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Jüdische Rundschau · 1937-04-13 · Heft 29 (13.4.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 29 (13.4.1937)
Date
1937-04-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Mr. 29, 13. IV. 1937 Von der Woche Von unserem palästinensischen Korrespondenten mit einem Mantel von nationalen S c h 1 a g wor t e n umhängt werden. Nicht wenige von den Aktionären beschweren »ich heute darüber, dal) man ihnen „Assis" nicht als «in Geschäft, sondern als eine „National^ Position" angepriesen habe und daß ihnen jetzt nicht mir ihre Aktien und Kapitalien, sondern auch ihre Illusionen und Begriffe unter den Händen zerrinnen. Palästina und die Ciol.ih haben in den letzten Jahren geradezu in einem Taumel der Propaganda gelebt. Alles, was in Palästina bestand und wuchs, wurde eo ipso als ausgezeichnet uud „national" hinbestellt. Die Juden haben oft ihr Mißvergnügen zu erkennen gegeben, wenn sie auch Kritisches au» Palästina hören sollten. Sic hatten den — vielleicht verständlichen, aber gefährlichen — Wunsch, in Palästina mehr den Trost als die Aufgabe zu sehen. Palästina wiederum war nicht weniger vom Propagaudateufcl besessen und hat alles, w»§ hier gemacht wurde, unterschiedslos glorifiziert, Ob et sich nun um eine neue Siedlung oder ein Purimfest oder eine Fabrik oder hebräische Kunst handelte. Es ist wahrscheinlich kein Wunder, daö durch diese dauernde Propaganda eine Art Benebelung eingetreten ist, in der die Konturen Avischen privatem Geschäft und nationalen Aufgaben, zwischen der Arbeit für das Gemeinwohl und für die eigene Tasche erheblich verwischt wurden. Wer für ein Unternehmen in Palästina Kapital zu beschaffen suchte — und vielleicht nicht immer auf sicheren Grundlagen — und wer dieses Kapital investierte — beide sprachen nicht nur von der Produktion und von der Dividende, sondern im selben Atemzuge von nationalen Pflichten, von Heroismus und Palästinaaufbau. Damit mußte sich eine Herabminderung des .Wertes aller dieser schönen Losungen ergeben, ebenso wie eine Verfilzung von Idee und Geschäft, über die sich schon leit längerem die einsichtigen und ernsten Köpfe im ln- Ufid Auslände beklagen. Der Fall „Assis" zeigt alle diese Erscheinungen in einem klaren und sehr malmenden Beispiel. Vielleicht wird er in weiteren Kreisen die Uebcrzeiiguiig festigen, daß mit nationaler Propaganda sehr viel vorsichtiger umgegangen werden mm), daß Zionismus und Geschäft — im Interesse beider! — reinlich zu trennen sind und da» die Öffentlichkeit darüber zu wachen hat, welche Propaganda- und Geschäfismethoden im In- und Auslände angewandt werden. Wir werden wirtschaftliche Schwierigkeiten und Perioden der Stagnation überwinden, so wie wir sie schon öfters überwunden haben. Eine Untergrabung der öffentlichen Moral jedoch und eine Herabwürdigung der Ideen als Mittel für Geschäftsinteressen wird unsere zentrale Position untergraben. Zwei neue Siedlungen Mii den Hauarbeiten in zwei neuen Mnscliawim wurde begonnen, die auf Keren Kajcmcth-Bodcn im Beisan- Gcbiet unweit der vor einigen Wochen angesiedelten Kwuzoth Hassadeh und Tcl-Amnl gegründet worden sind, Die über 200 Siedler sind Mitglieder von zwei Arbeitergruppen aus Galiläa. Die Mittel sind vom Keren liajessod zur Verfügung gestellt worden. In wenigen Stunden waren Eisenbetonmauern, Hütten, sowie der' Wachtturm, auf