Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1937-04-13 · Heft 29 (13.4.1937) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)

OCR text

24 entity mentions

Nr. 29, 13. IV.1937 JODISCHE RUNDSCHAU Sefte 7 Hie gemalte ich den Schabbat? Für Schabbat, 17. April Wochenabschnitt: „Tatria/Mezora" (Ii!. B. M. Kap. 12, 1-15, 30.) Von Kauf und Verkauf II. Die Führer der Gemeinde sind verpflichtet, Beamte einzusetzen, die in die Läden gehen und die Maße und Gewichte prüfen. Werden falsche Maße und Gewichte gefunden, so ist der Schuldige schwer zu bestrafen. Es ist verboten, ein falsches Meßgerät bei sich im Hause zu halten, selbst wenn man es nicht benutzt, denn es heißt: Du sollst in deinem Mause nicht zweierlei Mali haben, ein großes und ein kleines. Wer einen Gegenstand zu verkaufen hat, darf ihn nicht äußerlich verschönern, um damit zu betrügen; ebenso darf man nicht guten Früchten einige schlechte beimischen, um sie so zu verkaufen. Warum wiegt das Gebot des falschen Messens so schwer? Weil man nachher nicht mehr feststellen kann, wen man im Einzelfalle betrogen hat und wieviel der Betrug ausmacht, so daß eine Wiedergutmachung nicht möglich ist, falls der Betrüger „umkehrt". Man muß sich beim Messen streng nach dem Ortsbrauch richten und darf nicht im geringsten davon abweichen. An einem Ort, wo es üblich ist, das Maß gestrichen voll zu messen, darf man nicht darüber hinaus zufüllen und umgekehrt. Dies ist sogar verboten, wenn die Differenzen bei der Zahlung berücksichtigt werden. Der Ortsfremde wird nämlich von den Sonderabniaehungen nichts wissen, wird die Gepflogenheiten des Ortes falsch beurteilen und könnte so geschädigt werden. Die erste Frage, die man dem Menschen vor dem göttlichen Gericht vorlegt, ist: Hast du deinen Handel ehrlich betrieben? (Nach dem Schulchan Artich.) I.E. Die Entwicklung der Aggada (X) Aggadische Persönlichkeiten: 7.R. Eleasar b. Peeiath gehört zu der Generation R. Jochanans und stammte aus Babylonien, wo er in seiner Jugend den Unterricht in den Lehrhäusern Raw und Schmueis genoß (über die beiden Lehrer vgl. unsere Rubrik „J. R." vom 8. Dez. 1Q-36). Nicht zu stillende Sehnsucht nach dem heiligen Lande zeichnete diesen Lehrer aus, als er in seiner babylonischen Heimat lebte, die ihn aber auch dann noch erfüllte, als er sich beständig in Palästina niederließ. Er ging daher so weit zu sagen, daß, wer im Lande Israels wohnt, der Sünden ledig sei (Ketub. lila). — Seine Gelehrsamkeit wurde von seinen Zeitgenossen sehr hoch geschätzt; er stand eine Zeitlang an der Spitze des Lehrhauses in Tiberias. Wie viele große Männer des Judentums, so zeichnete auch er sich durch große Demut aus. Ausspruche und Lehren Stets lege der Mensch das Maß an sich, ob er imstande ist. mit Herzensandacht zu beten. Ist er dazu nicht imstande, so bete er nicht (Ber. 30b). — Gebet ist größer als Opfer (das. 32 b). — Jeder Mensch,»in dem Hochmut ist, verdient wie eine Aschera, (ein Baumstamm, der zumeist als Symbol und zu Ehren der Göttin Astarte im alten Palästina gefiflanzt wurde und nach dem biblischen Gesetz, so z. B. I. B. M. 34,13, niedergehauen werden mußte) niedergehauen zu werden (Sota 5 a). — Jeder Mensch, in dem Heuchelei ist, bringt Gotteszorn über die Welt, und sein Gebet wird nicht erhört (Sota 41 b). Interessant ist noch ein Ausspruch R. Eleasars über die Innere Wahrhaftigkeit des Menschen, der weit von Debertreibungen und Schwüren sein soll. Er sagte: Nein und Ja sind Schwüre (Schcb. 