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Jüdische Rundschau · 1937-04-09 · Heft 28 (9.4.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 28 (9.4.1937)
Date
1937-04-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 28, 9. IV. 1937 '^l ^^'^.y^L Jüdische Musiker und Musik in London In verschiedenen Tageszeitungen erschien ein Artikel von Oberregierungsrat Dr. Wilhelm Zieglcr über die Judenfrage in der Welt, in diesem Artikel wird die Entwicklung der Judenfrage in einer Reihe von Ländern geschildert. Abschließend heißt es dann: ,,Das Judentum ist in JWegitnf» geraten, geistig und geographisch. Das ist das Fazit de, Zeil.ihers der Aa.dmikiticm, das jetzt seinem End« entgegen?*hl. IXuin kstcht der Kern der Judentrage in der Welt Und je mehr das Judentum in Hewegung gerät, um so mehr schließen sieh die Türe von Ländern, die [ruher bedenkenlos waren, heute aber miutr.niMii geworden sind. Zelintaiiiende im Lager der Juden wenden «eh h< ute der Fahne des Z i o n i » m u s zu, weil &ie hier einen Ausweg ans dieser Kri-e m-Iicii, zum kleineren Ted nur aus religiöser l'cl«-«eugimg. zum grolieren Teil aus Berechnung. Jahre hindurch halxtn sie den Zionismus Ixdaehelt und verspottet. Heute ist die Kri«e so weit voigesrhritten, daß er allein wohl kaum eine Lösung der Judetitrage in der Welt verspricht." Derselbe Autor hat schon in einem früheren Aufsatz (s. „J. R." Nr. 12) betont, daß der Zionismus weit mehr für die praktische Lösung der Judenfrage hatte tun können, wenn nicht gerade die reichen Juden jahrzehntelang ihm ihre Unterstützimg versagt hätten. Dies ist eine Tatsache, die auch von den Zionistcn häufig genug mit Bedauern testgestellt worden ist. Trotzdem glauben wir nicht, daß der größere Teil derer, die sich heute dem Zionismus zuwenden, dies nur „aus Berechnimg" tun, sondern darum, weil diese früher sorglos lebenden Juden erst durch ihre eigenen Erlebnisse die Judenfrage erkannt haben und dadurch naturgemäß bei der einzigen Bewegung, die von der jüdischen Seite her auf eine Lösung dieser Frage hinarbeitet, Anschluß suchten. Handel und Verkehr mit Juden Der „Westdeutsche Beobachtet" berichtet, daß verschiedene Geim-mden im ü a u Köln-Aachen gegen den Handel und Verkehr v<m (iemeimVa::, c>. .•;.•» mit Juden Stellung genommen halten. So heilte es im Bericht über die ietr.e Sitzung der (iemeinderate von Überbruch- Drommen und P e r s c I o n (Kreis Geilenkirchen) u. a.: „Die Ckmeindente berieten den Beschluß des Bürgermeisters, allen fiemeindiTingew-s.-nen, die geschäftlich oder auf andere Art mit Juden vcrkehieu, das t hiiicindcniitzungsreeht zu ent- 2'ehui." Ls ist nicht mehr als recht und billig, so schreibt Oer ,.\X ib.tchn >!che .Menschen, die durch ihr Verhalten /u ei kennen geben, daß sie sich mit den Juden auf eine Stufe stellen, auch von Rechts und Gesetzes wegen nur der Einrichtungen teilhaftig werden, die dem Gastvolk eingeräumt sind. Diese Leute können also an keiner gemeindlichen S a c h e, die sonst allen Volksfenossen zur Verfügung stein, mehr teilnehmen. Sie önnen keine öffentlichen Einrichtungen z.. B. u. dgl. mehr benutzen; sie können kein Vieh auf die Gemeindewiesen treiben usw. Das „Stuttgarter Neue Tageblatt"' meldet, daß auf dem Stuttgarter Pferdemarkt Juden und deren Pferde keinen Zutrift haben. Zu den Krämermärkten der Gemeinde Gomaringen (Kreis Reutlingen) sind Juden nicht mehr zugelassen und aut den Viehmärkten wird für Juden ein besonderer Viehstand aufgestellt, der die Aufschritt trägt: „Nur für Juden". Der Viehmarkt in Ellvvangen (Jagst) wird in Zukunft judenfrei sein. Der dortige Versicherungsverein hat beschlossen, künftighin kein Vieh mehr zu versichern, das bei Juden gekauft wurde. Die