dem ein Scheinwerfer angebracht Nt, fei-liggeste'lt. Vertreter der Jewish Agency, des Kenn 1 lajc»od und des Keren Kajeiuetli wohnten den Arbeiten bei; sämtliche Teile des Jischuw sandten Glückwunschtelegramme. Araber aus den umliegenden Dörfern kamen, um die Siedler willkommen zu heißen. Eine der Siedlungen ist Beth Josef (nach Josef Aronowitz) benannt werden; die dort geplante Eisenbahn-Haltestelle wird denselben Namen tragen. Die Siedler stammen hauptsächlich aus Polen und Litauen und sind seit Jahren in den Kolonien als Lohnarbeiter tatig gewesen. Petach Tikwah als Stadtgemeinde Jerusalem, 8. April. (ITA.) Die Erhebung der jüdischen Siedhing Petach Tikwah zur Stadtgemeinde, die am 24, März durch eine Verordnung der Palästina-Regierung erfolgt ist, wurde am 8. April durch High Commissioncr Sir Arthur W a u c h o p e im Rahmen eines in der neuen Stadt durchgeführten I e-iaktes verkündet. Nach der Zeremonie fuhr der High Conuni^ioncr durch die Hauptstrallen von Peineh Tikwah. Aiikilslich der Siadterhehungsfeier veranstaltete die Stadtverüitung eine Ehrung für die jüdischen Opfer der Unruh. :• des Jahres Kr*). Der neue Stadtrat wird aus iuiii/elui Sta,:i\erordneten mit einem Bürgermeister an der Spitze bestehen. Vor der Feier in Petarh Tikwah hatte der High Commissioner die Anlegestelle in Tel- A w i w besucht. Dr. Weizmann kommt nach Palästina Jerusalem, S, April. (JTA.) Man erwartet, daß der Präsident der Jewish Agency und tlcr Zionistischen Organisation, Hr. Chaim Weizmann, am 17. April in Palästina eintreffen wird, um an -den Beratungen des Zionistischen Aktions-Cntnites teilzunehmen, die am 20. April in Jerusalem beginnen. Mord im Scharon Mali Engelhardt, die 3Sjäbrige Frau eines Siedlers In J a r k o n a. einer Kolonie Im Scharon nördlich von Petach Tikwah, wurde am Schabbat früh beim Verlassen eines Stallgebäudes durch einen Schuß tödlich verletzt. Sie itarb kurz darauf im Spital in Petach Tikwah. Die Mörder waren vermutlich Araber aus der Nachbarschaft. Untersuchungen mit Hilfe von Spürhunden sind im Gange. In der Nähe von Y a r k o n a wurde ein Araber erschossen aufgefunden. Nach den Aussagen arabischer Augenzeugen wurde aus einem vorüberfahrenden Auto auf ihn geschossen. Später wurde ein jüdischer junger Mann aus Tel-Awiw unter dem Verdacht tier Täterschaft verhaftet. Wie verlautet, handelt es sich bei dem Ermordeten um einen Aegypten^ Im Laufe der Untersuchungen wurden auch noch zwei Revisionisten festgenommen. Neuer Direktor der PICA Paris 11, April. (JTA.) Als Nachfolger des verstorbenen Direktors der l'alcstine Jewish Colonisation Association (Pica), Henri Franck, ist Robert Göttlich zum Generalsekretär und Geschäftsführer der Pica ernannt worden. Berichtigung. Der Name des in Beth Alpha durch einen unglücklichen Zufall getöteten Chaluz lautet nicht wie in Nr. 27 angegeben, Elieser Sklaretz, sondern Elija hu Eugen Sklarz. Der Getütete, der im August 1936 nach Palästina kam, stammt aus Berlin und erreichte ein Alter von knapp 20 Jahren. gl. Tel-Awiw, 6. April 1937 Diskussion der Teilungsplane Mit den Publikationen verschiedener Londoner Blätter über die erwarteten Vorschläge der Königlichen Kommission hat im Lande eine lebhafte Diskussion einesetzt. Es macht keinen grollen Unterschied, daß der Obcrommissar in seiner Audienz für die Mitglieder des Obersten Arabischen Rates