 Jahre Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust. — In Leipzig erhielt ein 52jähriger jüdischer Angeklagter 2 Jahre Zuchthau« und 3 Jahre Ehrverlust. — In Breslau erhielten ein 36jähriger jüdischer Angeklagter wegen Rassenschande und Zuhälterei 5 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Zulässigkeit von Polizeiaufsicht. Ein 33jähriger jüdischer Angeklagter erhielt 3 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. — Ein 45jähriger jüdischer Angeklagter 2 Jahre Zuchthaus. — In Gießen erhielt ein jüdischer Angeklagter 1 Jalir Zuchthaus. Siedlung in Palästina und anderswo In einer Zuschrift an die „Times" antwortet der konservative Abgeordnete Vyvvaii Adams auf die an derselben Stelle vor einiger Zeit veröffentlichten Vorschläge Lord L a - m i n g t o n s, den Juden statt Palästina andere unterbevölkerte Gebiete im Britischen Reich zur Verfügung zu stellen, die mit Hilfe der jüdischen Organisationen erschlossen werden sollen. In der Zuschrift wird erklärt, daß die Unruhen in Palästina innerhalb weniger Tage unterdrückt worden wären, wenn man mit der gleichen Entschlossenheit vorgegangen wäre, wie bei ähnlichen Gelegenheiten in anderen Teilen des Reiches. Daß die Mandatarmacht es unterlassen hat, die Ordnung wiederherzustellen, sei kein Grund dalür, daß die Juden ihre historischen Rechte in Palästina aufgeben, Nur Palästina gebe den Juden die nötige moralische Grundlage für ihre nationale Wiederherstellung, Das Land bedeute für sie weit mehr als eine bloße Zufluchtsstätte. Möglicherweise könne Palästina nicht alle Juden aufnehmen, die gezwungen sind, auszuwandern; und es sei zugegeben, daß viele nicht nach Palästina gehen wollen. Lord Lamington schlägt vor, daß sie die „gegenwärtig gefährlich unterbevölkerten Gebiete des Empire" kolonisieren sollen. Wenn er mit seiner großen Kenntnis ein geeignetes Gebiet angeben, und wenn er mit seinem Prestige und seinem»Einfluß einen solchen Plan aktiv unterstützen würde, dann würde er sich die dauernde Dankbarkeit der Judcnheit erwerben. Ein solches Gebiet wäre etwas Zusätzliches zu Palästina, nicht aber ein Ersatz dafür. Nachdruck voholon Alle (a.iih Ucl" mUungs«) Rechte vorbehalten -;4J sU"--Fsli-T ii^£jjjjij§ü TmjiCismGL £tKr? Eo»na»vfrriltf<jie «MK. CHA3IM SCHWARZ lX.?;VJYM KIBßUZ 13. KirlsHr.in^ Abends sind bei uns im Zeit Kunitz und Schröder, Karlchen, der Schuster Fredi, der Schmied, Bartel, das Geburtstagskind und ich. Wir rauchen Zigaretten und trinken Wein und essen Kuchen. Hermann hat mir gesagt, daß weder Bartel noch der Schmied an ihn hei angetreten seien wegen der Torto und daß die in ihr enthaltenen Rosinen nicht aus Kfar Esrachim stammen, sondern aus dem Machsnn (Vorratsraum) der Küche. Eine Weile lang sehe ich draußen Piff stehen, er hat »ein altes Sahneiacheln aufgesetzt und schaut, Httndc in den Hosentaschen, auf Hanni, die man gerade sehen kann durch den geöffneten Zeheingang. Später kommen noch Hirsch und Garran. Jeder neu Eintretende bekommt ein Glas Wein. Dann erst gehört er dazu. Ich denke so bei mir, daß Härtel ordentliche Anstrengungen mneht, um ILinni zurückzugewinnen. Natürlich diskutieren wir auch (Iber irgend etwas. Hanni sitzt erst link» neben mir, an Bartels Seite, der sie plötzlich mit kleinen blinzelnden Augen umfnßt, Da steht sie auf und begibt sich auf den Plötz rechts neben mir, und Bartel sa^t blinzelnd und betrunken, denn die palästinensischen Weine sind sehr schwer, und ein einzige» Gins vollbringt Wunclerleisttingcn: Aber neben dir, Dujan, bleibt sie, das steht nun einmal fest. Garran ist der einzige Wutik (alter Siedler), dritte Aliiah, russischer Flüchtling. Er trinkt noch ein Glas und noch ein Glas, drei Gläser zusammen. Dann littlt er eine kleine Rede Uber den früheren Sinn des Kibbuz und über den heutigen Sinn des Kiblms und nueh darüber, daß es verständlich sei, wenn die Neuen auf der Suche nach einer neuen, stärkeren Lebensform aus der alten Lebensform Tel Hamon hinausgingen. Er ist betrunken. Wenn die Alten betrunken sind, pflegen sie zu gestehen, daß sie sich nicht woldfühlen im Kibbuz. Und er taumelt hinaus, Piff hinterher. Heute weiß ich, daß Bartel mit dieser Feier nichts erreichte bei Hanni und daß seine Wut sich ins Grenzenlose steigerte. Und ich denke auch darüber nach, wie komisch es ist, daß damals alle Jungen, noch dazu unter dem Einfluß des Weins, düster und schwermütig Hanni anstarrten, und daß nur ich sie nicht anstarrte und trotz des Wein» in dieser Hiehtung nüchtern blieb, weil meine Hemmung sich in Gegenwart von Menschen verzehnfachte. Der Schuster Fredi zum Beispiel Ist so bleich wie ein« weiße Maus. leb glaube nicht, daß es nur das