Rafsherren in Winzig (Schlesien) haben eine neue Marktordnung entworfen, die vorsieht, daß bei Kram- und Vichmärkten jüdischen Händlern besondere Plätze angewiesen werden. Der Breslauer Schulkonflikt Aus Breslau wird uns geschrieben: Der Bericht „Breslauer Chronik" in Nr. 27 vom <>. April enthielt die Mitteilung, daß die jetzt erfolgte Verlängerung des Gcmeindewahl-Komnromisses die seit Monaten geführten Kämpfe auf dem Gebiete des Schulwesens beigelegt habe. Dies ist, wie uns mitgeteilt wird, leider nicht der Fall. Die Bedeutung der Kompromiüverl.ingcrung besteht lediglich darin, daß jetzt keine Neuwahlen stattfinden, und daß der früheste Termin, zu dem eine Partei Neuwahlen verlangen kann, der 1. Januar 1930 ist. Außerdem sind einige Aenderungen des Wahlkompromisses von mehr technischer Bedeutung vereinbart. Dagegen ist über materielle Fragen, insbesondere die Schulfrage, nichts gesagt. Nach wie v o r b e s t e h t e in Konflikt zwischen dem Vorstand des Neuen (liberalen) Jüdischen S c h u 1 v rrrins u n d e intm großen Teil seiner Lehrerschaft. Dieser Teil der Lehrerschaft hat die vom Vorstand ausgesprochenen Kündigungen nicht anerkannt, betrachtet sie als politische Maßregelungen und hat an Stelle des nach dem Gesetz zuständigen Arbeitsgerichtes ein jüdisches Schiedsgericht angerufen, welches wohl demnächst entscheiden wird. Zwischen den beiden Schuivereinen war, wie wir seinerzeit meldeten, unter Mitwirkung der Reichsvertretung eine Verständigung dahin erfolgt, drtß der Neue Schulverein unter Verzicht auf eine Höhere Schule eine Mittelschule erhalten sollte. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß der Verein die Mitfelschuikonzession, vorläufig wenigstens, nicht erhalten kann. Aus diesem Grunde, nicht in Verfolg irgendwelcher Verhandlunge n, hat sich der Neue Schulvercin entschlossen, seine Schule in eine „Gehobene Volksschule" umzuwandeln, und hat einen dahingehenden Antrag bei der Schulbehörde gestellt. Die Familie hier. Zu meinem Aufsatz „Haggadoth schel Peßach" („J. R." Nr. 24/25) sei noch nachgetragen: Die einzige Enkelin Meyer Islers, Helene Magnus in Dessau, heiratete den uns allen unvergeßlichen Maler Ephraim Mose Lilien, dessen Illustrationen zu Münchhausens „Juda" und Rosenfeld wir als Kinder liebten und dessen Palästina- Radierungen wir später bewunderten. Lilien, der einer der frühesten „Kulturzionisten" war, leitete auch eine Zeitlang die Kunstschule "Bezalel in Jerusalem. Sein Sohn Otto Lilien lebt jetzt in Erez Israel. Seiner Witwe, der Malerin Helene Lilien, der Enkelin Meyer Islers, verdanke ich den Einblick in die Briefschätze ihres Vaterhauses, der zu der oben erwähnten Studie führte. Bertha Badt-Strauß London, Anfang April Der letzte Klavierabend von Iso E1 i n s o n bewies, daß* die Welt der Romantik die ureigenste Domäne dieses Künstlers ist. Schumanns „Kinderszenen" und eine Gruppe Chopin ließen an poetischer Ausdeutung und Klangphantasic kaum etwas zu wünschen übrig. Hingegen schien uns der geistige Gehalt der Beethoven-Sonate op. 111 kaum erfaßt. — Eine junge Russin, Madia Reisenberg, debütierte hier erfolgreich mit einem Programm, in dessen Mittelpunkt Schumanns selten zu hörende Sonate in Fis-Moll stand. — Der bekannte amerikanisch-jüdische Pianist Isidor Achron spielte in seinem hiesigen Klavierabend unter anderm eine interessante Novität seines Bruders Josef Achron: „Variations Symphoniques". Das Werk fesselte in der ausgezeichneten Wiedergabe von Achron vor allem durch seine pianistischen Qualitäten. — Die 14jährige Ida Haendel, auf die kürzlich an dieser Stelle bereits aufmerksam gemacht wurde, errang sich neuerdings wieder mit dem Violinkonzert von Beethoven in einem Orchesterkonzert