nochmals betonte, die Beratungen der Peel- Kommission seien völlig geheim und niemand sei bisher berufen und ermächtigt, etwas Bestimmtes über ihre Vorschläge auszusagen. Das Publikum greift naturgemäß dennoch jeden Fetzen tiner Information mit Begierde auf und beginnt unverweilt mit der Diskussion des neuen Projektes. Aut den ersten Hieb haben sowohl Juden wie Araber im Lande den Plan einer Teilung des Landes a limine abgelehnt, ohne zu unterscheiden, ob es sich um die Schaffung von Kantonen oder die von zwei neuen Gemeinwesen handelt. Sowohl unter den Juden wie unter den Arabern gibt es viele, die die gesamten Pläne überhaupt nicht ernst nehmen, zum Teil deswegen, weil sie sich nicht vorstellen können, wie sie praktisch durchzuführen sind, zum Teil, weil sie es für ausgeschlossen halten, daß Juden und Araber sich auf dieser Linie einigen. Andere wieder neigen dazu, die Projekte ernst zu nehmen. Sie weisen daraui hin, daß diese Regelung mit der Gesamtlinie der englischen Politik im Nahen Osten übereinstimmt, die darauf hinauslauft, Ansprüche der Einheimischen zu befriedigen und ihnen Unabhängigkeit zu geben, während zugleich die englischen Interessen, wie in Aegypten und im Irak, durch Verträge gesichert werden. Bei einer Teilung Palästinas ergibt sich die Möglichkeit für das Imperium, den Arabern und den Juden ein bestimmtes Selbstbcstimmnngsrccht einzuräumen (freilich für beide auf verkleinertem Räume) und sich auf die für die Engländer strategisch entscheidenden Punkte zurückzuziehen. Die Tatsache, daß der Teilungsplan für England einen Ausweg bietet, wird hier als wichtiger Beweis für die Ernsthaftigkeit des Teillingsprojektes angeführt, trotz der massenhaften administrativen und wirtschaftlichen Komplikationen, die sich aus dem neuen Schema ergeben. Die Araber haben sofort erklärt, die ganze Sache käme für sie nicht im geringsten in Betracht, ihre i orderungen wären bekannt, sie würden niemals von ihnen abgehen und die Regierung würde gut daran tun, die Nachrichten sofort auch in London zu dementieren, damit nicht eine Verwirrung eintrete. Von jüdischer Seite liegen bereits Aeußerungen führender Persönlichkeiten wie Ben Gurion, Ussischkin, Scherfok vor, die sich gegen das Projekt aussprechen, naturgemäß ebenfalls in allgemeinen Umrissen, ohne eine Auseinandersetzung mit Details. Ussischkin spricht von der Notwendigkeit, die „Tanachischen Grenzen" Palästinas aufrechtzuerhalten. Auch der „Haarez." hat sich gegen das Projekt gewandt. Wir haben damit bereits so etwas wie die Ansätze einer üdi sehen Protestbewegung im Lande gegen den 'San der Teilung. Freilich steht eine offizielle Stellungnahme noch ans und wird vermutlich auch vor Veröffentlichung des Peel-Berichts nicht stattfinden. In dem genannten Artikel des „Haarez" finden wir auch eine Erage, die jeder stellen muß, der sich mit der gegenwärtigen Situation befaßt und die bei einer negativen Haltung der Araber und Juden zu eventuellen Vorschlägen der Peel- Kommission bestimmt von den Engländern gestellt werden wird. Sie lautet: Wenn diese oder andere Vorschläge nicht in Betracht kommen, was liefert dann ihr für eine Lösung der gegenwärtigen Situation? Der „Haarez" gibt darauf die Antwort, daß, wenn die Regierung sich nur entschließen würde zu „regieren'', was ja die erste Aufgabe jeder Regierimg sei, alle Schwierigkeiten sich lösen