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Jüdische Rundschau · 1937-04-09 · Heft 28 (9.4.1937) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 28 (9.4.1937)
Date
1937-04-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 28, 9. IV. 1937 JODISCHE RUNDSCHAU Saite 11 Entwicklung des Radio Vor einem Jahre, atrf 31. März 1936, wurde die Radio- Station Jerusalem offiziell eingeweiht. Ihre Inbetricbsetzung gab der sejion vorher sprunghaft ansteigenden Zahl der offiziell bei der Post angemeldeten Radioapparate einen weiteren starken Impuls. Die Entwicklung der Hörerzahl ist folgende: Jugendherbergen in Palästina Eine Gedenk-Aktion zum 25 jährigen Jubiläum des „Blau-Weiß" Ende 1926 Ende 1927 Ende 1928 Ende 1929 Ende 1930 Ende 1931 Ende 1932 Ende 1933 Ende 1934 Ende 1935 Ende 1936 80 115 157 240 395 600 900 2 500 5 900 12 200 20 400 Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Entwicklung läßt sich aus den I m p o r t z a h 1 e n erkennen, die für Radioapparate und -einzelteile betrugen: 1934 £P 52 759 (davon aus den USA 25 031) 1935 £P 81 873 (davon aus den USA 55 681) und die die beherrschende Stellung des amerikanischen Empfangsgerätes klar erkennen lassen. Der Anteil der verschiedenen Bevölkerungsgruppcn an der Gesamthörerzahl ist nicht bekannt, doch läßt er sich nach der Unterteilung im Jahre 1936, in dem von den 8216 neuen Zulassungsanträgen 5147 in hebräischer Sprache, 2264 in englischer Sprache und 805 in arabischer Sprach« ausgestellt waren, schätzen. Alfred Markus, Haifa 25 Jahre Technikum in Haifa Im Hebräischen Technikum in Haifa fand eine Feier anläßlich des 25. Jahrestages der Grundsteinlegung statt. Gleichzeitig wurden 19 Ingenieur-Diplome an Studenten verliehen. Herr Kaplanski gab bekannt, daß das Technikum jetzt 425 Studenten zähle, im Vergleich zu 250 im vjy Reinseidene Hemden rm 8,90 J Reinseidene Dantenblusen......... „ 3,90 Knuihnua am SavignyplaiZ, Berlin-Charlottenbur|i,GrolmanitnO«27 Jahre 1935. Außerdem seien jetzt 45 wissenschaftliche Areiter an ihm tätig, darunter 24 Dozenten, unter denen sich 9 Juden aus Deutschland befinden. Schließlich wies Herr Kaplanski auf die finanziellen Bedürfnisse der Anstalt hin; es werden £ 15 000 bis £ 20 00!) für die Ausstattung der neuen Gebäude benötigt. Der High Commissioncr widmete seine Ansprache hauptsächlich dem Andenken Shmarya Levins, dessem Geiste nachzueifern er die Studenten aufforderte. Er hob außerdem hervor, daß noch vieles in Palästina gebaut werden müsse. Ben Gurion sprach über die Frage der Rückkehr zur Arbeit. Nach der Feier besuchte der High Commissioner die große jüdische Tcxtilfabrik in Kfar Atta. Neuerwerbung von Böden In der Pressekonferenz des Kcren Kajcrneth teilte Ussischkin mit, daß die Einnahmen des Kcren Kajeincth im letzten Halbjahr um 24 % gestiegen sind. Er erwähnte den Erwerb eines bedeutenden Bodenkomplexes im Jordan- Tale bei Beisan, wo sechs neue Siedlungen geschaffen werden sollen, von denen je eine nach Nahuni Sokolow und nach Wolffsohn benannt werden, während eine dritte für Einwanderer aus Deutschland bestimmt ist; diese letzte ist vom amerikanischen Bnei Brith zu Ehren des 75. Geburtstages von Ussischkin gespendet worden. Ussischkin sagte ferner, daß der Keren Kajeincth in den letzten Monaten einen großen Bodenstrich von einem bekannten arabischen Führer erworben hat. Hille werde vom Keren Kajeincth und der ICA gemeinsam übernommen werden. Uns wird aus Jerusalem geschrieben: Am 7. April waren es 25 Jahre, daß der erste „Blau- Weiß" (damals noch unter dem Namen Jugendabtcihing des Jüdischen Wanderbundes lö()7) in Breslau von Joseph Marcus gegründet wurde. Am 5. Mai WI2 beim Zionistischen Delcgiertcntag in Posen haben die Brcslauer Blauweißführer dann den Gedanken des frühen Blauweiß (Zionismus durch Erziehung zur Liebe der