36 a). Damit sollte man die Fassung in den Evangelien (Matth. 5,37) vergleichen, wo es ähnlich heißt: Es sei aber euer Wort: ja, ja; nein, nein!, ein Ausspruch, der denselben moralischen Wertgehalt aufzuweisen hat. — än alter Zeit gebrauchte man vielfach das zweimalige „Ja" bzw. „Nein" zur Verstärkung oder Bekräftigung des einfachen Ja oder Nein. Vierzig Jahre jüdischer AutographenSammlung Von Dr. Abraham Schwadron, Jerusalem Während das systematische Autographen-Satumeln im allgemeinen bereits auf ein Alter von beinahe drei Jahrhunderten zurückblicken kann und in allen Kulturzentren private und öffentliche Spczialsammlungen von Autographen verschiedener kultureller oder nationaler Kategorien vorhanden sind, gab es bis jetzt eine spezifisch jüdische, systematische und umfassende Autographerisammlung nicht. Nun versuchte ich es in 32jähriger intensiver und schwerer Arbeit (es wurden von mir z. B. über 65 000 Briefe und Drucksachen zu Zwecken der Sammlung versendet), eine eigentliche, universell jüdische Autographen- und Porträtsammlung zu schaffen. Im Jahre 1926 brachte ich die Sammlung nacli Jerusalem und schenkte sie der Jüdischen National- und Universitäts-Bibliothek. Sie bildete da den Grundstock der an dieser Bibliothek neugeschaffenen Abteilung für jüdische Autographen und Porträts. Die Sammlung enthält jetzt über 3500 Autographen und über 2500 Bilder von jüdischen Persönlichkeiten. Die ältesten stammen aus dem 15. Jahrhundert. In ihr sind Handschriften berühmter Juden aller Länder und Kategorien vertreten: Rabbiner und rahbiiiischc Gelehrte, Kabbalisten und Chassidimrabbis, die Väter und Fortsetzer der jüdischen Wissenschaft, Vorkämpfer der Aufklärungsepoche („Haskala"), der Menschenkreis um Mendelssohn, um Rahel von Varnhagen und Henriette Herz, sowie um Heinrich Heine, die jüdischen Politiker der europäischen Welt, Vorkämpfer der Freiheit verschiedener Nationen, Militärs, Finanziers, Großkaufleute und Großindustrielle, Soziologen, Juristen, Philosophen, Mathematiker, Naturforscher, Techniker, Erfinder, Aerzte, Historiker, Archäologen, Numismatiker, Philologen, Literarhistoriker, Schriftsteller und Dichter in nichljüdischen Sprachen, Journalisten, Musiker, Schauspieler und Theaterleiter, Maler, Bildhauer, Architekten, Sammler, hebräische und jiddische Schriftsteller, bedeutende Vertreter des Liberalismus, der Orthodoxie und des Zionismus und ebenso berühmte getaufte Juden bis zu den dem Judentum entstammenden Kirchenrechtslehrern und Geistlichen. Auch die vielfach sehr schwer zu erhaltenden eigenhändigen Briefe und Dokumente der östlichen jüdischen Größen sind in der Sammlung zahlreicher als sonst irgendwo vertreten. Im Katalog der Sammlung findet man z. B. die Namen: Rabbi Josef Caro, Verfasser des „Schulchan Aruch", R. Moses Isseries, R. Moses Zacuto, R. Elijahu Gaon von Wilna, R. Jonathan Erheschütz, R. Akkiba Eger, R. Samson Raphael Hirsch, R. Lt:vi Jizchak von Berditschew, R. Schneur Salman von I.adi, R. Moses Chaim