würden. Das hätten die Juden von jeher gesagt, und sie sagten es heute mit vollstem Nachdruck wieder. Man muß bezweifeln, ob diese Antwort eine Antwort ist. Mach den Erfahrungen der letzten Zeit muß es jedem klar sein, daß die Palästinafrage auf irgendeine neue Weise angepackt werden muß, wenn sie sich nicht dauernd komplizieren und zu Katastrophen führen soll. Stellen sich also die Vorschläge der Kommission als unausführbar oder unannehmbar heraus, so ergibt sich nicht nur die Notwendigkeit, sie zu bekämpfen, sondern auch, ihnen andere, bessere und einleuchtendere gegenüberzustellen. Beruhigung — Jaffas Hafen Die Wendung zum Besseren in der öffentlichen Sicherheit, die mit der Publikation der neuen Notverordnung und dem Aufruf des Obersten Arabischen Rates einetreten ist, hält bisher an. Diebstähle und kleine Ueberfälle ommen mich vor, aber sie sind im Verhältnis zu dem Zustand vor der Rückkehr des High Commissioncrs viel seltener geworden. In der jüdischen Wirtschaft ist in letzter Zeit eher eine Besserung als eine Verschlechterung eingetreten, da die Orangensaison, die dieses Jahr aus verschiedenen Gründen länger dauert, sehr viel Menschen absorbiert hat. In nächster Zeit werden hier freilich viel Arbeitskräfte freigesetzt werden, und es werden bereits Vorarbeiten gemacht, um sie in öffentlichen Arbeiten aufzufangen. Im Moment werden Versuche gemacht, für die landwirtschaftlichen gemischten Siedlungen temporäre Arbeiter aus anderen Orten in ähnlicher Weise heranzuziehen, wie es für die Orangenernte in den Kolonien geschah. In den Siedlungen sind augenblicklich Arbeitskräfte überaus rar. An verschiedenen Stellen hat man bestimmte Zweige (vor allem Gemüse) stark vergrößert, die Ausbreitung des Bewässerungssystems verlangt neue Menschen, der Wachdienst verschlingt eine Menge von Arbeitstagen und so wird jetzt eine Aktion durchgeführt, um Arbeiter aus Städten und Kolonien für bestimmte Zeit den Siedlungen zur Verfügung zu «teilen. Unter den Arabern scheint dagegen die ökonomische Lage sehr schwierig zu sein. Wir haben freilich keine genügenden Unterlagen, um ein genaues Bild des arabischen Wirtschaftssektors im gegenwärtigen Moment zu zeichnen, aber alle Anzeichen sprechen dafür, daß die durch den Streik und die Unruhen verursachten Störungen und die vielfach durchgeführte Trennung vom jüdischen Sektor schwer empfunden werden. Die von der Regierung in Aussicht gestellten öffentlichen Arbeiten werden hier vielleicht einige Erleichterung schaffen. Ein Spezialproblem der arabischen Wirtschaft Ist der Jaffaer Hafen, der seit dem Abbruch des Streiks zwar wieder arbeitet, aber nur von Arabern benutzt wird, während die Juden die Anlegestelle in Tel-Awiw und den Haifaer Hafen benutzen. Jaffa, das ohnehin unter den Unruhen schwer gelitten hat, ist mit der Beschränkung der Hafentätigkeit in seiner wirtschaftlichen Bedeutung stark gesunken. Die Araber bemühen sich in letzter Zeit mit verstärktem Nachdruck tun eine Wiederbelebung des Hafens, versuchen mit allen Mitteln einen Druck auf die Schiffsgescllschaften auszuüben, die während des Streiks sich gewöhnt haben, nur nach Haifa zu gehen. Die Mitglieder des Oberste» Arabischen Rates haben in ihrer Audienz mit dem Oberkomnüssar ebenfalls die Frage des Jaffaer Hafens angeschnitten, jedoch die Antwort erhalten, dal) für die Juden ja keine Möglichkeit bestand, den