Natur und naturgemäßer Lebensweise, erreicht auf dem Wege des Zusammenlebens bc'm Wandern und Lagern) in weitere Kreise getragen. Danach haben Joseph Marcus und Moses Calvary Leitsätze zur Gründung von Jugeiidwanderbihde.i ausgearbeitet, die die Grundlage für die 1913 erfolgte Zusammenfassung zum „B 1 a u - W e i ß" bildeten. In den Tausenden, die bis zum vor mehr als einein Jahrzehnt erfolgten Zusammenbruch dieses ersten jüdischen Wamlerbtindcs in Deutschland hindurchgegangen waren, lebt noch ein starkes Gefühl von der Bedeutung, die diese' Jugendbewegung für die Bildung der jüdischer Kriegs- und Nachkricgsjugend hatte. Auch auf die damals noch nichtziVnis<ischen Jtigcndbünde ging ein starker Eintuiß vom Blau-Weiß aus. In vielen „alten" Blau-Weißen lebt der Wunsch, die Erinnerung an das Blauweißwerk produktiv zu gestalten. Joseph Marcus schlägt daher allen ehemaligen Blauweißen und den Freunden dieser zionistischen Jugendbewegung vor, an Stelle anderer Erinnerungsfeiern e'nen „internationalen j ü d ischen J u g e n d h e r b e r g s v e r b a n d" zu gründen, der den Zweck haben soll, Jugendherbergen in Palästina zu bauen oder schon vorhandene zu unterstützen. Warum Jugendherbergen in Palästina? Infolge der Unsicherheit in Palästina konnte und kann man keine regelmäßigen Wanderungen durchs Land machen. Das bedeutet, daß die Jugend eines der wichtigsten Erziehungsmittel entbehren muß. Und jeder, der die Verhältnisse unter der palästinensischen, besonders der städtischen Jugend, kennt, weiß, welche Gefahr der Verwahrlosung und des Vorkommens in formloser Kulturlosigkeit ihr drohen. Der Einfluß des Elternhauses ist erschreckend gering, der der Straße sehr groß. Die Schule tut, was möglich ist, hat aber auf das Leben außerhalb der Schule nur beschränkten Einfluß. So wäre denn eine neue B I a u w e i ß b e w e g i; n g im Jischuw von großer Bedeutung. Sie dürfte aber jetzt ganz unmöglich sein, da die Parteiverbände, die zum Teil recht Gutes in der Richtung jugendbewegter Erziehung für das Land leisten, ein Aufkommen einer allgemein-zionistischen Jugendbewegung nicht dulden, die Zeit dafür auch nicht reif ist. Ein Ersatz fiir eine mangelnde einheitliche zionistische Jugendbewegung soll nun im Jugendherbergsverband geschaffen werden. A I sie alle Träger des e J u g e n d v e r b ä n u e sollen — wie KKL-Gedankens sind und auf diesem KKL-Boden zusammenarbeiten — auch in den;u■'cadbernergsverbänden bzw. in den Jugendherbergen einheitlich zusammenwirken. Einen ersten erfreulichen Anfang zur Schaffung von Jugendherbergen macht der der „I iadassaif angegliederte Guggenheim-Fonds. Dieser Fonds war dafür gedacht, Spielplätze im ganzen Lande zu schaffen, auf denen sich jüdische und arabische Jugend treffen und verstehen lernen sollte. Von den Spielplätzen, die nur von jüdischer Jugend benutzt werden, ist man zu N a c h mittagsu n d A b c n d k I u b s auf den Plätzen übergegangen und hat dabei Vorbildliches geleistet. Leider fehlt (mangels Geld) die Ausbreitung und Nachahmung des Vorbildes. Dieser Fonds ist nun auf Anregung und nach Förderung durch einige jugendbewegte Menschen (Frl Lind heim und Frl. Wittkower aus Deutschland) dazu übergegangen, Jugendherbergen zu schaffen, deren erste in wenigen Wochen auf dein Kai nie! eröffnet werden wird. Schulen und Jugcndverbündc werden sich sicher' lieh der Herberge bedienen. Das aber, was dein Werke fehlt, ist der Träger, den ein Fonds nur aushilfsweise und in geldlicher Beziehung bilden kann. Die ganze jüdische Jugend des Judentums 'muß Trager dieser Jugendherbergen weiden. Es müssen Richtlinien für die Benutzung der Jugendherbergen aufgestellt werden, der Jiigeudherbergsvatcr muß den Ton angehen und den Geist de-, Zusammenlebens bestimmen. In friedlichen Zeiten muß von der Herberge aus das Land erforscht und die Uin.'