unter Leitung von Sir Henry Wood einen sensationellen Erfolg. — Solist im letzten Konzert des Londoner Symphonieorchesters war Jascha Heifetz mit dem selten gespielten Violinkonzert von Jean Sibelius und der „Tzigane" von Ravel. Dieser wundervolle Künstler steht unzweifelhaft an der Spitze der ersten Oeiger der Jetztzeit. — Nach längerer Abwesenheit infolge seiner Welttournee erschien EmanucI Feuer mann wieder auf dem Londoner Konzertpodium. Wir haben schon bessere Abende gehört, an denen sich die große Kunst dieses berühmten Cellisten allseitiger gezeitigt hatte als diesmal. Am besten gelangen Strawinsky und Chopin, während Locatelli und Beethoven irgendwie unter einer gewissen Hast und Aetißerlichkeit zu leiden schienen. Stets bewundernswürdig bleiben jedoch die Reinheit von Feuermanns Intonation und die Wärme seines Striches. Unter der Patronanz der Prinzessin Maria Louise gab der südafrikanische Bariton Henri Mondi einen wohlgelungenen Liederabend. Mondis Vorzüge liegen in einem schönen, ruhigen Legato und in der auffallend sorgsamen Phrasierung. — Mit einem in fünf verschiedenen Sprachen vorgetragenen Programm wußte die Volksliedsängeriu Lisbeth Sanders zu interessieren. — An Kammermusikabenden erwähnen wir die Beethoven-Abende des Lener-Quartetts, das schon im Vorjahr mit dem gleichen Programm (sämtliche Streichquartette Beethovens) einen großen Erfolg hatte, der sich jetzt wiederholte. — Ein ungemein interessantes und anregendes Programm bot der dritte Abend der Adolph H a 11 i s Chamber Music Concerts unter der Mitwirkung der ausgezeichneten Cembalistin Alice Ehlers, die sich mit Couperins origineller Suite „L'Apoth6ose de Lulli" und den humorvollen „Fastes de la grande et ancienne Ministrandise" einen Sonderapplaus holte. — Im Rahmen der Rundfunkserie von Konzerten für zeitgenössische Musik spielte das Kolisch-Quartett als europäische Erstaufführung ein neues Streichquartett op. 3/, Nr. 4 von Schönberg. Dieses viersätzige Werk wurde von Schernberg auf Auftrag von Elisabeth Sprague Coolidge geschrieben und im Januar dieses Jahres von den Kolisen-Leuten in Los Angeles uraufgeführt. Soweit man sich nach einmaligem Hören und ohne Partitur (Aufführung vom Manuskript!) ein Urteil erlauben darf, ist dieses sowohl in seinem Verständnis wie auch in der technischen Ausführung äußerst schwierige Quartett durchaus auf dem 12-Ton- System aufgebaut und steht nicht auf der Linie von Schönbergs zeitlich unmittelbar vorhergehender Streichersuite, die in ihrer Tendenz zu einer tonalen Gebundenheit einen Wandel von einem extremen zu einem gemäßigten Stil seinerzeit vermuten ließ. Uns schien der dritte Satz des Quartetts „Largo-Poco Adagio" ausdrucksinäßig am zugänglichsten. Im selben Konzert sang die bekannte Schönberg-Interpretin Marya Freund aus Paris Lieder von Poulcnc, Szymanowsky und Berg mit durchdringender Gestaltung und tiberragender Musikalität. Ein Sonderlob gebührt dem ausgezeichneten Begleiter Erich Itor Kahn. Dr. M. C am er ZeitschriHcnschau Eine Erinnerung an Rudolf Otto Die „Christliche Welt" vom 20. März veröffentlicht eine Rede, die der Marburger Theologe Heinrich Fr ick am Sarge Rudolf Ottos gehalten hat, in der sich u. a. folgende Stelle findet: „Das erste, woran ich denken muß, ist Rudolf Ottos eigene Schilderung davon, wie er unter merkwürdigen Umständen die Macht des Heiligen einmal ganz klar verspürt hat. Das war auf jener Reise durch Nordafrika, als er in Marokko am Versöhnungsfest der Juden in eine armselige Synagoge geriet, wo gerade der Höhepunkt des Festes gefeiert wurde. Was für ein Kontrast! Hier dieses jämmerliche Notbauwerk mit einem kleinen Häuflein ebenso jämmerlicher Existenzen — aber da der aufflammende