Hafen während des Streiks zu benutzen und die Regierung jetzt keine Absicht habe, irgend etwas an dem Bestehenden zu ändern. Dieses Bestehende sind die Häfen von Jaffa und von Tel-Awiw, wobei die jüdischen Passagiere, die vorläufig nicht in Tel- Awiw zu landen Erlaubnis haben, natürlicherweise nach Haifa gehen, so daß sich der Arbeitskreis in Jaffa stark verkleinert hat. Während der Orangensaison verschiffte Jaffa wenigstens noch den Teil der arabischen Orangenernte, der aus den südlichen Plantagen kam. Mit dem Abschluß der Saison, der bevorsteht, hört auch dieses Geschäft aut, und die Frage des Jaffaer Hafens wird damit noch akuter. Schafe für Ejn Hachoresch Nach dem Raub der Schafherde in Ejn Hachoresch, der mit dem Mord an zwei Hirten verbunden war, haben sich die landwirtschaftlichen Siedlungen zusaniniengetan, um der Kwuzah, der die Polizei ihre Tiere nicht wiederfand, ihren Schaden zu ersetzen. Nach einem einmütig angenommenen Beschluß haben die verschiedenen Wirtschaften, die Schafzucht treiben, jede ein paar Tiere von ihrer Herde gespendet, andere, die keine Schafe besitzen, gaben eine Summe Oeldes, und so kommt in Ejn Hachoresch wieder eine Herde zusammen. Die Hilfsbereitschaft, die in dieser Haltung liegt und die Stille, in der die Aktion durchgeführt wird, stellen den Wirtschaften ein schönes Zeugnis aus. Reglerungskredite für die Landwirtschaft Die Notwendigkeit der Beschaffung billiger und langfristiger Kredite für die palästinensische Landwirtschaft, die jüdische wie die arabische, ist seit langem von allen Seiten anerkannt worden. Die Mandatsregierung hat sich auch mit diesem Gebiet befaßt und etliche Male im Zusammenhang mit Untersuchungen von Wirtschaftsexperten sich darüber berichten lassen. Bei der gegenwärtigen Situation im Lande, wo der Fellach durch die Stagnation und die Unruhen leidet und auch die jüdischen Wirtschaften sich angelegentlich mit diesem Gegenstand beschäftigen, ist die Frage von neuem stark aktuell. In der als Beilage zum „Dawar" erscheinenden Zeitschrift der Arbeiterkooperativen „Harneschek Haschihufi" gibt J. Gelfat in der letzten Nummer eine umfassende und ausgezeichnete Analyse des Problems und beschäftigt sich besonders mit der Struktur und den Arbeiten der landwirtschaftlichen Hypothekenbank der Regierung, die vor ungefähr einem Jahre zu funktionieren begonnen hat. In dem Artikel gibt der Autor einen Ueberblick über die bestehenden Kreditmöglichkeiten in der jüdischen und arabischen Landwirtschaft und untersucht, inwieweit die landwirtschaftliche Hypothekenbank der Regierung imstande ist, den Bedürfnissen des Landes zu entsprechen. Es wird auseinandergesetzt, daß die Regierung sich in der Hauptsache mit der Garantie der Bankgelder begnügt und für die Kapitalbeschaffung auswärtige Gruppen herangezogen hat, so daß die Politik der Bank mehr durch die Auslandsinteressen des investierten Kapitals als die Bedürfnisse des palästinensischen Bauern bestimmt wird. Es sei somit zu fürchten, daß die palästinensische Landwirtschaft durch die Anleihen der Bank m eine Abhängigkeit von ausländischem Kapital gerät. Außerdem seien die verlangten Zinsen von ungefähr 8 o/o für die Landwirtschaft nicht tragbar und es bestände noch dazu die Gefahr, daß die Gelder nicht so sehr dem bedürftigen kleinen Fellachen, als den größeren Besitzern, die ihre Böden verpachten, zugute