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Jüdische Rundschau · 1937-04-13 · Heft 29 (13.4.1937) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 29 (13.4.1937)
Date
1937-04-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JODISCHE RUNDSCHAU MINE UHU Nr. 29, 13. APRIL 1937 ß Die neue Schule Zur Eröffnung der höheren Schule der Jüdischen Gemeinde Die Eröffnung einer neuen jüdischen Schule ist unter den gegebenen Verhältnissen ein Ereignis von besonderer Tragweite, und es ist ebenso berechtigt wie notwendig, e» zu feiern und die Gesichtspunkte für die pädagogische Arbeit den Eltern und Schülern vorzutragen. Das geschah diesen Sonntag im Logenhaus. Zwischen musikalischen Darbietungen von Würde und Geschmack hielten namens der Gemeinde der Schuldezernent Dr. Alfred Klee und namens der Schule deren Leiter Dr. Bruno Strauß die programmatischen Reden. Dr. Klee kennzeichnete zunächst historisch unsere Situation. Wenn die Gemeinde eine neue, und zwar nun eine höhere Schule eröffne, so tragen sie unserer Situation in besonderer und verantwortlicher Weise Rechnung. Im Gegensatz zu den früheren Vorurteilen gegenüber den handwerklichen und landwirtschaftlichen Berufen hat sich zwangsläufig eine gesündere Anschauung durchgesetzt, aber es wäre ebenso verkehrt, diese Anschauung für die allein seligmachende zu erklären, wie das andere Extrem, die Ueberbewertung der akademischen Berufe. Den geistig Begabtesten muß die Chance der bestmöglichen Ausbildung gegeben werden. Die Erziehung müsse aber restlos jüdisch erfolgen, nicht nur durch einige Stunden jüdischen Gcschichts- und Religionsunterrichts, sondern in jedem Fach, so daß der jüdische Geist den gesamten Unterricht durchziehe. Dr. Strauß führte sich in den Augen von Schülern und Eltern gewiß vorzüglich ein, indem er von seiner Herkunft aus einer hessischen Lehrerfamilie, von seiner Lehrzeit in einer jüdischen Volksschule, von der religiösen Verbundenheit mit dem Judentum — auf die auch die neue Schule Gewicht legen wird — und von der primären Bedeutung des Hebräischen sprach. Der umfangreiche Lehr- 51 a n, der von der neuen staatlichen Schulreform beträchtich beeinflußt wird, soll außer dem Jüdischen auch den Sprachen, den Maturwissenschaften, dein humanistischen Ideal, der musischen und sportlichen Betätigung dienen. Die Anforderungen an die Schüler werden groß sein, nur die wirklich Begabtesten sollen in strenger Auslese und nur unter dem Gesichtspunkt ihrer Anlagen, nicht der Zahlungsfähigkeit und nicht der Zukunftsaussichten, den Vorzug genießen, die höhere Schule zu absolvieren. Aber auch das Reifezeugnis garantiert bekannt'ich kein späteres, besseres Durchkommen; worauf es hier indessen ankommt, ist die geistige und charakterliche, die jüdische Ertüchtigung fürs Leben überhaupt, gleichviel in welchem Land oder Beruf, der große Fundus für das Leben, „das jetzt so schwierig und doch schön ist". _ Zum Andenken David Kolgens Am 5. April, vier Jahre nach dem Tode des jüdischen Kulturphilosophen David Koigen, wurde auf seinem Grab auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee ein schlichter Gedenkstein gesetzt. Eine kleine Schar von Menschen, die das Andenken des Verstorbenen teuer halten, versammelte sich am Grabe, um in Dankbarkeit ihres Freundes und Lehrers zu gedenken. Dr. Borodianski trug das letzte Kapitel aus Koigens „Das Haus Israel" vor; einige Psalmen, rezitiert von Dr. H esc hei, schlössen die stille Erinnerungsfeier. Denjenigen, die David Koigen näher gekannt haben, wird die geistige Gestalt dieses Denkers, sein eigentümlicher persönlicher Reiz und sein tragisches Schicksal unvergeßlich bleibet.. Der Tod hat dem Wirken dieses von ewiger geistiger Dnruhe getriebenen Mannes ein jähes und zu frühes Ende bereitet, gerade als er im Begriff war, nach Erez Israel auszuwandern, um dort die ersehnte seelische Ruhe zu finden. _Dr. Joseph Heller Sterbefall. Im Alter von 62 Jahren starb in Berlin Rechtsanwalt S a m o j e an den Folgen einer Operation. Er war Mitglied des Hauptvorslandes des C.