.'cbunu; kennengelernt werden. Die uns so fremde Umwelt muß der lügend erschlossen werden. Vielleicht ist hier ein k zu schlagen. Wir wollen hntfiu, bilden weiden, in die naheic Uf.g-el.'brdet zu wandern und dif rct'itdschaft wieder zu erproben emer W.;mt Auel pa in kann die Jugendherberge ein wichtiger Stüt biiidungsort werden. - Es wird nicht s palästinensische lugend fnr tk n t ietlanken des Brücken zu ihr so Möglichkeiten der Herbergen tiiiensische Gastunruhigen Zeiten punkt und Verhwer sein, die Jugendherberge \artcn nur darauf, für ihre ge und Lager zu linden, ciie hurend in der Welt zu .'U gewinnen. Viele Schule Schüler eine Bleibe für Aur Schwerer wird es sein, die ju interessieren. Die zionistischen und jüdischen Jugendverbändc in aller Welt werden aufgefordert, sich dein j üd i s e Ii e n Jugendh c i b e r g s v e r!> a n d (für I rez Israel) anzuschließen. Wer weitere l.inzcllu iien erfahren will, wer sich anschließen oder Ann gütigen gelien will, schreibe an „G Ii i I a n" in Bcth- H a k e r c m G h e w r a f. i w i i f h Fachs a n i o t h hano a r b ' E r e z Israel. Unfallverhütung Im Keren Kajemeth-Wald in M i s h m a r Hacmck gaben drei Araber Schüsse ab, die von einem Wächter erwidert wurden. Ueber die so sehr notwendigen Maßnahmen zur Unfallverhütung in Erez Israel, die aber doch erst in den Anfangsstadien sind, ist an dieser Stelle berichtet worden (Nr. 51 Jahrg. 1936). Es dürfte interessieren, etwas über die Fortschritte, die auf diesem wichtigen Gebiete in der Zwischenzeit insbesondere in H a i f a gemacht worden sind, zu erfahren. Zunächst wurden eine größere Zahl von Bauten und Betrichen im Hinblick auf bereits vorhandene Unfallverhütungsmaßnahmen überprüft. Vor allem aber wurde eine ausgedehnte A u f k l ä r it n g s p r o p a g a n d a systematisch betrieben. Diese ist für Palästina um so dringlicher und notwendiger als in irgendwelchen europäischen Ländern, weil hier gesetzliche und staatliehe Maßnahmen zur Unfallverhütung noch überaus mangelhaft sind und der Ergänzung und der Propagierung bedürfen, da doch in Palästina Arbeitgeber und Arbeitnehmer in großem Maße, weit mehr als sonstwo aus anderen, vielfach völlig anders gearteten Berufen zur jetzigen Betätigung kommen und ihnen erst ganz primitive Begriffe über das Bestehen von Gefahren und ihre Verhütung beigebracht und anerzogen werden müssen. Dies geschieht in der Hauptsache durch Aufsätze im „Dawar" als der in den Kreisen der Arbeitnehmer zumeist gelesenen Zeitung. Weiterhin durch Lehr- und Warnungsbilder, die an den Arbeitsstätten angebracht werden und die die Gefahren und ihre Verliütungsntöglichkeiten ständig' vor Augen halten und dem Bewußtsein einprägen sollen. Diese praktische Arbeit hatte u. a. das erfreuliche Ergebnis, daß nach einer speziellen Statistik in den beiden größten Betrieben Haifas die relative Unfallziffcr gesunken ist. In den Großbetrieben arbeiten auch nach amerikanischem Vorbild eingerichtete Uiifallverliütimgskomitees. Für die kleineren Betriebe und Bauten ist mit der Ausbildung von. Einzelvertraiicnsleuten begonnen worden, aus deren Reihen später einmal gut ausgebildete Betriebskontrolleure zur Verfügung stehen werden. Alle diese Arbeiten werden von dem Huifaer „Sicherheitsingenieur" Oberbaurat a. 1). Rosenberg auf Grund seiner langjährigen technischen Spezialerfahrungen geleitet. Wie aber dieser selbst betont, wäre seine Arbeit und das durch sie bisher schon Erreichte nicht ohne die stete sachgemäße Förderung durch den Referenten bei der! listadruth Haowdim, I. Mereminski, und durch den Leiter des zentralen Unfallverhütungskomitees, Professor C h a j e s, möglich gewesen. Kupsai (Schluß des Palästina-Teils) Nachdruck verboten Ali« (auch Uebersetzungs.) Rechte vorbeh&lteö £iHjP UoPfianirviLoqit WH CHA3I/M SCHWARZ 