tägliche Sitzen in der Schusterei ist, das ihn so bleich macht. In seinem Zelt am Mast hängt das Bild eines Mädchens, sie sieht verschwitzt und unjüdisch aus und Fredi behauptet, es sei seine Braut, die sich noch in Köln befände und die er eines Tages hcrüberhalen wolle. Daher arbeitet er nachts. Er arbeitet in der Schusterei, nn der Konstruktion einer über Rollen durch Gegengewichte nufzichbaren Barriere, die das andrängende Publikum vom Arbeitstisch fernhalten soll. Er baut zwei hohle Holzsäulen, in denen Rad, Seil und Gegengewichte verschwinden, kann •jetzt abends beim Aufräumen mit einem Handgriff die ganze Wand nach oben schieben und in Ruhe den Boden fegen. König will Ewar einen grollen Injan (Angelegenheit) aüs der Barriere machen. Er will es in den Juman (Mitteilungsblatt) bringen, daß in der Schusterei die spießigsten Leute sitzen. Aber der ,luman hat einen Redakteur, und der Redakteur sagt: Nein. Fredi arbeitet nachts, um auf vernünftige Gedanken zu kommen. Er photographiert, entwickelt, macht Abzüge. Er besitzt den einzigen privaten Verbandskasten von ganz Tel llamon. Er trägt sich mit Ideen, sein Zelt zu erhöhen und zu einem technischen Wunderwerk auszugestalten. Der Monat Mai ist ein seltsamer Monat. Darki klagt darüber, daß er sich in einem Sumpf befinde. Darki ist ein typischer Vertreter der schwärmerischen und philosophisch angehauchten polnischen Jugend. Ev fiel mir eines Tages auf durch das Geheimnis, in da« er sich hüllte. Es gab angeblich Dinge, über die er mit mir nicht hatte sprechen können. Dann kam jener philosophische Abendspaziergang, wo er mir erklärte, Anhänger eines gewissen Professors für Philosophie zu sein, der eine Lehre der moralischen Bewertung nach Gesundheil und Krankheit aufgestellt hatte. Wie bin ich heruntergekommen, in welchem Sumpf befinde ich mich, klagte Darki. Und drohend schloß er: Aber ich werde wieder herauskommen, wieder aufsteigen. Ein komischer Monat, der Monat Mal. Eines Abends •ehe ich Darki im Hof herumspazieren, und ich habe plötzlich das Gefühl, daß er Piff ins Handwerk pfuscht. Welche Entlöschungen erlebt so ein Professor für Philosophie an seinen Schülern. Uebrigens wirken auch auf mich manche Mädchen ganz außerordentlich. Ich erinnere mich, daß ich einmal halb irrsinnig wurde, als sieh eine unten im Pardess auf den Tisch setzte und die nackten Sehenkel übereinander schlug. Sie tragen ja alle diese kurzen Hosen, besonders iin Sommer. Trifft man sie nachher in der Stadl, dann sehen sie plötzlich ganz farblos und nichtssagend aus, wie aus dem Rahmen gefallen. Sie wirken nur im Kibbuz, in der Landschaft, mit kurzen Hosen, womöglich ein buntes Tuch um den Kopf, Damals, als wir Hannis Geburtstag feierten, waren alle Jungen betrunken und starrten auf Hanni. leb erinnere mich, daß ich plötzlich Angst hatte um sie und mir mit meiner vom Alkohol erhitzten Phantasie ausmalte, wie ich' mich benehmen müßte, um richtig als Beschützer aufzutreten. * In den Weinbergen saust die Jäthacke, befreit die Weinslöeke von Unkraut. Die Landschaft, die anfänglich in saftigem Grün gelegen hat, beginnt, unter dem Einfluß der Sonne und der menschlichen Arbeit langsam zu bräunen. Gleichzeitig mit der Nikusch (Jäten) geht man in den Weinbergen kultivieren, mit Pferden und einem kleinen Handpflug. Die Binderinnen beginnen, die herauskommenden Zweige in die Breite zu binden, nachdem man einen Teil der neuen Triebe geschnitten hat. Ende April fängt man an zu bewässern, nimmt im Mai die überflüssigen BiUten herunter und schwefelt die Weinstöcke, die sich inzwischen stark belaubt haben und von neuem den Weinbergen saftgrüne Farbe geben, Auf den Feldern arbeiten die Niaschinen und Traktoren. Das künstliche Heu wird gemäht und in große drahtverschnürte, viereckige Ballon gepreßt, die von Autos und Wagen heimgeführt und im Hof zu mächtigen goldenen Pyramiden geschichtet werden. Man schneidet Gerste, sät Futtermais. Die Leute der Faücha (Getreidebau), voran Bosewitz und ein anderer, arbeiten Tag und Nacht, in Schichten, um die Ernte heimzubringen. Der Getreidebau ergibt durchschnittlich einen Jahresprofit von 3000 Pfund. Nach dem starken Regen des letzten Winters stellt der Chazir (Gras) ungewöhnlich gut. Auf einer Assefa Klulit (allgemeine Versammlung) beantragt der Leiter der Fallcha die Veranstaltung eines Massenaufgebotes zur Heuernte. Was »ich während der Mahlzeiten im vorigen Jahr bei der Katif (Orangenernte) abgespielt hat, das beginnt jetzt, sich auf den Feldern abzuspielen. So verläuft aas erste Viertel des Sommers, nach Absolvierung einer riesigen Peßachfeier, auf der Ikwis Sohn

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