-V., der Berliner Repräsentantenversammlung und des Führerrats des R. j. F. Bis 1933 war Rechtsanwalt Samoje Vorsitzender einer Abteilung im Vorstand der Anwaltskammer, Berlin, und seit 1933 hat er sich tatkräftig der Fürsorge für die jüdischen Anwälte angenommen. Ausstellung im Klubheim Die neue Ausstellung des Sekretariats für bildende Kunst im Klubheim, Marburger Str. 5, bringt diesmal das Werk dreier Künstler aus München. Der Maler Rudolf Ernst bedeutet das geistige Element unter den drei Künstlern. Ein Maler ganz heller, ganz zarter Farben. Die Proben, die man diesmal von ihm zu F*11' '"- 1 1 ■ ***•—'""*"-------1 sehen bekommt, wol- 1 len der Farbe die Substanz nehmen, die Linie vergeistigen, die Farbe e n t m a t e - r i a I i s i e r e n. Diese geistige Leichtigkeit kommt vor allem auch den Blumcnstillleben zugute. Eine Blattranke, ganz zart aufgesetzt, verrät die Sehnsucht nach der Freskotechnik, die man auch an den wandimiticrenden Rahmen sehen kann. Rudolf Ernst zeigt auch sehr gute Zeichnungen. Hauchzarte Umriß'inien, aber n/äzise im Ausdruck. Marie Luise K o h n (Luiko) ist viel substantieller. .Man sieht das gleiche an ihrer Wir.terlandschaft. Der Himmel ist grau, nicht zart blau wie bei fast allen Hintergründen von R. Ernst. Zwar ist der dicke Schnee auf der Baumreihe ganz locker, aber die Bäume sind klein in de» umgebenden weißen Fläche und fast gedrungen. Marie Luise Kolin ist die Malerin des Bildes der stillenden Mutter, von der Reichsausstellung her bekannt. Dies Bild ist wieder zu sehen, und man bewundert die Kunst der Malerin, die hier in Flächen komponiert. Daneben waren damals ihre Zeichnungen (Radierungen) ebenfalls das beste der Reichsausstellung. In diesen Zeichnungen, diesmal viel Lithographien, zeigt sich ihre Kraft der Darstellung' am reinsten. Marie Luise Kohn bringt auch Juden gestalten in ihren neuen Gemälden. Ein ganz schmales im Hochformat heißt „Rast". An einem morschen Stamm sitzt ein alter Jude. Das Gesicht ist graubraun, der Anzug dunkel, aber der Hintergrund ist ein dunkles Weinrotviolett. Der Jude, Typ eines Ostjuden, ist arm, er bettelt, aber er ist keine Symbolgestalt, sondern realistisch aufgefaßt. Ein zweiter <(A 11 e r Jude", ebenfalls ein bärtiger, alter Mann, sitzt auf einem hohen, steilen Sofa. Sein Bart ist locker und weich, das Gesicht heller im Ton als der Jude des Büches „Rast", das Ganze ist farbiger vor hellgrünem Hintergrund, aber der Jude ist sehr ernst, wenn auch der Mund etwas skeptisch zu lächeln scheint. Sehr merkwürdig ist das Gemälde „Anrufung". Vor schwarzem Hintergrund nichts als Hände und Arme. Gerungene Hände, betende Hände. Eine Frau schließt die Hände über den Augen, ihre beiden Arme gehen fast diagonal über das Gemälde. Interessant ist das Porträt einer „Jemenitin". Das kleine Gesicht, fest in der Form und entschlossen im Ausdruck, steht durch das tonige Grau in merkwürdigem Gegensatz zur Buntheit der gestickten Farbenpracht des Rockes. Die Bildhauerin Elisabeth Springer bestätigt ihre Begabung mit schönen neuen Arbeiten. Am besten ist das „B a I i m ä d c h e n", sitzend, in edler Haltung, barfuß, ein Fuß liegend, der andere aufgesetzt. Der Ausdruck ist ganz naturergeben, innerlich erfüllt, konzentriert; das asiatisch breite Elisabeth Springer: l-u\o: Schwestern Uerb?rl Soune/ifeld 'AI. L. Kohn: Jemenit,n Rudolf Ernst: Port rat l'ütos : .1. Abraham Oval wie von Traumphantasien geschaffen. Line größere Plastik, genannt „Sitzende", ist offenbar das Modell zum BalimiidcTieu, der Kopf ist erhoben, die Anne bilden einen Rahmen über dem Kopf, die Haltung ist edel tirnl natürlich. Der Fußballen und viele andere Einzelheiten zeigen die aus echtem Gefühl für Form und Material gewachsene Art zu arbeiten. Ganz zart ist dagegen ein kleines Tonköpfchen, ein