5&Tfi£°,?!t KIB8UZ 11. Fortsetzunjr*) In einer anderen Hinsicht ein Sorgenkind ist der Klcidermaclisan (Vorratsraum). Auch der Kleidcrmaehsan gehört zu den vielen Legenden, mit denen man in Europa bemüht ist, die Juden von Palästina fernzuhalten. Nur die jüngsten und firmsten Kibbuzim sind gezwungen, den neuen Einwanderer mit Enteignung zu empfangen, seine mühsam im Schweiß des Golahgesiehtes erworbenen Lumpen zu kollektivisieren. Alle etwas größeren, wirtschaftlich etwas gereifteren Kibbuzim gehen über zu der zweiten Form des Machsans, der maximal persönlichen, nur im äußersten Fall kollektivisierenden Form. Jeder neue Genosse, der in den Kibbuz. kommt, erhalt eine Nummer und ein Fach, die Nummer wird vom Machsan in die Wäsche und sonstigen Sachen eingestickt. Die Benutzung des Machsans sieht folgendermaßen au«: Man wirft schmutzige gezeichnete Wäsche durch das stets geöffnet« Fenster der Moehbessah, der maschinellen Waschanstalt. Die Wäsche wird gewaschen, aufgehängt, trocknet in der Sonne und wandert weiter zum Machsan. Der Machsan sortiert die ankommenden Sachen nach Nummern, macht kleine Reparaturen, plättet die für Schabbat bestimmten Stücke, Man nimmt aus seinem Fach seine eigene Wäsche heraus, je nach Bedarf. Es gibt Fächer, die stet» leer sind, weil ihre Inhaber alles zu Hause halten. Andere Fächer wieder müssen daran glauben, daß ihnen die Machsanleitung von Zeit zu Zeit etwas entnimmt, aber die Nummern garantieren den richtigen Kreislauf, die Rückkehr zum Besitzer. Manchmal bleibt ein Stück längere Zeit aus, dann versteht man schon, daß es einen besonderen Umweg hat nehmen müssen. Der Machsan gibt neue Sachen als Privateigentum heraus, zeichnet sie ein für allemal mit der Nummer des Empfängers. Natürlich ist dieser Apparat komplizierter als der absolut *) Zahlreiche Einsender beschworen sich, daß sie die hebräischen Ausdrücke un.scic.-i Romans nicht verstehen. Das dem Abdruck vorausgeschickte Vokabel-Verzeichnis wurde offenbar nicht aufbewahrt. Wir geben also von heute ab zu den hebräischen oder palästinensischen Ausdrücken eine Uebersetiung. — Red. kollektive. Die Schwierigkeit besteht neuerdings darin, eine {;ecignete Maehsanleiterin zu finden. Die bisherige Machsaneiterin ist hoch in anderen Umständen und kann nicht arbeilen. Außerdem hat sie etwa drei Jahre an dieser Siehe gestanden und will diese Arbeit nicht fortsetzen. Da es nicht den Grundsätzen des Kibbuz entspricht, Leute durch monotone Arbeit zur Maschine zu machen, muß man sich nach einer neuen Maehsanleiterin umsehen. Für diesen Posten sind außerordentliche Fähigkeiten erforderlich, dreihundert. Fächer, deren Inhalte und Inhaber, sind die Klaviatur, auf der die zukünftige Maehsanleiterin spielen muß. Es wird ständig im Machsan genäht, es kommen ständig Leute mit großen und kleinen Wünschen, es summt den ganzen Tag wie in einem Bienenkorb. Ist die Atmosphäre in der Küche etwas gemildert durch eingestreute männliche Arbeiter, so hat man es hier durchweg mit einer weihlichen Atmosphäre zu tun und deren Eigentümlichkeiten. Viel Weisheit, Organisationstalent, Geduld, Erinnerungsvermögen müssen die zukünftige Machsanleiterin auszeichnen, nach außen und ebenso nach innen, denn in den Höhlen des Machsans sitzen an acht Nähmaschinen die Drachen und Hexen des Mescheks (Wirtschaft), die enttäuschten und hysterischen gealterten Frauen. * Seit ungefähr einem Monat ist Hirschs Familie da. Hirsch hat Pech mit Frau und Sohn. Den Sohn, einen strebsamen Knaben, der nicht anders geht, als sich geschäftig wiegend und die Füße weit nach außen stellend, beginnen bald die munteren Sabbrehsöhne (gebürtige Palästinenser)) der dritten Alijah zu höhnen, zu stoßen, z.n verprügein, so daß er oftmals heulend und mit einem blauen Auge von seinen Streifzügen durch den Meschck heimkehrt. Die Frau, eine