und Samuel David Luzzatto, Krochmal, S. L. Rapaport, Zunz, Gractz, Geiger, Lord Baconsficld, Montcfiore, Cremieux, Emil und Walter Rathenau, Ballin, Lord Reading, Elijahu Gutmncher, Moses Heß, Pinsker, Smolcnskin, Baron lidmond Rothschild, Carl Netter, Herzl, Nordau, Achad Haam, Prof. Hermann Schapira, Dr. Josef Chasanowitz, Mapu, J. L. Gordon, Mendele Mocher Sforim, Perez, Scholem Alejcliem, Hermann Cohen, Bergson, Husserl, Siegfried Marcus (Erfinder des Automobils), David Schwarz Zeppelin), Heinrich Hertz, Hermann Minkowski, Einstein das Original-Manuskript der Relativitäts-Thcorie), Michelson, Hetite, Neißer, Ehrlich, Valentin Oluge, August von Wassermann, Haffkine, Willstätter, Haber, Lombroso, Freud, Zamcn- Von besonderer ethischer Höhe ist auch der Ausspruch R. Eleasars in Baba M. 50a, in dem es heißt: Alle Strafen Gottes werden durch Boten (Engel) vollzogen, nur die Kränkung des Nächsten bestraft Er selbst. R. Ahbahu war einer der jüngeren Schüler R. Jochanans und später Haupt der Schule in Cäsarea. Im 3. Jahrhundert war Cäsarea sowohl die Residenz des römischen Statthalters wie der Hauptsitz, des palästinensischen Christentums und hatte auch eine blühende jüdische Gemeinde. Abbahu zeichnete sich durch seine weltliche Bildung aus, da -er die griechische Sprache und ihre Kultur beherrschte. Er pflegte auch freundschaftlichen Umgang mit den römischen Würdenträgern und genoß überall große Achtung. Bekannt sind seine Kontroversen mit der christlichen Geistlichkeit der damaligen Zeit, wobei er in wirksamer Weise das jüdische Volk und seine Lehre verleidigte. — Sein Ruhm als geistvoller Aggadist und hervorragender Schrifterklärer ging ihm weit voraus. Bekannt ist die Erzählung, wonach Abbahu Alle Ihre Büctier bcllcMstisdte und /adtwts»cmdtafüidte feder Ar/ von der Buchhandlung am Zoo FrMz Ring Charlottenburg, Joaehimsthaler Straße 43-44 Mitglied der jüdischen Gemeinde Telefon 9165 06 Zuwendung nach allen Stadtteil«« hof (Esperanto), Felix Mendelssohn-Bartholdy, Meyerbeer, Rubinstein, I. F. Halew, Offenbach, Mahler, die Rachel, Sarah Bernhardt, Sonneuthal, Josef Israels, Max Liebermann, Pissaro, Alfred Messel usw. Außerdem enthält die Sammlung sehr viele für jüdische Kulturgeschichte auch inhaltlich wertvolle Schriftstücke. Ebenso darf die direkte wissenschaftliche Bedeutung einer solchen Sammlung als Magazin von I landschrifteuproben nicht unerwähnt bleiben. Finden sich nämlich Manuskripte ohne Unterschrift und sind deren Verfasser unbekannt, so kann man ort die letzteren durch Vergleich mit ihren Autographen feststellen. In der Zeit, in der meine Sammlung sich in Jerusalem befindet, konnte die National-Bibliothek bereits die Autoren einiger anonymer Manuskripte identifizieren. In der außerjüdisehen Welt gibt es viele Eaksimilien-Sammlungen (Facsimiliarien) berühmter Persönlichkeiten, die auch diesem Vergleichszwecke dienen. Auch verschiedene Fälschungen können durch Vergleich festgestellt werden. Und Fälschungen sind da nicht rar. Ich weiß nicht, ob es eine Graphologie der h'cbritischen Schrift gibt; auch nicht, ob sich für den Graphologen vielleicht gewisse Merkmale, Züge manifestieren, die er auch in der nichthebräischen Schrift von Juden als spezifisch jüdisch