Hymnus des Dreimal-Heilig, der seraphische Lobgesang aus dem Propheten Jesaia: .,Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.' Und im flackernden Glanz der Kerzen schien die ganze Majestät des Herrn über Himmel und Erde mitten in unserer Armseligkeit und Nichtigkeit gegenwärtig zu sein. Rudolf Otto hat danach auch in anderen Religionen, an prunkvolleren heiligen Stätten, in höheren Kulturen das Heilige wieder erkannt. Aber jener eine Eindruck erschien ihm wegen des Kontrastes immer als der erschütterndste. Er hat späterhin dieses Erlebnis geradezu als die Entdeckungsstunde seines, Verständnisses vom Heiligen bezeichnet und mit rührenden Worten beschrieben." Friedrich Julius Stahl Die „Historische Zeitschrift" (Band 155; 3) bringt den Wortlaut des Vortrags, den Johannes H e c k e 1 bei der Tagung der Forschungsabteilung Judenfrage des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands unter dem Titel „Der Einbruch des jüdischen Geistes in das deutsche Staats- und Kirchenrecht durch Friedrich Julius Stahl" gehalten hat (vgl. „J. R." Nr. 95 vom 27. 11. 36). Der Vortrag legt dar, daß Stahl durch die Taufe sich nicht gewandelt habe, sondern daß für ihn „das jüdisch-christliche Ethos bis zum Lebensende eine Einheit" bildete. Im Verlauf der Untersuchung wird ferner festgestellt: „Sein sittliches Reich ,Staat' ist nur die christlich übermalte theokratische Volksvorstellung der jüdischen Diaspora." Jüdisch sei auch das Fehlen des Gemeinschaftsbegriffes bei Stahl. Zum Schluß heißt es u. a. zusammenfassend: „Als Theoretiker und Praktiker hat Stahl das deutsche Staatsrecht und protestantische Kirchenrecht sozusagen auf jüdisch durchexerziert, gründlicher und breiter als seine Stammesgenossen vor ihm und nach ihm. Die Stärke seines Willens zum Deutschtum, die Unkraft seines Vollbringens, der Sieg des Jüdischen in seinem Denken macht diesen Staats- und Kirchenrechtslehrer für die Frage der sog. Eindeutschung von Juden zur beispielhaft warnenden Gestalt." Ein Synagogenfund Einem Aufsatz von Prof. Hans Lietzmann im Aprilheft der Zeitschrift „Atlantis" entnehmen wir, daß bei Ausgrabungen in Dura-Europos (im heutigen Syrien), einer ehemaligen makedonisch-römischen Garnisonstadt am Euphrat, wichtige Funde gemacht worden sind. U. a. sagt Lietzmann: „Das kostbarste, was ausfindig gemacht wurde, war ein« um das Jahr 230 angelegte christliche Kirche und eine zehn Jahre später erbaute Synagoge." Diese Synagoge biete zwar baulich keine Ucberraschungcn (es ist der bekannte Stil mit einer Nische in der Mitte der Längswand) — die Ueberraschung bestand vielmehr darin, daß ihre 6 m hohen Wände bis zum Dach hinan mit ganzen Serien alttestamentarischer Bilder bemalt sind, die der Verfasser im einzelnen beschreibt. Die Bilder sin<i zum Teil von persischen Künstlern gemalt und bieten der kunsrgeschichtlichen Forschung die Möglichkeit, eine der entscheidenden Perioden der persischen Kunstentwicklung ru beleuchten. „Wir können aber auch feststellen, daß allen diesen Darstellungen eine alte Bildtradition zugrunde liegt, mit anderen Worten, daß auch in dem Kreise des griechisch gebildeten Diasporajudentums bereits eine Bilderbibe! existierte. Die Untersuchung der Zusammenhänge dieser bisher unbekannten Bildkitnst mit der späteren christlichen Entwicklung verspricht wertvolle neue Erkenntnisse." Tagung: des Bayerischen Landesverbandes Annahme einer neuen Verfassung Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden versammelte sich am 21. und 22. März in München zu Beratungen unter dem Vorsitz von Geheimrat Dr. Silber- Schmidt. Dr. Neutneyer erstattete den Arbeitsbericht. Er brachte u. a. die Anteilnahme des Verbandes an der Lage im Heiligen Lande zum Ausdruck und kam sodann auf die Arbeit der Reichs Vertretung zu sprechen. Er gab einen Ueberblick über den Haushalt und seine Deckung und die Weiterbildung der Organisation durch Einsetzung eines Rats, in dem die Landesverbände und Gemeinden verstärkten Einfluß hätten. Er erklärte, daß der Teppiche Möbelstoffe Gardinen Bemuttert* Da 3 leistungsfähige Spezialhaus unlwbtndlich II Tj U M E X F 13 Ii I> AdleiSr? 