Kleinbürgerin, die sich für mondän hält, weil sie die buschigen Augenbrauen hat schwarz färben lassen, obgleich ihre Haare blond sind, und die auf einem unintelligenten Entenhals einen unintclligentcn Kopf trägt, macht ihrem Mann Szenen wegen der versprochenen und nicht gemieteten Neunzimmerwohnting, verachtet bald den Kibbuz. so stark, daß sie krank wird und den ganzen lag krank im Zimmer liegt. Hirsch sieht, daß er sein Familienglück mit seinem ideologischen Glück nicht dauerhaft verbinden kann. Er ist inzwischen in den Ruf eines guten Arbeiters gekommen, der über ein gewisses Organisationstalent verfügt und sich nicht geniert, faule Leute bei der Arbeit anzutreiben. Man bedauert es allgemein, daß er nervös wird, am Abend kopflos durch das Chadar Ochel (Speisesaal) rennt, um seiner bettlägerigen Familie die Portionen zusammenzustellen. APRIL Hanni erzählt von jenem Mädchen, dem ich im vorigen Jahr die Apfelsine aus der Küche geholt habe, sie sei mit ihrem bleichen, schüchternen Bachur (Mann) nach Jerusalem geflüchtet, zu ihrer Tante, um in Buhe die Entbindung abzuwarten, außerdem habe sie .Schwierigkeiten gehabt innerhalb der Jucendali jah, man hätte ihr aus moralischen Gründen ein wenig zugesetzt. Jetzt erinnere ich mich, daß ich die heulen neulich selber zur Bahn gefahren habe. Das war so gekommen, Hräsi«, der uns, besser ges.igl: Hanni damals mit Hille von sehwar/wäldUchen Anekdoten den Fintritt in die Gcscllsc halt haue leichter nun hen wollen, hatte beschlossen, auszutreten aus der (.esc 1 Isthait, den Kibbuz zu \erlassen. Er war zwei Jahre im Kibbuz gewesen, mit Mühe und Not ( liawer geworden, seine schwarz. - wäldische Zunge wollte sieh nicht au das I lebraisi. he gewöhnen. Einmal sah ich ihn unten stehen neben der Mühle, er hatte Krach mit Ak.schani, stampfte tnii dem Puls auf wie ein kleines Kind. Die Gummischuhe lasse ich mir nicht nehmen, schrie er, zum Donnerwetter, wenn meine Arbeit bei euch nicht mal soviel Wert bat, daß ich ein Paar Gummischuhe behalten darf, dann hat mein ganzes Leben hier keinen Sinn, dann lasse ich mir eben von Kerachski meine Papiere geben und gehe in die Stadt. Bitte .schön, sagte Aksehani, geh in die Stadt, hier wird dich niemand aushalten. Danrt gehe ich in die Stadt, schrie er nochmals, und arbeite solange, bis ich mir ein paar Lumpen kaufen kann, und komme dann wieder. Nicht nötig, sagte Akscliani. Und einige andere von den Alten blieben grinsend stehen und gingen weiter und sagten kein Wort. Bräsig war ein Hypochonder. Er hat nicht arbeiten wollen. Er war noch öfter krank als Härtel. Zum Schluß malte er an das schwarze Brett im Chadar Ochel groß die Worte: Sehalom jeder C'hawerah. Er hatte schreiben Wüllen: Schalom der ganzen Chewrah (Gesellschaft), war aber von Karsan, den er um philologischen Beistand gebeten hatte, absichtlich in dieser Weise irregeführt worden. Seine gesellschaftliche Situation war so verzweifelt, daß er sieh mit der bitte, einen Wagen anspannen und beim Abtransport der Koffer zur Bahn Kutscher sein zu wollen, ausgerechnet an mich wandte. Ich habe schweigend eingespannt, ihn schweigend aufgeladen, samt seinen Koffern. Unterwegs wurde der Wagen von Jugend aus Deutschland aufgehalten. Man lud zu Bräsigs Koffer noch zwei Koffer hinzu, Esther und Josef stiegen auf, etwa sechs Jungen und Mädchen folgten und gaben eine schweigende und etwas düstere Eskorte. An der Bahn küßten sich die Mädchen mit Esther, die Jungen klopften Josef auf die Schulter. Ich hatte keine Ahnung, was geschah. Bis zum letzten Augenblick trug Briisig sein Epos vor, verteidigte sich gegen Angriffe, die niemand gemacht hatte, griff Leute an, die niemals daran gedacht hätten, sich zu verteidigen. Erst der Abfahrtspfiff des Zuges verschloß ihm den Mund.

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