Frauenkopf. Ganz durchgeistigt, konzentriert, wie Blumenblätter umgibt der Blusenkragen den feinen Hals. Ein liegendes Mädchen, grauer Stein, ist ebenfalls gut in der plastischen Gestaltung. Hanna. Schlesinger (Ruth Morold) Vortrag im Jüdischen Museumsverein. Am 4. April sprach Dr. Lutz Weltmann über Abraham Alexander und Samuel C o o p e r. Der Vortragende hatte sehr sorgfältig das Material, das sich von dein Leben und der Tätigkeit dieser englischen Biklnisiiiiniaturisten jüdischer Abstammung erhalten bat, zusammengestellt. Die einzige datierte und signierte Arbeit Abraham Alexander Coopers ist die Medaillonkette mit den Bildnissen des Winterkölligs Friedrich V. von der Pfalz. Sie befindet sich heute im Deutschen Museum in Berlin. Dr. Weltmann versuchte auch einige Neuzuschreibungen an diesen Künstler, so die Miniatur der Christine von Schweden im Rijksmiiseiim in Amsterdam. Eine große Anzahl von Miniaturen der Brüder Cooper konnte im Lichtbild gezeigt werden. Dr. Irmgard Schüler „Amcha" im Kulturbund. Durch ein Versehen ist in meiner Besprechung der Aufführung von „Amcha" in der vorigen Nummer der Name von Elfriede Borod k in ausgefallen, die mit der anmutigen Darstellung der Schneiderstochtcr eine durchaus lobende Erwähnung verdient. A. E. Ankündigungen Fraucn-Arbeitsgemcinjchaft lür Palästina. Die in der vorigen Nummer angekündigten Veranstaltungen Ja!!«) au». Neue Termine werden noch bekanntgegeben. Hebräische Allfängerkurse der BZV. Die in der vorigen Aufgabe angf'kündigten Kurie linden zunächst nirht ötai». Der Beginn der Kurse wird noch besonders bekanntgegeben werden. Hebräische Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde. Wiederbeginn 'des Unterrichts in der Groben Hamburger Str. 27 am 12. Aprii, in der Klo|)$tockitr. 58 am 13. April. Krüfitmm 1. In der GroUen Hmnbuiger Straße am 1tags und Mitiwo I - \ 1 20 u — z> l 1 11 15. April, 18.45 (llem'it^ un t V v r t u Prof. Dr. Fraru Oppenheimer i . t i i i < i i i < r Vorlesungen und t <. ur /ii s i - i sehe Nationalnkon ric \ i I nur \ \ i > Vorgebildeten zugi i i i \ ' , lu» i 1 i 1 * 1 hr, in der Lehian-ult i r d W i I 't m I i \ -i \i ) 1 <• Straße 14, Hörsaal 5, .sijlt. \p ,1 .. K \ T it ■ tkl 1 -tn- '} l ' r nion- \ \r r>3 am — Jü 15 Ihr). Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV Ol« In der vorigen Ausgabe der JOdlsohen Rundschau angekündigten Veranstaltungen (Inden nicht statt. Uaber elwalga andere Veranstaltungen folgt besondere Mitteilung {Von der Reise zurück | Dr. Otto Lucas Him*MMI«MWW*HH«*MHMWW Von der Reise zurück: Zahnarzt Dr. Julius Wolif Baerwalditr. 63 / Tel.: 6660 43 Jüdischer Kulturbund Berlin E.V. Kleinkunstbühne Losenhaus, Kleiststr. 10 Kimst!. Uitunj: Max Ehrlieh APRIL APRIL APRIL APRIL 17 18 8.30 Uhr 24 25 SONNAB. S0NNTA8 SONHAB. SONNTAG II II Bitte einsteigen Die neue Revue In 13 Biidarn von Willy Rosen u. Max BhrllOh Mualk: Willy Renn Raglai Mm Ehrlich mit Max Klirll«li Edith El»nh*lm»r / Uli Sandbarg / Ruth Uhnbtrg Monisa Harrnleld ✓ Friti Tachauar s Bert Baar u. t, Auwtattff. i Helm Condall / Musik. Ug. Wamar Baar /Tcchn. LI«.: Min« Stndhelmar Tnnreinstud. (Duette und Kniembi«.)i Irfflllt0fn1 WHIfiar Vorvirkaaf dar Karten von RM 1.— bla 3.S0 Im Philo-Verlag btim Z«tunra<Und im Cafa Laon (9J 42 29); Konditorei SWinrid«, KI«»U(r.E« 13 (25 36 48)| KulturbundtheaUr (17 77 35); und an der AbendScMi». Eintritt nur mit gültiger Kulturbund- oder Re!cä«vcrb«nd«karte (auch gegen Lagltlmatlon an dar Abendkawe). Ohne jrflltifan Auawala kaln Einlaß. Der Vorverkauf hat bereit, bagonnan. STEUENMARKT AN G E BOTE Suche per sofort oder 1. Mai Hausgehilfin 5-Zimm.-Kom(.-H;iustinIt. 6 Per»., gr. Waich» auß. Hause, KochkcnntmRse nicht erfordert, O. Alt genug Berlin NW 87, LcvetiowatraOo 16 a TUcht. Kontoristin gewandt in Burhholtg. u. Rechnen, nlrht unt. 25 Jnbre, p. sofort gasuehl. Angebote unt. F. 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