ansprechen könnte. Allenfalls enthält die Sammlung reichliches Materia! zur Graphologie der Schritt von Juden im allgemeinen und der hebräischen Schrift im besonderen, tat ihren zeitlichen und regionalen Varianten. Durch die angegliederte Porträtsammlung werden die Handschriften gleichsam illustriert. Es dachten auch verschiedene Interessenten über den Grundtypus des jüdischen Gesichtes und seine Entwicklung nach. In dieser Sammlung wäre allenfalls ein bedeutendes Ma1en.il da/u, — Bei dieser Gelegenheit ist es vielleicht von Interesse, eine besondere Art von Fälschung bei Porträts zu erwähnen, die nicht selten ist. In meiner Sammlung befindet sieh /. H. ein Porträt mit dem polnischen Aufdruck „Mendelson filosof", während es in Wirklichkeit ein Bildnis von Melanchthon ist. Ein Bild von Popper Lvnkeus wurde neulich in einer großen amerikanischen Zeitung als das Porträt Sigmund Freuds gebracht. Als ein Ideal — und ein sehr dringend notwendiges -— schwebt mir vor: daß an der Jüdischen National- und Uni« versitäts-Bibliothek ein j ü d i s c h"b i o g r a p h i s c h e s In« stitut errichtet werde,' das eine Allgemeine Jüdische Biographie herausgibt und, mit meiner Sammlung als Grundlage« ein Facsimiliarium und Inventarium aller in der Welt vorhandenen Autographen bedeutender jüdischer Persönlichkeiten veröffentlicht, zusammen mit einer Allgemeinen Judischen Ikonographie. und sein Freund, der Halachist Chija bar Abba, zu gleicher Zeit in einer Stadt weilten und Vorträge hielten. Da verließ alle Welt, heißt es in dieser Stelle, den halachischen Vortrag Chijas, um den aggadischen Ausführungen R. Abbahus zu, lauschen. Aussprache und Lehren Stets gehöre der Mensch zu den Verfolgten und nicht zu den Verfolgern. Es gibt unter den Vögeln keine Gattung, die mehr verfolgt wird als die Tauben, und gerade sie wurde für würdig erklärt, auf den Altar zu kommen (und zu sühnen) (Baba K. 03 a). — Dort, wo die Eingekerkerten stehen, stehen nicht einmal die vollkommenen Frommen (Ber. 34b; Sanh. Q()a). — Zu demjenigen, der ein Amt übernehmen soll, spricht Gott: Ich werde heilig genannt und du wirst heilig genannt. Wenn du aber nicht meine Eigenschaften (als heiliger Gott) besitzest, darfst du kein Amt übernehmen (Pessikta 22). J. M« Plötzlich tauchte die Synthese auf, nach der ich Zeit meines Lebens gesucht hntte. Nur im materiell gefaßten Kibbuz war Raum für den Intellekt, nicht im geistig gefaßten. Geistige Auffassung vom Leben bedeutet Korsett, Uniform, totalen Zwang. Die Kreise vergrößerten sich, bekamen geschichtliches Maß. Die Geisteskräfte der Perioden geschichtlicher Finsternis waren wie jener Teufelsspiegel in Andersens Mitrehen, dessen Splitter über die ganze Welt tanzen und mal hier, mal dort ein Auge verletzen und zum falschen Sehen bringen. Selzer und Sarah Kinski wußten davon. Sie trieben ihr Spiel mit der Blindheit anderer. Sie sagten: „Siehst du? Auch der Blinde sieht nicht." Obgleich sie selbst sehend waren. Kunitz, und seine Freunde in der Panik, diese idealistisch vernebelten Schwächlinge, waren (indiskutabel. Die Diskussion begann bei Köpfen wie Surah Kinski und Selzer. Was wollten diese beiden Urheber und Antreiber der Panik? Ausgerechnet diese zwei Anhiinger der materialistischen