36 Baverische Landesverband, wie die übrigen süddeutschen Verbände, eine feste Stütze der Reichsvertretung bilden würde. Im Januar habe in der Versammlung des Rats des Preußischen Landesverbände? der Präsident ausgeführt, daß eine noch immer nicht voll überwundene Auffassung der süddeutschen Verbände eine dem wirklichen Kräfteverhältnis entsprechende Vertretung des Preußenverbandes im Rate der Reichsvertretung verhindert habe. Demgegenüber sei zusagen, daß es im jüdischen Gesamtinteresse liege, daß die jüdischen Mittelpunkte im Reiche in ihrer kulturellen und rechtlichen Eigenart erhalten blieben und daß hier nicht die Zahl entscheidend sein könne. Aus einem Bund der Landesverbände zusammen mit den Organisationen sei die Reichsvertretung erwachsen und nur auf wechselseitiges Vertrauen könne ihre Arbeit gegründet werden. Kommerzienrat Ludwig Rosenzvveig berichtete zur Jahresrechnung 1936/37 und zum Etat 1937/38. Jahresrechnung und Voranschlag fanden einmütige Billigung. Es wurde beschlossen, ein Viertel der Steuereingänge dem Verbände zuzuteilen. In Ergänzung des Berichts des Vorstandsschatzmeisters erläuterte Rechtsrat Dr. Weiler den Sozialetat. In der Nachmittagssitzung referierte Dr. Neumeyer über den Entwurf einer Verfassungsänderung nach den Beschlüssen des Verfassungsausschusses. Notwendig sei eine Vereinfachung der Organisation. Es sei nicht mehr möglich, die Tagung mit 76 Abgeordneten auf Grand direkter, geheimer Wahl beizubehalten. In Uebercinstimmung mit dem Verfassungsausschuß werde jedoch an dem Zweikammersystem festgehalte/i, schon um einer größeren Zahl von Vertretern die Mitwirkung an der Arbeit zu ermöglichen. Die Organe entsprächen den natürlichen Zellen, den Gemeinden und Rabbinatsbezirken. Die Vertretung der Gemeinden bilde der Rat mit dem Recht der Exekutive (22 bis 25 Mitglieder). Die Rabbinatsbezirke vertrete der neugebildete Landesausschuß (20 Mitglieder). Die Mitglieder des Landesausschusses hätten als Vertrauensmänner ihrer Bezirke auch außerhalb der Sitzungen die Verbindung zwischen den Rabbinatsbezirken und der Verbandsleitung herzustellen. Eine weitere Aenderung liege in der Verstärkung der Rechte des Verbandes gegenüber den in der Auflösung begriffenen Gemeinden im Interesse der Erhaltung des Gemeindegutes für öffentlich-jüdische Zwecke. Entsprechend dem Antrag des Bayerischen Lehrervereins wurde bestimmt, daß dem Landesausschuß auch ein Beamtenvertreter als Mitglied angehören solle. — Die Verfassung wurde gleich einer Aenderung der Mustersatzungen für die Gemeinden unter allgemeinem Beifall einstimmig angenommen. In der Sitzung vom 22. März, in der alle jüdischen Mitglieder des Bayerischen Versorgungsverbandes vertreten waren, referierten Kommerzienrat Rosenzweig und Justizrat Dr. Oestreich über die Fragen des Versorgungswesens und seiner Sicherung für die Zukunft. — Das letzte Referat erstattete Rechtsrat Dr. Weiler über die jüdischwirtschaftliche und soziale Tätigkeit. H. L, In New York ist der Sammler jüdischer Volkslieder, Jehuda Leib C a h a n, 56jährig gestorben. T Ihre U m z uge und Transporte jeder Art nach allen Teilen der Welt Gepäckbeförderung / Lagerung Verpackung / Versicherung durch BRASCH & ROTHENSTEIN INHABER HARRY W. 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