kämen, so daß gerade dem kleinen Mann, der es am nötigsten hat, nicht geholfen wird. Schließlich geht Gelfat noch auf die für die luden wichtige Frage ein, daß bisher kein Weg gefunden wurde, um den jüdischen Siedlungen auf Böden des Keren Kajcmeth auch die Kredite der Bankzugänglich zu machen, wozu eine Einstellung auf die mit dem Keren Kajemcth-Besitz verbundenen besonderen Rechtsverhältnisse notwendig ist. Die Analvse des billigen Regierungskredites für die Landwirtschaft, die in dem Artikel geliefert wird, ist deshalb besonders verdienstlich, weil man sich bisher im Lande nicht eingehend genug mit der Gründung dieser Hypothekenbank und ihrer Arbeitsweise befaßt hat. Es wäre von Bedeutung, wenn der Artikel den Anlaß zu einer weiteren Diskussion gäbe, unsere nationalen Institute dazu anregte, sich weiter mit der Sache zu befassen und auch auf die Regierung dahin einzuwirken, daß die Bank möglichst weiten Kreisen der Landwirtschaft und gerade den bedürftigsten dienstbar gemacht wird. Sich kreuzende Fluglinien In diesen Tagen hat die Flugverbindung zwischen Polen und Palästina zu funktionieren begonnen. Zu gleicher Zeit flogen in Warschau und in Ludd die Aeroplane ab, die zum ersten Male Passagiere und Post zwischen den beiden Ländern beförderten. Damit ist eine neue Fluglinie zwischen Europa und Palästina eingerichtet, zugleich die erste, die direkt mit dem Osten Europas verkehrt. Palästina ist nach dem Kriege mehr und mehr zu einem Kreuzungspunkt der interkontinentalen Luftschiffahrt geworden. Die englischen Empiredienste, die zwischen London und Indien verkehren, laufen iiber Palästina, und das Aerodrom in Ludd, das großzügig eingerichtet ist und dauernd weiter ausgestaltet wird, beginnt die provisorischen Landungsstellen (seinerzeit Gaza und dann eine Zeitlang Tiberias) zu ersetzen. Durch die Nähe zu Aegypten bildet Palästina auch einen Kreuzungspunkt mit der "englischen Kap —Kairo- Linie, mit der es durch einen regelmäßigen Dienst der agvptischen Misr Air Lines verbunden ist. Die holländische Fluglinie nach Holländisch-Indien geht ebenfalls über Palästina und wird für Europa-Post in letzter Zeit stark benutzt. Jetzt kommt die polnische Linie dazu, und es scheint, daß in nächster Zeit auch ein italienischer Flugdienst nach Palästina beginnen soll. Mit der Vervielfachung der Palästina berührenden Fluglinien bewahrheiten sich die Voraussagen, die die Entwicklung Palästinas als Mittelpunkt der modernen Verkehrslinien hinstellten. Verkehrslechnische und imperiale Interessen spielen in dieser Entwicklung gleichermaßen eine Rolle. Palästina selbst wird durch die Vermehrung der Fluglinien immer enger an Europa und an das asiatische Hinterland, in das es überleitet, angeschlossen. Von ihm als Mittelpunkt breiten sich strahlenförmig die mannigfachen Verbindungen aus, die immer größere Länderstrecken in die Luftschiffahrt einbeziehen. Die EIsenhBndler und -Importeure Palästinas haben sich in die IREG. eingegliedert. Palästina bildet ein lokales Ireg-Kartell. Die erste Quote für Palästina wird in der nächsten Ireg-Konfcrenz in Paris festgelegt werden, sie dürfte zwischen 40 000—60 000 t im Jahr liegen. Die Preise werden den internationalen Preisen entsprechen und nicht mehr nach der inneren Marktlage eingerichtet sein. (Schluß des Palästinatells) £

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