Anschauung verlangten spirituelle Freuden? Sie konnten sehen und wollten nicht sehen, sie hatten ein Geheimnis. Meine Rede enthielt eine interne Abrechnung mit Sarah Kinski, die sich schon lange in mir vorbereitet hatte und die Anlaß zu einem ersten Vorpostengeplankel gab, als sie mir am nächsten Tag sagte: Ich habe gehört, du linst zugunsten des Meschcks gesprochen, so ist es gut; wenn du bleiben willst, mußt du dir irgendeinen positiven Standpunkt schaffen. Medinahi, der große Parlamentarier, ging zu seiner Antwortrede über. Einer der Redner hatte versucht, den Fall des Feder aus Deutsehland aufzurollen, der zwei Jahre im Meschek gearbeitet, Chawer gewesen war, als tüchtiger Arbeiter gegolten hatte und bei Anlaß der Notwendigkeit, »eine Eltern anzufordern, auf schroffe, unchawerische Weise vom Meschek freigegeben, sozusagen hinausgeworfen worden war. Das war der einzige konkrete Punkt, auf den es sich Medinahi verlohnte, einzugehen. Er gab eine ganz andere Darstellung dieses Falles, man sah plötzlich den komischen Mangel an Feingefühl, den Feder in seinem Benehmen bewiesen hatte. Im Anschluß daran verwahrte sich Medinahi aufs entschiedenste gegen gewisse dumme Anspielungen, die gemacht worden waren und die die materielle Ungleichheit zwischen Alten und Neuen zum Gegenstand gehabt hatten. Mit dieser Frage steht und fallt der ganze Kibbuz, unsere ganze Bewegung, rief er mit großem Ernst, derartigo Dinge kann man nicht scherzhaft andeuten, ohne sie mit genauem Material zu belegen. Im übrigen war es ein Uhr nachts, die Versammlung löste sich auf, vertagte sich auf ein anderes Mal. Es sollte nie mehr eine Fortsetzung stattfinden. Alle vernünftigen Chawerim aus Deutschland, Karsan und Wippke ausgenommen, die vollen Erfolg der Veranstaltung Lüchten, gingen mit dem Gefühl nach Hause, Zeugen einer plumpen unil peinlichen Blamage gewesen zu sein. Das Wort von „Antrieb und Hemmung" hatte den Alten gefallen. Sic gingen in Gruppen, suchten die hebräische Uebcrsetzung dieses Ausdruckes. Kaz rief lachend: Weder Antrieb noch Hemmung. Bar Urjon sagte zu mir, ich hätte im wesentlichen recht gehabt, nur eine zu scharfe Form benulz.t. Sarah Kinski hat seiner Frau meine Artikel gezeigt, auch Schwanilz, der mich neulieh in der Miklachath (Waschraum) anredete, sagte, es seien schöne Dinge dabei, und Bar Ürjun und Schwanilz sitzen viel zusammen. Damals schlug mir Bar Urjan vor, einen Aufsatz für den „Zibur" (Zeitschrift des Kibbuz) zu schreiben, über die chaluzische Alijah aus Deutschland, man würde ihn ins Hebräische übertragen und veröffentlichen. Die Chawerim aus Deutschland sehen mich schief an, wie Immer. Am nächsten Tag stehe ich am Zelt und ordne die Schnüre. Da kommt Selzer angeschlendert, bleibt grinsend stehen und sagt: Du arbeilest entschieden besser als du redest. Es ist schade um dich, daß du so gut reden kannst, antworte ich ihm. Seit damals macht Ben Ezew einen gewissen Witz, wiederholt ihn hei allen möglichen Gelegenheiten, so wie er den Wiiz. mit den verschiedenen Alijoth (Einwanderungswellen) wiederholt, llahlcw wendet sich verärgert ab und macht nach außen gerichtete Schaufelbewegungen: Medinahi müsse sich in zwei Teilt» teilen, da die Alten wie die Neuen ihn in gleichem Maße beanspruchen, er persönlich, Ben Ezew, schlage vor, für die Alten Medinahis Kopf und für die Neuen Medinahis Unterpartie bereitzustellen. Das sind so typisch Ben Ezews Witze. Dabei kommt er sich mächtig intelligent vor. * Bartel fährt mit dem Wagen durch den Pardess (Orangen- , danzung), um Steine zu holen vom Gilboa, für den Bau. Er sieht mich stehen an der Zypressenalice und Wasser trinken, da hüll er den Wagen an, steigt herunter und kommt auf mich zu. Daß du so ein Sehwein bist, hätte ich nicht gedacht, ruft er und verzieht den Mund verächtlich, ganz langsame große Sehritte nehmend und mich ganz langsam und groß mit den Augen durchbohrend. Ich reifte den Krug vom Mund und lasse ihn in der Luft schweben. Was ist los mit dir? frage ich. Dn ist er schon nah dran und sieht erst auf meine Schulte und dann auf mein Gesicht, gewissermaßen mit kalten, ein wenig zusammengekniffenen Augen. Du Schwein du, sagt ei\ du hast mir ilanni abtrünnig gemaclti, du hast sie beredet, mich abzuwehren, weil du sie selber gerne hab^n willst. Ich stelle den Kru£ auf die Erde und fange an, zu lachen. Erst lache ich schüchtern, dann mutiger, schließlich greife ich ganz frech nach Bartels Kinn und kitzele es von unten, wie ich es von Zwi gelernt habe. Bartel, sage ich, du hast ja einen Knall. Von dem Kitzeln wird er auch verführt zum Lachen, aber dann ist er gleich wieder ernst und sagt, aber jetzt immerhin auf einer anderen Ebene stehend: Du, Dajan, was mache ich bloß, Hanni ist mir untreu. Ich lache wieder. Ich sage, bis heute haue ich gar nicht gewußt, daß sie Gründe hätte, ihm treu zu sein. Und woraus er denn auf ihre Untreue schließe. Sie wolle ihn nicht mehr. Seit jener Nacht, wo ich' im Chadar Ochel (Speisesaal) geschlafen hätte. Seitdem sei sie vollkommen verändert. Ich sage ihm die Wahrheit. Ich sage ihm, selber nachdenklich geworden, daß sie mir damals erzählt hätte von ihrem Verhältnis zu ihm. Sonst ist nichts zwischen euch? Nichts, antworte icH, Wie kommst du übrigens gerade auf mich? Er wird verlegen. Er sagt, sie sei plötzlich umgeschwungen in ihrem Vertrauen zu der Elternsache, die er arran- &ieren wolle, und habe sieh dabei gelegentlich auf Dajan erufen, so als hätte ich ihr Mißtrauen unterstützt oder womöglich wachgerufen. Und überhaupt spreche sie von mir als von einem besonderen Menschen. Bartel fährt weiter, ich sehe seinen Wagen versehwinden, * Ilanni erzählt, daB im Macbsnn (Vorratsraum) der Küche tingebrochen worden ist. Die Täter scheinen sich durch' einen der Aufzüge in den Maehsan hinuntergelassen zu haben. Es fehlen Eier, Butter, Zucker, Mehl und noch' einige Dinge. Die Machsanleiterin soll erklärt haben, daß sie bei Wiederholung einer derartigen Sache ihr Amt niederlegen werde. Einen Tag später spendet Aksehani drei Flaschen Wein zu Hannis Geburtstag und bringen der Schmied und Bnrtel eine herrliche Torte ins Zelt. Die Zutaten sind gekauft in Kfar Esrachim, sagt Bartel, Und gebacken haben wir die Torte bei uns in der Schmiede, weil Hermann nicht 'Wollte, sagt der Schmied. Hermann ist jener Deutsche, mit dem Towo gearbeitet hat und der jetit die Leitung der Bitckerei Übernimmt. (Fortsetzung folgt)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.